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Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
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Die Couchingzone |#61
13.10.2011 - 22:33 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 11: Beten für den Teufel


Es war wieder Mal ein beschissener Tag! Der Nieselregen auf dem Weg zum matschigen Parkplatz hinter der riesigen Betonfassade machte es nicht angenehmer. Marco K. hatte den Kragen seines weinroten Trenchcoats nach oben geklappt, lustlos hing ihm der Griff eines Dauerlutschers aus dem Mundwinkel, seinen Schal hatte er schlaff um die Hüfte gewickelt. Es war Herbst im Pfälzer Wald und Marco K. sah aus wie eine Haselmaus auf dem Weg in ihr Winterquartier. Seit Wochen schon machte ihm die Arbeit zu schaffen. Obwohl er jeden Tag Vollgas gab, stellte sich kein Erfolg ein. Mittlerweile waren nicht nur seine Mitarbeiter und Kollegen unzufrieden, auch Herr Kuntz, der Chef, machte seinem Ärger Luft. Neulich hatte er ihn gleich Montagmorgens in sein prächtiges Büro aus Latschenkiefer bestellt und ihm wortlos eine Tasse heißen Kaffee über den Schritt gekippt. Anschließend gab er ihm einen roten Umschlag, auf dem in dicken Lettern VV aufgedruckt war und deutete ihm mit einem Fingerzeig, den Raum wieder zu verlassen... kein weiteres Wort, nur diese brühend-heiße Demütigung und das rote Couvert. Der miese Stoff aus dem Bergland Äthiopiens hatte noch tagelang auf der Haut gebrannt. Doch was sollte er machen, er wusste selbst, dass in der Firma nur Ergebnisse zählen. Die Aktionäre saßen dem Unternehmen mit gewetzten Messern im Rücken und bald stand die jährliche Hauptversammlung an – da war kein Platz für Fehler. Den Umschlag trug er seit diesem Montag in der Innentasche seiner Bockleder-Weste mit sich herum. Ihn zu öffnen, hatte er sich noch nicht getraut. Vielleicht schaute ihn der Chef deshalb ständig so fragend an.


Marco K. zog das letzte Mal an seinem Dauerlutscher, bevor er ihn im Matsch austrat und in hohem Bogen in einen der zahlreichen Büsche beförderte. Seine Frau hatte ihm verboten, im Auto zu lutschen. Der Zucker könne die feine Sitzpolsterung verkleben, meinte sie. Marco K. tat wie man ihm befahl. Als er den Schlüssel in das verrostete Schloss schob, schaute er mit Tränen in den Augen zum anderen Ende des Parkplatzes. Dort stand mit platten Reifen der schnittige VW Sahan, den er sich im Sommer als Geschäftswagen gewünscht hatte. Der Chef hatte ihm damals noch den Wunsch erfüllt, doch den Rädern gingen nach ein paar Fahrten die Lüfte aus. Die Führungsetage der Firma war ziemlich erbost und verdonnerte Marco K. zur Benutzung des neuen, allerdings sehr klapprigen Suparu. Anfangs lächelten die Leute nur, wenn er damit durch die Pfalz fuhr, mittlerweile standen sie großkotzig am Straßenrand und verhöhnten ihn. Manche warfen sogar mit faulen Eiern und Bowlingkugeln aus dem örtlichen Kegelverleih. Dementsprechend sah die Kiste mittlerweile auch aus, vollgeschmiert und verbeult. Marco K. war allerdings ein integrer Mitarbeiter, regelmäßig brachte er den Wagen wieder auf Vordermann. Mit der Waschlanze war er eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Wie immer dauerte es einige Zeit bis der Wagen ansprang, Marco K. leierte den Motor so lange aus, bis eine große Rußwolke aus dem Auspuff schoss. Im Radio sang Howard Carpendale sein Lied vom Wiedersehn, „Hello again“, Marco K. musste weinen. Das Gaspedal bis zum Anschlag gegen den Unterboden gedrückt, fuhr er hinab in die Stadt. Statt dem Lenkrad umschloss seine rechte Hand den Umschlag, den ihm der Chef gegeben hatte. Es schien als würden von ihm tausende kleine elektrische Blitze ausgehen. Marco K. war wieder mal schweinemüde, die Arbeit machte ihn zum Frack, seine Augenringe lagen schwer auf seinen Knien. Zuhause duschen und dann gleich ins Bett, Alltagsroutine für Marco K. – auch ohne Butterbrot. Morgen früh erwartete ihn Tifferty zum Frühstück, er hatte ihm neulich lecker Friede, Freude, Eierkuchen versprochen – sein Leibgericht, lediglich einmal musste er davon kotzen. Er mochte das Frühstück bei Tifferty, obwohl es früher besser gewesen war. Tifferty bereitete damals sogar jede Menge Vorlagen für die Mitarbeiter von Marco K. zu. Dies war allerdings vorbei seit er ihm das Boot von Playmobil geschenkt und ihn zugleich zu dessen Kapitän ernannt hatte. Marco K. hatte diesen Umstand bemerkt, wollte allerdings nicht sagen, um nicht noch weiter nach Öl in der Wunde zu bohren. Er vermutete, dass Tifferty enttäuscht war, als er feststellen musste, dass er nur mit der linken ***** backe auf’s Boot passte. Männerschicksale.


Plötzlich tat der Suparu einen Satz, Marco K. knallte mit seinem Kopf gegen das Dach des Wagens, sogleich erwuchs ihm eine imposante Beule. Er hatte ein Hutzelmännchen überfahren. Diese kleinen Gesellen waren zu der Jahreszeit ständig auf den Straßen unterwegs. Herbstzeit, Hutzeltime. Die Männchen wurden in den umliegenden Wäldern von Gaststudenten aus Kamerun gezüchtet, ab und an entfloh eines davon. Marco K. fuhr weiter. „War ja nur ein Hutzelmännchen.“, dachte er sich. Trotzdem musste er ein wenig weinen. Aus dem Radio erklang „The last unicorn“. Ein schönes Lied, fand Marco K. und schnäuzte in sein Taschentuchel. Er trat erneut auf’s Gaspedal, ein schwarzer Damön aus Ruß und Rauch türmte sich hinter dem Auto auf und verschmolz mit der Dunkelheit der Nacht. Die Nacht war sein Freund, auch wenn die Müdigkeit schwer auf ihm lastete. Seine Augen wurden nur noch von zwei abgebrochenen Streichhölzern offen gehalten. Als Marco K. in seine Heimatstraße einbog, erblickte er den Turm der Simultankirche, der sich wie in gigantischer, steinerner Pfahl in den Nachthimmel bohrte. Der Mond tauchte ihn in ein bläulich fahles Licht und es schien als ginge eine unfassliche Magie von ihm aus. Marco K. sprang aus dem Wagen und ließ diesen am nächstbesten Baum zerschellen. Nachher konnte er ihn ja wieder zusammensetzen… Mit dem Umschlag in der Hand betrat Marco K. die Kirche, die mächtigen Holzpforten quietschten furchteinflößend, die letzte Ölung lag wohl schon lange zurück. Er nahm unter dem großen FCK-Emblem auf einer einfachen Holzbank aus ungehobelten Balken Platz und starrte auf den Briefumschlag. Bald musste das schier aussichtslose Projekt in Gelsenkirchen erfolgreich beendet werden, was nicht nur angesichts des personellen Kapazitäten ungemein schwierig war, auch der Schalk saß ihm dabei im Nacken. Marco K. hatte Angst, dennoch war sein Glaube ungebrochen. Er wusste, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war, um für den Teufel zu beten.

Mit zittrigen Fingern öffnete er den Umschlag und konnte seinen müden Augen kaum glauben…

Butduma

In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.

