Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
13.04.2017 - 12:28 Uhr
Jahrgang 7 – Ausgabe 29
DIE VERFÜHRUNG DER UNSCHULD
Von Vic Dorn
Frühjahr 1982
Der kleine Vic (10) sitzt gebannt vor dem Fernseher. Es ist schon ein Farbfernseher; sie werden immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Zwar ist es noch keiner mit Videotext, aber immerhin nicht mehr eine dieser Dick-und-Doof-Gedächtnis-Schwarzweiß-Schrippen. Die Entscheidung im TV steht bevor, ganz dicht bevor, und der kleine Vic spürt, dass das etwas wird. Das wird was. Ja, es wird. Auch wenn Papa Dorn total genervt vor sich hingrunzt, sein Bier süffelt und mit demonstrativer Freude am Stören ein paar Politikerzitate aus der Zeitung inhaltlich zerpflückt.
Die Mama erledigt in der Küche einen späten Abwasch – morgen ist ja schließlich Sonntag, und die Familie der Tante hat sich zum Essen angesagt. Da darf sich beim morgendlichen Kochritual ja nicht noch das Geschirr des Vorabends auftürmen. „Na, mein Vicki“, ruft sie fröhlich mit den Tellern klappernd. „Liegt Nicole immer noch in Front?“
Und mit vor Aufregung rot glühenden Wangen und mit einer andächtigen Nickbewegung ruft der kleine Vic zurück. „Ich glaube, uns holt keiner mehr ein!“
„Wie schön!“ ruft die Mama zurück. „‘Ein bisschen Frieden‘ ist ja auch ein tolles Lied“.
Der Papa grunzt und schnaubt und brabbelt irgendwas, was wie „Kitsch“ klingt in seinen nicht vorhandenen Bart.
Komisch, wie man sich an manche Details noch erinnert. Zum Beispiel an den gelben Comic-Schlafanzug, in dem Mamas Vicky angesichts der späten Uhrzeit schon längst steckte. Ja, Jungs, ein gelber Comic-Schlafanzug. Kriegt es in euren Kopf hinein, so was gab es damals schon. Bei der Erinnerung an das Teil fällt mir auch glatt nochmal unsere rot-orange bezogene Eckbank in der Küche ein, die mit dem weiß verkleideten Pressspanplatten-Sockel. Ein geschmacksverirrtes Relikt aus den 70ern, das für Vicki und seine Geschwister damals ein Stück heiles Zuhause war. Wenn mir heute jemand so ein häßliches Drecksteil auch nur schenken wollte, ich würde ihm die Freundschaft kündigen.
Ääääh, schweife ich gerade ab? Back to Front, Couchisto! Wird’s bald?
Für all diejenigen, die zu jung oder zu desinteressiert sind, um die beschriebene Szene richtig deuten zu können: Es ging natürlich um das 82er-Finale des „Grand Prix d’Eurovision“. Um den Wettbewerb also, den man damals noch nicht in gepflegtem Wegwerfwaren-Denglisch „ESC“ nannte, sondern eben völlig stilvoll „Grand Prix d’Eurovision.“ Und die damals 17jährige Nicole und ihre weiße Gitarre und ihr Liedchen von „Ein bisschen Frieden“ hat am Schluss souverän gewonnen. Und das zauberte dem kleinen Vic ein weihnachtlich anmutendes Glühen auf die Wangen.
Vergleichsweise kalt ließ den kleinen Vic hingegen keine drei Monate später die Final-Niederlage der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Spanien. Ein chancenloses 1:3 gegen Italien; der Ehrentreffer fiel erst kurz vor Schluss, als alles schon zu spät war. Der kleine Vic hatte sich schon damals durchaus vereinzelte Deutschland-Spiele der WM oder wenigstens Spielpassagen im elterlichen Farbfernseher angeschaut. Aber so ein wirklicher Fußball-Fans war er nicht. Wirklich nicht. Einen viel größeren Reiz hatten auf ihn damals diese Hochglanz-Klebebildchen der WM-Stars, die man sauber und akkurat ins Album kleben konnte. Die Fußballer in den Bildern sahen alle auf statuenhafte Weise so würdevoll aus, so bedeutungsschwanger, so weltverändernd. Der kleine Vic hätte ihnen allein schon aufgrund des Blickes zugetraut, daß sie Mondfähren konstruieren, Menschen klonen, Tote auferwecken können und die Befehlsgewalt über Sonne, Regen, Schnee und Eis haben. Echt jetzt.
Mensch, sahen die so gescheit und so allwissend aus, die Briegels, die Breitners, die Rummenigges und Littbarskis…
Mein großer Bruder tobte und flennte damals an diesem Finalabend gegen Italien, als die sehr, sehr knappe Nachspielzeit anbrach und jedem bewusst war, dass das Spiel verloren war. Er schwor in hochheiligem Enttäuschungs-Zorn, dass er nie mehr in seinem Leben Spaghetti essen würde.
Der kleine Vic hingegen sagte dann: „Na ja, aber ein zweiter Platz ist doch auch ganz schön. Und wenigstens hat ja Nicole gewonnen…“
Es ist nicht so einfach, den Blick zu beschreiben, mit dem mein Bruder mich danach angesehen hat…
Dabei war es wirklich lieb und beschwichtigend gemeint von mir… Echt jetzt…
Jahaaaa, ich hab mich damals noch nicht für Fußball interessiert. Und ich hätte mir damals auch nicht träumen lassen, dass er mal so schrecklich wichtig für mich werden würde. Wäre es doch nie passiert! Wäre es doch wirklich nie passiert! Ich muss an dieses mittlerweile legendär gewordene Nick-Hornby-Zitat denken, mit dem er seinen Fußball-Kultroman „Fever Pitch“ eingeleitet hat. Runterzunudeln brauche ich es hier nicht mehr; kennen tut ihr es ja sowieso.
Und dann…
Es war ein Herbstabend, als es passierte. Irgendwann im Oktober oder November 1986. Eine dreizehnjährige belgische Rotzgöre, die gar nicht richtig singen konnte, hatte im Frühjahr zuvor den ESC gewonnen. Aber der pubertierende Vic fand diese europäische Sing-Veranstaltung mittlerweile sowieso längst blöd und peinlich. Nein, jetzt geht es echt um Fußball. Leider.
Ich begleitete einen Schulfreund und seinen Vater auf den Betze. Mein allererstes Betze-Spiel ever. Weder im TV noch auf dem Rasen hatte der mittlerweile nicht mehr ganz so kleine Vic jemals ein Spiel der Roten Teufel gesehen. Sie waren nur eine Randnotiz für ihn. Vicky stammt ja aus dem Saarland, und damals war der FCK für ihn wirklich nur ein Name. Ein Verein, den es halt gab.
Wäre es doch nur dabei geblieben! Aber nein, ich musste ja mein allererstes Mal haben. Und es war noch nicht mal so, dass ich heiß auf Live-Fußball und FCK gewesen wäre. Ich hatte mich nur breitschlagen lassen. Hätte ich das doch nur nie getan. Ich konnte doch nicht ahnen, was daraus entstehen würde. Ich fand Fußball wirklich, wirklich nicht besonders interessant. Ich bin damals eigentlich nur mitgekommen, weil der Schulfreund eine Karte übrig hatte. Sein Cousin, der eigentlich an meiner Stelle mitgehen sollte, hatte sich nämlich irgendetwas Unappetitliches eingefangen. Ich weiß nicht mehr so genau, was es war. Masern, Mumps, Windpocken oder Nachsitzen oder Verwandtschaftsbesuch. Keine Ahnung mehr.
Wir kamen erst kurz vor knapp und ziemlich gehetzt im Stadion an, weil der Papa meines Schulfreundes vergessen hatte, den Lauterer Stadtplan einzustecken und weil die Parkplatzsuche sich obendrein als pervers kompliziert gestaltete. Navis gab es damals halt noch keine. Aber Knöllchen für Falschparker, die gab es schon. Und die klebten damals zuhauf an allen falsch abgestellten Autos, an denen wir vorbeikamen. Davon eingeschüchtert parkten wir dann ganz weit draußen, irgendwo hinterm Volkspark und kamen fast zu spät zum Spiel. Auf dem eiligen Weg zum Stadion reckte mein Schulfreund sehr stolz und in wichtigtuerischer Pose seinen FCK-Wimpel in die Höhe und kam sich wie ein Welteneroberer dabei vor. Sein Vater, der eigentlich Bayern-Fan war, dozierte in dezidiertem Kenner-Ton: „Mit vielen Toren ist heut nicht zu rechnen. Wahrscheinlich spielen Kohr und Allievi vorne drin – und die können beide nix.“
Ich fand das absolut unfair von ihm, Leute, die ihm nichts getan hatten, einfach im Voraus so abzukanzeln. Und in rebellischem Gerechtigkeitssinn wünschte ich beiden insgeheim ein Tor. Der war eh ein komischer Kauz, der Papa meines Schulfreundes, ein permanent genervter Griesgram, der ab und zu versuchte, witzig zu sein. Aber sogar seine Versuche, witzig zu sein, klangen immer irgendwie genervt.
Dann also Betze. Osttribüne. Woanders war halt nichts mehr frei gewesen, erklärt der Schulfreund ein bisschen kleinlaut. Vic fragt sich, was dieser Beichtstuhl-Tonfall soll. Er findet es hier prima. Aber irgendwie hätte er damit gerechnet, dass man sitzt… - Stehplätze? Komisch… Das hat mir keiner gesagt…
Es ist schon eine Minute vor Spielbeginn. Eine vergleichsweise kleine, aber deutlich hörbare Gruppe aus dem Lauterer Fanblock begrüßte den Schalker Torwart mit Schmährufen. Er hieß Makac oder Macak, irgendwas Osteuropäisches jedenfalls. Ich schau mal grad bei Wikipedia nach…
… Ey, den gibt’s dort tatsächlich! Wikipedia ist voll der geniale Datenfriedhof geworden in den letzten zwei Jahrzehnten. Hammer!
Macak heißt er, genauer gesagt Pavel Mačák. Wikipedia weiß mittlerweile echt über fast alles Bescheid, nur nicht über die Länge unserer Schwänze.
Na ja, jedenfalls begrüßen einige Fans aus einem Block, der vermutlich der legendäre Block 8 sein dürfte (was Vic damals noch nichts sagte) mit „Macak, du A...loch! Macak, du A...loch…“
Vic ist fasziniert und abgestoßen zugleich. Niemand hat ihm vorher gesagt, dass schlechtes Benehmen in Fußballstadien zum guten Ton hört. Dann jedenfalls das Spiel. Rot gegen Blau. Ein schöner optischer Kontrast.
Ob es vom Anpfiff weg ein gutes Spiel ist? Keine Ahnung. Vic fehlt der Vergleich. Er läßt sich einfach vom Geschehen um sich herum berieseln. Zwei Dinge findet er frappierend: Erstens, die Geräuschkulisse. Dass Fußballstadien laut sind, und zwar SO laut – das hätte er nicht für möglich gehalten. Er hätte eher damit gerechnet, dass die Fans sich wie ein stilles, beobachtendes Fernsehpublikum verhalten. Und zweitens: Ey, wo ist eigentlich der Kommentator? Es ist ja überhaupt niemand da, der den Zuschauern die ganze Zeit die Hucke volllabert. Da fühlt man sich irgendwie so alleingelassen unter mehr als 30.000 Leuten. Weil niemand kommentiert, versucht Vic das Geschehen mit seinem Schulfreund und seinem Papa gemeinsam zu kommentieren. Aber der Schulfreund sagt immer nur „kann sein“, „vielleicht“, „wenn du meinst“ oder „Hä?“ und der Papa brummt immer nur genervt. Also hält er halt den Mund, der Vic und hofft, dass dieses Spiel irgendwann bald vorbei ist.
Dann nach etwa 20 Minuten das Tor. Frank Hartmann. Das Stadion explodiert.
Kurze Zeit später – kaum Zeit, sich zu erholen – noch ein Tor. Wieder Frank Hartmann. Das Stadion explodiert noch mehr. Hexenkessel, Tollhaus, Tempel der Glückseligkeit. Aus diesem Taumelzustand kommt die Hütte bis zum Schlusspfiff nicht mehr raus. Die Partie wird 5:1 enden. Alle fünf FCK-Tore von Frank Hartmann. Vic fragt den Vater des Schulfreundes, warum der nicht im Sommer bei der WM in Mexiko dabei war. Dann hätten wir doch das Finale gegen Argentinien gewonnen. Der Papa blickt gen Himmel und verdreht die Augen.
Und spätestens nach dem 2:0 hat der jugendliche Vic das Gefühl, dass da in seinem Brustkorb irgendwas zerbricht und wegbröckelt und dass da irgendetwas Neues an die Stelle tritt – strahlend, leicht und luftig, ein verheißungsvolles Gleißen, das immerwährende Glückseligkeit verspricht. Eine vorher nicht dagewesene Göttlichkeit ist in das Leben des jungen Vic hineingetreten. So flammend und so schön.
Auf der Heimfahrt wird er sich eingestehen, dass er sich verliebt hat. In einen Verein, der vorher nur ein Name für ihn war. Der Sinn des Lebens wird fortan immer ein Tor des FCK im Fußball sein. Und der Sinn des Lebens wird fortan immer ein Sieg des FCK in der Bundesliga sein.
