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Finanz-Thread

27.10.2005 - 00:06 Uhr
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Finanz-Thread |#21
14.07.2012 - 11:36 Uhr
Zitat von Ischas:
Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. :)


Nein liegt sie nicht.

Zitat von Ischas:
Der FC hatte einen Spieleretat von knapp 30 Mio. Die Frage ist wie hoch der Anteil der Großverdiener Poldi, Gero, Riether, Nova, Lanig, Rensing war. Ich denke einmal 1/3 der Kohle ging für die drauf, womit etwas weniger als 2 Mio im Schnitt bei rauskommen, wobei Poldi deutlich drüber und Lanig und Rensing deutlich drunter liegen.
Deshalb halte ich meine Vermutung für realistischer als deine, zumal die Verträge von Gero und Nova nach starken Leistungen verlängert wurden.


Novakovic bekam vor seiner Vertragsverlängerung gerade einmal eine Millionen Euro im maximalen Erfolgsfall. Dies soll dann im Grundgehalt (!) auf das 2,5 fache, also im Erfolgsfall sicherlich auf das dreifache bei einem bereits 31-Jährigen bei Vertragsverlängerung erhöht haben?
Das ist so realistisch wie eine Rückkehr von Michael Meier zu Borussia Dortmund.

Bleiben wir mal bei den rund 30 Millionen Euro Etat (inklusive Prämien!). Sollten 6 Spieler allein 10 bekommen, müssen wir erstmal diese aufteilen:
Poldi rund 3, Geromel 2,5, Riether 2, Rensing 600.000, Lanig knapp unter einer Mio. Bleibt eine Millionen übrig für Novakovic. Wer bekommt also weniger als ich gerade aufzähle? Oder welche Mitte meinst du?

•     •     •

Günter Wallraff: "Im Urteil des BGH stand wörtlich, da es sich bei der Bild-Zeitung um eine Fehlentwicklung des deutschen Pressewesens handele, müsse meine Methode des Täuschens dennoch legitim sein und das wirtschaftliche Interesse des Konzerns hinter dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit zurücktreten."


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Fußball 2023 ist wirklich nur noch zum Abgewöhnen. (Mr Ripley)
Finanz-Thread |#22
21.07.2012 - 18:20 Uhr
ich frage mich woher excess die 8,9 Mio Minus nimmt....
das ist das Konzerneigenkapital, und war vor einem Jahr bei 6,6 Minus... also verschlechterung um 2,3 Mio...

außerdem:

Lt. Bundesanzeiger:
15. Konzernjahresfehlbetrag /-überschuss -4.708.947,62
(da man mit Minus abgeschloßen hat, bekommt man Steuern erstattet die man bezahlt hat... 2,4 Mio... da haben wir die Differenz 2,3 Mio Verlust...)

dann weiter:
Kosten für kommende Saison die Nova/Gero/Rensing verursachen: 10 Mio...
das könnte stimmen, liegt wahrscheinlich an 2 Faktoren: Gehalt + Abschreibung (da die Wahrscheinlich mit mehr in den Bücher stehen, als der Preis ist was der FC mit den abgängen erziehlen kann...) wenn die alle 3 Weg sind, dann wird sich der Verlust wahrscheinlich von 10 Mio auf 3-5 Mio reduzieren lassen.... kommt noch darauf an, zu welchem Kurs man die abgeben kann...

