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Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#2031
18.08.2017 - 20:30 Uhr
Jahrgang 8, Ausgabe 4

FUSSBALL: DIE WAHRHEIT – UND NICHTS ALS DIE WAHRHEIT (jedenfalls vielleicht)

von Vic Dorn

Fußball ist eigentlich ein doofes Thema. Also, nicht generell. Aber irgendwie doch. Ja, schon. Echt jetzt. Mit diesem Stempel „doofes Thema“ will ich ja nicht behaupten, dass der Fußball an sich doof wäre. Aber wenn wir mal so ehrlich sind, dann ist der Fußball doch eigentlich ein wirklich viel zu doofes Thema, um Aufsätze mit intellektuellem Anspruch über ihn zu schreiben. Ich meine, mal ehrlich: Wir Kolumnisten versuchen uns doch Woche für Woche immer wieder an der Quadratur des Kreises. Wir versuchen einen Sport, der eigentlich so banal ist, dass er völlig zu Recht Deutschlands Proll-Sport Nummer Eins ist, mit schöngeistigen Worten so aufzuhübschen, als ob er eine Oper von Verdi, ein Gemälde von Rembrandt oder ein Roman von Tolstoj wäre. Ja, wir depperten Couchistos. Wir versuchen verbalerotische Blüten zu züchten und zu kultivieren, obwohl der Nährboden, auf dem sie wachsen sollen, sein Hirn in den Schienbeinschonern hat.

Warum machen wir das eigentlich, wir seltsamen Couchistos? Fußball ist doch primitiv. Er erhebt doch überhaupt keinen Anspruch darauf, intellektuelle Mindeststandards zu erfüllen. Er atmet die miefige Gossen-Luft von Schweiß, Blutgrätschen, Kack-Schwalben, Beschimpfungen und Bierfahnen. Das genau ist doch das Ambiente, mit dem er sich umgibt. Um das Niveau dieses Sports gerecht und authentisch wiederzugeben, dürften wir in unseren Couchings eigentlich nur Grunzlaute, Fürze, Gekottere und Rülpser von uns geben. Stimmt doch, oder? Tun wir aber nicht. Wir tun so, als ob der durchschnittliche deutsche Stadiongänger oder zumindest der durchschnittliche Couching-Leser aus dem Literarischen Quartett, Buckingham Palace, oder der Sorbonne entsprungen wäre. Ein Vorhaben, das eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Warum verbiegen wir uns also Woche für Woche auf diese Weise, wir Couchistos?
Haben wir einen Charles-Dickens-Komplex, oder wie? Raus aus der Gosse, rauf auf den Thron? Ich verstehe es echt nicht.

Ich meine, im Fußball geht es doch wirklich nur um Anstoß, Pass, Doppelpass, Flanke, Einwurf, Freistoß, Eckball, Abseits, Foul, Gelbe Karte, Rote, Karte, Einwechslung, Auswechslung, Tor. Eigentlich geht es um wenig mehr als das. Und allein schon diese oftmals sehr gekünstelt und peinlich wirkende Herum-Analysiererei in der Glotze mit irgendwelchen Experten – meistens Trainer oder abgedankte Fußballhelden- und Möchtegern-Experten – meistens Journalisten, die Sportjournalisten geworden sind, weil ihre Fähigkeiten in der Sportart, über die sie schreiben, nicht gereicht haben, um selber über sie zu schreiben…. – Ist doch oft so was von gefakt und künstlich, oder? Ich habe mich nach dem Anschauen eines Spiels schon oft gefragt, warum Wollitz und Co. gerade eine Wagner-Oper gesehen haben und ich nur ein langweiliges, grausiges Gekicke.