Nur eine Sache ärgert ihn, den jugendlichen Vic: Dass Kohr und Allievi beide kein Tor geschossen haben. Die heruntergefallene Kinnlade des Schulfreund-Papas hätte er sooo gern gesehen…
Für den Schulfreund und sein Papa war der FCK nur eine Episode gewesen – jedenfalls so weit wie Vic die Sache weiterverfolgt hat. Ich glaube nicht, dass sie danach regelmäßig auf den Betzenberg gegangen sind (der Kontakt ging recht schnell verloren). Für Vic hingegen, für Vic wurde er zur Religion, der FCK.
Eine Religion, die anfangs sehr sehr, sehr süß und göttlich schmeckte – lecker angerichtet mit zwei Meistertiteln und zwei Pokalsiegen – eine Götterspeise in Rot-Weiß. Und mittlerweile meistens bitter, nur selten bittersüß….
Und ehrlich gesagt, nach über 30 Jahren Fansein frage ich mich mittlerweile sehr sehr oft, wie es eigentlich gewesen wäre, wenn der FCK damals 0:0 gespielt hätte oder gar das Spiel verloren hätte. Ich glaube fast, der FCK wäre auch eine Episode geblieben. An diesen blödsinngen Kitschspruch von Nick Hornby, dass man sich einen Fußballverein nicht aussucht, sondern dass er einem gegeben wird, glaube ich nicht. Das ist Quatsch. Ich habe angefangen mit dem FCK zu kopulieren, weil er mega-sexy war, als ich ihm begegnet bin. That’s all. Punkt.
Hätte dieser Klub mich damals mit ner Niederlage abgetörnt, hätte ich „Und Tschüs“ gesagt und hätte mich vielleicht gleich ganz exzessiv dem Theaterspielen zugewendet (eine Leidenschaft, die erst 12 Jahre später kam).
Ich hasse dich, Frank Hartmann. Du bist nicht mal Nationalspieler gewesen, du mega-kleines Fußballlicht. Und ausgerechnet an dem Tag, an dem der unbedarfte und verführbare Vic das Licht der Fußballwelt erblickte, musstest du einen auf Superstar machen. Du warst es, der mich mit dem FCK verkuppelt hat. Und ich wette, dass du dich noch nicht mal dafür schämst. Aber du wirst schon sehen: Ich schaffe das. Ich schaffe es, diese angeblich so göttliche Sucht abzuschütteln. Manche schaffen es, nach 30 Jahren mit dem Rauchen aufzuhören. Also schaffe ich das hier auch. Wirst sehen, du alter Kuppler. Ich schaff‘ das. Ich weiß nur noch nicht, wie…
------
Wir Couchistos schreiben nicht nur Texte in der bangen Hoffnung, dass sie irgendjemand liest und auch für gut befindet. Wir psychotherapieren uns auch gegenseitig, erzählen uns, wie wir in die Fänge des FCK geraten sind. Nur eines war bisher tabu: Sich gegenseitig zu erzählen, wie man in die Fänge dieses FCK geraten ist. Der Autor dieses Couchings hat jetzt das Tabu gebrochen. Vielleicht ziehen die Leidensgenossen Bahli, But, Devil, NewT und HegM demnächst nach?
DIE VERFÜHRUNG DER UNSCHULD
Von Vic Dorn
Frühjahr 1982
Der kleine Vic (10) sitzt gebannt vor dem Fernseher. Es ist schon ein Farbfernseher; sie werden immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Zwar ist es noch keiner mit Videotext, aber immerhin nicht mehr eine dieser Dick-und-Doof-Gedächtnis-Schwarzweiß-Schrippen. Die Entscheidung im TV steht bevor, ganz dicht bevor, und der kleine Vic spürt, dass das etwas wird. Das wird was. Ja, es wird. Auch wenn Papa Dorn total genervt vor sich hingrunzt, sein Bier süffelt und mit demonstrativer Freude am Stören ein paar Politikerzitate aus der Zeitung inhaltlich zerpflückt.
Die Mama erledigt in der Küche einen späten Abwasch – morgen ist ja schließlich Sonntag, und die Familie der Tante hat sich zum Essen angesagt. Da darf sich beim morgendlichen Kochritual ja nicht noch das Geschirr des Vorabends auftürmen. „Na, mein Vicki“, ruft sie fröhlich mit den Tellern klappernd. „Liegt Nicole immer noch in Front?“
Und mit vor Aufregung rot glühenden Wangen und mit einer andächtigen Nickbewegung ruft der kleine Vic zurück. „Ich glaube, uns holt keiner mehr ein!“
„Wie schön!“ ruft die Mama zurück. „‘Ein bisschen Frieden‘ ist ja auch ein tolles Lied“.
Der Papa grunzt und schnaubt und brabbelt irgendwas, was wie „Kitsch“ klingt in seinen nicht vorhandenen Bart.
Komisch, wie man sich an manche Details noch erinnert. Zum Beispiel an den gelben Comic-Schlafanzug, in dem Mamas Vicky angesichts der späten Uhrzeit schon längst steckte. Ja, Jungs, ein gelber Comic-Schlafanzug. Kriegt es in euren Kopf hinein, so was gab es damals schon. Bei der Erinnerung an das Teil fällt mir auch glatt nochmal unsere rot-orange bezogene Eckbank in der Küche ein, die mit dem weiß verkleideten Pressspanplatten-Sockel. Ein geschmacksverirrtes Relikt aus den 70ern, das für Vicki und seine Geschwister damals ein Stück heiles Zuhause war. Wenn mir heute jemand so ein häßliches Drecksteil auch nur schenken wollte, ich würde ihm die Freundschaft kündigen.
Ääääh, schweife ich gerade ab? Back to Front, Couchisto! Wird’s bald?
Für all diejenigen, die zu jung oder zu desinteressiert sind, um die beschriebene Szene richtig deuten zu können: Es ging natürlich um das 82er-Finale des „Grand Prix d’Eurovision“. Um den Wettbewerb also, den man damals noch nicht in gepflegtem Wegwerfwaren-Denglisch „ESC“ nannte, sondern eben völlig stilvoll „Grand Prix d’Eurovision.“ Und die damals 17jährige Nicole und ihre weiße Gitarre und ihr Liedchen von „Ein bisschen Frieden“ hat am Schluss souverän gewonnen. Und das zauberte dem kleinen Vic ein weihnachtlich anmutendes Glühen auf die Wangen.
Vergleichsweise kalt ließ den kleinen Vic hingegen keine drei Monate später die Final-Niederlage der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Spanien. Ein chancenloses 1:3 gegen Italien; der Ehrentreffer fiel erst kurz vor Schluss, als alles schon zu spät war. Der kleine Vic hatte sich schon damals durchaus vereinzelte Deutschland-Spiele der WM oder wenigstens Spielpassagen im elterlichen Farbfernseher angeschaut. Aber so ein wirklicher Fußball-Fans war er nicht. Wirklich nicht. Einen viel größeren Reiz hatten auf ihn damals diese Hochglanz-Klebebildchen der WM-Stars, die man sauber und akkurat ins Album kleben konnte. Die Fußballer in den Bildern sahen alle auf statuenhafte Weise so würdevoll aus, so bedeutungsschwanger, so weltverändernd. Der kleine Vic hätte ihnen allein schon aufgrund des Blickes zugetraut, daß sie Mondfähren konstruieren, Menschen klonen, Tote auferwecken können und die Befehlsgewalt über Sonne, Regen, Schnee und Eis haben. Echt jetzt.
Mensch, sahen die so gescheit und so allwissend aus, die Briegels, die Breitners, die Rummenigges und Littbarskis…
Mein großer Bruder tobte und flennte damals an diesem Finalabend gegen Italien, als die sehr, sehr knappe Nachspielzeit anbrach und jedem bewusst war, dass das Spiel verloren war. Er schwor in hochheiligem Enttäuschungs-Zorn, dass er nie mehr in seinem Leben Spaghetti essen würde.
Der kleine Vic hingegen sagte dann: „Na ja, aber ein zweiter Platz ist doch auch ganz schön. Und wenigstens hat ja Nicole gewonnen…“
Es ist nicht so einfach, den Blick zu beschreiben, mit dem mein Bruder mich danach angesehen hat…
Dabei war es wirklich lieb und beschwichtigend gemeint von mir… Echt jetzt…
Jahaaaa, ich hab mich damals noch nicht für Fußball interessiert. Und ich hätte mir damals auch nicht träumen lassen, dass er mal so schrecklich wichtig für mich werden würde. Wäre es doch nie passiert! Wäre es doch wirklich nie passiert! Ich muss an dieses mittlerweile legendär gewordene Nick-Hornby-Zitat denken, mit dem er seinen Fußball-Kultroman „Fever Pitch“ eingeleitet hat. Runterzunudeln brauche ich es hier nicht mehr; kennen tut ihr es ja sowieso.
Und dann…
Es war ein Herbstabend, als es passierte. Irgendwann im Oktober oder November 1986. Eine dreizehnjährige belgische Rotzgöre, die gar nicht richtig singen konnte, hatte im Frühjahr zuvor den ESC gewonnen. Aber der pubertierende Vic fand diese europäische Sing-Veranstaltung mittlerweile sowieso längst blöd und peinlich. Nein, jetzt geht es echt um Fußball. Leider.
Ich begleitete einen Schulfreund und seinen Vater auf den Betze. Mein allererstes Betze-Spiel ever. Weder im TV noch auf dem Rasen hatte der mittlerweile nicht mehr ganz so kleine Vic jemals ein Spiel der Roten Teufel gesehen. Sie waren nur eine Randnotiz für ihn. Vicky stammt ja aus dem Saarland, und damals war der FCK für ihn wirklich nur ein Name. Ein Verein, den es halt gab.
Wäre es doch nur dabei geblieben! Aber nein, ich musste ja mein allererstes Mal haben. Und es war noch nicht mal so, dass ich heiß auf Live-Fußball und FCK gewesen wäre. Ich hatte mich nur breitschlagen lassen. Hätte ich das doch nur nie getan. Ich konnte doch nicht ahnen, was daraus entstehen würde. Ich fand Fußball wirklich, wirklich nicht besonders interessant. Ich bin damals eigentlich nur mitgekommen, weil der Schulfreund eine Karte übrig hatte. Sein Cousin, der eigentlich an meiner Stelle mitgehen sollte, hatte sich nämlich irgendetwas Unappetitliches eingefangen. Ich weiß nicht mehr so genau, was es war. Masern, Mumps, Windpocken oder Nachsitzen oder Verwandtschaftsbesuch. Keine Ahnung mehr.
Wir kamen erst kurz vor knapp und ziemlich gehetzt im Stadion an, weil der Papa meines Schulfreundes vergessen hatte, den Lauterer Stadtplan einzustecken und weil die Parkplatzsuche sich obendrein als pervers kompliziert gestaltete. Navis gab es damals halt noch keine. Aber Knöllchen für Falschparker, die gab es schon. Und die klebten damals zuhauf an allen falsch abgestellten Autos, an denen wir vorbeikamen. Davon eingeschüchtert parkten wir dann ganz weit draußen, irgendwo hinterm Volkspark und kamen fast zu spät zum Spiel. Auf dem eiligen Weg zum Stadion reckte mein Schulfreund sehr stolz und in wichtigtuerischer Pose seinen FCK-Wimpel in die Höhe und kam sich wie ein Welteneroberer dabei vor. Sein Vater, der eigentlich Bayern-Fan war, dozierte in dezidiertem Kenner-Ton: „Mit vielen Toren ist heut nicht zu rechnen. Wahrscheinlich spielen Kohr und Allievi vorne drin – und die können beide nix.“
Ich fand das absolut unfair von ihm, Leute, die ihm nichts getan hatten, einfach im Voraus so abzukanzeln. Und in rebellischem Gerechtigkeitssinn wünschte ich beiden insgeheim ein Tor. Der war eh ein komischer Kauz, der Papa meines Schulfreundes, ein permanent genervter Griesgram, der ab und zu versuchte, witzig zu sein. Aber sogar seine Versuche, witzig zu sein, klangen immer irgendwie genervt.
Dann also Betze. Osttribüne. Woanders war halt nichts mehr frei gewesen, erklärt der Schulfreund ein bisschen kleinlaut. Vic fragt sich, was dieser Beichtstuhl-Tonfall soll. Er findet es hier prima. Aber irgendwie hätte er damit gerechnet, dass man sitzt… - Stehplätze? Komisch… Das hat mir keiner gesagt…
Es ist schon eine Minute vor Spielbeginn. Eine vergleichsweise kleine, aber deutlich hörbare Gruppe aus dem Lauterer Fanblock begrüßte den Schalker Torwart mit Schmährufen. Er hieß Makac oder Macak, irgendwas Osteuropäisches jedenfalls. Ich schau mal grad bei Wikipedia nach…
… Ey, den gibt’s dort tatsächlich! Wikipedia ist voll der geniale Datenfriedhof geworden in den letzten zwei Jahrzehnten. Hammer!
Macak heißt er, genauer gesagt Pavel Mačák. Wikipedia weiß mittlerweile echt über fast alles Bescheid, nur nicht über die Länge unserer Schwänze.
Na ja, jedenfalls begrüßen einige Fans aus einem Block, der vermutlich der legendäre Block 8 sein dürfte (was Vic damals noch nichts sagte) mit „Macak, du A...loch! Macak, du A...loch…“
Vic ist fasziniert und abgestoßen zugleich. Niemand hat ihm vorher gesagt, dass schlechtes Benehmen in Fußballstadien zum guten Ton hört. Dann jedenfalls das Spiel. Rot gegen Blau. Ein schöner optischer Kontrast.
