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Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#1621
18.12.2015 - 10:54 Uhr
Butduma, du bist doch echt fertig mit dieser Welt.......oder aus welchen Gehirnwindungen holt man z. B.

Zitat von Butduma
...mit einem Gastauftritt von Torsten L. als lieber Knecht...


grins daumen-hoch
Die Couchingzone |#1622
18.12.2015 - 17:18 Uhr
Du bist doch echt das kränkste Hirn auf dieser Couch. Nur du suchst so tief nach des Pudels Kern.

Wahnsinn!

Cheers
Bahli

•     •     •

You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#1623
18.12.2015 - 19:52 Uhr
Zitat von Hassabamba
Butduma, du bist doch echt fertig mit dieser Welt...

grins daumen-hoch


Zitat von bahli77
Du bist doch echt das kränkste Hirn auf dieser Couch.


Jungs, ich fasse das als Kompliment auf! grinsstark

•     •     •

SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#1624
18.12.2015 - 21:28 Uhr
Könnte sich der eine oder andere vielleicht mal dazu durchringen das Thema Fortsetzung etwas ernsthafter anzugehen.
Schön mal nichts über die JHV des Grauens zu lesen.

•     •     •

"Betzi braucht bei seinem Besuch eine Möglichkeit sich umzuziehen und Kaltgetränke" (Anmeldeformular Betzi Buchen)
"You want it darker, Hineni, Hineni, I'm ready, my lord (Leonard Cohen).
"Well, what did you expect in an opera? A happy ending?" (Bugs Bunny)
Die Couchingzone |#1625
20.12.2015 - 09:06 Uhr
Der Weg dieses Threads in die Abgründe des Wahnsinns ist nun nicht mehr aufzuhalten.
Die Kollegen Kohlmeyer und Butduma jedenfalls sind schon längst dort angekommen. grins

•     •     •

"And what can I tell you, my brother, my killer?
What can I possibly say?
I guess that I'll miss you. I guess, I'll forgive you.
I'm glad you stood in my way.
If you ever come by here for Jane or for me -
Well, your enemy's sleeping. And his woman is free.
Yes, and thanks for the trouble you took from her eyes.
I thought it was there for good - so I never tried."
(Leonard Cohen)
Die Couchingzone |#1626
20.12.2015 - 11:04 Uhr
Seit ich diese Autobahntreppe runter gekraxelt bin, bin ich bereits einen Schritt weiter, Kollege Dornberger. Ich halte dort aber schon mal die Plätze für euch warm.

•     •     •

Autoritäre Herrschaft braucht keine Superschurken, die sie von langer Hand planen. Sie ist schlichtweg die bequemste Art, Komplexität zu reduzieren.
•••
Das Leben ist die Schule, der Schmerz ist der Lehrer.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Devil_till_Death am 20.12.2015 um 11:05 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1627
02.02.2016 - 20:32 Uhr
Jahrgang 6 – Ausgabe 22

PISA-BOY UND DER ROTE SCHNIPP-SCHNAPP-TEUFEL

von Vic Dorn

Ich weiß nicht, warum. Ich weiß wirklich nicht, warum. Wissen wir überhaupt jemals irgendwann, warum? Vermutlich nicht…
Es sind wohl einfach unsere Hoffnungen nach Glück und Freude, die uns irgendwelche unüberlegten Handlungen einflüstern. Und dann handeln wir nach ihrem Befehl, taumeln als verhinderte Glücksritter durch den Tag und am Ende bleibt was? Genau. Enttäuschung. Schimpfen. Kotz-Smileys. Der Schwur vor dem Spiegel, dass man nächstes Mal nicht mehr so blöd sein wird. Man geht hoffnungsvoll ins Bett, steht noch hoffnungsvoller auf…
Und dann? Neuer Film. Neue Hoffnung. Neue Idiötie….
Aber irgendwann wird alles besser…