Ey, Leute! Fußball ist total anal… äh… sorry, „banal“, wollte ich schreiben. Das „B“ auf meiner Tastatur klemmt ab und zu. Und trotzdem versuchen sehr viele verschiedene Akteure rund um den grünen Rasen, zum Beispiel Fans, Journalisten, Funktionäre, Politiker oder Mäzene diesem banalen Fußball irgendwelche Verbal-Kathedralen zu bauen. Die einzigen, die das scheinbar schon lange nicht mehr tun, das sind die Spieler. Nicht die Ex-Spieler, deren Karriere schon vorbei ist. Diese Ex-Aktiven entdecken als Experten am Rande von Fußball-Liveübertragungen oder als Gäste fußballbezogener Talkshows oder auch als Lichtgestalten des Kleinstadt-Stammtischs plötzlich das Kathedralentum des Fußballs wieder. Aber die aktiven Spieler. Die sind die einzigen, die nicht dieses verklärende Geschiss drum machen um den Fußball. Die wissen ganz genau, was Fußball ist.

Fußball ist…

…eine verdammt gute Möglichkeit, eine Menge Kohle zu verdienen und auf dieser Grundlage ein ausschweifendes, von Prunk und Protz geprägtes Leben führen zu können. Weil man kicken kann. Und weil die Weltwirtschaft so geisteskrank ist, das Kicken-Können göttlich zu bezahlen. Ey, Leute, echt jetzt: Wenn ich mir vorstelle, ich wäre einem Verein 222 Millionen Euro Ablöse wert…. – 222 Millionen! Wisst ihr, wie ich mich dabei fühlen würde? Ganz ehrlich, ich bekäme Depressionen, ich bekäme Angststörungen. Mir würde der Boden unter den Füßen wegsinken. Ich wäre so beeindruckt und eingeschüchtert, ich würde keinen Ball mehr treffen. Wahrscheinlich wäre ich nicht mal mehr imstande, morgens aus dem Bett aufzustehen. Respekt, ihr Bales, Pogbas, Ronaldos, De Bruynes und Neymars und wie ihr alle heißt. Respekt, dass euch das alles scheinbar gar nicht kratzt! Wie macht ihr das? Das ist echt krass, dass ihr es schafft, dabei so ungerührt zu bleiben.

Aber wir anderen – wir, die wir keine Profi-Spieler sind, sondern als biedere Pendler morgens in der Bahn vor uns hindösen und das selbe auch nachmittags versuchen, aber es meistens nicht schaffen, weil irgendein kreischendes übellauniges Baby oder Kleinkind auch im Zug ist und uns den ersehnten Pendlerschlaf verdirbt: Warum baden wir den Fußball in dieses ätherische, pulsierende, glücksüberströmende elysische Blendlicht? Warum? Ist doch kindisch, ist doch weltfremd. Also warum?

GRUND 1
RELIGION / ERSATZRELIGION
Die Fans von Union Berlin beten es ja vor: „Meine Fußball-Religion bleibt Eisern Union“. Künstlerisch und lyrisch ein etwas fragwürdiger Text. Wenn man es nett ausdrückt. Hier hat kein federschwingender Poet sein künstlerisches Herzblut aus seinen Adern rausgepresst, sondern hier hat eher eine buchstabenbewehrte Dampfwalze einen Abdruck hinterlassen. Aber die Dampfwalze hat recht. Fußball ist Religion. Fußball ist die Sehnsucht nach etwas Höherem. An das Gott-Konzept der Christen zu glauben ist längst out. Wenn es den Gott der Christen wirklich gibt, dann wird er sich wahrscheinlich selber mittlerweile antiquiert und öde finden. Er würde wahrscheinlich auch sagen „Gott ist tot – es lebe der Fußball“.
Ja, so ist das doch mit der Sehnsucht nach etwas Höherem, nach etwas Himmlischem, nach einem Sinn des Lebens und des Strebens, den man nicht in Frage stellen kann und darf – außer nach ner Niederlage. Da darf man es. Aber auch nur kurz. Denn der Fußball ist ewig – im Gegensatz zu Gott, der auf der Schwelle zum Einundzwanzigsten Jahrhundert irgendwie verlorengegangen ist – wie ein Kind bei Ikea. Aber mein Fußballverein, das ist das, was von mir bleibt, wenn ich mal nicht mehr bin – und mein Sarg wird eingehüllt sein in sein Banner und in seine Farben.
Ist schon so. Oder?
Und Religion darf nicht dreckig, prollig und miefig sein. Man muss sie überhöhen. Elysisch überhöhen. Wir Couchistos tun das. Deshalb sind wir gute Menschen.

