Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
18.02.2011 - 08:11 Uhr
Sensationell!
Der Anfang zum Schießen :D
Der Mittelteil: Vollkommen richtige Einschätzung, wobei ich persönlich für Samstag etwas optimistischer bin, aber das steht ja auf einem anderen Blatt.
Der Schluss: Wahre Worte, was die Sensationsgeilheit unserer Medienlandschaft angeht.
Zudem hast Du nun endgültig dazu beigetragen, dass sich mein Bücherregal auf Zuwachs einstellen kann.
Immer wieder ein Hochgenuss Eure Kolumne!
Der Anfang zum Schießen :D
Der Mittelteil: Vollkommen richtige Einschätzung, wobei ich persönlich für Samstag etwas optimistischer bin, aber das steht ja auf einem anderen Blatt.
Der Schluss: Wahre Worte, was die Sensationsgeilheit unserer Medienlandschaft angeht.
Zudem hast Du nun endgültig dazu beigetragen, dass sich mein Bücherregal auf Zuwachs einstellen kann.
Immer wieder ein Hochgenuss Eure Kolumne!
25.02.2011 - 12:16 Uhr
Ausgabe 28: Unser Trainer fährt im Hühnerstall Motorrad. Hoffentlich.
Vorbild
So Freunde, heute wird‘s ein wenig ungemütlich. Kuscheln könnt ihr nächste Woche wieder mit Bahli. Bevor ich allerdings die grobe Kelle raushole, fangen wir doch vorne an. Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als Kohlmeyers Karriere ihrem glorreichen Höhepunkt zustrebte, als er den Fuß auf den Kneipentisch legte und sich feiern ließ, war meine eigene Laufbahn praktisch beendet. Denn, der erfahrene Leser weiß es bereits, ein dicker Kerl im Schiedsrichterkostüm, dessen Bierbauch nur von seinem zu engen Trikot gehalten wurde, hatte sie mit der Aberkennung meines traumhaften Führungstores unter dem nie gehörten Hinweis "Körperabseits", schlicht dem Tode geweiht. Künftig schien es also sinnvoller, über das zu reden, was andere spielen, als die eigene Unzulänglichkeit auf dem Platz zu demonstrieren. Bei Fußballprofis steht jedoch mehr im Fokus, als nur das Verhalten mit dem Ball. Und das gab letzte Woche offenbar Anlass zur Diskussion. Tiffert holte seinen Gegenspieler vom Schiedsrichter weg und verhinderte so womöglich einen Platzverweis. Unprofessionell sei das gewesen meinten einige erkannt zu haben. Aber war es das wirklich? Hätte Tiffert sich anders verhalten, möglicherweise den sterbenden Schwan gespielt, wäre Hannover vermutlich wirklich in Unterzahl geraten. Fahrlässig also? Nein. Ganz und gar nicht. Wir alle lehnen die Schauspielerei ab. Wenn ich eine Schmierenkomödie sehen will, gehe ich in ein drittklassiges Theater, denn ich ärgere mich maßlos über Gegenspieler, die so etwas tun. Und ja, ich gebe zu, ich ärgere mich auch über eigene Spieler, die solches Verhalten an den Tag legen. Was Tiffert tat war also richtig. Wenn andere Profis das nicht machen, dann ist es Zeit, dass mal einer damit anfängt. Und wenn der dann ausgerechnet das Trikot von Fritz Walter trägt, sollte uns das nicht ärgern, sondern mit Stolz erfüllen.
Hühnerstall
Nicht mit Stolz erfüllt uns der Rest des Samstages in Hannover. Dabei war es eigentlich wie immer. Das Spiel im Griff, die besseren Chancen, die sichere Führung vom Schiedsrichter gestohlen und dann das unglückliche Gegentor. Nur war das Gegentor nicht unglücklich. Und deshalb ist es legitim, über ein paar Änderungen nachzudenken. Fangen wir hinten an. Thema Torwartwechsel. Ich bin mir immer noch nicht sicher, aber einem Wechsel auch nicht abgeneigt. Sippels Fehler führen momentan nicht zu Gegentoren. Die in Hannover nahmen ihren Ursprung meist woanders. Warum also tauschen? Dafür sehe ich drei Gründe. Erstens macht Sippel seine Fehler trotzdem, auch wenn sie aktuell nicht zu Gegentreffern führen. Zweitens darf man auch mal einen halten, den man nicht unbedingt zwingend halten muss. Wenn bei drei Schüssen der Niedersachsen aufs Tor zwei drin sind, kann man mit kaum höherem Risiko auch eine Sporttasche als Hindernis auf die Linie stellen und dafür mit elf Feldspielern antreten. Wobei ich zugeben muss, dass jeder Torwart sich früher oder später mit Mist beschmieren wird, wenn er im Hühnerstall herumrennen muss. Drittens, und das betrifft Sippel jetzt eigentlich am wenigsten, kann man den Keeper wechseln, weil sich einfach mal was ändern muss, wenn man nicht riskieren will, dass die Dinge eine Eigendynamik entwickeln, die sich am Ende nicht mehr bremsen lässt. Und das fängt beim Torwart an, hört da aber nicht auf. Kommen wir also zum bereits erwähnten Hühnerstall. In der Abwehr dürfen wir ruhig mal über Abel nachdenken. Die Statistik spricht jedenfalls für ihn. Aber vor allem anderen muss der FCK in Sachen Linksverteidiger reagieren. Es gibt da zwei mögliche Varianten. Entweder rückt Rodnei auf links und Abel nach innen, oder wir versuchen es einfach mal mit Stulin. Bugera steht gut, ist aber offenbar zu langsam. Jessen ist schneller, steht aber schlechter und seine Ballbehandlung taugt zur Osterkerze, aber derzeit nicht für die Liga. Davor muss Petsos weichen oder als überraschende dritte Alternative zu den eben genannten auf die linke Seite der Viererkette wechseln. Bilek mag zwar nicht so gut im Spiel nach vorn sein, aber er macht den Laden besser dicht. Und das ist doch auch schon was. Was den Vorteil hätte, dass Tiffert bei Bedarf auf die Morávek Position rücken kann und wir auf ein vier-vier-zwei umstellen können, um mit Lakic und Morávek als Doppelspitze zu agieren. Oder vielleicht mit Hoffer und Morávek? Während des Spiels. Hin. Und wieder zurück. Je nach Verlauf. Weniger ausrechenbar ist es auf jeden Fall. Versuch es doch einfach mal Trainer.
Kultstätte
Aber auch wir müssen was ändern. Unser Saisonziel heißt und hieß von Anfang an Klassenerhalt. Wie ist egal. Vielleicht haben wir das aus den Augen verloren, als wir vom DFB Pokalfinale geträumt haben. Wer also in der Zwischenzeit darüber nachdenkt, den Trainer zu entlassen, der hat offenbar vergessen, wo wir her gekommen sind. In Kaiserslautern haben wir gelernt mit wenig zufrieden zu sein. Und das ist gut so. Deshalb haben wir trotzdem ein ganz besonderes Verhältnis zu unserem Verein. Und das wird auch so bleiben. Das Dorf, der Berg, das Stadion, der Ball. Das hat was besonderes, meinte Youri Djorkaeff einmal. Und er hatte recht. Die mystische Kraft die in dieser Beziehung entsteht sollten, nein müssen, wir nutzen. Fangen wir also damit an unseren Tempel zu verteidigen. Heimspiele zusammen mit der Mannschaft zu gewinnen. Denn das ist der Schlüssel zum Klassenerhalt. Es ist Zeit für den ersten Sieg in der Rückrunde. Helfen wir unserer Mannschaft gegen den HSV dabei.
Bis dahin
Gruß Berti
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils am Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Vorbild
So Freunde, heute wird‘s ein wenig ungemütlich. Kuscheln könnt ihr nächste Woche wieder mit Bahli. Bevor ich allerdings die grobe Kelle raushole, fangen wir doch vorne an. Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als Kohlmeyers Karriere ihrem glorreichen Höhepunkt zustrebte, als er den Fuß auf den Kneipentisch legte und sich feiern ließ, war meine eigene Laufbahn praktisch beendet. Denn, der erfahrene Leser weiß es bereits, ein dicker Kerl im Schiedsrichterkostüm, dessen Bierbauch nur von seinem zu engen Trikot gehalten wurde, hatte sie mit der Aberkennung meines traumhaften Führungstores unter dem nie gehörten Hinweis "Körperabseits", schlicht dem Tode geweiht. Künftig schien es also sinnvoller, über das zu reden, was andere spielen, als die eigene Unzulänglichkeit auf dem Platz zu demonstrieren. Bei Fußballprofis steht jedoch mehr im Fokus, als nur das Verhalten mit dem Ball. Und das gab letzte Woche offenbar Anlass zur Diskussion. Tiffert holte seinen Gegenspieler vom Schiedsrichter weg und verhinderte so womöglich einen Platzverweis. Unprofessionell sei das gewesen meinten einige erkannt zu haben. Aber war es das wirklich? Hätte Tiffert sich anders verhalten, möglicherweise den sterbenden Schwan gespielt, wäre Hannover vermutlich wirklich in Unterzahl geraten. Fahrlässig also? Nein. Ganz und gar nicht. Wir alle lehnen die Schauspielerei ab. Wenn ich eine Schmierenkomödie sehen will, gehe ich in ein drittklassiges Theater, denn ich ärgere mich maßlos über Gegenspieler, die so etwas tun. Und ja, ich gebe zu, ich ärgere mich auch über eigene Spieler, die solches Verhalten an den Tag legen. Was Tiffert tat war also richtig. Wenn andere Profis das nicht machen, dann ist es Zeit, dass mal einer damit anfängt. Und wenn der dann ausgerechnet das Trikot von Fritz Walter trägt, sollte uns das nicht ärgern, sondern mit Stolz erfüllen.
Hühnerstall
Nicht mit Stolz erfüllt uns der Rest des Samstages in Hannover. Dabei war es eigentlich wie immer. Das Spiel im Griff, die besseren Chancen, die sichere Führung vom Schiedsrichter gestohlen und dann das unglückliche Gegentor. Nur war das Gegentor nicht unglücklich. Und deshalb ist es legitim, über ein paar Änderungen nachzudenken. Fangen wir hinten an. Thema Torwartwechsel. Ich bin mir immer noch nicht sicher, aber einem Wechsel auch nicht abgeneigt. Sippels Fehler führen momentan nicht zu Gegentoren. Die in Hannover nahmen ihren Ursprung meist woanders. Warum also tauschen? Dafür sehe ich drei Gründe. Erstens macht Sippel seine Fehler trotzdem, auch wenn sie aktuell nicht zu Gegentreffern führen. Zweitens darf man auch mal einen halten, den man nicht unbedingt zwingend halten muss. Wenn bei drei Schüssen der Niedersachsen aufs Tor zwei drin sind, kann man mit kaum höherem Risiko auch eine Sporttasche als Hindernis auf die Linie stellen und dafür mit elf Feldspielern antreten. Wobei ich zugeben muss, dass jeder Torwart sich früher oder später mit Mist beschmieren wird, wenn er im Hühnerstall herumrennen muss. Drittens, und das betrifft Sippel jetzt eigentlich am wenigsten, kann man den Keeper wechseln, weil sich einfach mal was ändern muss, wenn man nicht riskieren will, dass die Dinge eine Eigendynamik entwickeln, die sich am Ende nicht mehr bremsen lässt. Und das fängt beim Torwart an, hört da aber nicht auf. Kommen wir also zum bereits erwähnten Hühnerstall. In der Abwehr dürfen wir ruhig mal über Abel nachdenken. Die Statistik spricht jedenfalls für ihn. Aber vor allem anderen muss der FCK in Sachen Linksverteidiger reagieren. Es gibt da zwei mögliche Varianten. Entweder rückt Rodnei auf links und Abel nach innen, oder wir versuchen es einfach mal mit Stulin. Bugera steht gut, ist aber offenbar zu langsam. Jessen ist schneller, steht aber schlechter und seine Ballbehandlung taugt zur Osterkerze, aber derzeit nicht für die Liga. Davor muss Petsos weichen oder als überraschende dritte Alternative zu den eben genannten auf die linke Seite der Viererkette wechseln. Bilek mag zwar nicht so gut im Spiel nach vorn sein, aber er macht den Laden besser dicht. Und das ist doch auch schon was. Was den Vorteil hätte, dass Tiffert bei Bedarf auf die Morávek Position rücken kann und wir auf ein vier-vier-zwei umstellen können, um mit Lakic und Morávek als Doppelspitze zu agieren. Oder vielleicht mit Hoffer und Morávek? Während des Spiels. Hin. Und wieder zurück. Je nach Verlauf. Weniger ausrechenbar ist es auf jeden Fall. Versuch es doch einfach mal Trainer.
Kultstätte
Aber auch wir müssen was ändern. Unser Saisonziel heißt und hieß von Anfang an Klassenerhalt. Wie ist egal. Vielleicht haben wir das aus den Augen verloren, als wir vom DFB Pokalfinale geträumt haben. Wer also in der Zwischenzeit darüber nachdenkt, den Trainer zu entlassen, der hat offenbar vergessen, wo wir her gekommen sind. In Kaiserslautern haben wir gelernt mit wenig zufrieden zu sein. Und das ist gut so. Deshalb haben wir trotzdem ein ganz besonderes Verhältnis zu unserem Verein. Und das wird auch so bleiben. Das Dorf, der Berg, das Stadion, der Ball. Das hat was besonderes, meinte Youri Djorkaeff einmal. Und er hatte recht. Die mystische Kraft die in dieser Beziehung entsteht sollten, nein müssen, wir nutzen. Fangen wir also damit an unseren Tempel zu verteidigen. Heimspiele zusammen mit der Mannschaft zu gewinnen. Denn das ist der Schlüssel zum Klassenerhalt. Es ist Zeit für den ersten Sieg in der Rückrunde. Helfen wir unserer Mannschaft gegen den HSV dabei.
Bis dahin
Gruß Berti
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils am Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
04.03.2011 - 09:52 Uhr
Ausgabe 29: Zur Hölle mit der Geschichte, zum Teufel mit der Tradition - das Jetzt zählt
Von Bahli
Beim Entrümpeln meines Kleiderschranks habe ich in dieser Woche meinen FCK-Bettbezug, Marke "Äußerst Uralt" wiedergefunden. Zu welchem Zeitpunkt er sich in meinen Besitz schlich, kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen. Aber eine Sache ist mir darauf sofort aufgefallen. Neben einem Fußball und dem alten FCK-Logo findet sich dort noch der Schriftzug "Deutscher Meister". Bei diesem Anblick lief es mir eiskalt den Rücken runter. Der Bettbezug ist sicherlich aus den Siebzigern oder Achtzigern. Und mit dem Prädikat "Deutscher Meister" sind sicherlich noch die deutschen Meisterschaften aus der Ära von Fritz Walter gemeint. Bei mir lassen diese zwei Wörter aber sofort die Erinnerung an die neunziger Jahre wach werden. Die Meisterschaft 1991 war etwas einzigartiges. Bis zu jener denkwürdigen Saison 1990/91 war der FCK in meinem Leben der klassische Underdog, zu deutsch ein klassischer Außenseiter. Ehrlich gesagt habe ich ihm nicht mehr als hin und wieder die Teilnahme am UEFA-Cup zugetraut. Die Meisterschaft '91 hat uns aber damals klar und deutlich gezeigt, dass der FCK mit unbändigem Willen auch eine Übermannschaft wie die des FC Bayern München in die Knie zwingen kann. Und dann kam 1998 - die Saison, in der der 1. FC Kaiserslautern die Fußball-Historie auf den Kopf stellte und als Aufsteiger den Thron des deutschen Fußballs erklimmte. Ein bis dahin nicht dagewesenes Novum. Aber das ist mittlerweile lange her. Aktuell haben wir Fans andere Probleme.
Zum Teufel mit der Historie - wir leben im Hier und Jetzt
Der geschätzte Mitkolumnist Kohlmeyer formulierte einmal vor Jahren einen wegweisenden Satz: "Wir glauben nicht an Wunder. Wir wissen, dass es sie gibt." Dieser Satz spiegelt ein Gefühl wider, das der FCK-Fan der neunziger Jahre am eigenen Leib erleben durfte. Die beiden zu Beginn angesprochenen Meisterschaften '91 und '98 waren Husarenstreiche - bar jeder Vorhersagbarkeit. Selbst die Berufsoptimisten auf dem Berg wurden damals überrascht, als sich abzeichnete, was der pfälzer Bundesligist zu leisten im Stande war. Aber sind wir einmal ehrlich, das waren die Sonnenseiten des Fandaseins. Mittlerweile kann sich der Fan auf Deutschlands berühmtesten Fußballberg nichts mehr für die glorreiche Vergangenheit kaufen. Sie ist nichts mehr wert - außer der Erinnerung an eine strahlende Zeit. Der 1. FC Kaiserslautern des Jahres 2011 ist ein Aufsteiger, ein den Widrigkeiten der 2. Liga entronnener Bundesliganeuling. Das waren wir schon einmal in den Neunzigern, ich weiß. Aber der Abstieg 1996 und der Aufstieg 1997 stand unter komplett anderen Vorzeichen. Die Mannschaft war damals gespickt mit großer Qualität. Dies ist 2010/11 eine ganz andere Sache. Der FCK ist erstmals ein "richtiger" Neuling, ein Aufsteiger, wie er eben der Normalfall ist - knapp bei Kasse, qualitativ im hinteren Drittel einzuordnen. Nicht umsonst müssen Stefan Kuntz und sein Team mit dem kleinsten Spieleretat die Saison bestreiten. Und genau das haben viele FCK-Fans noch immer nicht beherzigt.
Zur Hölle mit der Tradition - wir kämpfen ums Überleben
Der 1. FC Kaiserslautern ist ein Bundesligist mit genau den Problemen, die die Aufsteiger schon seit jeher hatten. Man kämpft einzig und allein ums Überleben. Stefan Kuntz und Marco Kurz sind intelligente Menschen, die sich von ein paar bunten Funken nicht blenden lassen. Und schon gar nicht täuschen lassen. Sie bleiben Realisten - auch wenn der Trend temporär in eine andere Richtung läuft. Trotzdem: Der FCK ist in dieser Saison zum allerersten Mal in einer solchen Position. Zum ersten Mal ist man ein richtiger Aufsteiger. Ein Neuling, ein krasser Außenseiter. Und genau dies müssen auch die Fans erkennen. Auch sie müssen der Realität ins Auge schauen. Auch, wenn der Anblick kein schöner ist. Er offenbart schonungslos eine nackte Wahrheit, die für viele Fans unerträglich scheint. Der FCK als großer Traditionsverein darf nicht auf Platz 16 durch die Spieltage stolpern. Tut er aber längst. Er ist dort angelangt, wo ihn die meisten Experten schon zu Anfang der Saison sahen. Die aktuelle Wahrheit heißt Abstiegskampf. Und das ist der brutale Kampf ums nackte Überleben. Nicht mehr und nicht weniger.