Der FC muss frisches Kapital aufnehmen... ja, ist doch Klar, der FC hat aus der Vergangenheit schulden, die in den nächsten 12 Monaten zurückgezahlt werden müssen, die sind bei 10,65 Mio (die in den nächsten 12 Monaten fällig sind) somit brauche der FC frisches Geld, aber dadurch werden die Schulden nicht höher sein, man tauscht es einfach um... alte Schulden gegen neue...
also halb so schlimm...

und dass der FC über 30 Mio Schulden hat (31 Mio steht überall) das war schon letztes Jahr jedem klar...

also halb so Wild... man muss es nur aufpuschen, damit sich die Blätchen verkaufen lassen ;)

außerdem, wenn es dem FC gelingen sollte die oben genannte Spieler zu verkaufen (die viele Kosten verursachen) außerdem durch den Zufluss für den Poldi transfer, dürfe die 2 Liga Saison, auch wenn ohne Aufstieg, ohne Verlust abgeschlossen werden... ein Aufstieg wäre natürlich finanziell super für den FC...

in diesem Sinne, schönen Sommer wünsche ich Euch... hoffentlich kommt die Sonne auch mal raus...
Finanz-Thread |#23
23.07.2012 - 13:58 Uhr
Der wirklich interessante Punkte welcher mich doch sehr an den Aussagen von Spinner zweifeln laesst ist:

"Da diese Überschuldung in der Konzernbilanz auftaucht, nicht aber in der für die Lizenzierung maßgebenden 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA als deren Muttergesellschaft, habe das negative Eigenkapital von 8,9 Millionen Euro keine Sanktionen der DFL zufolge. Neben dem ungedeckten Fehlbetrag stehen Verbindlichkeiten in Höhe von 30,9 Millionen Euro in der Bilanz. Wobei zu diesen unter seriöser Betrachtung die Position der "Rechnungsabgrenzungsposten" hinzugezogen werden muss. In dieser sind im Vorgriff ausgegebene Gelder erfasst, zum Beispiel von Werbe- oder Vermarktungspartnern, für die der FC seine Gegenleistung noch erbringen muss. Beim FC belief sich dieser Posten zum 30. 6. 2011 auf 10,7 Millionen Euro."

Das heisst der Konzern ist ueber beide Ohren voellig klamm. Ich sage mal klamm da anscheinend manche Leute das Wort "verschuldet" nicht so moegen. Der Etat wurde zusammengestrichen und dennoch muss man die teuren Gehaelter loswerden. Sollte das nicht zureichend gelingen muessen weitere Spieler verkauft/abgegeben werden. Hinzu kommt noch das auf Jahre hinaus bereits die Werbe- und Vermarktungsgelder verbraucht sind. Das heisst in der nahen Zukunft wird es nicht besser werden und ohne Aufstieg wird der Etat immer weiter sinken aber im Verhaeltnis dazu der Schuldenberg bestehen bleiben.

Quo Vadis, FC? :o

Ich wuensch euch den Aufstieg mehr denn je und zwar nicht weil wir die sechs Punkte brauchen sondern ich sehe euch schon den Weg von Bielefeld beschreiten. :(

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O Fhlùir na h-Albann, cuin a chì sinn an seòrsa laoich a sheas gu bàs 'son am bileag feòir is fraoich, a sheas an aghaidh feachd uailleil Iomhair 's a ruaig e dhachaidh air chaochladh smaoin?
Finanz-Thread |#24
23.07.2012 - 14:40 Uhr
Zitat von Ehrenrunde:
Quo Vadis, FC? :o

Ich wuensch euch den Aufstieg mehr denn je und zwar nicht weil wir die sechs Punkte brauchen sondern ich sehe euch schon den Weg von Bielefeld beschreiten. :(



Also, dass sehe ich noch lange nicht.

Unabhängig von allen Finanzzahlen, kann der FC:

1. Aus einem ganz anderen wirtschaftlichen Umfeld schöpfen als Bielefeld. Es wird in der absoluten Not, sich immer jemand finden lassen, der seine helfende Hand ausstreckt. Zumindest leichter als in Bielefeld.

2. Ist Köln ein absoluter Traditionsverein. Der DFB wird (siehe auch Schalke und Dortmund) sich 2 mal überlegen etwas zu unternehmen. Auch das war bei Bielefeld mit einer deutlich schwächeren Lobby etwas anders.

