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Stadionknigge, oder: was ist los mit uns?

19.06.2015 - 16:58 Uhr
Zitat von Torpedo99
Man merkt doch auch im öffentlichen Diskurs das solche Vorfälle immer heftiger abgelehnt werden und das Argument der „schönen“ Bilder und „gute“ Stimmung zieht seit einiger Zeit nicht mehr so wie früher.


Den Punkt würde ich gern aufnehmen, weil ich ihn teile. Zum einen dreht sich die Gewaltspirale immer höher und zum anderen ist es so, dass der Fokus durch die Berichterstattung landesweit zunimmt. Frei Schnauze gesagt "hat da keiner Bock drauf"

Womöglich läuft es darauf hinaus ausschließlich personalisierte Tickets einzuführen. Nur dann komme ich zur Frage ob wir um zu kommen die Stehplätze abzuschaffen?
Ich mein es ist ja gut und schön, zu wissen WER im Block steht. Aber wenn in den ersten Reihen 25 Partypeople mit schwarzer Maske stehen, hast du es genauso schwer.

Ich persönlich glaube, dass wir mittelfristig englische Verhältnisse ohne Stehplätze haben werden. Spätestens wenn das erste Kind durch eine Leuchtrakete entstellt ist, ist der "Brand" nicht mehr zu löschen.

Blöderweise ist es genau das, was die Herren in schwarz auf Teufel komm raus verhindern wollen. Aber warum sollte man auch nur einen Zeigerschlag weiter denken.
Zitat von Markus_OL
Zitat von Torpedo99

Man merkt doch auch im öffentlichen Diskurs das solche Vorfälle immer heftiger abgelehnt werden und das Argument der „schönen“ Bilder und „gute“ Stimmung zieht seit einiger Zeit nicht mehr so wie früher.


Den Punkt würde ich gern aufnehmen, weil ich ihn teile. Zum einen dreht sich die Gewaltspirale immer höher und zum anderen ist es so, dass der Fokus durch die Berichterstattung landesweit zunimmt. Frei Schnauze gesagt "hat da keiner Bock drauf"

Womöglich läuft es darauf hinaus ausschließlich personalisierte Tickets einzuführen. Nur dann komme ich zur Frage ob wir um zu kommen die Stehplätze abzuschaffen?
Ich mein es ist ja gut und schön, zu wissen WER im Block steht. Aber wenn in den ersten Reihen 25 Partypeople mit schwarzer Maske stehen, hast du es genauso schwer.

Ich persönlich glaube, dass wir mittelfristig englische Verhältnisse ohne Stehplätze haben werden. Spätestens wenn das erste Kind durch eine Leuchtrakete entstellt ist, ist der "Brand" nicht mehr zu löschen.

Blöderweise ist es genau das, was die Herren in schwarz auf Teufel komm raus verhindern wollen. Aber warum sollte man auch nur einen Zeigerschlag weiter denken.


Intersannt ist, dasscder DFB bei Länderspielen jetzt wieder Stehplätze zulassen möchte.
Grundsätzlich verstehe ich deine Gedanken bzgl. der Sitzplätze, allerdings wäre dies auch mit teilweise deutlich teureren Tickets verbunden, wo es meiner Meinung nach keine Mehrheit im Moment geben wird.
Ich würde eher vermuten, dass es darauf rauslaufen wird das gerade bei Hochsicherheitsspielen das Gästekontingent stark reguliert wird. Dies würde dann sowohl die Anzahl der Tickets, aber auch Fanutensilien einschließen.
Weiterhin gehe ich davon aus, dass die Debatte bzgl. der Umlegung der Kosten auf die Vereine nochmals an Fahrt gewinnt.
Zitat von Buggy_FCK
Ich finde diese Geschehnisse ja auch brutal schlimm, aber kann man das bitte versuchen sachlich einzuordnen?


Also bei einer sachlichen Einordnung, müssten alle Profivereine ihren Ultragruppierungen die Sonderrechte entziehen. Nur durch eben diese Sonderrechte kommt so viel Pyrotechnik in die Stadien und Ultragruppen sind nahezu die einzigen Fans, die überhaupt Pyrotechnik zünden. Unabhängig von der Pyrotechnik, wird nirgendwo in der Gesellschaft solch ein Verhalten toleriert und immer und immer wieder akzeptiert.

