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Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#1471
15.08.2015 - 10:39 Uhr
Zitat von engi65
...

Ich plaediere fuer eine Senioren WG ab 40, die FCK Couch kommt in den Therapieraum und es gibt Gaestezimmer fuer Fans anderer Vereine. Mein blau-weisser Rollator wird auch noch Platz finden, hoffe ich?!?

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder die Couchisten.

Im Ernst danke an alle Couchisten fuer diesen etwas anderen, aber umso wertvolleren Thread.


Auf der Couch sind alle Fans des (wahren) Fußballs und seiner Kultur willkommen, egal ob rechtsrheinisch oder linksrheinisch, das Ding ist ausziehbar, sogar U 40 ist möglich, ansonsten müsste nämlich der ein oder andere Couchist vom literarischen Sofa fliegen.

Ich maße mir jetzt einfach mal an, für alle meine Kollegen hier zu sprechen, wenn ich sage, dass wir uns immer sehr freuen, wenn auch mal Fans anderer Vereine hier rein schauen und sich melden. Ansonsten haben wir nämlich keine Möglichkeit zu sehen, wer hier eigentlich mitliest.

Eines will ich dann aber noch gerne wissen: Habt ihr in Baden die Umlaute abgeschafft oder wurden sie von Schwaben gestohlen? In der Pfalz gibt es fesche Tastaturen mit Ü, Ä und Ö-Pünktchen samt Lewwerworschde-Raumduft und Schorlehalter. Meine Kaufempfehlung!

•     •     •

SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#1472
15.08.2015 - 19:49 Uhr
Zitat von Butduma

Eines will ich dann aber noch gerne wissen: Habt ihr in Baden die Umlaute abgeschafft oder wurden sie von Schwaben gestohlen? In der Pfalz gibt es fesche Tastaturen mit Ü, Ä und Ö-Pünktchen samt Lewwerworschde-Raumduft und Schorlehalter. Meine Kaufempfehlung!

Ich mach mich mal auf die Suche nach den Umlauten, Diebstahl schliess ich schon mal aus.
Sei froh das ich meine Posts nicht in Stein meissle und diese per Maultier auf die Reise schicke.
Lewwerworschd is net ganz so meins, awwer den Schorlehalder in Rieslingausfuehrung faend ich prima.
Natuerlich passend fuer nen Halbliterschobbe.
Warum gibts eigentlich keinen Dorschtsmilie?????
Dieser Beitrag wurde zuletzt von engi65 am 15.08.2015 um 19:50 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1473
19.08.2015 - 16:44 Uhr
besser spät, als nie... Schickes Ding Bahli!

Ich habe die letzen Wochen und Monate einiges zum Thema Fussball, Kommerz und Fankultur erleben müssen und möchte das nun loswerden, denke das passt zum Thema.

Ist der Fussball nicht mehr, als ein Konsumgut?

Ich gehöre zu den älteren, ewig leidenden, unbelehrbaren und ständig nach besseren Zeiten gierenden FCK-Fans. Ja, FCK Fan bin ich nicht einer dieser, ich sympathisiere in der 3ten Liga mit x, in der 2ten Liga mit y, in der 1ten Liga mit z und in der englischen Liga mit a, b und c und zusätzlich bin ich noch ein Freund des französischen Vereins FC Lyoner, weil da ein Spieler auf der Bank sitzt, welcher vor 10 Jahren mal an dem Kassenhäuschen meines Lieblingsvereins vorbei geschrammt ist.

Aber genauso ticken doch viele junge „Fans“ heutzutage. Ich hatte einen Kollegen, der war eigentlich Fan des allmächtigen Lederhosenvereins, dann ist HumbaHumba in die 1te Liga gekommen und da man in der Nähe wohnt ist man halt auch Fan von HumbaHumba. Nebenbei ist der Mann seit Jahren schon über alle Ligen der Welt informiert und sympathisiert mit allem möglichen. Das hat seine Vorteile! Verlieren die „allmächtigen Lederhosen“, dann hat man noch HumbaHumba in der Hinterhand. Wobei es in der Regel genau in die andere Richtung läuft. Passiert der Supergau und beide liefern nicht das gewünschte Ergebnis, dann erfreut man sich halt an dem Favoriten im Kongo. Was soll’s!? Morgen ist das es alles wieder vergessen! Und dieser junge Mann ist nicht der Einzige, welcher so tickt! Sowas sieht man immer wieder.

Und dann kommen solche Typen wie du und meiner einer. Wir schauen uns jedes Spiel an und das nicht im Ticker oder auf Videotest…. Nein, wir müssen so viel wie möglich von dem Spiel live mitbekommen und mitleiden. Und wie es dann einem als Fan eines kleinen Vereines so geht, das Spiel ist unterhaltsam aber am Ende fehlen die Ergebnisse, das WE ist mehr oder weniger verhagelt, montags trifft man den HumbaHumba Fan und der geht einem wegen des Ergebnisses der eigenen Gurkentruppe auf den Sack und hat immer noch einen leuchtenden Joker in seiner Tasche. Die Welt ist so ungerecht, denn irgendwie hat der immer noch einen Joker in der Hinterhand, denn zusätzlich ist er noch Fan eines Siebtligisten und der hat gerade 13:0 gewonnen.

