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Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#331
19.08.2016 - 09:45 Uhr
Jahrgang 7 - Ausgabe 3


They're Leaving Home

Von Bahli


Die Szenerie. Links eine rot-weiß gestreifte Couch, rechts daneben ein komplett überbordender Kühlschrank Marke "Geht nur Bier rein". Irgendjemand - wahrscheinlich laudere - hat wohl in grenzenloser Langeweile versucht, auch diesem Monster einen rot-weißen Anstrich zu verpassen. Mit mäßigem Erfolg. Sitzt man auf der Couch, hat man einen guten Blick auf den Fernseher Marke "Ist nur HD, wenn du deine Brille aufsetzt", der vorne am Fenster steht. Aber da der Blick von der Couch seit Jahren mehr oder weniger nach innen geht, interessiert der Fernseher nur am Rande.

Einige werden sich jetzt wundern, warum sich der Bahli hinstellt und Internas ausplaudert. Und dann auch noch Couchinginternas. Ganz einfach, in Zeiten, in denen jeder weiß, wann die Nachbarin im viel zu kurzen Seidennegligee auf dem Balkon bügelt, der Bäcker in der Nacht beim Backen den zehnten Furz direkt nach dem Brezeldrehen setzt und Fußballfans schon bevor ein Transfergerücht auftaucht, wissen, dass dieses Gerücht ja gar nicht realistisch ist. Da will sich auch der Bahli nicht lumpen lassen und macht ein Selfie von sich und der Couch während er sich das nächste Bier aus dem Kühlschrank greift.

Bahli setzt sich mit dem Bier auf die bis dato noch leere Couch und sinniert. Es muss im Mai des Jahres 2010 gewesen sein, da trafen sich nach dem Spiel gegen den FC Augsburg drei FCK-Fans mit dem Ziel, eine mehr oder weniger gut strukturierte Kolumne irgendwie in ein einigermaßen modernes System zu verfrachten. Sie entschieden sich für ein 4-1-4-1 - vier Kolumnisten, eine Couch, vier Bier und ein Output pro Woche. Viele mögen jetzt denken, total antiquierte Kacke, ein 4-4-2 wäre effektiver gewesen. Für was braucht ihr eine Couch? Und zwei Ergüsse pro Woche ist deutlich nachhaltiger. Aber die Egoisten Bertikoks, Kohlmeyer und bahli77 scherten sich einen Dreck um andere Meinungen und machten sich auf die Suche nach dem vierten Schreiber und einer Einrichtung, die die Kreativität stärkt.

Das wichtigste Inventar - eine Couch und ein Kühlschrank - war schnell angeschafft. Übrigens sollte genau an dieser Stelle angemerkt werden, dass der Begriff "Couchingzone" aus dem Kopp des Kollegen Kohlmeyer stammt. Allerdings will niemand wissen, was man da drin noch so alles findet. Ähnlich geräumig wie Kohlmeyers Speicher stellte sich allerdings auch die Couchingzone dar. Drei Mann auf diesem Riesensofa wirkten wie Klicker im Fünfmeterraum. Aber wie die Jungfrau mit dem Kinde wurde die Couch mit 100 Kubikmeter schillernder Lewwerworschd-Ästhetik in Form des bärigen Butduma belohnt. In der Fußballersprache würde man diesen Umstand in etwa mit dem Satz "Carramba, die chancenversenkende Defensivstürmerzehn will einen Rentenvertrag" umschreiben. Oder aus einer Dreier- wurde eine moderne Viererkette.

Die Couch wuchs mit den Jahren in die Breite - ähnlich wie die, die drauf saßen. Aber wie im realen Fußball auch, wurde die Couch zum beruflichen Sprungbrett. Das Zweikampfmonster wechselte nach Luxemburg, um einen perfekt dotierten Ehevertrag zu unterschreiben. Bei running-man vereinbarten beide Seiten Stillschweigen, als aber das Gehalt durchsickerte, schwieg man vor lauter Erstaunen wirklich still. Nur um laudere ranken sich wilde Gerüchte, er hätte die argentinische Staatsbürgerschaft angenommen und würde nun den Vatikan auf den Kopf stellen. Und das alles nur, weil er damals dem Fußballgott in die Fresse gehauen hat. Gut, jeder wie er mag. Die Couch war und ist weltoffen, ein wenig sinister aber jederzeit tolerant.

Danach stießen Newtrial, Vic Dorn und Devil_till_Death zum Team. Und ja verdammt, die Leere, die die oben genannten Abgänge hinterließen, wurde vollgestopft mit neuen Ideen, neuen Wegen und durchaus kuriosen Selbstversuchen - man erinnere sich an rebellierende Stammhirne, den kastrierten Pisa-Boy oder den Gelegenheitsdjango, der zu den Reichen und Schönen gehören wollte. Was Bahli damit sagen will, die Couch dampfte quasi in neuem Saft.

Doch dann zu Beginn der Saison 2016/17 kamen die Hiobsbotschaften, die die Couch in ihren Grundfesten erschütterte. Dass Couchisten irgendwann und irgendwie die Zeit fehlte, zur Unterhaltung der Forumsmannschaft beizutragen, war zwar traurig, aber irgendwie verständlich. Dass aber jemand der Urbesatzung die Couch verlässt, war dann doch eine wirklich schwer zu verdauende Botschaft. Und das auch noch in doppelter Hinsicht. Und Bahli will jetzt nicht lange um den dicken heißen Brei herumstottern, sondern an dieser Stelle den wirklich außerordentlich geschätzten Kollegen Bertikoks und Kohlmeyer mit auf den Weg geben: Jungs, was ihr hier jahrelang zum Besten gegeben habt, war nicht nur schwer unterhaltsam, das war stellenweise auch richtig brillant. Ihr zwei werdet der Couch richtig fehlen! Und dem Bahli zum Kuckuck werden da auch schnell die Augen feucht, wenn er diese zwei leeren Stellen auf der Couch sieht, wo einstmals große FCK-Geister saßen und ein Bier nach dem anderen kippten.

Die auf ein Quintett reduzierte Couchbesatzung musste natürlich reagieren und darf sich auch schon über den ersten Neuzugang freuen. In der Hinrunde wird der Kollege Hegermeister mit auf der Couch Platz nehmen und sein Couchingdebüt geben. Und vielleicht findet sich auf der Couch dann auch wieder eine mahnende und offene Stimme, wie Berti eine war. Wenn wir Glück haben, darf der Ex-Hoffenheimer und jetzige Bullensheriff Ralle auch wieder einmal ein dröhnendes "F.ick dich, Rangnick!" an seine Birne gedroschen bekommen. Der Bahli ist sich übrigens sicher, dass Ralf Rangnick ein begeisterter Couchingleser wäre, wenn man dort nur ein bisschen sachlicher und fairer mit seiner Person umgehen würde.

Und wie es der Zufall will, hat der Bahli 1967 (also kurz nach seiner Geburt) einen Song geschrieben, der das, was fast 50 Jahre später passiert, quasi vorwegnahm. Für alle, die es interessiert, der Song stammt von seinem Hitalbum "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band":

Wednesday morning at five o'clock
As the day begins
Silently closing the living room door
Leaving the note that they hoped would say more

They go down the stairs to the kitchen
Clutching the handkerchiefs
Quietly turning the backdoor key
Stepping outside, they are free

They're ... (we gave her most of our lives)
Leaving (sacrified most of our lives)
Home (we gave them everything money could buy)

Vic snores as Devil gets into his dressing gown
Picks up the letter that's lying there
Standing alone at the top of the stairs
Butduma breaks down and cries to Newtrial
Friends, our babies are gone.
Why would they treat us so thoughtlessly?
How could they do this to us?

They're (we never thought of ourselves)
Leaving (never a thought for ourselves)
Home (we struggled hard all our lives to get by)
They are leaving home, after living the couch, for so many years

Friday morning, at nine o'clock
They are far away
Waiting to keep the appointments they made
Greeting a man from the Motortrade

They're (what did we do that was wrong)
Having (we didn't know it was wrong)
Fun (fun is the one thing that money can't buy)

Something inside, that was always denied
for so many years
They're leaving home



Der Bahli weiß sehr wohl, dass dieses Couching sicherlich nicht für jeden das darstellt, was er von einem Freitagscouching erwartet. Doch war es ihm sehr sehr wichtig, die beiden langjährigen Mitcouchisten Berti und Kohlmeyer hier angemessen zu verabschieden. Fußball wird natürlich auch weiterhin gespielt, wenn auch "nur" im Pokal an diesem Wochenende. Trotzdem darf man als FCK-Fan gespannt sein, wie sich Kaiserslautern im dritten Saisonspiel präsentiert.


