1. FC Kaiserslautern 1. FC Kaiserslautern
deadline-day banner

Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#1891
13.12.2016 - 09:35 Uhr
Er hat in ausgeleuchtet, den Hass! Ein ganz dickes Ding, werter Vic. Hier nimmst Du den Verteidigern von RB und Co. nicht nur den Wind, sondern einen ganzen Sturm aus den Segeln und erdest und gleichzeitig mit Deinem Hinweis zu unserem Hang zur Gemütlich- bzw. Gleichgültigkeit.

•     •     •

SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#1892
16.12.2016 - 09:57 Uhr
Jahrgang 7 – Ausgabe 18


Der Stachel im Fleisch

von Devil till Death


Gibt es etwas schöneres, als das Jahr besinnlich ausklingen zu lassen? Mit Lichtern am Baum, mit einem heißen Glühwein in klirrender Kälte, mit guten Freunden und lieben Verwandten? Und seinem Herzensverein in tabellarisch aussichtsreicher Position und finanziell ausreichend ausgestattet?

Aber ich hasse kitschige Besinnlichkeit. Lichter am Baum sind für mich Energieverschwendung, Glühwein ein Sakrileg und Kälte eine verachtenswerte Klimaerscheinung. Freunde habe ich nicht und von meiner Verwandtschaft wurde ich verstoßen.

Aber ich liebe es, den Verein, der sich meine Person als Maskottchen gewählt hat, immer und immer wieder vor die Glaubensfrage zu stellen und hart zu prüfen. Mit tabellarisch schwierigen Situationen und finanzieller Unsicherheit. Es ist mir zur lieben Gewohnheit geworden; zur Tradition, könnte man sagen.

Jetzt sagt nicht, ihr wusstet das nicht oder hättet es nicht kommen sehen, als ihr eure Seele dem Teufel verkauft habt. Ihr wolltet doch unbedingt mit mir im Bunde sein. Und jetzt heißt es: mitgehangen, mitgefangen. Ich habe euch doch so viel gegeben: Meisterschaften, Spielerlegenden und sportliche Meriten. Dinge, die ihr heute als Tradition bezeichnen könnt. Das ist doch lange Zeit ein Segen gewesen. Und jetzt soll das alles plötzlich ein großer Fluch sein? Weil andere Klubs ohne Probleme sich den neuen Gegebenheiten anpassen und ihr eure Tradition wie eine Monstranz vor euch her tragt und euch nicht mehr davon trennen könnt? Von der Tradition, die ich euch geschenkt habe? Jetzt plötzlich macht ihr es mir zum Vorwurf, dass andere Klubs links und rechts an euch vorbei ziehen, die nie irgendwelche Erfolge vorweisen konnten und deshalb auf keine Tradition Rücksicht nehmen müssen? Die sich statt dessen mit vollem Herzen in die Arme des Kommerz werfen können? In meine Arme.

Teuflisches Spiel, gelle?

Einerseits würdet ihr ja gern mit den Großen am Tisch sitzen, mit und gegen sie spielen, volle Kassen und ein volles Stadion haben. Andererseits wollt ihr nicht aufgeben, was ihr mal erreicht habt, wollt lieber alte Zöpfe pflegen, statt neue Haare auf eurer Glatze wachsen zu lassen. Einerseits spuckt ihr Schwefel nach denen, die Geld und Investoren haben. Andererseits weint ihr darüber, dass ihr jeden Cent zweimal umdrehen müsst. Einerseits wollt ihr bewahren, was ihr mal hattet. Andererseits merkt ihr nicht mal, dass ihr nichts mehr habt, was sich zu bewahren lohnen würde.

Ich bin ein Genie!

Und dann komme ich daher, und werfe euch jedes mal einen neuen Knochen hin. Nur um zu sehen, wie ihr euch weiter selbst zerfleischt. Teufel nochmal, macht das Spaß. Wie zuletzt, als ich euch in der Stunde eurer größten Not einen Retter geschickt habe. Oder zumindest das, was ihr dafür hieltet. Einen, der mit vergangenen Erfolgen gesegnet, vom Geist des großen Bergs beseelt war und der sein Leben und Sterben diesem Verein gewidmet hatte. Und ihr dachtet wirklich, der Himmel schickte ihn zu eurer Rettung … Es versetzt mich geradezu in Ekstase, dass ihr immer noch nicht schnallt, dass alles bei euch zu meinem Amusement geschieht! Dachtet ihr wirklich, ich würde euch so davon kommen lassen? Dass ich keinen Weg fände, euch noch mehr zu knechten, zu prüfen und leiden zu lassen?