Der Druck steigt, die ersten Ventile platzen
Am vergangenen Wochenende offenbarte sich das ganze Dilemma, das gerade schonungslos auf dem Betzenberg Einzug hält, in der Beschimpfung von Srdjan Lakic. Er wurde von Fans aus der West ausgepfiffen, beschimpft, bespuckt. Die aggressiven Handbewegungen gegen seine Person zeigten einen unbändigen Hass auf einen Spieler des FCK, der eigenen Mannschaft. Freunde, so geht das nicht! Agressivität gegen Spieler der eigenen Mannschaft ist der Anfang vom Ende. Es verunsichert die Mannschaft zusätzlich und spaltet die Fans. Ein unheilvolles Duett. Der offene Brief der FCK-Fans hier bei transfermarkt.de war ein tolles Signal. Aber leider nicht mehr als eben ein Signal. Ein Signal derer, die die Intelligenz besitzen, sich nicht vor den Karren von Dieter Hoeneß spannen zu lassen. Sie sehen die Situation um den Wechsel ihres Torjägers realistisch als das, was er ist. Ein Arbeitnehmer wechselt den Arbeitsplatz zu Gunsten eines besser bezahlten. Die Fans in den Blöcken 8 und 9, die am vergangenen Samstag nach dem Spiel gegen den Hamburger SV so unerträglich auf Srdjan Lakic einprügelten, werden diese Zeilen sicherlich nicht zum Umdenken bewegen. Sie werden auch beim Spiel gegen den SC Freiburg Lakic für seinen "Verrat" bluten lassen. Und sie werden auf diese Weise sich selbst und den Verein einer seiner Stärken berauben. Ich hoffe, dass ich mich täusche, aber Lakic wird das Verhalten dieser "Fans" an die Nieren gehen. Nach dem HSV-Spiel fiel es ihm schon sichtlich schwer, die richtigen Worte zu finden. Und möglicherweise ist Lakic nur der Anfang. Was passiert, wenn der Druck steigt und die Ventile zu platzen drohen, haben wir in den vergangenen Jahren oft erleben müssen. Ich kann über die Kolumne nur dazu aufrufen, dem gesamten Team ohne Ausnahme die volle Unterstützung zukommen zu lassen. Ihr hinter uns, wir hinter euch! Mehr gibt es zu diesem Thema nicht zu sagen. Vorerst.
Wie die Jungfrau zum Kind ...
... gelangt die Eintracht aus Frankfurt in den Abstiegskampf. Ein Punkt aus sieben Spielen - letzter Platz der Rückrundentabelle, kein einziges Tor im Jahr 2011. Die Eintracht hält ihre Fans kurz. Äußerst kurz sogar. Mit einem Sieg in der Commerzbank Arena könnte der FCK den Tabellen-Siebten der Hinrunde hinter sich lassen. Ein Kollege von mir meinte heute bezeichnend: "Wenn ihr morgen die Eintracht schlagt, steigen die ab." Da ist sicherlich etwas Wahres dran. Es gibt kaum eine größere Katastrophe als urplötzlich nach fast zwei Dritteln der Saison in den Abstiegskampf zu rutschen. Eintracht Frankfurt erscheint auf dem Papier erst einmal wie der bestmögliche Gegner für den aktuell ebenfalls kriselnden FCK. Aber im Gegensatz zur Eintracht blicken die Pfälzer auf einige gute Leistungen - selbst die Niederlagen bei den Bayern und in Hoffenheim kann man in die Kategorie "unglücklich" einordnen. Und das 1:1 gegen den designierten deutschen Meister Borussia Dortmund war ein gefühlter Sieg. 7.000 FCK-Fans werden morgen in der Frankfurter Commerzbank Arena erwartet. Wenn sich diese Fans auf ihre Kernkompetenz konzentrieren, ist für den 1. FC Kaiserslautern alles möglich. Und die 0:3-Heimschlappe aus der Hinrunde steht noch unkommentiert im Raum ...
Cheers
Bahli
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Von Bahli
Beim Entrümpeln meines Kleiderschranks habe ich in dieser Woche meinen FCK-Bettbezug, Marke "Äußerst Uralt" wiedergefunden. Zu welchem Zeitpunkt er sich in meinen Besitz schlich, kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen. Aber eine Sache ist mir darauf sofort aufgefallen. Neben einem Fußball und dem alten FCK-Logo findet sich dort noch der Schriftzug "Deutscher Meister". Bei diesem Anblick lief es mir eiskalt den Rücken runter. Der Bettbezug ist sicherlich aus den Siebzigern oder Achtzigern. Und mit dem Prädikat "Deutscher Meister" sind sicherlich noch die deutschen Meisterschaften aus der Ära von Fritz Walter gemeint. Bei mir lassen diese zwei Wörter aber sofort die Erinnerung an die neunziger Jahre wach werden. Die Meisterschaft 1991 war etwas einzigartiges. Bis zu jener denkwürdigen Saison 1990/91 war der FCK in meinem Leben der klassische Underdog, zu deutsch ein klassischer Außenseiter. Ehrlich gesagt habe ich ihm nicht mehr als hin und wieder die Teilnahme am UEFA-Cup zugetraut. Die Meisterschaft '91 hat uns aber damals klar und deutlich gezeigt, dass der FCK mit unbändigem Willen auch eine Übermannschaft wie die des FC Bayern München in die Knie zwingen kann. Und dann kam 1998 - die Saison, in der der 1. FC Kaiserslautern die Fußball-Historie auf den Kopf stellte und als Aufsteiger den Thron des deutschen Fußballs erklimmte. Ein bis dahin nicht dagewesenes Novum. Aber das ist mittlerweile lange her. Aktuell haben wir Fans andere Probleme.
Zum Teufel mit der Historie - wir leben im Hier und Jetzt
Der geschätzte Mitkolumnist Kohlmeyer formulierte einmal vor Jahren einen wegweisenden Satz: "Wir glauben nicht an Wunder. Wir wissen, dass es sie gibt." Dieser Satz spiegelt ein Gefühl wider, das der FCK-Fan der neunziger Jahre am eigenen Leib erleben durfte. Die beiden zu Beginn angesprochenen Meisterschaften '91 und '98 waren Husarenstreiche - bar jeder Vorhersagbarkeit. Selbst die Berufsoptimisten auf dem Berg wurden damals überrascht, als sich abzeichnete, was der pfälzer Bundesligist zu leisten im Stande war. Aber sind wir einmal ehrlich, das waren die Sonnenseiten des Fandaseins. Mittlerweile kann sich der Fan auf Deutschlands berühmtesten Fußballberg nichts mehr für die glorreiche Vergangenheit kaufen. Sie ist nichts mehr wert - außer der Erinnerung an eine strahlende Zeit. Der 1. FC Kaiserslautern des Jahres 2011 ist ein Aufsteiger, ein den Widrigkeiten der 2. Liga entronnener Bundesliganeuling. Das waren wir schon einmal in den Neunzigern, ich weiß. Aber der Abstieg 1996 und der Aufstieg 1997 stand unter komplett anderen Vorzeichen. Die Mannschaft war damals gespickt mit großer Qualität. Dies ist 2010/11 eine ganz andere Sache. Der FCK ist erstmals ein "richtiger" Neuling, ein Aufsteiger, wie er eben der Normalfall ist - knapp bei Kasse, qualitativ im hinteren Drittel einzuordnen. Nicht umsonst müssen Stefan Kuntz und sein Team mit dem kleinsten Spieleretat die Saison bestreiten. Und genau das haben viele FCK-Fans noch immer nicht beherzigt.
Zur Hölle mit der Tradition - wir kämpfen ums Überleben
Der 1. FC Kaiserslautern ist ein Bundesligist mit genau den Problemen, die die Aufsteiger schon seit jeher hatten. Man kämpft einzig und allein ums Überleben. Stefan Kuntz und Marco Kurz sind intelligente Menschen, die sich von ein paar bunten Funken nicht blenden lassen. Und schon gar nicht täuschen lassen. Sie bleiben Realisten - auch wenn der Trend temporär in eine andere Richtung läuft. Trotzdem: Der FCK ist in dieser Saison zum allerersten Mal in einer solchen Position. Zum ersten Mal ist man ein richtiger Aufsteiger. Ein Neuling, ein krasser Außenseiter. Und genau dies müssen auch die Fans erkennen. Auch sie müssen der Realität ins Auge schauen. Auch, wenn der Anblick kein schöner ist. Er offenbart schonungslos eine nackte Wahrheit, die für viele Fans unerträglich scheint. Der FCK als großer Traditionsverein darf nicht auf Platz 16 durch die Spieltage stolpern. Tut er aber längst. Er ist dort angelangt, wo ihn die meisten Experten schon zu Anfang der Saison sahen. Die aktuelle Wahrheit heißt Abstiegskampf. Und das ist der brutale Kampf ums nackte Überleben. Nicht mehr und nicht weniger.
Der Druck steigt, die ersten Ventile platzen
Am vergangenen Wochenende offenbarte sich das ganze Dilemma, das gerade schonungslos auf dem Betzenberg Einzug hält, in der Beschimpfung von Srdjan Lakic. Er wurde von Fans aus der West ausgepfiffen, beschimpft, bespuckt. Die aggressiven Handbewegungen gegen seine Person zeigten einen unbändigen Hass auf einen Spieler des FCK, der eigenen Mannschaft. Freunde, so geht das nicht! Agressivität gegen Spieler der eigenen Mannschaft ist der Anfang vom Ende. Es verunsichert die Mannschaft zusätzlich und spaltet die Fans. Ein unheilvolles Duett. Der offene Brief der FCK-Fans hier bei transfermarkt.de war ein tolles Signal. Aber leider nicht mehr als eben ein Signal. Ein Signal derer, die die Intelligenz besitzen, sich nicht vor den Karren von Dieter Hoeneß spannen zu lassen. Sie sehen die Situation um den Wechsel ihres Torjägers realistisch als das, was er ist. Ein Arbeitnehmer wechselt den Arbeitsplatz zu Gunsten eines besser bezahlten. Die Fans in den Blöcken 8 und 9, die am vergangenen Samstag nach dem Spiel gegen den Hamburger SV so unerträglich auf Srdjan Lakic einprügelten, werden diese Zeilen sicherlich nicht zum Umdenken bewegen. Sie werden auch beim Spiel gegen den SC Freiburg Lakic für seinen "Verrat" bluten lassen. Und sie werden auf diese Weise sich selbst und den Verein einer seiner Stärken berauben. Ich hoffe, dass ich mich täusche, aber Lakic wird das Verhalten dieser "Fans" an die Nieren gehen. Nach dem HSV-Spiel fiel es ihm schon sichtlich schwer, die richtigen Worte zu finden. Und möglicherweise ist Lakic nur der Anfang. Was passiert, wenn der Druck steigt und die Ventile zu platzen drohen, haben wir in den vergangenen Jahren oft erleben müssen. Ich kann über die Kolumne nur dazu aufrufen, dem gesamten Team ohne Ausnahme die volle Unterstützung zukommen zu lassen. Ihr hinter uns, wir hinter euch! Mehr gibt es zu diesem Thema nicht zu sagen. Vorerst.
Wie die Jungfrau zum Kind ...
... gelangt die Eintracht aus Frankfurt in den Abstiegskampf. Ein Punkt aus sieben Spielen - letzter Platz der Rückrundentabelle, kein einziges Tor im Jahr 2011. Die Eintracht hält ihre Fans kurz. Äußerst kurz sogar. Mit einem Sieg in der Commerzbank Arena könnte der FCK den Tabellen-Siebten der Hinrunde hinter sich lassen. Ein Kollege von mir meinte heute bezeichnend: "Wenn ihr morgen die Eintracht schlagt, steigen die ab." Da ist sicherlich etwas Wahres dran. Es gibt kaum eine größere Katastrophe als urplötzlich nach fast zwei Dritteln der Saison in den Abstiegskampf zu rutschen. Eintracht Frankfurt erscheint auf dem Papier erst einmal wie der bestmögliche Gegner für den aktuell ebenfalls kriselnden FCK. Aber im Gegensatz zur Eintracht blicken die Pfälzer auf einige gute Leistungen - selbst die Niederlagen bei den Bayern und in Hoffenheim kann man in die Kategorie "unglücklich" einordnen. Und das 1:1 gegen den designierten deutschen Meister Borussia Dortmund war ein gefühlter Sieg. 7.000 FCK-Fans werden morgen in der Frankfurter Commerzbank Arena erwartet. Wenn sich diese Fans auf ihre Kernkompetenz konzentrieren, ist für den 1. FC Kaiserslautern alles möglich. Und die 0:3-Heimschlappe aus der Hinrunde steht noch unkommentiert im Raum ...
Cheers
Bahli
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
18.03.2011 - 11:48 Uhr
Ausgabe 31
Kohlmeyer enthüllt: Warum der FCK 1991 wirklich Meister wurde - und was wir daraus nicht zu lernen brauchen
Kohlmeyer hat in der Stadt Fritz-Walters einen lieben Freund, den er, aus den bekannten Gründen des Persönlichkeitsschutzes, hier Karl nennen wird. Besagter Karl hatte einen nicht minder liebenswerten Erzeuger, Rudi (Name ebenfalls geändert), ein braver Mann, klein von Statur, aber groß im Herzenr. Rudi hatte sein Leben lang als Orchestermusiker in einem großen pfälzischen Theater - dass es das Pfalz-Theater war, wird Kohlmeyer weder bestätigen noch dementieren - musiziert, war so zwar nicht zu Reichtum gekommen, doch achteten und schätzten ihn alle Menschen, die mit ihm zu tun hatten, nicht zuletzt wegen seines unerschüttlichen Humors.
Gift hält Menschen jung, heißt es, und wohl, weil Rudi keinerlei Gift in sich trug, griff schon kurz nach seinem verdienten Ruhestand der Krebs nach ihm. In quälend langen Monaten saugte er alle Kraft aus dem armen Rudi aus. An einem Dienstagabend war es dann soweit: Rudi schloss die Augen. Für immer.
Immerhin hatte er in sein Todesstunde ein Glück, das dem modernen Menschen leider nur noch selten zuteil wird: Er durfte zuhause sterben, im Beisein seiner Frau, meines Freundes Karl und dessen schnell herbeigeeilter Schwester. Da der Abend schon fortgeschritten war, beschloss die Familie, Rudi noch eine letzte Nacht in seinem Heim zu gönnen und Totenwache zu halten.
Um seinem Freund Kohlmeyer zu erzählen, was nun geschah, brauchte mein Freund Karl einige Zeit, außerdem Einiges an geistigen Getränken und die Gewissheit, dass nur ein aufrechter Pfälzer und FCK-Fan die Handlungsweise Karls verstehen würde.
Rudis Auftrag - und wie er ihn erfüllte
Karl trank im Rahmen seiner Totenwache ungefähr einen Kasten Bier - gemeinsam mit seiner Schwester, wie er versicherte, doch wer den Löwenanteil abpumpte, darüber brauchen wir hier nicht zu spekulieren. Die Nacht war schon weit fortgeschritten, als Karl, von einer inneren Stimme getrieben, sich vom Küchentisch erhob und sich mit schweren Schritten ins Nebenzimmer begab, wo sein Vater zur letzten Ruhe gebettet war.
Er ergriff die kalte, knochige Hand seines Ahnen und sprach die Worte, die nur deshalb nicht historisch geworden sind, weil bis heute außer Kohlmeyer kein Diesseitiger davon erfahren hat:
"Vadder, wenn es e Lääbe nach em Tod gebbt, gebb mer e Zeiche: Mach, dass de Betze Deitscher Määschder werd."
Dies geschah - der Herr und mein Freund Karl sind Zeuge - im Februar 1991.
Wir alle wissen, was im Mai 1991 geschah. Jetzt ist es raus.
Ich weiß, Skeptiker werden nun den Kopf schütteln, selbsternannte Gutmenschen sich entrüsten, Zyniker lauthals schreien vor Lachen - und fragen, weshalb es denn nicht hätte eine Nummer kleiner sein können, was man einem gerade Verstorbenen auf dem Weg ins Schattenreich mitgibt.
Doch ich denke, zumindest einige in diesem Forum haben die geistige Grunddisposition, Größe und Reife, um zu glauben - und zu verstehen.
Warum Oma und Kater nicht in Rudi Fußstapfen zu treten brauchen
Warum Kohlmeyer dieses Geheimnis heute lüftet? Weil sich Rudis letzter Tag und die Erfüllung seiner großen Aufgabe in diesen Tagen nunmehr zum 20. Mal jährt, beziehungsweise gejährt hat. Und weil Kohlmeyer derzeit oft an den lieben Rudi und sein Vorbild denkt. Und weil er sich sogar schon dabei ertappt hat, wie er in seinem Bekanntenkreis Ausschau hält nach einem, der sich bald auf seinen letzten Weg macht - und dem er den Auftrag mitgeben könnten, dem "Betze" den Klassenverbleib zu sichern.
Doch die einzige ernsthafte Kandidatin ist Kohlmeyers Oma, die aber in einem derart fortgeschrittenen Stadium dement ist, dass sie den Auftrag wohl kaum noch begreifen, möglicherweise sogar fatal fehlerhaft weitergeben würde. Auch Kohlmeyers Kater geht es zurzeit nicht besonders gut: Das Sauvieh versteht zwar alles, doch hat es noch nie auf Kohlmeyer gehört.
Daher wird´s Kohlmeyer wohl sein lassen - und sich auf diesseitige Mächte verlassen. Denn die dürften stark genug sein, davon ist Kohlmeyer nach wie vor überzeugt. Gerade, weil am Betze jetzt die ruhige Hand regiert, die keine Trainerwechsel und Spielersuspendierungen braucht.
Diese Wochenende könnte sich viel vorentscheiden: Außer Gladbach - Lautern stehen mit Frankfurt - Pauli und Stuttgart - Wolfsburg zwei weitere Kellerduelle an, und bei den Verlierern dieser Partien wird das Heulen ohne Zähneklappern überlaut werden, so es das nicht schon ist.
Kohlmeyer glaubt allerdings nicht, dass es tatsächlich schon Vorentscheidungen geben wird. Die Nerven werden bis zum Schluss gebraucht, und das könnte unser Vorteil sein. Wir haben zwar die jüngste Mannschaft, aber auch die ruhigste Vereinsführung.