GRUND 2
LIEBE, TREUE, HERZSCHMERZ
Die lebenslange Ehe als Lebensmodell: Noch immer aktuell? Na ja, es ist wohl mittlerweile so, dass nur noch wenige Paare da wirklich durchkommen. Oder? Mal ehrlich. Ich finde diese alten, zerknitterten Pärchen toll, die wirklich ein Leben lang zusammengeblieben sind und zusammengehalten haben und sich immer noch inniglich und in selbstverständlicher Liebe verbunden sind. Liebe, die sogar den Sex irgendwann überlebt hat. Aber sie sind die Ausnahme, oder? Wir leben längst im Zeitalter der Singles, der Lebensabschnittspartner, der Dritt- und Viertehe, der Bindungsunfähigkeit, des Partnertauschs, der Offenen Beziehungen und Swinger Clubs. Life is fun – and so is love.
Treue? Da kann sich gern mein Nachbar drin erproben – der stinkige Fremdgeh-Bock der alte. Aber ich? Heute hier, morgen dort. Ist doch viel bunter. Vielleicht wacht man ja morgen auf und stellt dann fest, dass man nicht mehr jung ist… Also: Carpe Diem! Treue sucks!
Weil wir aber doch alle insgeheim eine große Sehnsucht nach Liebe, Treue, Kontinuität und Ewigkeit in unseren fragilen kleinen Herzchen tragen (SEIEN WIR DOCH MAL EHRLICH!!!), küren wir zum Objekt unserer Treue-Begierde… na, wen? Nicht die Partnerin, nicht den Partner. Nö. Den Fußball-Klub.
„Deinen Klub suchst du dir nicht aus, er wird dir gegeben.“
So oder so ähnlich formulierte es Nick Hornby einmal ziemlich schwülstig. Bäääh!
Überhöhung. Elysische Überhöhung. Man sollte dieses Kind schon beim Namen nennen.
Aber wir Couchistos tragen diese Überhöhung mit. Deshalb sind wir gute Menschen.


GRUND 3
DIE SEHNSUCHT, IN IRGENDWAS EIN EXPERTE ZU SEIN

Den meisten von euch wird es sicher so gehen wie mir. Ich bin nicht wirklich doof. Echt jetzt. Aber ich kann auch nichts wirklich richtig toll. Ich bin biederer Durchschnitt. Recht intelligent. Recht witzig. Aber auch nicht mehr. Ich bin Durchschnitt, und ich steh dazu. Es hat über 40 Jahre gedauert, bis ich damit klar gekommen bin. Früher hielt ich mich für toll. Weil ich Fußball-Experte war.

Oder besser gesagt: Ich hatte mir eingebildet, Fußball-Experte zu sein. Ich kannte alle Bundesliga-Kader auswendig, ich kannte die Positionen und die Vorzüge und Schwächen aller Spieler, ich kannte ihren Werdegang. Ich kannte alle Bundesliga-Abschlusstabellen der letzten vierzig, fünfzig Jahre….
Ich war Experte. Fußball-Experte. Ein absolut helles Licht am Fußball-Firmament.
Endlich eine Sache, in der auch ich Experte war. ENDLICH!!! DANKE, FUSSBALL, DANKE!!!
Fußball-Experte sein kann jeder. Man muss nur folgendes können: Dröhnend und voller Überzeugungskraft Parolen schwingen. Man muss fähig sein, Spielern, die immerhin Erst- oder Zweitliga-Profis sind, alle Fähigkeiten abzusprechen, die sie jemals haben könnten (egal, wie schlecht man selber im Zweikampf gegen sie aussehen würde). Man muss Trainern vorwerfen können, dass sie kein Konzept hätten. Das kommt immer gut: Wer in der Lage ist, Trainern Konzeptlosigkeit vorwerfen zu können, der muss ja ein Experte sein. Geht ja gar nicht anders.
Fußballexperte zu sein, das schafft wirklich jeder. Dank der Tatsache, dass es den Fußball gibt, haben wir jede Menge Experten im Land. Gott sei Dank! Die Intelligenz in Deutschland ist gerettet!
Wir Couchistos würden niemals irgendjemandem von euch sein Fußball-Expertentum absprechen. Deshalb sind wir gute Menschen.

