Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
23.09.2016 - 14:40 Uhr
Zitat von bahli77
"Tja, als die Fleischtöpfe mit den fetten Brocken hingestellt wurden, saßen wir mit Durchfall auf dem Klo"
"Tja, als die Fleischtöpfe mit den fetten Brocken hingestellt wurden, saßen wir mit Durchfall auf dem Klo"
So viel Wahrheit in einem einzigen, zudem derart profanen Satz!
Mal wieder ein hervorragendes Couching vom Altmeister!
Gruß aus der Pfalz
23.09.2016 - 18:20 Uhr
Zitat von bahli77
Erika schaut der lärmenden Meute hinterher und sinniert: "Tja, als die Fleischtöpfe mit den fetten Brocken hingestellt wurden, saßen wir mit Durchfall auf dem Klo"
Erika schaut der lärmenden Meute hinterher und sinniert: "Tja, als die Fleischtöpfe mit den fetten Brocken hingestellt wurden, saßen wir mit Durchfall auf dem Klo"
Auf diesen Gescheidfallzieher genehmige ich mir eine Weissherbstschorle!
Zitat von bahli77
... der mittelpfälzische Buddhismus im original verschwitzten Fila-Hemd von Björn Borg, die Düsseldorfer Neo-Scholastik im magischen Trikot von Andreas Thiel,
... der mittelpfälzische Buddhismus im original verschwitzten Fila-Hemd von Björn Borg, die Düsseldorfer Neo-Scholastik im magischen Trikot von Andreas Thiel,
Heh, noch ein Düsseldorfer Couchist?
Wer denn? Weiß leider nicht, wer Andreas Thiel und was Neo-Scholastik ist.
Wer bin ich denn in Deinem Tableau? Bitte dringlichst um PN! Ich glaube ja, dass der FCK noch mal richtig groß raus kommt! Der Leuschner wurde gerichtlich abgewatscht, so dass wir nun doch kein Konzern werden müssen. Eine neue Zeitlinie also! Ich sehe in der Glaskugel neue Deutsche Meisterschaften und CL-Erfolge! Jaaa, hab eben schon im Zug mit den Kolleg*innen böse einen gehoben, aber daran liegt das nicht! Wir kommen zurück! Und dann wird sich Sohnemann im Nachhinein schämen, dass er es nicht früher gerafft hat, was der bahli ihm gepredigt hat.
Geiles Couching!
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Newtrial am 23.09.2016 um 18:21 Uhr bearbeitet
24.09.2016 - 09:22 Uhr
@ Butduma:
Tolle metaphorische, ja geradezu lyrische Situationsbeschreibung.
Ich bin erst jetzt mit einem Spieltag Verspätung dazu gekommen, sie zu lesen.
Tolle metaphorische, ja geradezu lyrische Situationsbeschreibung.
Ich bin erst jetzt mit einem Spieltag Verspätung dazu gekommen, sie zu lesen.
24.09.2016 - 09:46 Uhr
Bahli, du alter Omi-Schocker!
Das Coching regt mich zu der Fage an, ob wir FCKler denn wirklich eine aussterbende Spezies sind und ob es vielleicht in 20 Jahren sogar hier bei uns in Kaiserslautern mehr Nullfünf-Fans gibt als FCKler. Anfang der Neunziger gab es ja in Mainz auch mehr FCKler als Nullfünfer. Und wenn es von der Tendenz her so weiter geht, wie in den letzten Jahren... who knows? The times the are a-changing...
Das Coching regt mich zu der Fage an, ob wir FCKler denn wirklich eine aussterbende Spezies sind und ob es vielleicht in 20 Jahren sogar hier bei uns in Kaiserslautern mehr Nullfünf-Fans gibt als FCKler. Anfang der Neunziger gab es ja in Mainz auch mehr FCKler als Nullfünfer. Und wenn es von der Tendenz her so weiter geht, wie in den letzten Jahren... who knows? The times the are a-changing...
27.09.2016 - 13:09 Uhr
@bahli77
Danke für diesen Einblick in den Zeitspiegel.
Was waren das noch für Zeiten?
- als man nur den FCK kannte,
- wo Gerry noch den Bus vorm Tor ersetze, und
- als man seinen Kindern noch sagte:
"SO LANG DU DEI FIIS UNNER MEINE DISCH SCHTREGGSCHT, WERD GESS, WAS DOI MUDDER KOCHT, OBS SCHMECKT ORRE NET. UN E DRIGGO VUN DE BAYERN GEBBTS IN HUNNERT JOHR NET!"