Ob es vom Anpfiff weg ein gutes Spiel ist? Keine Ahnung. Vic fehlt der Vergleich. Er läßt sich einfach vom Geschehen um sich herum berieseln. Zwei Dinge findet er frappierend: Erstens, die Geräuschkulisse. Dass Fußballstadien laut sind, und zwar SO laut – das hätte er nicht für möglich gehalten. Er hätte eher damit gerechnet, dass die Fans sich wie ein stilles, beobachtendes Fernsehpublikum verhalten. Und zweitens: Ey, wo ist eigentlich der Kommentator? Es ist ja überhaupt niemand da, der den Zuschauern die ganze Zeit die Hucke volllabert. Da fühlt man sich irgendwie so alleingelassen unter mehr als 30.000 Leuten. Weil niemand kommentiert, versucht Vic das Geschehen mit seinem Schulfreund und seinem Papa gemeinsam zu kommentieren. Aber der Schulfreund sagt immer nur „kann sein“, „vielleicht“, „wenn du meinst“ oder „Hä?“ und der Papa brummt immer nur genervt. Also hält er halt den Mund, der Vic und hofft, dass dieses Spiel irgendwann bald vorbei ist.
Dann nach etwa 20 Minuten das Tor. Frank Hartmann. Das Stadion explodiert.
Kurze Zeit später – kaum Zeit, sich zu erholen – noch ein Tor. Wieder Frank Hartmann. Das Stadion explodiert noch mehr. Hexenkessel, Tollhaus, Tempel der Glückseligkeit. Aus diesem Taumelzustand kommt die Hütte bis zum Schlusspfiff nicht mehr raus. Die Partie wird 5:1 enden. Alle fünf FCK-Tore von Frank Hartmann. Vic fragt den Vater des Schulfreundes, warum der nicht im Sommer bei der WM in Mexiko dabei war. Dann hätten wir doch das Finale gegen Argentinien gewonnen. Der Papa blickt gen Himmel und verdreht die Augen.
Und spätestens nach dem 2:0 hat der jugendliche Vic das Gefühl, dass da in seinem Brustkorb irgendwas zerbricht und wegbröckelt und dass da irgendetwas Neues an die Stelle tritt – strahlend, leicht und luftig, ein verheißungsvolles Gleißen, das immerwährende Glückseligkeit verspricht. Eine vorher nicht dagewesene Göttlichkeit ist in das Leben des jungen Vic hineingetreten. So flammend und so schön.
Auf der Heimfahrt wird er sich eingestehen, dass er sich verliebt hat. In einen Verein, der vorher nur ein Name für ihn war. Der Sinn des Lebens wird fortan immer ein Tor des FCK im Fußball sein. Und der Sinn des Lebens wird fortan immer ein Sieg des FCK in der Bundesliga sein.
Nur eine Sache ärgert ihn, den jugendlichen Vic: Dass Kohr und Allievi beide kein Tor geschossen haben. Die heruntergefallene Kinnlade des Schulfreund-Papas hätte er sooo gern gesehen…
Für den Schulfreund und sein Papa war der FCK nur eine Episode gewesen – jedenfalls so weit wie Vic die Sache weiterverfolgt hat. Ich glaube nicht, dass sie danach regelmäßig auf den Betzenberg gegangen sind (der Kontakt ging recht schnell verloren). Für Vic hingegen, für Vic wurde er zur Religion, der FCK.
Eine Religion, die anfangs sehr sehr, sehr süß und göttlich schmeckte – lecker angerichtet mit zwei Meistertiteln und zwei Pokalsiegen – eine Götterspeise in Rot-Weiß. Und mittlerweile meistens bitter, nur selten bittersüß….
Und ehrlich gesagt, nach über 30 Jahren Fansein frage ich mich mittlerweile sehr sehr oft, wie es eigentlich gewesen wäre, wenn der FCK damals 0:0 gespielt hätte oder gar das Spiel verloren hätte. Ich glaube fast, der FCK wäre auch eine Episode geblieben. An diesen blödsinngen Kitschspruch von Nick Hornby, dass man sich einen Fußballverein nicht aussucht, sondern dass er einem gegeben wird, glaube ich nicht. Das ist Quatsch. Ich habe angefangen mit dem FCK zu kopulieren, weil er mega-sexy war, als ich ihm begegnet bin. That’s all. Punkt.
Hätte dieser Klub mich damals mit ner Niederlage abgetörnt, hätte ich „Und Tschüs“ gesagt und hätte mich vielleicht gleich ganz exzessiv dem Theaterspielen zugewendet (eine Leidenschaft, die erst 12 Jahre später kam).
Ich hasse dich, Frank Hartmann. Du bist nicht mal Nationalspieler gewesen, du mega-kleines Fußballlicht. Und ausgerechnet an dem Tag, an dem der unbedarfte und verführbare Vic das Licht der Fußballwelt erblickte, musstest du einen auf Superstar machen. Du warst es, der mich mit dem FCK verkuppelt hat. Und ich wette, dass du dich noch nicht mal dafür schämst. Aber du wirst schon sehen: Ich schaffe das. Ich schaffe es, diese angeblich so göttliche Sucht abzuschütteln. Manche schaffen es, nach 30 Jahren mit dem Rauchen aufzuhören. Also schaffe ich das hier auch. Wirst sehen, du alter Kuppler. Ich schaff‘ das. Ich weiß nur noch nicht, wie…
------
Wir Couchistos schreiben nicht nur Texte in der bangen Hoffnung, dass sie irgendjemand liest und auch für gut befindet. Wir psychotherapieren uns auch gegenseitig, erzählen uns, wie wir in die Fänge des FCK geraten sind. Nur eines war bisher tabu: Sich gegenseitig zu erzählen, wie man in die Fänge dieses FCK geraten ist. Der Autor dieses Couchings hat jetzt das Tabu gebrochen. Vielleicht ziehen die Leidensgenossen Bahli, But, Devil, NewT und HegM demnächst nach?
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Vic Dorn am 13.04.2017 um 12:30 Uhr bearbeitet
21.04.2017 - 11:39 Uhr
Jahrgang 7, Ausgabe 30
Der Glaube versetzt Berge
von Devil_till_Death
Noch vier Wochen. Vier Wochen und fünf Spiele. Vier Wochen, die über die Zukunft des FCK entscheiden. Vier Wochen in denen viel passieren kann. In denen nur eines gelingen darf. Klassenerhalt.
In vier Wochen kann man von Flensburg nach Friedrichshafen wandern. In vier Wochen kann man ein Kit-Car bauen. In vier Wochen kann man sich laut Men‘s Health den Traumbody anpimpen. Vier Wochen dauert die Adventszeit. Vier Wochen noch müssen wir um unseren FCK bangen. Vier Wochen, die darüber entscheiden, ob sich der Daumen hebt oder senkt.
Senkt er sich, dann dürfte es trüb aussehen um unseren geliebten Club. Kaderveränderungen, Personalveränderungen, Strukturveränderungen – vergebens. Das Engagement der Fans, der Sympathisanten, der Daumendrücker – wertlos. Die Erfolge, die Historie, die Zukunft eines Vereins, der mehr Mythen und Legenden produziert hat als sich mancher Schriftsteller aus dem Füller gequält hat – erloschen.
Hebt er sich aber, dann … Ja, was dann? Ein weiteres Jahr am Existenzminimum? Ein weiteres Jahr, in dem wir liveundinfarbe dem Siechtum unseres Herzensvereins beiwohnen dürfen? Ein weiteres Jahr, in dem wir zusehen müssen, wie die Teflonvereine, die mit Geld zugeschissen werden, stärker und stärker werden? Wie diese Analfisteln von DFB und DFL hofiert werden, weil das ja die neuzeitliche, familienfreundliche, zukunftweisende und allseits erwünschte Form des Fußballs ist, die man bei Funktionären und Logenplatzzufurzern gerne sieht? Ein weiteres Jahr, in dem wir zusehen müssen, wie die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht und sich diejenigen, die die Brosamen abbekommen noch darüber freuen müssen, dass ihnen aus dem prall gefüllten Profittopf ein paar Krümel zugeworfen werden, während sich die anderen gleich drei Sahnetorten auf einmal in die sowieso schon viel zu fette Schmierwampe drücken?
Oder werden wir ein Jahr erleben, auf das wir in einer Dekade als den den Beginn der Renaissance der Roten Teufel zurückblicken werden? Das Jahr, in dem es dem Vorstand gelingt, seriöse Geldgeber zu finden, die den Fußball nicht als Prestigeprojekt in Sachen Schwanzverlängerung oder als Mittel der bloßen Geldvermehrung begreifen? Leute, die natürlich auch einen persönlichen Mehrwert in ihrem Engagement sehen, die aber gleichzeitig den Fußball lieben, sich diesem Verein verschreiben, die Vertrauen in diejenigen aufbringen, die sich in der Materie auskennen, und die gewillt sind, einen langen Atem zu haben weil sie wissen, dass man in diesem Geschäft nur selten etwas erzwingen kann?
Aber mit Finanzdoping allein wird es nicht getan sein. Auch die Fans müssen wieder neue Stimulanz erhalten. Stimulanz, die Mannschaft zu unterstützen, Fanartikel zu kaufen, den Berg zu erklimmen, das Stadion zu füllen, den Betze wieder zur Hölle zu machen. Und dazu braucht es eine Mannschaft, die sich voll reinhängt, die sich den Ars¢h aufreißt, bei der man das Gefühl hat, sie habe alles gegeben. Und dazu braucht es am Anfang nicht mal den großen Geldtopf, sondern ein Gefühl. Ein Gefühl beim Trainer, wer diese Leute sein könnten. Ein Gefühl beim Sportdirektor, wie er diese Leute überzeugen kann, hier her zu kommen und ihr Fleisch und Blut zu geben. Und ein Gefühl bei den Fans, dass sie spüren, da unten steht ihr verlängerter Arm auf dem Platz.
Was die finanzielle und sportliche Entwicklung betrifft, sehe ich den Verein bei Michael Klatt, Norbert Meier und Uwe Stöver in guten Händen. Und ich sehe auch die Fans noch immer bereit, die Mannschaft anzufeuern und sich begeistern zu lassen. Und ich kenne das schlummernde Potenzial, das nur geweckt werden will. Ich weiß, dass viele Fans nach jahrelangem dahinvegetieren ernüchtert sind, müde, sich das Ganze weiter anzutun. Aber ich weiß auch, dass es nur einen Impuls braucht, eine Siegesserie, eine Initialzündung, um diese Fanmassen wieder zu mobilisieren, sie zu begeistern, sie zu überzeugen, dass der Weg zum FCK lohnt. Auch wenn mal mal verliert.
Lasst uns diese nächsten vier Wochen mit gutem Mut voran gehen. Lasst uns nicht zweifeln, lasst uns nicht verzagen. Wir dürfen bangen, wir dürfen zittern – aber lasst uns selbstbewusst sein. Die nächsten vier Wochen sind zu wichtig, als dass wir sie mit voller Hose und leerem Herzen durchlaufen dürfen.
Wir sind der FCK – unzerstörbar!
___________________________
Auf der Couch ist die Hose sauber und trocken. Aber auch wir zittern, auch wir bangen, auch wir hoffen. Und ein mal in der Woche stecken wir den Kopf aus der Tür und rufen in den Wald. Und hoffen, dass es zurück schallt.
Der Glaube versetzt Berge
von Devil_till_Death
Noch vier Wochen. Vier Wochen und fünf Spiele. Vier Wochen, die über die Zukunft des FCK entscheiden. Vier Wochen in denen viel passieren kann. In denen nur eines gelingen darf. Klassenerhalt.
In vier Wochen kann man von Flensburg nach Friedrichshafen wandern. In vier Wochen kann man ein Kit-Car bauen. In vier Wochen kann man sich laut Men‘s Health den Traumbody anpimpen. Vier Wochen dauert die Adventszeit. Vier Wochen noch müssen wir um unseren FCK bangen. Vier Wochen, die darüber entscheiden, ob sich der Daumen hebt oder senkt.
Senkt er sich, dann dürfte es trüb aussehen um unseren geliebten Club. Kaderveränderungen, Personalveränderungen, Strukturveränderungen – vergebens. Das Engagement der Fans, der Sympathisanten, der Daumendrücker – wertlos. Die Erfolge, die Historie, die Zukunft eines Vereins, der mehr Mythen und Legenden produziert hat als sich mancher Schriftsteller aus dem Füller gequält hat – erloschen.
Hebt er sich aber, dann … Ja, was dann? Ein weiteres Jahr am Existenzminimum? Ein weiteres Jahr, in dem wir liveundinfarbe dem Siechtum unseres Herzensvereins beiwohnen dürfen? Ein weiteres Jahr, in dem wir zusehen müssen, wie die Teflonvereine, die mit Geld zugeschissen werden, stärker und stärker werden? Wie diese Analfisteln von DFB und DFL hofiert werden, weil das ja die neuzeitliche, familienfreundliche, zukunftweisende und allseits erwünschte Form des Fußballs ist, die man bei Funktionären und Logenplatzzufurzern gerne sieht? Ein weiteres Jahr, in dem wir zusehen müssen, wie die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht und sich diejenigen, die die Brosamen abbekommen noch darüber freuen müssen, dass ihnen aus dem prall gefüllten Profittopf ein paar Krümel zugeworfen werden, während sich die anderen gleich drei Sahnetorten auf einmal in die sowieso schon viel zu fette Schmierwampe drücken?