Cheers
Bahli


Auf der Couch sitzen, heißt Bier trinken, Musik hören und kreativ sein. Ab sofort übernehmen Butduma, Devil_till_Death, Hegermeister, Newtrial, Vic Dorn und Bahli diese Aufgaben. Und wie gewohnt wird sich freitags einer finden, der der einen feuchtfröhlichen Couchingfurz in den Äther bläst ...

Übrigens hat Kollege Kohlmeyer zwar keine Couch mehr, dafür einen spektakulären Hochsitz, mit dem er den Berg im Auge behält. Wer immer Lust hat, sollte beim FCK-Blogwart unter www.fck-blogwart.de vorbeischauen.

•     •     •

You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)

Dieser Beitrag wurde zuletzt von bahli77 am 19.08.2016 um 09:45 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#332
26.08.2016 - 23:53 Uhr
Jahrgang 7 – Ausgabe 4

DAS GLÜCK, DER KITSCH, DAS MANTRA UND DIE TOBSUCHT

von Vic Dorn

Der See unten im Tal funkelt wie ein Hort von Perlen im Lichtgewand der Sonne. Es ist August. Beglückender, berauschender August. Ich blicke hinunter auf ein landschaftliches Panorama von Gebirgszügen, die majestätisch alles überragen. Ich blicke auf vorgelagerte Hügel mit ultradunkelgrünen Fichten, die betörende Botschaften von Freiheit und friedlichem Verweilen flüstern. Da möchte man doch glatt die eigene Körperlichkeit gegen ein Gewand aus entmaterialisierter Schemenhaftigkeit austauschen und dann rasch und elegant auf schwerelosen Schwingen dem Horizont entgegeneilen.

Eine kleine Meise kichert gerade wohlbehütet im sanften grünen Schutz des Baldachins, den ihr ein Ahorn-Baum bereitet. „Wer möchte da nicht auch ein Vöglein sein?“ fragt die Seele und gibt ihrem Schmachten eine Stimme, indem sie einem befreiten Seufzer gestattet, die eigentlich geschossenen Lippen des Mundes zu durchdringen. Loslassen, alles loslassen. Loslassen ist plötzlich so einfach, wenn man es endlich nicht mehr versucht, sondern es einfach geschehen läßt… Es funktioniert ja von allein… welch magische Erkenntnis!

Es ist August. Beglückender, berauschender… - Ach so, das hatten wir gerade schon? Aber na und, was soll’s! Durch die versehentliche Wiederholung wird der August auch nicht weniger augustig als er ist. Das Gefühl, in den sicheren Hafen des Urlaubs eingefahren zu sein, liegt wie ein verheißungsvolles Prickeln auf der Brust und macht alles offen und weit, was zuvor asthmatisch, beklommen und eng gewesen ist. Die Welt, die sich sonst allzu oft als Geröll-Gemisch aus heimtückischen Laternenpfählen und Stolpersteinen präsentiert, zerfließt zu einem tänzelnden, pulsierenden Pastell-Panorama. Warm, weich, freundlich und ausgestattet mit der Güte aller Götter, Gottessöhne und göttlichen Jungfrauen umschmeichelt sie die Sinne.

Jahaaa, Freunde des gepflegten Couchings! Ihr habt es schon gemerkt, nicht wahr? Heute liefere ich euch endlich den versprochenen Kitsch, mit dem ich euch seit Monaten schon drohe. Heute gibt es kein Entrinnen! Und mir ist egal, ob ihr das kacke findet. Ich suhle mich in eurem Stöhnen.

Eine kleine Meise kichert wohlbehütet im sanften grünen Schutz des Baldachins, den ihr ein Ahorn-Baum bereitet. – Wie? Was für ein profaner Einwand dringt hier in diesem Augenblick an mein völlig tiefenentspanntes Ohr? Ich hätte diesen schwülstigen Satz gerade oben erst geschrieben? Jahaaa, aber Freunde der Sonne und des Pfälzer Rumpelfußballs, es ist doch nicht meine Schuld, dass just in diesem Augenblick tatsächlich eine zweite kleine Meise den Baldachin des Ahornbaumes angesteuert hat und ihr kicheriges Zwitschern mit dem Zwitschern der bereits hier sesshaft gewordenen anderen Meise vermengt. Also entspannt euch. Vic kann ja schließlich nichts dafür, dass ihr Loser keinen Urlaub habt. Echt jetzt.

Der sich ankündigende Abend haucht mir gerade den süßen Atem seiner sanften Brise ins Gesicht. Ach, flöge doch jetzt bloß ein nicht minder süßes… äh… herbes Bier gleitend wie ein Drachenflieger auf den Wogen dieser Brise wie ein Geschenk des Himmels zwischen meine Lippen! Alles ist dieser Moment. Wirklich alles. Die ganze Welt, alle ihre Erscheinungen und Verstrickungen sind nur noch reduziert auf dieses Hier und Jetzt, auf diesen freudvollen, pulsierenden, intensiven Moment. Die Vergangenheit und ihre teils traumatischen Verstrickungen sind verschwunden; der Gully der Zeit hat sie sich rülpsend einverleibt. Verreckt doch einfach irgendwo da unten in der Kloake der beschissenen Erinnerungen, ihr Sorgen und ihr Nöte! Und die Zukunft? Sie scheint unter diesem azurblauen Himmelsgewölbe und auf der Bettstatt des frisch gemähten Rasens mit seinen liebevoll kitzelnden Halmen alle ihre zornigen Schrecken zu verlieren. Die Zukunft ist…

…. heiß und intensiv wie eine Sauna
…. verheißungsvoll wie die hässlichste silberne Salatschüssel der Welt
…. lebendig wie ein Puff zur Stoßzeit
…. und lebenswert wie ein 5:0 gegen eine Spielgemeinschaft aus Bayern München, Hoppenpoppelheim und HasenStallsport Leipzig.

Ich erhebe mich mit der gebotenen Entspanntheit und Langsamkeit von meiner seidig-grünen Bettstatt und laufe ein paar Schritte an der malerischen Kalksteinmauer entlang. Weise und beglückend klingt noch immer diese zeitlos junge und dennoch so liebkosend väterliche Stimme des Lamas im Hohlraum hinter meinen Augen und zwischen meinen Ohren:
„Dauerhaftes Glück kannst du nur gewinnen, wenn du all deine Erwartungen und Begierden abstreifst. Versuche nicht, die Dinge und die Menschen festzuhalten, die dir glückliche Momente schenken. Verstehe, dass du – so wie du bist – den Schlüssel zum dauerhaften Glücklichsein schon in dir trägst.“

Mittlerweile habe ich den Meditationsraum betreten. Ich stehe vor der großen goldenen Buddha-Statue und lächele ihr schüchtern ins Gesicht. „Du hast recht, Buddha“, räume ich etwas verlegen ein. Das melodisch-rhythmische Raunen von Mantra-Silben wabert dabei als mystische Sound-Wirbel umher und füllt wie der geflüsterte Schrei eines Löwen jeden Winkel der zum Meditationsraum umgebauten Scheune aus.
„In der Ruhe des eigenen Geistes liegt die Kraft“, flüstert der goldene Buddha zurück. Und er muss es wissen. Nirvana ist ja schließlich keine nervige und gähnend öde Kaffeefahrt.

Zwei Stunden und 1420 gemurmelte Mantras später trete ich ins Freie. Im Samt des schwarzen Nachthimmels tagt eine Konferenz der Sterne. Jeder einzelne von ihnen gibt mir das Gefühl, mein Vater und mein Mentor zu sein, und dass er da ist, um mich zu behüten, wann immer die Mühlsteine des Lebens die Dreistigkeit besitzen sollten, an meinen Nervenbahnen rumzusägen. Nebenan im gigantisch großen weißen Gastronomie-Zelt sabotieren fröhliche und von Glückseligkeit gestählte Stimmen wie ein sinfonisches Orchester jeglichen Versuch der Nacht, einen freudlosen Schleier aus Stille und Schweigen über das Terrain zu werfen. So klingen nur Menschen, die die ungepantschte Essenz des Lebens in sich aufgesogen haben. Diese Positivität! Die biegt dir deine Mundwinkel immer hoch, egal wie motzig die Fresse ist, die du eigentlich gerade gerne ziehen würdest. So klingen nur Menschen, die verstanden haben, dass jeder Augenblick, den wir erleben, uns mit dem Potential ausstattet, uns im Dotter des Glücks festzubeißen und dann auch nicht mehr Anstoß dran zu nehmen, wenn irgendeine fette Henne uns mitsamt dem Ei, in dem wir sitzen, durch den A.r.s.c.h raus presst, bis wir im Schlamm gelandet sind.