Die Pfalz braucht neue Helden - jetzt
Wenn Gladbach sich in dieser Situation eine Heimniederlage gegen einen direkten Konkurrenten erlaubt, werden dort heute Abend schwarz-grüne Fahnen brennen, und gerade weil man das dort weiß, werden sie dort ziemlich nervös sein. Unsere Chance liegt daher darin, es nicht zu sein.
Eines werden wir auf der Zielgerade aber brauchen: Neue Helden. Die der Hinrunde haben sich verabschiedet. Lakic mit Formschwäche und Verletzung, und Amedick? Nun ja, da behaupten jetzt viele, es sei äußerst riskant von Kurz, gerade nach Lakics Unpässlichkeit die zweite Führungspersönlichkeit des Teams ohne Not zu demontieren.
Aber hat er es tatsächlich ohne Not getan? Er dürfe sich halt auch nicht davor scheuen, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, erklärte Kurz nach dem HSV-Spiel, in dem er Amedick das erste Mal draußen ließ. Fakt ist, dass die Hintermannschaft seither in drei Spielen nur noch zwei Gegentore fing. Von seinen individuellen Fähigkeiten betrachtet, mag Abel zwar nicht wie eine Bank in der Hintermannschaft wirken, aber wer weiß, vielleicht hat er eine Wirkung auf seine Nebenleute, die diesen guttut.
Ein anderer Hoffnungsträger, der für mich auf der Zielgeraden zum neuen Helden werden könnte, ist für mich Hoffer. Eigentlich hat er keinen Freiburg saumäßig gespielt, bis ihm der goldene Schuss glückte, aber vielleicht war das der Kick, den ein Torjäger braucht. Oder er ist einfach der Typ Goalgetter, der nur eine gute Szene pro Spiel braucht, um es zu entscheiden. Wäre mir auch recht.
Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Lakic nochmal zurückkommt. Sollte er diese Saison noch einmal zuhause auflaufen, hoffe ich, dass sich die West noch einmal wie ein Mann hinter ihn stellt. Ich bin sicher, er wird dieses Vertrauen zurück zu holen. Schließlich wird seine nächste fußballerische Zukunft kaum noch große emotionale Erlebnisse für ihn bereithalten.
Wolfsburg hat jetzt Magath wieder - das ist sicher kein schlechter Trumpf.
Wir haben den Mythos Betzenberg und die schützenden Geister von Fritz, Rudi und ungezählter anderer - das sind Trümpfe, die höher stechen.
Gruß,
Kohlmeyer
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Kohlmeyer enthüllt: Warum der FCK 1991 wirklich Meister wurde - und was wir daraus nicht zu lernen brauchen
Kohlmeyer hat in der Stadt Fritz-Walters einen lieben Freund, den er, aus den bekannten Gründen des Persönlichkeitsschutzes, hier Karl nennen wird. Besagter Karl hatte einen nicht minder liebenswerten Erzeuger, Rudi (Name ebenfalls geändert), ein braver Mann, klein von Statur, aber groß im Herzenr. Rudi hatte sein Leben lang als Orchestermusiker in einem großen pfälzischen Theater - dass es das Pfalz-Theater war, wird Kohlmeyer weder bestätigen noch dementieren - musiziert, war so zwar nicht zu Reichtum gekommen, doch achteten und schätzten ihn alle Menschen, die mit ihm zu tun hatten, nicht zuletzt wegen seines unerschüttlichen Humors.
Gift hält Menschen jung, heißt es, und wohl, weil Rudi keinerlei Gift in sich trug, griff schon kurz nach seinem verdienten Ruhestand der Krebs nach ihm. In quälend langen Monaten saugte er alle Kraft aus dem armen Rudi aus. An einem Dienstagabend war es dann soweit: Rudi schloss die Augen. Für immer.
Immerhin hatte er in sein Todesstunde ein Glück, das dem modernen Menschen leider nur noch selten zuteil wird: Er durfte zuhause sterben, im Beisein seiner Frau, meines Freundes Karl und dessen schnell herbeigeeilter Schwester. Da der Abend schon fortgeschritten war, beschloss die Familie, Rudi noch eine letzte Nacht in seinem Heim zu gönnen und Totenwache zu halten.
Um seinem Freund Kohlmeyer zu erzählen, was nun geschah, brauchte mein Freund Karl einige Zeit, außerdem Einiges an geistigen Getränken und die Gewissheit, dass nur ein aufrechter Pfälzer und FCK-Fan die Handlungsweise Karls verstehen würde.
Rudis Auftrag - und wie er ihn erfüllte
Karl trank im Rahmen seiner Totenwache ungefähr einen Kasten Bier - gemeinsam mit seiner Schwester, wie er versicherte, doch wer den Löwenanteil abpumpte, darüber brauchen wir hier nicht zu spekulieren. Die Nacht war schon weit fortgeschritten, als Karl, von einer inneren Stimme getrieben, sich vom Küchentisch erhob und sich mit schweren Schritten ins Nebenzimmer begab, wo sein Vater zur letzten Ruhe gebettet war.
Er ergriff die kalte, knochige Hand seines Ahnen und sprach die Worte, die nur deshalb nicht historisch geworden sind, weil bis heute außer Kohlmeyer kein Diesseitiger davon erfahren hat:
"Vadder, wenn es e Lääbe nach em Tod gebbt, gebb mer e Zeiche: Mach, dass de Betze Deitscher Määschder werd."
Dies geschah - der Herr und mein Freund Karl sind Zeuge - im Februar 1991.
Wir alle wissen, was im Mai 1991 geschah. Jetzt ist es raus.
Ich weiß, Skeptiker werden nun den Kopf schütteln, selbsternannte Gutmenschen sich entrüsten, Zyniker lauthals schreien vor Lachen - und fragen, weshalb es denn nicht hätte eine Nummer kleiner sein können, was man einem gerade Verstorbenen auf dem Weg ins Schattenreich mitgibt.
Doch ich denke, zumindest einige in diesem Forum haben die geistige Grunddisposition, Größe und Reife, um zu glauben - und zu verstehen.
Warum Oma und Kater nicht in Rudi Fußstapfen zu treten brauchen
Warum Kohlmeyer dieses Geheimnis heute lüftet? Weil sich Rudis letzter Tag und die Erfüllung seiner großen Aufgabe in diesen Tagen nunmehr zum 20. Mal jährt, beziehungsweise gejährt hat. Und weil Kohlmeyer derzeit oft an den lieben Rudi und sein Vorbild denkt. Und weil er sich sogar schon dabei ertappt hat, wie er in seinem Bekanntenkreis Ausschau hält nach einem, der sich bald auf seinen letzten Weg macht - und dem er den Auftrag mitgeben könnten, dem "Betze" den Klassenverbleib zu sichern.
Doch die einzige ernsthafte Kandidatin ist Kohlmeyers Oma, die aber in einem derart fortgeschrittenen Stadium dement ist, dass sie den Auftrag wohl kaum noch begreifen, möglicherweise sogar fatal fehlerhaft weitergeben würde. Auch Kohlmeyers Kater geht es zurzeit nicht besonders gut: Das Sauvieh versteht zwar alles, doch hat es noch nie auf Kohlmeyer gehört.
Daher wird´s Kohlmeyer wohl sein lassen - und sich auf diesseitige Mächte verlassen. Denn die dürften stark genug sein, davon ist Kohlmeyer nach wie vor überzeugt. Gerade, weil am Betze jetzt die ruhige Hand regiert, die keine Trainerwechsel und Spielersuspendierungen braucht.
Diese Wochenende könnte sich viel vorentscheiden: Außer Gladbach - Lautern stehen mit Frankfurt - Pauli und Stuttgart - Wolfsburg zwei weitere Kellerduelle an, und bei den Verlierern dieser Partien wird das Heulen ohne Zähneklappern überlaut werden, so es das nicht schon ist.
Kohlmeyer glaubt allerdings nicht, dass es tatsächlich schon Vorentscheidungen geben wird. Die Nerven werden bis zum Schluss gebraucht, und das könnte unser Vorteil sein. Wir haben zwar die jüngste Mannschaft, aber auch die ruhigste Vereinsführung.
Die Pfalz braucht neue Helden - jetzt
Wenn Gladbach sich in dieser Situation eine Heimniederlage gegen einen direkten Konkurrenten erlaubt, werden dort heute Abend schwarz-grüne Fahnen brennen, und gerade weil man das dort weiß, werden sie dort ziemlich nervös sein. Unsere Chance liegt daher darin, es nicht zu sein.
Eines werden wir auf der Zielgerade aber brauchen: Neue Helden. Die der Hinrunde haben sich verabschiedet. Lakic mit Formschwäche und Verletzung, und Amedick? Nun ja, da behaupten jetzt viele, es sei äußerst riskant von Kurz, gerade nach Lakics Unpässlichkeit die zweite Führungspersönlichkeit des Teams ohne Not zu demontieren.
Aber hat er es tatsächlich ohne Not getan? Er dürfe sich halt auch nicht davor scheuen, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, erklärte Kurz nach dem HSV-Spiel, in dem er Amedick das erste Mal draußen ließ. Fakt ist, dass die Hintermannschaft seither in drei Spielen nur noch zwei Gegentore fing. Von seinen individuellen Fähigkeiten betrachtet, mag Abel zwar nicht wie eine Bank in der Hintermannschaft wirken, aber wer weiß, vielleicht hat er eine Wirkung auf seine Nebenleute, die diesen guttut.
Ein anderer Hoffnungsträger, der für mich auf der Zielgeraden zum neuen Helden werden könnte, ist für mich Hoffer. Eigentlich hat er keinen Freiburg saumäßig gespielt, bis ihm der goldene Schuss glückte, aber vielleicht war das der Kick, den ein Torjäger braucht. Oder er ist einfach der Typ Goalgetter, der nur eine gute Szene pro Spiel braucht, um es zu entscheiden. Wäre mir auch recht.
Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Lakic nochmal zurückkommt. Sollte er diese Saison noch einmal zuhause auflaufen, hoffe ich, dass sich die West noch einmal wie ein Mann hinter ihn stellt. Ich bin sicher, er wird dieses Vertrauen zurück zu holen. Schließlich wird seine nächste fußballerische Zukunft kaum noch große emotionale Erlebnisse für ihn bereithalten.
Wolfsburg hat jetzt Magath wieder - das ist sicher kein schlechter Trumpf.
Wir haben den Mythos Betzenberg und die schützenden Geister von Fritz, Rudi und ungezählter anderer - das sind Trümpfe, die höher stechen.
Gruß,
Kohlmeyer
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
01.04.2011 - 09:07 Uhr
Ausgabe 32
Warum der FCK wirklich nicht absteigt - Und eine Katze leben darf
Zweiundvierzig
Freunde, die gute Nachricht vorweg. Der FCK ist gerettet. Aber fangen wir doch vorne an. Die mystischen Sphären die Kohlmeyer dem Schattenreich in der letzten Ausgabe zuschreibt werden uns nicht helfen. Tote sind nun einmal, wie ich aus eigener Erfahrung zu bestätigen weiß, in erster Linie tot. Und zufällige Korrelationen beweisen was? Richtig. Gar nichts. Während mein irrgläubiger Vorschreiber also sein schickes Schamanenkostüm aus dem Schrank holt und sich nach einem geeigneten Altar umschaut um seine Katze zu opfern, ziehen wir einen Bildungsscheck aus der Tasche und verlassen uns, ganz als das Produkt von Jarhunderten der Aufklärung für das man uns halten mag, auf belegbare und völlig eindeutige Quellen. Die Rede ist von der Statistik. Der FCK kann nämlich in dieser Saison gar nicht absteigen. Und das lässt sich beweisen. Der 1. FC Kaiserslautern hat der Bundesliga vor Beginn dieser Saison 42 Jahre lang angehört und ist nur zweimal am Klassenziel gescheitert. Wenn man davon absieht, dass allein die Zahl 42 bekanntlich die Antwort auf die Frage nach Gott, der Welt und praktisch allem anderen darstellt (vergleiche: Adams, Douglas, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, USA 1979), verbergen sich doch ein paar interessante Fakten in den Hintergründen dieser Geschichte. Das erste Mal, im Jahr 1996, belegten wir am Schluss Platz 16, und waren nebenbei das Opfer der damals neuen "Drei-Punkte-Regel". Nach der bis dahin gültigen "Zwei-Eins-Null Zählweise" wären wir nämlich drin geblieben. Im Jahr 2006 sind wir, auf Platz 16 stehend, ebenfalls denkbar knapp abgeschmiert, hätte uns ein einziges Tor mehr in Wolfsburg doch gerettet. Wenn man sich schließlich die Mühe machte, die damalige Tabelle auf die alte Zählweise umzustellen, könnte man vielleicht erneut eine Überraschung erleben. Was lässt sich daraus ableiten? Unseriöse Interpretationen ließen den Schluss zu, dass der FCK schon allein deshalb sicher sei, weil er nur alle zehn Jahre überhaupt gefährdet ist. Das weisen wir von uns. Chartanalysten würden die Ergebnisse des FCK seit der Umstellung der Regel in einem Graphen darstellen, erstellt nach den Bedingungen der "Zwei-Eins-Null Zählweise" - und anhand dieses Ergebnisses die zukünftige Entwicklung des Anteilsscheins der börsennotierten Borussia aus Dortmund vorhersagen. Da wir durch Selbstversuch herausgefunden haben, dass man durch stundenlanges Verfolgen eines Börsen TV Senders nicht reich wird, verwerfen wir auch diesen Ansatz und kommen zu den einzig harten Fakten. Damit der FCK nämlich überhaupt zum Abstiegskandidaten werden kann, bedarf es der Abschaffung der Relegation. Im Jahr 1996 war sie gerade abgeschafft - was uns Kopf und Kragen kostete. Im Jahr 2006 war die Wiedereinführung beschlossene Sache, aber sie galt eben noch nicht. Was uns ebenfalls Kopf und Kragen gekostet hat. Und in diesem Jahr? Gilt die Relegationsregel. Was soll also passieren? Lieber Kohlmeyer, lösch die Kerzen, steck den Dolch unauffällig wieder ein, denn deine Katze darf weiterleben. Und falls Du Stimmen hören solltest, mach dir keine Sorgen. Das ist Fritz Walter der da spricht. Den hören wir alle.
Eins
Richtiges Kopfzerbrechen bereitet mir eine ganz andere Sache. Und die habe ich selber hier aufgeworfen. Mittlerweile war jedoch das reale Leben in Form einer Grippe so unhöflich, die Büchse der Pandorra zu öffnen. Ihr merkt schon, es geht um die Torwartfrage. Gerade in dem Moment, als sich Sippels Leistung zu stabilisieren begann, als seine Formkurve leicht nach oben zeigte, bekam Trapp seine Chance. Mal zwischenzeitlich angemerkt: Auch wenn es sowieso keine Konsequenzen hat, wenn wir uns hier fragen, wer beim FCK zwischen den Pfosten stehen sollte, würde ich uns schon für einen Indikator halten, hinsichtlich der Stimmung im Umfeld des Vereins. Für einen Indikator, den man nutzen kann um Strömungen abzuschätzen. Für mehr allerdings nicht. Während also die Fronten aufgrund der Entwicklung von Sippels Leistungskurve an Härte verloren, bekam unsere Nummer Eins die Grippe. Und Trapp wie schon erwähnt seine Chance. Und jetzt haben wir den Salat. Wenn die Anhänger der Sippelfraktion einen fahrigen, nervösen jungen Mann erwartet hatten, der angesichts des Drucks und der Bedeutung seiner Aufgabe einen unzulänglichen Vertreter für unseren Stammkeeper abgeben würde, dann wurden Sie enttäuscht. Denn Trapp war in den zwei Spielen die er bisher nutzen durfte um seine Leistungsfähigkeit zu präsentieren eigentlich gar kein Vertreter. Vielmehr sah es so aus, als hätte Sippel ihn vertreten, bis Trapp den richtigen Moment seiner Laufbahn erreicht hat, damit er die Nummer Eins beim FCK werden kann. Auch wenn ich mir bewusst bin, dass nur zwei Spiele nicht ausreichen um eine langfristige Prognose abzugeben, kann man als Beobachter von Außen kaum noch eine Rechtfertigung finden, warum Sippel auf den Arbeitsplatz zwischen den Pfosten zurückkehren sollte. Allerdings stand zu lesen, dass Sippel sich in der Trainingswoche richtig reingehängt habe - was fraglos für ihn spricht.
Fünf/Null
Wenn es ums Verdienen geht, kennt Felix Magath offenbar keine Grenzen. Nun also wieder Wolfsburg. Zu allem Überfluss darf sich Magath, der in einer Woche deutlich mehr verdienen dürfte als ein gut situierter Akademiker in mittlerem Alter in einem Jahr, zur Belohnung bei Klassenerhalt einen Bentley abholen. Nun wer es braucht. Aber liebe Autofabrik, vielleicht kann man sich die Liga eben doch nicht kaufen, auch wenn ihr bereits bewiesen habt, dass das mit der Meisterschaft funktioniert. Es wäre zu wünschen. In Spanien gibt es dem Vernehmen nach eine Regel, die es einem Trainer untersagt, in der Saison seiner Entlassung in der gleichen Liga noch einmal einen Posten anzutreten. Das so finde ich, wäre eine bedenkenswerte Vorschrift auch für die Bundesliga. Aber, und damit kehren wir an den Anfang der heutigen Ausgabe der Couchingzone zurück, wir müssen uns ja keine Sorgen machen. Nicht nur, dass wir bekanntlich gar nicht absteigen können. Nein, da gibt es noch eine weitere Tatsache, die wir nicht unberücksichtigt lassen sollten. Statistisch betrachtet hat uns Felix Magath in der Liga seit Jahren nicht mehr besiegt. Als er es das letzte mal versuchte, brachte er Weltstars wie Raul, Huntelar oder unseren herausragenden Nationaltorhüter zum Einsatz. Was dabei herausgekommen ist, wissen wir alle. Warum also fürchten? Die Aufgabe gegen Leverkusen an diesem Wochenende ist ungleich schwerer. Jupp Heynkes junge Truppe besteht nicht nur aus begabten Fußballern wie unserem ehemaligen Spieler Sidney Sam. Diesen Typen fehlt es sogar an der nötigen Überheblichkeit, die so manchen Favoriten stolpern lässt. Unschlagbar ist der Gegner trotzdem nicht. Wenn wir alle es unbedingt wollen und wenn, ja wenn, Kohlmeyers Katze ihr neugewonnenes Leben mit einem leisen Fluch auf Leverkusens Stürmer vergoldet, dann werden wir Bayer auch schlagen. Wir haben am Ende schließlich mehr auf unserer Seite, als die blanke Statistik. Der Fußballgott persönlich begleitet in diesen Tagen unsere Farben. Hoffers Treffer in letzter Sekunde und Logant Ballys unglaubliches Eigentor haben uns das wohl bewiesen.