Man sollte anfangen drastisch vorzugehen und Stadionverbote für solche Gruppierungen aussprechen und durchsetzen. Man stelle sich vor, im Football, Rugby, in der Leichtathletik, Schwimmen, Skispringen, Biathlon, whatever würden ständig Leute aufeinander losgehen und für Polizeieinsätze in der Größenordnung von mehreren 100k € sorgen. Wir beschweren uns über zu hohe Steuern und Kosten, tolerieren aber an jedem Wochenende in ganz Deutschland das ausarten der Kosten bei "unserem" Sport....und keiner der Beteiligten will es bezahlen zwinker
Zitat von Olivarius
deutlich teureren Tickets verbunden, wo es meiner Meinung nach keine Mehrheit im Moment geben wird.


Wer würde so eine Mehrheit geben müssen?

Natürlich werden die Tix teurer, daher ja der Querverweis nach England. Nur eins ist auch klar, leerer werden Stadien ( von der dann möglichen Auslastung ) nicht sein.

Klar ist, dass die Ultras viel zuviel macht haben und tief in den Vereinen verwurzelt sind. Das die ihre Position nicht freiwillig hergeben ist logisch.
Die Vereine fürchten Stimmungsboykott und ( nicht nur Androhung von ) Gewalt. Wenn die Ultras schon bei Spielern Nachts klingen ( so geschehen in Dresden vor ein paar Jahren ) um Ihre message unmissverständlich rüber zu bringen, ist eigentlich alles gesagt.
Zitat von Markus_OL
Zitat von Olivarius

deutlich teureren Tickets verbunden, wo es meiner Meinung nach keine Mehrheit im Moment geben wird.


Wer würde so eine Mehrheit geben müssen?

Natürlich werden die Tix teurer, daher ja der Querverweis nach England. Nur eins ist auch klar, leerer werden Stadien ( von der dann möglichen Auslastung ) nicht sein.

Klar ist, dass die Ultras viel zuviel macht haben und tief in den Vereinen verwurzelt sind. Das die ihre Position nicht freiwillig hergeben ist logisch.
Die Vereine fürchten Stimmungsboykott und ( nicht nur Androhung von ) Gewalt. Wenn die Ultras schon bei Spielern Nachts klingen ( so geschehen in Dresden vor ein paar Jahren ) um Ihre message unmissverständlich rüber zu bringen, ist eigentlich alles gesagt.


Ich glaube einfach wir sind der Auffassung, Fußball muss bezahlbar bleiben und grundsätzlich für jeden da sein.
Ich würde in letzter Konsequenz die Sitzplätze auch nicht ausschließen, vorher wird es meiner Meinung nach aber andere Maßnahmen geben.
Zitat von Markus_OL

Ich persönlich glaube, dass wir mittelfristig englische Verhältnisse ohne Stehplätze haben werden. Spätestens wenn das erste Kind durch eine Leuchtrakete entstellt ist, ist der "Brand" nicht mehr zu löschen.


Ist ja nicht so, als wäre das nicht schon vorgefallen.
Auch wenn es da sogar noch im Rahmen einer genehmigten Pyro-Show war.

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/nach-pyro-unfall-in-rostock-neunjaehriger-in-spezialklinik-behandelt,hansa-288.html


Ich verstehe dieses ganze Gerede von ungefährlich sowieso nicht.
Stand einmal bei einem Konzert neben einer Person die Pyro angezündet hat und mir ist ein einziger "Tropfen" (?) auf den Arm gefallen.
Schöne Verbrennung.
Ich weiß es nicht, ob es auch anderen oder nur mir so geht, aber mir konzentriert sich die allgemeine mediale Diskussion rund um das Pokalspiel viel zu sehr auf die beiden Vereine. Die sind letzten Endes diejenigen, die die Suppe auslöffeln dürfen, stehen dem Problem ausufernder Fanexzesse immer wieder geradezu ohnmächtig gegenüber.
Lösungsansätze die in Foren wie hier immer wieder genannt werden sind:
- Videoüberwachung im Stadion - das ist aus datenschutztechnischen Gründen für die Vereine quasi nicht umsetzbar mit der aktuellen Gesetzeslandschaft.
- Abschaffung von Stehplätzen - Damit machst du wie hier schon geschrieben direkt mehrere neue Fässer auf: Steigende Ticketpreise, die gerade Jugendliche und sozial/finanziell schwächere empfindlich treffen werden, du killst damit praktisch die Stimmung in den Stadien
- Feste Pyrozonen - Dafür gibt es rechtlich keine Grundlage und wie sorgt man dafür, dass diese auch eingehalten werden?
Letztlich ist keine der Maßnahmen so mittelfristig umsetzbar.