Puh, genug gelästert. Schluss jetzt. Ja, das ist ein bisschen zynisch. Ja, das ist ein bisschen übertrieben. Aber hat er völlig Unrecht, der Dorn? Nee, oder? Fußball ist doch wirklich nichts weiter als ein grüner Rasen, ein Ball, 22 Männer oder Frauen, die ein Tor schießen oder verhindern wollen. Manchmal ist Fußball Spannung, oft ist er gähnende Langeweile. Und viel mehr als das ist er doch nicht. Eigentlich. Bis auf die Tatsache, dass wir ihn wie geschildert überfrachten. Überhöhen. Überirdisch ausschmücken.

Und jetzt hör ich auf. Mein Couching ist schon wieder viel zu lang. Hoffentlich liest es überhaupt irgendjemand bis zum Ende…

--------------

Unsere verkopfte weltfremde Couch wird den Fußball weiterhin überhöhen und lyrisch-intellektuell überformen. Weil ihr es wollt. Weil wir es brauchen. Weil es uns zusammenschweißt. Und auch, weil wir einfach Gewohnheitstiere sind. Wir, das sind Butduma, Devil_till_Death, Hegermeister, Newtrial, Werschtche und dat Dörnchen. Übrigens gab und gibt es momentan nur einen Gott für uns, und das ist – aus aktuellem Anlass – unser Bahli. Aber in unserer neurotischen Hochgeschwindkeits-Zeit ist Gott Bahli mit Couching-Burnout vom Lyrik-Himmel herabgestiegen und ist gemeinsam mit Berti und Kohli in der Gruft der abgedankten Couching-Götter verschwunden. Mögen sie sich bitte irgendwann als quicklebendige Couching-Zombies wieder an die Oberfläche zerren lassen!

•     •     •

"And what can I tell you, my brother, my killer?
What can I possibly say?
I guess that I'll miss you. I guess, I'll forgive you.
I'm glad you stood in my way.
If you ever come by here for Jane or for me -
Well, your enemy's sleeping. And his woman is free.
Yes, and thanks for the trouble you took from her eyes.
I thought it was there for good - so I never tried."
(Leonard Cohen)
Die Couchingzone |#2032
19.08.2017 - 07:53 Uhr
Der Vic aus Dorne hat Recht: Wir sind gute Menschen und haben echt Ahnung vom Fußball. Nicht so viel wie @Lullaby oder @Kohlmeyer, aber auf jeden Fall mehr als der blinde Kuntz oder irgendein Sportreporter. Da gute Menschen den Kapitalismus bis zu Ablösesummen von ca. 3,5 Mio akzeptieren, finden wir, dass bei 222 Mio der Volkssport-Spaß aufhört! Echt jetzt! Die Grenzen der Anständigkeit werden dabei durch die Summen definiert, die für FCK-Spieler bezahlt werden. Weil wir dieses menschliche Maß moralisch einfordern, sind wir gute Menschen!

Tolles Couching zwischen Schwanenabgesang auf den Fußball und verbalem Kathedralenbau für ihn wider Willen. Man gönnt sich ja sonst nichts Bleibendes.

•     •     •

502 Bad Gateway
nginx
Die Couchingzone |#2033
19.08.2017 - 09:56 Uhr
Wow, Vic, einfach wow. Ich bin sprachlos ob dieser schonungslosen Analyse von uns selbst.