Danke für diesen Einblick in den Zeitspiegel.
Was waren das noch für Zeiten?
- als man nur den FCK kannte,
- wo Gerry noch den Bus vorm Tor ersetze, und
- als man seinen Kindern noch sagte:
"SO LANG DU DEI FIIS UNNER MEINE DISCH SCHTREGGSCHT, WERD GESS, WAS DOI MUDDER KOCHT, OBS SCHMECKT ORRE NET. UN E DRIGGO VUN DE BAYERN GEBBTS IN HUNNERT JOHR NET!"
29.09.2016 - 14:42 Uhr
Bahli, das mit dem Bayern-Trikot tut mir leid. Ebenso mein verspätetes Lesen Deiner Ausführungen zum Ludwishafener-Schwimmbad-Realismus. Das eine ist gut, das andere nicht. Die Antwort findest Du in Dir selbst.
Abgesehen davon, gibt es in der Südpfalz immer noch einige mutige sehr junge Männer, die stolz den FCK auf der Brust tragen. Laut französischem Erziehungshandbuch ist es gerade für Kinder gut, wenn sie nicht immer auf Seiten der Gewinner stehen. Auch verlieren will gelernt sein. Mit dem FCK haben wir einen guten Lehrmeister. Wer weint bekommt ein paar hinter die Oreilles und kein Croissant zum Frühstück.
Abgesehen davon, gibt es in der Südpfalz immer noch einige mutige sehr junge Männer, die stolz den FCK auf der Brust tragen. Laut französischem Erziehungshandbuch ist es gerade für Kinder gut, wenn sie nicht immer auf Seiten der Gewinner stehen. Auch verlieren will gelernt sein. Mit dem FCK haben wir einen guten Lehrmeister. Wer weint bekommt ein paar hinter die Oreilles und kein Croissant zum Frühstück.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Butduma am 29.09.2016 um 14:42 Uhr bearbeitet
29.09.2016 - 22:46 Uhr
Jahrgang 7, Ausgabe 9
MAL EIN PAAR GRUNDLEGENDE WAHRHEITEN ÜBER BIELEFELD, TRAINERNERDS, DIE NERDFEINDLICHE PFALZ UND DAS LEBEN AN SICH
Nein, Fan dieses Vereins zu sein, macht nicht nur Freude. Es bringt auch so manche Qual und Selbstzweifel – und nicht zu vergessen Demütigungen. Eine ganz schlimme ist noch recht frisch: Februar 2012, Coface-Arena, 3:0 führen die Nullfümfer schon zur Halbzeit, Kohlmeyer ist verzweifelt, versucht in der Pause zu flüchten, torkelt aus dem Stadion heraus und auf den Absperrzaun zu, der mit einer Nottür versehen ist, ein Ordner davor, der schon ein Grinsen unterdrückt, als Kohlmeyer auf ihn zugeht.
„Lass mich raus.“
„Das ist aber kein offizieller Ausgang.“
„Egal. Mach mer die Tier uff.“
„Dann kannst du aber nicht mehr rein.“
„Will ich ganz bestimmt nett. Nur raus. Bitte.“
Und der Ordner öffnete die Tür…
Manchmal glaubt Kohlmeyer, dass er heute noch dasteht und hinter ihm hergrinst. Das Spiel endete 4:0 für Mainz, Lautern stieg in dieser Saison ab, seither ist die Welt nicht mehr die gleiche.
In jungen Jahren, Kohlmeyer war noch nicht lange Führerscheininhaber, chauffierte er seine Clique mal zu einem Auswärtsspiel nach Saarbrücken. Der FCS gewann 2:0, zwei Mal Wynalda. Auf dem Heimweg bildeten die Saarländer ein Spalier an der B40 und winkten den abreisenden Pfälzern höhnisch zu.
Demütigend, wie gesagt. Aber in einer einfachen, um nicht zu sagen primitiven Form.
Demütigungen können aber auch viel perfider sein, hinterfotziger.
Zum Beispiel: Wenn Kohlmeyers Verein an einem jungen, talentierten Trainer dran ist, der aber absagt, weil ihm, wie zu vernehmen ist, das Umfeld zu unruhig ist und er fürchtet, nicht in Ruhe arbeiten zu können.