Ihr seid Narren!

Und ja, ich habe mich wirklich gut amüsiert! Über die tränenreiche Rettung und das kurze Schnuppern am Erfolg. Über eure erbärmliche Hoffnung, ihr würdet wieder aus meinen Fängen und zurück in die Erfolgsspur finden. Über euer Entsetzen, als ihr merktet, dass die Trauben höher hängen als ihr greifen könnt. Und über euer Geschrei, als ihr vor den Trümmern eures bemitleidenswerten Daseins standet und euch die Augen über die Machenschaften eures Retters aufgingen.

Was habe ich gelacht!

Zu eurem Trost: Ihr steht nicht alleine da. Guckt euch doch mal um. Glaubt ihr etwa, ihr seid die einzigen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben? Im Süden, im Norden, im Osten und im Westen, überall sind eure Leidensgenossen. Oder besser: meine Unterhaltungsobjekte. Dem einen schicke ich den ausländischen Großinvestor, dem anderen den lokalen Mäzenen und dem nächsten einen großen Konzern. Und allen schenke ich Hoffnung. Und dann lasse ich sie leiden.

Die Erfolgreichen? Nein, denen hilft auch kein Fußballgott. Ich verrat euch was: Es gibt keine Götter! Es gibt nur mich! Und die Erfolgreichen haben nicht nur ihre Seele an mich verkauft, die haben mir alles untergeordnet. Die kennen in ihrer Rücksichtslosigkeit keine Skrupel mehr. Deren Erfolgsstreben wird nicht durch so rückständige Gefühlsduseleien wie Moral, Anstand und Tradition gebremst. Immer mehr, immer mehr, immer mehr! Mehr Ruhm, mehr Geld, mehr Macht, mehr Ruhm, mehr Geld, mehr Macht, mehr, mehr, mehr! Ich verrat euch noch was:

Ich hab sie alle in der Hand!

Und sie tun eben das, was für mein Amusement am besten ist: Sie quälen euch! Zu meinem Vergnügen. Der Erfolg von München, Dortmund, Leipzig, Barcelona, Madrid, London, Manchester, Liverpool, Turin, Mailand oder Paris ist der Misserfolg von allen anderen. Ist das nicht herrlich? Zwischendrin lass ich mal einen von euch mit am Tisch sitzen. Aber nicht zu lange. Nur lange genug, dass sie Hunger auf mehr bekommen. Und dann werden sie die Solidarität mit denen aufkünden, mit denen sie die längste Zeit gespielt haben. Weil sie wieder am Tisch der Großen sitzen wollen. Und sie werden deren Erpressungen nicht nur hinnehmen, sie werden sie tatkräftig unterstützen. Weil ich sie glauben lasse, einmal selbst dazu gehören zu dürfen. Wenn sie nur lange genug nach dem Stöckchen hüpfen, das ihnen die Großen hin halten. Das ich ihnen hin halte.

Und es ist mir eine Freude, das zu sehen!

Während die Legion der Abgehängten – also ihr – immer größer wird, lasse ich diejenigen Fett und immer fetter werden, die mir wirklich aus vollem Herzen verfallen sind. Und dazwischen halte ich mir eine kleine, aber feine Bauernarmee am Leben, die Angst davor hat zu werden wie ihr. Und denen ich einen kleinen Funken Hoffnung gebe, so zu werden wie die Großen. Und die sorgen schon dafür, dass ihr weiter leiden werdet und dass die Anderen immer fetter werden können, während sie selbst nie auch nur den Ansatz einer Chance haben werden, zu den Großen aufschließen zu können.

Ich bin der große Corruptor!

Warum erzähle ich euch das überhaupt? Nun, ich bin kein Mensch. Und deshalb habe ich manchmal auch ein Herz. Und ihr seid mir ein bisschen ans Herz gewachsen. Nicht nur, weil ihr die Roten Teufel seid, sondern weil ihr mir über die Jahre so viel Freude gemacht habt. Deshalb will ich euch mit einer frohen Botschaft in die verlogene Weihnachtszeit schicken:

Lasst alle Hoffnung fahren!