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SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#62
14.10.2011 - 09:27 Uhr
"Ich bittä Sie: Walserrr? Krrrrausser? Brrrrussig? Kafka, okay, aberrrr diese anderrren sind doch nurrrr Butdumas für Arme ..."
Marcel Reif-Ranicki

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"Du kannst auf deinen Verein stolz sein, aber eigentlich nicht auf die Tatsache, ein Fan dieses Vereins zu sein. Denn die Fan-Werdung vollzieht sich bekanntlich ähnlich wie die sexuelle Orientierung: Da kommt etwas über dich, das du nicht beeinflussen kannst. (...) . Du kannst deinem Verein nicht einfach die Gefolgschaft kündigen. Du kannst deinem Verein nicht den Tritt versetzen. (...) Du kannst deinen Verein nicht einfach loslassen, denn er hält an dir fest."
Thomas Brussig
Die Couchingzone |#63
20.10.2011 - 20:19 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 12


Ergüsse, Milchpfützen und Bierruhe


Bevor ich mit meinem Couching loslege, liegt mir eine Sache am Herzen, die ich hier zu Beginn gerne loswerden möchte. Ich finde nämlich, dass sich diese Kolumne toll entwickelt hat. 2008 von mir und Berti ins Leben gerufen, weil wir (und viele andere) glaubten, dass der FCK nur so den Horror des Abstiegs in die 3. Liga verhindern kann, nahm diese Kolumne ihren irgendwie seltsamen Weg bis ins Jetzt und Heute. Anfangs warfen der geschätzte Kollege Bertikoks und ich uns den Kolumnenstab im Spieltagsthread zu. Ich weiß gar nicht mehr so genau, wann wir damit begannen. Es muss aber irgendwie um die Zeit gewesen sein, als auch Stefan Kuntz begann, die Geschicke des 1. FC Kaiserslautern zu lenken. Möglicherweise ist diese Parallele auch der Grund dafür, dass viele FCK-Fans noch heute denken, die Rettung im Mai 2008 hätte direkt etwas mit Kuntz' Amtantritt auf dem Betzenberg zu tun. Das ist eine Fabel aus dem Reich des Irrglaubens. Für die damalige Rettung zeichneten einzig und allein Milan Sasic, Bertikoks und ein gewisser Bahli verantwortlich. Aus historischer Sicht sind natürlich die letzten zwei Drittel des vorherigen Satzes fragwürdig. Trotzdem sei an dieser Stelle noch einmal explizit darauf hingewiesen. Doch ich schweife ab. Also zurück zur Entwicklung dieses fußballtheoretischen Etwas, das sich mittlerweile zu einem tollen literarischen Gesamtkunstwerk entwickelt hat. Und dies sage ich nicht als einer der vier Autoren, sondern vielmehr als einer der Leser, die von Berti, Kohlmeyer und Butduma an dieser Stelle vor jedem Spieltag bestens unterhalten werden. Egal, ob es kernige Analysen rund um den FCK, Bratwürste, dicke Pimmel, Kakerlaken oder melancholische Bockleder-Westen und überfahrene Hutzelmännchen sind, in diesem Thread ist Unterhaltung auf hohem Niveau garantiert. Und ich kann den Kollegen hier nicht genug für diese Geniestreiche danken. Es macht einfach Spaß, in diesem Quartett zu schreiben ... und die Ergüsse der Kollegen lesen zu dürfen ...


Was kann den eingefleischten FCK-Fan eigentlich noch schocken?

Klare Frage, eindeutige Antwort: eigentlich nichts. Wenn man - wie ich - den 1. FC Kaiserslautern seit mittlerweile Ende der siebziger Jahre verfolgt, dann ist man mit diesem Verein derartig durch dick und dünn gegangen, dass selbst der mieseste Saisonstart aller Zeiten nur als kleine Randnotiz wahrgenommen wird. Sicher, es gab Dinge, die konnte sich ein FCK-Fan eigentlich nicht vorstellen. Ich habe mir beispielsweise als junger Kerl in den achtziger Jahren immer gewünscht, der FCK könnte einmal deutscher Meister werden. 1991 wusste ich, wie sich das anfühlt. Das 6:2 im Müngersdorfer Stadion hat sich bei mir eingebrannt. Das damalige Gefühl war eine Gänsehaut für die Ewigkeit. Vergleichbar nur mit ... nein, lassen wir das. Es gab aber auch Dinge, die wollte man sich als Fan dieses pfälzischen Traditionsvereins einfach nicht vorstellen. 2. Liga - undenkbar. 1996 durfte man einen Schluck 2. Liga kosten. Schmeckte scheiße. Aber irgendwie war das auch nicht richtig 2. Liga. Das war irgendwie ein kleiner Fehltritt, der Sturz in eine Pfütze. Ertrinken, nein, in Pfützen ertrinkt man nicht. Und dann als Aufsteiger gleich wieder deutscher Meister. Ein historisches Meisterstück, in dieser Form sicherlich ein einzigartiger Leckerbissen ohne Chance auf Wiederholung. Ein Wunder Marke "Unvergänglichkeit". 2006 - die große Pfütze, dann die rektale Katastrophe. Kurz vor dem Absaufen kam der Messias in Form von Stefan Kuntz (oder Berti und Bahli, wie der aufmerksame Leser anmerken wird) und warf zielsicher den Rettungsring. Seit 2010 ist der FCK wieder da, wo er hingehört. Wer den FCK seit über 30 Jahren beobachtet, wird mir beipflichten, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Und wie sagte der geschätzte Kollege Kohlmeyer einmal vor Jahren: "Die anderen können nur an Wunder glauben - wir aber wissen, dass es welche gibt!" - ein Satz für die Ewigkeit ...


"Mit viel Kohle kann jeder" aber wo ist eigentlich die Milch hin?

Der 1. FC Kaiserslautern hat seit Jahren ein großes Problem. Ich meine jetzt nicht die sportliche Seite - die ist seit Mai 2008 im Grunde genommen in Ordnung. Der FCK ist arm wie eine Bettelmaus. Gerade in dieser Woche hörte ich wieder in einem Meeting den Satz "Mit viel Kohle kann jeder". In unserer Branche wird damit gerne der kreative Spielraum charakterisiert, den man sich mit einem durchschnittlichen Budget aus den Fingern saugen darf. Der finanzielle Spielraum des FCK ist metaphorisch gesprochen gleich einem ausgequetschten Milchbeutel. Dass mit ein paar Tropfen Milch kein qualitativ gleichwertiger Ersatz für die abgewanderten Srdjan Lakic und Jan Moravek verpflichtet werden konnte, ist schade aber im Grunde genommen eine klare Angelegenheit. Natürlich fragt sich der nachdenkliche Fan, warum der neue Milchbeutel aus dem Ilicevic-Transfer zum HSV nicht gleich wieder in einen neuen Milchkaffee investiert wurde. Eine Antwort darauf ist sicherlich für den außenstehenden Beobachter kaum möglich.


Acht Spieltage des Bangens, am neunten platzt die Bombe

In den ersten acht Partien der neuen Saison hat sich der FCK kaum mit Ruhm bekleckert. Der Sieg gegen die Null-Fünfer war wichtig, aber mehr als Ergebnis des ausgeprägten Willens zu sehen. Spielerisch lief alles mehr oder weniger ruckelnd. Erst der Sieg bei Schalke 04 hat gezeigt, zu was diese Mannschaft eigentlich in der Lage ist. Dass man auf Schalke gewinnt - gut, das haben wir auch in der vergangenen Saison. Dass man aber ein mit individueller Klasse besetztes Team derartig dominiert, war für mich eine Überraschung. Hinzu kam, dass sich mit Pierre de Wit, Olcay Sahan und Dorge Kouemaha auch spielerische Klasse auf bisher zu Recht kritisierten Positionen zeigte. Alleine das Solo, bei dem de Wit nacheinander Jermaine Jones, Christian Fuchs und Christoph Metzelder vernaschte und Kouemaha der Ball maßgerecht auf dessen Scheitel servierte, ließ mich mit der Zunge schnalzen. Und mit der technisch starken Kante aus Kamerun hat der FCK vorne drin richtige Qualität aus dem Sommerschlussverkauf gezogen. Zusammen mit Itay Shechter kann man da schon von einem gerade heranwachsenden Sturmduo träumen. Man erkannte aber auch, warum Marco Kurz einen Olcay Sahan unbedingt wollte. Der offensive Außenbahnspieler mit türkischen Wurzeln hat gezeigt, dass er sowohl feines Gefühl im Fuß hat als auch den unbedingten Siegeswillen besitzt. Was im Übrigen für die gesamte Mannschaft gilt, die am Samstagabend auf dem Rasen der Veltins-Arena stand.