Na ja, genug jetzt von dieser depressiven Scheiße. Worüber ich gerade rede? Nun, es ist Freitag, der 5. Februar 2016. Es ist der Abend, an dem der FCK die Eisernen aus Köpenick empfängt. Der Dorn hat nach einer harten Arbeitswoche endlich Wochenende. Um halb sechs steigt er am Lauterer Hauptbahnhof aus dem Zug aus. In den Ohren das a-melodische Grölen der Ultras, die schichtweise gestapelt das Abteil bevölkert haben. In der Nase den Geruch von Fan-Kutten mit zwanzig Jahre lang liebevoll kultiviertem Schweiß-Aroma und natürlich der proletarische Odeur von massenhaft gekipptem Bier. An den Schuhsohlen das klebrige Schmatzen von verschüttetem Bier. So wie es eben ist, wenn man als Pendler auf der Heimreise einen Zug genommen hat, der von Fußballfans in Beschlag genommen worden ist. Anfängerfehler. Ganz schön deppert, Herr Dorn!

Ich stehe draußen vor dem Bahnhof und blicke dem trotz dauerhafter Zweitklassigkeit noch immer gigantischen Strom von roten Schals und Trikots hinterher, die da gerade vereint in Richtung Betze schreiten.
Und plötzlich macht es Klick in meinem Kopf. Ein süßes schwereloses „Klick“. Ich erinnere mich an alte unbeschwerte Assi-Tage, als ich mit drei Freunden und mit meinem versifften Kuka-Trikot auf der Heimreise im Zug die Heimreise aus dem Frankfurter Waldstadion angetreten habe, reichlich benebelt von Bier und Jägermeister. Das Spiel war nicht gerade der Brüller gewesen. 0:0 bei sommerlicher Gluthitze und ohne eine nennenswerte Torchance. Aber wir waren froh und sonnig und unbesiegbar, und wir umarmten dosenaustrinkend eine Welt, mit der wir voll und ganz im Reinen waren. Auf halber Strecke zwischen Mainhattan und Mann*hüstel* setzen sich drei von uns ganz oben auf den metallischen Gepäckständer, um zu sehen, ob er unserem Körpergewicht standhält. Er hielt tatsächlich stand. Fast schon schade, irgendwie. Plötzlich stehen dann zwei gebieterisch dreinblickende Männer vom Grenzschutz in der Abteiltür und ermahnen uns aufs Schärfste, mit unseren Ärschen wieder auf dem Polster Platz zu nehmen. Der Gepäckständer sei keine Sitzgelegenheit, dozieren sie in mühsamem Hochdeutsch. Echt jetzt?

Wir tun ihnen den Gefallen. Können es aber nicht lassen: „Grenzschutz und der FCK“ anzustimmen, gefolgt von „Grenzschutz, wink‘ emol“. Wie lang ist das jetzt her? Knapp zwanzig Jahre ist das jetzt schon her. Wahnsinn. Aber genug von diesem seichten Nostalgie-Vorgeplänkel. Jetzt geht die Story richtig los.

Back to fünfter Februar 2016. Das Klick in meinem Kopf überlistet mich mit Fontänen von Endorphinen. Vergangenheit erleuchtet Gegenwart. Gegenwart erleuchtet Zukunft. Und die Zukunft, das sind wir. Gegen alle Vernunft, gegen jede Prognose. Wir, der FCK. Wir sind wieder wer. Die Bundesliga-Tabelle hat es nur noch nicht gemerkt. Aber sie wird! Und wie sie wird! So viel ist sicher. Auf ins Stadion, Vic! Einfach so. Spontan. Wie lange warst du nicht mehr oben? Ein Jahr ist es fast her. Geht gar nicht! Hoch mit dir! Spontan!
Also geh ich hoch. Endlich wieder hoch. Hoch, um in einen roten Freudentaumel einzutauchen. Hoch, um eines jener ultimativen Fußballfeste zu sehen und zu feiern, wie sie nur der FCK kennt. Rauf auf den Betze, einfach hoch, einfach genießen, einfach an den Sieg des Guten glauben.
Warum ich immer noch solche Illusionen habe? Ich weiß es nicht. Wissen wir überhaupt jemals irgendwann, warum?