Ihr werdet es nicht mehr schaffen. Ihr werdet nie wieder mit den Großen am Tisch sitzen. Ihr werdet nicht mal mehr zu denen gehören, die nach oben buckeln und nach unten treten. Ihr werdet für immer zum Bodensatz im Spucknapf der Fußballgeschichte gehören. Eure Zeit ist vorbei, eure Werte sind überholt, eure Tradition ist lächerlich. Und selbst dann, wenn ihr jetzt, da es längst zu spät ist, von eurer antiquierten Position abrückt und den Weg in die Moderne sucht, ihr werdet den Anschluss nicht mehr finden.

Ich bin der Teufel, ihr könnt mir vertrauen!

_________________________

Auf der Couch sitzen beißwütige Zerberusse und bewachen den Flammen züngelnden Eingang zum Hades. Manche sind noch roh, manche schon durchgegart, manche sind schon zäh und ungenießbar geworden und wieder andere sind bereits verkohlt. Die schmeißen wir dann ins Feuer und vergessen ihre Namen. Freitags aber, da öffnet sich die Pforte der Verdammnis und Worte des Wahnsinns wabern durch den Spalt. Und es gilt nur ein Credo: In the seasons of wither we'll stand and deliver, be strong and laugh and shout at the Devil!

•     •     •

Autoritäre Herrschaft braucht keine Superschurken, die sie von langer Hand planen. Sie ist schlichtweg die bequemste Art, Komplexität zu reduzieren.
•••
Das Leben ist die Schule, der Schmerz ist der Lehrer.
Die Couchingzone |#1893
16.12.2016 - 15:30 Uhr
"Sympathy for the Devil" auf pfälzisch.
Es ist eine hässliche Wahrheit, aber irgendjemand muss sie halt verkünden. grins

•     •     •

"And what can I tell you, my brother, my killer?
What can I possibly say?
I guess that I'll miss you. I guess, I'll forgive you.
I'm glad you stood in my way.
If you ever come by here for Jane or for me -
Well, your enemy's sleeping. And his woman is free.
Yes, and thanks for the trouble you took from her eyes.
I thought it was there for good - so I never tried."
(Leonard Cohen)

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Vic Dorn am 16.12.2016 um 15:30 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1894
17.12.2016 - 14:13 Uhr
Jaja, die Wahrheit. Aber will sie überhaupt jemand hören? Hallo da draußen, hört ihr sie, die unerschütterliche Wahrheit? Wer sie nicht hört, ist selbst schuld.

Devil, ich hasse Wahrheiten! Aber trotzdem danke dafür ... zwinker

Cheers
Bahli

•     •     •

You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#1895
18.12.2016 - 12:51 Uhr
Al Patino im Auftrag des Teufels gewährt Einblick hinter die Kulissen der Gesellschaft der Schatten.

Aber bin da bei @bahli77 : deine "Wahrheit" interessiert mich nicht!
Und außerdem: wer nen Pakt mit dem Teufel abschließen kann, der kann auch eine Rückversicherung bei ner Gott/Allah-Genossenschaft oder einem anderen Dark Knight abschließen.

Besser wäre natürlich, wir roten Teufel werden uns mit dir einig grrr

•     •     •

Nichts ersetzt die Romantik eines Flutlichtspiels im Regen... ...und siegen!!

Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!

Hate the Game, not the Player!

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Hegermeister am 18.12.2016 um 12:51 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1896
27.01.2017 - 03:54 Uhr
----------------------------------------------------
Jahrgang 7 – Ausgabe 19

Schrödingers Mistvieh

von Newtrial und Sheldon Cooper

lich +++ Extended Premium-Mega-Couching mit Bonus-Dossier in kultiger Fan-Steelbox in Deinen Vereinsfarben. Jetzt auf DVD oder Blu-Ray erhältlich +++ Ext
---------------------------------------------------

„Schrödingers Katze“ – eine immer wieder gerne genommene Metapher, mit der man auf Partys und in Internetforen Eindruck zu schinden sucht. Auch und vor allem dann, wenn man keinen Schimmer hat, was sich dahinter eigentlich verbirgt. Irgendwie scheint es sich aber wohl um einen Zustand zwischen Leben und Tod, Baum und Borke – um etwas Unentschiedenes halt – zu handeln. Nicht so, wie ein Unentschieden verlaufendes Spiel nach dem Abpfiff, sondern so, als sei der Spielausgang solange offen, wie keiner hinguckt - sprich: eine "Messung" vornimmt. Somit eine Situation, die angesichts schwindender Zuschauerzahlen beim FCK in nicht allzu ferner Zukunft Realität werden könnte.

