Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
18.09.2015 - 14:18 Uhr
Zitat von CoPrins
but, heut trag ich mein schönstes Kleid, nur für DiCH! *schmacht*
but, heut trag ich mein schönstes Kleid, nur für DiCH! *schmacht*
Mir steht das natürlich viel besser als dem Co ...
Apropos "besser". Ich habe Buts Kolumne noch einmal mit vollem Magen - also nach dem Mittagessen - genossen. Und soll ich euch etwas sagen? Sie wurde nach einer Portion Sushi sogar noch besser ...
Begeisterter vollgefressener
Bahli
18.09.2015 - 17:39 Uhr
"Mit einem einfachen "Jawoll!" dürfte jedem klar sein, was Sache ist. Die neue Saison startet. Und es ist eine besondere Saison. Es ist die erste Saison seit vier Jahren, in der der Traditionsverein 1. FC Kaiserslautern nicht in den Abgründen der 2. Liga ausharren muss. Er ist wieder Bundesligist. Und das macht vieles in dieser Saison so besonders."
@But, outstanding - und in Verbindung mit der Thread Einleitung fast schon zum Weinen.
Und die Mädchen hier erfüllen wieder alle Klischees vom Franzacken der die Frauenherzen bezaubert. Zum Glück gab es bei mir Baguette mit Ziegenkäse.
@But, outstanding - und in Verbindung mit der Thread Einleitung fast schon zum Weinen.
Und die Mädchen hier erfüllen wieder alle Klischees vom Franzacken der die Frauenherzen bezaubert. Zum Glück gab es bei mir Baguette mit Ziegenkäse.
18.09.2015 - 22:46 Uhr
Was soll ich sagen? Ich bin durch eure Reaktionen überwältigt, aber doch nicht sehr überrascht. Anstandslos gebt ihr euch hier mit meiner couchingtechnischen Minderleistung zufrieden und spielt den schmachtenden Jubelperser. Vielleicht seid ihr eben doch wahre FCK-Fans, welche die neue Vereinsideo... philosophie bereits tief verinnerlicht haben. Es ist nur noch ein kleiner Schritt bis zur absoluten Freiheit, morgen einfach die Fernbedienung liegen lassen oder auf den Gang in die Arroganz-Arena verzichten und stattdessen ein Bier im Regen genießen bzw. doch schauen und sich über den Umstand freuen, dass sich bei der Niederlage wenigstens niemand verletzt hat.
Zu Ehren von bahli und Co habe ich ebenfalls mein olympisches Röhrenkleid übergezogen, das ivorische Gewand muss eh mal wieder in die Reinigung - die Nachbarn haben sich schon über den Gestank beschwert.
Bonne soirée, mes amis. Isch ge'e jetzt eine Vin rouge trink'en.
Zu Ehren von bahli und Co habe ich ebenfalls mein olympisches Röhrenkleid übergezogen, das ivorische Gewand muss eh mal wieder in die Reinigung - die Nachbarn haben sich schon über den Gestank beschwert.
Bonne soirée, mes amis. Isch ge'e jetzt eine Vin rouge trink'en.
21.09.2015 - 20:31 Uhr
Jahrgang 6 - Ausgabe 9
DIE VERMESSUNG DER WELT
von Bertikoks
Ach ihr seids. Ich möchte euch bitten heute wirklich leise zu sein. Bahli hat es irgendwie geschafft mich für eine Pressekonferenz beim FCK zu akkreditieren. Ich erwarte sensationelle Neuigkeiten. Vielleicht wird ja Lucien Favre der neue Trainer. Oder Klopp! Ich bin so gespannt und das fühlt sich irgendwie komisch an. Na vielleicht habe ich auch was falsches gegessen. Ruhe jetzt! Da kommen die hohen Herren. Ich will nicht gleich auf meiner ersten Pressekonferenz unangenehm auffallen. Jetzt geht es los!
"Willkommen liebe Kollegen hier zur Pressekonferenz des FCK. Schön, dass sie alle gekommen sind, wir haben wichtige Neuigkeiten für Sie. Ich übergebe zu diesem Zweck an unseren Aufsichtsratsvorsitzenden. Bitte, Herr Professor, sie haben das Wort."
"Ja vielen Dank auch. Also ich muss da wohl etwas ausholen. In letzter Zeit wurden vermehrt haltlose Ideen in der Öffentlichkeit verbreitet die unterstellen sollten, dass wir nicht das Optimum herausholen aus diesem Verein. Deshalb haben wir heute auch einen Vertreter der sogenannten 'Couchingzonze' eingeladen. Die nörgeln am meisten. Und vor allem völlig haltlos. Nicht wahr Herr Berti?"
Oh mein Gott ist das peinlich! Das hat mir der Bahli natürlich nicht gesagt bevor er mit unseren Sponsorengeldern ins Flugzeug nach Mallorca gestiegen ist. Hat bloß einen Riesenaufstand gemacht, dass wir auch endlich mal auf eine PK dürfen und angedeutet, dass das eine besondere Ehre ist und die Redaktion einhellig der Meinung gewesen sei, diese Freude solle ganz allein mir zustehen. Na klar, hätte ich mir ja denken können. Ich spüre kalten Schweiß auf meiner Stirn. Ich muss jetzt irgendetwas sagen. Mein Gott was sag ich denn nur? "Also ich hatte mir nur gedacht, dass .... vielleicht die zweite Bundesliga ... nicht unbedingt..." höre ich mich stammeln.
"Natürlich." Unterbricht mich der Professor. "Ihr gefährliches Halbwissen würde uns ja gar nicht weiter stören, wenn nicht jeder ***** mittels Internet andere ***** en finden könnte, die diesen selbsterdachten Unsinn auch noch glauben. Da hilft auch der penetrante Verweis auf ihre Mitgliedsnummer nicht. Tatsache ist, der FCK hat sich erfolgreich unter den 'Top 30' etabliert - und das können sogar Sie nicht leugnen, Herr Berti!"
Äh nein, dass kann ich wirklich nicht, denke ich im Stillen und beschließe besser zu schweigen. Nachdem der Auftakt schon etwas suboptimal verlaufen ist, will ich nicht noch einmal im Mittelpunkt stehen. Deshalb bin ich umso erschrockener als ich jemand mit meiner eigenen Stimme sagen höre: "Ich hatte nur gedacht, dass die zweite Liga..." weiter komme ich nicht und mir wird etwas blümerant.