Und genauso sind die Menschen eben, die hier oben auf diesem fast schon verboten schönen Hofgut oberhalb des Großen Alpsees zu Gast sind. Buddhisten sind sie, diese Menschen. Und das Hofgut ist das Buddhistische Europazentrum. Und Vic ist beinahe jeden Sommer ein paar Tage hier zu Gast. Er meditiert, er hört sich die Vorträge der Lamas an, er bewundert die prachtvollen Buddha-Statuen und die imposanten farbenfrohen tibetischen Roben. Er unternimmt den Versuch, freudvoll und entspannt im Augenblick zu verweilen und sich nicht mehr wie ein herumhüpfender Affe im Lianengeflecht seiner Gedanken zu verirren und zu erschöpfen. Vic ist nämlich auch Buddhist. Seit über zehn Jahren schon. Vermutlich hat er es in diesem Forum bisher noch nie erwähnt… - Warum eigentlich nicht?

Eben hat Vic das gigantisch große weiße Zelt betreten und an der Biertheke ein halbes Dutzend entspannte Buddhisten forsch beiseite geschoben, um schneller an den Gerstensaft zu gelangen. Vic hat nämlich längst kapiert, dass das freudvolle Verweilen im aktuellen Augenblick viel besser funktioniert, wenn man die Energiebahnen seines Körpers durch etwas Alkoholgehalt im Blut entspannt. Das Experiment funktioniert auch dieses Mal, und spätestens nach dem vierten Bier ist Vic endgültig überzeugt, dass die im letzten Satz aufgestellte Behauptung tatsächlich Wahrheit und allerhöchste Weisheit ist. Vic trifft viele alte und liebgewonnene Freunde auf seinen Expeditionen durch die Menschenmassen des großen weißen Zelts. Viele Buddhisten kommen nämlich Jahr für Jahr hierher ins bayerische Alpenvorland, und so liegt es in der Natur der Sache, dass man sich längst gegenseitig kennt. Becky zum Beispiel. Der ist auch Buddhist. Und Fan von der Wormatia. Nicht so sehr Fan vom FCK. Aber gut informiert über die jüngsten fußballerischen Ergebnisergüsse der momentan recht hornlos umhertorkelnden roten Teufel ist er eigentlich immer.

Becky, vier Bier in der Birne begrüßt also sehr herzlich seinen Freund Vic, auch vier Bier in der Birne, und fragt dann: „Was war denn heute nur mit deinen Roten Teufeln los?“
„Was soll denn los sein?“ fragt Vic tiefenentspannt und vollgetankt mit dem Glück des Augenblicks. „Nicht viel, so lange noch Sommerpause ist.“
„Sommerpause?“ ruft Becky und lacht mir mild ironisch ins Gesicht. „Ja, in der Sommerpause waren sie heut Abend scheinbar wirklich noch, deine Roten Teufel. 4:0 verloren haben sie gerade, gegen Hannover 96. Und das auch noch daheim.“

Er prostet Vic zu, nicht ahnend, dass in Vics Hirn gerade ein glühendes Feuerrad Fahrt aufgenommen hat. Verweilen im Glück des Augenblicks. Froh sein. Entspannt sein. Meditieren. Meisen beim Zwitschern zu hören. Dabei ein Bierchen zwitschern. Verschmelzen mit dem Horizont. Verschmelzen mit den Mantras, die bei der Meditation gesprochen werden. Alles ist eins. Alles ist Glückseligkeit. Alles ist leuchtende Freude, frei von allem, was beengt und unsere Brust einschnürt. Alles ist gut, bloß weil es geschieht. Alles ist….

WAS ZUR HÖLLE IST DAS DENN FÜR EINE SCHEISSE???!
HALLO??? VIER ZU NULL VERLOREN! UND DAS AUCH NOCH ZU HAUSE!!!
SAGT MAL, IHR VERSAGER, IHR FLITZPIEPEN, GEHT’S NOCH??? IHR HABT SIE WOHL NICHT MEHR ALLE AM CHRISTBÄUMCHEN? WAS IST DAS DENN FÜR EIN ABGEFAGGTER START IN DIE SAISON…?

Ich schöpfe Atem. Ich versuche, zur Ruhe zu kommen. Ich blicke um mich. Entspannte Gesichter, die nur noch teilentspannt sind, blicken zu Hauf in mein sicher völlig unentspanntes Gesicht hinein. Auch die kraftvollen, fröhlichen Stimmen sind verstummt.

Ich muss die Worte von vorhin laut ausgesprochen haben.

Eben noch entspannt im Hier und Jetzt.
Jetzt schon wieder der frustrierte und entnervte Fan.
Die bittere Erkenntnis dieses Abends ist wohl…
… nein, nicht dass der FCK nicht Fußball spielen kann. Das ist seit Jahr und Tag bekannt.
Die Erkenntnis ist: Ein Fußballfan kann kein Buddhist sein.
Der Fan ist nämlich geboren, um zu leiden.
Buddhisten sind geboren, um glücklich zu sein.
Wie soll das funktionieren? Wie soll man das in Einklang bringen?

Kann mir jemand von euch erklären, warum das so ist mit dem Fußball, vor allem mit dem FCK? Gerne per PN. Nur ernstgemeinte Zuschriften bitte. Ich würde nämlich gerne Buddhist bleiben, aber so lange ich mein Heil in den Vucurs, Zieglers, Mwenes und Pichs dieser Welt suche, scheint mir jedes noch so gut gemeinte Mantra vergebliche Liebesmüh zu sein…



Auf der Couch kann man immer sehr gut üben, wie Buddhismus funktioniert. Alles ist im Fluss, ein stetes Kommen und Gehen. Gestern noch die Legenden Bertikoks und Kohlmeyer, heute schon die Küken Vic, Newtrial, Devil_till_Death und Hegermeister – und nur die ollen Sitzfleisch-Dinos Bahli und Butduma haben (zum Glück) noch nicht gemerkt, dass man nicht klammern und festhalten soll.

•     •     •

"And what can I tell you, my brother, my killer?
What can I possibly say?
I guess that I'll miss you. I guess, I'll forgive you.
I'm glad you stood in my way.
If you ever come by here for Jane or for me -
Well, your enemy's sleeping. And his woman is free.
Yes, and thanks for the trouble you took from her eyes.
I thought it was there for good - so I never tried."
(Leonard Cohen)

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Vic Dorn am 26.08.2016 um 23:56 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#333
27.08.2016 - 12:58 Uhr
Vic, Du hast mit Deinem Couching den Vogel... die Meise abgeschossen, wobei man sich ernsthaft fragen muss, wer hier die Meise hat und ob sie vielleicht eher im Kopfe als unterm dünkelgrünen Baldachin das Betze-Lied trällert. Auf jeden Fall sind deine Worte und Satzbauten romanverdächtig, ich überlegte gar wo Du das abgeschrieben hast, Du alte Rosamunde Pilcher! grins

"Lichgewand der Sonne", "grüner Schutz des Baldachins", "süßer Atem der sanften Brise" oder "Laternenpfahl"... bei so einer Wortwahl wird mir blümerant, ja gar der Schweiß der geistigen Entzückung ronn mir übers erhitzte Rückgrad. Nur mit dem wohlduftenden Nektar der bräunlich im Kerzenlicht schimmernden Bohnen der afrikanischen Hochebenen konnte ich dieser wasserfallhaften Wortgewalt emotionalen Widerstand leisten, Du alter Riewenickel.

Nur ein Tipp am Rande: Bei übermäßigen Blähungen besser nicht einfach loslassen...

Ansonsten ein Top-Couching! Wirklich dufte!

•     •     •

SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Butduma am 27.08.2016 um 12:59 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#334
09.09.2016 - 10:42 Uhr
Jahrgang 7 – Ausgabe 5

DER KRISCHER UND DAS PATENSCHWEIN

von Devil till Death



Bei diesem Spencer/Hill-mäßigen Titel erwartet ihr bestimmt irgendeinen prosaisch angehauchten Unfug von mir. Irgendwas mit Revolverhelden, Privatdetektiven oder irgendwelchen mondsüchtigen Spinnern. Und ich geb‘ ja zu, dass ich mir Gedanken gemacht hab, so was in der Richtung zu Papier zu bringen. Aber irgendwie steht mir nicht der Sinn danach. Das Glantaler Patenschwein hat ganz andere Probleme. Andere Nöte. Andere Sorgen. Denn es hat einen Lieblingsverein.

Angefangen hat alles damit, dass Newtrial in jedem x-beliebigen Thread mit der Drehzahlmessernadel am roten Bereich schrammend unterwegs gewesen ist. Panikmodus on the fly, sozusagen. Und das, wo er der neuen Führung doch ausdrücklich Kredit einräumen wollte, er mit der Wahl des neuen Sportdirektors außerordentlich zufrieden gewesen ist, er neue Kompetenz in die Büros auf der Geschäftsstelle einziehen sah.