Genau so ist es und wäre es anders, wäre es dasselbe. Selten hat mir jemand so aus der Seele gesprochen.

Trotzdem bleibt ihr da auf der Couch doch nur intellektuelle Spinner, die meinen, sie müssten im Banalen die Quintessenz des Anspruchs mit der Lupe herauskitzeln. Trotzdem meine Anerkennung, wie ihr mit eurem analytischen Werkzeug in den Schienbeinschonern unterwegs seid ... zwinker

Und lieber Fußballhimmel, die Latte! Habt ihr schon an die Latte gedacht? Zum Glück bin ich ex ...

Over & out
Bahli

•     •     •

You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#2034
19.08.2017 - 11:15 Uhr
Ne, Vic, Gott wie Kinder gehen in schwedischen Möbelhäusern nicht verloren, sondern stecken wo?
Richtig, im BällePARADIES. Dort darf er alle Weihnachten, wenn Winterpause ist, abgeholt werden. Ansonsten gehören die Wochenenden dem König der Könige.

Und nein, das ist kein Trotz, der übertünchen soll, dass ich mich nach dem Lesen deines Couchings gerne hier, im Forum und beim FCK abgemeldet hätte... Zu ehrlich und zu sehr ins schwarze Eckige trifft dieses runde Couching!

•     •     •

Nichts ersetzt die Romantik eines Flutlichtspiels im Regen... ...und siegen!!

Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!

Hate the Game, not the Player!
Die Couchingzone |#2035
21.08.2017 - 11:59 Uhr
Rülps

ugly

Wir sind im Luther-Jahr, deshalb ein leicht abgewandeltes Zitat zu Deinem Couching, Vic:

"Es rülpset und furzet mächtig, denn das Couching hat geschmacket."

•     •     •

SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#2036
26.08.2017 - 01:52 Uhr
Jahrgang 8, Ausgabe 5

MIT SCHÖNER REGELMÄßIGKEIT

von Hegermeister



War das ein Fehlstart?

Eindeutig.
Wenn noch nicht einmal eine Minute in der neuen Saison gespielt ist, aber aus der lautrer Fankurve zwei Spieler im FCK-Trikot angefeindet werden - noch nicht mal wegen eines Fehlkicks sondern aufgrund des Vereins, von dem aus sie zum FCK gekommen sind - dann ist das ein Fehltritt zum Start, also ein Fehlstart. Nebenbei wurde mit dem Transparent als Ausnahme die Regel belegt, dass alles was sich reimt, gut ist.
Es ist deswegen ein besonders kläglicher Auftakt in eine neue Saison, weil schon die alte mit viel Zündstoff auf und von den Rängen endete. Direkt kommen die Bilder hoch von untätigen Ordern vor der Westkurve, vor deren ratlos leeren Blicken vermummte Gestalten eine Pyroshow installieren und ungestört abbrennen. Beim Zweitliga-Saisonausklang des Tabellen 12. gegen den 13.... Welche Emotion soll da bitte aus Rauchtöpfen respektabel untermalt werden? Mit Anfeuerung im übertragenen Sinne, einer Verschmelzung von Fans und Mannschaft in Magnesiumhitze, hatte es auch nicht viel zu tun. Profaner Weise feierte man sich selbst - eine Woche, nachdem FCK-Spieler von FCK-Fans mit Gegenständen beworfen wurden... Jedenfalls lösen sich die Hoffnungen auf einen unbelasteten Saison-Neuanfang in dem Moment der Begrüßung von Müller und Fechner in Rauch auf. Auch wenn der Einwand, dass es nicht gerade fair ist, diese Vorgänge miteinander in einen vernebelten Topf zu werfen, berechtigt ist - im pfälzisch-fatalistischen Tonfall hallt die Frage aus der Tiefe des Bauchraumes: "Geht das jetzt gerade so weiter wie es aufgehört hat?". Lieber FCK, was ist nur mit dir los?

