Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
02.04.2015 - 16:41 Uhr
Jahrgang 5 - Ausgabe 29: Ein Ei im falschen Nest
"Wechsel Trainer! Wir müssen wechseln!" Gruev schaut mich an und zeigt auf Demirbay. Mir steht der Schweiß auf der Stirn. Ob das gut geht? Wenn ich es falsch mache ist der Aufstieg im Eimer. Aber ich muss es tun und sage mit fester Stimme: "Hol mir den..."
Moment. Ich? Trainer? Ich sollte wohl doch an einer anderen Stelle anfangen. Die üblichen zwei Stunden reichen da aber nicht. Ich saß in der Redaktion, bin kurz aufs Klo gegangen und als ich wieder kam, sah ich die Blicke meiner Kollegen auf mich gerichtet.
Irgendwann früher.
"Einmalige Gelegenheit Leute. Mir hat da gerade ein gewisser E. A. Sterbunny von der US Army eine Substanz verkauft, mit der man transzendente Erfahrungen machen kann!" ruft Butduma als er in die Redaktion stürmt. Bahli, unser Denker, fragt natürlich nach. "Und?"
"Wir können endlich herausfinden was in Runjaic Kopf vor sich geht. Wir müssen nur einen von uns einschleusen. Der weiß dann alles und möglicherweise noch ein paar Dinge mehr. Natürlich ist das nicht ganz ungefährlich weil wir nicht wissen ob das auch zeitsynchron funktioniert. Und die Rückkehr ist auch nicht sicher. Eigentlich wäre jeder total bescheuert der so ein Risiko eingeht."
Kohlmeyer, der alte Zeitungsveteran, erkennt sofort das Potential. "Das mein Lieber" sagt er, "ist doch immer eine Frage der Perspektive. Wir müssen die Eier ja nicht gleich in so drastischen Farben bemalen wie Du. Laudere wäre mit seiner spirituellen Erfahrung der ideale Kandidat aber der steht vor Gericht, weil er diesen Zwerg* beim Spiel gegen Fürth vermöbelt hat. Der Runner versucht ihn rauszuhauen und Vic besorgt wie alle guten Praktikanten neues Bier. Geht also nicht. Sagt mal, wo ist denn eigentlich der Berti?"
Als ich die Redaktion betrete, grinsen meine drei Kollegen ein wenig blöde, wie ich finde. "Berti! Setz dich mal zu uns, wir haben da eine Idee." sagt mein alter Kumpel Bahli.
Als ich das Zeug aufgelöst in Karlsberg** zu mir nehme wird mir ganz anders. Vor meinen Augen verschwimmt die Redaktion. Butduma ist zeitgleich zum Trainingsplatz gefahren um mich als Runjaic zu sehen und so die Gegenperspektive zu schreiben. Wir haben uns einen Mittwoch ausgesucht. Da ist gewöhnlich wenig los.
"Trainer! Was ist los? Ist dir nicht gut?" Ich schlage die Augen auf. Das ist nicht die Redaktion. Aber auch nicht der Trainingsplatz. Das ist die Kabine! Ich lehne an der Wand. "Marco Haber?!" entfährt es mir, "Was machst Du denn hier?" rutscht es mir heraus, bevor ich mich selbst daran hindern kann. "Du weißt doch ich bin jetzt Teamsportmaterialkoordinator. Ich soll dafür sorgen, dass der Zeugwart die Mannschaft richtig mit Zeug versorgt. Das ist wichtig. Aber Du musst raus jetzt. Die zweite Halbzeit hat begonnen und wenn wir das Spiel nicht doch noch gewinnen, dann war's das mal wieder mit dem Aufstieg. Aber dir fällt bestimmt was ein."
Dann war's das mit dem Aufstieg? Hat der gesagt was ich gehört habe?
Ich betrete den Tempel. Die Jungs stehen schon wieder auf dem Platz. Wir spielen gegen ..... du meine Güte, Ingolstadt! Der 34. Spieltag! Mir wird sofort blümerant. Der FCK steht vor dem Aufstieg. Und ich an der Seitenlinie. Ach du scheiße! Was mach ich denn jetzt? Gar nichts. Wenn ich gar nichts mache, mache ich nichts falsch. Und weil es Runjaic wohl überwiegend auch so hält, falle ich auch nicht auf. "Das reicht nicht", murmelt Gruev. "Mit der Ruhe." murmele ich - mehr an mich selbst gerichtet. Gleich ist Schluss. Ich muss was tun!