Warum bin ich nur so kompliziert und so festgefahren auf diesen Verein. Gut der hat in der Vergangenheit ein paar Erfolge verzeichnet, aber schließlich könnte man sich doch einen zweiten Verein für die schlechten Zeiten zulegen, aber wen? Da gibt es keinen! Und so geht alles seinen Weg und wöchentlich grüßt das HumbaHumba-Murmeltier (irgendwo gibt es immer was zu feiern). Nicht für mich, ich lebe und leide mit dieser Gurkentruppe. Ich muss zugeben, das hat sich etwas verändert, ich kann dienstags schon wieder das Spiel von WE vergessen und hoffe auf bessere Zeiten, liegt wahrscheinlich am Alter, man vergisst einfach leichter und will sich nicht ständig grämen. Das hat seine Vorteile, das schnellere Vergessen. Ausserdem wer will sich schon all die Spieler des eigenen Gurkenvereins der letzten 5 Jahre merken müssen, das wäre die ultimative Bestrafung für den geschundenen Fan, welcher sich in vollem Besitz seiner geistigen Handlungsfähigkeit befindet.

Noch einmal zu den HumbaHumba Fans und damit ist nicht etwa der gleichnamige Verein gemeint, nein, einfach die Fans, welche Fussball konsumieren wie andere Mineralwasser bei 40 Grad im Schatten. Diese HumbaHumba Fans wollen einfach nur ihren Spass haben und da kann man solche Clubs am unteren Ende der DFL Nahrungskette mal gar nicht gebrauchen. Die wollen ihren Spass, wenn es mal schlecht läuft, dann wird umgeschaltet oder mit Freunden chatted und wieder eingeschaltet, wenn es wieder besser läuft, wozu hat man denn Freunde die einem auf dem Laufenden halten. Ausserdem erlebt man immer wieder, wenn man sich unter diese Volk mischt, dass Fussball nicht wichtig ist, wie ist es sonst zu erklären, dass man ständig während einem Spiel der eigenen Mannschaft chatted, telefoniert oder sonst irgendeiner oberwichtigen, kurzweiligen Ablenkung im Laufe der 90 Minuten nachgehen muss. Hoffentlich können die sich bei anderen Sachen besser konzentrieren! Da liebe ich doch direkt den alten Zottelbär im Stadion neben mir, welcher mir bei jedem Spiel, jede Schiedsrichterentscheidung verbessern kann oder mir erklärt, dass man den Ball hätte besser spielen können…

BTW: die Werbung, welche zu jeder Sekunde noch eingestreut werden muss, interessiert die auch nicht, aber mich als fussballinteressiertern Fan nervt diese sich ausbreitende Seuche zunehmend. Dabei habe ich mich längst damit abgefunden, dass auch der FCK daran nicht vorbei kommt, die West dann Karlsberg-West-Kurve heißen muss, in den Pausen mit lauten Getöse alles und jeder an den Mann gebracht werden muss, da fehlt nur noch, dass es auf dem Pissoir Werbung gegen Brennen im Harnbereich oder für Prostata Medikamente auf einem einrieseln. Dass dieser Trend nicht aufzuhalten ist, kann ein jeder von uns erahnen. Was es für mich und viele andere nicht schöner macht.

Früher war nicht alles, aber manches einfach besser/schöner. So die vielfache Meinung eines Einzelnen!

Zu guter Letzt, der FCK und wenige andere Vereine leben von den Fans und damit meine ich nicht die HumbaHumbas. Diese werden, wenn es nicht mehr schick ist einfach das Leibchen wechseln. Wir werden uns damit abfinden müssen, dass Veränderungen und die Kommerzialisierung des Fussballs nicht aufzuhalten sind, wir müssen ja nicht alles mitmachen. Für mich wird der Fussball die zweitschönste Nebensache der Welt bleiben und da wird es keinen Platz für einen zweiten Verein geben! Bleibt nur zu hoffen, dass es bald wieder bessere Zeiten für den FCK Fan gibt!

In diesem Sinne bis Montag, lasst uns den FCK unterstützen, mit ihm leiden und hoffen, lasst so oft wie irgend möglich den Betze beben und lasst uns die B-Vereine (.rause, .ayer, .ayern und .etriebmannschaften…) so oft wie es geht ein klein wenig piesacken.

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FCK Fans, wir leiden und das mit viel Erfahrung! Ist uns noch zu helfen?
Die Couchingzone |#1474
21.08.2015 - 12:31 Uhr
Liebe Leserschar (ich hoffe sehr, diese Bezeichnung ist nicht übertrieben),

da unser FCK dieses Wochende erst am Montag spielt und ich beruflich momentan recht eingespannt bin, wird das "heutige" Couching erst im Laufe des Wochendes kommen.
Ich hoffe, Ihr verzeiht mir.

Gruß aus der Pfalz
Die Couchingzone |#1475
21.08.2015 - 13:02 Uhr
Zitat von running-man
Liebe Leserschar (ich hoffe sehr, diese Bezeichnung ist nicht übertrieben),

da unser FCK dieses Wochende erst am Montag spielt und ich beruflich momentan recht eingespannt bin, wird das "heutige" Couching erst im Laufe des Wochendes kommen.
Ich hoffe, Ihr verzeiht mir.