War das ein Fehlstart?
Drei Spiele gespielt, keines gewonnen, ne Klatsche zum Auftakt und nur ein mickriges Törchen. Wieder ist Ende August und nach einem erneuten Umbruch sind ettliche Neuzugänge, die als Stützen der Mannschaft eingeplant waren, noch im Krankenstand oder durchlaufen die Aufbauphase. Das Transferfenster schließt sich alsbald und der neue SD muss nun aufholen, was ihm die klamme Kassenlage im Mai verwehrte und erst späte Verkäufe von Identifikationsträgern ermöglichen sollen.... Aus den Löchern ohne Boden, die Michael Klatt bei der Suche nach Goldreserven im Fundament des Fritz-Walter-Stadion gefunden hat, streckt ein niedliches Murmeltier den Kopf heraus und fragt betroffen: "Lieber FCK, geht das schon wieder los?"

Es gibt eine einfache Antwort auf diese Fragen, die sehr gut in die Zeit des aktuell tobenden Wahlkampf passt - naja, sagen wir Wahlkampf - oder sagen wir einfach in die Zeit kurz vor der Wahl. Angela Merkel regiert seit Herbst 2005. Ich sage nur Abstieg 2005/06 und bis heute fast durchgehend zweitklassig - den FCK meine ich. Wer erinnert sich dagegen nicht gerne an das Jahr 1998 und die Jahre danach? Meisterzigarren und dick im Geschäft. Dann folgte großmännische Selbstzerstörung. Und auf großmännische Selbstzerstörung folgt Merkel. Erst auf Kohl, dann auf Schröder.
An dieser Stelle kann ich euch ein Geheimnis verraten, das wohl keines ist: Merkel wird die Wahl im September gewinnen. Zumindest sagt mir das mein FCK/SPD-Koeffizient-O-mat. Es ist eindeutig, denn im Jahr 1991 wurde der FCK zum ersten Mal nach dem Wunder von Bern Deutscher Meister und Rudolph Scharping wird der erste SPD-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. 1998 wird der FCK zum zweiten Mal Deutscher Meister (der Bundesliga) und die SPD verdrängt zum zweiten Mal einen Bundeskanzler aus dem Amt - einen Pfälzer. Da der FCK im Jahr 2017 - und zwar im Sommer - nicht Meister wurde, wird Martin Schulz ergo im Herbst nicht Bundeskanzler! Nimm das, FORSA!! Darüber hinaus ist unklar, ob Zweitliga-Meister überhaupt gereicht hätte. Auch fehlt das RLP-Detail im Zweikampf Merkel VS. Schulz. Hätte es 2010 Neuwahlen gegeben und Kurt Beck wäre angetreten...

Nach diesem Abstecher in der Welt der Wahlforschung nun wieder zurück zu den Fragen "War das ein Fehlstart?" und "Geht das schon wieder los, lieber FCK" sowie der versprochenen einfachen Antwort im Stile eines Wahlkämpfers : Jein. Also Ja und Nein, je nach dem, wen man fragt. Und wie es nun mal auch in der Politk ist, kann die Antwort auf eine Frage umso weniger einfach sein, je genauer man die Details des Einzelfalls betrachtet. Vergesst das nicht, wenn im November dann die wirklich wichtige Wahl ansteht - auf der JHV des FCKs!



Auf der Couch wird keine Werbung, also auch keine Wahlwerbung gemacht. Was nicht heißt, dass Couchisten und ihre Stamm- und Wechselleser nicht über politisches und gesellschaftliches reden und streiten dürfen. Wenn Couchings samstags gepostet werden, bestätigt dies als Ausnahme die Regel, dass sie freitags und an anderen Terminen bis 12 Uhr vor dem Spiel erscheinen. Je öfter die Ausnahme, desto belastbarer die Regel - so ist die einfache Wahrheit.

Nachtrag: Ich werde nie empfehlen Merkel abzuwählen, weil dies eine Lösung wäre, um den FCK zu retten. Die Schicksalsverknüpfung Merkel und FCK ist eine Scheinkorrelation - vermutlich.