Demirbay hält sich den Knöchel. Jetzt kommt Bewegung in den Stab. "Wechseln Trainer! Wir müssen wechseln!"
"Hol mir den Klich!" rufe ich Gruev zu. Die Sache geht schnell über die Bühne. Danach gesellt sich Gruev an meine Seite und zischt leise: "Du bist nicht Runjaic!"
Wie hat der das jetzt gemerkt? Ich sehe doch aus wie er. "Ach nein?" kontere ich.
"Nein. Kosta hätte nie eine Zehn für eine Zehn gewechselt. Er hätte einen Stürmer für den Spielmacher gebracht und auf 4-4-2 umgestellt. Dann hätte er die Zehn für einen Verteidiger gebracht und auf 3-5-2 gewechselt. Später hätte er einen Verteidiger für den Stürmer gebracht und wieder im 4-2-3-1 gespielt. Man muss den Gegner verwirren, sagt er immer. Also, wer bist Du?!"
In dem Moment explodiert die Westkurve. Tooor! Klich mit einem Traumpass auf Zoller und der ist drin! In der Nachspielzeit. Der Schiri pfeift gar nicht mehr an. Wir sind aufgestiegen! Und mir wird schwarz vor Augen.
Als ich wieder zu mir komme schaue ich in Bahlis Gesicht. "Und?" fragt er angespannt. "Was ist passiert?" Für einen Moment überlege ich noch und antworte dann: "Gar nichts. Hat nicht funktioniert." Dann stehe ich auf, verlasse die Redaktion und mache mich auf den Weg ins nächste Wettbüro um ein paar Eier anzulegen.
In diesem Sinne fröhliche Ostern euch allen!
Gruß Berti
---------------
=> Siehe Ausgabe 22. **=> Aktuelle Ausgabe unterstützt durch Produktplatzierungen
Auf der Couch sitzt eine seltsame Truppe. Manchmal hat sie Visionen und manchmal Ideen. Und ab und an sogar beides, dann kann sie in die Zukunft sehen. So wie ich jetzt. Ich sehe auch am nächsten Freitag bis spätestens um 12:00 Uhr eine neue Ausgabe erscheinen. Und an jedem anderen Pflichtspieltag zur gleichen Zeit gibt es ebenfalls ein Exemplar. Solch sensationellen Erfahrungen machen Menschen nur hier. In der Zone. Der Couchingzone. Genial, oder?
"Wechsel Trainer! Wir müssen wechseln!" Gruev schaut mich an und zeigt auf Demirbay. Mir steht der Schweiß auf der Stirn. Ob das gut geht? Wenn ich es falsch mache ist der Aufstieg im Eimer. Aber ich muss es tun und sage mit fester Stimme: "Hol mir den..."
Moment. Ich? Trainer? Ich sollte wohl doch an einer anderen Stelle anfangen. Die üblichen zwei Stunden reichen da aber nicht. Ich saß in der Redaktion, bin kurz aufs Klo gegangen und als ich wieder kam, sah ich die Blicke meiner Kollegen auf mich gerichtet.
Irgendwann früher.
"Einmalige Gelegenheit Leute. Mir hat da gerade ein gewisser E. A. Sterbunny von der US Army eine Substanz verkauft, mit der man transzendente Erfahrungen machen kann!" ruft Butduma als er in die Redaktion stürmt. Bahli, unser Denker, fragt natürlich nach. "Und?"
"Wir können endlich herausfinden was in Runjaic Kopf vor sich geht. Wir müssen nur einen von uns einschleusen. Der weiß dann alles und möglicherweise noch ein paar Dinge mehr. Natürlich ist das nicht ganz ungefährlich weil wir nicht wissen ob das auch zeitsynchron funktioniert. Und die Rückkehr ist auch nicht sicher. Eigentlich wäre jeder total bescheuert der so ein Risiko eingeht."