08/15
Zum Abschluss noch ein Ausblick. Während ich unseren FCK, wohlbegründet wie mir scheint, auch im nächsten Jahr in der Eliteklasse erwarte, taucht am Rande ein anderes Bild in meinem Kopf auf. Stellt euch ein Wochenende vor. Sagen wir im September. Die Tage sind nicht mehr ganz so warm wie noch im letzten Monat. Und überdies ist es bewölkt. Unser Freund Felix Magath fährt neuerdings nicht mehr im Mannschaftsbus, weil man ihm jetzt wo er endlich im Bentley durch die Welt schwebt, einfach keine Busfahrt mehr zumuten kann. Er musste auf einen Wochenlohn verzichten dafür. Aber das war es wert. Eigentlich also alles in Ordnung wie es scheint, bis der Wagen nicht mehr so will wie unser Felix. Und da steht er nun der arme Kerl. In feinem Zwirn am Straßenrand. Mit einem Plattfuß und wartet auf den Pannendienst. Allein, einsam, und verloren. Aber er hat Glück. Ein Auto hält. Sogar eins aus der angemessenen Klasse. Felix ist eben - wie der Name ja bereits besagt - ein Glückskind. Und was für eins. Sitzt da doch ebenfalls ein Fußballtrainer am Steuer, kein nervender Normalverbraucher mit Autogrammwunsch. Und damit nicht genug. Der Kollege hat auch noch das gleiche Reiseziel. Er will die Gelegenheit nutzen um vor Ort den nächsten Gegner seiner Mannschaft zu beobachten. Viel besser hätte es Magath eigentlich nicht treffen können. Nettes Auto, netter Kollege, der zwar irgendwie ein bißchen aufgekratzt wirkt, aber am Ende darf man angesichts der Gesamtlage getrost darüber hinwegsehen. Angenehm? In der Tat. Und so fahren sie vor meinem geistigen Auge dahin. Felix Magath und Christoph Daum. Irgendwo auf dem Weg nach Paderborn.
Bis dahin.
Gruß Berti
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Warum der FCK wirklich nicht absteigt - Und eine Katze leben darf
Zweiundvierzig
Freunde, die gute Nachricht vorweg. Der FCK ist gerettet. Aber fangen wir doch vorne an. Die mystischen Sphären die Kohlmeyer dem Schattenreich in der letzten Ausgabe zuschreibt werden uns nicht helfen. Tote sind nun einmal, wie ich aus eigener Erfahrung zu bestätigen weiß, in erster Linie tot. Und zufällige Korrelationen beweisen was? Richtig. Gar nichts. Während mein irrgläubiger Vorschreiber also sein schickes Schamanenkostüm aus dem Schrank holt und sich nach einem geeigneten Altar umschaut um seine Katze zu opfern, ziehen wir einen Bildungsscheck aus der Tasche und verlassen uns, ganz als das Produkt von Jarhunderten der Aufklärung für das man uns halten mag, auf belegbare und völlig eindeutige Quellen. Die Rede ist von der Statistik. Der FCK kann nämlich in dieser Saison gar nicht absteigen. Und das lässt sich beweisen. Der 1. FC Kaiserslautern hat der Bundesliga vor Beginn dieser Saison 42 Jahre lang angehört und ist nur zweimal am Klassenziel gescheitert. Wenn man davon absieht, dass allein die Zahl 42 bekanntlich die Antwort auf die Frage nach Gott, der Welt und praktisch allem anderen darstellt (vergleiche: Adams, Douglas, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, USA 1979), verbergen sich doch ein paar interessante Fakten in den Hintergründen dieser Geschichte. Das erste Mal, im Jahr 1996, belegten wir am Schluss Platz 16, und waren nebenbei das Opfer der damals neuen "Drei-Punkte-Regel". Nach der bis dahin gültigen "Zwei-Eins-Null Zählweise" wären wir nämlich drin geblieben. Im Jahr 2006 sind wir, auf Platz 16 stehend, ebenfalls denkbar knapp abgeschmiert, hätte uns ein einziges Tor mehr in Wolfsburg doch gerettet. Wenn man sich schließlich die Mühe machte, die damalige Tabelle auf die alte Zählweise umzustellen, könnte man vielleicht erneut eine Überraschung erleben. Was lässt sich daraus ableiten? Unseriöse Interpretationen ließen den Schluss zu, dass der FCK schon allein deshalb sicher sei, weil er nur alle zehn Jahre überhaupt gefährdet ist. Das weisen wir von uns. Chartanalysten würden die Ergebnisse des FCK seit der Umstellung der Regel in einem Graphen darstellen, erstellt nach den Bedingungen der "Zwei-Eins-Null Zählweise" - und anhand dieses Ergebnisses die zukünftige Entwicklung des Anteilsscheins der börsennotierten Borussia aus Dortmund vorhersagen. Da wir durch Selbstversuch herausgefunden haben, dass man durch stundenlanges Verfolgen eines Börsen TV Senders nicht reich wird, verwerfen wir auch diesen Ansatz und kommen zu den einzig harten Fakten. Damit der FCK nämlich überhaupt zum Abstiegskandidaten werden kann, bedarf es der Abschaffung der Relegation. Im Jahr 1996 war sie gerade abgeschafft - was uns Kopf und Kragen kostete. Im Jahr 2006 war die Wiedereinführung beschlossene Sache, aber sie galt eben noch nicht. Was uns ebenfalls Kopf und Kragen gekostet hat. Und in diesem Jahr? Gilt die Relegationsregel. Was soll also passieren? Lieber Kohlmeyer, lösch die Kerzen, steck den Dolch unauffällig wieder ein, denn deine Katze darf weiterleben. Und falls Du Stimmen hören solltest, mach dir keine Sorgen. Das ist Fritz Walter der da spricht. Den hören wir alle.
Eins
Richtiges Kopfzerbrechen bereitet mir eine ganz andere Sache. Und die habe ich selber hier aufgeworfen. Mittlerweile war jedoch das reale Leben in Form einer Grippe so unhöflich, die Büchse der Pandorra zu öffnen. Ihr merkt schon, es geht um die Torwartfrage. Gerade in dem Moment, als sich Sippels Leistung zu stabilisieren begann, als seine Formkurve leicht nach oben zeigte, bekam Trapp seine Chance. Mal zwischenzeitlich angemerkt: Auch wenn es sowieso keine Konsequenzen hat, wenn wir uns hier fragen, wer beim FCK zwischen den Pfosten stehen sollte, würde ich uns schon für einen Indikator halten, hinsichtlich der Stimmung im Umfeld des Vereins. Für einen Indikator, den man nutzen kann um Strömungen abzuschätzen. Für mehr allerdings nicht. Während also die Fronten aufgrund der Entwicklung von Sippels Leistungskurve an Härte verloren, bekam unsere Nummer Eins die Grippe. Und Trapp wie schon erwähnt seine Chance. Und jetzt haben wir den Salat. Wenn die Anhänger der Sippelfraktion einen fahrigen, nervösen jungen Mann erwartet hatten, der angesichts des Drucks und der Bedeutung seiner Aufgabe einen unzulänglichen Vertreter für unseren Stammkeeper abgeben würde, dann wurden Sie enttäuscht. Denn Trapp war in den zwei Spielen die er bisher nutzen durfte um seine Leistungsfähigkeit zu präsentieren eigentlich gar kein Vertreter. Vielmehr sah es so aus, als hätte Sippel ihn vertreten, bis Trapp den richtigen Moment seiner Laufbahn erreicht hat, damit er die Nummer Eins beim FCK werden kann. Auch wenn ich mir bewusst bin, dass nur zwei Spiele nicht ausreichen um eine langfristige Prognose abzugeben, kann man als Beobachter von Außen kaum noch eine Rechtfertigung finden, warum Sippel auf den Arbeitsplatz zwischen den Pfosten zurückkehren sollte. Allerdings stand zu lesen, dass Sippel sich in der Trainingswoche richtig reingehängt habe - was fraglos für ihn spricht.
Fünf/Null
Wenn es ums Verdienen geht, kennt Felix Magath offenbar keine Grenzen. Nun also wieder Wolfsburg. Zu allem Überfluss darf sich Magath, der in einer Woche deutlich mehr verdienen dürfte als ein gut situierter Akademiker in mittlerem Alter in einem Jahr, zur Belohnung bei Klassenerhalt einen Bentley abholen. Nun wer es braucht. Aber liebe Autofabrik, vielleicht kann man sich die Liga eben doch nicht kaufen, auch wenn ihr bereits bewiesen habt, dass das mit der Meisterschaft funktioniert. Es wäre zu wünschen. In Spanien gibt es dem Vernehmen nach eine Regel, die es einem Trainer untersagt, in der Saison seiner Entlassung in der gleichen Liga noch einmal einen Posten anzutreten. Das so finde ich, wäre eine bedenkenswerte Vorschrift auch für die Bundesliga. Aber, und damit kehren wir an den Anfang der heutigen Ausgabe der Couchingzone zurück, wir müssen uns ja keine Sorgen machen. Nicht nur, dass wir bekanntlich gar nicht absteigen können. Nein, da gibt es noch eine weitere Tatsache, die wir nicht unberücksichtigt lassen sollten. Statistisch betrachtet hat uns Felix Magath in der Liga seit Jahren nicht mehr besiegt. Als er es das letzte mal versuchte, brachte er Weltstars wie Raul, Huntelar oder unseren herausragenden Nationaltorhüter zum Einsatz. Was dabei herausgekommen ist, wissen wir alle. Warum also fürchten? Die Aufgabe gegen Leverkusen an diesem Wochenende ist ungleich schwerer. Jupp Heynkes junge Truppe besteht nicht nur aus begabten Fußballern wie unserem ehemaligen Spieler Sidney Sam. Diesen Typen fehlt es sogar an der nötigen Überheblichkeit, die so manchen Favoriten stolpern lässt. Unschlagbar ist der Gegner trotzdem nicht. Wenn wir alle es unbedingt wollen und wenn, ja wenn, Kohlmeyers Katze ihr neugewonnenes Leben mit einem leisen Fluch auf Leverkusens Stürmer vergoldet, dann werden wir Bayer auch schlagen. Wir haben am Ende schließlich mehr auf unserer Seite, als die blanke Statistik. Der Fußballgott persönlich begleitet in diesen Tagen unsere Farben. Hoffers Treffer in letzter Sekunde und Logant Ballys unglaubliches Eigentor haben uns das wohl bewiesen.
08/15
Zum Abschluss noch ein Ausblick. Während ich unseren FCK, wohlbegründet wie mir scheint, auch im nächsten Jahr in der Eliteklasse erwarte, taucht am Rande ein anderes Bild in meinem Kopf auf. Stellt euch ein Wochenende vor. Sagen wir im September. Die Tage sind nicht mehr ganz so warm wie noch im letzten Monat. Und überdies ist es bewölkt. Unser Freund Felix Magath fährt neuerdings nicht mehr im Mannschaftsbus, weil man ihm jetzt wo er endlich im Bentley durch die Welt schwebt, einfach keine Busfahrt mehr zumuten kann. Er musste auf einen Wochenlohn verzichten dafür. Aber das war es wert. Eigentlich also alles in Ordnung wie es scheint, bis der Wagen nicht mehr so will wie unser Felix. Und da steht er nun der arme Kerl. In feinem Zwirn am Straßenrand. Mit einem Plattfuß und wartet auf den Pannendienst. Allein, einsam, und verloren. Aber er hat Glück. Ein Auto hält. Sogar eins aus der angemessenen Klasse. Felix ist eben - wie der Name ja bereits besagt - ein Glückskind. Und was für eins. Sitzt da doch ebenfalls ein Fußballtrainer am Steuer, kein nervender Normalverbraucher mit Autogrammwunsch. Und damit nicht genug. Der Kollege hat auch noch das gleiche Reiseziel. Er will die Gelegenheit nutzen um vor Ort den nächsten Gegner seiner Mannschaft zu beobachten. Viel besser hätte es Magath eigentlich nicht treffen können. Nettes Auto, netter Kollege, der zwar irgendwie ein bißchen aufgekratzt wirkt, aber am Ende darf man angesichts der Gesamtlage getrost darüber hinwegsehen. Angenehm? In der Tat. Und so fahren sie vor meinem geistigen Auge dahin. Felix Magath und Christoph Daum. Irgendwo auf dem Weg nach Paderborn.
Bis dahin.
Gruß Berti
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Bertikoks am 01.04.2011 um 09:08 Uhr bearbeitet
07.04.2011 - 22:24 Uhr
Ausgabe 33: Früher erfuhr ich FCK-Ergebnisse aus der Zeitung
Von Bahli
Krank sein ist eine lästige Angelegenheit. Und damit meine ich nicht einmal die Krankheitssymptome - obwohl auch die es regelrecht in sich hatten. Bzw. ich hatte sie in mir. Du sitzt mit beschissenen Magenkrämpfen auf dem Klo und hoffst, dass du parallel nicht auch noch in den Eimer neben dir kotzen musst. Eine fatale Situation. Abstiegsk(r)ampf am unteren Limit. Und mit einem Mal wird dir bewusst, dass du lieber gesund bist - quasi oben mitspielst. Und überflüssigerweise mutiert man in solch einer verhagelten Magen-Darm-Infektwoche auch noch gerne zum Überphilosophen. Aber zu viel Zeit zum Nachdenken bringt im Ergebnis auch nur das, was man auch sonst vermuten kann. Man weiß, dass man eben nichts weiß. Oder besser gesagt, man erkennt, dass sich durch alles Wissen die Zukunft nicht vorhersagen lässt. Egal, wie oft und wie intensiv ich die Spieltage 29 bis 34 aus der Sicht des 1. FC Kaiserslautern durchtippte, am Ende blieb einzig und allein die Erkenntnis, dass die Antwort 42 leider keine gesicherte Größe darstellt. Sie ist nur eine Möglichkeit von vielen. Verdammt!
Vom frühmorgendlichen Run an den Briefkasten
Ich weiß gar nicht mehr, in welcher Zeit die folgende Anakdote einzuordnen ist. Aber sie zeigt, wie sehr wir Fußballfans uns verändert haben - verändern mussten. Ich kann mich noch gut an eine Zeit erinnern - ich bin noch zur Schule gegangen -, als ich samstags in den frühen Morgenstunden aufgewacht bin und nur einen Gedanken im Kopf hatte. Wie hat der FCK gestern Abend gespielt? Die Antwort auf diese Frage ließ sich nur dadurch beantworten, wenn ich im Schlafanzug bei Wind und Wetter raus an den Briefkasten rannte und einen Blick in die RHEINPFALZ warf. Die einen werden jetzt denken, warum fährt der Trottel nicht einfach seinen Computer hoch. Oder warum hat er nicht am späten Freitagabend einen Blick in den Videotext geworfen. Alles richtig. Nur: Ich rede über eine Zeit in den späten Siebzigern. Programme gab es drei, Videotext war reiner Science-Fiction und Computer waren selbst für Captain Kirk und Mister Spock noch ein holpriges Kommunikationsmittel. Mir blieb damals einzig und allein die Möglichkeit, bei Minusgraden den Briefkasten aufzuschließen und mit zitternden Fingern die Zeitung aufzuschlagen. Ein paar Jahre später konnte man abends immerhin am Radio kleben, wenn sich Hans-Reinhard Scheu live vom Betzenberg meldete. Der brutal in den Raum gebrüllte Ausruf "Tor in Kaiserslautern" ließ so oft meinen Blutdruck steigen. Sekunden später - wenn sich der Radionebel legte und man registrierte, wer das Tor in Kaiserslautern erzielte - konnte man jubeln oder frustriert an die Decke schauen.
Mit diesem Rückblick in die damals rucklige Welt der Informationsvermittlung möchte ich nur einmal kurz darauf hinweisen, in welchem kommunikativen Schlaraffenland wir uns mittlerweile befinden. Sky, Internet, Smartphones, iPad, Videotext etc. pp. Zu Zeiten, in denen ein Hans-Peter Briegel auf dem Betzenberg als Stürmer die Lacher auf seiner Seite hatte, war die unmittelbare Gegenwart bei einem FCK-Spiel ohne auf dem Betzenberg anwesend zu sein, ein frommer Wunschtraum. Und selbst den träumten nur die in puncto Technik grenzenlosen Optimisten. Wir hatten damals oft nur den frühmorgendlichen Run an den Briefkasten zur Verfügung. Aber: Die technologische Entwicklung war seitdem rasant. Und das ist gut so.
Live dabei im Abstiegskampf
Springen wir zurück aus dem finsteren Bundesliga-Mittelalter in die technologisch hoch entwickelte Gegenwart. Wir sind uns sicher alle einig, dass wir mit dem FCK Hand in Hand durch den Abstiegskampf schreiten. Die einen live im Stadion, beim Training, die anderen live am Computer und Fernseher. Und alle zerbrechen sich gerade den Kopf, wie viele Punkte der 1. FC Kaiserslautern noch holen muss, um das große Ziel zu erreichen - die Klasse zu halten. Die einen benutzen den Kopf, andere die aktuell hoch im Kurs stehenden Tabellenrechner. Aber egal, wie intensiv man rechnet, am Ende bleibt das unbehagliche Gefühl bestehen, das uns bis zur Entscheidung verfolgen wird. Wir werden erst wissen, ob wir es geschafft haben, wenn punktemäßig das Machtwort gesprochen wurde. Hätte ich dies nur letzte Woche beherzigt. Ich hätte mich kognitiv um viel wesentlichere Dinge kümmern können. Beispielweise um die Kompensierung von offiziellen und inoffiziellen Abgängen am Ende dieser Saison. Wer kann den nach Wolfsburg abwandernden Torjäger Srdjan Lakic ersetzen? Oder den zum Absprung ansetzenden Ivo Ilicevic? Was wird mit den ausgeliehenen Jan Moravek, Thanos Petsos oder Erwin Hoffer? Was steckt hinter dem Zögern von Florian Dick, seine Unterschrift unter den ihm vorliegenden Vertrag zur Verlängerung seiner Dienstzeit rechts in der Viererkette zu setzen?
Wer ersetzt wen, wo und für wie viel?