Und dann sah das Patenschwein andere User, die in Newtrials Klagegesang einstimmten. Die sich von Vorbereitungsspielen beunruhigt und von drei Pflichtspielen erschüttert sahen. User, die voller Ungeduld Neuverpflichtungen forderten, besser gestern als heute. Die lieber einen Rückfall in alte Panikkauf-Zeiten gesehen hätten als noch einen Tag länger die langersehnte Vollzugsmeldung abzuwarten. Und das Patenschwein saß ratlos vor seinem Trog und fragte sich, woher diese Gefühlslage denn käme.

Jetzt müsst ihr euch erst mal in die Gedankenwelt eines kleinen Patenschweins versetzen: Es kennt keine größere Freude, als sich nach einem nahrhaften Frühstück aus Küchenabfällen genüsslich in seinem Schlammloch zu suhlen und danach noch mit dem Rüssel den Acker umzupflügen. Es weiß nichts von Schlachthöfen, von Laboren, von Tiertransporten. Die Zeit ist sein Freund, denn jede neue Minute ist eine Minute mehr des Fressens, Suhlens und Pflügens. Ungeduld ist ihm fremd.

Und das ist der fundamentale Unterschied zwischen dem Glantaler Patenschwein und dem gemeinen FCK-Fan. Der ist schnell aufgeschreckt, bald fahrig, oft panisch und flott auf Hundertachtzig. Deshalb heißt der FCK-Fan auch Pälzer Krischer.

Nun gibt es ja durchaus auch Gründe, warum der Pälzer Krischer so ist, wie er ist. Historische, charakterliche und tradierte. Er stammt aus einer kargen Gegend und ebenso karg sind die Menschen. Schlichte, aber gutherzige Menschen sind es, die diesen Landstrich bevölkern. Und aus dieser Gutherzigkeit erwächst Mitgefühl und Anteilnahme. Und aus dieser Schlichtheit erwächst der Hang zur einfachen Lösung. Es hat schon seinen Grund, warum das Automobil nicht in Kaiserslautern erfunden wurde. Viel zu kompliziert. Warum spannt man nicht noch einen Ochsen mehr vor den Karren? Einfach und gut eben.

Wenn wir die Attribute Schlichtheit und Gutherzigkeit nun auf das Verhältnis zu unserem FCK projizieren, dann wird schnell klar, warum in den letzten Wochen so viel Panik in diverse Tastaturen gehackt wurde: Es ist der elementare Kampf zwischen beiden Grundverfassungen des Pfälzers und das Resultat dessen, wenn beide Charakterzüge bitter enttäuscht und zum Vorteil anderer ausgenutzt werden.

Jahrelang hatten die FCK-Fans einen Vorstandsvorsitzenden, der genau wusste, auf der Pfälzer Charakterklaviatur geradezu meisterhaft zu spielen. Ihm, dem alten Helden, wurde gutherzig geglaubt und vorbehaltlos vertraut. Und im Gegenzug zeigte der Primus inter pares Mitgefühl und Anteilnahme und fütterte die gutherzigen Pfälzer mit schlichten Sinnsprüchen, schlichten Slogans und ebenso schlichten Lösungsansätzen. Und der gutherzige Pfälzer wusste sich sicher und geborgen, denn die Oma hat auch bei ihm zuhause immer recht. Und als es darum ging, mit aller Macht den FCK wieder ins Oberhaus zu führen, da war ein schlichter Lösungsansatz auch ein willkommenes Allheilmittel: Kauf Spieler! Und der gutherzige Pfälzer wusste, dass da oben am Berg einer ist, der »ebbes schafft«, der nicht in den Sessel furzt, weil er ja anpackt und Spieler kauft.

Und als das Geld langsam ausging, auch da war der Lösungsansatz schlicht und einfach: Frag die Fans nach Kohle! Aber nein, ganz bestimmt nicht, um neue Spieler zu kaufen sondern sie in Zukunft selbst heran zu züchten. Und der gutherzige Pfälzer stand wieder parat, denn er kannte das Prinzip ja von seinem eigenen Bauerntrampelhof und wusste daher, dass der Lösungsansatz einfach war und deshalb gut sein musste: Was du selbst anbaust und vermehrst, das musst du nicht mehr kaufen.

Aber dann passierten wunderliche Dinge in den Reihen der Pfälzer Gutmenschen: Plötzlich stellten Leute komplizierte Fragen hinsichtlich der schlichten Lösungsansätze. Und immer mehr bezweifelten, ob ein weiterer einfacher Ochse den Karren wirklich besser zöge als ein einziger komplizierter Traktor. Und die gutherzigen Pfälzer bekamen das Gefühl, dass ihre Gutherzigkeit ausgenutzt wurde, weil weder mit der Arbeit am Zuchtstall begonnen wurde noch überhaupt Ansätze einer ordentlichen Nachzucht zu erkennen waren. An diesem Punkt wechselte auch der Charakter der gutherzigen FCK-Fans: Denn als die Gutherzigkeit dem Gefühl des veräppelt-werden wich und die Schlichtheit ihren Ausdruck in revolutionärer Geisteshaltung fand, da auferstand er aus der qualmenden Asche des niedergebrannten Vertrauens: De Pälzer Krischer!

Nun kann euer Glantaler Patenschwein nicht verhehlen, dass es auch seinen Senf in die aufgeheizte Stimmung gegrunzt hat und froh gewesen ist, als der Zentralrat den Kolchosenherrn damals vor das Hoftor setzte. Und dass es fröhlich gequiekt hat, als man endlich den Vorstand neu besetzte. Und dass es sich zufrieden in seiner Suhle bequem machte, als man einen neuen Sportchef installierte. Aber eines war ihm mit Blick auf seinen Trog klar: Die Portionen würden in Zukunft ein bisschen kleiner ausfallen. Und die Fütterungen nicht mehr ganz so pünktlich. Und es hatte den Eindruck, das wüssten auch alle anderen auf dem Hof. Doch da kannte es den Pälzer Krischer schlecht!

Denn der hat seine Gutherzigkeit zugunsten einer hyperkritischen Grundhaltung zurückgestellt. Und obwohl er genau weiß, dass auch fünf Ochsen keinen Traktor ersetzen, will er lieber den sechsten Ochsen vorm Pflug sehen als die Lieferzeit des Schleppers abzuwarten. Trotzdem er miterlebt hat, dass die einfachen und schnellen Lösungsansätze den Hof fast in den Ruin getrieben haben, will er trotzdem noch genau dies: die schnellen und einfachen Lösungen.

Er ist ein irrationaler Hitzkopf, der Pälzer Krischer. Und deshalb sollten sich alle, die sich auch nur zu einem Bruchteil in den Überlegungen des kleinen Glantaler Patenschweins selbst entdeckt haben fragen: Brauchen wir, die traditionell aktionistischen FCK‘ler einen ebenso aktionistisch handelnden Sportdirektor? Brauchen wir panikartig agierende Vorstände? Brauchen wir den siebten Ochsen?

Oder brauchen wir handelnde Personen, die einen kühlen Kopf bewahren? Die die spärlichen Ressourcen verantwortungsvoll einsetzen? Damit zur Not auch warten bis zur letzten Minute wenn es dem Zweck dient? Die sich nicht beirren lassen von den Pälzer Krischern, sich nicht an deren Panikgeschrei anstecken und ihre klare Linie verlassen?

Brauchen wir nicht gerade jetzt, trotz der Enttäuschungen, Verfehlungen und der erlittenen Demütigungen genau das, was den Pfälzer charakterlich auszeichnet? Gutherzigkeit und Vertrauen? Und das kleine Glantaler Patenschwein redet nicht von bedingungslosem und blindem Vertrauen, sondern einem Vertrauen, das gerne auch die Wege hinterfragt, die Richtung aber unterstützt. Und brauchen wir nicht unbedingt auch den Willen, den einfachen Antworten zu misstrauen, sie endlich über Bord zu werfen und zu begreifen, dass wir in komplizierten Zeiten auch komplizierte Lösungen als das anerkennen, was sie sind: als Lösungen?

Habt Mut, wieder zu vertrauen! Habt Mut, die richtigen Fragen zu stellen! Habt Mut, die richtigen Antworten zu erkennen! Habt Mut, Geduld zu haben! Und habt Mut, die zu unterstützen, die euch nicht veräppeln wollen. Auch wenn die Straße zum Erfolg bestenfalls ein Trampelpfad ist und noch ein weiter Weg vor uns liegt.

Oink!

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Auf der Couch suhlen sich glückliche Schweine. Sie schlachten sich nicht gegenseitig, auch wenn sie sich manchmal aneinander reiben. Aber das ist in Schweinerotten nichts weiter als eine Form der Zuneigung. Genau wie es eine ganz besondere Form der Zuneigung ist, wenn jeden Freitag einer der Keiler seinen Rüssel vor die Tür streckt und die gegenwärtige Verfassung im Schweinestall ins Forum grunzt.