Oder werden wir ein Jahr erleben, auf das wir in einer Dekade als den den Beginn der Renaissance der Roten Teufel zurückblicken werden? Das Jahr, in dem es dem Vorstand gelingt, seriöse Geldgeber zu finden, die den Fußball nicht als Prestigeprojekt in Sachen Schwanzverlängerung oder als Mittel der bloßen Geldvermehrung begreifen? Leute, die natürlich auch einen persönlichen Mehrwert in ihrem Engagement sehen, die aber gleichzeitig den Fußball lieben, sich diesem Verein verschreiben, die Vertrauen in diejenigen aufbringen, die sich in der Materie auskennen, und die gewillt sind, einen langen Atem zu haben weil sie wissen, dass man in diesem Geschäft nur selten etwas erzwingen kann?
Aber mit Finanzdoping allein wird es nicht getan sein. Auch die Fans müssen wieder neue Stimulanz erhalten. Stimulanz, die Mannschaft zu unterstützen, Fanartikel zu kaufen, den Berg zu erklimmen, das Stadion zu füllen, den Betze wieder zur Hölle zu machen. Und dazu braucht es eine Mannschaft, die sich voll reinhängt, die sich den Ars¢h aufreißt, bei der man das Gefühl hat, sie habe alles gegeben. Und dazu braucht es am Anfang nicht mal den großen Geldtopf, sondern ein Gefühl. Ein Gefühl beim Trainer, wer diese Leute sein könnten. Ein Gefühl beim Sportdirektor, wie er diese Leute überzeugen kann, hier her zu kommen und ihr Fleisch und Blut zu geben. Und ein Gefühl bei den Fans, dass sie spüren, da unten steht ihr verlängerter Arm auf dem Platz.
Was die finanzielle und sportliche Entwicklung betrifft, sehe ich den Verein bei Michael Klatt, Norbert Meier und Uwe Stöver in guten Händen. Und ich sehe auch die Fans noch immer bereit, die Mannschaft anzufeuern und sich begeistern zu lassen. Und ich kenne das schlummernde Potenzial, das nur geweckt werden will. Ich weiß, dass viele Fans nach jahrelangem dahinvegetieren ernüchtert sind, müde, sich das Ganze weiter anzutun. Aber ich weiß auch, dass es nur einen Impuls braucht, eine Siegesserie, eine Initialzündung, um diese Fanmassen wieder zu mobilisieren, sie zu begeistern, sie zu überzeugen, dass der Weg zum FCK lohnt. Auch wenn mal mal verliert.
Lasst uns diese nächsten vier Wochen mit gutem Mut voran gehen. Lasst uns nicht zweifeln, lasst uns nicht verzagen. Wir dürfen bangen, wir dürfen zittern – aber lasst uns selbstbewusst sein. Die nächsten vier Wochen sind zu wichtig, als dass wir sie mit voller Hose und leerem Herzen durchlaufen dürfen.
Wir sind der FCK – unzerstörbar!
___________________________
Auf der Couch ist die Hose sauber und trocken. Aber auch wir zittern, auch wir bangen, auch wir hoffen. Und ein mal in der Woche stecken wir den Kopf aus der Tür und rufen in den Wald. Und hoffen, dass es zurück schallt.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Devil_till_Death am 21.04.2017 um 11:42 Uhr bearbeitet
28.04.2017 - 05:52 Uhr
------------------------------------------------------------------------
Jahrgang 7, Ausgabe 31
CHAOS-LAUTERN IM LICHTE DES ORAKELS
Ein Deutungsversuch
von Newtrial
------------------------------------------------------------------------
Die scheinbare Nicht-Reproduzierbarkeit des Systemverhaltens entsteht durch die Nicht-Reproduzierbarkeit der (exakten) Ausgangsbedingungen, das heißt in chaotischen dynamischen Systemen ist die „starke Kausalität“ nicht gegeben: Ähnliche Ursachen führen nicht zu ähnlichen Wirkungen. (Wikipedia-Orakel)
ERFOLGSREZEPTE
Was wurde am Berg nicht schon alles versucht: „Geld schießt Tore"? Als Motto für uns keine Neuigkeit. Jahrelang ging ein Stefan Kuntz schließlich „All In“, pumpte schwindende finanzielle Ressourcen in den Kader, stellte ungedeckte Schecks auf die Zukunft aus und versuchte, Aufstieg und Erstligaverbleib damit zu erzwingen. Hätte es geklappt, wäre er heute der Held. Hat es aber nicht. Und somit ist er der Depp und vielleicht der Totengräber des Vereins.
Weitere vermeintliche „Erfolgsrezepte“ gefällig? Man hat es mit Erfahrung versucht und Ex-BuLi-Ü-30-Spieler eingekauft. Man hat es mit der jüngsten Mannschaft der Liga versucht. Das Fritzl hat es mit etwas versucht, was es vermutlich für ein modernes Finanz- und Organiationsmanagement hält – „Outsourcing“ von Leistungen an teure, vermeintliche Spezialisten inklusive. Man hat es mit Feng Shui versucht, gemäß der Losung „Wer heilt hat Recht“. Man hat es mit immer neuen Trainern und jährlichen „großen Umbrüchen“ im Kader versucht. Mit erfahrenen Trainerfüchsen und modernen „Laptop“- und Nachwuchstrainern. Und nun versucht man es mit Marketing- und Stimmungskampagnen („Nur Gemeinsam!“), einer Ausgliederung und dem Herbei-Beten und -betteln von Sponsoren, Investoren, Mäzenen oder was auch immer – Hauptsache: frisches Geld! Man beschwört abwechselnd die Tradition und die Anpassung an die moderne, kommerzialisierte Fußballwelt. Und mal versucht man, das Anspruchsniveau im Umfeld zu senken, dann wieder, die Leute anzupeitschen und das mittelfristig „alternativlose“ Ziel „Erste Liga“ zu verkünden. Man hat es mit dem „starken Mann“ in der Vereinsführung versucht und setzt jetzt auf Teamwork. Man hat fast sämtliche Vereinsverantwortliche – teils unentlastet – in die Wüste geschickt. Zuvor hatte man Jahre lang auf „Kontinuität“, auf eine als Abnicken missverstandene "Geschlossenheit" der Verantwortlichen und auf Nibelungentreue (auch der Mitglieder und Fans) gegenüber Stefan Kuntz gesetzt. Dies gepaart mit dessen blindem Aktionismus (Beispiel Wintertransfers). Man hat es mit und ohne Sportdirektor versucht. --- Soll ich weitermachen? Seid ihr noch wach? Kommen euch schon die Tränen?
Die meisten dieser Rezepte haben anderswo irgendwo schon mal gegriffen. Aber: Chaos-Lautern ist eben ein "dynamisches System". Und für diese gilt:
„ÄHNLICHE URSACHEN FÜHREN NICHT ZU ÄHNLICHEN WIRKUNGEN“
Soll heißen: Was anderswo funktioniert, verbrennt am Berg nur allzu oft lediglich die letzten noch verbliebenen Ressourcen. Es scheint, als stünde unser Niedergang in irgendeiner so gar nicht roten Hölle oder bei irgendeinem missgünstigen Fußball-Gott schon längst für alle Zeiten auf einer uralten Tafel in flammenden Symbolen der Verdammnis aufgeschrieben. Und als würden wir dieses Drama im Moment nur nachspielen. Also alles Bad Karma? Oder müssen wir nur tief genug in Vereinsstrukturen und Vereinskultur graben, um den gordischen Knoten endlich durchschlagen und den Weg in eine weite, erfolgreiche und begeisternde Zukunft betreten zu können? Die Antwort auf diese Frage weiß - ja, da staunt ihr, was!? - das Wiki-Orakel:
„DAS VERHALTEN WIRD NICHT DURCH ZUFÄLLIGE ÄUßERE UMSTÄNDE (…) VERURSACHT“
Soll heißen: Diese Suppe haben wir uns höchst selbst eingebrockt! Kein missgünstiger Konkurrenzteufel, der dem roten Teufel-Kollegen eine reinwürgen wollte, war da am Werk. Auch kein verpeilter Fußball-Gott, der uns immer noch übelnimmt, dass er vor längerer Zeit mal von einem meiner Ex-Couching-Kollegen voll eins auf die Zwölf gekriegt hat. Und auch keine „Strukturschwäche“ und sonstige Einflüsse der Kommerzmaschine Fußball. Nicht einmal die bösen Schiris halten am Ende des Tages da den Daumen drauf. Unsere Erfolglosigkeit ist selbst gemacht. Heißt aber auch: Wir können das prinzipiell auch wieder grade biegen. Jedenfalls, wenn es dafür nicht schon zu spät ist.
„DETERMINISTISCHES CHAOS IST EIN IRREGULÄR ERSCHEINENDES, CHAOTISCHES VERHALTEN, WELCHES JEDOCH DEN REGELN EINER DETERMINISTISCHEN DYNAMIK FOLGT“
Soll heißen: Die ganze Scheizze folgt durchaus einer durch uns selbst losgetretenen, kausalen Gesetzmäßigkeit, auch wenn diese eher einem 11-Freunde-und-ihr-Feind-der-Ball-Teufelskreisel gleicht. Und die den Teufelskreisel durchbrechende goldene Regel lautet:
GUTE ARBEIT MACHT SICH BEZAHLT! (Newtrial-Orakel)
Und das, liebe Freunde der Schorle, des Dornfelder Roten und des Pferdefleisches, ist das Einzige, was der FCK in den letzten zehn Jahren NOCH NICHT versucht hat: Einfach mal gute, unspektakuläre Arbeit auf allen Ebenen zugleich abzuliefern.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass die gerade am Vereinsruder befindlichen Leute genau dafür stehen. Um gute Arbeit zu leisten, müssen sie dabei allerdings das, was man in den Sozialwissenschaften Pfadabhängigkeit nennt, beachten, d.h. nicht andere kopieren, sondern passgenaue Lösungen für diesen einzigartigen Verein finden. Spricht doch das Wiki-Orakel:
„DIE SCHEINBARE NICHT-REPRODUZIERBARKEIT DES SYSTEMVERHALTENS ENTSTEHT DURCH DIE NICHT-REPRODUZIERBARKEIT DER (EXAKTEN) AUSGANGSBEDINGUNGEN“
Soll, wie schon gesagt, heißen: Was anderswo funktioniert, läuft im dynamischen System Chaos-Lautern noch lange nicht. Jetzt aber hat uns das Orakel dafür auch den Grund verraten: Es ist so, weil unsere Tradition und das über viele Jahrzehnte gewachsene Umfeld einzigartige Ausgangsbedingungen hervorgebracht haben: Im Guten wie im Schlechten! Also, liebe Verantwortliche: Bastelt uns bitte ein auf unsere Situation zugeschnittenes Ausgliederungskonzept (wurde ja jüngst auch genauso angekündigt), anstatt irgendwas von irgendwem zu übernehmen oder von externen "Experten" ausarbeiten zu lassen. Und setzt in der Kaderentwicklung nicht auf „DIE Jugend“ oder „DIE Routiniers“, sondern holt Spieler, die nicht nur zu uns, sondern vor allem auch zueinander passen, die also tatsächlich zu einem funktionierenden Team zusammenwachsen können. Nicht nur atmosphärisch, sondern vor allem auch sportlich. Dann ist das Mannschafts-Ganze auch irgendwann wieder MEHR als die Summe der Qualität der Einzelspieler, anstatt weniger, wie seit Jahren bei uns der Fall. Und bei aller taktischen Freiheit, die ein Trainer für seine Arbeit benötigt, muss es doch eine unverrückbare Vereinsvorgabe geben, ohne deren Erfüllung er bei uns halt nicht tätig werden oder bleiben kann. Und die lautet:
„WIR WOLLN EUCH KÄMPFEN SEHN!"
Und was uns desillusionierte und dem "Mythos Betze" nachtrauernden Fans angeht, muss die aktuelle Losung lauten:
„WHEN YOU HAVE BURNED SO DEEP WITHIN,
REST THE ASHES, THEN BEGIN"
(Tarja, Eagle Eye)
Euer Newtrial
Sonst NichtsMehr
Jahrgang 7, Ausgabe 31
CHAOS-LAUTERN IM LICHTE DES ORAKELS
Ein Deutungsversuch
von Newtrial
------------------------------------------------------------------------
Die scheinbare Nicht-Reproduzierbarkeit des Systemverhaltens entsteht durch die Nicht-Reproduzierbarkeit der (exakten) Ausgangsbedingungen, das heißt in chaotischen dynamischen Systemen ist die „starke Kausalität“ nicht gegeben: Ähnliche Ursachen führen nicht zu ähnlichen Wirkungen. (Wikipedia-Orakel)
ERFOLGSREZEPTE
Was wurde am Berg nicht schon alles versucht: „Geld schießt Tore"? Als Motto für uns keine Neuigkeit. Jahrelang ging ein Stefan Kuntz schließlich „All In“, pumpte schwindende finanzielle Ressourcen in den Kader, stellte ungedeckte Schecks auf die Zukunft aus und versuchte, Aufstieg und Erstligaverbleib damit zu erzwingen. Hätte es geklappt, wäre er heute der Held. Hat es aber nicht. Und somit ist er der Depp und vielleicht der Totengräber des Vereins.