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Nichts ersetzt die Romantik eines Flutlichtspiels im Regen... ...und siegen!!

Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!

Hate the Game, not the Player!

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Hegermeister am 26.08.2017 um 01:58 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#2037
26.08.2017 - 13:16 Uhr
Bääh! Ich will nicht, dass mein FCK in irgendeiner Weise mit der Merkel assoziiert wird. Schlimm genug, dass man diese Dame schon so lang als Kanzlerin ertragen muss. Jetzt stiehlt sie sich mit ihrem Wachsfiguren-Lächeln auch noch in dieses Forum hier hinein. Gruselig!

Das müsste eigentlich Abzug in der B-Note geben. Aber wenn es ein Couchist so versiert schafft, fußballerische, knigge-technische und politische Katastrophen-Erscheinungen miteinander zu verquicken - und zwar unter Beibehaltung seines Roten Fadens -, dann ist das hohe Couching-Kunst. Und deshalb möchte ich trotz des Gastauftritts von Frau M. einfach nur sagen:

KOMPLIMENT !!!

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"And what can I tell you, my brother, my killer?
What can I possibly say?
I guess that I'll miss you. I guess, I'll forgive you.
I'm glad you stood in my way.
If you ever come by here for Jane or for me -
Well, your enemy's sleeping. And his woman is free.
Yes, and thanks for the trouble you took from her eyes.
I thought it was there for good - so I never tried."
(Leonard Cohen)

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Vic Dorn am 26.08.2017 um 13:17 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#2038
26.08.2017 - 15:02 Uhr
Die Couch steht links neben dem Kühlschrank - keine Frage. Und zum Glück. Aus FCK-Sicht ist Martin Schulz keine Alternative, weil damit der Abstieg besiegelt wäre. Verstehe ich den couchenden Wahlprognostiker richtig? Was da wieder durch die Gegend hegergeistert ist echt bedenklich.

Scheiße, dass du mir auf solch brilliante Weise die Augen geöffnet hast ... schief

Cheers
Bahli

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You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#2039
26.08.2017 - 17:48 Uhr
SPD und FCK haben zumindest gemein, dass sie seit gefühlten Ewigkeiten einen Ritt auf der Rasierklinge zwischen Zweit- und Drittklassigkeit hinlegen, während das Merkel Jahr für Jahr CL und Global-League (noch zu gründen) spielt. Und dass die Couch fraglos links neben dem Kühlschrank steht, erklärt zugleich, warum es da keine Korrelation mit der SPD mehr geben kann. silent Oder doch, die gibt es schon noch: SPD und FCK teilen dieselbe eklatante Abschlußschwäche und beide tragen die schöne Herzblutfarbe Rot seit langer Zeit nur noch zum Schein. Und bei beiden ist das Wörtchen "Fehlstart" so niedlich wie das Murmeltier im FWS-Fundament - schwingt dabei doch die Hoffnung mit, dass es wieder besser werden kann. Aber es gibt durchaus auch feine Unterschiede - so ist der FCK überschuldet, die SPD aber überschulzt. *autsch, war der schlecht* Unschuldig

Wie werden wir jetzt bloß die Hegergeister, die der Hegermeister rief, wieder los? Und auf welche völlig unvorhersehbare Weise beeinflusst dieses verheerend-geniale Couching die Wahlen? Vor allem natürlich die, die über unser aller Wohl und Wehe am meisten entscheidet - sprich, die bei der JHV.

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502 Bad Gateway
nginx
Die Couchingzone |#2040
27.08.2017 - 12:26 Uhr
Ist der Kühlschrank nun links der Mitte oder direkt mitten drin? Das wissen wir immer noch nicht, dafür stellen wir fest, dass kurz und knackig sehr gut sein kann - eine Lektion, die eventuell auch in der Welt der Politik zur Kenntnis genommen werden sollte.

Merci, Hegermeister, für diese gelungene Verquickung von Fußball und Politik, deren Kausalität nicht von der Hand zu weißen ist.

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SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
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