Wie? Das ist an sich noch keine Demütigung?
Okay.
Aber was ist, wenn dieser Trainer dann ausgerechnet… nach… Bielefeld geht?
Bielefeld!
Nein, Kohlmeyer will hier keine Arminia-Fans provozieren, keinen Attraktivitäts- oder Traditionsvereinsschwanzvergleich oder so. Es geht nur darum, mal ein paar grundlegende Wahrheiten über Bielefeld loszuwerden. Das heißt: Gibt es überhaupt eine Wahrheit über Bielefeld? Damit geht es doch schon los…
Bielefeld!
Kohlmeyer erinnert sich noch dunkel an ein Schmähgedicht, das er in jungen Jahren in der „Titanic“ gelesen hat, aber im Netz leider nicht auffindbar ist, es endete mit den Worten: „…drum spar dir doch das viele Geld, komm lieber nicht nach Bielefeld.“ Schon damals hat man vor Bielefeld also gewarnt, weil es irgendwie so… so… ja, was eigentlich war? Eben: gestaltlos.
Die Generation Wontorra der deutschen Sportreporter dichtete später: „Bielefeld gibt Kilometergeld.“ Auch da klingt dieses Bielefeld-Mantra durch: Bielefeld ist ein Ort, der immer fern ist. Sehr fern.
Okay, das waren die Reisen in den neuen Osten für die Kollegen damals auch, aber dort drohten demolierte Dienstwagen, polierte Visagen und noch nicht näher erforschte Geschlechtskrankheiten. Schrecknisse, die Bedrohliches, gleichzeitig aber auch Erregendes hatten, denn vor allem die Geschlechtskrankheiten wollten ja erst einmal eingefangen sein. Zur Reise nach Bielefeld dagegen war nur das anfallende Kilometergeld erwähnenswert, als einziger Trost sozusagen.
In der ganz und gar nicht seriösen Berufsausbildung, die Kohlmeyer später genoss, galt der Grundsatz: Wenn du irgendein beknacktes pseudowissenschaftliches Thema abhandeln und dabei für deine Verhältnisse einigermaßen seriös rüberkommen willst, also zum Beispiel „Brain. ***** ing“, „Metrosexualität“ oder „Packing“, dann lass einen Prof von einer Uni zu Wort kommen, deren Name ziemlich drög klingt, weil drög wirkt immer seriös. Kohlmeyers Profs kamen dann abwechselnd aus Erlangen und, eben, Bielefeld, und Kohlmeyer wird sein Publikum jetzt nicht beleidigen, indem er eine Aussage dazu macht, ob diese Gelehrten überhaupt existierten oder einfach nur frei erfunden waren.
Im Erklären von Internetphänomenen dagegen ist Kohlmeyer nicht so gut, daher wird er auf die so genannte Bielefeld-Verschwörung nicht näher eingehen… Halt nur insofern, als dass die Schelme, die sie sich das einfallen ließen, wohl deshalb Bielefeld wählten, weil es dieses einzigartige Image hat, nämlich gar keines. Ein Ort, der so nichtssagend ist, dass seine Existenz getrost ganz in Abrede gestellt werden kann. Nicht mal als Inbegriff von Provinz wie Kaiserslautern, sondern als so eine Art weißes Rauschen auf der Deutschlandkarte, ein Sehnsuchtsort für Nihilisten. „Bielefeld ist keine Stadt, sondern ein Bewusstseinszustand“, würde ein bekiffter Merian-Autor wahrscheinlich schreiben, schließlich schreiben die sowas ja auch über Salzburg.
Warum also zieht ein junges, aufstrebendes Trainertalent Bielefeld der Pfalz vor, in der bekanntlich „die Mädels besser poppen“, wie Ralf Rangnick mal mutmaßte, der Ralf Rangnick,der bekanntlich alles weiß? Sieht er darin vielleicht so etwas wie eine Prüfung, die er bestehen muss, bevor er sich den wirklich lohnenden Aufgaben stellt – so wie 40 Jahre durch die Wüste latschen, um dann im gelobten Land auf der Couch zu sitzen?
Kohlmeyer hat darüber lange nachgedacht.