"Das ist das Problem. Sie denken zuviel Herr Berti! Es ist mir übrigens völlig unverständlich, warum Sie den Umstand, dass der FCK aufgrund einer unerklärlichen Laune des Universums kurzzeitig mal in der ersten Liga gespielt hat, immer so betonen müssen und daraus auch noch Zielsetzungen ableiten wollen. Das schadet dem Verein Herr Berti!"
Die Blicke richten sich erneut auf mich und diesmal schweige ich tatsächlich, während vor meinem geistigen Auge Bilder von einer Menschenmenge erscheinen, die im Müngersdorfer Stadion friedlich und überglücklich das Spielfeld stürmt. Na, ein wenig schwindelig ist mir inzwischen auch. Stimmt irgendwas mit mir nicht?
"Sie können mir glauben, ich und der Vorstand, wir holen die letzten Reserven aus diesem Verein heraus." fährt der Professor fort und ein kleines Männchen mit zwei ausgeprägten Hörnern auf der Stirn, welches Dank meiner überbordenden Phantasie plötzlich auf meiner Schulter sitzt, kugelt sich vor lachen und brüllt: "Das glaube ich gerne! Die letzten Reserven!" Lästiger Gedanke. Nachdem ich mich versichert habe, dass nur ich meinen eingebildeten Teufel hören kann, wische ich mir den Schweiß ab, zwinge das Trugbild zu verschwinden und konzentriere mich wieder aufs Podium. Dort heißt es gerade:
"... liegt der Fehler klar in der Vergangenheit. Durch eine dreiste Überschätzung unserer Möglichkeiten haben unsere Vorgänger in ihrer maßlosen Arroganz die Abmessungen des Spielfeldes des Fritz Walter Stadions verändert. Und sich in dieser Sache ausgerechnet am FC Bayern orientiert. Dabei ist allseits bekannt, dass nur richtig gute Spieler mit diesen Maßen klarkommen. Und richtig gute Spieler habe ich in den letzten Jahren hier nur sehr selten gesehen. Deshalb sind wir übereingekommen, dass dieser Fehler unsere Gegner ungewollt bevorteilt."
Ich bin sprachlos. Die Kollegen sind es offenbar nicht, richtige Profis im Gegensatz zu mir. "Herr Professor! Herr Professor! Was heißt das jetzt? Was wollen Sie machen?" ruft ein Herr der mir irgendwie bekannt vorkommt. Mir fällt auf, dass niemand den Professor beim Namen nennt. Wie heißt der noch gleich? Irgendwas mit Rom? Oder war das in Rom? Ich bin ganz durcheinander und kann mich gar nicht mehr richtig konzentrieren.
"Das ist eine gute Frage. Aber ich habe natürlich auch eine Antwort. Ich habe immer eine Antwort. Wir bauen das Stadion um und stellen die alten Maße wieder her. Bezahlen muss das die Stadt Kaiserslautern. Die wollte den Verein ja. Irgendwie. Dann muss sie jetzt auch in die Bresche springen. Natürlich können Sie nicht erwarten, dass die Mannschaft schon gegen Nürnberg dieses Handicap wegstecken kann. Aber wenigstens wissen wir jetzt woran es liegt. Von weiteren Fragen bitte ich abzusehen."
Die Entourage erhebt sich und verlässt den Raum. Ich bin immer noch etwas irritiert und frage einen der umstehenden Reporter was ich nun damit anfangen soll. "Bist wohl nicht sehr oft hier." stellt der lapidar fest. Ich schüttele den Kopf. "Das war das erste Mal. Und was soll ich jetzt schreiben?" füge ich an. "Was Du schreibst weiß ich nicht. Aber wir titeln morgen 'Problem beim FCK offensichtlich!'", dreht sich um und geht. Ohne ein Wort des Abschieds.
Das kann doch alles gar nicht wahr sein. "Herr Professor, Herr Professor!" rufe ich aufgeregt und höre meine eigene Stimme auf einmal mit einem satten Echo. Dann sacken meine Beine weg. Der Professor ist wieder da und trägt plötzlich einen Kittel. Blütenweiß ist der. Und er spricht mit sanfter Stimme. "Herr Berti! Regen Sie sich nicht auf. Es kommt alles in Ordnung. Sie müssen raus aus Ihrer Scheinwelt. Der FCK spielt natürlich in der ersten Liga. Sie müssen nur Ihre Tabletten nehmen, dann wird das schon wieder. Was Sie sich da alles ausgedacht haben ist schon ein ganz schöner Horror, lieber Herr Berti. Seien sie sich sicher. Der FCK würde niemals in der zweiten Liga spielen und das dann auch noch als Erfolg verkaufen. Ihnen muss doch klar sein wie absurd Ihre Wahnvorstellung eigentlich ist."
"Aber die Top 25, 30, 40... vier Jahre zweite Liga am Stück! Die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte in der ersten Liga! Die fehlenden Möglichkeiten! Der Klotz am Bein! Occean! Drazan! Paderborn! Ingolstadt! Braunschweig! Fürth! Sogar Darmstadt!" meine Stimme klingt immer verzweifelter und ich merke wie sie bricht. Ich wimmere noch ein wenig und unter Zittern fühle ich die Tränen in meinen Augen aufsteigen.
"Beruhigen Sie sich bitte, Herr Berti. Schauen wir doch mal ganz nüchtern drauf. Die ganzen Schulden. Die fehlenden Sponsoren. Angeblich schlechtere Möglichkeiten als in Mainz. Und unglaublich viele Manager, Berater, Direktoren, externe Partner und Geschäftsführer. Und das alles in der zweiten Liga? Ist das nicht ein bißchen viel, lieber Herr Berti? Und sogar die Zuschauer sollen dran schuld sein, aber der Vorstand nicht? Wie realistisch ist das denn alles? Ich meine wir sprechen hier vom Verein Fritz Walters. Der Mannschaft von Briegel und Brehme, von Kadlec und Kuntz, von Kuka und Marschall, von Wolfram Wuttke und Miroslav Klose. Von Horst Eckel, Werner Kohlmeyer, Ottmar Walter und Werner Liebrich, der FCK hat Bundesliga- und Fußballgeschichte geschrieben. Über viele Jahrzehnte hinweg immer wieder. Titel gewonnen. Rekorde aufgestellt die bis heute unerreicht sind. Legendäre Momente beschert. Da haben Menschen immer alles für den Erfolg gegeben. Und Trainer an der Seitenlinie gestanden wie Kalli Feldkamp oder Otto Rehagel. Das ist eine Marke. Eine echte Hausnummer. Die könnten sich doch nie über so lange Zeit mit der zweiten Liga zufrieden geben. Ehrlich, glauben Sie mir bitte. Das kann gar nicht passieren, da würden sich doch allein die Mitglieder wehren. Wenn der FCK hinfällt dann steht er immer wieder auf. Egal wie sehr der Sturz auch geschmerzt haben mag. Lieber Herr Berti, dass wissen Sie doch im Grunde Ihres Herzens auch. Ich meine das ist ja nicht irgendein Verein. Das ist der FCK. Vertrauen Sie mir. Nehmen Sie bitte einfach Ihre Tabletten. Dann kommt das alles wieder in Ordnung."