Gruß aus der Pfalz


sad jetzt ist der Freitag gleich wieder nur noch halb so viel wert... Und dabei bin ich heute morgen extra aufgestanden Weinend

Schade, aber kein Ding.
Toll, dass ihr das überhaupt macht.
Jetzt muss ich nur die neuen Abonnenten noch etwas vertrösten...

VG und einen erfolgreichen Arbeitstag

•     •     •

"Das Gras wird gebeten über die Sache zu wachsen. ... Das Gras bitte!!!" [Stefan Kuntz]

NEIN zu RB!
Die Couchingzone |#1476
22.08.2015 - 17:24 Uhr
Jahrgang 6 – Ausgabe 5
von running-man

DER LEIHSPIELER ODER DAS ENDE DER TRANSFERPERIODE

Alle Jahre wieder kurz bevor sich der Sommer ganz langsam Richtung Herbst zu neigen beginnt, ist stets dasselbe Phänomen zu beobachten. Der zunächst vom Endspurt der Vorsaison gezeichnete, dann vom Sommerloch emotional ausgedörrte und dem Saisonbeginn gerade wieder angeheizte Fußballfan wird in der zweiten Augusthälfte nervlich völlig zermürbt, zersägt, zerstückelt. Panik macht sich breit bei Clubmanagern, Sportdirektoren und sonstigen Entscheidungsträgern, die den Kader ihres Vereines für die kommende Saison zusammenstellen müssen. Panik, die sich lauffeuerartig über die Fangemeinde verbreitet, hochlodert, sich immer wieder selbst anfacht. Jedweder Löschungsversuch ist zum Scheitern verurteilt. Das Feuer lässt die Gerüchteküche brodeln und so die Feuersbrunst wieder anfachen. Jeder Versuch, mit besonnenen Worten oder gar kühlen, rationalen Gedanken für Linderung zu sorgen, ist zum Scheitern verurteilt. Das flammende Inferno wäre nur durch kompletten Nahrungsentzug aufzuhalten, was aber nicht vor dem ersten September denkbar ist. Die Transferperiode neigt sich gen Ende und deshalb muss an allen Ecken und Enden noch etwas passieren.

Wenn nichts mehr geht, dann kommt in modernen Fußballzeiten der eine Spezies von Kicker, die die Fußballwelt erst seit einigen Jahren kennt:

DER LEIHSPIELER

Der Leihspieler ist ein neuer Typus des Fußball spielenden Protagonisten. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er entgegen biblischer Weisheit zwei Herren zu dienen verpflichtet ist und zwar – dies unterscheidet ihn vom sog. Söldner – gleichzeitig. Seinem Entleiher dient er durch sportliche Leistung und damit verbundenem Erfolg, dem Verleiher und damit eigentlichen Dienstherrn mit Steigerung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Marktwert.
Die Leihe zeichnet sich dadurch aus, dass der Verleiher (im Zweifel Eigentümer der Sache) dem Entleiher (i.d.R.) zeitlich begrenzt den Gebrauch des Leihgegenstandes gewährt. Die Leihe ist des Weiteren durch ihre Unentgeltlichkeit gekennzeichnet (hoppla). Die zeitlich gewährte Nutzung gegen Entgelt kennt jeder, man nennt dieses Konstrukt Miete. Vielleicht sollten wir zukünftig ja von Mietspielern sprechen. Das würde vielleicht die moralische Verwerflichkeit dieser Vertragskonstellation besser zum Ausdruck bringen.

Naturgemäß gibt es zwei Sorten von Leihspielern, die sich bei genauer Betrachtungsweise ausschließlich durch den Blickwinkel unterscheiden, aus dem man sie betrachtet. Während der Spieler den man verleiht stets die Hoffnung auf eine win-win-Situation verkörpert, ist der entliehene, fremde Spieler stets ein wirtschaftlich-sportlicher Offenbarungseid. Das wiederum erklärt sich sehr einfach, wenn man bedenkt, dass stets ein größerer, wirtschaftlich potenterer und sportlich erfolgreicherer Verein den Spieler an einen kleineren Verein verleiht, der sich diesen Spieler ansonsten nicht leisten könnte oder den Spieler nicht dauerhaft vom eigenen Verein überzeugen könnte.

Für den reichen Eigentümer-Verein bedeutet der Spieler-Verleih stets einen kleinen, bunten Strauß an Vorteilen:
- Der Spieler, der zu wertvoll ist, ihn abzugeben, aber zu schwach oder noch nicht weit genug entwickelt, um ihn nennenswert selbst einzusetzen erhält beim anderen Verein Einsatzzeiten, Spielpraxis und die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln.
- Als finanzielles Plus erhält der abgebende Verein während dieser Zeit i.d.R. eine Leihgebühr und spart zudem Gehalt ein.
- Nach Ende der Leihzeit kommt ein weiter entwickelter, reiferer, sportlich und damit auch finanziell wertvollerer Spieler zurück

Der arme, entleihende Verein hingegen
- muss eine Leihgebühr und zudem Gehalt zahlen, dafür dass er
- für den reichen Verein den Spieler ausbilden, verfeinern oder wieder aufbauen darf.
- Den so entwickelten Mehrwert schöpft nach Ende der Leihe alleine der Große, der Reiche ab.