Kohlmeyer, der alte Zeitungsveteran, erkennt sofort das Potential. "Das mein Lieber" sagt er, "ist doch immer eine Frage der Perspektive. Wir müssen die Eier ja nicht gleich in so drastischen Farben bemalen wie Du. Laudere wäre mit seiner spirituellen Erfahrung der ideale Kandidat aber der steht vor Gericht, weil er diesen Zwerg* beim Spiel gegen Fürth vermöbelt hat. Der Runner versucht ihn rauszuhauen und Vic besorgt wie alle guten Praktikanten neues Bier. Geht also nicht. Sagt mal, wo ist denn eigentlich der Berti?"
Als ich die Redaktion betrete, grinsen meine drei Kollegen ein wenig blöde, wie ich finde. "Berti! Setz dich mal zu uns, wir haben da eine Idee." sagt mein alter Kumpel Bahli.
Als ich das Zeug aufgelöst in Karlsberg** zu mir nehme wird mir ganz anders. Vor meinen Augen verschwimmt die Redaktion. Butduma ist zeitgleich zum Trainingsplatz gefahren um mich als Runjaic zu sehen und so die Gegenperspektive zu schreiben. Wir haben uns einen Mittwoch ausgesucht. Da ist gewöhnlich wenig los.
"Trainer! Was ist los? Ist dir nicht gut?" Ich schlage die Augen auf. Das ist nicht die Redaktion. Aber auch nicht der Trainingsplatz. Das ist die Kabine! Ich lehne an der Wand. "Marco Haber?!" entfährt es mir, "Was machst Du denn hier?" rutscht es mir heraus, bevor ich mich selbst daran hindern kann. "Du weißt doch ich bin jetzt Teamsportmaterialkoordinator. Ich soll dafür sorgen, dass der Zeugwart die Mannschaft richtig mit Zeug versorgt. Das ist wichtig. Aber Du musst raus jetzt. Die zweite Halbzeit hat begonnen und wenn wir das Spiel nicht doch noch gewinnen, dann war's das mal wieder mit dem Aufstieg. Aber dir fällt bestimmt was ein."
Dann war's das mit dem Aufstieg? Hat der gesagt was ich gehört habe?
Ich betrete den Tempel. Die Jungs stehen schon wieder auf dem Platz. Wir spielen gegen ..... du meine Güte, Ingolstadt! Der 34. Spieltag! Mir wird sofort blümerant. Der FCK steht vor dem Aufstieg. Und ich an der Seitenlinie. Ach du scheiße! Was mach ich denn jetzt? Gar nichts. Wenn ich gar nichts mache, mache ich nichts falsch. Und weil es Runjaic wohl überwiegend auch so hält, falle ich auch nicht auf. "Das reicht nicht", murmelt Gruev. "Mit der Ruhe." murmele ich - mehr an mich selbst gerichtet. Gleich ist Schluss. Ich muss was tun!
Demirbay hält sich den Knöchel. Jetzt kommt Bewegung in den Stab. "Wechseln Trainer! Wir müssen wechseln!"
"Hol mir den Klich!" rufe ich Gruev zu. Die Sache geht schnell über die Bühne. Danach gesellt sich Gruev an meine Seite und zischt leise: "Du bist nicht Runjaic!"
Wie hat der das jetzt gemerkt? Ich sehe doch aus wie er. "Ach nein?" kontere ich.
"Nein. Kosta hätte nie eine Zehn für eine Zehn gewechselt. Er hätte einen Stürmer für den Spielmacher gebracht und auf 4-4-2 umgestellt. Dann hätte er die Zehn für einen Verteidiger gebracht und auf 3-5-2 gewechselt. Später hätte er einen Verteidiger für den Stürmer gebracht und wieder im 4-2-3-1 gespielt. Man muss den Gegner verwirren, sagt er immer. Also, wer bist Du?!"
In dem Moment explodiert die Westkurve. Tooor! Klich mit einem Traumpass auf Zoller und der ist drin! In der Nachspielzeit. Der Schiri pfeift gar nicht mehr an. Wir sind aufgestiegen! Und mir wird schwarz vor Augen.
Als ich wieder zu mir komme schaue ich in Bahlis Gesicht. "Und?" fragt er angespannt. "Was ist passiert?" Für einen Moment überlege ich noch und antworte dann: "Gar nichts. Hat nicht funktioniert." Dann stehe ich auf, verlasse die Redaktion und mache mich auf den Weg ins nächste Wettbüro um ein paar Eier anzulegen.
In diesem Sinne fröhliche Ostern euch allen!