Und den Jungen dann damit entschuldigt, dass er halt auch nur ein Nerd ist, und dass die Besten dieser neuen Trainergeneration nun einmal Nerds sein müssen. Das heißt, wahrscheinlich ist seine liebste Freizeitbeschäftigung, weißer Wandfarbe beim Trocknen zuzusehen, und die erste große erotische Phantasie zu Beginn seiner Pubertät betraf Gaby Dohm aus der Schwarzwaldklinik. So einer muss zwangsläufig auch Bielefeld sexy finden, poppende Mädels interessieren den doch gar nicht, obwohl, Kohlmeyer erinnert gerade so einen Lausbubenreim, der da lautet: "Man bu.mst sehr gut für wenig Geld in einem Pu.ff in Bielefeld."
Wie auch immer, Inbegriff von Schönheit ist für den Nerd allenfalls „Spucke auf Asphalt“, doch, im Ernst, das hat David Lynch mal gesagt, und der ist garantiert ein Genie und ein Nerd, also kann es dieser Trainernerd durchaus auch sein. Und halt lieber Trainer in Bielefeld werden wollen als in Kaiserslautern.
Und wir Pfälzer sollten dieses lächerliche Bielefeld-Bashing nun langsam mal sein lassen und uns ans eigene Zumpferl (R.I.P., Manfred Deix) fassen. Die Wahrheit, eine andere halt, ist doch: Wir werden nicht nur für den gemeinen Fußballfan immer weniger attraktiv, sondern auch für den Nerd. Draußen im Land assoziiert man mit der Pfalz keine Fußballmacht mehr, sondern brachliegende Kartoffeläcker, den Gestank von Kuhscheizze und Frauen, die aussehen wie Dieter Rombach.
Und wer jetzt glaubt, gerade diese Dreifaltigkeit könnte einen echten Nerd doch erst recht scharf auf die Pfalz machen, dem sei dieser Denkfehler gleich ausgeredet: Der Nerd mag eines gar nicht, und das ist Natur. Er braucht einen Breitbandanschluss, mit dem er den ganzen Tag gegen Gleichgesinnte Tetris spielen kann, und auch den kann die Pfalz nicht flächendeckend bieten, genauso wenig wie LTE-Netz.
Die Pfalz ist einfach ein durch und durch nerdfeindliches Land, deswegen kriegen wir auch keinen Nerdtrainer.
Vielleicht sollten Gries und Klatt mal die Agentur Jung von Matt einschalten, für die jetzt auch ein gewisser Christoph Metzelder aktiv ist, ohne Designerbrille, dafür aber mit ohne Socken an den italienischen Maßschuhen. Diese superhippen Imagepoliteure haben jetzt gerade der Berliner Hertha pinkfarbene Away-Trikots, knallorangene Trainingsanzüge und „Claims“ verpasst wie „We try. We fail. We win“. Okay, die Hertha-Frösche kotzen, zwar nicht in pink, sondern in grün, aber Kohlmeyer ist sicher: Bald schon wird die Hertha einen neuen Top-Nerdtrainer präsentieren, vielleicht nicht so erfolgreich, dafür aber noch irrer als Thomas Tuchel.
Kohlmeyer empfiehlt: Versuchts doch mal mit Trikots, die so gemustert sind wie früher die Sakkos von Uli Stielike, also übersät mit einfachen geometrischen Mustern wie Kreisen, Dreiecken, Quadraten (Rauten sind schon zu verspielt) – wenn das keine Nerds anlockt, weiß auch Kohlmeyer nicht mehr weiter, und Kohlmeyer weiß fast so viel Rangdick.
Andererseits: Was ist aus Uli Stielike eigentlich geworden? Auf jeden Fall kein großer Trainer. Also war er nur ein Nerd, kein Genie, und ein Nerd ohne Genie ist eigentlich nur ein…
Moment mal… Wo steht eigentlich der Junge, der nicht nach Kaiserslautern wollte, mittlerweile mit seinen Bielefeldern? Ah, ja…
Also, wenn Kohlmeyer sich das recht überlegt: Vielleicht ist das doch keine so gute Idee mit dem Nerdtrainer. Vielleicht ist es gar nicht einmal eine Demütigung, wenn so einer lieber nach Bielefeld geht. Vielleicht sollte Kohlmeyer mal zurücklaufen zu dem Stadion, das jetzt Opel Arena heißt, und gucken, ob immer noch dieser Ordner da steht und hinter ihm hergrinst. Und, falls ja, ihm einfach in die Fre.sse hauen.