•     •     •

Autoritäre Herrschaft braucht keine Superschurken, die sie von langer Hand planen. Sie ist schlichtweg die bequemste Art, Komplexität zu reduzieren.
•••
Das Leben ist die Schule, der Schmerz ist der Lehrer.
Die Couchingzone |#335
11.09.2016 - 16:01 Uhr
Zitat von Devil_till_Death
Angefangen hat alles damit, dass Newtrial in jedem x-beliebigen Thread mit der Drehzahlmessernadel am roten Bereich schrammend unterwegs gewesen ist. Panikmodus on the fly, sozusagen. Und das, wo er der neuen Führung doch ausdrücklich Kredit einräumen wollte, er mit der Wahl des neuen Sportdirektors außerordentlich zufrieden gewesen ist, er neue Kompetenz in die Büros auf der Geschäftsstelle einziehen sah.

Und dann sah das Patenschwein andere User, die in Newtrials Klagegesang einstimmten. Die sich von Vorbereitungsspielen beunruhigt und von drei Pflichtspielen erschüttert sahen.

Pate, Alarm, im STT- und Trainer-Fred nehmen die "Krischer" überhand! Da musst Du mit der Sense ran, der Newtrial hat die alle ganz furchtbar aufgehetzt. Nur weil wir nach vier Pflichtspielen auf dem letzten Tabellenplatz stehen und ein Pokalaus mit vier Gegentoren bei einem mittelmäßigen Drittligisten kassiert haben. Panikmache pur! Gib dem Rekdal doch mal Zeit! Und dem Stöver, der nur Spieler holen wollte, die uns "sofort weiterhelfen" und die stattdessen jetzt das Lazarett füllen oder Trainingsrückstand haben. Kann doch mal passieren, muss man doch "Geduld" haben, gelle. ugly Wartet doch mal den zehnten Spieltag ab, dann stehen wir bestimmt schon auf dem Relegationsplatz - dem zur dritten Liga, selbstredend.

Auch heißen Dank noch an meine Mit-Couchisten, die es offensichtlich völlig in Ordnung finden, wenn einer der ihren von einem Kollegen - der ganz zufällig auch noch Pate ist - im Couching dermaßen persönlich angegangen wird. Gab's, glaube ich, auch noch nicht - zumindest nicht in der Zeit, in der ich das Couching verfolge. Ganz klar: "Thema und Ausführung +1" und "So kammer die Sach ach sähne". grins

Das Forum ist zum reinen Tendenzbetrieb verkommen, in dem man die gerade herrschende Glaubenslehre treffen muss - und die Couch zieht dabei mit! Dem patengestützten Kritikverbot der ersten Spieltage, wird jetzt sicherlich die 180-Grad-Wende folgen, mit Threads wie "Ist Korkut noch der Richtige?", und so. Wer sich dann noch erdreistet, Differenzierung einzufordern und Dinge zu benennen, auf die man aufbauen kann, dem wird es genauso schlecht ergehen, wie bislang denen, die nicht ALLES hundertprozentig supi fanden, was unsere neuen Verantwortlichen da so hingezaubert haben.

Das hier sollte mal ein FACHforum sein! tongueuglygrins Wo es nicht um "like" und "dislike", sondern um Argumente und Differenzierung gehen sollte.

Spätestens nach einer eventuellen Heimklatsche gegen Stuttgart wird hier der Mob regieren. So wie bislang das öffentliche Diskreditieren von "Kritikern" regiert hat, das zuletzt u.a. mich getroffen hat. Das ist aber egal, es kann nämlich hier jeden jederzeit treffen! Und das bleibt auch so, solange es hier nur noch um Stimmungen und Meinungmache geht. Wenn jetzt also das Meinungspendel einfach nur umschlägt, ist das genauso panne wie bislang. Macht keinen Spaß mehr hier. Und soll ja Freizeitbeschäftigung sein.

Und jetzt, Pate, schreite Deines Amtes! Das darf hier so doch nicht stehenbleiben!

Habe fertig!

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Die Couchingzone |#336
12.09.2016 - 14:37 Uhr
Zitat von Mittelschichtler
mimimi
Ich muss sagen Newtrial hat mit seinem Post mMn vollkommen Recht, sowohl was Forum als auch FCK angeht. Dass er es emotional sieht ist doch super, immer mehr haben gar keine Emotion mehr beim Thema FCK. Dein "mimimi" hingegen, @Mittelschichtler, ist weder konstruktiv noch ist es ein qualitativer Beitrag zur Diskussion. In meinen Augen ist "mimimi" das "heul doch" der geistig armen der Internetfraktion die keine andere Meinung akzeptieren können und bei einer Auseinandersetzung mit Argumenten nichts mehr als eben dieses vorzubringen haben, darum wundert es mich dass es von Dir kommt, so ändern sich die Zeiten. Finde das ganz schlechten Stil. Aber das ist nur meine Meinung und man kann das durchaus anders sehen.
Die Couchingzone |#337
12.09.2016 - 16:31 Uhr
Zitat von 2Kampfmonster
Zitat von Mittelschichtler

mimimi
Ich muss sagen Newtrial hat mit seinem Post mMn vollkommen Recht, sowohl was Forum als auch FCK angeht. Dass er es emotional sieht ist doch super, immer mehr haben gar keine Emotion mehr beim Thema FCK. Dein "mimimi" hingegen, @Mittelschichtler, ist weder konstruktiv noch ist es ein qualitativer Beitrag zur Diskussion. In meinen Augen ist "mimimi" das "heul doch" der geistig armen der Internetfraktion die keine andere Meinung akzeptieren können und bei einer Auseinandersetzung mit Argumenten nichts mehr als eben dieses vorzubringen haben, darum wundert es mich dass es von Dir kommt, so ändern sich die Zeiten. Finde das ganz schlechten Stil. Aber das ist nur meine Meinung und man kann das durchaus anders sehen.


So unterschiedlich kann man Beiträge bewerten. Das "mimimi" hätte ich mir sparen können, keine Frage, genau wie er sich seine hinter Sarkasmus und Ironie versteckten Spitzen hätte sparen können. Aber dass du auf diese nicht eingehst wundert mich nicht, ist wohl "normale Härte".

Zitat von usernick
die keine andere Meinung akzeptieren können und bei einer Auseinandersetzung mit Argumenten nichts mehr als eben dieses vorzubringen haben


also bitte, muss ich darauf jetzt wirklich eingehen? Ich akzeptiere jede Meinung hier, auch wenn ich nicht alle nachvollziehen kann.

Das Forum teilt sich - wie in jeder Krise - in zwei Lager.

Die Einen wollen den Weg mit Korkut weitergehen, Ruhe bewahren und sich in Geduld üben - ohne das Wissen ob es besser wird.

Die Anderen wollen Korkut freistellen und eine Alternative ins Boot holen. In der Hoffnung dass der neue Mann ein System und einen Fußball spielen lässt, der uns in dieser Liga bestehen lässt - ohne das Wissen ob es funktioniert.

Ich versuche bestimmt nicht mit aller Vehemenz für meinen Weg zu werben, meine Güte, aber ich bin einfach der Meinung dass ein schneller Trainerwechsel purer Aktionismus wäre.

Wir würden damit alles in Frage stellen, den ganzen Sommer. Stöver, der Vorstand, der AR, das ganze Gerüst, der ganze Strategiewechsel wäre angezählt. Du kannst nicht den Trainer austauschen und einfach so weitermachen als wäre nichts geschehen. Der AR, der Vorstand, der Sportdirektor, die alle stehen für diesen Trainer, haben sich wochenlang mit der Suche Zeit gelesen und letztendlich gemeinsam Korkut als den Richtigen auserkoren. Ich persönlich kann das nur sehr schwer voneinander trennen.
Wenn man Korkut nächste Woche vor die Türe setzt, muss man auch Stöver massiv hinterfragen, so einfach ist das. Die schwierige, damit einhergehende Problematik ist doch..wie lange können wir es uns erlauben "auszuprobieren" und uns "einzuspielen"?

Wie gesagt, es gibt hier im Forum zwei Philosophien. Wir haben hier keine Wahrsager unter uns. Wenn ich mir allerdings anschaue wo Augsburg, Darmstadt, Freiburg, Braunschweig und auch Fürth und viele andere stehen, frage ich mich welcher Weg erzielt denn den größeren Erfolg?

Jährlich den Coach zu wechseln, oder vielleicht mal durchzuhalten, Kontinuität oder Dauerreset? Zoua, Aliji, Ewerton, Moritz und wie sie alle heißen sind gekommen, weil sie gute Gespräche mit den Verantwortlichen führten (Stieber) oder den Co-Trainer gut kennen (Kerk). Ich denke es würde sich nicht sonderlich gut auf die Stimmung der Mannschaft auswirken, wenn du den Grund - weshalb sie hier überhaupt unterschrieben haben - nach wenigen Spielen vor die Türe setzt. Natürlich könnte man sagen..das sind Profis, die haben weiter zu funktionieren, aber so einfach ist das nicht, wir schauen doch alle lange genug Fußball.