3. Wir Gladbacher haben dem FC unter anderem durch die 6 Punkte zu verdanken, dass wir in die erfolgreiche Relegation gekommen sind. Da fände ich es z.B. bei aller Rivalität nicht schlecht, mal ein Freundschaftsspiel auszurichten. Das wäre zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, würde aber zusätzlich das angespannte Fanverhältnis ein wenig entspannen können. Eventuell auch noch eins gegen den FC Bayern.

Ich hoffe jedenfalls auf eine baldige Rückkehr ins Oberhaus. Und an die, die der Meinung sind, man könne sich in Liga 2 nicht konsolidieren, sei auch ein Blick nach Gladbach empfohlen. Beim 1. Abstieg vor 10 Jahren, standen wir auch an der Wand. Die Konsolidierung wurde seinerzeit in der 2. Liga eingeleitet und wurde in der 1. weiter fortgeführt. Wohin dieser lange Weg letztendlich geführt hat sehen wir heute. Naja, soweit, das ihr wieder Konkurenz für uns werden könntet, muß es ja nicht kommen. :D
Finanz-Thread |#25
26.07.2012 - 10:48 Uhr
Zitat von Ehrenrunde[...:


Also Stand Mitte 2011:
30,9 Millionen Schulden
+ 8,9 Millionen negatives Eigenkapital (was fuer den Ottonormalverbraucher neue Schulden sind)
[...]


Das stimmt so nicht. Das Eigenkapital setzt sich aus gezeichnetem Kapital, Rücklagen, Gewinnvortrag/Verlustvortrag und Jahresüberschuss bzw. -fehlbetrag zusammen.


Heißt genauer, dass man 8,9 Millionen Euro nicht aus dem Geschäftsjahr decken konnte, weshalb stille Reserven aufgebraucht wurden, um diese zu decken. Diese waren die Vorgriffe aufzukünftige Gewinne (Rewe signing fee und IMG Vermarktungsrechte).

Inklusive (!) dieser nicht gedeckten Einnahmen (die man dann durch Vorgriffe auffing), lag der Schuldenstand bei 30,9 Millionen - nicht zusätzlich.

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Günter Wallraff: "Im Urteil des BGH stand wörtlich, da es sich bei der Bild-Zeitung um eine Fehlentwicklung des deutschen Pressewesens handele, müsse meine Methode des Täuschens dennoch legitim sein und das wirtschaftliche Interesse des Konzerns hinter dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit zurücktreten."


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Finanz-Thread |#26
26.07.2012 - 17:29 Uhr
Die 10 Mio sind doch nur die Spitze des Eisbergs.
Seit Jahren, gefühlten Jahrzehnten, leben wir mit einem Etat, der nicht mal annähernd gerechtfertigt wird durch die sportliche Leistung.
Wenn man daran zurückdenkt, als wir zum ersten Mal abgestiegen sind (hab gestern das alte Trikot im Schrank gefunden), damals ging es doch schon los. Wir hämmerten schon damals die Kohle raus und sind nicht mal aufgestiegen. Dann trennte man sich von teuren Spielern, stieg auf, verlängerte zu Wahnsinnkonditionen (zb mit Timm) und stiegt wieder in den Aufzug.
Es gibt nichts schlimmeres für einen Verein, als das ständige Auf und Ab.
Hinzu kommt, daß wir immer wieder um das Volk zu beruhigen, Spieler und Trainer geholt haben, die Unmengen an Kohle gekostet haben (die Ära Daum hat uns pro Jahr ca 4,5 Mio € gekostet), ein Petit, ein Maniche sind sicher auch nicht weger der Aussicht nach Köln gekommen. Die Verträge mit Spielern wie Nova wurden immer wieder aufgebessert. Und da unterscheiden wir uns von seriösen Clubs wie zB Bremen. Wenn ein Pizzaro plötzlich 6 Mio verdienen will, lassen die ihn gehen, Nova hat noch 2 Jahre Vertrag und trifft 3 mal in Tor und schwupps wird sein Vertrag zu besseren Konditionen verlängert.
Das ist jahrelange Misswirtschaft. Das ist jahrelanges Verschwenden von Ressourcen.
Schaut doch nur mal, wie es um den Etat von vor 2 oder 3 Jahren stand. Damals wurden die Cateringrechte höher bewertet um die Bilanz aufzuhübschen. Vor 6 (?) Jahren wurde die Anleihe herausgegeben, wieviele werden die Urkunde noch an der Wand haben (wie ich) und das Geld und die Zinsen noch nicht verlangt haben? Da hört man nichts mehr von.