Doch zurück auf Anfang: Der Quantenphysiker Erwin Schrödinger wollte mit seinem Katzengleichnis ursprünglich auf ihm unsinnig erscheinende Schlussfolgerungen aus der im Jahr 1935 – wie auch heute noch – herrschenden Interpretation der Quantentheorie hinweisen. Er befand sich damit in guter Gesellschaft: Auch Albert Einstein, selbst ein Mitbegründer dieses Forschungszweigs, wollte mit seinen bis heute einflussreichen Gedankenexperimenten eigentlich darauf hinaus, dass die Quantentheorie unvollständig sei; stattdessen hat er sie ungewollt bestätigt und in seiner jahrzehntelangen Kontroverse mit Niels Bohr eine intellektuelle Niederlage nach der anderen einstecken müssen. Niederlagen allerdings, die lehrreicher und für den Erkenntnisfortschritt produktiver waren, als die meisten „Erfolge“ anderer Wissenschaftler.

Einstein mokierte sich vor allem über die von der Quantentheorie prognostizierten „spukhaften Fernwirkungen“, also über den Befund, dass miteinander korrelierte („verschränkte“) subatomare Teilchen über beliebige Distanzen hinweg ein Gesamtsystem bilden: Misst man einen bestimmten physikalischen Zustand des einen korrelierten Teilchens (z.B. den Elektronenspin), so nimmt das andere Teilchen ohne jede Zeitverzögerung den gleichen (bzw. je nach Experimentalanordnung komplementären) Wert an – egal, wie weit es inzwischen entfernt ist. Da die Quantentheorie zudem besagt, dass die gemessene Eigenschaft erst durch den Messvorgang selbst festgelegt wird (man also gar keinen Sachverhalt misst, der unabhängig von der Messung existiert), stellt sich die Frage, woher das andere Teilchen augenblicklich „weiß“, welchen Wert es annehmen muss, auch wenn es vielleicht gerade am anderen Ende des Universums zu Besuch ist (was übrigens mit einer Wahrscheinlichkeit größer als Null auch der Fall ist). Informationen und kausale Wirkungen werden aber nun mal nur mit maximal Lichtgeschwindigkeit übertragen. Also, so Einstein, musste diese Annahme einer „spukhaften Fernwirkung“ doch wohl Unsinn sein.

Einsteins unordentliche Frisur verdankte sich wohl seinem ständigen Haareraufen über diesen scheinbaren Unsinn: ‚Macht aus diesen Teilchen nicht so eine Welle‘, hätte er seinem Kontrahenten Niels Bohr zurufen mögen. Widerlegen konnte er das Ganze allerdings nie. Heute gehört dies alles zum gesicherten Wissensbestand der Physik. Und noch ein weiteres: "Gott würfelt nicht!", wand der gute Albert ebenso unentwegt wie erfolglos gegen die Annahme ein, dass der wahrscheinlichkeitstheoretische Zugang der Quantentheorie das letzte Wort der Physik zu dieser Sache sein sollte: Die Natur hatte gefälligst kontinuierlich und deterministisch wie ein Uhrwerk zu funktionieren – ohne komisch-unmotivierte „Quantensprünge“! In den darauffolgenden Jahrzehnten aber wurden Einsteins zur Widerlegung konzipierten Gedankenexperimente nach und nach technisch umgesetzt und bekräftigten die ihm so verhasste Theorie dann auch empirisch.

Auch in der Geschichte der Kosmologie gibt es ein schönes Beispiel für derartige Schüsse ins eigene Knie: Der seinerzeit einflussreiche Mathematiker und Astronom Fred Hoyle wollte eine gerade aufgekommene Theorie zur Entstehung des Universums medienöffentlich lächerlich machen, indem er sie in einem Radiointerview als „Big Bang Theory“ etikettierte… der Rest darf als bekannt vorausgesetzt werden. Und: Ohne ihn hätte es den virtuellen Co-Autor dieses Couchings, Sheldon Cooper, dessen Nerd-Freunde, vor allem aber auch die bezaubernde Penny, ihrerseits als Bedienung in der Cheesecake Factory tätig, nie gegeben. Das muss man sich mal reinziehen: Keine Penny?! Einfach komplett unvorstellbar!