Klingt einleuchtend. Ich schlucke die bunten Dinger und augenblicklich wird mir warm ums Herz. Gott sei Dank! Ich glaub ich flieg dem Bahli hinterher. Der weiß Bescheid - und war auch schon einmal hier.
Gruß Berti
Auf der Couch liegen ein paar Schreiberlinge die schon lange den Verstand verloren haben. Aus therapeutischen Gründen lässt man die Patienten an jedem Freitag und an allen anderen Pflichtspieltagen bis 12:00 Uhr ihr Geschreibsel veröffentlichen. Das alles passiert unter einem imaginären Titel. Bitte haben Sie Mitleid mit den Betroffenen und drücken Sie den Wertungsbutton um die Heilung zu befördern. Danke.
DIE VERMESSUNG DER WELT
von Bertikoks
Ach ihr seids. Ich möchte euch bitten heute wirklich leise zu sein. Bahli hat es irgendwie geschafft mich für eine Pressekonferenz beim FCK zu akkreditieren. Ich erwarte sensationelle Neuigkeiten. Vielleicht wird ja Lucien Favre der neue Trainer. Oder Klopp! Ich bin so gespannt und das fühlt sich irgendwie komisch an. Na vielleicht habe ich auch was falsches gegessen. Ruhe jetzt! Da kommen die hohen Herren. Ich will nicht gleich auf meiner ersten Pressekonferenz unangenehm auffallen. Jetzt geht es los!
"Willkommen liebe Kollegen hier zur Pressekonferenz des FCK. Schön, dass sie alle gekommen sind, wir haben wichtige Neuigkeiten für Sie. Ich übergebe zu diesem Zweck an unseren Aufsichtsratsvorsitzenden. Bitte, Herr Professor, sie haben das Wort."
"Ja vielen Dank auch. Also ich muss da wohl etwas ausholen. In letzter Zeit wurden vermehrt haltlose Ideen in der Öffentlichkeit verbreitet die unterstellen sollten, dass wir nicht das Optimum herausholen aus diesem Verein. Deshalb haben wir heute auch einen Vertreter der sogenannten 'Couchingzonze' eingeladen. Die nörgeln am meisten. Und vor allem völlig haltlos. Nicht wahr Herr Berti?"
Oh mein Gott ist das peinlich! Das hat mir der Bahli natürlich nicht gesagt bevor er mit unseren Sponsorengeldern ins Flugzeug nach Mallorca gestiegen ist. Hat bloß einen Riesenaufstand gemacht, dass wir auch endlich mal auf eine PK dürfen und angedeutet, dass das eine besondere Ehre ist und die Redaktion einhellig der Meinung gewesen sei, diese Freude solle ganz allein mir zustehen. Na klar, hätte ich mir ja denken können. Ich spüre kalten Schweiß auf meiner Stirn. Ich muss jetzt irgendetwas sagen. Mein Gott was sag ich denn nur? "Also ich hatte mir nur gedacht, dass .... vielleicht die zweite Bundesliga ... nicht unbedingt..." höre ich mich stammeln.
"Natürlich." Unterbricht mich der Professor. "Ihr gefährliches Halbwissen würde uns ja gar nicht weiter stören, wenn nicht jeder ***** mittels Internet andere ***** en finden könnte, die diesen selbsterdachten Unsinn auch noch glauben. Da hilft auch der penetrante Verweis auf ihre Mitgliedsnummer nicht. Tatsache ist, der FCK hat sich erfolgreich unter den 'Top 30' etabliert - und das können sogar Sie nicht leugnen, Herr Berti!"
Äh nein, dass kann ich wirklich nicht, denke ich im Stillen und beschließe besser zu schweigen. Nachdem der Auftakt schon etwas suboptimal verlaufen ist, will ich nicht noch einmal im Mittelpunkt stehen. Deshalb bin ich umso erschrockener als ich jemand mit meiner eigenen Stimme sagen höre: "Ich hatte nur gedacht, dass die zweite Liga..." weiter komme ich nicht und mir wird etwas blümerant.
"Das ist das Problem. Sie denken zuviel Herr Berti! Es ist mir übrigens völlig unverständlich, warum Sie den Umstand, dass der FCK aufgrund einer unerklärlichen Laune des Universums kurzzeitig mal in der ersten Liga gespielt hat, immer so betonen müssen und daraus auch noch Zielsetzungen ableiten wollen. Das schadet dem Verein Herr Berti!"
Die Blicke richten sich erneut auf mich und diesmal schweige ich tatsächlich, während vor meinem geistigen Auge Bilder von einer Menschenmenge erscheinen, die im Müngersdorfer Stadion friedlich und überglücklich das Spielfeld stürmt. Na, ein wenig schwindelig ist mir inzwischen auch. Stimmt irgendwas mit mir nicht?
"Sie können mir glauben, ich und der Vorstand, wir holen die letzten Reserven aus diesem Verein heraus." fährt der Professor fort und ein kleines Männchen mit zwei ausgeprägten Hörnern auf der Stirn, welches Dank meiner überbordenden Phantasie plötzlich auf meiner Schulter sitzt, kugelt sich vor lachen und brüllt: "Das glaube ich gerne! Die letzten Reserven!" Lästiger Gedanke. Nachdem ich mich versichert habe, dass nur ich meinen eingebildeten Teufel hören kann, wische ich mir den Schweiß ab, zwinge das Trugbild zu verschwinden und konzentriere mich wieder aufs Podium. Dort heißt es gerade:
"... liegt der Fehler klar in der Vergangenheit. Durch eine dreiste Überschätzung unserer Möglichkeiten haben unsere Vorgänger in ihrer maßlosen Arroganz die Abmessungen des Spielfeldes des Fritz Walter Stadions verändert. Und sich in dieser Sache ausgerechnet am FC Bayern orientiert. Dabei ist allseits bekannt, dass nur richtig gute Spieler mit diesen Maßen klarkommen. Und richtig gute Spieler habe ich in den letzten Jahren hier nur sehr selten gesehen. Deshalb sind wir übereingekommen, dass dieser Fehler unsere Gegner ungewollt bevorteilt."