Es ist natürlich einfach, auf Overath zu schimpfen, aber wer wollte denn noch Caspers und seine Knickigkeit haben? Wir wollten doch alle nach oben, wieder international spielen, dafür haben wir doch Overath gewählt. Seid doch mal ehrlich zu Euch selbst.

Der FC kann und wird ohne Investor nie mehr nach oben kommen, selbst gesunde Vereine wie Stuttgart können nicht mit WOB, 1899, Leverkusen mithalten. Hinzu kommen Vereine wie die Bayern, Schalke, der BvB und mittlerweile auch Hannover und Gladbach die uns weit voraus sind. Wenn man bedenkt, daß 12 Vereine das Ziel haben, international zu spielen und sich entsprechende Spieler holt, und dann letztlich nur die CL Geld einbringt (nennenswert), spielen doch etliche Manager Harakiri. Stuttgart konnte seine Bilanz nur ausgeglichen gestalten, weil man Leno noch im alten und Ibisevic im neuen Geschäftsjahr transferierte, meint jemand ernsthaft, daß Stuttgart schon im Januar 11 wusste, daß man Leno im Winter für 8 Mio verkauft? Und sind die Stuttgarter bisher mit finanziellen Drahtseilakten bekannt geworden?

Ne, die Schere geht immer mehr auf, und das ist nicht nur unser Problem. Ich hoffe nur, daß alle, die jetzt "SPAREN!!" "Auf die Jugend setzen!" rufen, auch nach einer miesen Hinrunde noch wissen, was sie im Sommer geschrieben haben....

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Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben ... Den Rest habe ich einfach verprasst.
George Best

Es ist doch immer dasselbe: Zuerst hat man eine Frau im Herzen, dann auf den Knien, dann im Arm und dann am Hals.
Mario Adorf
Finanz-Thread |#27
09.08.2012 - 12:38 Uhr
Okay, ich merke schon, was vor 6 Jahren noch ein meisterlicher Plan war, um mal endlich an ein wenig Geld zu kommen ("man muss auch mal investieren können, damit wir weiter kommen..."), ist heute der Inbegriff des Teufels und der Weg in die Schuldenspirale.

Damit ein wenig Klarheit in die Planungen des FCs kommt, generell mal ein paar Begrifflichkeiten, die das Ganze ein wenig erklären.



Grundsätzlich sieht es so aus, dass ein Wirtschaftsunternehmen _vom Prinzip_ kaum etwas anderes ist, als ein privater Haushalt und in beiden Fällen, die "Bilanz" stimmen muss.
Es wird also Finanzplanung betrieben, die letztlich die kurze Frist und die lange Frist betrachtet und hierfür eigene Mittel sowie fremde Mittel einsetzt, um ein Optimum zu erzeugen.

Aber was heißt das genau?
Wir haben letztlich eine 2X2 Matrix, mit der wir alle Planungen erfassen können. Genau dies tut letztlich auch eine Handelsbilanz (zumindest ganz vereinfacht betrachtet).
Einmal haben wir die Betrachtung, wofür wir Gelder brauchen bzw. gebraucht haben (Aktivseite). Und auf der anderen Seite stehen die Möglichkeiten, wo wir diese Gelder herbekommen bzw. herbekommen haben (Passivseite).