Vielleicht sollte Kohlmeyer jetzt auch einfach mal raus auf die Straße gehen und auf den Asphalt spucken. Und dann da solange drauf glotzen, bis er das schön findet. Und dann mal neben sich schauen: Vielleicht steht da ja David Lynch.
Gruß,
Kohlmeyer
Was Kohlmeyer noch auf der Couch zu suchen hat? Um im Bild des geschätzten Users „Ooqbar“ zu bleiben (Danke fürs Kompliment übrigens): Der große römische Trainermaestro Couchino „Cesare“ Bahlini hat mal eben Totti eingewechselt.
MAL EIN PAAR GRUNDLEGENDE WAHRHEITEN ÜBER BIELEFELD, TRAINERNERDS, DIE NERDFEINDLICHE PFALZ UND DAS LEBEN AN SICH
Nein, Fan dieses Vereins zu sein, macht nicht nur Freude. Es bringt auch so manche Qual und Selbstzweifel – und nicht zu vergessen Demütigungen. Eine ganz schlimme ist noch recht frisch: Februar 2012, Coface-Arena, 3:0 führen die Nullfümfer schon zur Halbzeit, Kohlmeyer ist verzweifelt, versucht in der Pause zu flüchten, torkelt aus dem Stadion heraus und auf den Absperrzaun zu, der mit einer Nottür versehen ist, ein Ordner davor, der schon ein Grinsen unterdrückt, als Kohlmeyer auf ihn zugeht.
„Lass mich raus.“
„Das ist aber kein offizieller Ausgang.“
„Egal. Mach mer die Tier uff.“
„Dann kannst du aber nicht mehr rein.“
„Will ich ganz bestimmt nett. Nur raus. Bitte.“
Und der Ordner öffnete die Tür…
Manchmal glaubt Kohlmeyer, dass er heute noch dasteht und hinter ihm hergrinst. Das Spiel endete 4:0 für Mainz, Lautern stieg in dieser Saison ab, seither ist die Welt nicht mehr die gleiche.
In jungen Jahren, Kohlmeyer war noch nicht lange Führerscheininhaber, chauffierte er seine Clique mal zu einem Auswärtsspiel nach Saarbrücken. Der FCS gewann 2:0, zwei Mal Wynalda. Auf dem Heimweg bildeten die Saarländer ein Spalier an der B40 und winkten den abreisenden Pfälzern höhnisch zu.
Demütigend, wie gesagt. Aber in einer einfachen, um nicht zu sagen primitiven Form.
Demütigungen können aber auch viel perfider sein, hinterfotziger.
Zum Beispiel: Wenn Kohlmeyers Verein an einem jungen, talentierten Trainer dran ist, der aber absagt, weil ihm, wie zu vernehmen ist, das Umfeld zu unruhig ist und er fürchtet, nicht in Ruhe arbeiten zu können.
Wie? Das ist an sich noch keine Demütigung?
Okay.
Aber was ist, wenn dieser Trainer dann ausgerechnet… nach… Bielefeld geht?
Bielefeld!
Nein, Kohlmeyer will hier keine Arminia-Fans provozieren, keinen Attraktivitäts- oder Traditionsvereinsschwanzvergleich oder so. Es geht nur darum, mal ein paar grundlegende Wahrheiten über Bielefeld loszuwerden. Das heißt: Gibt es überhaupt eine Wahrheit über Bielefeld? Damit geht es doch schon los…
Bielefeld!
Kohlmeyer erinnert sich noch dunkel an ein Schmähgedicht, das er in jungen Jahren in der „Titanic“ gelesen hat, aber im Netz leider nicht auffindbar ist, es endete mit den Worten: „…drum spar dir doch das viele Geld, komm lieber nicht nach Bielefeld.“ Schon damals hat man vor Bielefeld also gewarnt, weil es irgendwie so… so… ja, was eigentlich war? Eben: gestaltlos.
Die Generation Wontorra der deutschen Sportreporter dichtete später: „Bielefeld gibt Kilometergeld.“ Auch da klingt dieses Bielefeld-Mantra durch: Bielefeld ist ein Ort, der immer fern ist. Sehr fern.
Okay, das waren die Reisen in den neuen Osten für die Kollegen damals auch, aber dort drohten demolierte Dienstwagen, polierte Visagen und noch nicht näher erforschte Geschlechtskrankheiten. Schrecknisse, die Bedrohliches, gleichzeitig aber auch Erregendes hatten, denn vor allem die Geschlechtskrankheiten wollten ja erst einmal eingefangen sein. Zur Reise nach Bielefeld dagegen war nur das anfallende Kilometergeld erwähnenswert, als einziger Trost sozusagen.