Ich bin sprachlos. Die Kollegen sind es offenbar nicht, richtige Profis im Gegensatz zu mir. "Herr Professor! Herr Professor! Was heißt das jetzt? Was wollen Sie machen?" ruft ein Herr der mir irgendwie bekannt vorkommt. Mir fällt auf, dass niemand den Professor beim Namen nennt. Wie heißt der noch gleich? Irgendwas mit Rom? Oder war das in Rom? Ich bin ganz durcheinander und kann mich gar nicht mehr richtig konzentrieren.
"Das ist eine gute Frage. Aber ich habe natürlich auch eine Antwort. Ich habe immer eine Antwort. Wir bauen das Stadion um und stellen die alten Maße wieder her. Bezahlen muss das die Stadt Kaiserslautern. Die wollte den Verein ja. Irgendwie. Dann muss sie jetzt auch in die Bresche springen. Natürlich können Sie nicht erwarten, dass die Mannschaft schon gegen Nürnberg dieses Handicap wegstecken kann. Aber wenigstens wissen wir jetzt woran es liegt. Von weiteren Fragen bitte ich abzusehen."
Die Entourage erhebt sich und verlässt den Raum. Ich bin immer noch etwas irritiert und frage einen der umstehenden Reporter was ich nun damit anfangen soll. "Bist wohl nicht sehr oft hier." stellt der lapidar fest. Ich schüttele den Kopf. "Das war das erste Mal. Und was soll ich jetzt schreiben?" füge ich an. "Was Du schreibst weiß ich nicht. Aber wir titeln morgen 'Problem beim FCK offensichtlich!'", dreht sich um und geht. Ohne ein Wort des Abschieds.
Das kann doch alles gar nicht wahr sein. "Herr Professor, Herr Professor!" rufe ich aufgeregt und höre meine eigene Stimme auf einmal mit einem satten Echo. Dann sacken meine Beine weg. Der Professor ist wieder da und trägt plötzlich einen Kittel. Blütenweiß ist der. Und er spricht mit sanfter Stimme. "Herr Berti! Regen Sie sich nicht auf. Es kommt alles in Ordnung. Sie müssen raus aus Ihrer Scheinwelt. Der FCK spielt natürlich in der ersten Liga. Sie müssen nur Ihre Tabletten nehmen, dann wird das schon wieder. Was Sie sich da alles ausgedacht haben ist schon ein ganz schöner Horror, lieber Herr Berti. Seien sie sich sicher. Der FCK würde niemals in der zweiten Liga spielen und das dann auch noch als Erfolg verkaufen. Ihnen muss doch klar sein wie absurd Ihre Wahnvorstellung eigentlich ist."
"Aber die Top 25, 30, 40... vier Jahre zweite Liga am Stück! Die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte in der ersten Liga! Die fehlenden Möglichkeiten! Der Klotz am Bein! Occean! Drazan! Paderborn! Ingolstadt! Braunschweig! Fürth! Sogar Darmstadt!" meine Stimme klingt immer verzweifelter und ich merke wie sie bricht. Ich wimmere noch ein wenig und unter Zittern fühle ich die Tränen in meinen Augen aufsteigen.
"Beruhigen Sie sich bitte, Herr Berti. Schauen wir doch mal ganz nüchtern drauf. Die ganzen Schulden. Die fehlenden Sponsoren. Angeblich schlechtere Möglichkeiten als in Mainz. Und unglaublich viele Manager, Berater, Direktoren, externe Partner und Geschäftsführer. Und das alles in der zweiten Liga? Ist das nicht ein bißchen viel, lieber Herr Berti? Und sogar die Zuschauer sollen dran schuld sein, aber der Vorstand nicht? Wie realistisch ist das denn alles? Ich meine wir sprechen hier vom Verein Fritz Walters. Der Mannschaft von Briegel und Brehme, von Kadlec und Kuntz, von Kuka und Marschall, von Wolfram Wuttke und Miroslav Klose. Von Horst Eckel, Werner Kohlmeyer, Ottmar Walter und Werner Liebrich, der FCK hat Bundesliga- und Fußballgeschichte geschrieben. Über viele Jahrzehnte hinweg immer wieder. Titel gewonnen. Rekorde aufgestellt die bis heute unerreicht sind. Legendäre Momente beschert. Da haben Menschen immer alles für den Erfolg gegeben. Und Trainer an der Seitenlinie gestanden wie Kalli Feldkamp oder Otto Rehagel. Das ist eine Marke. Eine echte Hausnummer. Die könnten sich doch nie über so lange Zeit mit der zweiten Liga zufrieden geben. Ehrlich, glauben Sie mir bitte. Das kann gar nicht passieren, da würden sich doch allein die Mitglieder wehren. Wenn der FCK hinfällt dann steht er immer wieder auf. Egal wie sehr der Sturz auch geschmerzt haben mag. Lieber Herr Berti, dass wissen Sie doch im Grunde Ihres Herzens auch. Ich meine das ist ja nicht irgendein Verein. Das ist der FCK. Vertrauen Sie mir. Nehmen Sie bitte einfach Ihre Tabletten. Dann kommt das alles wieder in Ordnung."
Klingt einleuchtend. Ich schlucke die bunten Dinger und augenblicklich wird mir warm ums Herz. Gott sei Dank! Ich glaub ich flieg dem Bahli hinterher. Der weiß Bescheid - und war auch schon einmal hier.
Gruß Berti
Auf der Couch liegen ein paar Schreiberlinge die schon lange den Verstand verloren haben. Aus therapeutischen Gründen lässt man die Patienten an jedem Freitag und an allen anderen Pflichtspieltagen bis 12:00 Uhr ihr Geschreibsel veröffentlichen. Das alles passiert unter einem imaginären Titel. Bitte haben Sie Mitleid mit den Betroffenen und drücken Sie den Wertungsbutton um die Heilung zu befördern. Danke.
21.09.2015 - 22:26 Uhr
In diesem Fall empfehle ich tatsächlich die blaue Pille, nicht die rote.