Weitere vermeintliche „Erfolgsrezepte“ gefällig? Man hat es mit Erfahrung versucht und Ex-BuLi-Ü-30-Spieler eingekauft. Man hat es mit der jüngsten Mannschaft der Liga versucht. Das Fritzl hat es mit etwas versucht, was es vermutlich für ein modernes Finanz- und Organiationsmanagement hält – „Outsourcing“ von Leistungen an teure, vermeintliche Spezialisten inklusive. Man hat es mit Feng Shui versucht, gemäß der Losung „Wer heilt hat Recht“. Man hat es mit immer neuen Trainern und jährlichen „großen Umbrüchen“ im Kader versucht. Mit erfahrenen Trainerfüchsen und modernen „Laptop“- und Nachwuchstrainern. Und nun versucht man es mit Marketing- und Stimmungskampagnen („Nur Gemeinsam!“), einer Ausgliederung und dem Herbei-Beten und -betteln von Sponsoren, Investoren, Mäzenen oder was auch immer – Hauptsache: frisches Geld! Man beschwört abwechselnd die Tradition und die Anpassung an die moderne, kommerzialisierte Fußballwelt. Und mal versucht man, das Anspruchsniveau im Umfeld zu senken, dann wieder, die Leute anzupeitschen und das mittelfristig „alternativlose“ Ziel „Erste Liga“ zu verkünden. Man hat es mit dem „starken Mann“ in der Vereinsführung versucht und setzt jetzt auf Teamwork. Man hat fast sämtliche Vereinsverantwortliche – teils unentlastet – in die Wüste geschickt. Zuvor hatte man Jahre lang auf „Kontinuität“, auf eine als Abnicken missverstandene "Geschlossenheit" der Verantwortlichen und auf Nibelungentreue (auch der Mitglieder und Fans) gegenüber Stefan Kuntz gesetzt. Dies gepaart mit dessen blindem Aktionismus (Beispiel Wintertransfers). Man hat es mit und ohne Sportdirektor versucht. --- Soll ich weitermachen? Seid ihr noch wach? Kommen euch schon die Tränen?
Die meisten dieser Rezepte haben anderswo irgendwo schon mal gegriffen. Aber: Chaos-Lautern ist eben ein "dynamisches System". Und für diese gilt:
„ÄHNLICHE URSACHEN FÜHREN NICHT ZU ÄHNLICHEN WIRKUNGEN“
Soll heißen: Was anderswo funktioniert, verbrennt am Berg nur allzu oft lediglich die letzten noch verbliebenen Ressourcen. Es scheint, als stünde unser Niedergang in irgendeiner so gar nicht roten Hölle oder bei irgendeinem missgünstigen Fußball-Gott schon längst für alle Zeiten auf einer uralten Tafel in flammenden Symbolen der Verdammnis aufgeschrieben. Und als würden wir dieses Drama im Moment nur nachspielen. Also alles Bad Karma? Oder müssen wir nur tief genug in Vereinsstrukturen und Vereinskultur graben, um den gordischen Knoten endlich durchschlagen und den Weg in eine weite, erfolgreiche und begeisternde Zukunft betreten zu können? Die Antwort auf diese Frage weiß - ja, da staunt ihr, was!? - das Wiki-Orakel:
„DAS VERHALTEN WIRD NICHT DURCH ZUFÄLLIGE ÄUßERE UMSTÄNDE (…) VERURSACHT“
Soll heißen: Diese Suppe haben wir uns höchst selbst eingebrockt! Kein missgünstiger Konkurrenzteufel, der dem roten Teufel-Kollegen eine reinwürgen wollte, war da am Werk. Auch kein verpeilter Fußball-Gott, der uns immer noch übelnimmt, dass er vor längerer Zeit mal von einem meiner Ex-Couching-Kollegen voll eins auf die Zwölf gekriegt hat. Und auch keine „Strukturschwäche“ und sonstige Einflüsse der Kommerzmaschine Fußball. Nicht einmal die bösen Schiris halten am Ende des Tages da den Daumen drauf. Unsere Erfolglosigkeit ist selbst gemacht. Heißt aber auch: Wir können das prinzipiell auch wieder grade biegen. Jedenfalls, wenn es dafür nicht schon zu spät ist.
„DETERMINISTISCHES CHAOS IST EIN IRREGULÄR ERSCHEINENDES, CHAOTISCHES VERHALTEN, WELCHES JEDOCH DEN REGELN EINER DETERMINISTISCHEN DYNAMIK FOLGT“
Soll heißen: Die ganze Scheizze folgt durchaus einer durch uns selbst losgetretenen, kausalen Gesetzmäßigkeit, auch wenn diese eher einem 11-Freunde-und-ihr-Feind-der-Ball-Teufelskreisel gleicht. Und die den Teufelskreisel durchbrechende goldene Regel lautet:
GUTE ARBEIT MACHT SICH BEZAHLT! (Newtrial-Orakel)
Und das, liebe Freunde der Schorle, des Dornfelder Roten und des Pferdefleisches, ist das Einzige, was der FCK in den letzten zehn Jahren NOCH NICHT versucht hat: Einfach mal gute, unspektakuläre Arbeit auf allen Ebenen zugleich abzuliefern.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass die gerade am Vereinsruder befindlichen Leute genau dafür stehen. Um gute Arbeit zu leisten, müssen sie dabei allerdings das, was man in den Sozialwissenschaften Pfadabhängigkeit nennt, beachten, d.h. nicht andere kopieren, sondern passgenaue Lösungen für diesen einzigartigen Verein finden. Spricht doch das Wiki-Orakel:
„DIE SCHEINBARE NICHT-REPRODUZIERBARKEIT DES SYSTEMVERHALTENS ENTSTEHT DURCH DIE NICHT-REPRODUZIERBARKEIT DER (EXAKTEN) AUSGANGSBEDINGUNGEN“
Soll, wie schon gesagt, heißen: Was anderswo funktioniert, läuft im dynamischen System Chaos-Lautern noch lange nicht. Jetzt aber hat uns das Orakel dafür auch den Grund verraten: Es ist so, weil unsere Tradition und das über viele Jahrzehnte gewachsene Umfeld einzigartige Ausgangsbedingungen hervorgebracht haben: Im Guten wie im Schlechten! Also, liebe Verantwortliche: Bastelt uns bitte ein auf unsere Situation zugeschnittenes Ausgliederungskonzept (wurde ja jüngst auch genauso angekündigt), anstatt irgendwas von irgendwem zu übernehmen oder von externen "Experten" ausarbeiten zu lassen. Und setzt in der Kaderentwicklung nicht auf „DIE Jugend“ oder „DIE Routiniers“, sondern holt Spieler, die nicht nur zu uns, sondern vor allem auch zueinander passen, die also tatsächlich zu einem funktionierenden Team zusammenwachsen können. Nicht nur atmosphärisch, sondern vor allem auch sportlich. Dann ist das Mannschafts-Ganze auch irgendwann wieder MEHR als die Summe der Qualität der Einzelspieler, anstatt weniger, wie seit Jahren bei uns der Fall. Und bei aller taktischen Freiheit, die ein Trainer für seine Arbeit benötigt, muss es doch eine unverrückbare Vereinsvorgabe geben, ohne deren Erfüllung er bei uns halt nicht tätig werden oder bleiben kann. Und die lautet:
„WIR WOLLN EUCH KÄMPFEN SEHN!"
Und was uns desillusionierte und dem "Mythos Betze" nachtrauernden Fans angeht, muss die aktuelle Losung lauten:
„WHEN YOU HAVE BURNED SO DEEP WITHIN,
REST THE ASHES, THEN BEGIN"
(Tarja, Eagle Eye)
Euer Newtrial
Sonst NichtsMehr
04.05.2017 - 20:18 Uhr
Jahrgang 7, Ausgabe 32: FULL METAL BETZENBERG
von Butduma
STILLGESTANDEN, IHR LEISETRETER!
Immer noch außer Atem? Ihr pumpt ja wie hässliche kleine Maikäfer. Nichts leisten, aber atmen wollen. Solche Schmarotzer habe ich am liebsten in meiner Truppe. Euch werde ich die Flausen schon noch austreiben. Ich bin hier euer einziger Freund und euer größter Feind. Ich bin die Schwiegermutter, die ihr nie hattet, ich bin Flinten-Uschis hässliche Schwester, ich bin euer Albtraum im rot-weißen Tarnfleck. Wenn ich mit euch fertig bin, dann nässt ihr euch schon beim Gedanken an mich ein. Der Generalstab der Fans wurde bereits über euch gebrochen und ich bin sein Exekutor.
STILLGESTANDEN, HABE ICH GESAGT.
Hört auf zu zittern und den Blick geradeaus! Blick geradeaus, Soldat Pollersbeck. Was haben Sie eigentlich beim bayrischen Wachbataillon gelernt? Gardemaß angeboren, aber ein Knick in der Optik. Schauen Sie mich an, Sie Schielschlumpf! Oberst Ehrmann wird Sie schleifen, dass Ihnen springen und fangen vergeht. Konzentration, verdammt nochmal, und den Blick immer auf die gegnerische Kugel gerichtet, damit Ihnen nicht aus Versehen eine davon zwischen die Rippen rutscht. Wäre zwar kein Verlust, aber vielleicht können wir Sie noch dem Feind zur Schwächung unterjubeln.
Da braucht keiner grinsen, ihr Versager. Es wundert mich immer noch, wie dieser erbärmliche Haufen die letzten beiden Manöver erfolgreich bestreiten konnte. Da hat sich der Feind wohl selbst erschossen oder war schon halb tot, als ihr auf ihn getroffen seid.
RÜHRT EUCH…
JA NICHT VON DER STELLE!
Wo ist eigentlich Soldat Koch, Truppe? Ah… da hinten steht das Jüngelchen und schaut auf den Boden. Muss er weinen, der Kleine?
Koch, glauben Sie etwa, dass Sie da unten Kakerlaken erspähen? Die tummeln sich wohl eher in Ihrem Dunstkreis herum. Es wird Zeit, dass Sie mal wieder gescheite Pässe servieren. Mit dem üblichen unappetitlichen Mist kann keiner was anfangen, das schwächt nur die Moral der Truppe. Wenn man schon keine Ehre im schwächlichen Leib hat, dann braucht es wenigstens ein bisschen Moral. Aber was sag ich? Einlullen lassen sie sich vom Feind. Der braucht nur im Negligee am Schlafwagen locken und sie taumeln blindlings hinein. Wären Schläfer nicht gefährliche Leute, dann müsste man euch alle so nennen.
STEHT STRAMM!
Stramm habe ich gesagt. Mein Gott… Sie pumpen ja immer noch, Fähnrich Zoua! Da hat meine tote Großmutter nach drei Stück Käsekuchen mehr Kondition.
Nehmt auch Schwarze in der Truppe auf, haben sie uns gesagt. Die können rennen wie ein Windhund, haben sie gesagt. Wenn ich mir Sie so anschaue, dann wohl eher wie ein hechelnder Labrador vor der Bratwurst. Wie haben Sie das eigentlich an der heimischen Front gemacht, so im Angesicht eines Rudels hungriger Löwen? Bis Sie sich umgedreht haben, hat der Löwe ihnen schon den dicken Hintern abgebissen. Ziehen Sie erst mal weitere Hosen an, dann sind die Beine besser durchblutet und Sie sehen nicht mehr aus wie eine Tucke aus Timbuktu. Beim Kollegen Osawe klappt das mit dem Rennen ja auch. Der springt wie eine Gazelle! Eine blinde Gazelle mit Genickstarre zwar, aber immerhin eine Gazelle.
VOOOORTRETEN…
Mannschaftsführer Halfar. Schauen Sie mich nicht so wehleidig an, Sie abgebrochener Gartenzwerg. Früher wäre man mit Ihrer Frisur und dem Mangel an Zentimetern zum Kloputzen abkommandiert worden, heute führt man die jämmerliche Truppe ins Feld. Sie gehören wohl zu denen, die sich nicht gleich in die Hose scheißen, wenn der Feind schießt. Löblich. Vielleicht sind Sie kein kompletter Versager. Aber ich habe dennoch ein Problem mit Ihnen, Mannschaftsführer Halfar. Sie treffen kein Scheunentor. Wollen Sie den Feind etwa totrennen, Sie verkappter Pazifist? Sie sind hier um zu schießen und zu treffen… schießen… treffen… schießen… treffen…! So eine Scheiße. Oder schaffen Sie wenigstens Munition für die anderen an, damit diese aus allen Rohren ballern können. Und jetzt hopp… wieder zurück in die Reihe, Frodo!
AUFGEPASST!
So… jetzt die Ohren spitzen, Kompanie!
Soldat Gaus, Sie Blödmann! Legen Sie das Messer weg, das war nicht wörtlich gemeint.
Schlottern euch schon die Knie, Truppe? Ich habe euch eine entzückende Gefechtssimulation unter dem schönen Namen „Operation Piratensturm“ mitgebracht. Ausgangslage ist ein Überfall einer nordischen Piratenbande, die mit euch unbekannten Waffen und Taktiken eine Eroberung der Basis „Betze“ anstrebt. Anführer ist der erfahrene Haudegen Ewald – das Schlitzbein – Lienen. Zur Verteidigung stehen euch der zwölfte Mann, eine rot-weiße Wand und der Angriff zur Verfügung. Zielsetzung ist das erfolgreiche Halten der Basis ohne Verluste an Personal und Punkten sowie die Wahrung der Ordnung des 2. Bundesadlers. Bei Niederlage steht der Kompanie unter Umständen ein Biwak in beschissenen Gefilden oder die komplette Auflösung des Standortes ins Haus. Wer von euch Luschen die Bezeichnung „Simulation“ also auf die schmale Schulter nimmt, dem blase ich höchstpersönlich das Betzelied… nachts… im Hochbett!
In diesem Sinne!