Jetzt, 25 Minuten nach Anpfiff, sitze ich mit verdüsterter Visage in Block 4.3 und stiere mit Äderchen-durchzogenen Augäpfeln auf das immergleiche Gekrampfe auf dem Rasen. Es ist mindestens das hundertste FCK-Heimspiel dieses Strickmusters, dessen von niemandem bemitleideter Zeuge ich gerade werde. Bedeutet also: Schon 100 mal 90 Minuten Augenkrebs durchlebt. Bedeutet wiederum 9.000 Minuten beziehungsweise 150 Stunden mehr oder weniger vergeudete Lebenszeit. Durch Schaden wird man klug? Nicht als FCK-Fan! Der Schriftsteller Mark Twain soll einmal sinngemäß gesagt haben: „Bereue nie, was du getan hast, sondern nur, was du nicht getan hast.“ – Hm, etwas weltfremd, der Knabe. Er hat sich scheinbar nie ein miserables Betze-Heimspiel angetan. Ich will hier raus…

27. Minute: Die blondgelockte Kichererbse zu meiner Linken lässt versehentlich ihr Soft-Eis fallen und kommentiert die Handlung gackernd mit den Worten: „Oh Scheiße, ich bin so kacke!“ – Dann überprüft sie mit gekonnter Glattstreich-Technik den Sitz ihres Stiven-Rivic-Trikots (Häääh?!?) und gefällt sich im Folgenden darin, über die sexy Beine von Marcel Gaus zu schwadronieren. Waaas? Hallo?! Oh Mann, ich will hier raus…

30. Minute. Erster Torschuss der Partie. Pritsche war’s. Etwa fünfzehn Meter drüber. Block Acht skandiert „Jetzt geht’s los!“ und lacht sich selber halb kaputt dabei. – Die 150 Union-Fans skandieren zurück: „Jogi Löw, hast du das geseh’n?“ Der pausbäckige Grinse-Kater zu meiner Rechten kommentiert mit einem grenzdebilen Smile: „Der Tschibilliggo macht heute noch ein Tor. Wetten?“ – Seine Betonung, wenn er „Tschibilliggo“ sagt, liegt übrigens immer auf dem dritten „i“.

„Nicht eines. Mindestens fünf“, brumme ich uninspiriert zurück.
Alles so dumm. Alles so stumpfsinnig. Ich muss hier raus. Echt jetzt.

Sieben ereignislose Minuten später gehe ich tatsächlich. Es ist diese seltsame Stimme in meinem Kopf, die mich ruft. Schmeichelnd und dennoch irgendwie bitterzart melancholisch:
„Du fühlst dich nicht mehr wohl in deinem eigenen Stadion, deinem ureigenen Open-Air-Wohnzimmer? Du hast nicht wirklich das Gefühl, dass das hier noch DEIN FCK ist? Dann komm zu mir, mein Guter! Mir geht’s auch so? Wir sind Seelenfreunde, Victor, Seelenfreunde!“
Oh Gott! Er versteht mich! Er hat mich immer verstanden, Gott! Er versteht, wo du längst aufgehört hast, IRGENDETWAS zu verstehen. Aber wer ist ER eigentlich? Wurst! Er ist besser als alles, was mich hier erwartet, in dieser Fußball-Schuhschachtel des Jammers. Ich renne. Und renne. Und renne. Fort von Rivic, fort von Tschibilliggo, fort von Mark Twain, fort von Grinse-Kater und von Kicher-Blondie. Fort. Einfach nur fort.

Und jetzt stehe ich am Ende meiner Flucht mitten im Volkspark mit dem Rücken zum Reiterdenkmal und ich sehe…

IHN!

Jetzt weiß ich, wessen Stimme mich gerufen hat. ER war es. ER!
„Aber du… du bist ja der Betzi!“ rufe ich erstaunt.
„Der was?“ kreischt er mich an.
„Der Betzi“, wiederhole ich artig. „Unser Stadionmaskottchen.“
Es stimmt doch! Da steht ein Roter Teufel mit rotgelocktem Zottelfell. Die Figur, die immer so niedlich tanzt und so unmotorisch die Arme durch die Luft wirft, wenn das Betze-Lied ertönt.
„Hat sich was mit Maskottchen!“ kreischt der Rote Zottel und rennt dabei wie ein wildgewordener Minion herum. „Ich bin der Teufel! Der Rote!“
„Ja klar“, sage ich mechanisch – aber dann dämmert es plötzlich. Nicht am Himmel, sondern im Oberstübchen. „Der echte?“ hauche ich in Ehrfurcht.
„Eben der.“
„Ich hätte mir dich viel fürchterlicher vorgestellt“, rutscht es mir spontan raus. Verfluchtes Mundwerk.
„Aaaaargh!“ schreit dieses Teufelswesen in aggressiver Hysterie und streckt in unheilvoller Fluchhaltung die gespreizten Hände aus, um mich zur Strafe in sengend-flammendem Höllenfeuer zu verbrennen.