Aber wir schweifen ab: Schrödinger beschrieb in seiner grundlos berühmten Metapher (von einem Gedankenexperiment kann man da u.E. nicht sprechen) eine Katze, die in einer verschlossenen, von außen uneinsehbaren Kiste mit einem Behälter sitzt, der sich öffnet und dabei tödliche Blausäure freisetzt, sobald ein ebenfalls in der Kiste befindliches radioaktives Isotop als Auslöser des Öffnungsmechanismus zerfällt. Die Schrödinger suspekte "Kopenhagener Deutung" der Quantentheorie sage voraus, so meinte er, dass das Gesamtsystem mit Katze sich solange in einem Überlagerungszustand aller ihm möglichen Zustände (Fachausdruck: in einer „Superposition“) befinde, wie niemand die Kiste öffne und nachschaue, ob das radioaktive Isotop in der Zwischenzeit zerfallen sei und somit die tödliche Dosis freigesetzt hat – oder halt eben noch nicht. Dazu muss man wissen, dass der radioaktive Zerfallsprozess selbst nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit geschieht, es also aus prinzipiellen Gründen unmöglich ist, präzise vorauszusagen, wann ein einzelnes Isotop zerfällt. Man kann dafür nur Wettquoten angeben, egal ob über bwin, betwin, bet-at-home, betway oder tipico berechnet. Der würfelnde Gott halt wieder!

In der Konsequenz bedeute dies laut Schrödinger (vermutlich mit einem sarkastischen Grinsen auf dem Gesicht, das ganz im Sinne des guten Albert den Unsinn dieser Interpretation bekräftigen wollte): Solange niemand nachsieht (= eine Messung vornimmt), ist auch die Katze als Teil des Kisten-Gift-Isotopen-Systems weder tot noch lebendig. Beide Zustände überlagern einander vielmehr zeitgleich in besagter „Superposition“ und werden mathematisch als „Wahrscheinlichkeitswelle“ beschrieben, nicht als ein lokaler, in Raum und Zeit klar verorteter Zustand, auf den man mit dem Finger zeigen könnte. Auch der Katzenkörper wäre demnach gleichsam auf das ganze Kistensystem verteilt und nicht klar konturiert. Öffnet man die Kiste – nimmt also von außen eine Zustandsmessung des Systems vor – „kollabiert“ die Wellenfunktion augenblicklich und wir erhalten ein eindeutiges Messergebnis mit entweder lebender oder toter Katze.

Das Ganze hätte allerdings eigentlich „Schrödingers Bullshit“ heißen sollen, da die besagten Quanteneffekte für einen aus Billiarden Atomen zusammengesetzten Katzenkörper keine praktische Relevanz haben: Die Katze ist also in jedem alltäglich bedeutsamen Sinne in jedem Moment immer schön brav lokalisiert und entweder eindeutig lebendig oder tot. Deshalb handelt es sich u.E. halt eben auch nicht um ein lehrreiches Gedankenexperiment, sondern um reine Polemik gegen die damals wie heute dominierende "Kopenhagener Deutung" der Quantentheorie von Niels Bohr.

Jedenfalls ist auch heute immer noch nicht endgültig geklärt, wie unsere Alltagswelt mit den Eigenschaften subatomarer Phänomene zusammenhängt – und wie der entsprechende Übergang zwischen den rätselhaft-unanschaulichen Quantenphänomenen und so profanen Alltagsdingen wie Katzen und Fußballvereinen eigentlich genau zu beschreiben wäre. Es gibt dafür mehrere Interpretationsmodelle, unter denen die – wachsenden Zuspruch findende – „Viele Welten-Theorie“ die vielleicht phantastischste darstellt: Jeder in der Superposition repräsentierte mögliche Systemzustand wird demnach in einem eigenen Paralleluniversum tatsächlich auch realisiert: In dem einen Universum ist die Katze beim Öffnen der Kiste (also dem die Superposition abrupt beendenden „Messvorgang“) tot, in dem anderen quicklebendig. Und wir als Beobachter haben halt eben die eine Universum-Abzweigung, anstatt die andere genommen, weshalb uns die Sache eindeutig erscheint. Klingt in der bildhaften Vorstellung geradezu irrsinnig, ist aber theoretisch und mathematisch durchaus schlüssig, ja sogar eine elegante Lösung. Das kann uns aber doch auch ein Trost sein: In einem Paralleluniversum wird der Elfer für den FCK also doch gegeben, geht der Ball von Osawe ins Tor, statt an den Pfosten, und wird die Schwalbe des gegnerischen Stürmers als solche vom Schiri auch erkannt. Das endgültige und hoch verdiente Aus für die „wahre Tabelle“! Allerdings sind WIR in diesem Szenario jene Loser, die ständig die falschen Abzweigungen nehmen, anstatt in einem Universum zu leben, in dem der FCK von CL-Erfolg zu CL-Erfolg schreitet, ohne ständig vom Schiedsrichter verpfiffen zu werden.