Das kann nicht weiter verwundern, sangen doch bereits in den 70ern Agneta und Annafried:

“The winner takes it all, the loser standing small”

Vielleicht wussten die beiden damals nicht, welch fußballerisch systemimmanente Wahrheit sie hinsichtlich der später fortschreitenden Kommerzialisierung zum Ausdruck brachten. Heute wissen wir es endlich.

Der Leihspieler ist (einmal mehr neben dem Söldner) eines der Instrumente dieses kapitalistischen Systems, das Reiche immer reicher, Arme immer ärmer, Erfolgreiche immer erfolgreicher und Schwache immer schwächer werden lässt.
Von dieser Dramatik ist auch der FCK und insbesondere der tapfer am Kader mit bastelnde Fan erfasst. Die FCK-Gemeinde ist wieder im Rausch.

-Im Rausch der Sehnsucht
-Im Rausch der Unverständnis
-Im Rausch der Wut
-Im Rausch des Friedel … ääh, nein, der hat hiermit wirklich nichts mehr zu tun

Wahrscheinlich ist das Meiste ohnehin nur das Rauschen im Blätterwald der nach News und Aufmerksamkeit heischenden Fach- oder Regenbogenpresse. Jedenfalls ist mehr als besorgniserregend, was da so berichtet wird. Je weiter die Zeit voranschreitet, desto unsinniger wird das Gebahren der nach Verstärkung suchende Verantwortlichen.

Während man zu Beginn der Sommerpause es sehr souverän schaffte, durch den Verkauf von Karteileichen wie Leon Jessen den Kader zu entschlacken und die Rohdiamanten Orban und Heintz, die nicht zu halten waren, beachtlich zu versilbern, ging man sodann im Wesentlichen erfolgreich daran, die Truppe sinnvoll zu ergänzen (auch wenn man für Ziegler als Karl-backup natürlich viel zu viel Geld ausgegeben hat).

Die bösen Leihspieler Stöger, Demirbay und Younes, die durch ihre in der Endphase der Saison gezeigte mangelnde Vereinsidentifikation im Schlussspurt den Aufstieg vergurkt hatten, kehrten zurück zu ihren Heimatvereinen und rissen beträchtliche Lücken im Mittelfeld. Der Sturm liegt ohnehin spätestens seit dem Weggang Lakics nahezu brach.

Die wesentlichen Probleme blieben bis heute überwiegend ungelöst. In der vorderen Front entsorgte man zunächst den eigentlich für uns viel zu guten künftigen Nationalstürmer Hofmann für eine beachtliche Summe nach England. Statt eines echten Stürmers verpflichtete man dann aber bestenfalls einen Windmacher mit unaussprechlichem Namen, der allerdings zum Erstaunen der Fangemeinde plötzlich mehr als das erwartete laue Lüftchen produziert. Gleich darauf wurde aber Mugosa, der gute Leihspieler im Kader (gut, weil wir zuletzt Verleiher waren) für Appel und Ei verkauft. Und seitdem läuft die Bankrotterklärung der Leihen. Mit Colak wird ein Stürmer geliehen, der natürlich überhaupt nichts taugt und zudem einige Wochen zuvor billig zu kaufen gewesen wäre. Man macht sich zum Knecht der Emporkömmlinge aus Hoppenheim. Ein echter Knipser ist nicht in Aussicht. Nachdem Piossek, der Wunderstürmer aus der 3. Liga, in Preußen bleiben muss, kann man den 3 Tore-Stürmer Bövardson verpflichten, aber erst in einem halben Jahr. Seitdem fällt den Herren am Berg augenscheinlich nur noch Schwartz aus Bröndby ein, natürlich in Form der per se vereinsschädigenden Leihe.

Noch schlimmer sieht es auf den Flügeln aus. Sollen wir jetzt das Ausbildungszentrum des HSV werden und Stieber und Gouaida zu einer bundeligatauglichen Flügelzange formen oder die neuerliche Kooperation mit unserem karnevalistischen Namensvetter vertiefen und Finne unseren eigenen Talenten vor die Nase setzen oder lieber doch Gyasi aus dem Land unserer orangefarbenen Fußballlieblinge?

Ist das das Los der Mittelmäßigkeit, das schon Kermit, der Frosch besang oder befinden wir uns in einer Konsolidierungsphase, in der der Vorstand clever wirtschaftet, Spieler teuer verkauft und nur dann kauft, wenn sie billig sind und sich ansonsten punktuell gezielt aus dem Fundus der (noch) vor uns stehenden bedient?

“The winner takes it all” oder “Wer zuletzt lacht, lacht am besten?“

Gruß aus der Pfalz

Auf der Couch gibt es ausschließlich Stammplätze, mit Leihe läuft da gar nichts!
Die Couchingzone |#1477
22.08.2015 - 21:01 Uhr
Klasse, Runner - das Thema Leihspieler war einfach fällig. Hat Spaß gemacht zu lesen.