Zur Vereinfachung betrachten wir das Ganze mal an einem Beispiel, das eigentlich fast jeder hier kennen sollte, da man in einer solchen Unternehmensform bereits gelebt hat oder immer noch oder schon wieder lebt - dem Mehrpersonenhaushalt in Form einer Familie. Wir betrachten zur Einfachheit eine Familie mit zwei Eheleuten (Josef "Jupp" und Margarete "Marga" Schmitz, geborene Meier) und zwei Kinder (Matthias und Stefanie), wobei beide Eheleute berufstätig sind und beide Kinder noch zur Schule gehen. Sozialer Status ist irgendwo im leicht gehobenen Mittelstand anzusiedeln (Ambitionen für höheres sind nicht von der Hand zu weisen, schon der Schwiegervater spricht immer vom schlafenden Riesen bei dieser Familie). Man lebt in einem Mietshaus, welches aber bereits lange Zeit von der Familie bewohnt wird, weshalb man sich entschied, auch in dieses Haus zu investieren. Da, im Gegensatz zu einem Unternehmen die Einnahmeseite der Familie zeitlich bis zum Tod der Eltern begrenzt ist (bzw. sogar nur bis zum Rentenalter, wenn man es genau nimmt), gehen wir davon aus, dass mit Renteneintritt kein Fremdkapital mehr benötigt wird und Anlagevermögen (hierzu komme ich noch) dann auch abbezahlt ist. Ansonsten müsste dieses im Erbfall veräußert werden, um offene Rechnungen zu begleichen, damit auch hier wieder "die Bilanz ausgeglichen ist". Auch dann läge ja weiterhin keine Überschuldung vor, aber das geht zu weit ins Detail für unsere Verständniszwecke. Auch lasse ich Inflation und Steuern sowie die Betrachtung von Rücklagen und Abschreibungen weitestgehend weg, da es auch ohne verständlich werden sollte, ohne das Grundprinzip zu verzerren.


In unserer Familie planen wir unsere Finanzen nun nach dem selben Prinzip wie ein Unternehmen. Wir betrachte einerseits kurze und lange Frist sowie Eigen- und Fremdkapital zur Deckung der kurz- und langfristigen Mittelverwendung.
In der kurzen Frist ist dafür zu sorgen, dass die Liqiudität gesichert ist. Ausgaben wie Miete, Nebenkosten, Gas und Strom, Telefon, DSL, 4 Handyverträge, private Vorsorge der Eheleute, Lebenshaltungskosten, Taschengeld der Kinder, Spareinlagen (für die Ausbildung der Kinder, für die große Reise im nächsten Sommer und für den Hauskauf) und Kredittilgung (Jupps Auto muss noch abbezahlt werden und für die Teichanlage sowie die neue Küche).
In der langen Frist betrachten wir Investitionsentscheidungen und wie diese ins Budget passen. Unter Berücksichtigung der Einkommensentwicklung der beiden Eheleute, der Wirtschaftslage, der Dauer der Kosten der Kinder (wann verdienen die Blagen endlich ihr eigenes Geld?) und etwaiger Kostensteigerungen wie Energiepreise oder Lebensstandard überlegen die Eheleute, wann und in welchem Ausmaß sie ein eigenes Haus kaufen wollen oder eher das Mietshaus renovieren bzw. mit dem Traum der eigenen Sauna ausstatten. Sie überlegen, wann sie eine Reise in die Karibik planen können. Die Tochter Steffanie (18, hat bereits den Führerschein) wollte nach dem Abi erstmal ein Jahr nach Australien (dort gibt es ein tolles Tenniscamp, sie ist ohnehin ein großes Talent), was es zu finanzieren gilt. Der Sohnemann Matthias (16,5 Jahre) wünscht sich zum 18. den Führerschein, auch das gilt es zu planen.
Somit haben wir erstmal aufgestellt, was es alles zu planen gibt und was die Familie bereits an Vermögen (Umlauf- und Anlagevermögen) aufgebaut hat. Anlagevermögen sind hierbei ganz simpel beide Autos, solange sie noch länger als ein Jahr verwendet werden, die Küche und die Teichanlage im Mietshaus, Spareinlagen von einem Anlagezeitraum über einem Jahr, etc.