Gruß Berti
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=> Siehe Ausgabe 22. **=> Aktuelle Ausgabe unterstützt durch Produktplatzierungen
Auf der Couch sitzt eine seltsame Truppe. Manchmal hat sie Visionen und manchmal Ideen. Und ab und an sogar beides, dann kann sie in die Zukunft sehen. So wie ich jetzt. Ich sehe auch am nächsten Freitag bis spätestens um 12:00 Uhr eine neue Ausgabe erscheinen. Und an jedem anderen Pflichtspieltag zur gleichen Zeit gibt es ebenfalls ein Exemplar. Solch sensationellen Erfahrungen machen Menschen nur hier. In der Zone. Der Couchingzone. Genial, oder?
03.04.2015 - 10:16 Uhr
Ääh Berti, hast du noch was von der Wundersubstanz über? Ich würd mich gern mal in Boris Becker reinversetzen, damit ich endlich einen ordentlichen Kick-Aufschlag hinbekomme. Alternativ auch Tommy Haas wegen der Rückhand. Am liebsten aber Michael Stich, einfach weil er der Beste von allen war. Und wenn das alles nicht klappt, dann auch gerne 'Being Berti Malkokoks' – einfach mal so spaßeshalber.
Schön gecoucht, Trainer!
Schön gecoucht, Trainer!
04.04.2015 - 13:51 Uhr
Schöne "Geschichte"... jedwede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Vorkommnissen oder Persönlichkeiten sind reiner Zufall
Ich habe die Tropfen übrigens im Kaffee probiert, da stimmen die Dosierhinweise - das hat also mit dem Karlsberg zu tun, dass das nicht so richtig geklappt hat. Nun gut, ich wollte ja schon immer für ein paar Stunden Lady Gaga sein
Ich habe die Tropfen übrigens im Kaffee probiert, da stimmen die Dosierhinweise - das hat also mit dem Karlsberg zu tun, dass das nicht so richtig geklappt hat. Nun gut, ich wollte ja schon immer für ein paar Stunden Lady Gaga sein
06.04.2015 - 17:31 Uhr
Warum sind wir 1998 Deutscher Meister geworden? Weil ich Otto Rehhagel war. Und Kohlmeyer war 1991 Kalli Feldkamp. Nächste Saison ist Butduma Kosta. Und übernächste der running-man, dann kommt Vic.
Shit Berti, du machst ja nur den Aufsteiger ...
Klasse Story. Das riecht förmlich nach einer Fortsetzung ...
Cheers
Bahli
Shit Berti, du machst ja nur den Aufsteiger ...
Klasse Story. Das riecht förmlich nach einer Fortsetzung ...
Cheers
Bahli
10.04.2015 - 09:24 Uhr
Jahrgang 5 – Ausgabe 30: A lot of days later – Eine fußballerische Endzeitstory
Einstimmung:
Dunkler, von zerrissenen Fanschals übersäter Boden, Rauch zieht darüber hinweg, ratternde Panzerketten rollen stampfend ins Bild. Die Ketten gehören zu einem umgebauten, rosafarbenen Eiswagen mit einem riesigen Waffelhörnchen auf dem Dach. Aus den krächzenden Lautsprechern des Gefährts ertönt in psychodelischer Dauerschleife der Schrei „Goaliiii, Gooooalliiiii, Gooooooaliiiiiiiii!“
Endzeitatmosphäre. Der Wagen fährt an einem riesigen Schild mit dem stilisierten Konterfei eines bekannten Österreichers vorbei. Genmanipulierte geflügelte Dosen fliegen durch die Lüfte.
Bestimmung:
Wir befinden uns in nicht allzu ferner, aber doch recht weiter Zukunft. Nach einem weiteren Stinkefinger des griechischen Finanzministers und der endgültigen Kommerzialisierung des Fußballs durch Brausehersteller, Autokonzerne und Waffenschmieden ist die Gesellschaft, wie wir sie kennen, kartenhausmäßig zusammengebrochen – eine logische Konsequenz. Der Kanzlerinnenroboter ist samt Kabinett verschwunden und marodierende Horden orientierungsloser Ultras haben die Macht übernommen. Ihre Anführer sitzen in den Katakomben verrottender Stadien und lenken von dort aus die Geschicke der von ihnen besetzten Gebiete. Die Pfalz liegt im Einflussgebiet der Gruppierung „Antimoderne Teufelz Ultras“ kurz ATU. Ihre Schergen patrouillieren entlang der Gebietsgrenzen, wo sie Mauern, Bäume und Brückenpfeiler mit ihren Erkennungsfarben markieren. Dennoch kommt es in der Südpfalz, in der Saarpfalz, in der Vorderpfalz und im Donnersbergkreis immer wieder zum Einfall fremder Gruppen wie den „Ultrabrutalen Gelbfuss-Ultras“, den „Martial Maggi Ultra-Tigern“, den „Konkret krassen Waldhof Uschis“ und den „Ultrabösen Narren-Psycho-Ultras“.