Die sind bestimmt nicht nach KL gewechselt weil es hier so viel Kohle zu verdienen gibt, sondern weil Stöver und Korkut als Duo zu überzeugen wussten. Deshalb hat sich ein Kerk halt letztlich gegen Pauli/Bochum und für den FCK entschieden.

Halfar hat sich letzte Saison über Fünfstück lustig gemacht und von Runjaic geschwärmt, Korkut steht ebenfalls für Fußballkultur, wie will man solchen Spielern - die noch einen Hauch Qualität mitbringen - sowas näher bringen?

Ich finde wir sollten einfach mal Ruhe bewahren. Aber das sage ich auch als einer der gestern lieber in Bad Mergentheim war, als sich dieses Gekicke anzuschauen.
Noch bereitet mir die Situation einfach keine schlaflosen Nächte. Stöver machte bisher stets einen besonnenen und aufgeräumten Eindruck, ich denke der sportliche Bereich ist bei ihm in guten Händen.
Und wenn Stöver irgendwann meint sich von Korkut trennen zu müssen, dann geht es halt auch weiter. Nur mit jedem Wechsel auf der Trainerposition schwindet einfach die Chance mal wieder nach oben zu rutschen, Kontinuität aufzubauen, Spieler zu entwickeln. Streich, Lieberknecht..man muss das geil sein die als Trainer im Verein zu wissen.

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Ich habe so viele Beiträge bei tm.de, ich könnte dein Leben kaufen.
Die Couchingzone |#338
13.09.2016 - 07:41 Uhr
Liebe Mitforisten,

da hatte ich ein zugegebenermaßen böses Ding rausgehauen, weil ich mich unberechtigt angegriffen fühlte und eben genau keine zwei Parteien im Forum will - ich selbst z.B. halte die Entwicklung für sehr alarmierend, fordere aber derzeit (noch) keinen Trainerwechsel und suche auch keinen Sündenbock. Genau solche Zwischentöne fordere ich in der Diskussion ein, anstatt jeden in eine Schublade zu stecken. Ursachenanalyse statt Parteinahme!

Gerne möchte ich euch mitteilen, dass wir die Sache in der Couchingzone inzwischen unter Männern aufgearbeitet haben und in der Sache - aber vor allem auch atmosphärisch! - klären konnten. Und Leute, wir haben da einen Paten an Bord, dessen soziale Kompetenz mir allerhöchsten Respekt abnötigt!

Das Ganze war mal wieder ein super gutes Beispiel für Watzlawicks Hammer. Und dafür, dass es keine gute Idee ist, wenn man eh schon angefressen ist, eine halbe Stunde nach so einem Grottenkick wie dem vom Sonntag, so einen Rundumschlag rauszuhauen. Nach dem Motto: Jetzt geb ich es den ganzen Geduldspredigern aber mal so richtig!

Kurzum: Den hinter dem Sarkasmus meines posts vielleicht kaum noch erkennbaren Appell, hier stärker sachbezogen und mehr im Detail, anstatt in dem von @Mittelschichtler beschriebenen Lagerdenken zu argumentieren - und damit auch User nicht pauschal in eine Ecke (Schönredner/ Schlechtredner) zu stellen - halte ich aufrecht. Ich weiß jetzt aber, dass Dtd dies in keiner Weise beabsichtigt hatte!

Kurzum: Die Sache ist vom Tisch! Die zuletzt aufgeworfenen Sachfragen diskutieren wir dann besser wieder in den dafür vorgesehenen Threads, etwa im Korkut-Faden.

Für meinen Ausbruch entschuldige ich mich auch bei euch, denn der hat sicher nichts besser gemacht! Es geht ja gerade darum, inhaltliche Differenzen nicht immer gleich ad personam zu diskutieren und mit persönlichen Unterstellungen zu verknüpfen - da will ich ja gerade hin. Und dafür gab mein post ein denkbar schlechtes Beispiel ab.

Alles auf Null!

Edit: @2Kampfmonster: Welcome back! smile

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Dieser Beitrag wurde zuletzt von Newtrial am 13.09.2016 um 08:08 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#339
16.09.2016 - 08:11 Uhr
Jahrgang 7 – Ausgabe 6

DAS KOLLOQUIUM

Von Newtrial



Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute widmen wir uns einem Thema, über das wir fast unendlich viele Informationen haben und das uns dennoch bislang eigentümlich unerschlossen und ferngeblieben ist. Die Rede ist von der „Neuzeit des Westens“. Sie steht zumeist als Synonym für eine Ära der allgemeinen Leugnung der Verbundenheit allen Seins – mit der Konsequenz einer äußersten Gefährdung der Lebensgrundlagen. Menschen verkapselten sich damals in sich selbst und taten lebendigen Wesen, einschließlich ihresgleichen, aus „rationalem Eigeninteresse“ heraus Gewalt an, unterjochten und töteten. Und dies zumeist, ohne sich selbst die Finger schmutzig zu machen und ohne zu erkennen, dass ihre Taten sie selbst und alles, was ihnen wichtig war, in Frage stellte und zerstörte.

Die Quellenstudien, die wir in diesem Kolloquium vorstellen, widersprechen allerdings dieser pauschalen Sichtweise. Sie nehmen dabei nicht das ganze Bild der „Neuzeit des Westens“ in den Blick, sondern vertiefen einzelne Aspekte. Sie verdeutlichen, dass der Riss in der Verbundenheit auch in dieser Epoche nicht vollständig war und das Gemeinsame keineswegs stets nur in Kopplung mit der Entwertung von Anderen gelebt wurde. Es gab vielmehr Abstufungen des Gemeinsamen, die in der Summe ein komplexes, regelgeleitetes Wechselspiel des Mit- und Gegeneinanders bedingten. Dazu später mehr.

In dieser ersten Sitzung stellt unsere Studiengruppe Ihnen die aktuelle Untersuchung zu einem seinerzeit weit verbreiteten Spiel vor, welches „Fußball“ genannt wurde. Just auf diesem Boden unserer altehrwürdigen Alma Mater stand ein wichtiger, wenngleich der bei Weitem nicht bedeutendste Ort der Zusammenkunft zu dessen Ausübung. Diese Orte – gigantische Bauwerke, die heute ohne jeden Vergleich sind – wurden „Stadien“ genannt. An diesem Platz stand ein mittelgroßes „Stadion“, das knapp 50 x 100 x 10 dieser so genannten Individuen Platz bot. Wir verstehen das Konzept des „Individuums“ heute nicht mehr so recht, aber so in etwa meint es die kulturell geteilte Vorstellung von einem autonomen, in sich abgeschlossenen Geist, der eine Art biomechanischer Körpermaschine steuert. Und nun stellen sie sich diese Monstrosität auf engstem Raum mit 50 x 100 x 10 multipliziert vor. Aber das ist noch nicht alles: Wir haben sichere Belege dafür, dass diese Massenzusammenkünfte von „Individuen“ freiwillig geschahen und bei den Beteiligten mitunter sogar ein Gefühl der Freude heraufbeschworen. Ja, man bedauerte es sogar, wenn das „Stadion“ nicht gut besucht war und schien die Zusammenkunft erst in der maximalen Verdichtung so richtig zu genießen. Und genau dies ließ unsere Studiengruppe stutzig werden, da sich dieser Befund mit dem herkömmlichen Bild der „Zerrissenheit“ und „individuellen Isolation“ in der „Neuzeit des Westens“ schwer in Übereinstimmung bringen lässt. Ich berichte Ihnen nun in aller Kürze und in der gewohnten Thesisform von unseren ersten Zwischenergebnissen.


DIE THESIS DER VERBUNDENHEIT IN DER ZERRISSENHEIT

Wie Sie vielleicht wissen, wurde alles und jedes in der „Neuzeit des Westens“ mit einem „Namen“ belegt, womit eine gewisse Abgeschlossenheit der bezeichneten Phänomene suggeriert werden sollte. So wurde das „Stadion“, das sich an diesem Ort mächtig in den Himmel emporhob, zugleich als „Betzenberg“ und als „Fritz Walter-Stadion“ benannt, verehrt und zeitweise gar gefürchtet. Solche „Namen“ dienten nicht nur zum Zwecke einer quasi-religiösen Verehrung, sondern sie waren auch Ankerpunkte des Wechselspiels von Abgrenzung und Zugehörigkeit. Und obwohl die „individuellen“ Geister in der Maschine nach wie vor als voneinander getrennt galten, fühlten sie sich als so genannte Fans doch sowohl untereinander, als auch mit „ihrem Stadion“, eng verbunden. Und dennoch wirkten auch diese „Fans“ – mitunter auch jene desselben „Vereins“ – gegeneinander und fügten einander Schaden zu.