Jetzt stellen wir auf, woher diese Mittel, die wir heute einsetzen, auch hergekommen sind. Einerseits, hat die Familie Geld verdient, die es zurück legen konnte. Zudem hat man vor einigen Jahren eine ordentliche Summe von Tante Edeltraut geerbt. Auch brachte einer der Eheleute bereits aus dem eigenen Elternhaus eine stattliche Summe mit. Zuletzt sind noch die Gehälter der Eheleute über die vertragliche oder gesetzliche Laufzeit des Arbeitsverhältnisses einzubeziehen. All diese Bereiche bilden das Eigenkapital. Andererseits hat man sich entschieden, eines der Autos über einen Kredit abzubezahlen und auch für die Teichanlage sowie die Küche (mit Mittelblock; schickes Teil) Geld von der Bank zu leihen, da die Kredite gerade so günstig waren. Zusätzlich betrachten wir noch die offene Kreditkartenrechnung einer der beiden Eheleute sowie die aus dem vergangenen Monat noch nicht in Rechnung gestellte Nutzung von Haus, Strom, Gas, Telefon und DSL. All diese Dinge sind so als Fremdkapital zu bezeichnen.


An dieser Stelle haben wir also eine grundsätzliche Planung des Haushaltes erstellt. Solange Fristen im Mittel sind sowie die Relation von Eigen- und Fremdkapital stimmt, ist unsere Finanzstruktur gesund und in der Balance (Bilanz ;) ).

Gehen wir nun weiter:
Der etwas dümmliche Bruder der Frau Michael hat sein Jahren der Familie einen Floh ins Ohr gesetzt, das ihre Jobs doch sicher seien, die Krise vorbei sei und man doch hingehen sollte, jetzt schon mal die Einnahmen der Zukunft zu verwenden, denn das Gehalt komme ja eh und nur so erreicht man einen Status, wodurch man auch in elitäre Kreise käme. Man kennt das ja von der Familie der Eltern der Frau. Dies würde wiederum Kontakte zu Verbindungen aufbauen, die dem Sohn Matthias bessere Chancen bei der Wahl der Privatuni bieten würden. Zudem könne Micha so auch für eine höhere Summe an ihn gute Verbindungen herstellen zu einer Privatbank, bei der Matthias dann auch ein Praktikum machen könne. Man entscheidet sich also, "am Limit zu fahren" und Spareinlagen für die Zukunft des Sohnes (man ist ja schnell dabei, sich von Emotionen leiten zu lassen, man will ja mithalten können) aufzulösen, auf den Hauskauf zu verzichten und letztlich die Mittel zu verwenden, um den Australienaufenthalt der Tochter sowie den Führerschein des Sohnes zu finanzieren. Alles irgendwo mit dem Ziel, alles für die Familie zu tun und der Frau den Status zu bieten, den sie ja aus ihrem Elternhaus kenne und man deshalb ohnehin dorthin gehöre. Man sei ja eh ein schlafender Riese...
Als es aber Renovierungskosten gibt, mit denen man nicht geplant hatte und für die nun Rücklagen fehlen, muss man einen Kredit aufnehmen. Danach wird der Schwager Micha krank und verliert seinen Job. Die Tochter ist jetzt in Australien und der Sohn macht seinen Lappen. Alles noch im grünen Bereich. Bekommt man ja alles noch irgendwie geregelt. Der Status der Familie ist ja besser als jemals zu vor. Und man sei gut für die Zukunft aufgestellt, wenn der Matthias mal an der Privatuni sei und Steffi ihre ersten Turniere spielen könne.
Als Micha, der sich mittlerweile als finanzieller Berater der Familie aufspielt, nun ankommt, dass der Fördervertrag mit der Privatbank weiter geführt werde müsse und dies nun an Jupp hinge, bekommt die Familie langsam Schwierigkeiten. Man hat sich wohl etwas übernommen. Aber okay, die Tochter hat ja in Australien ne Menge gelernt und gilt als hochbegabt. Die wird schon die Familie wieder nach vorne bringen. Blöderweise möchte man sie dort mit dem besten Trainer trainieren und der kostet wahnsinnig viel Geld. Also wird der Vater kreativ und fragt im Bekanntenkreis, ob sie sich nicht an einer Gruß-und Förderaktion via Internet (www.stefanie-wird-tennisstar-pixel.de) beteiligen wollen. Zudem könne man ja auch Tante Edeltrauts Erbe aufbrauchen. Gesagt, getan, Steffi bleibt in Australien und bekommt den Tennisunterricht.
Matthias hat aber irgendwie keinen Bock mehr auf Bank und will viel lieber Bio an einer staatlichen Uni studieren. Die Investitionen in die Privatbank werden also schon mal hinfällig. Nun ja. Kann ja passieren, zumindest hat man hier keine Ausgaben mehr. Letztlich sind damit aber auch die Spenden an die Verbindung, um in eine bessere Privatuni zu kommen, hinfällig. Egal, sind ja bereits ausgegeben, interessieren also nicht mehr.