Die Gerüchteküche biegt so langsam auf die Zielgerade ein. Die Weichen im Personalbereich für die Saison 2011/12 werden in den nächsten Wochen und Monaten von den sportlich Verantwortlichen bei allen Bundesligisten gestellt. Nicht zu beneiden sind in dieser Angelegenheit der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern Stefan Kuntz und sein Cheftrainer Marco Kurz. Sie müssen (noch) zweigleisig planen. Solange nicht hundertprozentig klar ist, in welcher Liga der FCK in der nächsten Saison spielen wird, gleicht das qualitative Aufrüsten des Spielerkaders eher einer Lotterie denn Nägeln mit Köpfen. Charakterlich einwandfreie Spieler wie Christian Tiffert, der im Frühjahr 2010 dem FCK seine Zusage unabhängig von der Ligenzugehörigkeit gegeben hat, bleiben eine absolute Ausnahme. Stefan Kuntz und Marco Kurz haben aber bisher eine ebenso große Professionalität wie eine realistische Sicht der Dinge bei der Kaderzusammenstellung erkennen lassen. Marco Kurz wird sicher auch dieses Mal einen langen Zettel vorbereitet haben. Unter jeder Mannschaftsposition werden verschiedene Namen stehen - jeweils mit dem Vermerk "erste, zweite, dritte oder elfte Wahl". Ein Trainer, der bei seiner Verpflichtung selbst nur zweite oder gar dritte Wahl gewesen ist, wird wissen, welche Kaliber sich der immer noch klamme Bundesligist aus der Pfalz leisten kann.
Es wird sicherlich nicht einfach, den abwandernden Kroaten Srdjan Lakic adäquat zu ersetzen. Aktuell gelten Nils Petersen und Itay Shechter als potenzielle Kandidaten für die vakante Position des Mittelstürmers. Beide noch jung, Petersen (22) mit tollen Prognosen der Experten ausgestattet, Shechter (24) mit internationaler Erfahrung als israelischer Nationalspieler und als Teilnehmer an der Champions League mit seinem Verein Hapoel Tel Aviv. Aber beide Spieler haben Verträge bis 2014 und das macht sie definitiv nicht zu Schnäppchen. Sportlich derart hoch stehende Kaliber könnten sicherlich nur durch einen Verkauf von Ivo Ilicevic finanziert werden. Aber wer ersetzt dann den kroatischen Neunationalspieler? Gut zu Gesicht stünde dem FCK sicherlich auch die feste Verpflichtung des Tschechen Jan Moravek. Aber der soll ja am Ende der Saison zurück zum FC Schalke 04. Ich hoffe, hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, die Tür noch einen Spalt geöffnet. Die kommenden Wochen werden also auch in dieser Hinsicht äußerst spannend.
Schwaben können alles - sogar absteigen
Die Saison 2010/11 verläuft für den VfB Stuttgart alles andere als wunschgemäß. Lange Zeit am Tabellenende festzementiert, hat sich der VfB unter dem seit Beginn der Rückrunde verantwortlichen Ex-FCK-Torjäger und jetzigem VfB-Trainer Bruno Labbadia ein wenig berappelt. Mit Tabellenplatz 15 ist im Schwabenland aber immer noch höchste Konzentration im Kampf um den Klassenerhalt gefragt. Am kommenden Samstag erwarten die Schwaben den 1. FC Kaiserslautern. Ein Nachbarschaftsduell auf Augenhöhe. Der Sieger dieser Partie wird sich ein Bisschen Luft verschaffen können. Rein statistisch gesehen, ist die Mercedes-Benz Arena oder früher das Neckarstadion für den FCK keine gute Adresse - von 47 Spielen wurden 32 verloren und nur acht gewonnen. Aber was bedeutet Statistik, wenn es ums sportliche Überleben geht. Rein gar nichts. Und aus diesem Grund sollten die Lautrer die Flinte nicht vorschnell ins Korn werfen. Auch der VfB spürt den Atem der Verfolger Wolfsburg und St. Pauli im Nacken. Ich erwarte daher eine vom Kampf geprägte Partie, in der der FCK von Beginn an hellwach sein muss. Auch, wenn die Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen vollkommen überflüssig war und dementsprechend schmerzte, der FCK hat auch gegen Bayer gezeigt, dass die Mannschaft ihre Aufgabe verinnerlicht hat und mit großem Kämpferherz dem Abstiegskampf seinen Stempel aufdrückt. Man darf nicht vergessen, dass auch Stuttgart mit dem Rücken zur Wand steht und entsprechend nervös auftreten wird. Dies gilt es aus FCK-Sicht zu nutzen. Eine echte Schwächung ist aber der Ausfall von Ivo Ilicevic. Seine Dynamik und sein Mut fehlt mir in den letzten Spielen. Aber vielleicht geschieht noch das berühmte medizinische Wunder und Ilicevic läuft zumindest für ein paar Minuten am Samstag auf.
Ein Sieg wäre eine verdammt feine Sache.
Cheers
Bahli
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Von Bahli
Krank sein ist eine lästige Angelegenheit. Und damit meine ich nicht einmal die Krankheitssymptome - obwohl auch die es regelrecht in sich hatten. Bzw. ich hatte sie in mir. Du sitzt mit beschissenen Magenkrämpfen auf dem Klo und hoffst, dass du parallel nicht auch noch in den Eimer neben dir kotzen musst. Eine fatale Situation. Abstiegsk(r)ampf am unteren Limit. Und mit einem Mal wird dir bewusst, dass du lieber gesund bist - quasi oben mitspielst. Und überflüssigerweise mutiert man in solch einer verhagelten Magen-Darm-Infektwoche auch noch gerne zum Überphilosophen. Aber zu viel Zeit zum Nachdenken bringt im Ergebnis auch nur das, was man auch sonst vermuten kann. Man weiß, dass man eben nichts weiß. Oder besser gesagt, man erkennt, dass sich durch alles Wissen die Zukunft nicht vorhersagen lässt. Egal, wie oft und wie intensiv ich die Spieltage 29 bis 34 aus der Sicht des 1. FC Kaiserslautern durchtippte, am Ende blieb einzig und allein die Erkenntnis, dass die Antwort 42 leider keine gesicherte Größe darstellt. Sie ist nur eine Möglichkeit von vielen. Verdammt!
Vom frühmorgendlichen Run an den Briefkasten
Ich weiß gar nicht mehr, in welcher Zeit die folgende Anakdote einzuordnen ist. Aber sie zeigt, wie sehr wir Fußballfans uns verändert haben - verändern mussten. Ich kann mich noch gut an eine Zeit erinnern - ich bin noch zur Schule gegangen -, als ich samstags in den frühen Morgenstunden aufgewacht bin und nur einen Gedanken im Kopf hatte. Wie hat der FCK gestern Abend gespielt? Die Antwort auf diese Frage ließ sich nur dadurch beantworten, wenn ich im Schlafanzug bei Wind und Wetter raus an den Briefkasten rannte und einen Blick in die RHEINPFALZ warf. Die einen werden jetzt denken, warum fährt der Trottel nicht einfach seinen Computer hoch. Oder warum hat er nicht am späten Freitagabend einen Blick in den Videotext geworfen. Alles richtig. Nur: Ich rede über eine Zeit in den späten Siebzigern. Programme gab es drei, Videotext war reiner Science-Fiction und Computer waren selbst für Captain Kirk und Mister Spock noch ein holpriges Kommunikationsmittel. Mir blieb damals einzig und allein die Möglichkeit, bei Minusgraden den Briefkasten aufzuschließen und mit zitternden Fingern die Zeitung aufzuschlagen. Ein paar Jahre später konnte man abends immerhin am Radio kleben, wenn sich Hans-Reinhard Scheu live vom Betzenberg meldete. Der brutal in den Raum gebrüllte Ausruf "Tor in Kaiserslautern" ließ so oft meinen Blutdruck steigen. Sekunden später - wenn sich der Radionebel legte und man registrierte, wer das Tor in Kaiserslautern erzielte - konnte man jubeln oder frustriert an die Decke schauen.
Mit diesem Rückblick in die damals rucklige Welt der Informationsvermittlung möchte ich nur einmal kurz darauf hinweisen, in welchem kommunikativen Schlaraffenland wir uns mittlerweile befinden. Sky, Internet, Smartphones, iPad, Videotext etc. pp. Zu Zeiten, in denen ein Hans-Peter Briegel auf dem Betzenberg als Stürmer die Lacher auf seiner Seite hatte, war die unmittelbare Gegenwart bei einem FCK-Spiel ohne auf dem Betzenberg anwesend zu sein, ein frommer Wunschtraum. Und selbst den träumten nur die in puncto Technik grenzenlosen Optimisten. Wir hatten damals oft nur den frühmorgendlichen Run an den Briefkasten zur Verfügung. Aber: Die technologische Entwicklung war seitdem rasant. Und das ist gut so.
Live dabei im Abstiegskampf
Springen wir zurück aus dem finsteren Bundesliga-Mittelalter in die technologisch hoch entwickelte Gegenwart. Wir sind uns sicher alle einig, dass wir mit dem FCK Hand in Hand durch den Abstiegskampf schreiten. Die einen live im Stadion, beim Training, die anderen live am Computer und Fernseher. Und alle zerbrechen sich gerade den Kopf, wie viele Punkte der 1. FC Kaiserslautern noch holen muss, um das große Ziel zu erreichen - die Klasse zu halten. Die einen benutzen den Kopf, andere die aktuell hoch im Kurs stehenden Tabellenrechner. Aber egal, wie intensiv man rechnet, am Ende bleibt das unbehagliche Gefühl bestehen, das uns bis zur Entscheidung verfolgen wird. Wir werden erst wissen, ob wir es geschafft haben, wenn punktemäßig das Machtwort gesprochen wurde. Hätte ich dies nur letzte Woche beherzigt. Ich hätte mich kognitiv um viel wesentlichere Dinge kümmern können. Beispielweise um die Kompensierung von offiziellen und inoffiziellen Abgängen am Ende dieser Saison. Wer kann den nach Wolfsburg abwandernden Torjäger Srdjan Lakic ersetzen? Oder den zum Absprung ansetzenden Ivo Ilicevic? Was wird mit den ausgeliehenen Jan Moravek, Thanos Petsos oder Erwin Hoffer? Was steckt hinter dem Zögern von Florian Dick, seine Unterschrift unter den ihm vorliegenden Vertrag zur Verlängerung seiner Dienstzeit rechts in der Viererkette zu setzen?
Wer ersetzt wen, wo und für wie viel?
Die Gerüchteküche biegt so langsam auf die Zielgerade ein. Die Weichen im Personalbereich für die Saison 2011/12 werden in den nächsten Wochen und Monaten von den sportlich Verantwortlichen bei allen Bundesligisten gestellt. Nicht zu beneiden sind in dieser Angelegenheit der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern Stefan Kuntz und sein Cheftrainer Marco Kurz. Sie müssen (noch) zweigleisig planen. Solange nicht hundertprozentig klar ist, in welcher Liga der FCK in der nächsten Saison spielen wird, gleicht das qualitative Aufrüsten des Spielerkaders eher einer Lotterie denn Nägeln mit Köpfen. Charakterlich einwandfreie Spieler wie Christian Tiffert, der im Frühjahr 2010 dem FCK seine Zusage unabhängig von der Ligenzugehörigkeit gegeben hat, bleiben eine absolute Ausnahme. Stefan Kuntz und Marco Kurz haben aber bisher eine ebenso große Professionalität wie eine realistische Sicht der Dinge bei der Kaderzusammenstellung erkennen lassen. Marco Kurz wird sicher auch dieses Mal einen langen Zettel vorbereitet haben. Unter jeder Mannschaftsposition werden verschiedene Namen stehen - jeweils mit dem Vermerk "erste, zweite, dritte oder elfte Wahl". Ein Trainer, der bei seiner Verpflichtung selbst nur zweite oder gar dritte Wahl gewesen ist, wird wissen, welche Kaliber sich der immer noch klamme Bundesligist aus der Pfalz leisten kann.
Es wird sicherlich nicht einfach, den abwandernden Kroaten Srdjan Lakic adäquat zu ersetzen. Aktuell gelten Nils Petersen und Itay Shechter als potenzielle Kandidaten für die vakante Position des Mittelstürmers. Beide noch jung, Petersen (22) mit tollen Prognosen der Experten ausgestattet, Shechter (24) mit internationaler Erfahrung als israelischer Nationalspieler und als Teilnehmer an der Champions League mit seinem Verein Hapoel Tel Aviv. Aber beide Spieler haben Verträge bis 2014 und das macht sie definitiv nicht zu Schnäppchen. Sportlich derart hoch stehende Kaliber könnten sicherlich nur durch einen Verkauf von Ivo Ilicevic finanziert werden. Aber wer ersetzt dann den kroatischen Neunationalspieler? Gut zu Gesicht stünde dem FCK sicherlich auch die feste Verpflichtung des Tschechen Jan Moravek. Aber der soll ja am Ende der Saison zurück zum FC Schalke 04. Ich hoffe, hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, die Tür noch einen Spalt geöffnet. Die kommenden Wochen werden also auch in dieser Hinsicht äußerst spannend.
Schwaben können alles - sogar absteigen
Die Saison 2010/11 verläuft für den VfB Stuttgart alles andere als wunschgemäß. Lange Zeit am Tabellenende festzementiert, hat sich der VfB unter dem seit Beginn der Rückrunde verantwortlichen Ex-FCK-Torjäger und jetzigem VfB-Trainer Bruno Labbadia ein wenig berappelt. Mit Tabellenplatz 15 ist im Schwabenland aber immer noch höchste Konzentration im Kampf um den Klassenerhalt gefragt. Am kommenden Samstag erwarten die Schwaben den 1. FC Kaiserslautern. Ein Nachbarschaftsduell auf Augenhöhe. Der Sieger dieser Partie wird sich ein Bisschen Luft verschaffen können. Rein statistisch gesehen, ist die Mercedes-Benz Arena oder früher das Neckarstadion für den FCK keine gute Adresse - von 47 Spielen wurden 32 verloren und nur acht gewonnen. Aber was bedeutet Statistik, wenn es ums sportliche Überleben geht. Rein gar nichts. Und aus diesem Grund sollten die Lautrer die Flinte nicht vorschnell ins Korn werfen. Auch der VfB spürt den Atem der Verfolger Wolfsburg und St. Pauli im Nacken. Ich erwarte daher eine vom Kampf geprägte Partie, in der der FCK von Beginn an hellwach sein muss. Auch, wenn die Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen vollkommen überflüssig war und dementsprechend schmerzte, der FCK hat auch gegen Bayer gezeigt, dass die Mannschaft ihre Aufgabe verinnerlicht hat und mit großem Kämpferherz dem Abstiegskampf seinen Stempel aufdrückt. Man darf nicht vergessen, dass auch Stuttgart mit dem Rücken zur Wand steht und entsprechend nervös auftreten wird. Dies gilt es aus FCK-Sicht zu nutzen. Eine echte Schwächung ist aber der Ausfall von Ivo Ilicevic. Seine Dynamik und sein Mut fehlt mir in den letzten Spielen. Aber vielleicht geschieht noch das berühmte medizinische Wunder und Ilicevic läuft zumindest für ein paar Minuten am Samstag auf.
Ein Sieg wäre eine verdammt feine Sache.
Cheers
Bahli
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
14.04.2011 - 22:02 Uhr
Ausgabe 34: Draußen, weit weg und doch so nah dran
Von Butduma
Der Weg, der in die Ferne führt
Auch ein Umweg ist ein Weg, deshalb möchte ich diesen heute gerne einschlagen, um zum letztendlichen thematischen Ziel, dem Fussball zu gelangen. Wie viele von euch wissen, tingelte ich schon etwas durch diese Welt und über den Globus und ich tingle immer noch, weil ich einfach gerne tingle. Bei dieser Tingelei, insofern sie sich nicht auf Pauschalurlaub an der Costa Brava und diversen Holiday-Ressorts beschränkt, stellt man so einige Dinge an den Anderen aber auch an sich selbst fest. Mit etwas Abstand scheint vieles einleuchtend, seltsam oder einfach nur anders – sei es unser Verhältnis zur Zeit, das Verhältnis zu seinen Mitmenschen oder das Verhältnis zu seinem Lebenspartner… nur um einige Beispiele zu nennen. Glückt diese „Entkoppelung“ vollends, dann wird man zuweilen Zuschauer und Beobachter des eigenen Lebens. Doch warum erzähl ich das hier alles? Nein, ich bin nicht unter die Esoteriker gegangen und auch die Psychopharmaka wirken immer noch wie am ersten Tag. Hier geht es mir um Fussball und die psysisch-geografische Entkoppelung. So manch einer wird gut nachvollziehen können, was ich jetzt sage, andere werden mir zukünftig den Eintritt zum Stadion verwehren wollen: Manchmal entkoppelt man sich auch vom FCK. Da liegt man dann abends irgendwo im Bett, hat einen Tag voller Menschen, Erfahrungen, Hitze und Essen hinter sich und dann fällt einem ein, dass heute ja der Betze gespielt hat, aber nun ja... morgen ist eben auch noch ein Tag. In Pfälzer Breitengraden (und da wo die Fans sonst so zuhause sind) eigentlich unvorstellbar.
Der Weg, den man einschlägt
Irgendwie begnügt man sich dann mit tristen Videotexten auf noch tristeren Röhrenbildschirmen, die ihrem Ableben entgegenflimmern oder mit Meldungen von Internetseiten, die man ab und an zu Gesicht bzw. zu Bildschirm bekommt. FCK-Fetzen so zu sagen, während man hier irritiert und manisch im Kreis herum rennt, wenn man das Spiel nicht im Stadion oder live und in HD auf Sky verfolgen kann. In jenen Momenten frage ich mich dann, was das eigentlich soll. Zuhause steigt mein Körpertemperatur beim Betrachten eines FCK-Spiels in unermessliche Höhen, das Bier schmeckt zuweilen nicht mehr, weil vom kleinen Finger bis zum Magen alle Körperteile angespannt sind und man frönt den seltsamsten Ritualen – nur links rum rasieren, oder gar nicht rasieren, erst die rechte Socke anziehen, die Frau nicht ins Wohnzimmer lassen oder dem Hamster den Scheitel neu ziehen… Verrücktheiten eben. Auf Reisen merkt man dann, dass der FCK genauso gewinnt, verliert und unentschieden spielt wie vorher, ob man nun guckt oder nicht guckt, ob man nun aufgeregt ist und Rituale praktiziert oder eben nicht. Oft reift dann die Erkenntnis in einem, dass man sich wegen diesem Verein das Leben nicht so schwer machen sollte, dass man diese Entkoppelei eigentlich auch zuhause, am heimischen Herd oder TV-Gerät fortsetzen will. Eine Erkenntnis, die beim ersten FCK-Kontakt schneller verpufft als die Liebe der Bâs, Gustavos und Eduardos zur TSG.