Heraus kommt dabei nur ein Funkeln wie bei einer Wunderkerze.

„Da siehst du, was sie mit mir gemacht haben!“ greint der Betzi, der nicht Betzi sein will und wimmert schwächlich vor sich hin.
„Kannst du auch ab und zu richtig gefährlich sein?“ frage ich neugierig, „oder bist du immer so… so…“ Wie sagt man das denn bloß, ohne einem Teufel zu sehr in die Eier reinzutreten?
„Kastriert?“ schlägt das Teufelswesen vor.
„Kastriert!“ nehme ich den Vorschlag dankbar an.
„Ich könnte mit einer Handbewegung dafür sorgen, dass es deiner leidenden Fanseele wieder besser geht“, sagt Betzi… äh… Teufi… äh Teufel unvermittelt. „Ich könnte dafür sorgen, dass Tschibilligo nen lupenreinen Hattrick schießt.“
Euphorischer Geifer schießt mir in den Mund. „Tu’s!“ rufe ich. Und verfluche mich im nächsten Augenblick selbst. Muss man ihm denn im Gegenzug nicht seine Seele vermachen oder so? Irgendwas ist doch faul an diesem vollmundigen Angebot.
„Nein“, sagt Betz… äh… dieses rote Dingsda leise und trotzig.
„Doch, bitte tu’s.“
Sein angenervtes Stöhnen klingt leider nicht sonderlich ermutigend. „Ich kann nicht. Ich hab‘ gesagt, ich könnte. ‚Könnte‘ ist aber Konjunktiv.“
„Häh?“ frage ich.
Der Zweihörnige rollt genervt mit den Augen. „Du gehörst wohl auch zu denen, die der Pisa-Studie zu ihrem Ruhm verholfen haben. Ich sage ‚könnte‘, weil ich nicht kann. Ich bin kastriert.“
Mir kugeln die Augen aus den Höhlen. Behutsam drücke ich sie wieder ein Stück weit zurück, bevor sie wirklich fallen. Ich räuspere mich beklommen.
„Ach, du meinst das also gar nicht im übertragenen Sinne, sondern… äh… wörtlich?“
„Ach nee. Wir sind ja ein Schnellmerker, mein Kleiner.“
„Du bist wirklich und wahrhaftig kastriert? Wie ein Kater? Wie ein Hund.“
„Yep.“
„Also ohne… äh… Glocken.“
„Vollidiöt!“ flüstert Betz… äh… der Rote und weint lautlos vor sich hin. Dann rappelt er sich auf und blickt mit wehmütig-bedeutungsvollem Blick in die Ferne. „Wenn ich meine Klöten noch hätte, dann hätte euer Pritsche die Eisernen schon schockgerostet. Zweistellig, mindestens. Aber seit Beate…“
„Beate?“
„Dieses blonde Monstrum damals.“
„Häh?“ Schon unfair, wenn man plötzlich so verwirrt ist, ohne alk-technisch irgendwas dafür getan zu haben…. Who the X is Beate?
„Mann, Pisa-Boy, du kannst ja wirklich stolz auf dich sein. Beate R. natürlich! Wer denn sonst.“
„DIE Beate R.???“ Ich kann es immer noch nicht fassen.
„Himmelherrgottarschund…“ Weiter kommt Betzi… äh… der mit den Hörnern nicht, weil er Opfer eines allergischen Hustenanfalls wird. Was so eine unbedachte Nennung des senilen Weißbarts aus Wolkenkuckucksheim doch bewirken kann!