Ba beneen
Butduma
In der gepanzerten Couch sitzen Bomber-Bahli, Dum-Dum-Devil, Nuketrial, Heckenschützenmeister, Victory-Vic und Barett-But und tüfteln ihre Siegestaktik aus, damit sie pünktlich zum Appell am Freitagmittag ihren erfolgreichen Schlachtplan präsentieren können. Gemeinsam züchten sie zudem ein Rudel Friedenstauben.
von Butduma
STILLGESTANDEN, IHR LEISETRETER!
Immer noch außer Atem? Ihr pumpt ja wie hässliche kleine Maikäfer. Nichts leisten, aber atmen wollen. Solche Schmarotzer habe ich am liebsten in meiner Truppe. Euch werde ich die Flausen schon noch austreiben. Ich bin hier euer einziger Freund und euer größter Feind. Ich bin die Schwiegermutter, die ihr nie hattet, ich bin Flinten-Uschis hässliche Schwester, ich bin euer Albtraum im rot-weißen Tarnfleck. Wenn ich mit euch fertig bin, dann nässt ihr euch schon beim Gedanken an mich ein. Der Generalstab der Fans wurde bereits über euch gebrochen und ich bin sein Exekutor.
STILLGESTANDEN, HABE ICH GESAGT.
Hört auf zu zittern und den Blick geradeaus! Blick geradeaus, Soldat Pollersbeck. Was haben Sie eigentlich beim bayrischen Wachbataillon gelernt? Gardemaß angeboren, aber ein Knick in der Optik. Schauen Sie mich an, Sie Schielschlumpf! Oberst Ehrmann wird Sie schleifen, dass Ihnen springen und fangen vergeht. Konzentration, verdammt nochmal, und den Blick immer auf die gegnerische Kugel gerichtet, damit Ihnen nicht aus Versehen eine davon zwischen die Rippen rutscht. Wäre zwar kein Verlust, aber vielleicht können wir Sie noch dem Feind zur Schwächung unterjubeln.
Da braucht keiner grinsen, ihr Versager. Es wundert mich immer noch, wie dieser erbärmliche Haufen die letzten beiden Manöver erfolgreich bestreiten konnte. Da hat sich der Feind wohl selbst erschossen oder war schon halb tot, als ihr auf ihn getroffen seid.
RÜHRT EUCH…
JA NICHT VON DER STELLE!
Wo ist eigentlich Soldat Koch, Truppe? Ah… da hinten steht das Jüngelchen und schaut auf den Boden. Muss er weinen, der Kleine?
Koch, glauben Sie etwa, dass Sie da unten Kakerlaken erspähen? Die tummeln sich wohl eher in Ihrem Dunstkreis herum. Es wird Zeit, dass Sie mal wieder gescheite Pässe servieren. Mit dem üblichen unappetitlichen Mist kann keiner was anfangen, das schwächt nur die Moral der Truppe. Wenn man schon keine Ehre im schwächlichen Leib hat, dann braucht es wenigstens ein bisschen Moral. Aber was sag ich? Einlullen lassen sie sich vom Feind. Der braucht nur im Negligee am Schlafwagen locken und sie taumeln blindlings hinein. Wären Schläfer nicht gefährliche Leute, dann müsste man euch alle so nennen.
STEHT STRAMM!
Stramm habe ich gesagt. Mein Gott… Sie pumpen ja immer noch, Fähnrich Zoua! Da hat meine tote Großmutter nach drei Stück Käsekuchen mehr Kondition.
Nehmt auch Schwarze in der Truppe auf, haben sie uns gesagt. Die können rennen wie ein Windhund, haben sie gesagt. Wenn ich mir Sie so anschaue, dann wohl eher wie ein hechelnder Labrador vor der Bratwurst. Wie haben Sie das eigentlich an der heimischen Front gemacht, so im Angesicht eines Rudels hungriger Löwen? Bis Sie sich umgedreht haben, hat der Löwe ihnen schon den dicken Hintern abgebissen. Ziehen Sie erst mal weitere Hosen an, dann sind die Beine besser durchblutet und Sie sehen nicht mehr aus wie eine Tucke aus Timbuktu. Beim Kollegen Osawe klappt das mit dem Rennen ja auch. Der springt wie eine Gazelle! Eine blinde Gazelle mit Genickstarre zwar, aber immerhin eine Gazelle.
VOOOORTRETEN…
Mannschaftsführer Halfar. Schauen Sie mich nicht so wehleidig an, Sie abgebrochener Gartenzwerg. Früher wäre man mit Ihrer Frisur und dem Mangel an Zentimetern zum Kloputzen abkommandiert worden, heute führt man die jämmerliche Truppe ins Feld. Sie gehören wohl zu denen, die sich nicht gleich in die Hose scheißen, wenn der Feind schießt. Löblich. Vielleicht sind Sie kein kompletter Versager. Aber ich habe dennoch ein Problem mit Ihnen, Mannschaftsführer Halfar. Sie treffen kein Scheunentor. Wollen Sie den Feind etwa totrennen, Sie verkappter Pazifist? Sie sind hier um zu schießen und zu treffen… schießen… treffen… schießen… treffen…! So eine Scheiße. Oder schaffen Sie wenigstens Munition für die anderen an, damit diese aus allen Rohren ballern können. Und jetzt hopp… wieder zurück in die Reihe, Frodo!
AUFGEPASST!
So… jetzt die Ohren spitzen, Kompanie!
Soldat Gaus, Sie Blödmann! Legen Sie das Messer weg, das war nicht wörtlich gemeint.
Schlottern euch schon die Knie, Truppe? Ich habe euch eine entzückende Gefechtssimulation unter dem schönen Namen „Operation Piratensturm“ mitgebracht. Ausgangslage ist ein Überfall einer nordischen Piratenbande, die mit euch unbekannten Waffen und Taktiken eine Eroberung der Basis „Betze“ anstrebt. Anführer ist der erfahrene Haudegen Ewald – das Schlitzbein – Lienen. Zur Verteidigung stehen euch der zwölfte Mann, eine rot-weiße Wand und der Angriff zur Verfügung. Zielsetzung ist das erfolgreiche Halten der Basis ohne Verluste an Personal und Punkten sowie die Wahrung der Ordnung des 2. Bundesadlers. Bei Niederlage steht der Kompanie unter Umständen ein Biwak in beschissenen Gefilden oder die komplette Auflösung des Standortes ins Haus. Wer von euch Luschen die Bezeichnung „Simulation“ also auf die schmale Schulter nimmt, dem blase ich höchstpersönlich das Betzelied… nachts… im Hochbett!
In diesem Sinne!
Ba beneen
Butduma
In der gepanzerten Couch sitzen Bomber-Bahli, Dum-Dum-Devil, Nuketrial, Heckenschützenmeister, Victory-Vic und Barett-But und tüfteln ihre Siegestaktik aus, damit sie pünktlich zum Appell am Freitagmittag ihren erfolgreichen Schlachtplan präsentieren können. Gemeinsam züchten sie zudem ein Rudel Friedenstauben.
12.05.2017 - 19:49 Uhr
Jahrgang 7 - Ausgabe 33
Wir sind Fußball, wir sind rund
Von Bahli
Irgendwann ist die Luft raus, irgendwann willst du etwas ganz anderes machen. "Wohin man auch geht, sich selbst entkommt man nicht. Es ist so wie mit dem eigenen Schatten, der folgt einem auch überallhin." Marcel G. hatte genug von Murakami gelesen, er hatte aber auch genug davon, von seinem Schatten verfolgt zu werden und suchte das Arbeitsamt seiner Stadt auf.
Arbeitsvermittler 1: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?
Marcel G.: Ich habe die Nase voll von meinem bisherigen Job. Ich brauche dringend Luftveränderung.
Arbeitsvermittler 1: Ihr Name?
Marcel G.: Mein Name tut nichts zur Sache, nennen Sie mich der Einfachheit halber Haruki.
Arbeitsvermittler 1: In Ordnung, Haruki. Was war Ihr bisheriger Job?
Marcel G.: Außenbahner.
Arbeitsvermittler 1: Sie meinen Eisenbahner? Zugführer, Fahrdienstleiter, Zugbegleiter?
Marcel G.: Nein, nein, ich war Außenbahnspieler. Im deutschen Profifußball.
Arbeitsvermittler 1: Lieber Himmel! Welch Seltenheit! Sie sind eine Rarität!
Marcel G.: Möglich, aber eine komplett unterbewertete Rarität.
Arbeitsvermittler 1: Aaah, Ihnen fehlt die Anerkennung. Ihre Leistung wird aus Ihrer Sicht nicht genügend honoriert. Dagegen ist natürlich kein Kraut gewachsen. Was möchten Sie stattdessen gerne tun? Was schwebt Ihnen vor?
Marcel G.: Am liebsten würde ich Gitarre spielen.
Arbeitsvermittler 1: Als Straßenmusiker? Oder mehr als Stadionrocker? Oder irgendwo dazwischen? Ich nehme an, von Stadien haben Sie eher die Nase voll.
Marcel G.: Am ehesten schwebt mir vor, in einer kleinen anständigen Band in kleinen bis mittleren Hallen zu spielen. Ein paar Hits wären nicht schlecht.
Arbeitsvermittler 1: In Ordnung, ich habe es mir notiert. Wir melden uns, wenn wir etwas für Sie haben. Auf Wiedersehen, Haruki.
Marcel G.: Auf Wiedersehen.
Nichts ist für die Ewigkeit. "Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang." Tim H. vertraute Friedrich Schiller schon seit seiner Schulzeit. Von langer Reue hielt er überhaupt nichts und suchte kurz danach das Arbeitsamt seiner Stadt auf.
Arbeitsvermittler 2: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?
Tim H.: Zu lange band ich mich. Zuletzt fand mein Herz mein Herz gar nimmermehr.
Arbeitsvermittler 2: Äh ja, gut. Ihr Name?
Tim H.: Mein Name tut nichts zur Sache, nennen Sie mich der Einfachheit halber Schillerlocke.
Arbeitsvermittler 2: In Ordnung, Schillerlocke. Was war Ihr bisheriger Job?
Tim H.: Innenverteidiger.
Arbeitsvermittler 2: Sie meinen Strafverteidiger? Amtsgericht, Verwaltungsgericht, Landgericht?
Tim H.: Nein, nein, ich war Innenverteidiger. Im deutschen Profifußball.
Arbeitsvermittler 2: Lieber Himmel! Welch Offenbarung! Sie sind die Erleuchtung!
Tim H.: Möglich, aber eine komplett unterbewertete Erleuchtung.
Arbeitsvermittler 2: Aaah, Ihnen fehlt die Anerkennung. Ihre Leistung wird aus Ihrer Sicht nicht genügend honoriert. Dagegen ist natürlich kein Kraut gewachsen. Was möchten Sie stattdessen gerne tun? Was schwebt Ihnen vor?
Tim H.: Marcel G.: Am liebsten würde ich Schlagzeug spielen.
Arbeitsvermittler 2: Als Kirmesmusiker? Oder mehr als Stadionrocker? Oder irgendwo dazwischen? Ich nehme an, von Stadien haben Sie eher die Nase voll.
Tim H.: Am ehesten schwebt mir vor, in einer kleinen anständigen Band in kleinen bis mittleren Hallen zu spielen. Ein paar Hits wären nicht schlecht.
Arbeitsvermittler 2: In Ordnung, ich habe es mir notiert. Wir melden uns, wenn wir etwas für Sie haben. Auf Wiedersehen, Schillerlocke.
Tim H.: Auf Wiedersehen.
Öfter mal was Neues. "Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel." Er hatte Nietzsche mit der Muttermilch aufgesogen. Und jetzt war es so weit, seine Fühler nach dem Ziel auszustrecken. Und so suchte Christoph M. das Arbeitsamt seiner Stadt auf.
Arbeitsvermittler 3: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?
Christoph M.: Zu lange folgte ich dem eingeschlagenen Weg. Es ist Zeit, dass ich den Fokus auf das Ziel lege.
Arbeitsvermittler 3: Äh ja, gut. Ihr Name?
Christoph M.: Mein Name tut nichts zur Sache, nennen Sie mich der Einfachheit halber Nietzsches.
Arbeitsvermittler 3: In Ordnung, Nietzsches. Was war Ihr bisheriger Job?
Christoph M.: Spielmacher.
Arbeitsvermittler 3: Sie meinen Buchmacher? Pferderennen, Hunderennen, Formel 1?
Christoph M.: Nein, nein, ich war Spielmacher. Im deutschen Profifußball.
Arbeitsvermittler 3: Lieber Himmel! Sie sind eine Lichtgestalt! Sie sind ein Künstler!
Christoph M.: Möglich, aber ein komplett unterbewerteter Künstler.
Arbeitsvermittler 3: Aaah, Ihnen fehlt die Anerkennung. Ihre Leistung wird aus Ihrer Sicht nicht genügend honoriert. Dagegen ist natürlich kein Kraut gewachsen. Was möchten Sie stattdessen gerne machen? Was schwebt Ihnen vor?
Christoph M.: Am liebsten würde ich singen.
Arbeitsvermittler 3: Als Alleinunterhalter? Oder mehr als Stadionrocksänger? Oder irgendwo dazwischen? Ich nehme an, von Stadien haben Sie eher die Nase voll.
Christoph M.: Am ehesten schwebt mir vor, in einer kleinen anständigen Band in kleinen bis mittleren Hallen zu singen. Ein paar Hits wären nicht schlecht.
Arbeitsvermittler 3: In Ordnung, ich habe es mir notiert. Wir melden uns, wenn wir etwas für Sie haben. Auf Wiedersehen, Nietzsches.
Christoph M.: Auf Wiedersehen.