In jenen Zeiten der Macht des Stärkeren werden Konflikte nicht mehr mit Worten und Gesängen, sondern mit Fäusten und Waffen gelöst. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen landen immer wieder unzählige Ultras in den Krankenstationen ihrer Zentralen, wo Würgespuren von gegnerischen Fanschals, Traumata aufgrund entwendeter Doppelhalter und Pyroverbrennungen am Pipimann nur notdürftig mit einer Schicht Vaseline behandelt werden können. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen und Apotheken gibt es keine mehr. Man betäubt sich mit billigem Fusel, den man aus Bierresten gewinnt. Bitches sind keine am Start.
Die Bevölkerung ächzt unter Perspektivlosigkeit, Hunger und der Unterdrückung durch die Ultra-Hasardeure, die weder ihr Zimmer aufräumen noch ein funktionierendes Gesellschaftswesen aufbauen können. Man lebt in den Tag hinein und erträgt stoisch die Situation. Immerhin hatte man es unter zahlreichen Verlusten geschafft, die Weltherrschaft des Österreichers und seines verrückten Professors zu vereiteln. Der geheime Bund der Couchisten hatte den perfiden Plan der beiden durschaut, die Menschheit durch die Einspeisung einer gelblichen Flüssigkeit ins Wassernetz gefügig zu machen. Seitdem erhöht sich die Zahl der Mythen und Legenden, die sich um die Couchisten ranken, von Tag zu Tag. Man sagt sie seien – so wie die Ultras – ein Produkt des vormodernen Fußballs.
Den Couchisten hat sich ebenfalls der sageumwobene Großwildjäger angeschlossen, der anno dunnemols die boshafte wilde Sau erlegt hatte, welche sich so gern an der FCK-Eiche riwwelte. Die spezielle Brüderle-Kompressor-Kugel blies das Wildschwein auf, bis es mit einem derben Knall platzte. Nun sitzt jener Jäger mit den in Bademänteln gehüllten Couchisten bei einem Glas White Russian zusammen – einem Getränk, das seit der Eroberung Helgolands durch Putins Truppen verboten ist. Sie beraten über die baldige Widereinführung einer Gesellschaftsordnung auf Basis von Fußball und Intellekt… einer Couchokratie.
Couchist Nr. 1 erhebt sich und geht zu einem alten CD-Player. Er steigt auf den umgebauten Hometrainer und tritt in die Pedale. Der CD-Player blinkt kurz auf und sogleich dröhnt aus den altersschwachen Boxen „Blitzkrieg Bop“. Hechelnd ruft er in die Runde: „Das wird unsere neue Nationalhymne!“
Die übrigen Couchisten verdrehen die Augen und nuckeln weise an ihrem White Russian.
Nur Couchist Nr. 2 lässt das Gesöff links liegen und betätigt stattdessen aufgeregt einen abgenutzten Rechenschieber, der angesichts der immensen Reibung bereits zu qualmen beginnt. Er murmelt so etwas wie „Das wird zu teuer. Das ist Misswirtschaft. So kann das nicht weitergehen.“ in seinen Bademantelkragen.
„Ach was, teuer… wir haben doch eh nur noch Kronkorken als Zahlungsmittel. Alles ist wohl durchdacht, wir sollten uns jetzt lieber ein wenig durch die Gegend poppen, anstatt uns zu Tode zu grübeln.“, meint Couchist Nr. 3 mit der Zigarre im Mundwinkel.
Couchist Nr. 4 wird beim Wort „Poppen“ rot im Gesicht und kramt ein altes Sozialkundebuch aus der Innentasche seines Bademantels. Er schlägt die Seite mit einer Übersicht der Gesellschaftssysteme auf, reißt das Blatt heraus, hält es in die Luft, wedelt damit und dreht sich einen Filter für seinen Joint daraus.