„Warum“, frage ich schließlich und muss dabei erst den Klos im Hals nach unten drücken, bevor ich weiter sprechen kann. „Warum hat Beate R. dich denn kastrieren lassen?“
„Weil sie keinen stinkenden, nicht stubenreinen Teufel im Stadion ihres Mannes haben wollte. Deshalb. Sie sagte nach dem Titel ‘98: ‚Mein Mann ist fachlich und menschlich brillant genug, um ohne den Hokuspokus dieses roten Schmutzfinks auszukommen.‘ – Also kam es wie es kommen musste: Schnipp-schnapp.“

Schnipp-schnipp. Meine Lippen sprechen stumm und verzagt die unheilvolle Lautmalerei nach. Ich wusste es. Ich habe es schon immer gewusst. Ich habe Beate R. nie gemocht. Sie wirkte mit ihrem gekünstelten, versteinerten Gesichtsausdruck immer ein wenig wie das wandelnde Unheil auf mich. Ich habe nur nie gewusst, warum. Jetzt weiß ich es. Schnipp-schnapp…

„Vier nationale Meisterschaften und eine Weltmeisterschaft an Land gezogen“, jammert Betz… äh Beates Schoßteufelchen. „Dafür hätten sie dir eigentlich deine Eier unter Denkmalschutz stellen müssen. Stattdessen so was!“
„Kannst du denn beweisen, daß du wirklich keine… äh… du weißt schon…“
„Klar kann ich“, brummt Zottelhörnchen missmutig. „Früher habe ich nach Schwefel gestunken, und jetzt… - Riech mal!“
Mit einer theatralischen Drehung schwenkt er mir seine Achsel vor die Nase.
„Riecht ein bisschen nach Strichjunge“, sage ich verwirrt.
„Eau de Diable“, sagt der Rote Teufel und zieht dabei eine Fresse wie ein Gernot Hassknecht kurz vorm Explodieren. „Auch das verdanke ich Beate.“

Ich atme tief durch. Drei Mal, vier Mal, zehn Minuten lang, sechzig Minuten lang…
Ich muss hier einen folgenschweren Freispruch aussprechen, und das raubt mir regelrecht den Atem.
„Dann waren also die vielgeteerten und gefederten Friedrich, Wieschemann, Herzog, Jäggi und Göbel gar nicht wirklich schuld am Niedergang? Und schon gar nicht Stefan Kuntz?“
Betzi… äh… Pferdefüßchen grinst die Kieselsteine am Wegrand zynisch an. „Nee, Schuld an der Talfahrt sind meine Glocken, die dank Beate nicht mehr da sind.“

Eine Vision stiehlt sich in meinen Kopf hinein: Ich stelle mir vor, ich stehe mit einem Megaphon auf dem grünen Rasen des Heiligen Bergs und verkünde diese unfassbare Wahrheit der ganzen West und der Welt…- Ich stelle mir vor, wie ich verzweifelt schreie: „Aber ihr müsst mir doch glauben! Beate ist an allem schuld!“

Ein letzter Gedanke streicht mir durch den Kopf. „Warum teilst du das alles mit mir? Deine Erinnerungen, deinen Schmerz? Warum ausgerechnet mit mir?“
Dieses rote Relikt blickt mich noch einmal bedeutungsschwanger an und sagt dann: „Warum wohl, Pisa-Boy? Weil du auch so ein Kastrierter bist.“

„He, wie meinst du das?“ rufe ich ihm hinterher, gleichermaßen verblüfft und gekränkt. „Ich bin nicht…“ will ich schreien, aber die Worte bleiben auf halbem Wege stecken. Der Ex-Teufel hat sich schon in rot wabernde Schlieren aufgelöst, die noch kurz träge durch die Lüfte wabern und dann im leeren Raum verschwinden. Zurück bleibt ein ratloser Fan, der ein Geheimnis auf den Schultern trägt, welches allzu schwer auf seinen Schultern lastet.

Ich schlurfe nach Hause und knipse Sky an. „Tor, Tooor, Toooor!“ schreit da der Kommentator. „Tooor in den 90. Minute für den FCK. Das 5:0, und zum fünften Mal war’s Przybylko – oder Pritsche, wie ihn die FCK-Fans liebevoll nennen. Gibt’s doch gar nicht! Was für eine Sensation! Was für ein Ausrufezeichen der Roten Teufel in dieser bislang doch so mittelmäßigen Saison!“ – Er suhlt sich geradezu in seiner gekünstelten Reporter-Euphorie.