Kontinuität ist nicht nur die Stärke des Augenblicks

Verlängert man eigentlich Trainerverträge nur, wenn der Erfolg da ist? Bei manchen Clubs sicherlich, aber andere Clubs gehen einen anderen Weg. Der 1. FC Kaiserslautern hat den Vertrag mit Trainer Marco Kurz verlängert, obwohl dieser gerade den schlechtesten Saisonstart in der FCK-Geschichte hingelegt hat. Der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz ist dafür bekannt, dass er ein ruhiger aber trotzdem fachkundiger Vertreter seiner Zunft ist. Und gerade deshalb ist die Vertragsverlängerung keine Überraschung. Kuntz ist um Kontinuität bemüht, lässt seinen sportlichen Bereich in Ruhe arbeiten. Dies kann er aber nur, wenn er hundertprozentig vom Erfolg der Zusammenarbeit überzeugt ist. Ich persönlich halte Kuntz nicht nur für einen ausgewiesenen Chef in allen Belangen, ich halte ihn auch für einen guten Sportdirektor. Er kann die sportliche Situation einschätzen und alle notwendigen Maßnahmen daraus ableiten. Wenn seine Maßnahme nun lautet, den Vertrag mit Marco Kurz zu verlängern, dann kann die sportliche Situation in Kaiserslautern nicht so schlecht sein, wie sie in den vergangenen Wochen gerne hingestellt wurde. Natürlich ist es auch ein eindeutiges Zeichen des Vorstandsvorsitzenden an die ungeduldige und mitunter schon gewaltig grummelnde Masse. Würde man dieses Zeichen in Worte fassen, dann lautet das in etwa so: "Leute, hört auf nervös mit den Füßen zu scharren. Wir haben alles im Griff - sportlich und finanziell." Dass Marco Kurz am Spieltag nach seiner Vertragsverlängerung allen seinen Kritikern mit dem grandiosen Sieg auf Schalke die Luft aus den Segeln genommen hat, passt da genau ins Bild. Und an dieser Stelle muss ich auch feststellen, dass ich unendlich froh bin, dass das Duo Stefan Kuntz und Marco Kurz die sportlichen Geschicke auf dem Betzenberg lenkt. Aber: Natürlich ist der Sieg bei Schalke 04 nur etwas wert, wenn am kommenden Samstag auch gegen den direkten Konkurrenten aus dem Breisgau zumindest nicht verloren wird. Der SC Freiburg ist ein Konkurrent auf Augenhöhe. Ein Sieg und die Welt in und um Kaiserslautern ist wieder vollends in Ordnung. Warten wir es ab ...


Cheers
Bahli

In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.

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You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#64
26.10.2011 - 11:57 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 13: In der Regel


Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2011. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Fritz-Walter, das mit seiner 111 Mann starken Besatzung seit vier Spielzeiten unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von zivilisierten Menschen entfernt, dringt die Fritz-Walter in Galaxien vor, die nie ein Kuntz zuvor gesehen hat.


„Manövriertriebwerke bitte, Commander Kurz“, lautet die prägnante Anordnung in Richtung Chefpilot. Kapitän Kuntz sieht sich um auf der Brücke. Er ist sich sicher, dieser Planet ist gut für seine Mannschaft. Nach dem anstrengenden Aufenthalt auf Arena Null/Fünf, in erster Linie ein Kohle Planet mit Nachschubproblemen und der schwierigen Auseinandersetzung mit den Breisganiern, die allseits als unbequeme Gegner bekannt sind, soll Hessen Zwo der Truppe weniger abverlangen. Endlich mal eine Aufgabe die man quasi spielerisch lösen können sollte. Entspannung also. Und die ist bitter nötig. In immer kürzer werdenden Abständen muss die Besatzung eingreifen. Und von Mal zu Mal werden die Einsätze schwieriger, vor allem aber wichtiger. Die Verantwortung die die Jungs zu tragen haben - merkwürdigerweise besteht die Belegschaft immer noch nur aus Männern, zumindest fast nur aus Männern - wiegt immer schwerer auf den Schultern der Angestellten. Insgesamt könnte Hessen Zwo dazu beitragen, der Psyche etwas Aufschwung zu verleihen. Das scheint dem Kapitän angebracht und sogar der grantelige Chefpilot ist nicht abgeneigt, auch wenn der immer dazu tendiert eher die Gefahren zu sehen. Kurz gesagt, Kurz traut den Hessen im Allgemeinen, aber besonders den Bewohnern von Hessen Zwo nicht über den Weg. Und das obwohl es vor Missionsbeginn gelungen ist ein ehemaliges Crewmitglied zur Kontrolle und Überwachung dort unterzubringen. Hofft er jedenfalls.


Kuntz spürt nach den langen Jahren der Zusammenarbeit die Unsicherheit seines Chefpiloten sofort und entscheidet sich, noch einmal zu einer letzten Überprüfung des Kurses, weshalb er seinen Blick um exakt einhundertdreiundzwanzigkommafünf Grad nach links wendet, um das einzige weibliche Besatzungsmitglied zu konsultieren. Denn neben seinem Kommunikationsoffizier Lieutenant Grubura, steht sein Navigationsoffizier. Der, oder besser die, ist der oder besser die beste der ganzen Flotte, wie Kuntz weiß. Überhaupt wird die Besetzung dieses Postens auf den meisten Schiffen sträflich vernachlässigt. Kuntz jedoch ist immer klar gewesen, wie wichtig sie für den Gesamterfolg der Mission ist. Und nicht umsonst hat ihm seine Beraterin schon mehr als einmal den richtigen Weg gewiesen. In Situationen als Kuntz selbst, auch wenn er das nie zugegeben hätte, weder ein noch aus wusste. Etwas nachteilig nur, dass der Navigator vom Planeten Grand Parentia stammt. Ein außerordentlich begabtes Volk wenn es um Einschätzungen der jeweiligen Lebenslage geht, aber leider, und das ist manchmal wirklich ärgerlich, sprechen die Parentianer immer in mystischen Andeutungen. Was daran liegen mag, dass sich dort das Matriarchat als Organisationsform herausgebildet hat. Und wann hat eine Frau schon jemals so gesprochen, dass ein Mann sie auf Anhieb richtig verstanden hätte? So hat der Kapitän zum Beispiel eine ganze Weile gebraucht, bis er dahinter kam, dass er die spärlich besetzte Weltraumkreditkarte der Fritz-Walter allenfalls an der Tankstelle einsetzen sollte, als der Navigator mitteilte, dass Kuntz an der Supermarktkasse nicht mit einem Autogramm bezahlen könne. Wie gesagt, alles eine Frage der Deutung und richtigen Auslegung. „Also“ beginnt Kapitän Kuntz seinen Satz und wendet sich jetzt direkt an Commander Oma, „können wir das schaffen?“ Oma denkt nicht lange nach und wird präzise: “Der liebe Gott bürdet dir in der Regel nicht mehr auf, als Du auch tragen kannst.“ Schweigen. Es ist ja nicht so, dass der Satz keinen Sinn ergeben würde, aber ein paar Fragen wirft er schon auf. Kuntz zögert. Wer ist dieser liebe Gott? Hat er den schon mal getroffen? Er erinnert sich dunkel an einen gewissen Olaf Marschall. Der hieß auch irgendwie Gott mit zweitem Namen, aber richtig lieb war der nicht. Was heißt "in der Regel"? Dass sich diese Parentier auch immer irgendwie eine Hintertür auflassen müssen. Egal. Vielleicht bemerkt es der Chefpilot ja nicht. Deshalb bemüht sich Kuntz deutlich, laut und wie er meint, mit dem vollen Brustton der Überzeugung zu sprechen als er Kurz ein schallendes „Siehst Du!“ entgegen schmettert. Nur um noch anzufügen: “Du hast es ja gehört und jetzt park die Kiste! Oder lass das gleich den Hollstein machen.“