Der Umweg zum Ziel
Was habe ich mich schon gefreut, wenn ich irgendwo in Afrika auf einer staubigen Straße einen kleinen Jungen mit Kaiserslautern-Trikot gesehen habe. Gewundert habe ich mich natürlich auch, aber die Wege der Altkleidersammlung sind bekanntermaßen unergründlich. Wenn dieser Junge dann auch noch barfuss mit seinen Freunden zum sandigen Bolzplatz geht, um dort mit einem Ball aus zusammengewickelten Plastiktüten Fussball zu spielen, wird mir klar: Die Liebe zu diesem Sport nimmt zwar manchmal einen Umweg über den Verstand, sie führt aber jedes Mal geradewegs zum Herzen.
Folglich geht es zuhause mit dem 1. FC Kaiserslautern so weiter wie es bei der Abreise aufgehört hat: Bibbern, zittern, Hähne twittern.
Wir gehen nicht mehr weg
Ob auch gegen Nürnberg gezittert werden muss, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest, das wird sich im Spielverlauf ergeben. Punktemäßig muss bei den Roten Teufeln keiner zittern. Nach drei Siegen aus vier Spielen kann man von einer kleinen Erfolgswelle sprechen, auf der Kurz und seine Mannen surfen. Nur der gute Sidney hat sich am SAMStag vor drei Wochen dazu entschlossen, uns die Bockwurst etwas zu versalzen. Unser nächster Gast, der Club aus Nürnberg, hat die Euro-League-Plätze im Visier und wird sicherlich eine harte Nuss darstellen, die für drei Punkte geknackt werden muss. Mit dem Rückenwind aus dem grandiosen Stuttgart-Spiel, dem Willen, den Klassenerhalt möglichst frühzeitig zu sichern und der feurigen Unterstützung von den Rängen sollte dieses Unterfangen allerdings gelingen. Dann kann der Stefan so langsam auf Einkaufstour gehen, manche haben ihn schon im Prospekt blättern sehen…
In diesem Sinne!
Ba beneen,
Butduma
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Von Butduma
Der Weg, der in die Ferne führt
Auch ein Umweg ist ein Weg, deshalb möchte ich diesen heute gerne einschlagen, um zum letztendlichen thematischen Ziel, dem Fussball zu gelangen. Wie viele von euch wissen, tingelte ich schon etwas durch diese Welt und über den Globus und ich tingle immer noch, weil ich einfach gerne tingle. Bei dieser Tingelei, insofern sie sich nicht auf Pauschalurlaub an der Costa Brava und diversen Holiday-Ressorts beschränkt, stellt man so einige Dinge an den Anderen aber auch an sich selbst fest. Mit etwas Abstand scheint vieles einleuchtend, seltsam oder einfach nur anders – sei es unser Verhältnis zur Zeit, das Verhältnis zu seinen Mitmenschen oder das Verhältnis zu seinem Lebenspartner… nur um einige Beispiele zu nennen. Glückt diese „Entkoppelung“ vollends, dann wird man zuweilen Zuschauer und Beobachter des eigenen Lebens. Doch warum erzähl ich das hier alles? Nein, ich bin nicht unter die Esoteriker gegangen und auch die Psychopharmaka wirken immer noch wie am ersten Tag. Hier geht es mir um Fussball und die psysisch-geografische Entkoppelung. So manch einer wird gut nachvollziehen können, was ich jetzt sage, andere werden mir zukünftig den Eintritt zum Stadion verwehren wollen: Manchmal entkoppelt man sich auch vom FCK. Da liegt man dann abends irgendwo im Bett, hat einen Tag voller Menschen, Erfahrungen, Hitze und Essen hinter sich und dann fällt einem ein, dass heute ja der Betze gespielt hat, aber nun ja... morgen ist eben auch noch ein Tag. In Pfälzer Breitengraden (und da wo die Fans sonst so zuhause sind) eigentlich unvorstellbar.
Der Weg, den man einschlägt
Irgendwie begnügt man sich dann mit tristen Videotexten auf noch tristeren Röhrenbildschirmen, die ihrem Ableben entgegenflimmern oder mit Meldungen von Internetseiten, die man ab und an zu Gesicht bzw. zu Bildschirm bekommt. FCK-Fetzen so zu sagen, während man hier irritiert und manisch im Kreis herum rennt, wenn man das Spiel nicht im Stadion oder live und in HD auf Sky verfolgen kann. In jenen Momenten frage ich mich dann, was das eigentlich soll. Zuhause steigt mein Körpertemperatur beim Betrachten eines FCK-Spiels in unermessliche Höhen, das Bier schmeckt zuweilen nicht mehr, weil vom kleinen Finger bis zum Magen alle Körperteile angespannt sind und man frönt den seltsamsten Ritualen – nur links rum rasieren, oder gar nicht rasieren, erst die rechte Socke anziehen, die Frau nicht ins Wohnzimmer lassen oder dem Hamster den Scheitel neu ziehen… Verrücktheiten eben. Auf Reisen merkt man dann, dass der FCK genauso gewinnt, verliert und unentschieden spielt wie vorher, ob man nun guckt oder nicht guckt, ob man nun aufgeregt ist und Rituale praktiziert oder eben nicht. Oft reift dann die Erkenntnis in einem, dass man sich wegen diesem Verein das Leben nicht so schwer machen sollte, dass man diese Entkoppelei eigentlich auch zuhause, am heimischen Herd oder TV-Gerät fortsetzen will. Eine Erkenntnis, die beim ersten FCK-Kontakt schneller verpufft als die Liebe der Bâs, Gustavos und Eduardos zur TSG.
Der Umweg zum Ziel
Was habe ich mich schon gefreut, wenn ich irgendwo in Afrika auf einer staubigen Straße einen kleinen Jungen mit Kaiserslautern-Trikot gesehen habe. Gewundert habe ich mich natürlich auch, aber die Wege der Altkleidersammlung sind bekanntermaßen unergründlich. Wenn dieser Junge dann auch noch barfuss mit seinen Freunden zum sandigen Bolzplatz geht, um dort mit einem Ball aus zusammengewickelten Plastiktüten Fussball zu spielen, wird mir klar: Die Liebe zu diesem Sport nimmt zwar manchmal einen Umweg über den Verstand, sie führt aber jedes Mal geradewegs zum Herzen.
Folglich geht es zuhause mit dem 1. FC Kaiserslautern so weiter wie es bei der Abreise aufgehört hat: Bibbern, zittern, Hähne twittern.
Wir gehen nicht mehr weg
Ob auch gegen Nürnberg gezittert werden muss, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest, das wird sich im Spielverlauf ergeben. Punktemäßig muss bei den Roten Teufeln keiner zittern. Nach drei Siegen aus vier Spielen kann man von einer kleinen Erfolgswelle sprechen, auf der Kurz und seine Mannen surfen. Nur der gute Sidney hat sich am SAMStag vor drei Wochen dazu entschlossen, uns die Bockwurst etwas zu versalzen. Unser nächster Gast, der Club aus Nürnberg, hat die Euro-League-Plätze im Visier und wird sicherlich eine harte Nuss darstellen, die für drei Punkte geknackt werden muss. Mit dem Rückenwind aus dem grandiosen Stuttgart-Spiel, dem Willen, den Klassenerhalt möglichst frühzeitig zu sichern und der feurigen Unterstützung von den Rängen sollte dieses Unterfangen allerdings gelingen. Dann kann der Stefan so langsam auf Einkaufstour gehen, manche haben ihn schon im Prospekt blättern sehen…
In diesem Sinne!
Ba beneen,
Butduma
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Butduma am 14.04.2011 um 22:03 Uhr bearbeitet
21.04.2011 - 09:53 Uhr
Ausgabe 35: Von Würsten, Trainern und Trainer-Würstchen
Von Kohlmeyer
"Rankings" sind schon nicht mehr "in", wir sind längst Ranking-Junkies geworden. Ständig wird in unserer Medienwelt irgendein andere Vergleichswettbewerb dargeboten: Ob´s nun die Liste der bestverdienendsten Menschen der Welt ist, des Sexiest Man alive, der besten Jamens Bonds aller Zeiten, des TM-Kolumnisten mit den meisten Positiv-Bewertungen oder die der strahlendsten AKW-GAUS alle Welt. Längst nerven uns alle damit, womit "Focus" uns einst exklusiv auf den Sack ging. Woran das liegt? Keine Ahnung. Möglicherweise an der tief im männlichen Bewusstsein verwurzelten, urinstinktiven Neigung zum Schwanzvergleich.
In der "MRZ", dem Zentalorgan für fundierte Fußballberichterstattung in seiner Wahlheimat an der Rhein-Main-Mündung, hat Kohlmeyer vor einigen Wochen DAS Ranking entdeckt, auf das die interessierte Weltöffentlichkeit wartete, seit die alten Ägypter zum ersten Mal wissen wollten, wer die höchsten Pyramiden bauen kann: Den ultimativen Stadion-Bratwurst-Vergleich. Okay, die verbissen der ultimativen Erkenntnis hinterher recherchierenden Journalisten waren nicht akribisch - oder nicht hungrig - genug, sich durch alle Wurstbuden der Liga zu fressen. Nein, nur die Frankfurter, die Lauterer und die Mainzer Stadionwurst wurden miteinander verglichen. Um zu dem Ergebnis zu kommen, das die Testerwürstchen schon kannten, noch bevor sie in die erste Wurst gebissen hatten.
Den wer wohl konnte dieses höchst anspruchsvolle Gourmet-Ranking einer MAINZER Tageszeitung nur gewinnen? Richtig.
Keine Angst. Kohlmeyer wird es hier nicht dem Klaus Kinski der Trainerbänke gleichtun, sich als schlechter Verlierer exzentrieren und dem Schiedsrichter die Schuld geben. Er wird auch kein Wort darüber verlieren, ob es nicht eventuell ein wenig blödsinnig ist, Schweinswürste mit Pferdewürsten zu vergleichen. Denn für die Pfalz war legendäre "Härding" am Start, was den dem Gutmenschentum verpflichtenden Vergleichstester natürlich ein pikiertes Naserümpfen entlockt ("Wer´s mag ..."), denn wie kann man nur so stolzes und edles Tier wie ein Pferd verspeisen? Okay, Schweine sind zwar intelligenter, putziger und überhaupt im Ganzen viel menschlicher als irgendwelche Klepper, aber lassen wir das.
Kohlmeyer wird sich hier auch nicht der zahlreichen 05-Dauerkarteninhaber erinnerin, die sich bei ihm schon beklagt haben, weil sie die exqusite Nummer 1-Stadionwurst nur ungefähr so kalt genießen konnten, wie das Bier, das sie mitorderten, warm war, da das Budenpersonal im Bruchweg-Stadion unzureichend ausgebildet und heillos überfordert ist. Was den Stadion-Caterer offenbar nicht weiter juckt, da alle Buden von nur einem Betrieber betrieben werden und dieser somit nicht zu fürchten braucht, dass seine Kundschaft einfach zu einer andere Bude geht - der Service ist schließlich überall gleich beschissen.
Und Kohlmeyer wird sich auch nicht darüber wundern, dass dieser Caterer nun auch im neuen Mainzer Stadion exklusiv catern darf. Obwohl sich viele seiner 05 besuchenden Bekannten sogar bei der 05-Geschäftsleitung beschwert hatte, worauf ihnen gesagt wurde, dass die sich angehäuften Beschwerden sicher bei der Vergabe der Gastro-Lizenz fürs neue Stadion eine Rolle spielen werden. Und Kohlmeyer wird auch keinen Zusammenhang darin sehen, dass diesem Caterer enge verwandschaftliche Bande zu einem gewissen Herrn Heidel nachgesagt werden, denn Vetternwirtschaft ist nunmal etwas, was der weltmännische Rhein-Main-Mündungsbewohner gerne dem provinziellen Hinterpfälzer zueignet, und dieses Päckchen trägt Kohlmeyer mit seinen Landsleuten doch nur allzu gerne.
Sondern Kohlmeyer wird die Sinnhaftigkeit dieses Bratwurst-Rankings nutzen, um sie in einen überspannenden Gesamtzusammenhang zu setzen, zum besseren Verständnis der Welt und das Weltgeistes.
Also los.
"Der Klassenerhalt wäre für Kaiserslautern eine Sensation", befand das linksintellektuelle Zentralorgan Spiegel online vor einigen Tagen, und rückt blitzlichtartig einen Übungsleiter in den Fokus, von dem normalerweise nie viel zu lesen ist, da er weder irre noch überlaut auftritt:
Zitat
Kurz hat enorm viel aus einem limitierten Team herausgekitzelt. Hinter Meistermacher Jürgen Klopp könnte er der Trainer der Saison sein - wäre da nicht Holger Stanislawski.
Hhm. Die Erhebnung Klopps zum Trainergott ist ja unvermeidlich - wer sein Team auf den Platz an der Sonne führt, soll sich auch darin sonnen. Aber Stanislawski? Natürlich, Kohlmeyer mag den Jungen auch und verzeiht ihm sogar, dass er einmal im Leben dem Lockruf des Geldes folgen will, schließlich wollen wir alle mal warm duschen. Auch wenn Stanislawski in Hoppenheim auf Kohlmeyer den Eindruck macht, als wolle da jemand einem Zombie eine Seele kaufen. Aber wie wird Stanis Einstufung vor Kurz fußballverstandestechnisch begründet?
Zitat
St. Paulis Trainer arbeitet mit einer Truppe, die es an Erstligatauglichkeit fehlen lässt, gerade in der Verteidigung und im Angriff. Es muss manchmal an Masochismus grenzen, mit diesem limitierten Kader arbeiten zu müssen, der kaum die Klasse halten dürfte. Beim FC St. Pauli gibt es dann nur einen Gewinner: Stanislawski, der weiter in der ersten Liga arbeiten wird.
Muss man das verstehen? Kuntz und Kurz haben mit eher noch bescheideneren Mitteln als St. Pauli einen halt nicht ganz so limitierten Kader zusammengestellt und ranken damit nun immerhin fünf Punkte vor den Kiez-Kickern, aber Stanislawski ist dennoch der bessere Trainer ...
Seltsamer noch: Einen kurzen Satz später ist Kurz schon vergessen:
Zitat
Es sind die jungen Konzepttrainer, die Klopps, Dutts, Tuchels und Stanislawskis, die das Bild der Liga zunehmend prägen.
Tja ... Kohlmeyer erinnert sich da spontan an eine Pressekonferenz zu Beginn der Saison. Nach dem Spiel Hoppenheims auf dem Betze geriet der Fußballprofessor Rangnick, damals noch Übungsleiter der Zombie-Kicker, über sich selbst ins Schwärmen, und wohl, weils ihm irgendwann selbst peinlich wurde, bezog er halt schnell noch ein paar Landsleute in seine Selbstbeweihräucherung ein: Neben Hoppenheim spielten gegenwärtig Dortmund und Mainz den modernsten, weil ballorientiertesten Fußball der Liga, erstellte Dr. Ralf mal schnell ein ganz persönliches Ranking, und alle drei hätten schwäbische Trainer - wäre das nicht bemerkenswert, um nicht zu sagen sonderschön?
Kohlmeyer nickte verständnisinnig. Rank-Nicks ohne Frage technisch hochbeschlagene Truppe hatte sich gerade mit einem Gegner, der etwa mit einem Viertel seines Etats aufgestellt war, ein fußballerisch absolut begeisterndes Duell auf Augenhöhe geliefert und der Underdog war am Ende dem Sieg ein ganzes Stück näher. Dafür verantwortlich war der stille Mann, der neben dem bebrillten Balldozenten saß, aber den ignorierte er einfach - obwohl er in Stuttgart geboren ist.
Und was sollen uns nun all diese Worte sagen? Und vor allen Dingen: Was haben sie mit Wurst-Rankings zu tun?
Nun, eine Empfehlung könnte sein: Marco, du solltest dich vielleicht mal medialer inszenieren, damit dir endlich mal die Aufmerksamkeit zuteil wird, die du verdienst. Leg´ dir doch mal einen Zwölftagebart zu, lass deine Jungs mal über heiße Kohlen laufen, male bescheuerte Fguren auf einen Monitor, nimm mal einen Torwartwechsel vor, den keiner versteht, leite mal ein paar bescheuerte Transfers in die Wege und versuchs mal mit einem markanten Akzent, italienisch oder holländisch vielleicht. Oder fang einfach mal an, vor laufenden Kameras vor Rührung zu flennen. Die Menschen werden dich dafür lieben.
Kohlmeyers Empfehlung dagegen ist: Marco, bleib´ einfach, wie du bist. Auch wenn dahinter in erster Linie Eigennutz steckt. Solange du nicht weiter auffällst als damit, dass du mit bescheidenen Mitteln Teams formst, die auch noch guten Fußball spielen, wird kein Hopp und kein Hoeneß, kein Hinz, sondern allenfalls ein Kuntz auf dich aufmerksam. Und du bleibst uns noch lange erhalten.
Und Rankings - Achtung, jetzt schließt sich der Kreis - sind zumindest Kohlmeyer sowieso wurst.
In diesem Sinne: Frohe Ostern, dicke Eier - und lasst Euch an kein Kreuz nageln
Kohlmeyer
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Von Kohlmeyer
"Rankings" sind schon nicht mehr "in", wir sind längst Ranking-Junkies geworden. Ständig wird in unserer Medienwelt irgendein andere Vergleichswettbewerb dargeboten: Ob´s nun die Liste der bestverdienendsten Menschen der Welt ist, des Sexiest Man alive, der besten Jamens Bonds aller Zeiten, des TM-Kolumnisten mit den meisten Positiv-Bewertungen oder die der strahlendsten AKW-GAUS alle Welt. Längst nerven uns alle damit, womit "Focus" uns einst exklusiv auf den Sack ging. Woran das liegt? Keine Ahnung. Möglicherweise an der tief im männlichen Bewusstsein verwurzelten, urinstinktiven Neigung zum Schwanzvergleich.