In der ganz und gar nicht seriösen Berufsausbildung, die Kohlmeyer später genoss, galt der Grundsatz: Wenn du irgendein beknacktes pseudowissenschaftliches Thema abhandeln und dabei für deine Verhältnisse einigermaßen seriös rüberkommen willst, also zum Beispiel „Brain. ***** ing“, „Metrosexualität“ oder „Packing“, dann lass einen Prof von einer Uni zu Wort kommen, deren Name ziemlich drög klingt, weil drög wirkt immer seriös. Kohlmeyers Profs kamen dann abwechselnd aus Erlangen und, eben, Bielefeld, und Kohlmeyer wird sein Publikum jetzt nicht beleidigen, indem er eine Aussage dazu macht, ob diese Gelehrten überhaupt existierten oder einfach nur frei erfunden waren.
Im Erklären von Internetphänomenen dagegen ist Kohlmeyer nicht so gut, daher wird er auf die so genannte Bielefeld-Verschwörung nicht näher eingehen… Halt nur insofern, als dass die Schelme, die sie sich das einfallen ließen, wohl deshalb Bielefeld wählten, weil es dieses einzigartige Image hat, nämlich gar keines. Ein Ort, der so nichtssagend ist, dass seine Existenz getrost ganz in Abrede gestellt werden kann. Nicht mal als Inbegriff von Provinz wie Kaiserslautern, sondern als so eine Art weißes Rauschen auf der Deutschlandkarte, ein Sehnsuchtsort für Nihilisten. „Bielefeld ist keine Stadt, sondern ein Bewusstseinszustand“, würde ein bekiffter Merian-Autor wahrscheinlich schreiben, schließlich schreiben die sowas ja auch über Salzburg.
Warum also zieht ein junges, aufstrebendes Trainertalent Bielefeld der Pfalz vor, in der bekanntlich „die Mädels besser poppen“, wie Ralf Rangnick mal mutmaßte, der Ralf Rangnick,der bekanntlich alles weiß? Sieht er darin vielleicht so etwas wie eine Prüfung, die er bestehen muss, bevor er sich den wirklich lohnenden Aufgaben stellt – so wie 40 Jahre durch die Wüste latschen, um dann im gelobten Land auf der Couch zu sitzen?
Kohlmeyer hat darüber lange nachgedacht.
Und den Jungen dann damit entschuldigt, dass er halt auch nur ein Nerd ist, und dass die Besten dieser neuen Trainergeneration nun einmal Nerds sein müssen. Das heißt, wahrscheinlich ist seine liebste Freizeitbeschäftigung, weißer Wandfarbe beim Trocknen zuzusehen, und die erste große erotische Phantasie zu Beginn seiner Pubertät betraf Gaby Dohm aus der Schwarzwaldklinik. So einer muss zwangsläufig auch Bielefeld sexy finden, poppende Mädels interessieren den doch gar nicht, obwohl, Kohlmeyer erinnert gerade so einen Lausbubenreim, der da lautet: "Man bu.mst sehr gut für wenig Geld in einem Pu.ff in Bielefeld."
Wie auch immer, Inbegriff von Schönheit ist für den Nerd allenfalls „Spucke auf Asphalt“, doch, im Ernst, das hat David Lynch mal gesagt, und der ist garantiert ein Genie und ein Nerd, also kann es dieser Trainernerd durchaus auch sein. Und halt lieber Trainer in Bielefeld werden wollen als in Kaiserslautern.
Und wir Pfälzer sollten dieses lächerliche Bielefeld-Bashing nun langsam mal sein lassen und uns ans eigene Zumpferl (R.I.P., Manfred Deix) fassen. Die Wahrheit, eine andere halt, ist doch: Wir werden nicht nur für den gemeinen Fußballfan immer weniger attraktiv, sondern auch für den Nerd. Draußen im Land assoziiert man mit der Pfalz keine Fußballmacht mehr, sondern brachliegende Kartoffeläcker, den Gestank von Kuhscheizze und Frauen, die aussehen wie Dieter Rombach.