„Quod erat tütum laudere…“, meint Couchist Nr. 5 grinsend, als der das Treiben von Couchist Nr. 4 beobachtet. Er legt eine mit Schriftzeichen übersäte Rolle Klopapier auf den Tisch und verkündet stolz: „Die Gesetzesrolle habe ich heute Nacht bei einer Flasche Spätburgunder in einem südpfälzischen Winzerkeller verfasst!“
Couchist Nr. 6 erhebt sich und wendet sich zu seinen Brüdern im Geiste: „Das Konzept steht also, wir sollten nun die Affen über die Hauptstadt entscheiden lassen.“ Er betätigt die Fahrradklingel an seinem Ring.
Eine junge Dame, die nur spärlich mit einem Bikini aus einer ALDI-Tüte und Gummistiefeln bekleidet ist, betritt den Raum. An jeder Hand hält sie ein Äffchen mit einem Papierhut. Sie setzt den ersten Affen auf den Tisch, auf seiner Kopfbedeckung steht „Kaiserslautern“, der zweite Affe folgt, er repräsentiert Berlin. Couchist Nr. 6 drückt jedem Tier ein trockenes Baguette ins Händchen.
Nach einer Minute ist der Kampf entschieden. Überall sind Semmelbrösel wie zu den besten Schnitzelzeiten verstreut. Kaiserslautern hat Berlin übel verkloppt und frisst die Reste seines Baguettes auf. Er grinst und reckt die etwas zu langen Arme in die Luft. Die Anwesenden nicken sich zu.
Plötzlich platzt das Fell des Affen auf… eine älterer Herr schält sich aus den pelzigen Fetzen. Die Couchisten kippen vor Schreck mit ihren Stühlen zu Boden, nur der Jäger bleibt cool und legt seine Flinte in den Anschlag. Nach einem kurzen Augenblick lässt er den Lauf jedoch wieder herabsinken.
Da steht er auf dem Tisch. Ein Bild von einem Mann. Sein Haupthaar glänzt im Kerzenlicht. Ja er ist es… der grandiose… der starke… de einmalige…
CHUCK NORRIS!
Die Menschheit ist gerettet, die Couchokratie etabliert und die Geschichte zunächst an ihrem Ende.
Nur noch ein Tipp: Esst keine verdorbenen Ostereier!
In diesem Sinne!
Ba beneen
Butduma
Chuck Norris wird ab sofort alle Couchisten ersetzen und an normalen Spieltagen bis spätestens Freitag 12:00 Uhr seine Prosa bei tm.de posten, an anderen Spieltagen spätestens zur Essenszeit. Aber vielleicht handelt es sich bei Chuck Norris auch nur im Couchisten im Gummikostüm – seid wachsam!
Einstimmung:
Dunkler, von zerrissenen Fanschals übersäter Boden, Rauch zieht darüber hinweg, ratternde Panzerketten rollen stampfend ins Bild. Die Ketten gehören zu einem umgebauten, rosafarbenen Eiswagen mit einem riesigen Waffelhörnchen auf dem Dach. Aus den krächzenden Lautsprechern des Gefährts ertönt in psychodelischer Dauerschleife der Schrei „Goaliiii, Gooooalliiiii, Gooooooaliiiiiiiii!“
Endzeitatmosphäre. Der Wagen fährt an einem riesigen Schild mit dem stilisierten Konterfei eines bekannten Österreichers vorbei. Genmanipulierte geflügelte Dosen fliegen durch die Lüfte.