FC/CK - A6 To Hell
Bahli

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You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#1478
23.08.2015 - 10:20 Uhr
Ein Couching, dass die Leiden des Dorn in Sachen Leihspieler deckungsgleich abbildet.
Sehr schön geschrieben, running-man! Ich bin froh, dass du dir trotz Stress doch noch die Zeit dafür nehmen konntest.

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"And what can I tell you, my brother, my killer?
What can I possibly say?
I guess that I'll miss you. I guess, I'll forgive you.
I'm glad you stood in my way.
If you ever come by here for Jane or for me -
Well, your enemy's sleeping. And his woman is free.
Yes, and thanks for the trouble you took from her eyes.
I thought it was there for good - so I never tried."
(Leonard Cohen)
Die Couchingzone |#1479
24.08.2015 - 11:43 Uhr
Zitat von running-man
.....
Top Beitrag! Ich spare mal den Text wegen der Übersichtlichkeit, sollte ja leicht abzusehen sein welchen Kommentar ich zitiere (weil dritter BEitrag über mir).

Pauschal würde ich das Thema Leihspieler aber etwas differenzierter sehen. Gibt es nicht auch Fälle wo der verleihende VErein das GEhalt übernimmt oder teilweise? Gab es nicht auch Fälle für Boni (z.b. rückwirkend ganzes GEhalt zahlen wenn der verliehene Spieler auf die Einsatzzeiten kommt?) Ich habe das zumindest so verstanden gehabt, und entsprechend finde ich die Idee für nen guten Backup und Rotationsspieler die Leihe immernoch nützlich.
Wenn der Leihspieler bei seinem Verein vielleicht nur zu in der Summe um die 400 Stunden Spielzeit abkriegt pro Saison, wäre es doch sinnvoller wenn er 1400 Stunden (also ca. fast die Hälfte einer Saison Spielzeit) im Leihverein abkriegt und der leihende Verein immernoch genug Spiele hat die eigenen Talente spielen zu lassen.


Ansonsten betrefflich des FCKs muss ich auch noch ein evtl. differenzierten Gedanken innen Raum werfen. Mainz ist doch vermutlich attraktiver für Talente aus der PFalz geworden wegen dem nun mehrjährigen Klassenunterschied. Könnte man diese Attraktivität nicht ein wenig ausgleichen indem man für Stuttgart, Hamburg etc. paar Spieler hochzieht die in der BuLi anschließend glänzen und das auf den Standort Kaiserlautern zurück zu führen ist? Das ist natürlich auch kein glanzvoller Weg, aber den Umständen entsprechend, vielleicht auch nicht ganz kopflos gewesen.
Ich bin definitiv auch der Meinung, dass man keine gute Balance bezüglich der Leihspieler getroffen hat zuletzt, aber nach einem sportlichen Amoklauf sah das für mich nun auch nicht aus^^

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Dieser Beitrag wurde zuletzt von Multifan29 am 24.08.2015 um 11:44 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1480
26.08.2015 - 20:14 Uhr
Ich nehme mir mal raus, das neue Couching schon heute reinzustellen.
Das nächste Spiel ist ja schließlich schon übermorgen. zwinker



Jahrgang 6 – Ausgabe 6

TEDDIES, PUSSIES UND JACKIES
oder: VERLOREN ZWISCHEN VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT

von Vic Dorn


Irgendwo im Pfälzer Wald. Ganz tief drinnen. Tiefer als die meisten von uns jemals drin gewesen sind. So tief drinnen, daß man auch sagen könnte: Nirgendwo im Pfälzer Wald.

So tief drin im Pfälzer Wald, daß selbst die Fledermäuse nur mit Polizeischutz durch die Gegend flattern. Es ist Nacht, schwarze Nacht. Aber dann: Ein Blitz zuckt auf und fährt der Finsternis durchs Herz. Und plötzlich das Knacken eines Astes. Der Beweis, daß man nicht allein ist im tiefen nächtlichen Schlund des Pfälzer Waldes, sondern daß jemand hinter einem her ist. Gräßlich Gewißheit! Man möchte am liebsten diesen Fernsehfilm ausschalten – aber die Realität hat halt leider keinen Aus-Knopf.

Aber zum Glück, zu meinem absoluten Glück war das eben nur ein vorbeieilender Fuchs, und außerdem bin ich nicht allein im tintenschwarzen Dickicht zwischen Johanniskreuz und Wellbachtal. Zum Glück ist Markus mit dabei.

Ach, den kennt ihr bisher noch überhaupt nicht? Na denn:

Bühne frei für Markus!

Markus ist Bodybuilder aus Leidenschaft. Er ist mindestens zehn Zentimeter zu groß, um Gardemaß zu haben und seine mächtig mit Muckis bepackten Oberarme brachten ihm schon im Studentenalter den Spitznamen „Anabolikowski“ ein. Auf dem rechten Oberarm trägt er ein Tattoo mit einem Superman-Emblem. Zum Glück trägt er aber auch ein Tattoo mit einem Nicht-Lustig-Lemming auf dem linken Oberarm, so daß er nicht wie ein Prolet aussieht, sondern eher wie die augenzwinkernde Parodie auf einen solchen. Mit dem nikolausartig das Kinn umflorenden Vollbart und seinem borstigen schwarzen Haupthaar, das einer gerösteten Klobürste verdächtig ähnlich sieht, sieht er beinahe wie eine riesenhafte Teddybär-Mutation aus. Oder anders ausgedrückt: Rübezahl meets Räuber Hotzenplotz meets Volker Pispers meets Khal Drogo. Ihr wißt, was ich meine?