In der "MRZ", dem Zentalorgan für fundierte Fußballberichterstattung in seiner Wahlheimat an der Rhein-Main-Mündung, hat Kohlmeyer vor einigen Wochen DAS Ranking entdeckt, auf das die interessierte Weltöffentlichkeit wartete, seit die alten Ägypter zum ersten Mal wissen wollten, wer die höchsten Pyramiden bauen kann: Den ultimativen Stadion-Bratwurst-Vergleich. Okay, die verbissen der ultimativen Erkenntnis hinterher recherchierenden Journalisten waren nicht akribisch - oder nicht hungrig - genug, sich durch alle Wurstbuden der Liga zu fressen. Nein, nur die Frankfurter, die Lauterer und die Mainzer Stadionwurst wurden miteinander verglichen. Um zu dem Ergebnis zu kommen, das die Testerwürstchen schon kannten, noch bevor sie in die erste Wurst gebissen hatten.
Den wer wohl konnte dieses höchst anspruchsvolle Gourmet-Ranking einer MAINZER Tageszeitung nur gewinnen? Richtig.
Keine Angst. Kohlmeyer wird es hier nicht dem Klaus Kinski der Trainerbänke gleichtun, sich als schlechter Verlierer exzentrieren und dem Schiedsrichter die Schuld geben. Er wird auch kein Wort darüber verlieren, ob es nicht eventuell ein wenig blödsinnig ist, Schweinswürste mit Pferdewürsten zu vergleichen. Denn für die Pfalz war legendäre "Härding" am Start, was den dem Gutmenschentum verpflichtenden Vergleichstester natürlich ein pikiertes Naserümpfen entlockt ("Wer´s mag ..."), denn wie kann man nur so stolzes und edles Tier wie ein Pferd verspeisen? Okay, Schweine sind zwar intelligenter, putziger und überhaupt im Ganzen viel menschlicher als irgendwelche Klepper, aber lassen wir das.
Kohlmeyer wird sich hier auch nicht der zahlreichen 05-Dauerkarteninhaber erinnerin, die sich bei ihm schon beklagt haben, weil sie die exqusite Nummer 1-Stadionwurst nur ungefähr so kalt genießen konnten, wie das Bier, das sie mitorderten, warm war, da das Budenpersonal im Bruchweg-Stadion unzureichend ausgebildet und heillos überfordert ist. Was den Stadion-Caterer offenbar nicht weiter juckt, da alle Buden von nur einem Betrieber betrieben werden und dieser somit nicht zu fürchten braucht, dass seine Kundschaft einfach zu einer andere Bude geht - der Service ist schließlich überall gleich beschissen.
Und Kohlmeyer wird sich auch nicht darüber wundern, dass dieser Caterer nun auch im neuen Mainzer Stadion exklusiv catern darf. Obwohl sich viele seiner 05 besuchenden Bekannten sogar bei der 05-Geschäftsleitung beschwert hatte, worauf ihnen gesagt wurde, dass die sich angehäuften Beschwerden sicher bei der Vergabe der Gastro-Lizenz fürs neue Stadion eine Rolle spielen werden. Und Kohlmeyer wird auch keinen Zusammenhang darin sehen, dass diesem Caterer enge verwandschaftliche Bande zu einem gewissen Herrn Heidel nachgesagt werden, denn Vetternwirtschaft ist nunmal etwas, was der weltmännische Rhein-Main-Mündungsbewohner gerne dem provinziellen Hinterpfälzer zueignet, und dieses Päckchen trägt Kohlmeyer mit seinen Landsleuten doch nur allzu gerne.
Sondern Kohlmeyer wird die Sinnhaftigkeit dieses Bratwurst-Rankings nutzen, um sie in einen überspannenden Gesamtzusammenhang zu setzen, zum besseren Verständnis der Welt und das Weltgeistes.
Also los.
"Der Klassenerhalt wäre für Kaiserslautern eine Sensation", befand das linksintellektuelle Zentralorgan Spiegel online vor einigen Tagen, und rückt blitzlichtartig einen Übungsleiter in den Fokus, von dem normalerweise nie viel zu lesen ist, da er weder irre noch überlaut auftritt:
Zitat
Kurz hat enorm viel aus einem limitierten Team herausgekitzelt. Hinter Meistermacher Jürgen Klopp könnte er der Trainer der Saison sein - wäre da nicht Holger Stanislawski.
Hhm. Die Erhebnung Klopps zum Trainergott ist ja unvermeidlich - wer sein Team auf den Platz an der Sonne führt, soll sich auch darin sonnen. Aber Stanislawski? Natürlich, Kohlmeyer mag den Jungen auch und verzeiht ihm sogar, dass er einmal im Leben dem Lockruf des Geldes folgen will, schließlich wollen wir alle mal warm duschen. Auch wenn Stanislawski in Hoppenheim auf Kohlmeyer den Eindruck macht, als wolle da jemand einem Zombie eine Seele kaufen. Aber wie wird Stanis Einstufung vor Kurz fußballverstandestechnisch begründet?
Zitat
St. Paulis Trainer arbeitet mit einer Truppe, die es an Erstligatauglichkeit fehlen lässt, gerade in der Verteidigung und im Angriff. Es muss manchmal an Masochismus grenzen, mit diesem limitierten Kader arbeiten zu müssen, der kaum die Klasse halten dürfte. Beim FC St. Pauli gibt es dann nur einen Gewinner: Stanislawski, der weiter in der ersten Liga arbeiten wird.
Muss man das verstehen? Kuntz und Kurz haben mit eher noch bescheideneren Mitteln als St. Pauli einen halt nicht ganz so limitierten Kader zusammengestellt und ranken damit nun immerhin fünf Punkte vor den Kiez-Kickern, aber Stanislawski ist dennoch der bessere Trainer ...
Seltsamer noch: Einen kurzen Satz später ist Kurz schon vergessen:
Zitat
Es sind die jungen Konzepttrainer, die Klopps, Dutts, Tuchels und Stanislawskis, die das Bild der Liga zunehmend prägen.
Tja ... Kohlmeyer erinnert sich da spontan an eine Pressekonferenz zu Beginn der Saison. Nach dem Spiel Hoppenheims auf dem Betze geriet der Fußballprofessor Rangnick, damals noch Übungsleiter der Zombie-Kicker, über sich selbst ins Schwärmen, und wohl, weils ihm irgendwann selbst peinlich wurde, bezog er halt schnell noch ein paar Landsleute in seine Selbstbeweihräucherung ein: Neben Hoppenheim spielten gegenwärtig Dortmund und Mainz den modernsten, weil ballorientiertesten Fußball der Liga, erstellte Dr. Ralf mal schnell ein ganz persönliches Ranking, und alle drei hätten schwäbische Trainer - wäre das nicht bemerkenswert, um nicht zu sagen sonderschön?
Kohlmeyer nickte verständnisinnig. Rank-Nicks ohne Frage technisch hochbeschlagene Truppe hatte sich gerade mit einem Gegner, der etwa mit einem Viertel seines Etats aufgestellt war, ein fußballerisch absolut begeisterndes Duell auf Augenhöhe geliefert und der Underdog war am Ende dem Sieg ein ganzes Stück näher. Dafür verantwortlich war der stille Mann, der neben dem bebrillten Balldozenten saß, aber den ignorierte er einfach - obwohl er in Stuttgart geboren ist.
Und was sollen uns nun all diese Worte sagen? Und vor allen Dingen: Was haben sie mit Wurst-Rankings zu tun?
Nun, eine Empfehlung könnte sein: Marco, du solltest dich vielleicht mal medialer inszenieren, damit dir endlich mal die Aufmerksamkeit zuteil wird, die du verdienst. Leg´ dir doch mal einen Zwölftagebart zu, lass deine Jungs mal über heiße Kohlen laufen, male bescheuerte Fguren auf einen Monitor, nimm mal einen Torwartwechsel vor, den keiner versteht, leite mal ein paar bescheuerte Transfers in die Wege und versuchs mal mit einem markanten Akzent, italienisch oder holländisch vielleicht. Oder fang einfach mal an, vor laufenden Kameras vor Rührung zu flennen. Die Menschen werden dich dafür lieben.
Kohlmeyers Empfehlung dagegen ist: Marco, bleib´ einfach, wie du bist. Auch wenn dahinter in erster Linie Eigennutz steckt. Solange du nicht weiter auffällst als damit, dass du mit bescheidenen Mitteln Teams formst, die auch noch guten Fußball spielen, wird kein Hopp und kein Hoeneß, kein Hinz, sondern allenfalls ein Kuntz auf dich aufmerksam. Und du bleibst uns noch lange erhalten.
Und Rankings - Achtung, jetzt schließt sich der Kreis - sind zumindest Kohlmeyer sowieso wurst.
In diesem Sinne: Frohe Ostern, dicke Eier - und lasst Euch an kein Kreuz nageln
Kohlmeyer
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Kohlmeyer am 21.04.2011 um 10:11 Uhr bearbeitet
29.04.2011 - 10:44 Uhr
Ausgabe 36: Schaschlik
Von Bertikoks
Bratwürste & Hotdogs
Nachdem Kohlmeyers Ausflug in die Welt des Okkultismus und, oder vielleicht oder, meine kleine Exkursion in die der Statistik mehr oder weniger Früchte getragen haben, hat mein werter Kollege mit Wahlheimat Rhein-Main-Mündung letzte Woche so freundlich aus der Welt der Würstchen berichtet. Dem möchte ich mich hier anschließen und ebenfalls noch ein paar in die Pfanne hauen. Denn die größten Würstchen auf dem Betze gibt's bekanntlich wo? Richtig. Im Stehplatzbereich. Und das nicht nur bei Heimspielen. Nein, auch und gerade bei Auswärtsspielen - Neudeutsch "Spiel im Away Shirt" - machen die gerne von sich reden. Denn dort führen sie schon mal Massenschlägereien durch oder zünden angetrunken und ohne Ausbildung einen Schweißbrenner - Verzeihung "Bengalo". Unfassbar sei es, sagte der Reporter beim Frankfurt Spiel, wieviel Dummheit da aus der Pfalz angereist sei. Unfassbar fand ich es, wieviel Dummheit dazugehört, wenn man einen Teenager auf Drogen mitten im dichtgedrängten Fanblock eine Waffe abfeuern - Verzeihung "Bengalo" zünden - lässt, nur damit er anschließend mit glasigen Augen und der Fackel herumhüpft, als wolle er noch ein paar Würstchen grillen. Unfassbar, allerdings endgültig, wie tief der Verstand - Verzeihung "Mikrobensteuerungseinheit 2.0" - gesunken sein muss, um nach dem Spielabbruch "auf" St. Pauli, einen Bierbecher in Richtung Spielfeld, nein - in Richtung Spieler (!) - zu werfen. Haben wir ein Glück, dass die Nase zu geizig war einen vollen zu nehmen und zudem offenbar zu betrunken um zu treffen. Irgendwo muss das Bier ja hin. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Becher das gewünschte Ziel erreicht hätte. Schön zu sehen, dass wenigstens ein identifizierter Täter abgeführt wurde. Ja auch unser Ordnungsdienst ist manchmal auf Zack. Ganz schön heiße Hunde, sorry, Hot Dogs sind das. Allerdings können die immer nur nach der Tat eingreifen. Was aber ist vorher möglich? In solchen Fällen bleibt den Vereinen als Veranstalter nur ein Mittel und genau das will unser FCK in Zukunft ergreifen. Das Zauberwort heißt Regress. Der 1. FC Kaiserslautern wird sich in Zukunft das Geld von den ermittelten Randalierern konsequent zurückholen. Und das ist gut so. Überlegt es sich doch jeder Vollpfosten in Zukunft dreimal, ob er so eine Rechnung wirklich bezahlen will. Aber, dass alles nutzt nichts ohne uns normale Fans. Wir müssen begreifen, dass da nicht die Vereinsoberen gegen die Anhänger vorgehen, sondern unser Verein gegen die, die den Verein angreifen und ihm Schaden zufügen. Wir sind also auf der selben Seite. Wenn wir sehen, dass ein Nebenmann werfen möchte, dann ist es zunächst unsere Aufgabe als Umstehende, demjenigen in den Arm zu fallen um unsere Roten Teufel zu schützen. Genug davon. Liegen ja noch ein paar andere Themen an.
Senf
Diese Woche fand ich zum Beispiel folgenden Vorgang recht interessant. Da haben sie in Köln mit einiger Mühe aber in gemeinsamer Aktion von Club Oberen, meint vor allem Sportdirektor, und Medienlandschaft den Trainer demontiert. Bis der aufgegeben hat. Wer Böses dabei denkt, der solle solches nicht vermuten, meint Herr Finke. Der Herr Sportdirektor, völlig unerfahren weil ja neu im Geschäft, hatte zwischenzeitlich viel dazu beigetragen, den guten Frank Schaefer aus dem Amt zu befördern. Indem er öffentlich seinen Senf dazu gab. Den scharfen wohlgemerkt. Natürlich sei ein Schelm, wer ihm hier Vorsatz unterstelle, ließ der liebe Volker sogleich erklären. Und zwar vom geschassten Cheftrainer selbst. Markant? Keineswegs, schließlich will der wieder Nachwuchstrainer werden und zwar, wie es sich praktischerweise so trifft, beim Verein aus der Domstadt. Und wer wäre auch in diesem Fall sein Chef? Richtig. Der nette Neujapaner Finke. Während Pädagoge Volker, ja der ist wirklich einer, demnach nicht nur den Fußballlehrer geben könnte und schon einmal auf der Bank Probesitzen wird, erklärte dieser Tage das manchmal gut informierte Blatt vom Boulevard, einer der Trainerkandidaten für die nächste Saison heiße Milan Sasic. Ich persönlich bin zwar der Meinung, dass Volker Finke, wenn er eine Ein-Mann-Trainerfindungskommission gründet, vermutlich sowieso Volker Finke als Idealbesetzung für den Posten vorschlagen wird, aber bitte, springen wir auf den Zug auf. Also Sasic. Sasic? Das ist doch, genau. Eben der. Dieser Alleinherrscher soll in Köln "unter" Oberlehrer Finke den Übungsleiter geben? Das geht, so wage ich hier die Prognose, keinesfalls gut. Die ortsansässige Presse, allen voran die mit den vier Buchstaben, wird unseren Retter hochjubeln um ihn anschließend in die Pfanne hauen, bis er wie aussieht? Genau. Wie ein Würstchen. Womit wir wieder beim Thema wären.
Wurst und Gewinn
Während Freund Milan also bleiben sollte wo die Zebras wachsen, schauen wir uns doch mal genauer um in der Metzgerei Betzenberg. Da geht es heute Abend nämlich zum Abstiegsendspiel. Halt! Wie haben wir das von Trainerguru und Verkaufstrainer Daum in der letzten Woche gelernt? Er mag das Wort Abstiegskampf nicht, denn, so der Wortakrobat, hier könne man ja nichts gewinnen. Positiv solle man die Ziele formulieren. Ist also kein Abstiegsendspiel, sondern ein "Klassenerhaltungsgewinnspiel". Der FC St. Pauli möchte nach einer Niederlagenserie die sich gewaschen hat gern die mehr oder weniger letzte Chance ergreifen um sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Und es ist nicht so als wäre das nicht möglich. Betrachtet man unsere letzten beiden Heimspiele - unsere Jungs erinnerten da an Würstchen im Schlafrock - wird dem geneigten Beobachter leicht blümerant. Oder um es anders zu sagen, ein wenig unwohl. Toll hingegen, dass die Hütte in den letzten zwei Heimspielen mal wieder ausverkauft ist. Wir haben eben ein größeres Potential, als die Freunde von der Rhein-Main-Mündung oder das SAP Spielzeug. Damit es nicht nur beim Fanpotential bleibt, sondern auch die Mannschaft sportliche Perspektive entwickeln kann, bedarf es der ersten Bundesliga. Die können sich unsere Jungs heute Abend bereits sichern. Dem Chef Planungssicherheit, den Fans relaxte Wochenenden, und sich selbst gut dotierte Arbeitsplätze. Das alles kann die Mannschaft heute Abend schenken.Im Abstiegsendspiel, Verzeihung "Klassenerhaltungsgewinnspiel". Nummer Eins übrigens. Wenn wir es heute vergeigen, dürfen wir es noch zweimal versuchen. Vor ausverkauftem Betze. Aprospos vergeigen. Hoffentlich vergeigt unser Team diesmal nicht wieder die Seitenwahl. Nun denn. Es ist auf jeden Fall angerichtet. Und worum geht's da heute Abend? Genau. Um die Wurst.
Bis dahin.
Gruß Berti
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Von Bertikoks
Bratwürste & Hotdogs
Nachdem Kohlmeyers Ausflug in die Welt des Okkultismus und, oder vielleicht oder, meine kleine Exkursion in die der Statistik mehr oder weniger Früchte getragen haben, hat mein werter Kollege mit Wahlheimat Rhein-Main-Mündung letzte Woche so freundlich aus der Welt der Würstchen berichtet. Dem möchte ich mich hier anschließen und ebenfalls noch ein paar in die Pfanne hauen. Denn die größten Würstchen auf dem Betze gibt's bekanntlich wo? Richtig. Im Stehplatzbereich. Und das nicht nur bei Heimspielen. Nein, auch und gerade bei Auswärtsspielen - Neudeutsch "Spiel im Away Shirt" - machen die gerne von sich reden. Denn dort führen sie schon mal Massenschlägereien durch oder zünden angetrunken und ohne Ausbildung einen Schweißbrenner - Verzeihung "Bengalo". Unfassbar sei es, sagte der Reporter beim Frankfurt Spiel, wieviel Dummheit da aus der Pfalz angereist sei. Unfassbar fand ich es, wieviel Dummheit dazugehört, wenn man einen Teenager auf Drogen mitten im dichtgedrängten Fanblock eine Waffe abfeuern - Verzeihung "Bengalo" zünden - lässt, nur damit er anschließend mit glasigen Augen und der Fackel herumhüpft, als wolle er noch ein paar Würstchen grillen. Unfassbar, allerdings endgültig, wie tief der Verstand - Verzeihung "Mikrobensteuerungseinheit 2.0" - gesunken sein muss, um nach dem Spielabbruch "auf" St. Pauli, einen Bierbecher in Richtung Spielfeld, nein - in Richtung Spieler (!) - zu werfen. Haben wir ein Glück, dass die Nase zu geizig war einen vollen zu nehmen und zudem offenbar zu betrunken um zu treffen. Irgendwo muss das Bier ja hin. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Becher das gewünschte Ziel erreicht hätte. Schön zu sehen, dass wenigstens ein identifizierter Täter abgeführt wurde. Ja auch unser Ordnungsdienst ist manchmal auf Zack. Ganz schön heiße Hunde, sorry, Hot Dogs sind das. Allerdings können die immer nur nach der Tat eingreifen. Was aber ist vorher möglich? In solchen Fällen bleibt den Vereinen als Veranstalter nur ein Mittel und genau das will unser FCK in Zukunft ergreifen. Das Zauberwort heißt Regress. Der 1. FC Kaiserslautern wird sich in Zukunft das Geld von den ermittelten Randalierern konsequent zurückholen. Und das ist gut so. Überlegt es sich doch jeder Vollpfosten in Zukunft dreimal, ob er so eine Rechnung wirklich bezahlen will. Aber, dass alles nutzt nichts ohne uns normale Fans. Wir müssen begreifen, dass da nicht die Vereinsoberen gegen die Anhänger vorgehen, sondern unser Verein gegen die, die den Verein angreifen und ihm Schaden zufügen. Wir sind also auf der selben Seite. Wenn wir sehen, dass ein Nebenmann werfen möchte, dann ist es zunächst unsere Aufgabe als Umstehende, demjenigen in den Arm zu fallen um unsere Roten Teufel zu schützen. Genug davon. Liegen ja noch ein paar andere Themen an.