Zeit sich zum Transporter zu begeben. Mal schauen wie das diesmal läuft. Kuntz ist sich nach den Worten des Navigators nicht mehr ganz sicher, was er von der Sache halten soll. Was zum Teufel bedeutet „in der Regel“? Ein ungutes Gefühl beschleicht ihn, zumal der schicke Raumgleiter Sahan, den Kuntz im Sommer angeschafft hat um seinem Chefpiloten eine Freude zu machen trotz zeitaufwändiger Reparatur immer noch leichte Aussetzer im Triebwerk zu haben scheint. Obwohl der in letzter Zeit etwas besser läuft. Und in den klapprigen Hubschrauber der Firma Suparu den das Bayer Imperium um die ominöse Tante Käthe mehr oder weniger gespendet hat, will er dann auch nicht unbedingt einsteigen. Zumindest nicht ohne Fallschirm und Sauerstoffmaske. Warum nur hat Tante Käthe das getan? Da muss doch mehr dahinter stecken als nur gute Absichten. Während er sich zusammen mit Kurz auf dem Weg zum Transporter befindet, kommen Kuntz ein paar sentimentale Gedanken. Was haben Sie nicht alles zusammen erreicht in den letzten Jahren. Immer weiter sind sie nach dem begonnenen Terraforming auf dem Planeten Betzenberg in der Hierarchie der „Dominanten Föderation des Legats (DFL)“ aufgestiegen. Aber, auch seinen Feinden ist dies nicht verborgen geblieben. Ob der eingeschleuste Mann auf Hessen Zwo heute Abend tatsächlich Partei gegen seine Crew ergreifen wird? Unter seinem Decknamen „Jimmy“ herrscht jedenfalls seit Wochen Funkstille. Ob die Mission erfolgreich zu bestehen ist? Immer weiter sind sie vorgedrungen in den Raum in dem noch nie ein Kuntz zuvor gewesen ist. Dann durchfährt ihn ein Gedanke der schlagartig alles andere verdrängt. Erst etwas diffus doch er wird schnell deutlicher. Ganz klar sogar und endlich formt sich das Ergebnis auf Kuntz Lippen als er sich selber sagen hört: "Aua! Zum Teufel! Ich glaub ich hab mir die Nase gebrochen!" Zum wiederholten Mal hat sich eine der hübschen Schiebetüren auf der Fritz-Walter nicht richtig geöffnet. Seit Kuntz sich geweigert hat, die überhöhten Leasingraten für den mächtigen Raumkreuzer zu bezahlen und sie in einem Akt scheinbarer Genialität spontan selbst gekürzt hat, scheint der Eigner etwas schlampig zu werden, wenn es um die Wartung geht. Neulich glaubte Kuntz sogar eine albanische Hilfskraft in der Werkstatt gesehen zu haben, den sie "Kreisel Ervin" rufen. Fachpersonal ist das nicht. Aber vermutlich billiger als die früheren Mechaniker. Was soll's denkt er bei sich. Sie fliegt ja. Und die Mission heute ist schließlich ein Honorarauftrag für den befreundeten „Darsteller Föderationsbund (DFB)“. Mit Honorareinsätzen kann man schließlich auch Leasingraten bezahlen. Lieutenant Werry Gorfmann, der hühnenhafte Vertreter des Planeten Klingoal und Sicherheitschef an Bord, biegt die Tür auf als wäre es nichts. Vielleicht sollte ich ihn mit auf die Oberfläche nehmen denkt Kuntz. Der bringt die Jungs wenigstens auf Trapp. Das wäre ja immerhin etwas. Allerdings ist dessen Frisur geradezu furchteinflößend und könnte zu Verwicklungen führen. Kuntz, Kurz, Worfmann und der gesamte Landungstrupp erreichen das Transporterdeck. Hat er alles richtig entschieden? Was hat Oma gemeint als sie von "in der Regel" sprach? Ist Olaf Marschall Gott? Alles egal. Eh zu spät um umzukehren. Kuntz blickt sich noch einmal um, schaut in die angespannten Gesichter seiner Mannschaft. Hört Worfmann irgendetwas von eigenen Gesetzen da unten murmeln, wendet sich dann in Richtung Kontrollpult und will gerade „Energie!“ befehlen, als im einfällt, dass dieses Wort seit dem schrecklichen Unfall an Bord der Cottbus, der zu einem Bruch im Raum Liga Kontinuum geführt hat, nicht mehr verwendet werden darf. Wurscht. Es wäre sowieso nicht aufgefallen, weil in diesem Moment die Stimme von Ensign Schömbs aus dem Bordkommunikationssystem schallt: „Äh…Käpt’n?! Da wäre noch eine Kleinigkeit. Wir haben ein Feuer in der Landezone entdeckt.“ Kuntz denkt nach. Ein Feuer? Was soll das jetzt wieder? „Wir haben es untersucht“ fährt Schömbs fort, als ob er die Gedanken vom Boss erahnen kann. „Es scheint eine Art Lagerfeuer zu sein. Eine einzelne Person sitzt dort.“ Kuntz begibt sich verwundert zur Sicherheitskonsole, gefolgt von seinem Sicherheitschef. Offenbar ein Mann, der etwas ins Feuer hält und einen kleinen technischen Gegenstand neben sich platziert hat. „Was tut der da?“ entfährt es dem Kapitän. „Sie werden es nicht glauben“ erwidert Schömbs, „er grillt Stockenten und hört dabei Musik.“


Bis dahin.


Gruß Berti


In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.

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Bertikoks - Transfermarkt since 2003. Originalmitgliedsnummer 1686. Keine anonyme Kritik: FCK MGLD 2151
Die Couchingzone |#65
28.10.2011 - 08:46 Uhr
JAHRGANG 2 – AUSGABE 14: MANNI, MARTIN UND RAINER MARIA: DREI HIMMELHUNDE AUF DEM WEG ZUR HÖLLE

Kohlmeyer las in diesen Tagen ein Interview mit Dominik Graf, dem Großmeister des deutschen Kriminalfilms. Der klagte, generell seien ihm deutsche Krimis zu brav. Ihnen fehle es zu oft an ironischer Brechung, schrägem Humor, gar bösem Witz – und einem „Höllengelächter“ am Ende.

Wie recht der Mann doch hat. Und arm die deutsche TV-Landschaft doch an Autoren sein muss, dass sie es einfach nicht schaffen, für mehr Höllengelächter zu sorgen, angesichts DIESER Realität.

Wie wär´s beispielsweise mit „Manni, die Zauberflöte“, einer Wirtschaftskrimitravestie mit Wasserballetteinlagen um die alternde Drag-Queen Manni Kaltmamsell, den in Schimpf und Schande davongejagten Pfeifenmann, der sich nun, im Herbst seines Hoteliersfachfraulebens, zum letzten Lebensziel setzt, all die jungen Pfeifen, die seine Pfeife einst schmähten, grauslig vor die Hunde zu gehen lassen, indem er ihnen die Höllenhunde der Steuerfahndung auf den Hals hetzt? Und um seinen Triumph genüsslich auszukosten, markiert er bei jeder Hausdurchsuchung den feixenden Gaffer am Gartenzaun des von ihm den denunzierten Pfeifenmannes, in Frauenkleidern und an Norma Desmond erinnernd, den verbitterten Stummfilmstar aus „Sunset Boulevard“. Unvergessen bleiben wird die Szene, in der Manni von einem Passanten auf der Straße angesprochen wird: „Ich kenne Sie! Sie waren groß!“ – „War? Ich bin groß. Die Pfeifen sind kleiner geworden.“

DA HELFEN AUCH THEOS THEOLOGEN NICHT MEHR

Zugegeben: Dieser Krimidramödie fehlt es an positiven Identifikationsfiguren, an Helden. Dazu taugt auch DFB-Deus Theo nicht, der einfach immer noch nicht wahrhaben will, dass es auf DFB-Schiedsrichterlehrgängen einst zugegangen sein muss wie an der Odenwaldschule. Manni täte ihm menschlich nur noch leid, ließ Theo jetzt in einem Interview verlauten. Und nicht nur das: Theo hat mittlerweile einen Theologen eingeschaltet, der die Peifenkakophonie wieder harmonisch ordnen soll. Als Mediator.

Ein Theo-Theologe? Da brach Kohlmeyer in Höllengelächter aus. Ein Gottesmann? Ein katholischer Priester vielleicht sogar? Theo, geht´s noch? Liest du denn nicht einmal mehr die Bild-Schlagzeilen? Musst du jetzt die einzige Institution einschalten, deren Ruf noch ungenierter ruiniert ist als der deiner Pfeifen? Prompt malte sich der lachende Höllenhund Kohlmeyer das Mediationsgespräch aus zwischen dem Messdienerfreund und dem passionierten Pfeifenlutscher. Das also ist gemeint, wenn es heißt, der Teufel werde mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Immerhin: Kohlmeyer hat den Mediator sicherheitshalber mal gegoogelt, dieser Wolfgang Huber ist gar kein Katholik, sondern Protestant, und die sind ja nicht ganz so notorisch verdächtig, aber doch schon auch, und natürlich soll man – Achtung, jetzt kommt das Zugeständnis an die mitlesenden Gutmenschen - nicht alle über einen Kamm scheren, beziehungsweise nicht immer ins gleiche Horn blasen ... ´tschuldigung, ihr Gutmenschen, dieses Bild eben war vielleicht ein wenig unglücklich gewählt.

GORDON GEKKO UND SEINE ZÜNDENDE IDEE

Kommen wir daher schnell zu einem anderen ungeliebten Antagonisten unserer Tage: Martin Kind, der Gordon Gekko – „Wenn du ´n Freund brauchst, kauf´ dir ´n Hund“ – aus der Erfolgskrimserie „Erste Liga“, die mittlerweile länger läuft als die Abenteuer von Derrick, dem Triefauge, und Harry, dem Wagenholer. Martin Gekko will in Hannover jetzt „Bengalo-Zuschläge“ erheben. Gemeint ist, er will unser Bestes, unser Geld nämlich. Falls es in Hannover wieder mal eine DFB-Strafe wegen Bengalo-Zündeleien gibt, soll in den Spielen darauf in dem Block, in dem gezündelt wurde, der Eintrittspreis in die Höhe geschraubt werden.

Auch dafür hat Kohlmeyer nur Höllengelächter übrig. Ist Sippenhaft - in diesem Fall Blockhaft – nicht sittenwidrig? In einem Rechtsstaat sollte es doch eigentlich üblich sein, dass nur der für eine Tat bestraft wird, der sie auch begangen hat. Wenn der Täterkreis zwar eingeengt, der Täter aber nicht konkret ermittelt werden kann, wird freigesprochen – aus Mangel an Beweisen.