Wo muss ich hin? Wo ist mein Weg?. "Das hier ist eine verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist!" Von Douglas Adams wusste Basti K., dass die Antwort auf alle Fragen 42 ist. Jetzt ging es darum, zu schauen, was es mit dieser Antwort auf sich hat. Und so suchte er das Arbeitsamt seiner Stadt auf.
Arbeitsvermittler 4: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?
Basti K.: Zu lange trug ich meinen Rucksack. Es ist Zeit, dass ich mich auf die Antwort konzentriere.
Arbeitsvermittler 4: Äh ja, gut. Ihr Name?
Basti K.: Mein Name tut nichts zur Sache, nennen Sie mich der Einfachheit halber Dougi.
Arbeitsvermittler 4: In Ordnung, Dougi. Was war Ihr bisheriger Job?
Basti K.: Standardschütze.
Arbeitsvermittler 4: Sie meinen Heckenschütze? Irak, Afghanistan, Betzenberg?
Basti K.: Nein, nein, ich war Standardschütze. Im deutschen Profifußball.
Arbeitsvermittler 4: Lieber Himmel! Sie sind der Messias! Sie sind ein Heiland!
Basti K.: Möglich, aber ein komplett unterbewerteter Heiland.
Arbeitsvermittler 4: Aaah, Ihnen fehlt die Anerkennung. Ihre Leistung wird aus Ihrer Sicht nicht genügend honoriert. Dagegen ist natürlich kein Kraut gewachsen. Was möchten Sie stattdessen gerne machen? Was schwebt Ihnen vor?
Basti K.: Am liebsten würde ich Bass spielen.
Arbeitsvermittler 4: In einer Coverband? Oder mehr als Stadionrocker? Oder irgendwo dazwischen? Ich nehme an, von Stadien haben Sie eher die Nase voll.
Basti K.: Am ehesten schwebt mir vor, in einer kleinen anständigen Band in kleinen bis mittleren Hallen zu singen. Ein paar Hits wären nicht schlecht.
Arbeitsvermittler 4: In Ordnung, ich habe es mir notiert. Wir melden uns, wenn wir etwas für Sie haben. Auf Wiedersehen, Dougi.
Basti K.: Auf Wiedersehen.
Und so gründete das Arbeitsamt Kaiserslautern ein Sozialprogramm für fehlgeleitete Profifußballer. Marcel G., Tim H., Christoph M. und Basti K. wurden von ihren Arbeitsvermittlern zusammengeworfen und mit dem Auftrag versehen, DIE Fußballhymne zu schreiben, zu singen und in die Charts zu tragen. Insider aus dem Proberaum berichten von den ersten Sessions, dass alle vier so taten, als kennen sie sich nicht. Bekannt wurde die neue Band unter dem Namen "Devil's Orchard". Ihr einziger Hit "Wir sind Fußball, wir sind rund" wurde zum Dauerbrenner in den deutschen Fußballstadien.
Manchmal erkennt man erst spät, dass man zu anderem berufen ist, als dem, was man gerade tut.
Cheers
Bahli
Die Couch war schon immer musikalisch. Und auch alle darauf liebten Instrumente. "Die einen spielen Bass, die anderen spielen besser", war einer der geflügelten Sprüche beim Öffnen des Kühlschrank. Das Lieblingsinstrument war aber immer noch das Wort. Und so ist es Tradition, dass immer einer an einem Freitag kurz vor zwölf zu seinem Instrument greift und seine persönliche Note in den Äther singt.
Wir sind Fußball, wir sind rund
Von Bahli
Irgendwann ist die Luft raus, irgendwann willst du etwas ganz anderes machen. "Wohin man auch geht, sich selbst entkommt man nicht. Es ist so wie mit dem eigenen Schatten, der folgt einem auch überallhin." Marcel G. hatte genug von Murakami gelesen, er hatte aber auch genug davon, von seinem Schatten verfolgt zu werden und suchte das Arbeitsamt seiner Stadt auf.
Arbeitsvermittler 1: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?
Marcel G.: Ich habe die Nase voll von meinem bisherigen Job. Ich brauche dringend Luftveränderung.
Arbeitsvermittler 1: Ihr Name?
Marcel G.: Mein Name tut nichts zur Sache, nennen Sie mich der Einfachheit halber Haruki.
Arbeitsvermittler 1: In Ordnung, Haruki. Was war Ihr bisheriger Job?
Marcel G.: Außenbahner.
Arbeitsvermittler 1: Sie meinen Eisenbahner? Zugführer, Fahrdienstleiter, Zugbegleiter?
Marcel G.: Nein, nein, ich war Außenbahnspieler. Im deutschen Profifußball.
Arbeitsvermittler 1: Lieber Himmel! Welch Seltenheit! Sie sind eine Rarität!
Marcel G.: Möglich, aber eine komplett unterbewertete Rarität.
Arbeitsvermittler 1: Aaah, Ihnen fehlt die Anerkennung. Ihre Leistung wird aus Ihrer Sicht nicht genügend honoriert. Dagegen ist natürlich kein Kraut gewachsen. Was möchten Sie stattdessen gerne tun? Was schwebt Ihnen vor?
Marcel G.: Am liebsten würde ich Gitarre spielen.
Arbeitsvermittler 1: Als Straßenmusiker? Oder mehr als Stadionrocker? Oder irgendwo dazwischen? Ich nehme an, von Stadien haben Sie eher die Nase voll.
Marcel G.: Am ehesten schwebt mir vor, in einer kleinen anständigen Band in kleinen bis mittleren Hallen zu spielen. Ein paar Hits wären nicht schlecht.
Arbeitsvermittler 1: In Ordnung, ich habe es mir notiert. Wir melden uns, wenn wir etwas für Sie haben. Auf Wiedersehen, Haruki.
Marcel G.: Auf Wiedersehen.
Nichts ist für die Ewigkeit. "Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang." Tim H. vertraute Friedrich Schiller schon seit seiner Schulzeit. Von langer Reue hielt er überhaupt nichts und suchte kurz danach das Arbeitsamt seiner Stadt auf.
Arbeitsvermittler 2: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?
Tim H.: Zu lange band ich mich. Zuletzt fand mein Herz mein Herz gar nimmermehr.
Arbeitsvermittler 2: Äh ja, gut. Ihr Name?
Tim H.: Mein Name tut nichts zur Sache, nennen Sie mich der Einfachheit halber Schillerlocke.
Arbeitsvermittler 2: In Ordnung, Schillerlocke. Was war Ihr bisheriger Job?
Tim H.: Innenverteidiger.
Arbeitsvermittler 2: Sie meinen Strafverteidiger? Amtsgericht, Verwaltungsgericht, Landgericht?
Tim H.: Nein, nein, ich war Innenverteidiger. Im deutschen Profifußball.
Arbeitsvermittler 2: Lieber Himmel! Welch Offenbarung! Sie sind die Erleuchtung!
Tim H.: Möglich, aber eine komplett unterbewertete Erleuchtung.
Arbeitsvermittler 2: Aaah, Ihnen fehlt die Anerkennung. Ihre Leistung wird aus Ihrer Sicht nicht genügend honoriert. Dagegen ist natürlich kein Kraut gewachsen. Was möchten Sie stattdessen gerne tun? Was schwebt Ihnen vor?
Tim H.: Marcel G.: Am liebsten würde ich Schlagzeug spielen.
Arbeitsvermittler 2: Als Kirmesmusiker? Oder mehr als Stadionrocker? Oder irgendwo dazwischen? Ich nehme an, von Stadien haben Sie eher die Nase voll.
Tim H.: Am ehesten schwebt mir vor, in einer kleinen anständigen Band in kleinen bis mittleren Hallen zu spielen. Ein paar Hits wären nicht schlecht.
Arbeitsvermittler 2: In Ordnung, ich habe es mir notiert. Wir melden uns, wenn wir etwas für Sie haben. Auf Wiedersehen, Schillerlocke.
Tim H.: Auf Wiedersehen.
Öfter mal was Neues. "Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel." Er hatte Nietzsche mit der Muttermilch aufgesogen. Und jetzt war es so weit, seine Fühler nach dem Ziel auszustrecken. Und so suchte Christoph M. das Arbeitsamt seiner Stadt auf.
Arbeitsvermittler 3: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?
Christoph M.: Zu lange folgte ich dem eingeschlagenen Weg. Es ist Zeit, dass ich den Fokus auf das Ziel lege.
Arbeitsvermittler 3: Äh ja, gut. Ihr Name?
Christoph M.: Mein Name tut nichts zur Sache, nennen Sie mich der Einfachheit halber Nietzsches.
Arbeitsvermittler 3: In Ordnung, Nietzsches. Was war Ihr bisheriger Job?
Christoph M.: Spielmacher.
Arbeitsvermittler 3: Sie meinen Buchmacher? Pferderennen, Hunderennen, Formel 1?
Christoph M.: Nein, nein, ich war Spielmacher. Im deutschen Profifußball.
Arbeitsvermittler 3: Lieber Himmel! Sie sind eine Lichtgestalt! Sie sind ein Künstler!
Christoph M.: Möglich, aber ein komplett unterbewerteter Künstler.
Arbeitsvermittler 3: Aaah, Ihnen fehlt die Anerkennung. Ihre Leistung wird aus Ihrer Sicht nicht genügend honoriert. Dagegen ist natürlich kein Kraut gewachsen. Was möchten Sie stattdessen gerne machen? Was schwebt Ihnen vor?
Christoph M.: Am liebsten würde ich singen.
Arbeitsvermittler 3: Als Alleinunterhalter? Oder mehr als Stadionrocksänger? Oder irgendwo dazwischen? Ich nehme an, von Stadien haben Sie eher die Nase voll.
Christoph M.: Am ehesten schwebt mir vor, in einer kleinen anständigen Band in kleinen bis mittleren Hallen zu singen. Ein paar Hits wären nicht schlecht.
Arbeitsvermittler 3: In Ordnung, ich habe es mir notiert. Wir melden uns, wenn wir etwas für Sie haben. Auf Wiedersehen, Nietzsches.
Christoph M.: Auf Wiedersehen.
Wo muss ich hin? Wo ist mein Weg?. "Das hier ist eine verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist!" Von Douglas Adams wusste Basti K., dass die Antwort auf alle Fragen 42 ist. Jetzt ging es darum, zu schauen, was es mit dieser Antwort auf sich hat. Und so suchte er das Arbeitsamt seiner Stadt auf.
Arbeitsvermittler 4: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?
Basti K.: Zu lange trug ich meinen Rucksack. Es ist Zeit, dass ich mich auf die Antwort konzentriere.
Arbeitsvermittler 4: Äh ja, gut. Ihr Name?
Basti K.: Mein Name tut nichts zur Sache, nennen Sie mich der Einfachheit halber Dougi.
Arbeitsvermittler 4: In Ordnung, Dougi. Was war Ihr bisheriger Job?
Basti K.: Standardschütze.
Arbeitsvermittler 4: Sie meinen Heckenschütze? Irak, Afghanistan, Betzenberg?
Basti K.: Nein, nein, ich war Standardschütze. Im deutschen Profifußball.
Arbeitsvermittler 4: Lieber Himmel! Sie sind der Messias! Sie sind ein Heiland!
Basti K.: Möglich, aber ein komplett unterbewerteter Heiland.
Arbeitsvermittler 4: Aaah, Ihnen fehlt die Anerkennung. Ihre Leistung wird aus Ihrer Sicht nicht genügend honoriert. Dagegen ist natürlich kein Kraut gewachsen. Was möchten Sie stattdessen gerne machen? Was schwebt Ihnen vor?
Basti K.: Am liebsten würde ich Bass spielen.
Arbeitsvermittler 4: In einer Coverband? Oder mehr als Stadionrocker? Oder irgendwo dazwischen? Ich nehme an, von Stadien haben Sie eher die Nase voll.
Basti K.: Am ehesten schwebt mir vor, in einer kleinen anständigen Band in kleinen bis mittleren Hallen zu singen. Ein paar Hits wären nicht schlecht.
Arbeitsvermittler 4: In Ordnung, ich habe es mir notiert. Wir melden uns, wenn wir etwas für Sie haben. Auf Wiedersehen, Dougi.
Basti K.: Auf Wiedersehen.
Und so gründete das Arbeitsamt Kaiserslautern ein Sozialprogramm für fehlgeleitete Profifußballer. Marcel G., Tim H., Christoph M. und Basti K. wurden von ihren Arbeitsvermittlern zusammengeworfen und mit dem Auftrag versehen, DIE Fußballhymne zu schreiben, zu singen und in die Charts zu tragen. Insider aus dem Proberaum berichten von den ersten Sessions, dass alle vier so taten, als kennen sie sich nicht. Bekannt wurde die neue Band unter dem Namen "Devil's Orchard". Ihr einziger Hit "Wir sind Fußball, wir sind rund" wurde zum Dauerbrenner in den deutschen Fußballstadien.
Manchmal erkennt man erst spät, dass man zu anderem berufen ist, als dem, was man gerade tut.
Cheers
Bahli
Die Couch war schon immer musikalisch. Und auch alle darauf liebten Instrumente. "Die einen spielen Bass, die anderen spielen besser", war einer der geflügelten Sprüche beim Öffnen des Kühlschrank. Das Lieblingsinstrument war aber immer noch das Wort. Und so ist es Tradition, dass immer einer an einem Freitag kurz vor zwölf zu seinem Instrument greift und seine persönliche Note in den Äther singt.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von bahli77 am 12.05.2017 um 19:51 Uhr bearbeitet
19.05.2017 - 12:00 Uhr
Jahrgang 7 - Finale Ausgabe 34
FÄHRT EIN ZUG NACH IRGENDWO
Die Saison ist fast zu Ende, aber der FCK ist immer noch nicht angekommen. Nicht auszumalen was im Eisenbahn-Bundesamt los wäre, würde die Bahn nur annähernd so konsequent wie der ICE Kaiserslautern die Reiseziele und Fahrplanvorgaben verfehlen.