Und wer jetzt glaubt, gerade diese Dreifaltigkeit könnte einen echten Nerd doch erst recht scharf auf die Pfalz machen, dem sei dieser Denkfehler gleich ausgeredet: Der Nerd mag eines gar nicht, und das ist Natur. Er braucht einen Breitbandanschluss, mit dem er den ganzen Tag gegen Gleichgesinnte Tetris spielen kann, und auch den kann die Pfalz nicht flächendeckend bieten, genauso wenig wie LTE-Netz.
Die Pfalz ist einfach ein durch und durch nerdfeindliches Land, deswegen kriegen wir auch keinen Nerdtrainer.
Vielleicht sollten Gries und Klatt mal die Agentur Jung von Matt einschalten, für die jetzt auch ein gewisser Christoph Metzelder aktiv ist, ohne Designerbrille, dafür aber mit ohne Socken an den italienischen Maßschuhen. Diese superhippen Imagepoliteure haben jetzt gerade der Berliner Hertha pinkfarbene Away-Trikots, knallorangene Trainingsanzüge und „Claims“ verpasst wie „We try. We fail. We win“. Okay, die Hertha-Frösche kotzen, zwar nicht in pink, sondern in grün, aber Kohlmeyer ist sicher: Bald schon wird die Hertha einen neuen Top-Nerdtrainer präsentieren, vielleicht nicht so erfolgreich, dafür aber noch irrer als Thomas Tuchel.
Kohlmeyer empfiehlt: Versuchts doch mal mit Trikots, die so gemustert sind wie früher die Sakkos von Uli Stielike, also übersät mit einfachen geometrischen Mustern wie Kreisen, Dreiecken, Quadraten (Rauten sind schon zu verspielt) – wenn das keine Nerds anlockt, weiß auch Kohlmeyer nicht mehr weiter, und Kohlmeyer weiß fast so viel Rangdick.
Andererseits: Was ist aus Uli Stielike eigentlich geworden? Auf jeden Fall kein großer Trainer. Also war er nur ein Nerd, kein Genie, und ein Nerd ohne Genie ist eigentlich nur ein…
Moment mal… Wo steht eigentlich der Junge, der nicht nach Kaiserslautern wollte, mittlerweile mit seinen Bielefeldern? Ah, ja…
Also, wenn Kohlmeyer sich das recht überlegt: Vielleicht ist das doch keine so gute Idee mit dem Nerdtrainer. Vielleicht ist es gar nicht einmal eine Demütigung, wenn so einer lieber nach Bielefeld geht. Vielleicht sollte Kohlmeyer mal zurücklaufen zu dem Stadion, das jetzt Opel Arena heißt, und gucken, ob immer noch dieser Ordner da steht und hinter ihm hergrinst. Und, falls ja, ihm einfach in die Fre.sse hauen.
Vielleicht sollte Kohlmeyer jetzt auch einfach mal raus auf die Straße gehen und auf den Asphalt spucken. Und dann da solange drauf glotzen, bis er das schön findet. Und dann mal neben sich schauen: Vielleicht steht da ja David Lynch.
Gruß,
Kohlmeyer
Was Kohlmeyer noch auf der Couch zu suchen hat? Um im Bild des geschätzten Users „Ooqbar“ zu bleiben (Danke fürs Kompliment übrigens): Der große römische Trainermaestro Couchino „Cesare“ Bahlini hat mal eben Totti eingewechselt.
30.09.2016 - 07:14 Uhr
Zitat von Kohlmeyer
Auf dem Heimweg bildeten die Saarländer ein Spalier an der B40 und winkten den abreisenden Pfälzern höhnisch zu.
Auf dem Heimweg bildeten die Saarländer ein Spalier an der B40 und winkten den abreisenden Pfälzern höhnisch zu.
Na danke. Gleich mal wieder alle über einen Kamm geschert. Und dann noch den hässlichen, stinkenden, alten Kamm mit nur noch drei Zinken, an denen ein Büschel zottelig-pomadige blauschwarze Sackhaare hängen. Jetzt ertränke ich meinen Frust erstmal mit ner Flasche Maggi und nem Weck mit 800gr Fleischkäsaufschnitt vom Globus. Dunnerkeil!
30.09.2016 - 08:12 Uhr
Absolut lesenswert, allein schon wegen des Rangdick-Scherzes. Oder war das am Ende nur ein profaner Tippfehler?
Beste Grüße
Lullaby
Beste Grüße
Lullaby
30.09.2016 - 08:18 Uhr
Du erwartest ja wohl nicht ernsthaft, dass ich das beantworte...
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