Sein Lieblings-Gesprächsthema? Markus redet gerne über „Pussies“. Aber die unschuldig-naive Art, wie er das tut, läßt jeden Pussy-Spruch, der über seine Lippen gleitet, wie eine schmachtende, sehnsuchtsvolle Liebeserklärung klingen. Die Frauen mögen Markus. Trotz der Sprüche. Oder wegen der Sprüche? Wer weiß das schon? Würde Vic sich an dem gleichen Spruch versuchen, würde es verächtlich, plump und primitiv klingen. Zum Glück ist Vic ein Lyriker und würde solche Sprüche sowieso nicht ablassen. Wie jeder gute Lyriker hat Vic nur Sprüche drauf, die harmlos, blutarm und belanglos sind.

Eines will ich gleich hinterherschieben: Markus ist nicht halb so simpel gestrickt wie er aussieht oder angesichts meiner Beschreibungen vielleicht wirken mag. De facto ist er sogar ein blitzgescheiter Kerl, der sich in Menschen hineinfühlen kann – und vor allem ist er einer, der die Menschen durchschaut. Man kann ihm nichts vormachen. Gar nichts. Ätzend, der Typ. Und trotzdem mega-sympathisch, der Typ. Früher als ich vierzehn oder fünfzehn war und in der noch so fernen Volljährigkeit die Erlösung all meiner pubertären Leiden erhoffte und ersehnte, habe ich mir oft gewünscht, Markus wäre mein großer Bruder und würde mir den Weg weisen. Okay, er ist vier Monate jünger als ich. But who gives a ***** anyway? Dieser Typ ist so was von souverän, daß ich ihn auch dann gerne als großen Bruder hätte, wenn ich sein Erzeuger wäre.

Wir bahnen uns weiter unseren Weg durch die Finsternis des Waldes.
„Schade, daß es hier im tiefsten Dickicht des Pfälzer Waldes keine Pussy-Station gibt“, sagt Markus gerade. „Ne Pussy für unterwegs - das hätte doch was für sich.“
Ich muß lachen. Scheiße nochmal, warum muß ich über so was lachen? Wahrscheinlich weil Markus genau solche Sprüche eben mit der liebenswerten Naivität eines Teddybärs von sich geben kann. Unfair, das! In diesem Teddy-Tonfall könnte er auch sagen: „Ich muß kacken“ – und ich müßte trotzdem lachen. Da fühlt man sich gleich schutzlos ausgeliefert.

Markus hat übrigens im letzten Herbst nach unserem Heimspiel gegen Darmstadt vorhergesagt, daß Darmstadt aufsteigt und daß der FCK am Ende nicht mal Dritter wird. Kein Witz! Das hat er wirklich vorher schon gewußt. Dabei ist Markus nicht mal FCK-Fan. Er interessiert sich nicht die Spur für Fußball und hat vom Kicken keine Ahnung. Nur von Pussies. Und von Muckis.

Markus ist es auch gewesen, der mir vorgeschlagen hat, heute nacht diese Nachtwanderung zu machen. In memoriam an die guten alten Zeiten. Wie damals, nach dem Abi. Und wir haben auch wirklich Spaß heute nacht, da braucht ihr erst gar nicht dran zu zweifeln. Es macht auch gar nichts, daß gerade ein verheerendes Gewitter aufzieht. Und es macht erst recht nichts, daß wir uns im Wald verlaufen haben und daß keiner von uns beiden ein Smartphone hat, mit dessen Hilfe man ausfindig machen könnte, wo zur Hölle man sich eigentlich befindet.

Immerhin, gerade als es zu kübeln anfängt, entdecken wir einen überdachten Hochsitz. Sogar einen, bei dem die Leiter nicht angesägt ist. Noch nie war ich so froh wie jetzt, eine dieser Ballerstationen für Grünmützen-Psychopathen entdeckt zu haben. Rauf in die gute Stube (der Boden ist sogar mit Teppich ausgelegt!) und durchatmen. Blitz! … zwo… drei… vier… Donner! Oh, oh! Gar nicht gut. „Gewitter mag ich gerne“, sagt Markus mit seinem voluminösen Teddybär-Bariton. Fast muß man Gewitter auch mögen, wenn man ihn so reden hört.

„Pussies wären dir aber sicher lieber als Gewitter“, erwidere ich spontan. Warum zum Henker klingt es so unlustig, wenn ich es sage? Markus lacht trotzdem. Aus Solidarität wahrscheinlich. Dann packt er zwei Dosen Jacky-Cola aus und bietet mir eine davon an. Blitz! … zwo… dr… Donner! Och, nö! Muß das sein? Mittlerweile pullert es in Strömen. Markus bietet mir seine E-Zigarette an. Danke, nein, wirklich nicht. Die Jacky-Cola reicht mir völlig. Blitz und Donner fast gleichzeitig. Markus grinst und sagt leise: „Geil.“ – Ich flüstere ganz leise und unhörbar: Wenn ich aus dieser Wald-Gewitter-Hölle je wieder heil rauskomme, dann werde ich Fan von HasenStallsport Leipzig…
(Nein, nein, keine Angst! Das flüstere ich natürlich nicht. Ich wollte euch nur schocken.)