Beste Grüße
Lullaby
Beste Grüße
Lullaby
22.09.2015 - 08:13 Uhr
Einer flog über's Kuckucksnest... ach nee, über den Betzenberg.
Berti, das kommt davon, wenn man sich so in die Sache hineinsteigert. Eigentlich sollte der FCK für psychische Probleme seiner Fans haftbar sein, ist er aber nicht, deshalb kann ich Dir als Balsam auf die Gehirnwunden nur ein dickes Lob für das Couching aussprechen. Glaube mir: "Alles wird gut." Vielleicht nicht so gut wie das Couching, aber mindestens TOP 30 gut.
Berti, das kommt davon, wenn man sich so in die Sache hineinsteigert. Eigentlich sollte der FCK für psychische Probleme seiner Fans haftbar sein, ist er aber nicht, deshalb kann ich Dir als Balsam auf die Gehirnwunden nur ein dickes Lob für das Couching aussprechen. Glaube mir: "Alles wird gut." Vielleicht nicht so gut wie das Couching, aber mindestens TOP 30 gut.
22.09.2015 - 10:20 Uhr
Geil, Berti auf Drogen ... bitte mehr davon ... aber geh' ruhig NOCH mehr aus dir raus ...
Cheers
Bahli
Cheers
Bahli
22.09.2015 - 11:15 Uhr
Fear and Loathing am Betzenberg!
Oder doch einfach nur ein Fehler in der Matrix?
Auf jeden Fall ein super Couching! Danke Berti.
Oder doch einfach nur ein Fehler in der Matrix?
Auf jeden Fall ein super Couching! Danke Berti.
22.09.2015 - 12:17 Uhr
Naked Brunch, oder: Berti Dies at the End
Ein Couching aus der Serie "Assoziationen leicht gemacht". Well done, Berti, well done!
Ein Couching aus der Serie "Assoziationen leicht gemacht". Well done, Berti, well done!
25.09.2015 - 09:32 Uhr
Jahrgang 6 - Ausgabe 10
Die Maxply-Schwermetalldonner-Konferenz
Von Bahli
Was spendet dir Trost, wenn dir dein Fußballverein keinen Trost mehr spenden kann? Wenn du dich quasi wegen der Trostlosigkeit, in der dein Verein steckt, andersweitig trösten musst. Klar, deine Ehefrau tröstet dich - das gehört zu ihren Kernkompetenzen: "Was hängst du auch an so einem Verliererverein!" - der Trost haut dich aus den Schuhen. Mein Kopf fängt an zu hämmern. Das beste Zeichen, dass dort oben intensiv nachgedacht wird. Kommt der FCK - mein FCK - bei Menschen, die mit Fußball eigentlich nicht viel am Hut haben, so rüber - als Verliererverein? Oben hämmert es weiter. Ich finde keine Argumente, die diesem vernichtenden Terminus etwas entgegensetzen. Das ist brutal frustrierend. Ich denke weiter - Ebbe. Ich bin kurz davor, aus dem Fenster zu springen. Doch - HÄMMER - da ist etwas. Da sind - HÄMMER - große Gefühle. Schon weit hinten in meinem Kopf - HÄMMER - sind warme Erinnerungen. Die Achtziger - HÄMMER, die Neunziger - HÄMMER. In meinem Kopf hat der Vorschlaghammer die Oberhand gewonnen. Erinnerungen - alles wird gut ...
Ich krame in meinem Hirn. Der Weg ist beschwerlich. Vorne ist zu viel aktueller Kram. Ich muss weiter nach hinten. Ins Archiv. Mich durchwühlen. Bingo, da hinten - Archive 1978-1988 und 1989-1999 - da zirkuliert der Staub. Da brodelt die Hirnsubstanz. Volltreffer, da liegen Brachialemotionen, Wochenenderdbeben und Ganzkörpergänsehaut. Und da liegt mein alter Maxply. Das Bild setzt sich zusammen. Mein Dunlop Maxply mit dem hölzernen Stiel und dem weißen Lack an der Rundung. Eine Streitaxt in der Faust jedes Tennisspielers, der in den siebziger Jahren mit dem weißen Sport begonnen hat. Eine Rakete. Josè Luis Clerc, Phil Dent und Balazs Taroczy haben ihn gespielt. Und ich. Aber viel wichtiger als beim Tennis war sein Einsatz Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger bei "Heute im Stadion". Die Alten werden sich erinnern, jeden Samstag ab 15:05 Uhr stieg der Blutdruck. Radio an. Natürlich SWF1. Je näher der Anstoß rückte, desto schneller schlug der Puls. Wenn etwas den Namen "Kultsendung" verdient, dann "Heute im Stadion". Ich scheiß auf Sport1 und seinen "Bitburger Fantalk". Das ist Kinderfasching im Vergleich zum Schwermetalldonner von "Heute im Stadion".
Zurück ins Archiv, zurück zum Maxply. Sobald es heißt "Fragen wir unseren Reporter Wolfgang Fritschmann auf dem Betzenberg", greife ich zu meinem Holzschläger und entlocke ihm das erste Riff - "krääängg". Meine Nerven kämpfen sich durch diese erste Zwei-Minuten-Reportage. Fritschmann erzählt vom Abtasten der beiden Kontrahenten - "krääängg". "Zurück ins Sendezentrum", ich hole mir etwas zu trinken. Das Warten auf das nächste Stimmungsbild lässt meine Finger irre Bewegungen tänzeln. Währenddessen erzählt Edgar Endres, dass sich die Bayern schwer tun. Günther Koch schwadroniert aus Nürnberg über die fehlende Bindung seiner Clubberer zum Spiel. Dann geht es in den Westen. Sabine Töpperwien gibt einen ersten Stimmungsbericht aus dem Ulrich-Haberland-Stadion, im Westfalenstadion zelebriert Manni Breuckmann den Führungstreffer der Borussia, während sich Wilfried Mohren im Müngersdorfer Stadion mit dem FC langweilt. Wo bleibt Wolle Fritschmann? Meine schwitzenden Finger entlocken dem Maxply ein weiteres "krääängg". Kurz vor vier - Werbung, Nachrichten, Wetter, Verkehr. Es ist zum Kotzen. Jeden Samstag die gleiche störende Litanei. Nervös? Ich?