Bestimmung:
Wir befinden uns in nicht allzu ferner, aber doch recht weiter Zukunft. Nach einem weiteren Stinkefinger des griechischen Finanzministers und der endgültigen Kommerzialisierung des Fußballs durch Brausehersteller, Autokonzerne und Waffenschmieden ist die Gesellschaft, wie wir sie kennen, kartenhausmäßig zusammengebrochen – eine logische Konsequenz. Der Kanzlerinnenroboter ist samt Kabinett verschwunden und marodierende Horden orientierungsloser Ultras haben die Macht übernommen. Ihre Anführer sitzen in den Katakomben verrottender Stadien und lenken von dort aus die Geschicke der von ihnen besetzten Gebiete. Die Pfalz liegt im Einflussgebiet der Gruppierung „Antimoderne Teufelz Ultras“ kurz ATU. Ihre Schergen patrouillieren entlang der Gebietsgrenzen, wo sie Mauern, Bäume und Brückenpfeiler mit ihren Erkennungsfarben markieren. Dennoch kommt es in der Südpfalz, in der Saarpfalz, in der Vorderpfalz und im Donnersbergkreis immer wieder zum Einfall fremder Gruppen wie den „Ultrabrutalen Gelbfuss-Ultras“, den „Martial Maggi Ultra-Tigern“, den „Konkret krassen Waldhof Uschis“ und den „Ultrabösen Narren-Psycho-Ultras“.
In jenen Zeiten der Macht des Stärkeren werden Konflikte nicht mehr mit Worten und Gesängen, sondern mit Fäusten und Waffen gelöst. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen landen immer wieder unzählige Ultras in den Krankenstationen ihrer Zentralen, wo Würgespuren von gegnerischen Fanschals, Traumata aufgrund entwendeter Doppelhalter und Pyroverbrennungen am Pipimann nur notdürftig mit einer Schicht Vaseline behandelt werden können. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen und Apotheken gibt es keine mehr. Man betäubt sich mit billigem Fusel, den man aus Bierresten gewinnt. Bitches sind keine am Start.
Die Bevölkerung ächzt unter Perspektivlosigkeit, Hunger und der Unterdrückung durch die Ultra-Hasardeure, die weder ihr Zimmer aufräumen noch ein funktionierendes Gesellschaftswesen aufbauen können. Man lebt in den Tag hinein und erträgt stoisch die Situation. Immerhin hatte man es unter zahlreichen Verlusten geschafft, die Weltherrschaft des Österreichers und seines verrückten Professors zu vereiteln. Der geheime Bund der Couchisten hatte den perfiden Plan der beiden durschaut, die Menschheit durch die Einspeisung einer gelblichen Flüssigkeit ins Wassernetz gefügig zu machen. Seitdem erhöht sich die Zahl der Mythen und Legenden, die sich um die Couchisten ranken, von Tag zu Tag. Man sagt sie seien – so wie die Ultras – ein Produkt des vormodernen Fußballs.
Den Couchisten hat sich ebenfalls der sageumwobene Großwildjäger angeschlossen, der anno dunnemols die boshafte wilde Sau erlegt hatte, welche sich so gern an der FCK-Eiche riwwelte. Die spezielle Brüderle-Kompressor-Kugel blies das Wildschwein auf, bis es mit einem derben Knall platzte. Nun sitzt jener Jäger mit den in Bademänteln gehüllten Couchisten bei einem Glas White Russian zusammen – einem Getränk, das seit der Eroberung Helgolands durch Putins Truppen verboten ist. Sie beraten über die baldige Widereinführung einer Gesellschaftsordnung auf Basis von Fußball und Intellekt… einer Couchokratie.
Couchist Nr. 1 erhebt sich und geht zu einem alten CD-Player. Er steigt auf den umgebauten Hometrainer und tritt in die Pedale. Der CD-Player blinkt kurz auf und sogleich dröhnt aus den altersschwachen Boxen „Blitzkrieg Bop“. Hechelnd ruft er in die Runde: „Das wird unsere neue Nationalhymne!“
Die übrigen Couchisten verdrehen die Augen und nuckeln weise an ihrem White Russian.
Nur Couchist Nr. 2 lässt das Gesöff links liegen und betätigt stattdessen aufgeregt einen abgenutzten Rechenschieber, der angesichts der immensen Reibung bereits zu qualmen beginnt. Er murmelt so etwas wie „Das wird zu teuer. Das ist Misswirtschaft. So kann das nicht weitergehen.“ in seinen Bademantelkragen.
„Ach was, teuer… wir haben doch eh nur noch Kronkorken als Zahlungsmittel. Alles ist wohl durchdacht, wir sollten uns jetzt lieber ein wenig durch die Gegend poppen, anstatt uns zu Tode zu grübeln.“, meint Couchist Nr. 3 mit der Zigarre im Mundwinkel.