Wer sich in meiner Wahrnehmung aber in schöner Regelmäßigkeit nach getaner Arbeit feige wegduckt sind die Fan- und Ultragruppen. Auch hier ist ab einem gewissen Punkt einfach ein gewisses Maß an Verantwortung dem Verein und den Mitmenschen gegenüber zu fordern, schließlich reden wir hier mittlerweile über handfeste Straftaten in beachtlicher Anzahl. Dort weiß man doch ganz genau wer die Übeltäter sind, man deckt diese nur immer und immer wieder. Völlig egal ob es um Pyroangriffe auf andere Fans, K.O.-Tropfen im Stadion oder Würfe auf Spieler und Vereinsmitarbeiter oder Sicherheitspersonal geht.
Wenn ich dann bereits sehe, dass im Vorfeld von beiden Fanlagern systematisch eine Drohkulisse ("Waldhof verrecke" und "Tod und Hass dem FCK") aufgebaut wird und dann letztlich am Spieltag eben nicht 5 sondern 500 gewaltbereite, teils schon zu Spielbeginn vermummte Asoziale in der Kurve stehen, dann läuft auch dort etwas gewaltig schief.
Und wenn ich dann auch noch sehe, dass besagte Personengruppen sich von jeder Kleinigkeit auf und neben dem Spielfeld dermaßen aufhetzen lassen, dann zweifle ich einfach massiv daran, dass wir hier noch in irgendeiner Form über vernunftbegabte, mündige Erwachsene Sprechen, denen man zugestehen kann/sollte, ein Stadion zu besuchen.

Ich entschuldige mich auch jetzt schon für die Teils drastische Wortwahl, in Anbetracht der Vorkommnisse halte ich diese jedoch für absolut angebracht.

Quelle: Sportschau

Nach Ausschreitungen in Mannheim: Pyrotechnik und Gewalt im Stadion - wie lässt sich das vermeiden?...
Interessant finde ich die Passage von Fanforscher Harald Lang von der Uni Würzburg.

Die GdP MA spricht von 1 Mio € Einsatzkosten.

•     •     •

„Das Größte, was man erreichen kann, ist nicht, nie zu straucheln, sondern jedes Mal wieder aufzustehen.“ (Nelson Mandela)
„Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“ (Oscar Wilde)
„Ein Spiel zu gewinnen ist leichter, wenn man gut spielt, als wenn man schlecht spielt.“ (Johan Cruyff)
„Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen, mit Geld, das wir nicht haben.“ (Richard David Precht)
Ich sehe ja einiges an strukturellen Problemen bei der Polizei, aber wenn in der Stimmung von Freitagabend ein Platzsturm stattfindet, ist definitiv nix mehr mit deeskalieren.

Auch Harald Lang halte ich für ein wenig naiv. Ich vermute stark, unter den Fans, die den Platz stürmen, potenziell verletzende Gegenstände aufs Spielfeld werfen und mit Feuerwerkskörpern auf Menschen schießen, sind zu viele, die man mit Argumenten nicht erreichen kann, und die anderen werden den schlimmsten Typen gegenüber immer loyal bleiben. Versuchen muss man es , man muss aber auch davon ausgehen, dass das nicht klappt.

Beste Grüße
Lullaby
Was mich umtreibt,

wäre das Eskalationspotenzial für solche Spiele wie gegen Waldhof/KSC an einen frühen Nachmittag samt Alkoholverbot in den Stadien (wie in der Vergangenheit) nicht deutlich niedriger ?

Würde man da nicht einiges an "potentiellen" Eskalationsdruck herausnehmen?

Die Rolle der Verbände, TV Anstalten und beteiligten Behörden wird meines Erachtens viel zu wenig beachtet und hat schon etwas von "initialen Charakter".

Allin all kommt da einiges an finanziellen Schäden für den FCK samt "Opportunitätskosten" zusammen.
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