Derzeit spekuliert eine wachsende Zahl von Spitzenforschern, dass der Stoff, aus dem Raum und Zeit gewebt sind, aus Superpositionszuständen besteht. Das Fundament des Universums müsste dann als ein Möglichkeitsraum, als Potenzial sich überlagernder Verwirklichungschancen, beschrieben werden, nicht als gigantische Maschinerie. Ganz gemäß der Losung: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel! Verstörend, dass diesen Ansätzen zufolge alle Informationen unseres räumlich dreidimensionalen Universums auf einer unendlich weit von uns entfernten Oberflächenebene in zweidimensionaler Weise (zweit-) kodiert sind. Unser Empfinden, in einem dreidimensionalen Raum zu leben, entstünde somit aus so etwas wie einer holographischen Projektion dieser zweidimensionalen Oberfläche. Das ist in etwa so, als seien Stadion und Spielfeld nur eine Projektion der Sky-Übertragung des Spiels. Liegt die Wahrheit also doch nicht aufm Platz, sondern auf der zweidimensionalen Mattscheibe? Die Fernsehgeld-Debatte deutet in diese Richtung. Die Filmtrilogie „Matrix“ auch. Und die hartnäckigen Zweifel an der Echtheit der Mondlandung… aber lassen wir das, unsere Alu-Hüte sind eh in der Reinigung.

Nein, im Ernst: Das Ganze ist ein reines Modell mit im Hinblick auf unser reales Universum differenten Ausgangsbedingungen und Eigenschaften. Und es wird derzeit vor allem für die Beschreibung Schwarzer Löcher genutzt. Wie weit es unsere reale Raumzeit korrekt beschreibt, wird man sehen. Existiert aber ein Verschränkungscharakter der Raumzeit, so hätte man eine Grundidee, wie Raum und Zeit – und in der Folge Katzen, Foristen und Fußballvereine – aus subatomaren Phänomenen hervorgehen, fachdeutsch: „emergieren“. Und dies mit Konsequenzen für die Vereinsentwicklung, welche wir Aufsichtsrat und Vorstand selbstverständlich umgehend in einem Dossier haben zukommen lassen. Hier ein paar Auszüge:

--------------------------------------
DOSSIER: VON DER SUPERPOSITION ZUR SUPER-ABSCHLUSS-POSITION: RAUMZEIT UND FCK-VEREINSENTWICKLUNG

von Dr. Newtrial und Dr. Dr. Sheldon Cooper (Auszüge)
--------------------------------------

(…) Die verschränkte Raumzeit kann zur besseren Koordinierung der Mannschaftsteile auf dem Spielfeld genutzt werden. Entscheidend sind nicht die Abstände zwischen Abwehr, Mittelfeld und Sturm, sondern das hochkorrelierte Mannschaftsverhalten im Sinne einer augenblicklichen Reaktion aller sich in der jeweiligen Staffelung verschiebenden Spieler. Diese Verschränkungslogik ist als „11 Freunde müsst ihr sein“-Phänomen bekannt: Freundschaft ist schneller als das Licht!


(…) Viele Einflüsse – allen voran der penetrant störende Gegner – führen dazu, dass die Kohärenz eines hochkorrelierten Mannschaftsgefüges nicht über 90 Minuten aufrechterhalten werden kann. Daraus folgt, dass ein in eine Super-Position gelangter Spieler sich aus der Verschränkung mit seinen 10 Freunden lösen muss (in dem er z.B. nicht „uneigennützig“ querlegt), um den Ball ins Tor zu befördern und so eine neue Spielstandsmessung des Schiris zu provozieren. Dies führt zu einem „Kollaps der La Ola-Wellenfunktion“ der gegnerischen Fans und zu einer günstigeren Wellenfunktion (= Siegchance) für den FCK. Die neue Verschränkung zwischen FCK-Mannschaft und Fans wird von Teilchendetektoren dann als „Funke, der vom Spielfeld auf die Ränge überspringt“, gemessen.


(…) Der klare quantentheoretische Befund, dass nichts im Universum determiniert ist, sondern sich alles nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zuträgt, widerlegt den frühkapitalistischen Glaubenssatz „Geld schießt Tore“ ebenso wie die spätkuntzsche Legende vom „Standortnachteil“. Führende Stringtheoretiker wie Leonard Susskind und Juan Maldacena betonen dann auch mit der mutmachenden Formel „Der Ball ist rund, aber bloß eine holographische Projektion“, dass auch der FCK mit einer Wahrscheinlichkeit, die minimal größer als Null ist, irgendwann wieder Tore schießen und punkten wird. Der zweidimensionale Mattscheiben-Fußball-Gott würfelt eben doch!