Auch wir Heutigen kennen das kulturelle Script „Spiel“, wenngleich nur im Sinne der Kooperation. „Fußball“ wurde als ebensolches Kooperationsspiel betrachtet, zugleich aber auch in sein Gegenteil verkehrt, da man nur innerhalb einer von jeweils genau zwei „Mannschaften“ miteinander wirkte, der anderen „Mannschaft“ hingegen gemeinsam zu schaden suchte. Es war neben einem Spiel also auch ein Kampf. Und gerade an diesem Ort hier wurde es als höchste Tugend betrachtet, „vom Kampf zum Spiel zu finden“, was immer das heißen mochte. Dies alles vollzog sich innerhalb eines übergreifenden Regelwerks, dessen Einhaltung von einem so genannten Schiedsrichter unter Einsatz hoch spezifischer symbolischer Gesten überwacht wurde. Eine „Mannschaft“ gehörte jeweils zu einem definierten „Verein“ – später „Konzern“ – und das „Stadion“ war ihre Heimstatt. Die „Vereine“ ihrerseits wirkten im so genannten „Ligabetrieb“ zusammen, versuchten einander aber ebenfalls Schaden zuzufügen.
Allerdings fand die Nutzung des Vereinskonstrukts ein unvermutet jähes Ende per Rechtsprechung. Begründung: Das schon im Wort „Verein“ – so wie „vereint“ – hervorgehobene Verbundenheitsziel harmoniere nicht mit dem Einzelprofitstreben in den oberen „Ligen“. In der Folge des so genannten Leuschner-Urteils traten dann nur noch Konzerne gegeneinander an, was die Popularität des so genannten „Volkssports Fußball“ binnen kürzester Zeit unwiederbringlich zerstörte.

Das Wechselspiel von Verbundenheit und Zerrissenheit, von Zusammenwirken und regelgeleiteter Schadenszufügung, scheint uns nun in der Tat ein die „Neuzeit des Westens“ charakterisierendes Muster zu bilden. Solange wir nicht verstehen, wie man so leben konnte, verstehen wir auch uns selbst und unsere eigene Welt nicht in Gänze, da die „Neuzeit des Westens“ ein Teil unserer Geschichte ist. Auch wenn uns Heutigen dies peinlich sein mag.


DIE THESIS DES KAMPFES UM ANERKENNUNG

Wir verfügen über unbestreitbare Belege dafür, dass die „Fans“ des an diesem Ort kollektiv beschworenen „Vereins“ – auch dafür wurde wieder ein Name geprägt: „1. FC Kaiserslautern“ – trotz heftigen Dauerstreits untereinander, darum bemüht waren, der Suggestion eines Miteinanders Gewicht und Realität zu verleihen. Evoziert wurde eine quasi-religiöse „Vereinsidentität“, z.B. mit der Körpermetapher „Herzblut“ und später mit der Losung „Nur zusammen sind wir Lautern“. Die semantische Sinnlosigkeit dieser Losungen scheint den „Fans“ zumindest teilweise durchaus bewusst gewesen zu sein, was aber folgenlos blieb. Nach einer längeren Phase relativer Erfolglosigkeit im „Ligabetrieb“ sollten Kräfte wieder gebündelt werden um so dem eigenen, vormals erfolgreicheren „Verein“, erneut die ihm gebührende Anerkennung zu verschaffen. Und zwar, indem man anderen „Vereinen“ künftig noch wirkungsvoller zu schaden und sie so zu verdrängen suchte. Dazu fühlte man sich in besonderer Weise legitimiert, da man den vergangenen Erfolgen emotional anhaftete. Auch für diese Anhaftung gab es natürlich einen Begriff, dessen semantische Sinnlosigkeit ebenso auf der Hand lag: Man bezeichnete den 1. FC Kaiserslautern als „Traditionsverein“. Dass diese assoziative Verknüpfung einer gegenwartsbezogen definierten sportlichen Bedeutung mit Erfolgen der Vergangenheit („gefühlter Erstligist“) zum Leitprinzip des „Rechts des Stärkeren“ in Widerspruch stand, wurde durchaus thematisiert, blieb aber bei den „Fans“ ebenfalls folgenlos.
In irgendeiner Weise gelang es eben diesen „Fans“, mit all dieser Widersprüchlichkeit zu leben und sich dabei auch noch im Recht zu fühlen. Und trotz des gnadenlosen Kampfes um Anerkennung für den eigenen „Verein“, fühlte man sich den „Fans“ anderer „Vereine“ zum Teil immer noch näher, als den nicht am Fußball Interessierten. Hier spielt dann wieder die erstgenannte Thesis einer „Verbundenheit in der Zerrissenheit“ hinein.

Diese Episode endete mit der durch das „Leuschner-Urteil“ veränderten Rechtsprechung, da sich kein Konzern dazu bereitfand, das Erbe des „1. FC Kaiserslautern“ anzutreten. Binnen kürzester Zeit wurde das Stadion abgetragen und man begann damit, auf dem Gelände eine Außenstelle der „Technischen Universität Kaiserslautern“ zu errichten; jene ehrwürdigen Hallen also, in denen wir uns hier und heute – weit mehr als 300 Umläufe später – versammelt haben.


DIE THESIS DES REIZES DER UNBERECHENBARKEIT

Doch zurück zur Ära vor dem „Leuschner-Urteil“! „Fußball“ war in dieser Region – und auch weit darüber hinaus – über lange Zeit hinweg das mit Abstand beliebteste Spiel. Obwohl für einen Außenstehenden ein Monument an Sinnlosigkeit und Einförmigkeit, war es doch für die Regelkundigen und Erfahrenen ein Reich unendlicher Differenzierung. Für sie glich kein Spiel dem anderen und waren die Ergebnisse nie wirklich prognostizierbar. Auch kam es immer wieder zum Streit zwischen „Fans“ über die Regelauslegung des „Schiedsrichters“, welcher merkwürdigerweise nicht dem Leitprinzip des „Rechts des Stärkeren“ folgen, sondern beide „Mannschaften“ gleich behandeln sollte. Tat er letzteres nicht – wie es z.B. für den Fall eines Spielers mit Namen „Franck Ribery“ des seinerzeit besonders erfolgreichen „FC Bayern München“ als verbürgt gilt – so erbosten sich die „Fans“ aller anderen „Vereine“ darüber, obwohl sie doch selbst in ihrem Leben dem Leitprinzip des „Rechts des Stärkeren“ mehr oder minder bewusst folgten. Als Problem galt dabei bezeichnenderweise nicht, dass „Ribery“ seinen „Gegenspielern“ Schaden zufügte, sondern dass er dies in nicht-regelkonformer Weise tat, sie niederschlug und ihnen in die Augen stach, ohne dafür angemessen bestraft zu werden. Aber selbst diese Situationen gehörten letztendlich zur Unberechenbarkeit des Spiels hinzu. Die heftigen emotionalen Aufwallungen, welche dadurch ausgelöst wurden, definierten den Sozialtypus „Fan“ genauso wie die Anhaftung an „Mannschaft“, „Verein“, „Tradition“ und „Stadion“.

Die „Neuzeit des Westens“ werden wir als Epoche erst verstehen, wenn wir die Faszination des „Fußballs“ verstanden haben.


FAZIT

Wir sind nach wie vor weit davon entfernt, die „Neuzeit des Westens“ zu verstehen. Die leidvolle „individuelle“ Zerrissenheit scheint allerdings wohl nicht die ganze Wahrheit dieser Epoche zu sein. Am Beispiel des Spiels „Fußball“, wie es auch auf diesem Boden zelebriert wurde, wird deutlich, dass dessen „Fans“ sich durchaus auch als Teil eines Ganzen zu sehen vermochten, und somit auch Verbundenheit zu empfinden in der Lage waren. Es scheint so etwas wie eine lustbetonte „Verbundenheit im Gegeneinander“ gegeben zu haben, was den „Fans“ wohl ein eigentümliches Gefühl von Lebendigsein vermittelte. Um dieses Gefühl zu steigern, verabreichte man sich vor, während und nach dem Spiel leibschädigende, bewusstseinsverändernde Zellgifte in großen Mengen, die in jedem Stadion etwas anders benamt wurden. Hier, auf dem ehemaligen „Betzenberg“ und in dem auf ihm errichteten „Fritz Walter-Stadion“, wurde dieses Zellgift mit dem Namen „Karlsberg“ bezeichnet.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und eröffne die Diskussion!


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Auf der Couch hat es dieser Tage ordentlich gerappelt, was aber wieder geradegezogen wurde. Auch Bahli, Butduma, Devil_till_death, Hegermeister, Newtrial und Vic Dorn sind halt Fans mit Emotionen und keine Rasenball-Computer der Firma Rangnock Enterprises.