Ich hänge mit meinen Lippen am Radio. Der Maxply wiegt schwer in meiner Hand. Von Wolfgang Fritschmann gibt es keine Neuigkeiten, immer noch 0:0 auf dem Betzenberg. Dortmund führt bereits 2:0, Manni Breuckmanns Stimme zittert vor Erregung. Günther Koch leidet wie ein Hund vor der Wursttheke. Der Club liegt hinten. Gleich ist Halbzeit, Fritschmanns Analyse lässt hoffen. Der FCK ist überlegen, aber vor dem Tor zu ungeduldig. Halbzeit. 15 Minuten runterfahren. Ich nehme den Maxply und hämmere zu Saxons "Heavy Metal Thunder" ein "krääängg", "krääängg", "krääängg" in die Saiten und gröle: "Pull your head back, Hold your hands high, Shake your body, And it's too loud, And you put them up fill your heads, With heavy metal thunder, Heavy metal thunder" ...
Apropos "Heavy Metal Thunder". Wie einen Donnerschlag knüppelt der SWF-Moderator ein "Elfmeter in Kaiserslautern" in sein Mikro. Fritschmann präzisiert: "Elfmeter für die Gastmannschaft!" Und das kurz nach Wiederanpfiff. Was für eine Scheiße - "krääängg". Die Stimmung auf dem Berg rutscht schlagartig in den Keller. Wolfgang Fritschmann tut sich schwer, die Ausführung des Elfmeters objektiv zu schildern. Die Gäste führen. Zurück ins Sendezentrum - "krääängg". Ich fühle mich plötzlich leer, noch eine halbe Stunde. Manni Breuckmann wird nervös. Seine Borussia hat den Anschlusstreffer kassiert. Ansonsten nichts Nennenswertes. Gleich startet die Konferenz. Günter Koch schnappt sich eine Wurst, der Club gleicht aus. Alleine die Ankündigung der Konferenz erhöht meinen Pulsschlag. Ich umklammere den Maxply. Gleich geht es los. Noch eine kurze Musikeinblendung - "Sun Of Jamaica" von der Goombay Dance Band. Dann noch "Funkytown" von Lipps Inc. Sie quälen mich. "Pull your head back, Hold your hands high, Shake your body", ich entspanne mich. Mein Maxply muss eine Pete-Townshend-Windmühle über sich ergehen lassen.
Und dann geht es los. Manni Breuckmann beginnt - laber, laber. "Weiter zu Wilfried Mohren" - laber, laber. "Ich übergebe an Sabine Töpperwien"" - laber, laber. Und dann - endlich - haut man mir die emotionale Keule über den Schädel - "TOOOOOR auf dem Betzenberg!", Wolfgang Fritschmanns Stimme überschlägt sich, der Berg explodiert. Ich stürme durchs Zimmer, falle auf die Knie und improvisiere ein Jimi-Hendrix-Purple-Haze-Gedächtnis-Solo. Ich kann irgendwie heraushören, dass der Ausgleich nach einem Eckball gefallen ist. Fritschmanns Mikrophon versagt, die Zuschauer übertönen alles. Günther Koch rettet ihn. Die Clubberer führen. BR-Mann Koch redet sich in wilde Ekstase. Und weiter geht es nach Leverkusen, Ulrich Haberland ist eingeschlafen und Sabine Töpperwien versucht ihn zu wecken. Chancenlos, die Null bleibt gleichmäßig verteilt. "TOOOOR in" - ich erzittere kurz - "Dortmund". Manni Breuckmann schildert die Entscheidung im Westfalenstadion. Wilfried Mohren erwacht kurz aus seiner Lethargie. Keine Tore in Müngersdorf. Nicht alles glänzt beim WDR. Ich schaue auf die Uhr - 17:13 Uhr. Die Zeit wird knapp - "krääängg", meine Schreibtischlampe mutiert zum Mikrophon: "Fill your heads with heavy metal thunder" ...
Den Endspurt läutet Edgar Endres mit seinen Bayern ein. Die führen 3:0 - interessiert mich nicht die Bohne. Wolfgang Fritschmann schmettert ein erregtes "offener Schlagabtausch" in den Äther. Meine Hände sind schweißnass und lassen sich nicht mehr kontrollieren. Ich luftlöchere kurz ein paar Rückhände zur Beruhigung, dann Schläger drehen - "krääängg". Warum rast der Sekundenzeiger eigentlich nie, wenn der FCK führt? Rhetorische Frage - "krääängg". Schlusspfiff im Westfalenstadion. Manni Breuckmann hadert mit der Chancenverwertung. Jammern auf höchstem Niveau. Schlusspfiff in Müngersdorf, Schlusspfiff in Leverkusen. Mohren und Töpperwien gähnen ein kurzes Fazit. Schluss in München und Schluss in Nürnberg. Endres und Koch feiern. Ich will gerade auf balladeske Entspannung mit "Dust in the Wind" wechseln, da passiert es. Wie eine Peitsche auf nackte Haut knallt Wolfgang Fritschmanns Tremolo ein "TOOOOOOOOR in Kaiserslautern, TOOOOOOR für den FCK!". Sämtliche Elektrizität in meinem Hirn jagt in die Emotionszentrale. Mein Maxply vibriert. "JAAAAAAAAAAAAA", dann noch ein "JAAAAAAA". Und noch ein "JAAAAAAAA" hinterher. Ich eiere im Angus-Young-Walk Richtung Fenster, reiße es auf - "JAAAAAAAAAAA". Dann falle ich erschöpft zu Boden.
Auf SWF1 läuft mittlerweile "Another Brick In The Wall (Part II)": "We don't need no education, We dont need no thought control, No dark sarcasm in the classroom, Teachers leave them kids alone, Hey! Teachers! Leave them kids alone!", Roger Waters Stimme klingt tief und beruhigend. Ich entspanne mich langsam, hole endlich wieder kontrolliert Luft. Mein FCK hat gewonnen. Was für ein Kraftakt! Wolfgang Fritschmann, mein Maxply und ich haben einmal mehr einen Samstag gerettet - "krääängg". Ich singe - immer noch maximal erregt - in die Schreibtischlampe: "In the heat of the night, When you're fists are alight, Touching temples of steel, And your body's on fire, About to expire, But you don't feel the pressure of pain" ...