(…) Der aktuelle Überlagerungszustand des FCK zwischen Regionalliga und Bel Etage kann nur solange aufrechterhalten werden, wie einerseits die DFL keine präzise Finanzmessung vornimmt und andererseits auch den Tabellenstand unbeobachtet lässt. Ein tödlicher Kollaps der Vereinswellenfunktion ist insbesondere durch den Störeinfluss der FAZ-Berichterstattung zu befürchten. Die Vereinsführung sollte daher nicht defensiv auf die Verlängerung des Superpositionszustandes zwischen Leben und Tod des FCK setzen, sondern diesen Zustand selbst aktiv per Einbindung eines finanzstarken Investors zugunsten der Überlebensoption beenden.
-------------------

Soweit die Dossier-Auszüge. Mit diesen bahnbrechenden Empfehlungen zu mehr Zusammenhalt im Mannschaftsgefüge, einer besseren Chancenverwertung, dem Mutmachen und der Investorensuche konnten wir den Nutzen moderner Grundlagenforschung für die vereinsstrategische Ausrichtung des FCK eindrucksvoll belegen – auf all das wären die Blinden am Berg doch nie von selbst gekommen!

Was Norbert Meier angeht, sind wir inzwischen allerdings skeptisch geworden, da er unser Dossier intern als „wirr“ bezeichnet haben soll und verlauten ließ, für so etwas habe er keine Zeit. Wir setzen da auf die Solidarität des Forums und verlangen, dass ihr Nobby einem entsprechenden Shitstorm aussetzt! Zudem hoffen und gehen wir fest davon aus, dass die geneigte Couching-Leserschaft in künftigen Forumsbeiträgen naturwissenschaftlich fundierter über diese Zusammenhänge räsonieren, vor allem aber Schrödingers Mistvieh endlich in seinem versifften Kistengrab verrotten lassen wird.

Was wir stattdessen in den Mittelpunkt der Diskussionen im Forum rücken sollten, ist die Erkenntnis, dass das Universum voller Möglichkeiten steckt und weder Steuer, noch Tod oder der (zugegeben wahrscheinlichere) Niedergang des FCK tatsächlich bereits ausgemacht sind! Gut, in puncto Steuern ist der Bayern-Uli inzwischen anderer Meinung, aber uns haben sie ja trotzdem noch nicht erwischt! Und selbst wenn doch alles den Bach runtergeht – keine Panik auf der Titanic! Denn Freunde: „Hinter dem Ereignishorizont geht’s weiter! Ein neues Paralleluniversum!“ Das mag ein Quantum Trost für uns alle sein! --- „Ach ja, Penny, noch eine Bestellung bitte! Ein Quantum Aberlour 18 Jahre Single Malt Scotch Whisky für Deinen süßen Newtrial! Und Sheldon nimmt eine heiße Schokolade! Danke Penny, ich liebe Dich!“


------------------
Die kürzlich aufgrund des TM-Adblockers-Blockers eingetretene Newtrial-Superposition zwischen Foristen- und Nicht-Foristen-Dasein wurde durch den schmählichen Abbruch des von ihm zuvor großspurig verkündeten TM-Boykotts abrupt beendet. Als fadenscheinigen Grund für seine reumütige Rückkehr ins Forum gab er einen subjektiv gestiegenen Diskussionsbedarf nach dem Korkut-Rücktritt an. Wie die RP erfahren haben will, stimmte in der Folge – nach vorangegangenen beinharten, tagelangen Kontroversen – eine hauchdünne Couchisten-Mehrheit für die Wiederaufnahme des verlorenen Dummbatz-Sohnes in den erlauchten Kreis. Da alle Couch-Abstimmungen vertraulich sind, ist nicht bekannt, welches Einzelvotum Bahli, Butduma, Devil, Hegermeister, Vic Dorn und Werschtche in dieser Frage abgegeben haben. Ein Antrag auf Einzelentlastung der Couchistos bei der nächsten Forums-JHV erscheint daher wenig sinnvoll.