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Die Couchingzone |#340
20.09.2016 - 11:26 Uhr
Jahrgang 7 – Ausgabe 7: MÜLL, MIST UND ALTE ZÖPFE – IST ALLES FÜR DIE TONNE?


Eine graue Papiermüll-Tonne. Ihr Atem riecht wie ein Alt-Herren-After-Shave, eine Mischung aus Mottenkugeln und der Gewissheit, bald dem stofflichen Kreislauf irdischer Dinge (Neudeutsch: Recycling) zugeführt zu werden. Auch die weisen Worte, die zwischen unzähligen Schichten Papier in diesem Behältnis mit Rollen schlummern, erinnern mich unweigerlich an den netten Opa von nebenan. Sicherlich war es die richtige Entscheidung, den Großteil meines FCK-Archivs nach dem Ausmisten meines Kellers einer neuen Aufgabe als Pizzakarton oder Klopapier zuzuführen, wenn erst einmal das magische Portal des Müllwagens durchschritten ist. Auf der Stadionzeitschrift „play“ der Saison 1997/1998 grinst mir Otto Rehhagel entgegen, eine Locke von Harry Koch blitzt auf der Titelseite der Zeitschrift dahinter hervor… und bei den Nachbarn gab es die Tage anscheinend Spaghetti – sagt zumindest die blaue Schachtel. Klapp zu, Affe tot. Recht emotionslos schließe ich den Deckel und begebe mich wieder hinauf in die Wohnung. Noch einmal schlafen, dann kommt der Papiermüll-Mann. Ich fühle mich befreit… irgendwie.

Der Prozess des Entsorgens als Ausdruck der persönlichen Befreiung: Dieses Gefühl suchen nicht nur Entrümpler, Mafiosi oder gelangweilte Ehemänner, sondern ab und an auch Verantwortliche eines Fußball-Vereins. Meistens endet das Ausmisten in diesem Bereich jedoch beim durchgefurzten Sitzkissen des Trainerstuhls. Kein Großreinemachen, sondern weiterhin dicke Luft in der Führungsetage, verschmierte Fenster beim Blick in die Bilanzen sowie ein Haufen Mist auf dem Platz. Beim 1.FC Kaiserslautern wollte man nach dem Gewitter bei der JHV dessen reinigende Kraft vollends durch die Weiten des Betzenbergs rauschen lassen. Also erst mal alles Alte raus.

Aufsichtsratsvorsitzender? Raus!
Vorstandsvorsitzender? Raus!
Finanzjongleur? Raus! Trainer? Raus!
Halbe Mannschaft? Raus!

Hätten die alle keine Füße zum Selberlaufen, der Sperrmüll -Laster hätte sicherlich Achsbruch erlitten. Nur ganz hinten in der Ecke hat der Reinigungstrupp einen fahlen Pressesprecher übersehen, der steht da immer noch rum und blickt aus tiefen Augenhöhlen. Wahrscheinlich glich sein gesunder Teint einfach zu sehr der betzenbergischen Wandfarbe Marke „Polarweiß“, so dass er meisterhaft getarnt war.

Bei der hier angesprochenen Entrümpelungsorgie entpuppte sich insbesondere der Vorstandsvorsitzende als wahrhaftige Katze. Flog gefühlt aus dem vierten Stockwerk der Geschäftsstelle aus dem Fenster, landete allerdings unbeschadet auf allen Vieren und mit weiterhin sieben Leben auf einer geldgepolsterten DFB-Matratze. So einen U21-Trainer kann man halt immer gebrauchen… Das Finanz-Fritzl schlürft derweil in der Südpfalzmetropole Landau seelenruhig seinen Grauburgunder. Wahrscheinlich sinniert er bei den guten Tropfen über die PowerPoint-Funktionen, die er noch nicht entdeckt hat. Jedenfalls sah man sich beim FCK mit einem Verein konfrontiert, der wieder aufgemöbelt werden wollte. Die Krux an der Sache: Das Aufmöbeln musste zunächst mit einem schmalen Geldbeutel in Angriff genommen werden. Nächste Ausfahrt Roller, Poco oder vielleicht doch ein wenig schwedischer Multi-Kulti-Lifestyle mit Sechskant-Schlüssel?

Nach Monaten des Preisvergleichs und gescheiterter Lieferungen wurden es statt BILLY, LACK und Co. immerhin Thomas, Michael, Uwe und schlussendlich Tayfun, welche die Grundausstattung der neuen Einrichtungslinie „Maison Betzenberg“ bildeten. Diesen oblag es nun, sowohl potente Sponsoren als auch potentielle Leistungsträger nach Kaiserslautern zu lotsen und die Sache ließ sich zunächst recht gut an… mittlerweile wissen wir, dass gerade im spielerischen Bereich der Holzwurm drin ist. Während es in Sachen Vereinsführung durchaus das ein oder andere Designerteil zu bestaunen gibt, wird auf dem Platz weiterhin richtig viel Mist produziert. Bezüglich der Abwehr geht sogar das Gerücht um, dass man aus den Bauteilen für eine Bank aus Versehen einen Klappstuhl gezimmert hat.

In der Tat hat man nach der historischen JHV derart viele alte Zöpfe abgeschnitten, dass selbst Rapunzel ein wenig neidisch werden konnte. Vielleicht zu viele Zöpfe. Denn wer ständig seine Haare schneidet, steht am Ende mit einer Glatze da. Alte Frisör-Weisheit. Tabellarisch sowie von der Torausbeute her ist dieser Vergleich sicherlich nicht an den Haaren herbeigezogen. Addiert man die Tore und die Punkte, die bereits eingefahren wurden, landet man genau bei der Anzahl der Haare, die Homer Simpson auf seinem gelben Kopf herumträgt. Eine eher triste Rechnung bzw. Zustandsbeschreibung. Diese Situation ruft naturgemäß eine andere Branche des Entsorgungsgewerbes auf den Plan: Die Totengräber. In Sack und Asche geben sie die depressive Stimmungskanone und werden dabei jeden Tag ein wenig lauter. Berechtigterweise, wenn man ehrlich zu sich selbst ist.

Solch niedergeschlagene Gestalten sind mir allerdings immer noch lieber als jene Zeitgenossen, die aus der Trainerdiskussion eine egozentrische Farce des Rechthabens und des „Auf-der-richtigen-Seite-stehens“ machen. Dieses unreflektierte Gezicke ist wirklich für die Tonne, steht hierbei doch in der Regel das „Ich“ im Vordergrund und nicht das Wohl des Vereins. Felsenfest zu seiner Meinung stehen mag auf den ersten Blick ehrenhaft und willensstark wirken, in vielen Fällen ist die Meinungsbildung im Diskurs jedoch gewinnbringender für die Beteiligten. Wer es schon immer wusste, hatte anfangs nicht immer Recht und wer seine Meinung ändert, ist nicht zwingendermaßen ein Fähnchen im Wind. #nurzusammen mag zwar ein eher kurzes Haltbarkeitsdatum aufweisen oder bereits ausgelutscht in der Spüle liegen, aber es wäre tatsächlich am schönsten, wenn wir in dieser englischen Woche erst mal alle gemeinsam die Dynamo aus Dresden in die Tonne kloppen. Das gibt drei Punkte für die Umfeld-Bilanz und vertreibt üble Gerüche. Ganz nebenbei würde es die attraktive Option eröffnen, endlich wieder einen kleinen Schritt aus dem muffigen Tabellen-Keller der zweiten Liga zu tun.

In meinem muffigen Keller schlummert derweil weiterhin die „play“-Ausgabe zum Champions League Viertelfinale gegen den FC Schmieren und Hinterziehen aus München. Sie liegt neben dem roten Ordner mit den Zeitungsausschnitten aus dem Meisterschaftsjahr 1997/1998. Denn auch beim Entrümpeln sollte man sich ein paar schöne Erinnerungen bewahren, die eben nicht für den Hintern bestimmt sind.

In diesem Sinne!
Ba beneen
Butduma


Unser Sitzmöbel heißt Couch und ist so durchgesessen, biergetränkt und verfurzt, dass es eigentlich ebenfalls längst auf den Sperrmüll gehörte. Zudem ist die Sitzkuhle, die Kohlmeyer hinterlassen hat, dermaßen tief, dass wir seit drei Tagen versuchen, den Bahli daraus zu bergen. Bei dieser Aktion ziehen Devil, Newtrial, Vic und ich an einem Rettungsstrang… dies zwar in verschiedene Richtungen, aber immerhin ziehen wir. Falls die Aktion bis Freitag pünktlich beendet ist, dürft ihr mit einem neuem Couching rechnen.

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SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Butduma am 20.09.2016 um 11:55 Uhr bearbeitet
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