Ich schalte die Glotze aus und gönne mir ein schüchternes Lächeln. Sieh mal einer an, der Tschibilligo, flüstere ich leise vor mich hin. Warum in aller Welt habe ich nicht im Stadion ausgeharrt? Warum habe ich ein 5:0-Fußballfest sausen lassen und mir stattdessen die verwirrte Beichte eines Ex-Teufels angehört, die ich sowieso für mich behalten muss, wenn ich nicht in die Geschlossene eingeliefert werden will? Egal. Bei meinem FCK wird jetzt endlich alles besser. Wieder mal. Ich beschließe den Tag mit einem Lächeln. Immerhin.

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Auf der Couch glaubt man mir auch nicht. Nicht mal dort. Keiner glaubt mir, dass Beate R. das Verderben unserer Roten Teufel war. „Ach, halt’s Maul, du Pimmel!“ sagen Berti und Bahli jedes Mal synchron, wenn ich einen erneuten verzweifelten Versuch unternehme, sie zu überzeugen. Möge man den Kollegen Berti, Bahli, Butduma, Kohlmeyer, Devil_till_Death und Newtrial demnächst glauben, was man mir nicht glauben will.

•     •     •

"And what can I tell you, my brother, my killer?
What can I possibly say?
I guess that I'll miss you. I guess, I'll forgive you.
I'm glad you stood in my way.
If you ever come by here for Jane or for me -
Well, your enemy's sleeping. And his woman is free.
Yes, and thanks for the trouble you took from her eyes.
I thought it was there for good - so I never tried."
(Leonard Cohen)

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Vic Dorn am 02.02.2016 um 20:35 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1628
02.02.2016 - 21:54 Uhr
Und damit wäre dann wohl auch das Rätsel gelöst, wie zum Roten Teufel der Otto mit Griechenland Europameister werden konnte. Danke, Meister Dornberger!

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Autoritäre Herrschaft braucht keine Superschurken, die sie von langer Hand planen. Sie ist schlichtweg die bequemste Art, Komplexität zu reduzieren.
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Das Leben ist die Schule, der Schmerz ist der Lehrer.
Die Couchingzone |#1629
02.02.2016 - 22:15 Uhr
Ich muss den werten Kollegen korrigieren: BEATE U. war es nämlich, die uns seinerzeit alle kastriert hat!* Und zwar trug sie dabei die Maske von Beate R. (daher deren versteinerter Gesichtsausdruck). Nur der Mo war durch seinen Pinkel-Wandfarben-Zauber dagegen immun - und deshalb haben die Kuntzschen Sängerknaben ihn auch am Ende weggeeekelt: entschieden zu viel Eier für unseren Ruheforst!

Jetzt tauschen die einstmals so gefürchteten, testosterongeschwängerten FCK-Fans im STT Kochrezepte aus. Und merken in ihrem substanzlosen Gelalle und mit ihrem kochdunstvernebelten Blick schon gar nicht mehr, dass Fürth nicht mehr führt und ihre Mannschaft auswärts vier Tore nachgelegt hat. Aber sagt da mal einer "Danke, Stefan Kuntz! Danke Dieter Rombach!". Keine Spur! angry

Da bin ich dann doch schon aus einem ganz anderem Holz geschnitzt! Im feinsten Falsett lispele ich: "Danke Kollege Vic für diese schonungslose, wenngleich mit besagtem groben Fehler in der historischen Darstellung behaftete Kolumne! Sie bringt uns zwar nicht zum Weinen oder Lachen, aber immerhin zum dezenten Hüsteln."

Und nun bitte weiter mit den Kochrezepten!

* Oder war es Alice S.? oops

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502 Bad Gateway
nginx
Die Couchingzone |#1630
02.02.2016 - 22:43 Uhr
"Hells Bells unplugged"

das wäre der richtige Titel gewesen... silent

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Nichts ersetzt die Romantik eines Flutlichtspiels im Regen... ...und siegen!!

Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!

Hate the Game, not the Player!
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