„Du, Markus“, sage ich, während er im Licht der Taschenlampe genüßlich an seiner E-Kippe rumdampft, und ich vernehme dabei mit Befremden die Beklommenheit in meiner eigenen Stimme. „Warum habe ich aufgehört, den FCK bis zur Besinnungslosigkeit zu lieben?“

Markus blickt mir forschend ins Gesicht. Dieser Blick: Psychiater meets NSA meets Teddybär. Diesen Blick muß man gesehen haben, sonst glaubt man nicht, daß jemand so bizarr aus der Wäsche schauen kann. Blitz… zwo… Donner! Immerhin. Die Andeutung eines Rückzugs. Markus forscht drei Blitze lang. Dann sagt er, bedächtig wie ein Hundetherapeut: „Weil du verlernt hast, als Fan den Augenblick zu leben. Du jammerst der ach-so-goldenen FCK-Vergangenheit hinterher, stellst Forderungen für die Zukunft und deshalb gibst du der Gegenwart keine faire Chance.“
„Also, so kann man das ja auch nicht sagen…“, versuche ich zu protestieren, aber Markus wischt den kläglichen Klang meines dünnen Stimmchens mit einer seiner Riesenpranken lässig weg. „Ihr seid nur noch am Rummaulen, du und die anderen Futzis aus diesem komischen Forum… - Wie heißt es gleich nochmal?“
„Der Betze brennt“, sage ich hastig. Netter Versuch. Natürlich schlägt er fehl.
„Nein, Transfermarkt!“ donnert er lauter als es der Himmelsdonner selbst in kooperativer Unterstützung von Gott, Zeus und Thor jemals vermocht hätte, aber trotz der Strenge in der Stimme klingt er immer noch wie ein Teddy. Ein strenger Teddy eben. „Nur am Motzen, immer nur am Motzen!“ fährt er fort. „Ihr solltet euch lieber Transmotzmarkt nennen. Der Trainer spielt zu offensiv, der Trainer spielt zu defensiv, der Trainer spielt zu fönfrisiert. Der Kuntz holt nur Leihspieler, der Kuntz holt nur Schrott. Platz vier ist ‘ne Katastrophe, Platz vier ist der Weltuntergang. Mugosa wäre der Messias gewesen und Osei Kwadwo der Heilige Geist… - Ihr seid reif für die Loge in der Muppets Show, du und deine Kumpanen von Transfermarkt. Pussies seid ihr, absolute Pussies!“ Blitz und Donner zugleich. Dramatische Unterstreichung eines Urteilsspruchs.

„Wir Fußballfans sind Pussies?“ frage ich schockiert.
„Und was für welche“, bestätigt Markus gnadenlos. „Absolute Oberpussies. Immer nur am Maulen.“
Ich greife mit zitternden Fingen nach seiner E-Zigarette und gönne mir jetzt doch mal einen Zug. Schmeckt irgendwie nach… nach… ja, nach was denn?
„Waldmeister“, erklärt Markus grinsend. Ich sag’s euch ja, der Teddy kann Gedanken lesen.
„Ist ja pervers! Du hast wohl nicht mehr alle Latten am Zaun!“ weise ich ihn zurecht. Waldmeister! Und so was will mein Freund sein? Ich spüle den Geschmack mit Jacky-Cola weg.

„Du hast recht“, sage ich dann nach langer, langer Pause im dumpfen Tonfall des Ertappten, des Bloßgestellten, des Demaskierten, nachdem ein weiterer Blitz eher unentschlossen am Himmel entlanggezüngelt ist. „Du hast beschissen nochmal recht, wie man überhaupt nicht rechter haben kann. Ich renne wie ein hysterischer Duracellhase zwischen Zukunftspanik und Vergangenheitsanbetung hin und her und dabei habe ich als Fan verlernt, den Augenblick zu leben.“
Markus nickt und lächelt wissend. „Prost, Pussy“, sagt er dann. „Selbsterkenntnis… - Du weißt schon.“ Wie knapp und wie treffend zugleich! Das tröstliche Timbre seiner Stimme läßt mich meine Bitterkeit vergessen. Oder ist es doch eher die Jacky-Cola, die allmählich ihre Wirkung zeigt? Mittlerweile haben wir nämlich schon beide unsere dritte Dose aufgemacht.