Und: Hat, wer für etwas bezahlt, nicht auch Anspruch auf eine Gegenleistung? Will sagen: Sollte jemand, der einen „Bengalo-Zuschlag“ blecht, konsequenterweise dann nicht auch Bengalos zünden dürfen?

Und: Wenn´s nicht ums Geld geht, sondern um die Sache, wieso greift man dann nicht endlich mal den Vorschlag der Fanklubs auf, das sogenannte „kontrollierte“ Abbrennen von Bengalos unmittelbar vor dem Spiel zu gestatten? Ist schon komisch: In den prachtvollen Jahrbüchern, die die Vereine immer wieder herausgeben, finden sich oft Hochglanzaufnahmen von Fantribünen mit brennenden Bengalos – man verbietet sie zwar, verzichtet selbst aber nur ungern auf die gei.len Bilder, die sie bieten.

Der langen Rede kurzer Sinn: Wen eigentlich will der PR-Schwätzer, der den Begriff „Bengalo-Zuschlag“ aus seinem verkoksten Hirn gequetscht hat, ver.arschen?

WARUM DER FUSSBALL HARTZER BRAUCHT

Geht es nicht vielleicht letzten Endes doch darum, endgültig die Schlechter- bis Garnixverdiener aus den Stadien zu ekeln, indem man ihnen den Besuch unerschwinglich macht, in der mehr als vagen Hoffnung, dass mit den Schülern und Studis, Hospitanten und anderen Halbstarken, den Hilfsköchen und den Hartzern sich auch alle unschönen Begleiterscheinungen von Bengalos bis zu Gewaltexzessen aus den Arenen verflüchtigen, auf dass die Bussiness-Seat-Warmer und VIP-Logenluschen endlich unter sich sind?

Auch den DFB-Theo hat Kohlmeyer unlängst sinnieren hören, man müsse sich, wenn die Unruhen auf den Rängen weiter eskalieren, ernsthaft überlegen, ob man die Stehplätze nicht endgültig abschaffe, weil, so Theo, „wo nur gesessen“ werde, passiere nix, das bewiesen die friedvollen Welt- und Europameisterschaften. Sitzplätze kosten natürlich auch entsprechend mehr, so dass derselbe Effekt eintritt wie durch den lächerlichen „Bengalo“-Zuschlag.

Kohlmeyer fragt sich nur: Wer wird eigentlich für Stimmung in den Stadien sorgen, wenn die „Prolls“ außen vor bleiben? Was wird aus dem Volkssport Fußball, wenn auch er zur Zweiklassengesellschaft mutiert – die, die sich einen Stadionbesuch leisten können und die, die leider draußen bleiben müssen. Und an dieser Stelle vergeht auch einem Kohlmeyer das Höllengelächter.

RAINER MARIA UND DIE GEMEINNÜTZIGEN VIPS

Drum wendet er sich lieber Rainer Maria zu. Dieser Herr – Laub mit Nachnamen, wie das, was jetzt von den Bäumen fällt – war einmal Geschäftsführer der Mainzer Wohnbau. Seit ein paar Tagen steht er in Koblenz vor Gericht, wegen Untreue in mehreren Fällen. Gemeint ist: Jahrelange Miss-, Vetterchen- und Klüngelwirtschaft, durch die die Wohnbau bis zum Tage der allgemeinen Höllenfahrt hoffnungslos verschuldet sein wird.

Die stadtnahe Wohnbau soll eigentlich gemeinnützige Bauprojekte unterstützen – oder zumindest städteplanerisch sinnvolle. Das heißt: Davon war man eigentlich immer ausgegangen, doch so richtig steht das in keiner Satzung, wie der Prozess jetzt gezeigt hat – ein Umstand, der Rainer Maria letzten Endes den Ar.sch retten könnte.

Der hat unter anderem nämlich den Bau einer VIP-Loge im alten Mainzer Bruchwegstadion mit 1,5 Million Euro finanziert – aus der Kasse der Wohnbau, nach seiner Aussage mit ausdrücklicher Billigung des Aufsichtsrates, doch der kann sich nicht mehr so richtig erinnern. Auch Oberbürgermeister Beutel nicht, den sie zurzeit auch deswegen an den Eiern haben, weil rausgekommen ist, dass er vor Jahren bei einem Partnerschaftsbesuch in Ruanda seine Zeche an der Hotelbar geprellt hat. Tja, das ist Mainz, wie es singt und lacht.

Mit Mainz 05 ist wegen der 1,5 Mio auch nie ein Rückzahlungsvertrag oder sonstwas geschlossen worden – anscheinend kam Rainer Maria beim Harald mit einem großen schwarzen Geldkoffer vorbei, so, wie Klein-Fritzchen es auch aus braven und gänzlich unschrägen Fernsehkrimis kennt. The unsympathically Mr. Stru trat gestern in den Zeugenstand und erklärte wörtlich – Leute, ich schwöre, das ist wirklich wahr und keine Geschichte vom Hutzelmännchen: „Bloß weil ich Rechtsanwalt bin, brauch´ ich keinen schriftlichen Vertrag.“

Was nun? Werden die Mainzer nun endlich aufhören, auf ihren Nachbarn hinter den sieben Bergen mit dem Finger zu zeigen, weil ihnen König Kurt angeblich ach so willkürlich immer Geld in den Ar.sch bläst, was im Gegensatz zu Rainer Marias Umtrieben freilich nie bewiesen worden ist? Wer im Glashaus sitzt, sollte doch eigentlich nicht mit Backsteinen schmeißen, oder? Wird Reinhard R. demnächst mal in einem seiner Artikel die Nullfünfer als „städtisch subventionierten Sozialfall“ bezeichnen?

Nichts von alledem wird geschehen. Nur eines wird zu hören sein: Kohlmeyers Höllengelächter.

Und damit wäre er auch am Ende. Allerdings soll ja in einem Couching immer auch was zum anstehenden Spiel gesagt werden. Also, in die Humbug-Hochburg Hamburg geht es nun. Ehrlich gesagt: Nach drei Pflichtspielsiegen in Folge mag Kohlmeyer kaum glauben, dass die Kurzknaben auch von der Waterkant drei Punkte mitbringen. Denn so souverän aufgetreten sind sie jüngst doch (noch) nicht. Auch wenn vieles besser geworden ist. Ein Grund zur echten Freude, aber keiner zu höllischem Gelächter.

Gruß,
Kohlmeyer

In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.

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"Du kannst auf deinen Verein stolz sein, aber eigentlich nicht auf die Tatsache, ein Fan dieses Vereins zu sein. Denn die Fan-Werdung vollzieht sich bekanntlich ähnlich wie die sexuelle Orientierung: Da kommt etwas über dich, das du nicht beeinflussen kannst. (...) . Du kannst deinem Verein nicht einfach die Gefolgschaft kündigen. Du kannst deinem Verein nicht den Tritt versetzen. (...) Du kannst deinen Verein nicht einfach loslassen, denn er hält an dir fest."
Thomas Brussig
Die Couchingzone |#66
04.11.2011 - 08:49 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 15: Novembertage
Von Butduma

Er konnte seinen Augen kaum glauben…

… auf dem edlen Briefpapier mit dem Wasserzeichen seiner Firma stand „Vertragsverlängerung aufgrund anhaltender Erfolgslosigkeit“. Sollte sich etwa die Firmenphilosophie hin zum buddhistisch-hinduistischen Karmagedöns geändert haben oder handelte es sich nur um einen besonders perfiden Scherz seitens der Geschäftsleitung? Marco K. wusste zunächst keine Antwort auf diese brennende Frage. Schnellen Schrittes verließ er die Simultankirche, deren Gewölbe jedes Geräusch wie ein Donnergrollen wiederhallen ließ. Marco K. fühlte sich beflügelt. Mit dem Schraubenzieher aus seinem Schweizer Taschenmesser, das alle Mitarbeiter aus den Restbeständen des damaligen Chefs R. Cognac Jäggi vermacht bekamen, machte er sich ans Zusammensetzen des klapprigen Suparus. 10 Stunden und 485 Expressi später rollte der Wagen wieder über den feuchten Asphalt mit seiner Haut aus toten Blättern. Marco K. entschloss sich direkt zu Tifferty zu fahren, ansonsten wären die Eierkuchen bestimmt nicht mehr warm. Das wollte er unbedingt vermeiden, denn schon als Kind hatte er von kalten Eierkuchen immer fürchterliche Blähungen bekommen und Furzen war zu diesem Zeitpunkt keine Alternative. Marco K. spürte tief in seinem Inneren Mut und Zuversicht. Das Vertrauen tat ihm gut, auch wenn er nicht wusste, ob dieses nicht nur auf Häme fußte. Mit einem wuchtigen Tritt auf’s Gaspedal beschleunigte er den Suparu. Ruß und Rauch umschlungen die nervenzehrende Geschwindigkeitsfahrt, die Marco K. mit einem Satz ins Adlergehege des Frankfurter Zoos katapultierte. Zu weit, Ausfahrt zu Tifferty verpasst! Marco K. musste schnell zurück. Er legte den Rückwärtsgang ein und trat erneut auf’s Pedal, der Suparu tat zuverlässig seinen Dienst. „Ding, Dong“… Kaffeeduft strömte ihm entgegen als Tifferty die verglaste Haustür mit PVC-Rahmen öffnete und Marco K. mit weißer Schürze und einem freundlichen Grinsen begrüßte. Marco K. streifte seine Schuhe am Abtreter mit dem Willkommens-Schriftzug ab und trat in die warme Stube…