•     •     •

502 Bad Gateway
nginx

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Newtrial am 27.01.2017 um 04:15 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1897
27.01.2017 - 11:58 Uhr
Es gibt zwei Dinge, die Schrödiger per se zum Deppen stempeln:

1. Die Katze lebt, so lange sie schnurrt und miaut. Dies festzustellen, dazu muss man die Kiste nicht öffnen.
2. Wer ein so edles Geschöpf wie eine Katze opfern würde – und sei es auch nur gedanklich – dem gehört das Geschlecht bei lebendigem Leibe verstümmelt.

Und man erlaube mir noch eine dritte, eine allgemeine Bemerkung: Wüsste ich nicht, wie du aussiehst, so müsste ich vermuten, dein Name sei Prof. Harald Lesch.


Großartiges Couching!

•     •     •

Autoritäre Herrschaft braucht keine Superschurken, die sie von langer Hand planen. Sie ist schlichtweg die bequemste Art, Komplexität zu reduzieren.
•••
Das Leben ist die Schule, der Schmerz ist der Lehrer.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Devil_till_Death am 27.01.2017 um 11:59 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1898
27.01.2017 - 13:25 Uhr
Scheiße, ich hasse dieses miese aktuelle Paralleluniversum. Der FCK spielt immer noch/schon wieder/endlich wieder/überraschenderweise zum ersten Mal/warum auch immer in der 2. Liga und diese pseudophilosophische Nörglerbacke von Newtrial ist immer noch/schon wieder/endlich wieder/überraschenderweise zum ersten Mal/warum auch immer auf dieser Couch kreativ tätig ... tongue

Wer sich hin und wieder fragt, warum er in einer komplettbekackten Welt leben muss, in der der FCK in der 2. Liga kicken muss, dem empfehle ich das Buch "Warum Gott doch würfelt: Über 'schizophrene Atome' und andere Merkwürdigkeiten aus der Quantenwelt" von Marcus Chown. Die Welt der Atome widerspricht in vielen Dingen grundlegend unserem "gesunden Menschenverstand". Kann man an zwei Orten gleichzeitig sein? Nein? Doch! Ok, ich bin noch auf der Suche nach dem Ort, an dem der FCK megaerfolgreich ist ... aber sobald ich ihn gefunden habe, könnt ihr bleiben, wo der Pfeffer wächst ... zwinker

Danke, Newtrial, für dieses grandiose physikalische Quantencouching!

Cheers
Bahli

•     •     •

You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#1899
27.01.2017 - 17:34 Uhr
Moooooment mal!
Na klar ist das Universum bereits determiniert.
Ob die olle Katze noch lebt oder nicht, und ob der Ball rein geht oder nicht, und welche Abzweigung genommen wird, das entscheidet immernoch der Weltgeist - bzw. er hat es längst entschieden. Und das sage ich nicht nur, weil Hegel fast mein Namensvetter ist oder mir so viel Ungewissheit sonst Angst machen würde....

•     •     •

Nichts ersetzt die Romantik eines Flutlichtspiels im Regen... ...und siegen!!

Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!

Hate the Game, not the Player!
Die Couchingzone |#1900
28.01.2017 - 08:19 Uhr
Auch wenn ich Quantenmechanik in der fünften Klasse abgewählt habe; das zu lesen war kurzweilig. Der Gegenentwurf zum klassischen sich den Verein schöntrinken.
Und für die Selbstironie im Zusammenhang mit dem tm-adblocker-blocker-gate verzeih' ich Dir auch, dass Menschen die Katzen mögen wissen wie Du aussiehst.

@Devil_till_Death
Wenn das für Dein felines Gemüt zu hart ist, empfehle ich Dir Wigner - der macht das mit einem Mensch.

•     •     •

"Betzi braucht bei seinem Besuch eine Möglichkeit sich umzuziehen und Kaltgetränke" (Anmeldeformular Betzi Buchen)
"You want it darker, Hineni, Hineni, I'm ready, my lord (Leonard Cohen).
"Well, what did you expect in an opera? A happy ending?" (Bugs Bunny)
  Post-Optionen
Den kompletten Thread wirklich löschen?

  Paten-Optionen
Möchtest Du den Beitrag wirklich löschen?
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Lesezeichen
  Abonnierte Threads
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Post-Optionen
Nutze die Thread-Suche, wenn Du diesen Post in einen anderen Thread verschieben möchtest. Drücke Thread erstellen, wenn aus diesem Post ein eigenständiger Thread werden soll.
Widerruf Tracking & Cookies

Du hast erfolgreich deine Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die du zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt hast. Du kannst dich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden. Bitte beachte, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wende dich diesbezüglich an datenschutz@transfermarkt.de.