„Glaubst du, es wird wieder besser?“ frage ich fünf Minuten später reichlich bang und beklommen. Dabei trommele ich nervös auf meiner vierten Jacky-Cola-Dose rum.
„Was wird wieder besser?“ fragt Sven mit bereits hörbar schwerer Zunge. Ach nee, er heißt ja Markus. In jungen Jahren hat man irgendwie mehr vertragen.
„Meinst du, ich werde jemals wieder fähig sein, meinen FCK kindlich, unkritisch und bedingungslos zu lieben?“ Kann er dabei das Flehen in meinen Augen überlesen? Er kann es nicht. Oder? Oder? Kann er etwa doch?
„Warum gibst du mir keine Antwort?“ frage ich schließlich mit vibrierender Kieksstimme.
„Weil ich erst noch auf den nächsten Blitz warten will“, erklärt Markus und nuckelt entspannt an der E-Zichte. Das neue Aroma riecht verdächtig nach Rhabarber. Ich frage aber lieber nicht nach. Mein Verdacht könnte ja wahr sein. Markus, rauch lieber wieder Luckies! Das wirkte irgendwie weniger grotesk.

Dann endlich der Blitz! … zwo… drei… vier… fünf… sechs… Donner! „Klar wirst du das wieder können“, sagt Gunnar… äh… Markus und klopft mir dabei aufmunternd auf die Schulter. „Spätestens, wenn du alt, dement und nicht mehr richtig im Oberstübchen bist.“
„Dann muß ich ja nur noch drei, vier Jahre warten“, sage ich lakonisch und schließe – eingelullt in meiner Schläfrigkeit – die Augen. Markus lacht und klingt dabei wie ein Pferd im Stimmbruch beim Versuch, zu wiehern. Wenn sein Lachen echt ist, sieht er wie ein Waschbär aus. Wenn er nur aus Solidarität lacht, sieht er wie Kurt Beck aus. Gerade jetzt sieht er aus wie… ja, wie eigentlich? Wie Manni, das Mammut? Ich glaube, ich werde nie mehr im Leben Jacky-Cola trinken. Schmeckt sowieso nicht, das Gesöff.
„Spaß beiseite“, sagt Markus dann. „Die Leichtigkeit kommt in dem Moment zurück, in dem du am wenigsten mit ihr rechnest. Du wirst sehen.“

Blitz… zwo, drei, vier, fünf, sechs, sieben… - Plötzlich stiert das triefend nasse Antlitz eines grünbemützten Mannes grimmig und nußknackerhaft in unseren Unterschlupf hinein. Seine langläufige Knarre hat er auch dabei.
„Was zum Teufel habt ihr hier verloren?“ Dieser Tonfall! Schlimmer als ein Dorfschulmeisterlein. Gibt’s den auch in höflich?
‚Was wohl? Unterschlupf suchen vor dem Regen, du Ochse‘, hätte ich am liebsten gesagt. ‚Und außerdem habe ich Kummer mit meinem FCK.‘
Aber Markus regelt die Angelegenheit auf seine ureigene, nonchalante Weise.
„Verpiß dich, du Pussy“, brummt er behaglich und läßt dabei ganz lässig die schwer gewordenen Lider über seine Augen gleiten.
Der Jäger blickt ihn an. Mit Guckerchen, die eine kreisrunde Form und eine tischtennisballgroße Größe angenommen haben. Und dann lacht er. Und lacht. Und lacht. Und lacht. Lacht wie ein Orkan. Lacht wie eine durchbrochene Schallmauer. Lacht wie eine explodierende Supernova. Markus lacht auch. Und Vic lacht auch. Sogar die Bäume scheinen mitzulachen. Ja, tatsächlich! Der ganze Wald und die Blitze am Himmel biegen und krümmen sich vor Lachen.

Da ist sie endlich wieder – die Leichtigkeit des Seins! Die Fähigkeit, den Augenblick zu leben! Sie kehrt just in dem Augenblick zurück, in dem man aufhört, sie zu suchen. Mitten im Wald, mitten im Gewitter, mitten im Rhabarber-Dunst, vis-à-vis mit der Visage eines Jägers. Beschissene Rahmenbedingungen. Alles falsch, alles verkehrt. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen: Baff! Da ist er, der Moment, in dem alles wieder unbeschwert und leicht ist. Und genau so, genau so, genau so wird es auch mit meiner bedingungslosen Liebe für den FCK sein. Sie kommt genau dann zurück, wenn ich aufhöre, ihr hinterherzuheulen und hinterherzuhecheln. Danke, Markus! Seit dieser bekloppten Nachtwanderung kann ich sogar auch wieder an den Aufstieg glauben. Denn mit ihm ist es garantiert genauso: Er wird uns dann ereilen, wenn wir am wenigsten mit ihm rechnen. Wann immer das auch sein wird.

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Die einzigen Blitze, die auf unserer Forumscouch bekannt sind, sind die Geistesblitze der Autoren. Berti, Bahli, Kohlmeyer, Butduma, running-man und Vic versuchen Woche für Woche aufs Neue, die werte Leserschar mit ihren Beiträgen zu erleuchten. Und wer sich nicht erleuchten lassen will, ist eh ‘ne Pussy und gehört in den Wald.

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"And what can I tell you, my brother, my killer?
What can I possibly say?
I guess that I'll miss you. I guess, I'll forgive you.
I'm glad you stood in my way.
If you ever come by here for Jane or for me -
Well, your enemy's sleeping. And his woman is free.
Yes, and thanks for the trouble you took from her eyes.
I thought it was there for good - so I never tried."
(Leonard Cohen)
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