Zurück ins Couchingzentrum
Bahli
Auch auf der Couch wird die Musik härter. Schnelle Riffs gepaart mit albernen Texten und ein paar Bier erhöhen die Kreativität. Zur Feier des Tages gibt es zusätzlich ein paar morsche Maxplys:
Berti: Get your motor runnin', Head out on the highway ("krääängg")
laudere: Looking for adventure ("krääängg")
But: In whatever comes our way ("krääängg")
Kohlmeyer: Yeah, darlin', Gonna make it happen ("krääängg")
running-man: Take the world in a love embrace ("krääängg")
Vic: Fire all of your guns at once, And explode into space ("krääängg")
Bahli: I like smoke and lightnin', Heavy metal thunder ("krääängg")
Newtrial: Racing in the wind, And the feeling that I'm under ("krääängg")
(Und alle zusammen):
Yeah, darlin'
Gonna make it happen
Take the world in a love embrace
Fire all of your guns at once
And explode into space
Like a true nature's child
We were born
Born to be wild
We can climb so high
I never wanna die
Born to be wild
Born to be wild
("krääängg")
Für den Fall, dass jemand von der Couch rechtzeitig seine Stimme wiederfindet, könnte die nächste Kolumne am kommenden Freitag irgendwann gegen die Mittagszeit in den Äther gegrölt werden.
Die Maxply-Schwermetalldonner-Konferenz
Von Bahli
Was spendet dir Trost, wenn dir dein Fußballverein keinen Trost mehr spenden kann? Wenn du dich quasi wegen der Trostlosigkeit, in der dein Verein steckt, andersweitig trösten musst. Klar, deine Ehefrau tröstet dich - das gehört zu ihren Kernkompetenzen: "Was hängst du auch an so einem Verliererverein!" - der Trost haut dich aus den Schuhen. Mein Kopf fängt an zu hämmern. Das beste Zeichen, dass dort oben intensiv nachgedacht wird. Kommt der FCK - mein FCK - bei Menschen, die mit Fußball eigentlich nicht viel am Hut haben, so rüber - als Verliererverein? Oben hämmert es weiter. Ich finde keine Argumente, die diesem vernichtenden Terminus etwas entgegensetzen. Das ist brutal frustrierend. Ich denke weiter - Ebbe. Ich bin kurz davor, aus dem Fenster zu springen. Doch - HÄMMER - da ist etwas. Da sind - HÄMMER - große Gefühle. Schon weit hinten in meinem Kopf - HÄMMER - sind warme Erinnerungen. Die Achtziger - HÄMMER, die Neunziger - HÄMMER. In meinem Kopf hat der Vorschlaghammer die Oberhand gewonnen. Erinnerungen - alles wird gut ...
Ich krame in meinem Hirn. Der Weg ist beschwerlich. Vorne ist zu viel aktueller Kram. Ich muss weiter nach hinten. Ins Archiv. Mich durchwühlen. Bingo, da hinten - Archive 1978-1988 und 1989-1999 - da zirkuliert der Staub. Da brodelt die Hirnsubstanz. Volltreffer, da liegen Brachialemotionen, Wochenenderdbeben und Ganzkörpergänsehaut. Und da liegt mein alter Maxply. Das Bild setzt sich zusammen. Mein Dunlop Maxply mit dem hölzernen Stiel und dem weißen Lack an der Rundung. Eine Streitaxt in der Faust jedes Tennisspielers, der in den siebziger Jahren mit dem weißen Sport begonnen hat. Eine Rakete. Josè Luis Clerc, Phil Dent und Balazs Taroczy haben ihn gespielt. Und ich. Aber viel wichtiger als beim Tennis war sein Einsatz Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger bei "Heute im Stadion". Die Alten werden sich erinnern, jeden Samstag ab 15:05 Uhr stieg der Blutdruck. Radio an. Natürlich SWF1. Je näher der Anstoß rückte, desto schneller schlug der Puls. Wenn etwas den Namen "Kultsendung" verdient, dann "Heute im Stadion". Ich scheiß auf Sport1 und seinen "Bitburger Fantalk". Das ist Kinderfasching im Vergleich zum Schwermetalldonner von "Heute im Stadion".
Zurück ins Archiv, zurück zum Maxply. Sobald es heißt "Fragen wir unseren Reporter Wolfgang Fritschmann auf dem Betzenberg", greife ich zu meinem Holzschläger und entlocke ihm das erste Riff - "krääängg". Meine Nerven kämpfen sich durch diese erste Zwei-Minuten-Reportage. Fritschmann erzählt vom Abtasten der beiden Kontrahenten - "krääängg". "Zurück ins Sendezentrum", ich hole mir etwas zu trinken. Das Warten auf das nächste Stimmungsbild lässt meine Finger irre Bewegungen tänzeln. Währenddessen erzählt Edgar Endres, dass sich die Bayern schwer tun. Günther Koch schwadroniert aus Nürnberg über die fehlende Bindung seiner Clubberer zum Spiel. Dann geht es in den Westen. Sabine Töpperwien gibt einen ersten Stimmungsbericht aus dem Ulrich-Haberland-Stadion, im Westfalenstadion zelebriert Manni Breuckmann den Führungstreffer der Borussia, während sich Wilfried Mohren im Müngersdorfer Stadion mit dem FC langweilt. Wo bleibt Wolle Fritschmann? Meine schwitzenden Finger entlocken dem Maxply ein weiteres "krääängg". Kurz vor vier - Werbung, Nachrichten, Wetter, Verkehr. Es ist zum Kotzen. Jeden Samstag die gleiche störende Litanei. Nervös? Ich?
Ich hänge mit meinen Lippen am Radio. Der Maxply wiegt schwer in meiner Hand. Von Wolfgang Fritschmann gibt es keine Neuigkeiten, immer noch 0:0 auf dem Betzenberg. Dortmund führt bereits 2:0, Manni Breuckmanns Stimme zittert vor Erregung. Günther Koch leidet wie ein Hund vor der Wursttheke. Der Club liegt hinten. Gleich ist Halbzeit, Fritschmanns Analyse lässt hoffen. Der FCK ist überlegen, aber vor dem Tor zu ungeduldig. Halbzeit. 15 Minuten runterfahren. Ich nehme den Maxply und hämmere zu Saxons "Heavy Metal Thunder" ein "krääängg", "krääängg", "krääängg" in die Saiten und gröle: "Pull your head back, Hold your hands high, Shake your body, And it's too loud, And you put them up fill your heads, With heavy metal thunder, Heavy metal thunder" ...