Senf
Diese Woche fand ich zum Beispiel folgenden Vorgang recht interessant. Da haben sie in Köln mit einiger Mühe aber in gemeinsamer Aktion von Club Oberen, meint vor allem Sportdirektor, und Medienlandschaft den Trainer demontiert. Bis der aufgegeben hat. Wer Böses dabei denkt, der solle solches nicht vermuten, meint Herr Finke. Der Herr Sportdirektor, völlig unerfahren weil ja neu im Geschäft, hatte zwischenzeitlich viel dazu beigetragen, den guten Frank Schaefer aus dem Amt zu befördern. Indem er öffentlich seinen Senf dazu gab. Den scharfen wohlgemerkt. Natürlich sei ein Schelm, wer ihm hier Vorsatz unterstelle, ließ der liebe Volker sogleich erklären. Und zwar vom geschassten Cheftrainer selbst. Markant? Keineswegs, schließlich will der wieder Nachwuchstrainer werden und zwar, wie es sich praktischerweise so trifft, beim Verein aus der Domstadt. Und wer wäre auch in diesem Fall sein Chef? Richtig. Der nette Neujapaner Finke. Während Pädagoge Volker, ja der ist wirklich einer, demnach nicht nur den Fußballlehrer geben könnte und schon einmal auf der Bank Probesitzen wird, erklärte dieser Tage das manchmal gut informierte Blatt vom Boulevard, einer der Trainerkandidaten für die nächste Saison heiße Milan Sasic. Ich persönlich bin zwar der Meinung, dass Volker Finke, wenn er eine Ein-Mann-Trainerfindungskommission gründet, vermutlich sowieso Volker Finke als Idealbesetzung für den Posten vorschlagen wird, aber bitte, springen wir auf den Zug auf. Also Sasic. Sasic? Das ist doch, genau. Eben der. Dieser Alleinherrscher soll in Köln "unter" Oberlehrer Finke den Übungsleiter geben? Das geht, so wage ich hier die Prognose, keinesfalls gut. Die ortsansässige Presse, allen voran die mit den vier Buchstaben, wird unseren Retter hochjubeln um ihn anschließend in die Pfanne hauen, bis er wie aussieht? Genau. Wie ein Würstchen. Womit wir wieder beim Thema wären.
Wurst und Gewinn
Während Freund Milan also bleiben sollte wo die Zebras wachsen, schauen wir uns doch mal genauer um in der Metzgerei Betzenberg. Da geht es heute Abend nämlich zum Abstiegsendspiel. Halt! Wie haben wir das von Trainerguru und Verkaufstrainer Daum in der letzten Woche gelernt? Er mag das Wort Abstiegskampf nicht, denn, so der Wortakrobat, hier könne man ja nichts gewinnen. Positiv solle man die Ziele formulieren. Ist also kein Abstiegsendspiel, sondern ein "Klassenerhaltungsgewinnspiel". Der FC St. Pauli möchte nach einer Niederlagenserie die sich gewaschen hat gern die mehr oder weniger letzte Chance ergreifen um sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Und es ist nicht so als wäre das nicht möglich. Betrachtet man unsere letzten beiden Heimspiele - unsere Jungs erinnerten da an Würstchen im Schlafrock - wird dem geneigten Beobachter leicht blümerant. Oder um es anders zu sagen, ein wenig unwohl. Toll hingegen, dass die Hütte in den letzten zwei Heimspielen mal wieder ausverkauft ist. Wir haben eben ein größeres Potential, als die Freunde von der Rhein-Main-Mündung oder das SAP Spielzeug. Damit es nicht nur beim Fanpotential bleibt, sondern auch die Mannschaft sportliche Perspektive entwickeln kann, bedarf es der ersten Bundesliga. Die können sich unsere Jungs heute Abend bereits sichern. Dem Chef Planungssicherheit, den Fans relaxte Wochenenden, und sich selbst gut dotierte Arbeitsplätze. Das alles kann die Mannschaft heute Abend schenken.Im Abstiegsendspiel, Verzeihung "Klassenerhaltungsgewinnspiel". Nummer Eins übrigens. Wenn wir es heute vergeigen, dürfen wir es noch zweimal versuchen. Vor ausverkauftem Betze. Aprospos vergeigen. Hoffentlich vergeigt unser Team diesmal nicht wieder die Seitenwahl. Nun denn. Es ist auf jeden Fall angerichtet. Und worum geht's da heute Abend? Genau. Um die Wurst.
Bis dahin.
Gruß Berti
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
05.05.2011 - 22:35 Uhr
Ausgabe 37: "Alea iacta est" oder der Teufel ist ein Eichhörnchen.
Von Bahli
Zu Beginn der Saison 2010/11 gaben die Verantwortlichen und Fans des Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern gemeinsam ein Ziel aus. Und dieses Ziel nannte sich "Mission 40 Punkte". Seit dem vergangenen Freitag sind die Würfel gefallen. Der FCK hat 40 Punkte auf seinem Konto. Klassenziel erreicht? Nein, eben noch nicht ganz iacta. Der Würfel schwebt noch über dem Boden, liegt eben noch nicht ganz auf demselben. Und wirbelt im Moment verdammt viel Staub auf. So weit ich mich erinnern kann, war bisher noch jede Mannschaft dem Abstieg entronnen, die die magischen 40 Punkte eingefahren hat. Der FCK hat drei Spieltage vor Schluss die 40 voll gemacht. Aber gerettet sind die Pfälzer noch nicht. Heute titelt der "kicker" in seiner Ausgabe: "7 müssen noch zittern" - scheinbar ist man sich beim Fußball-Fachblatt aus Nürnberg sicher: Der 1. FC Kaiserslautern darf sich galant zurücklehnen und den Rest der Saison als Schaulaufen betrachten. Es wäre mehr als fatal, würde man das im Herzen der Pfalz glauben und beherzigen.
Die halbe Liga im Existenzkampf
Genaugenommen müssen nicht sieben Bundesligisten zittern. Es sind deren zehn, die es immer noch erwischen kann. Selbst 1899 Hoffenheim auf Tabellenplatz 9 ist noch nicht gesichert. Der Teufel ist ein Eichhörnchen. Und auch der FCK kann sich noch nicht sicher wähnen. Zumindest der Relegationsplatz ist immer noch in "Reichweite". Sollten die Lautrer am Samstag beim VfL Wolfsburg verlieren und gleichzeitig die Eintracht aus Frankfurt gegen das Auswärtsmonstrum aus Köln drei Punkte einfahren, dann hätte zum Bundesligafinale am 14. Mai auch der Zuschauer Angst seine Karte auf dem Betzenberg im Spiel gegen den SV Werder Bremen sicher. Natürlich haben aktuell der FC St. Pauli, Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt die denkbar schlechtesten Karten. Aber alles - bzw. vieles - ist noch möglich. Und der Teufel ist wie wir wissen ein Eichhörnchen. Durchhalteparolen behrrschen die Szenerie. Die verantwortlichen Trainer geben sich durchweg kämpferisch. Natürlich passend in einem Endspurt. Wer jetzt stehen bleibt, wird es schwer haben, sich noch erfolgreich über die Ziellinie zu schleppen.
Der FCK hält alle Trümpfe in der Hand
Was mir seit ein paar Tagen unangenehm auffällt, ist die Tatsache, dass sämtliche Darstellungen von Restprogrammen im Abstiegskampf ohne die vierzigpünktigen Lautrer auskommen. Zugegeben, der FCK hat in besagtem Endspurt mit die besten Karten. 40 Punkte und ein Restprogramm, das sogar noch den einen oder anderen Zusatzpunkt bringen kann. Selbst ein einstelliger Tabellenplatz ist bei diesem Restprogramm durchaus noch drin. Und sind wir einmal ehrlich: Der FCK kann von Glück sagen, dass der FC Schalke 04 eine derart großartige Runde in der Champions League spielte. Als die Pfälzer in Gelsenkirchen antraten, hatte die Elf von Ralf Rangnick nicht den FCK vor Augen, sondern bereits Manchester United. Unter dem Strich standen dann drei überraschende Punkte. Drei Zusatzpunkte im Abstiegskampf, die vieles einfacher machten. Drei Punkte, mit denen außer den rot-weißen Berufsoptimisten sicherlich kaum jemand rechnete. Der Sieg gegen Mitaufsteiger St. Pauli stand lange auf des Messers Schneide. Der grandios haltende Kevin Trapp hielt letztendlich auch die drei Punkte fest. Es ist definitiv beeindruckend, wie der durch die Bank als Abstiegskandidat Nummer eins titulierte 1. FC Kaiserslautern die Liga rockte. Zumindest bisher. Ein Punkt muss noch irgendwie her, um ganz sicher das Abschlusszeugnis "Klassenerhalt" in den Händen zu halten. Denn der Teufel ist ein Eichhörnchen. Aber hoffentlich in den kommenden Tagen ein rot-weißes.
Im Griff der Besserwisser
Viele Onliner wissen alles: Wer absteigt, wer Meister wird und wer sich Nils Petersen angelt. Das weltweite Netz ist voll gefühlter Experten - und die brauchen dringend Nachhilfe. Das Internet ist eine galaktische Wissensmaschine, deren Ausmaß jeden Superlativ ins Lächerlich zieht. Aber im Internet finden sich nicht bloß wahre oder falsche Informationen - es findet sich alles zu allem und auch das Gegenteil davon. Vermutlich ist manchmal auch die einigermaßen objektive Wahrheit darunter oder etwas, was ihr nach gegenwärtigem Erkenntnisstand nahekommen könnte. Und je nachdem, wie und wonach man sucht, finden sich auch genau die Informationen, die man finden möchte - bewusst oder unbewusst. In den letzten Tagen rückt - wie immer um diese Jahreszeit - die Bundesliga-Wechselbörse in den Fokus der Fans. Im Zuge der brodelnden Gerüchteküche entwickelt sich eines der gleichzeitig lästigsten und lustigsten Phänomene des Mitmach-Internets: das gefühlte Expertentum. Was auch immer die Bundesliga für Wechselgerüchte bereithält - im Netz finden sich sogleich Experten, die selbst den ausweglosesten Spekulationen so viel Leben einhauchen, dass selbst ausgewiesene Fachleute ins Grübeln geraten. "Hamit Altintop nach Lautern?", aber natürlich. Angeblich will der FCK ja seinen Bruder Halil. Und was läge näher, als dass Stefan Kuntz im Sinne einer Familienzusammenführung gleich seinen Bruder Hamit mitverpflichtet. Noch schmlimmer ist aber dieses Gefühl, das sich bei mir beim Lesen der Transferspekulationen rund um den FCK manifestiert. Scheinbar ist jeder Bundesligist hinter interessanten Spielern her. Nur der FCK nicht. Ich frage mich in dieser Woche wohl nicht alleine, was Stefan Kuntz eigentlich den ganzen lieben langen Tag so macht. Da bin ich doch froh, dass sich jetzt schon wieder die Experten zu Wort melden, die den FCK in der kommenden Saison schon wieder als den Abstiegskandidaten Nummer eins sehen. Ist ja auch kein Wunder, wenn der Vorstandsvorsitzende ausgerechnet jetzt wieder den Schlaf der Gerechten hält.
Cheers
Bahli
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Von Bahli
Zu Beginn der Saison 2010/11 gaben die Verantwortlichen und Fans des Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern gemeinsam ein Ziel aus. Und dieses Ziel nannte sich "Mission 40 Punkte". Seit dem vergangenen Freitag sind die Würfel gefallen. Der FCK hat 40 Punkte auf seinem Konto. Klassenziel erreicht? Nein, eben noch nicht ganz iacta. Der Würfel schwebt noch über dem Boden, liegt eben noch nicht ganz auf demselben. Und wirbelt im Moment verdammt viel Staub auf. So weit ich mich erinnern kann, war bisher noch jede Mannschaft dem Abstieg entronnen, die die magischen 40 Punkte eingefahren hat. Der FCK hat drei Spieltage vor Schluss die 40 voll gemacht. Aber gerettet sind die Pfälzer noch nicht. Heute titelt der "kicker" in seiner Ausgabe: "7 müssen noch zittern" - scheinbar ist man sich beim Fußball-Fachblatt aus Nürnberg sicher: Der 1. FC Kaiserslautern darf sich galant zurücklehnen und den Rest der Saison als Schaulaufen betrachten. Es wäre mehr als fatal, würde man das im Herzen der Pfalz glauben und beherzigen.
Die halbe Liga im Existenzkampf
Genaugenommen müssen nicht sieben Bundesligisten zittern. Es sind deren zehn, die es immer noch erwischen kann. Selbst 1899 Hoffenheim auf Tabellenplatz 9 ist noch nicht gesichert. Der Teufel ist ein Eichhörnchen. Und auch der FCK kann sich noch nicht sicher wähnen. Zumindest der Relegationsplatz ist immer noch in "Reichweite". Sollten die Lautrer am Samstag beim VfL Wolfsburg verlieren und gleichzeitig die Eintracht aus Frankfurt gegen das Auswärtsmonstrum aus Köln drei Punkte einfahren, dann hätte zum Bundesligafinale am 14. Mai auch der Zuschauer Angst seine Karte auf dem Betzenberg im Spiel gegen den SV Werder Bremen sicher. Natürlich haben aktuell der FC St. Pauli, Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt die denkbar schlechtesten Karten. Aber alles - bzw. vieles - ist noch möglich. Und der Teufel ist wie wir wissen ein Eichhörnchen. Durchhalteparolen behrrschen die Szenerie. Die verantwortlichen Trainer geben sich durchweg kämpferisch. Natürlich passend in einem Endspurt. Wer jetzt stehen bleibt, wird es schwer haben, sich noch erfolgreich über die Ziellinie zu schleppen.
Der FCK hält alle Trümpfe in der Hand
Was mir seit ein paar Tagen unangenehm auffällt, ist die Tatsache, dass sämtliche Darstellungen von Restprogrammen im Abstiegskampf ohne die vierzigpünktigen Lautrer auskommen. Zugegeben, der FCK hat in besagtem Endspurt mit die besten Karten. 40 Punkte und ein Restprogramm, das sogar noch den einen oder anderen Zusatzpunkt bringen kann. Selbst ein einstelliger Tabellenplatz ist bei diesem Restprogramm durchaus noch drin. Und sind wir einmal ehrlich: Der FCK kann von Glück sagen, dass der FC Schalke 04 eine derart großartige Runde in der Champions League spielte. Als die Pfälzer in Gelsenkirchen antraten, hatte die Elf von Ralf Rangnick nicht den FCK vor Augen, sondern bereits Manchester United. Unter dem Strich standen dann drei überraschende Punkte. Drei Zusatzpunkte im Abstiegskampf, die vieles einfacher machten. Drei Punkte, mit denen außer den rot-weißen Berufsoptimisten sicherlich kaum jemand rechnete. Der Sieg gegen Mitaufsteiger St. Pauli stand lange auf des Messers Schneide. Der grandios haltende Kevin Trapp hielt letztendlich auch die drei Punkte fest. Es ist definitiv beeindruckend, wie der durch die Bank als Abstiegskandidat Nummer eins titulierte 1. FC Kaiserslautern die Liga rockte. Zumindest bisher. Ein Punkt muss noch irgendwie her, um ganz sicher das Abschlusszeugnis "Klassenerhalt" in den Händen zu halten. Denn der Teufel ist ein Eichhörnchen. Aber hoffentlich in den kommenden Tagen ein rot-weißes.
Im Griff der Besserwisser
Viele Onliner wissen alles: Wer absteigt, wer Meister wird und wer sich Nils Petersen angelt. Das weltweite Netz ist voll gefühlter Experten - und die brauchen dringend Nachhilfe. Das Internet ist eine galaktische Wissensmaschine, deren Ausmaß jeden Superlativ ins Lächerlich zieht. Aber im Internet finden sich nicht bloß wahre oder falsche Informationen - es findet sich alles zu allem und auch das Gegenteil davon. Vermutlich ist manchmal auch die einigermaßen objektive Wahrheit darunter oder etwas, was ihr nach gegenwärtigem Erkenntnisstand nahekommen könnte. Und je nachdem, wie und wonach man sucht, finden sich auch genau die Informationen, die man finden möchte - bewusst oder unbewusst. In den letzten Tagen rückt - wie immer um diese Jahreszeit - die Bundesliga-Wechselbörse in den Fokus der Fans. Im Zuge der brodelnden Gerüchteküche entwickelt sich eines der gleichzeitig lästigsten und lustigsten Phänomene des Mitmach-Internets: das gefühlte Expertentum. Was auch immer die Bundesliga für Wechselgerüchte bereithält - im Netz finden sich sogleich Experten, die selbst den ausweglosesten Spekulationen so viel Leben einhauchen, dass selbst ausgewiesene Fachleute ins Grübeln geraten. "Hamit Altintop nach Lautern?", aber natürlich. Angeblich will der FCK ja seinen Bruder Halil. Und was läge näher, als dass Stefan Kuntz im Sinne einer Familienzusammenführung gleich seinen Bruder Hamit mitverpflichtet. Noch schmlimmer ist aber dieses Gefühl, das sich bei mir beim Lesen der Transferspekulationen rund um den FCK manifestiert. Scheinbar ist jeder Bundesligist hinter interessanten Spielern her. Nur der FCK nicht. Ich frage mich in dieser Woche wohl nicht alleine, was Stefan Kuntz eigentlich den ganzen lieben langen Tag so macht. Da bin ich doch froh, dass sich jetzt schon wieder die Experten zu Wort melden, die den FCK in der kommenden Saison schon wieder als den Abstiegskandidaten Nummer eins sehen. Ist ja auch kein Wunder, wenn der Vorstandsvorsitzende ausgerechnet jetzt wieder den Schlaf der Gerechten hält.
Cheers
Bahli
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
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