Couchist Nr. 4 wird beim Wort „Poppen“ rot im Gesicht und kramt ein altes Sozialkundebuch aus der Innentasche seines Bademantels. Er schlägt die Seite mit einer Übersicht der Gesellschaftssysteme auf, reißt das Blatt heraus, hält es in die Luft, wedelt damit und dreht sich einen Filter für seinen Joint daraus.
„Quod erat tütum laudere…“, meint Couchist Nr. 5 grinsend, als der das Treiben von Couchist Nr. 4 beobachtet. Er legt eine mit Schriftzeichen übersäte Rolle Klopapier auf den Tisch und verkündet stolz: „Die Gesetzesrolle habe ich heute Nacht bei einer Flasche Spätburgunder in einem südpfälzischen Winzerkeller verfasst!“
Couchist Nr. 6 erhebt sich und wendet sich zu seinen Brüdern im Geiste: „Das Konzept steht also, wir sollten nun die Affen über die Hauptstadt entscheiden lassen.“ Er betätigt die Fahrradklingel an seinem Ring.
Eine junge Dame, die nur spärlich mit einem Bikini aus einer ALDI-Tüte und Gummistiefeln bekleidet ist, betritt den Raum. An jeder Hand hält sie ein Äffchen mit einem Papierhut. Sie setzt den ersten Affen auf den Tisch, auf seiner Kopfbedeckung steht „Kaiserslautern“, der zweite Affe folgt, er repräsentiert Berlin. Couchist Nr. 6 drückt jedem Tier ein trockenes Baguette ins Händchen.
Nach einer Minute ist der Kampf entschieden. Überall sind Semmelbrösel wie zu den besten Schnitzelzeiten verstreut. Kaiserslautern hat Berlin übel verkloppt und frisst die Reste seines Baguettes auf. Er grinst und reckt die etwas zu langen Arme in die Luft. Die Anwesenden nicken sich zu.
Plötzlich platzt das Fell des Affen auf… eine älterer Herr schält sich aus den pelzigen Fetzen. Die Couchisten kippen vor Schreck mit ihren Stühlen zu Boden, nur der Jäger bleibt cool und legt seine Flinte in den Anschlag. Nach einem kurzen Augenblick lässt er den Lauf jedoch wieder herabsinken.
Da steht er auf dem Tisch. Ein Bild von einem Mann. Sein Haupthaar glänzt im Kerzenlicht. Ja er ist es… der grandiose… der starke… de einmalige…
CHUCK NORRIS!
Die Menschheit ist gerettet, die Couchokratie etabliert und die Geschichte zunächst an ihrem Ende.
Nur noch ein Tipp: Esst keine verdorbenen Ostereier!
In diesem Sinne!
Ba beneen
Butduma
Chuck Norris wird ab sofort alle Couchisten ersetzen und an normalen Spieltagen bis spätestens Freitag 12:00 Uhr seine Prosa bei tm.de posten, an anderen Spieltagen spätestens zur Essenszeit. Aber vielleicht handelt es sich bei Chuck Norris auch nur im Couchisten im Gummikostüm – seid wachsam!
10.04.2015 - 09:37 Uhr
10.04.2015 - 10:30 Uhr
„Martial Maggi Ultra-Tiger“ , einfach nur geil. Wusste es immer, der Maddin brüht was aus!
Geiles Ding, die komplette Ausgabe!
Geiles Ding, die komplette Ausgabe!
10.04.2015 - 11:36 Uhr
Ein postapokalyptisches Szenario mit Napalmgeruch am Morgen. Love it.
10.04.2015 - 12:58 Uhr
Schwere Kost, mein lieber But, aber sehr gelungen.
Ich versuche aber gerade, die nummerierten Couchisten zu sortieren. Bei Nr. 5 hätte ich da eine Ahnung...
Gruß aus der Pfalz
Ich versuche aber gerade, die nummerierten Couchisten zu sortieren. Bei Nr. 5 hätte ich da eine Ahnung...
Gruß aus der Pfalz
14.04.2015 - 13:18 Uhr
Mensch But, da weile ich kabellos im Elsass und vergesse völlig dein Couching zu lesen. Was für ein Fehler, was für ein Fauxpas. Natürlich ist das noch einmal anders als deine normalen schon abstrusen Couchings, aber es ist nicht weniger genial.
Danke für diesen Lesegenuss
Bahli
Danke für diesen Lesegenuss
Bahli
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