Jetzt kommt es aber leider richtig dicke. Marga verliert ihren Job und der Familie brechen somit Einnahmen weg. Nachdem man alles durchgerechnet hat und sogar externe Berater hinzugezogen hat, merkt man, dass man den Kredit des Autos, der Teichanlage und der Küche nicht mehr abbezahlen kann. Auch konnte Steffi immernoch kein Preisgeld einspielen und verursacht so nur weiter recht hohe Kosten. Mattes bekommt einen Studienplatz in einer anderen Stadt und muss umziehen.
Also überlegt man sich, umzuschulden und Margas Vater um einen Kredit anzuhauen. Anstelle der 8% für den Kredit, der in zwei Jahren für das Auto fällig ist und einem Kreditangebot der Bank in Höhe von 10 % für die Teichanlage und Küche, gewährt Margas Vater ihnen einen Kredit über 5 % für 5 Jahre für die gleiche Summe. Er sei ja kein Unmensch und denke hier auch mit dem Herzen.



Sicherlich ist das nicht das gelbe vom Ei und der Familie steht das Wasser bis zum Hals, aber immerhin kann die Tochter ihrem Traum noch nachgehen und auch die Ausbildung des Sohnes ist gesichert. Man muss nicht aus dem Haus ausziehen und sich eine kleinere Wohnung suchen und auch beide Eltern haben noch ihre Autos. Die Situation ist aber erstmal gerettet.
Man muss weniger Zinsen zahlen, hat länger Zeit, den Kredit zurück zu zahlen und kann jetzt zusehen, dass man den Gürtel zu Hause enger schnallt, sich gut aufstellt, die Finanzen in den Griff bekommt, für Marga einen neuen Job findet und sich wieder konsolidiert.

Der andere Weg wäre gewesen, auszuziehen, einen Abschlag für Teich und Küche zu kassieren, Steffi zurück aus Australien zu holen und vor Ort eine Ausbildung machen zu lassen und somit gar keine Möglichkeit mehr zu haben, dahin zu kommen, wo man immer noch hin will.



Was das alles mit dem FC zu tun hat? Denkt drüber nach.

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Günter Wallraff: "Im Urteil des BGH stand wörtlich, da es sich bei der Bild-Zeitung um eine Fehlentwicklung des deutschen Pressewesens handele, müsse meine Methode des Täuschens dennoch legitim sein und das wirtschaftliche Interesse des Konzerns hinter dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit zurücktreten."


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