Der verdammte Radio-Wecker riss Marco K. aus dem verdienten Schlaf. Wieder Scheiss-Montag und die olle Nicole trällert irgendwas von ein bisschen Frieden. Wie gewohnt nahm Marco K. das Gerät und warf es gegen die Wand. Der Radiowecker zersprang mit einem stummen Stöhnen in tausend Teile. Marco K. holte einen neuen Wecker unter dem Bett hervor, nahm diesen aus der Verpackung und stellte ihn auf sein Nachtischchen, genauso wie immer montags. Seine Wut war erstaunlich schnell verflogen. Ansonsten trat er immer noch eine Weile hopsend auf den Bruchstücken der kaputten Geräte herum, aber heute war alles anders – der Gute-Laune-Clown feierte sein Stelldichein. Marco K. hatte seine Firma beim Geschäftstermin in Gelsenkirchen auf die Erfolgsspur geführt. Danach entwickelten seine Mitarbeiter ungeahnte Energien und Fähigkeiten, selbst jene, die eigentlich immer shechter als die anderen gewesen waren. Und sogar die Reifen des VW Sahans hatten wieder Luft und Bodenhaftung. Marco K. konnte endlich die Früchte seiner Arbeit vom Baume des Erfolgs ernten. Es lief so gut, dass sogar der Solardeal mit den Freiburgern reibungslos über die Bühne ging. Ein weiteres Erfolgserlebnis für die Firma. Marco K. konnte der Jahreshauptversammlung der Aktionäre gelassener entgegensehen, hatten diese sich doch wieder etwas beruhigt. Er wusste, dass die Situation vielleicht nur ein paar Wochen anhalten würde, denn die Aktionäre saßen ständig auf glühenden Kohlen und verbrannten sich dabei den Hintern. Ein zermürbendes Geschäft, bei welchem man sich von Woche zu Woche neu beweisen musste. Marco K. fand es sauhart. Ständig kloppte er hechelnd unzählige Überstunden, die Zunge meterweit hinter sich herziehend. Doch dies war nichts Neues für ihn.

Der Markt war schon lange hart umkämpft. Seit im Süden das millionenschwere Konkurrenzunternehmen TSG seine Zelte aufgeschlagen hatte, war es für die Firma noch schwieriger geworden, ihren Platz im nationalen Ranking zu behaupten. Angesiedelt im sogenannten Kraichgau, einer Region voller kleiner Dörfer mit Weichwarengeschäften, hatte die TSG zum Angriff auf die etablierten Familienbetriebe geblasen. Dabei wurde das Unternehmen von einem kaltherzigen Sohn einer Mutter angeführt, der mit viel Kalkül, Geld und Plastik ein neues Imperium erschaffen wollte. Er war so grausam und erfolgsorientiert, dass er unerwünschte Arbeiter mit einer Schallwaffe und der Schützenhilfe des zwanzigersten Präsidenten des Bundes vom Betriebsgelände fegte. Keine Rücksicht auf Verluste, keine Tränen des Mitleids – die eisige Realität im Kraichgau. Und dies alles unter dem Deckmantel der uniformen Familienfreundlichkeit, die sich das Unternehmen auf die werbefinanzierten Fahnen geschrieben hatte. Marco K. lief bei diesem Gedanken ein kalter Schauer über den Rücken, wusste er doch, dass es bald zum großen Aufeinandertreffen der beiden zuständigen Abteilungen kommen sollte. Rekrutiert aus der Jugend der Region war die Abteilung der TSG im direkten Vergleich fast immer als Sieger hervorgegangen. Nun galt es das Blatt zu wenden und Marco K. war fest entschlossen, dies zu tun. Fest ballte er die Faust in der Tasche seiner Bockleder-Weste zusammen, Entschlossenheit strömte durch seine angespannten Muskeln. Er schritt erhobenen Hauptes zum Firmenbus, der bereits leise brummend am Fuße des Geschäftssitzes stand. Auf dem polierten Lack des Gefährts spiegelten sich die roten Sandsteinfelsen wieder, die den mächtigen Koloss aus Stahl und Beton über die Stadt erhoben. Für einen Novembertag war es erstaunlich warm. Wer im Inneren des Busses saß, konnte man durch die getönten Scheiben nicht erkennen, nur erahnen ließ es sich. Marco K. wusste allerdings, dass ihn hinter diesen Scheiben seine fest entschlossenen Mitarbeiter erwarteten. Bevor er den Bus betrat, klebte er seinen ausgelaugten Kaugummi mit Kirchgeschmack in weiser Voraussicht in seine Achselhöhle – vielleicht würde er ihn später nochmals gebrauchen können. Im Radio, welches der Busfahrer bis zum Anschlag aufgedreht hatte, ertönte „Eye of the tiger“. „Der Tiger hat Eier“, dachte sich Marco K. im Stillen, dabei konnte er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Er wusste genau: Um den grauhaarigen Provinzimperator und sein aus Millionen erschaffenes Unternehmens-Ungetüm in der Wirsching-Arena zu besiegen brauchte er nicht nur unbändigen Willen, sondern auch Fortounis an seiner Seite. Deshalb schritt er gezielt zur siebten Sitzreihe und nahm neben diesem Platz. Lautlos glitt der Bus los, so wie ein Stück Butter, das sich in der heißen Pfanne auf Wanderung begibt. Aus der Ferne konnte man sehen, dass ihm wild johlend etliche fröhliche Hutzelmännchen folgten. Für einen Novembertag war es erstaunlich warm…


Butduma

In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.

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SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#67
04.11.2011 - 10:45 Uhr
"Grrrrass! Grrrrass! Grrrass! Hören Sie doch endlich auf, Karasek, alter Schwätzerrrr. Ich kann Ihnen gar nicht beschrrreibän, wie säähr Sie mir auf den Sack gehen mit Ihrem Grrrrass! Ich verrrrate Ihnen was: Wenn Ihr Grrrrass Eiäär hätte, würrrde er heute in dieser Couchingzone schreibän - und da würrrde er kollossal abstinkän gegen diesen Butduma! Kollossal, sage ich, kollossal!"

Marcel Reif-Ranicki

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"Du kannst auf deinen Verein stolz sein, aber eigentlich nicht auf die Tatsache, ein Fan dieses Vereins zu sein. Denn die Fan-Werdung vollzieht sich bekanntlich ähnlich wie die sexuelle Orientierung: Da kommt etwas über dich, das du nicht beeinflussen kannst. (...) . Du kannst deinem Verein nicht einfach die Gefolgschaft kündigen. Du kannst deinem Verein nicht den Tritt versetzen. (...) Du kannst deinen Verein nicht einfach loslassen, denn er hält an dir fest."
Thomas Brussig
Die Couchingzone |#68
16.11.2011 - 20:11 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 16:

SOME LIKE IT FOGGY

Von Bahli


Nebelschwaden liegen über den Straßen von K-Town-City, District Chicago Western Palatinate. Die Häuserschluchten der Town sind an diesem frühen Abend in ein gespenstiges Licht getaucht. Wie immer in dieser herbstlichen Jahreszeit sucht sich der Nebel seinen Weg vom nahen Wald in die Stadt. Die Schönheit des Abends aber trügt. Es herrscht Prohibition im District. Dieses Mal ist es nicht der Alkohol, der verboten ist. Es sind die Points. Points, die jede Firma am Leben erhält. Aber Points bekommt nicht jeder, und die wenigsten auf legalem Weg. Der prickelnde Stoff wird ausschließlich an die Großen und Potenten der Branche ausgeschenkt. Die Kleinen bleiben auf der Strecke, müssen selbst sehen, wie sie den Abstieg in die Niederungen der Existenz abwenden können. Kälte liegt über dem Land. Und Nebel. Aber das ist für einige auch ein Segen.