Apropos "Heavy Metal Thunder". Wie einen Donnerschlag knüppelt der SWF-Moderator ein "Elfmeter in Kaiserslautern" in sein Mikro. Fritschmann präzisiert: "Elfmeter für die Gastmannschaft!" Und das kurz nach Wiederanpfiff. Was für eine Scheiße - "krääängg". Die Stimmung auf dem Berg rutscht schlagartig in den Keller. Wolfgang Fritschmann tut sich schwer, die Ausführung des Elfmeters objektiv zu schildern. Die Gäste führen. Zurück ins Sendezentrum - "krääängg". Ich fühle mich plötzlich leer, noch eine halbe Stunde. Manni Breuckmann wird nervös. Seine Borussia hat den Anschlusstreffer kassiert. Ansonsten nichts Nennenswertes. Gleich startet die Konferenz. Günter Koch schnappt sich eine Wurst, der Club gleicht aus. Alleine die Ankündigung der Konferenz erhöht meinen Pulsschlag. Ich umklammere den Maxply. Gleich geht es los. Noch eine kurze Musikeinblendung - "Sun Of Jamaica" von der Goombay Dance Band. Dann noch "Funkytown" von Lipps Inc. Sie quälen mich. "Pull your head back, Hold your hands high, Shake your body", ich entspanne mich. Mein Maxply muss eine Pete-Townshend-Windmühle über sich ergehen lassen.
Und dann geht es los. Manni Breuckmann beginnt - laber, laber. "Weiter zu Wilfried Mohren" - laber, laber. "Ich übergebe an Sabine Töpperwien"" - laber, laber. Und dann - endlich - haut man mir die emotionale Keule über den Schädel - "TOOOOOR auf dem Betzenberg!", Wolfgang Fritschmanns Stimme überschlägt sich, der Berg explodiert. Ich stürme durchs Zimmer, falle auf die Knie und improvisiere ein Jimi-Hendrix-Purple-Haze-Gedächtnis-Solo. Ich kann irgendwie heraushören, dass der Ausgleich nach einem Eckball gefallen ist. Fritschmanns Mikrophon versagt, die Zuschauer übertönen alles. Günther Koch rettet ihn. Die Clubberer führen. BR-Mann Koch redet sich in wilde Ekstase. Und weiter geht es nach Leverkusen, Ulrich Haberland ist eingeschlafen und Sabine Töpperwien versucht ihn zu wecken. Chancenlos, die Null bleibt gleichmäßig verteilt. "TOOOOR in" - ich erzittere kurz - "Dortmund". Manni Breuckmann schildert die Entscheidung im Westfalenstadion. Wilfried Mohren erwacht kurz aus seiner Lethargie. Keine Tore in Müngersdorf. Nicht alles glänzt beim WDR. Ich schaue auf die Uhr - 17:13 Uhr. Die Zeit wird knapp - "krääängg", meine Schreibtischlampe mutiert zum Mikrophon: "Fill your heads with heavy metal thunder" ...
Den Endspurt läutet Edgar Endres mit seinen Bayern ein. Die führen 3:0 - interessiert mich nicht die Bohne. Wolfgang Fritschmann schmettert ein erregtes "offener Schlagabtausch" in den Äther. Meine Hände sind schweißnass und lassen sich nicht mehr kontrollieren. Ich luftlöchere kurz ein paar Rückhände zur Beruhigung, dann Schläger drehen - "krääängg". Warum rast der Sekundenzeiger eigentlich nie, wenn der FCK führt? Rhetorische Frage - "krääängg". Schlusspfiff im Westfalenstadion. Manni Breuckmann hadert mit der Chancenverwertung. Jammern auf höchstem Niveau. Schlusspfiff in Müngersdorf, Schlusspfiff in Leverkusen. Mohren und Töpperwien gähnen ein kurzes Fazit. Schluss in München und Schluss in Nürnberg. Endres und Koch feiern. Ich will gerade auf balladeske Entspannung mit "Dust in the Wind" wechseln, da passiert es. Wie eine Peitsche auf nackte Haut knallt Wolfgang Fritschmanns Tremolo ein "TOOOOOOOOR in Kaiserslautern, TOOOOOOR für den FCK!". Sämtliche Elektrizität in meinem Hirn jagt in die Emotionszentrale. Mein Maxply vibriert. "JAAAAAAAAAAAAA", dann noch ein "JAAAAAAA". Und noch ein "JAAAAAAAA" hinterher. Ich eiere im Angus-Young-Walk Richtung Fenster, reiße es auf - "JAAAAAAAAAAA". Dann falle ich erschöpft zu Boden.
Auf SWF1 läuft mittlerweile "Another Brick In The Wall (Part II)": "We don't need no education, We dont need no thought control, No dark sarcasm in the classroom, Teachers leave them kids alone, Hey! Teachers! Leave them kids alone!", Roger Waters Stimme klingt tief und beruhigend. Ich entspanne mich langsam, hole endlich wieder kontrolliert Luft. Mein FCK hat gewonnen. Was für ein Kraftakt! Wolfgang Fritschmann, mein Maxply und ich haben einmal mehr einen Samstag gerettet - "krääängg". Ich singe - immer noch maximal erregt - in die Schreibtischlampe: "In the heat of the night, When you're fists are alight, Touching temples of steel, And your body's on fire, About to expire, But you don't feel the pressure of pain" ...
Zurück ins Couchingzentrum
Bahli
Auch auf der Couch wird die Musik härter. Schnelle Riffs gepaart mit albernen Texten und ein paar Bier erhöhen die Kreativität. Zur Feier des Tages gibt es zusätzlich ein paar morsche Maxplys:
Berti: Get your motor runnin', Head out on the highway ("krääängg")
laudere: Looking for adventure ("krääängg")
But: In whatever comes our way ("krääängg")
Kohlmeyer: Yeah, darlin', Gonna make it happen ("krääängg")
running-man: Take the world in a love embrace ("krääängg")
Vic: Fire all of your guns at once, And explode into space ("krääängg")
Bahli: I like smoke and lightnin', Heavy metal thunder ("krääängg")
Newtrial: Racing in the wind, And the feeling that I'm under ("krääängg")
(Und alle zusammen):
Yeah, darlin'
Gonna make it happen
Take the world in a love embrace
Fire all of your guns at once
And explode into space
Like a true nature's child
We were born
Born to be wild
We can climb so high
I never wanna die
Born to be wild
Born to be wild
("krääängg")
Für den Fall, dass jemand von der Couch rechtzeitig seine Stimme wiederfindet, könnte die nächste Kolumne am kommenden Freitag irgendwann gegen die Mittagszeit in den Äther gegrölt werden.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von bahli77 am 25.09.2015 um 09:40 Uhr bearbeitet
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