Al Capurz lehnt cool an die Wand des K-Town-High-Courts, den Hut tief über die Stirn gezogen. Eine Zigarre qualmt in seinem Mundwinkel. An der Zigarre ist er ein Großmeister. Erst lässt er vier und dann noch einmal vier Ringe aus seinem Mund gleiten, um anschließend zwei Ringe mit dem Nebel verschmelzen zu lassen. Es ist kein Zufall, dass er ausgerechnet am obersten Gerichtshof der City steht. Er wartet auf seinen Auftraggeber. Und das Gericht ist die perfekte Tarnung. Hier sucht ihn kein Mensch. Punkt neun wird er exakte Anweisungen erhalten, wie viele Points dieses Mal an ihren Bestimmungsort in Frank's Main Ford gelangen sollen.

Zu diesem Zweck verfügt Al Capurz über ein ausgeklügeltes System aus perfekt eingespielten Jungs. Zunächst einmal werden drei seiner besten Leute die Points entwenden. Dafür stehen Cool Chris Tiffy (genannt The Captain), Crossband Witty und Referend Church bereit. Sie holen die Points, während zwei der jungen - Wheel of Fortune (genannt The Greek) und Richie El Paso (genannt The Rock) - Schmiere stehen und aufpassen, dass keine der rivaliserenden Gangs überraschend aus dem Hinterhalt die Initiative ergreift. Viele gute Jungs wurden in der Vergangenheit an die Konkurrenz verloren - die Brüder Lucky und Ivo Itsch wechselten vor Kurzem einfach die Seiten. Aber daran hat man sich gewöhnt in K-Town-City. Aber weiter im Plan von Al Capurz. Sofort, wenn der Captain, Witty und der Referend die Points im Koffer haben, werden sie von einer zweiten Gruppe abgeschirmt. Big Fat Baden, Big Fat Amen, Rod Nine, Brother Kain und Leon Yeah-Yeah sorgen dafür, dass die Points störungsfrei am Flughafen übergeben werden können. Al Capurz ist mit dieser Strategie schon immer gut in K-Town-City gefahren. Dass am Ende der Kette O.J. Sultan, Is Real und Doggy Dog Frombridge den schwarzen Koffer am Flughafen in Empfang nehmen und mit den Points per Flugzeug nach Frank's Main Ford fliegen, war bisher jedes Mal eine Meisterleistung.

Die Uhr des Hill Tower schlägt Neun. Es wird Zeit. Aus dem Nebel vor ihm taucht schemenhaft die Gestalt eines Mannes mit breitkrempigem Hut auf. Es ist - auf die Minute genau - sein Auftraggeber. Sein Name: Al Capuntz. Trotz der Ähnlichkeit ihrer Namen bestehen keine familiären Bande zwischen ihnen. Sie sind ausschließlich Brüder im Geiste. "Hallo Al, wie gehts?", Al Capuntz ist stets um das Wohl seiner Leute besorgt. "Verdammter Nebel, aber er dient der Sache", Capurz' Antwort fällt wie immer knapp aus. Sie mustern sich kurz, schauen sich fest in die Augen. Man verändert sich in diesen Zeiten. "Acht Points müssen dringend auf unser Konto", Capuntz lässt leichte Nervosität erkennen. "In Ordnung, das wird eine heiße Sache", Capurz ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst. Aber er vertraut seiner Gang blind. Capurz und Capuntz schütteln sich die Hände. "Wir sehen uns am Flughafen", Capuntz taucht in den Nebel und ist innerhalb weniger Sekunden von der Bildfläche verschwunden.

Al Capurz betritt die Kantine der K-Town-City-Column. Dort wartet - wie immer - sein Mittelsmann Professor Remus River. River wird dem Captain, Witty und den anderen Jungs den genauen Auftrag übermitteln. In der Column-Kantine ist an diesem Abend glücklicherweise nur wenig los - zwei Tische sind besetzt. An einem planen Cool Meyer und seine Mum ihren nächsten Auftritt im Stadium, am anderen pokern Drugbert, But a Dumas und Balijava um eine Kiste Whiskey. Keiner von ihnen nimmt Capurz wahr, wie dieser an den Tresen tritt und dem dort sitzenden Remus River behutsam etwas ins Ohr flüstert. River starrt in sein Bierglas, nickt kurz und verlässt die Kantine.

Die Mission beginnt. Aber es ist Vorsicht geboten. Die City wimmelt nur so vor unnachgiebigen Judges. Vor Walk Strong, Checkpoint Pienser und der gefürchteten Bibi Stonehouse ist absolute Vorsicht geboten. Allein ein Judge kann die Mission gefährden. Zum Glück ist der schießwütige Judge Taktak Raffparty vor ein paar Tagen wegen Bestechung im Amt aufgeflogen und seitdem auf der Flucht. Aber nicht nur die Judges gilt es zu meiden, auch die konkurrierenden Gangs dürfen dem Auftrag nicht in die Quere kommen. Vor allem Chris High Dell (genannt das Elektronengehirn) und sein Adlatus Tom Cloth (genannt Thin Hair) machen Capurz und seiner Gang seit Jahren das Leben schwer. Capurz meidet seither Zero-Five-Laughing-Town. Aber High Dell und Cloth sind ausgerechnet heute Abend in der Stadt. Und es ist unschwer zu erraten, was sie im Schilde führen ...

Zum Glück beschäftigen Didi Dope und der gesamte District Home of Hope gerade eigene Probleme. Points interessieren Didi nicht, denn davon wird er Zeit seines Lebens genug auf dem Konto haben. Ein führendes Mitglied seiner Firma trägt sich mit Ausstiegsgedanken. Didi Dope wird sicherlich in Kürze den Liquidierungsbefehl unterschreiben. Aber zurück nach K-Town-City. Undeutlich bewegt sich dort eine Gruppe von Männern durch den Nebel. Es sind der Captain, Witty und der Referend. Der Captain trägt einen schwarzen Koffer. Sie sind auf dem Weg zum Flughafen. Unbemerkt werden sie von Chris High Dell und Tom Cloth verfolgt. Beide wissen scheinbar ganz genau, wo der schwarze Koffer übergeben wird. Und sie haben die beiden Fats, Rod, Kain und Yeah-Yeah auf eine falsche Fährte gelockt. Die Mission ist in großer Gefahr.

Der Nebel am Flughafen ist schier undurchdringlich. Zwei Maschinen stehen kaum sichtbar auf der Startbahn. Die linke fliegt nonstop nach Wladiwostok, die andere direkt nach Frank's Main Ford - das zumindest steht auf den zwei hölzernen Hinweisschildern am Rande der Rollbahn. Schatten gleich huschen die Passagiere zu den Flugzeugen. Al Capurz und Al Capuntz beobachten die Szenerie aus dem Hintergrund. "Seit wann geht es links nach Wladiwostok?", Capurz ist irritiert. Als sich der Nebel ein wenig lichtet, erkennen beide mit Schrecken die Gesichter von High Dell und Cloth an Bord der Maschine nach Frank's Main Ford. Angsterfüllt scannen sie das andere Flugzeug. Durch die Fenster erkennen Capurz und Capuntz die ganze Gang - den Captain, Crossband, die zwei Fats, Bros Kain, O.J., Wheel of Fortune und all die anderen. Aus einem der hinteren Fenster grinst Ihnen Doggy Dog frech entgegen. Zwischen seinen strahlend weißen Zähnen hält er einen Schraubenzieher. Mit der Hand deutet Doggy auf das hölzerne Hinweisschild. Erst jetzt bemerken Capurz und Capuntz, dass vor dem Schild einige Schrauben auf dem Boden liegen. "Unser Doggy hat ganze Arbeit geleistet. Wie immer hat er voll ins Schwarze getroffen!", Capurz hustet erleichtert. Die beiden Maschinen heben ab. Die eine nach Wladiwostok, die andere direkt zu Theo Twentimans Geburtstagsparty nach Frank's Main Ford. Al Capurz ist kurz vor einer Capuntzschen Säge: "Die Jungs wissen ja, wie man Theo mit den Points eine Freude bereitet. Nur das zählt."

Al Capurz und Al Capuntz spüren Erleichterung in sich aufsteigen. Wieder einmal wurde eine Point-Mission erfolgreich zu Ende gebracht. Für K-Town-City stehen weitere acht Points auf dem Konto. Damit kann die Firma eine Weile überleben. Dies wissen auch Capurz und Capuntz. "Al, ich glaube, dies KÖNNTE der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden." - "Al, ich glaube, dies IST der Beginn einer wunderbaren Freundschaft." ... Capuntz zieht seinen Hut tief ins Gesicht und legt seinen Arm um die Schulter von Capurz. Die beiden Als tauchen in den wieder aufsteigenden Nebel und haben sich binnen kürzester Zeit in den Nebelschwaden aufgelöst ...


Cheers
Bahli

In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.

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You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#69
17.11.2011 - 09:04 Uhr
"Also echt, ich finde, dieser Bahli kann saugut schreiben. Dieses atmosphörisch Dichte, Kryptische, voll hammer Noirmäßige bringt er einfach phantastisch rüber, Das mit den cool verkeyten Namen ist mir zwar einen Tacken zu hoch, aber egal. Ich meine, ich schreibe halt lieber darüber, wie ich meinem Mann einen blase oder mir den Ar.sch abwische oder beides gleichzeitig mache, und dass Millionen Bitches diese Scheizze kaufen und vielleicht sogar lesen, find ich wirklich voll gut, danke auch dafür - aber in dieser Couchingzone würde ich schon gerne auch mal schreiben. Aber meine Therapeutin hat mir abgeraten: Das würde mich nur noch mehr frustrieren, sagt sie: Von diesen TM-Typen würde mich eh keiner bumsen wollen, selbst wenn ich mich vorher wasche."

Charlotte Roche

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"Du kannst auf deinen Verein stolz sein, aber eigentlich nicht auf die Tatsache, ein Fan dieses Vereins zu sein. Denn die Fan-Werdung vollzieht sich bekanntlich ähnlich wie die sexuelle Orientierung: Da kommt etwas über dich, das du nicht beeinflussen kannst. (...) . Du kannst deinem Verein nicht einfach die Gefolgschaft kündigen. Du kannst deinem Verein nicht den Tritt versetzen. (...) Du kannst deinen Verein nicht einfach loslassen, denn er hält an dir fest."
Thomas Brussig
Die Couchingzone |#70
25.11.2011 - 09:40 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 17

Über die Menschlichkeit


Eigentlich war für heute ein Ausflug an den Hof König Kuntzurs geplant, wo man sich, soviel sei verraten, auf der Suche nach dem heiligen Ball befindet. Aber einige Ereignisse der letzten Tage, haben mich zum Umdenken bewogen. Also etwas ernster heute.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die der Selbstmord von Robert Enke über die Maßen bewegt hat. Zeigt doch eben dieser Suizid, dass ich von Robert Enke nicht viel mehr wusste, als dass er Fußballtorwart gewesen ist. Wir neigen dazu, die Rolle die ein Prominenter spielt mit dem Menschen zu verwechseln der die Rolle spielt. Ein Mensch den wir vermeintlich zu kennen glauben, weil er Zeit mit uns verbringt. Nur ist es genau umgekehrt. Wir verbringen Zeit mit ihm. Und natürlich fokussiert der Blick durch einen Trichter ungemein. Aber eben nur in eine Richtung. Wenn jemand ein bis zweimal in der Woche vor Zuschauern Bälle fängt oder tritt, dann wissen wir in Wirklichkeit eigentlich nur, dass er eben das tut, nämlich Bälle zu fangen oder zu treten. Da wir ihm dabei zusehen, wissen wir auch wie er es tut, oder zumindest, welche Qualität wir seinen Fähigkeiten in unseren Augen beimessen. Wir bewerten dabei aber nur wie er seine Rolle spielt, nicht den Menschen dahinter. Das vergessen wir jedoch zu leicht. Als Babak Rafati in einem vermutlich sehr einsamen Moment entschied, sich in einem Hotelzimmer die Pulsadern aufzuschneiden, da war es der Mensch Rafati der nicht mehr Leben wollte, nicht der Schiedsrichter des DFB, der Woche für Woche im Rampenlicht steht. Es ist gut, dass es, offenbar Dank seiner beherzten Assistenten beim Versuch geblieben ist. Den Schiedsrichter Rafati habe ich bewundert, gehasst und natürlich verflucht. Dem Menschen Babak Rafati wünsche ich von Herzen alles Gute und einen sicheren Weg zurück ins Leben. Wir alle sollten dieses Drama nicht überbewerten. Jeden Tag versuchen Menschen sich das Leben zu nehmen. Viele bedauerlicherweise mit Erfolg. Nur erfahren wir es nicht. Von daher sollten wir nicht so tun als sei dies ein ganz besonderer Fall,  nur weil ein prominenter Schiedsrichter der Bundesliga betroffen ist. Aber wir können die Sache getrost zum Anlass nehmen, uns bei Zeiten daran zu erinnern, dass es eben ganz gewöhnliche Menschen sind, die Woche für Woche die Spiele leiten die für uns alle so große Bedeutung haben. 


Wenn wir über Menschen reden, soll auch ein Querkopf nicht unerwähnt bleiben. Einer der polarisiert hat und der wie alle Polarisierer gehasst worden ist, aber eben auch verehrt. Ciriaco Sforza hat in dieser Woche ein Interview gegeben, in dem er sich dazu bekennt, dass er auch den Weg des FCK weiter im Auge behält. Das freut mich natürlich, da ich wie viele von uns ab und zu auf seinen Werdegang schaue. Lange, wenn nicht sogar eine gefühlte Ewigkeit andauernd, habe ich einen wie Sforza vermisst am Betzenberg. Mittlerweile hat Christian Tiffert diese Lücke gefüllt. Nicht, dass es an Typen gemangelt hätte die mit dem Mundwerk bereit waren voranzugehen, aber sie konnten fehlende Arbeit auf dem Fußballplatz nicht durch Schwadronieren kompensieren. Tiffert hingegen sehe ich nicht nur gern zu, sondern ich höre ihn mindestens eben so gern reden. Denn Tiffert verfügt über ein Talent, auf das wenige Fußballer zurückgreifen können. Er ist in der Lage das Geschäft zu reflektieren, er sieht seine Rolle darin und zeigt uns so etwas, dass wir sonst eher selten zu sehen bekommen. Er gewährt uns einen, wenn auch flüchtigen, Blick auf den Menschen Christian Tiffert. Dass dieser Spieler die Rückennummer von Fritz Walter trägt, scheint mir von Spiel zu Spiel immer passender zu sein. Und das gilt wohlgemerkt auch für die Spiele, in denen Tiffert nicht so gut aussieht auf dem Platz. Seine Interviews höre ich in diesen Fällen allerdings besonders gern, denn Tiffert hat, jenseits der im Fußball gültigen Hülsensätze immer etwas zu sagen, was es lohnend macht ihm zuzuhören. Dass er nicht nur vorneweg marschieren kann während des Spiels, ist dabei nur allzu verständlich. Schließlich, um eine alte Redewendung zu nutzen, ist Tiffert ja auch nur ein Mensch.


Und wenn wir schon dabei sind auf Menschen zu schauen, dann sollten wir einen nicht vergessen, der nicht mehr so häufig Erwähnung findet bei uns. In der letzten Saison just beim gerade wieder anstehenden Vergleich mit dem Club aus Franken, hatte einer seinen ganz großen Auftritt. Die Rede ist von Stiven Rivic. Leider stellte sich dieses Highlight am Ende als eine Art "One Hit Wonder" heraus. Rivic bringt fraglos alles mit, was ein Spieler so brauchen kann. Er ist technisch beschlagen, antizipiert gut und hat einen ordentlichen Schuss. Warum es trotzdem nicht funktioniert hat mit der großen Karriere beim FCK? Nun, wer weiß das schon so genau. Irgendetwas hat halt nicht gepasst. So ist der Fußballspieler als solches, um erneut mit einer bekannten Redewendung zu spielen, schlicht mehr als die Summe seiner Teile, Talente oder Fähigkeiten. Er ist ein Mensch. Rivic wird wohl nicht mehr für die Teufel kicken. Jedenfalls nicht mehr auf höchster Ebene. Soviel dazu. Streitpunkt dieser Tage ist die Frage, ob wir eher ein Defizit im Mittelfeld, oder im Sturm aufweisen. Eins ist jedenfalls sicher: Wir sind mit aktuell zehn Treffern nach dreizehn Spieltagen recht sparsam aufgestellt. Laut "Kicker" der niedrigste Wert überhaupt für den FCK in dieser Phase der Saison. Den bisherigen Rekord hielt mit zwölf Treffern unser Team aus der Saison 02/03. Damals im Sturm: Miroslav Klose. Es gibt also Grund zur Hoffnung. Jetzt geht es jedenfalls erstmal zu den Franken. Schauen wir was da geht. Leiten wird dieses Spiel übrigens Tobias Welz aus Wiesbaden. Wie schon unser Match gegen den FC Augsburg. Vergessen wir nicht, dass auch er ein Mensch ist.

Mehr über die Abenteuer von Sir Kurzelot, was es mit der Prophezeiung eines Stockenten grillenden Visionärs auf sich hat und wie man ein Komplott verhindert, erfahrt ihr dann demnächst an dieser Stelle. Es sei denn es passiert wieder etwas, was mich davon abhält. 

Bis dahin.

Gruß Berti

 

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Bertikoks - Transfermarkt since 2003. Originalmitgliedsnummer 1686. Keine anonyme Kritik: FCK MGLD 2151
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