Dabei sollte doch alles besser werden - oder zumindest nicht schlechter. Dafür wurde die komplette Besetzung des Leitstands am Heimatbahnhof Kaiserslautern ausgetauscht.
Es kamen
Thomas Gries als neuer Vorstand - mit neuen Marketingkonzepten im Gepäck.
Schotterbeauftragter Michael Klatt - der mittels des richtigen Giermoments die ausgebrochenen Finanzen stabilisieren sollte.
Uwe Stöver als neuer Personalchef mit dem Auftrag der Qualitätssicherung und Serviceoptimierung auf der Strecke.
Und für die Lok kam Tayfun Korkut als international erfahrener und europaweit vernetzten Lokomotivführer.
Auf dem Zielanzeiger wurde ein Ankunftsgleis mit einstelliger Ordnungsnummer am Ende der Saisonstrecke ausgegeben.
Die Umstrukturierungen waren jedoch von Reisebeginn an mit Problemen behaftet. Stöver war erst spät bei den Kieler Verkehrsbetrieben freigestellt worden. Die Weichenstellung für die neue Saison in Kaiserslautern konnte somit erst spät erfolgen, das Zugpersonal des FCK war selbst bei der Abfahrt leider noch nicht komplett.
Dennoch, als dann alle an Bord waren, versprach die Nennleistung der Neuen einen planmäßigen Reiseverlauf, im Optimalfall sogar mehr als Gleis 9.
Mit Moritz kam einen spielfreudiger Kuppler zwischen Defensive und Offensive.
Kerk und Stieber versprachen erstklassigen Service am Platz.
Weis, Ewerton, Mwene und Mudzja sollten in weißen Westen ausputzen und für einen ruhigen Reiseverlauf sorgen.
Osawe, als Zuständiger für Expressverkehr und Zoua, der Prellbock, sollten das Gepäck netzen.
Der Reiseverlauf geriet dann leider bei Weitem nicht optimal, sondern wurde wieder einmal geprägt von Störungen im Betriebsablauf. Neben einem hohen Krankenstand insbesondere zu Beginn der Saison, kamen andere Unzulänglichkeiten. Die Knipser lochten mehr Fahrkarten als Kisten, die Umschalter sorgten für zuviel Querbeschleunigung, die Ausputzer fielen oder setzten aus.
Hier der Reiseverlauf im Schnelldurchlauf mit ausgesuchten Details aus dem Lokbuch:
Vor großer Kulisse bei der Premierenfahrt am Sandort FWS lies eine hohe Anfahrbeschleunigung Euphorie aufkommen. Jedoch wurde man schnell ausgebremst und der Wagen wie auch die Aufbruchstimmung wurde von den Hannovranern demoliert.
Beim neuen Zwischenhalt in Würzburg gelang dem Mittelfeld ein feiner Spielzug mit erfolgreicher Endzustellung und es keimte erneut Hoffnung auf einen gelungenen Neustart. Altbekannte Rückfälle aber machten einen Strich durch den Fahrplan. Ab da geriet man aufs falsche Gleis.
Im Pokal erwies sich Halle als Sackbahnhof und somit frühe Endstation.
Auch in der Liga kam der ICE Kaiserslautern, gebremst durch Ausfälle und Aussetzer beim Personal, einfach nicht in Fahrt.
Die Anschlusszüge drohten schon verloren zu gehen, da überrollte man Dreden in einer glänzenden Halbzeit. In Heidenheim wurde der Triebwagen jedoch erneut lahmgelegt.
Es folgte die erste Betriebspause, in der Osawe - von einer Verletzung eingeschränkt - einen falschen Zug bestieg. Er erwischte nicht den Ersatzverkehr nach Großasbach in dem seine Mitspieler Dienst taten, sondern den TGV nach Gare de L'Est. Dies zog gegen Braunschweig eine Außerbetriebssetzung nach sich.
Ohne Spitzen und auf der Suche nach dem richtigen Verbundsystem, setzte Korkut dann in Braunschweig mit einer 5er-Kette trotz frühem Rückstand ein falsches Signal, der FCK und seine Anhänger litten unter Niederspannung.
Ein besseres Signal kam von Osawe. Scheinbar mit Sonderantrieb stzob er vom Abstellgleis und fertigte erst Bochum und dann Fürth im Alleingang ab. "Alle(z) nach Paris".
Nach erneuter länderspielbedingter Betriebspause konnte die Mannschaft auf dem Streckenabschnitt bis zur Winterpause keine Fahrt mehr aufnehmen, wieder einmal schlug der lauterer Winter-Hemmschuh zu. Besonders grausam das Spiel gegen Aue, in dem wirklich gar nichts ging, die Mannschaft kam nicht zum Zug und blockierte komplett. Trotzdem schien es beim dem letzten Halt vor Weihnachten in Nürnberg zumindest so, dass der ICE Kaisersalutern 8 mal ungeschlagen in die Winterpause zu gehen könne, auch weil Knipser Zoua endlich das erste Standardtor gelang. Doch dann schenkte Christkindl Burgstaller in der Extrazeit noch einen Absacker aus, bevor er in die erste Klasse abtanzte.
Platz 13, 19 Punkte, 11 geschossene Tore - so die Bilanz nach der Hinrunde. Die Geräuschentwicklung in der Richtungs- und Trainerdiskussion unter den Fans nahm entsprechend zu.
In der verschneiten Weihnachtspause roch es im Zug nach Komplott, bei dem selsbt Hercule Poirot auf eine harte Probe gestell worden wäre. Tayfun Korkut schied urplötzlich aus, soviel stand fest. Doch was geschehen war, blieb im Dunkeln. Verdächtig schien so gut wie jeder Beteiligte, denn an Motiven mangelte es nicht und niemandem. Nicht mal dem Opfer, weshalb im Gegensatz zum "Mord im Orientexpress" auch ein Exodus aus freien Stücken in Erwägung gezogen werden musste. Ganz wie im Roman allerdings wiederum wurde um den wahren Hergang des Geschehens der Mantel des Schweigens gehüllt.
Neuer Mann im Führerstand Kaiserlauterns wurde der alte Fahrensmann Norbert Meier, der mit seiner trockenen Art im Tender gut und schnell im Umfeld ankam.
Auch die Ergebnisse heizten die Hoffnungen auf Besserung an, beim 1:0 Sieg über Würzburg sprühten endlich wieder Funken ala Station Betzenberg - Fans und Mannschaft hatten sich als Stromab- und aufnehmer wieder gefunden.
Bei der Station Dresden war das 3:3 - bei dem ein 2:0 Vorsprung nicht nach Hause gebracht werden konnte - sowohl ein Reisegenuss wie auch im Rückspiegel ein erneuter Wendepunkt. Es folgten weitere Dämpfer gegen Bielefeld, Braunschweig, Bochum sowie durch die Ankündigung von Hoffnungsnetzer Glatzel, im Sommer auf zur schwäb'schen Eisenbahn zu trullern.
Im Verlauf dieser Wochen tat sich Zugführer Meier zusehens schwerer in der Zuteilung des Bordpersonals - seine Besetzungsvorstellungen wollten nicht recht zum vorhandenen Personal passen. Das Publikum am Streckenrand konnte nicht abgeholt werden. Man wollte vorwärtskommen per Express, doch davon konnte keine Rede sein. Bummelzug mit Schlafwagenfussball wäre noch eine nettere Formulierung gewesen.
Beim einzigen Ausreißer gegen Fürth gelang Moritz immerhin das FCK-Tor des Jahres, gegen 1860 und Karlsruhe wurden trotz dürftiger Leistung immerhin Siege eingefahren.
Unterdessen musste die Regio-Abteilung der Lautrer Verkehrsbetriebe die Abstufung hinnehmen und wird fürs Erste nur noch in der Oberliga verkehren, sofern sie nicht sogar ganz den Betrieb einstellt, wie es Gerüchte seit Monaten angesichts anhaltender roten Zahlen verlauten lassen.
Von diesem Schicksal hätte sich die erste Mannschaft auf der Zielgerade der Saison gegen St. Pauli sicher bewahren können, doch sie blieb erneut auf der Strecke und vieles Schuldig.
Der Belegschaft gelang darüber hinaus mit einem Totalausfall bei der Fahrt ins Erzgebierge, die Entfremdung und die Empörung im Anhang noch zu steigern. Nach dem Spiel kam es zu einem Zusammenstoss, ausgelöst durch zu Signalstörungen "Grinsen" einerseit und "fliegende Triebstangen" andererseits.
Absehbar ist bereits seit einigen Tagen, dass die erneute Verspätung beim Zieleinlauf für Folgeverzögerungen im Betriebsablauf und schwerwiegenenden Beeinträchtigungen für die Planung der neuen Belegschaft und Reiserouten für den neue Fahrplan führen.
Bleibt der FCK auf dem Verschiebebahnhof "Relegation" liegen, dauert die Planungsunsicherheit weiter an und natürlich droht einn totales Abfracken im Nirgendwo. Dann doch lieber bummeln nach Irgendwo, irgendwie.... Nur noch eine letzte Etappe muss sich der ICE Kaiserslautern noch bis zum Betriebshof schleppen.
------------------------------------------------------------------------------------
Die Kolumnisten der Bordzeitschrift "Couchingzone" - Bahli77, Butduma, Devil_till_Death, Hegermeister, Newtrial und Vic_Dorn - verabschieden sich hoffentlich ohne Sonderfahrt in die Sommerpause und kommen nächste Saison wieder. Immer pünktlich um 12 Uhr freitags und an zusätzlichen Reisetagen werden wir den ICE Kaiserlautern und seine Liebhaber auf den romantischsten Bahnstrecken Deutschlands mit abgefahrenen Geschichten begleiten.
FÄHRT EIN ZUG NACH IRGENDWO
Die Saison ist fast zu Ende, aber der FCK ist immer noch nicht angekommen. Nicht auszumalen was im Eisenbahn-Bundesamt los wäre, würde die Bahn nur annähernd so konsequent wie der ICE Kaiserslautern die Reiseziele und Fahrplanvorgaben verfehlen.
Dabei sollte doch alles besser werden - oder zumindest nicht schlechter. Dafür wurde die komplette Besetzung des Leitstands am Heimatbahnhof Kaiserslautern ausgetauscht.
Es kamen
Thomas Gries als neuer Vorstand - mit neuen Marketingkonzepten im Gepäck.
Schotterbeauftragter Michael Klatt - der mittels des richtigen Giermoments die ausgebrochenen Finanzen stabilisieren sollte.
Uwe Stöver als neuer Personalchef mit dem Auftrag der Qualitätssicherung und Serviceoptimierung auf der Strecke.
Und für die Lok kam Tayfun Korkut als international erfahrener und europaweit vernetzten Lokomotivführer.
Auf dem Zielanzeiger wurde ein Ankunftsgleis mit einstelliger Ordnungsnummer am Ende der Saisonstrecke ausgegeben.
Die Umstrukturierungen waren jedoch von Reisebeginn an mit Problemen behaftet. Stöver war erst spät bei den Kieler Verkehrsbetrieben freigestellt worden. Die Weichenstellung für die neue Saison in Kaiserslautern konnte somit erst spät erfolgen, das Zugpersonal des FCK war selbst bei der Abfahrt leider noch nicht komplett.
Dennoch, als dann alle an Bord waren, versprach die Nennleistung der Neuen einen planmäßigen Reiseverlauf, im Optimalfall sogar mehr als Gleis 9.
Mit Moritz kam einen spielfreudiger Kuppler zwischen Defensive und Offensive.
Kerk und Stieber versprachen erstklassigen Service am Platz.
Weis, Ewerton, Mwene und Mudzja sollten in weißen Westen ausputzen und für einen ruhigen Reiseverlauf sorgen.
Osawe, als Zuständiger für Expressverkehr und Zoua, der Prellbock, sollten das Gepäck netzen.
Der Reiseverlauf geriet dann leider bei Weitem nicht optimal, sondern wurde wieder einmal geprägt von Störungen im Betriebsablauf. Neben einem hohen Krankenstand insbesondere zu Beginn der Saison, kamen andere Unzulänglichkeiten. Die Knipser lochten mehr Fahrkarten als Kisten, die Umschalter sorgten für zuviel Querbeschleunigung, die Ausputzer fielen oder setzten aus.
Hier der Reiseverlauf im Schnelldurchlauf mit ausgesuchten Details aus dem Lokbuch:
Vor großer Kulisse bei der Premierenfahrt am Sandort FWS lies eine hohe Anfahrbeschleunigung Euphorie aufkommen. Jedoch wurde man schnell ausgebremst und der Wagen wie auch die Aufbruchstimmung wurde von den Hannovranern demoliert.
Beim neuen Zwischenhalt in Würzburg gelang dem Mittelfeld ein feiner Spielzug mit erfolgreicher Endzustellung und es keimte erneut Hoffnung auf einen gelungenen Neustart. Altbekannte Rückfälle aber machten einen Strich durch den Fahrplan. Ab da geriet man aufs falsche Gleis.
Im Pokal erwies sich Halle als Sackbahnhof und somit frühe Endstation.
Auch in der Liga kam der ICE Kaiserslautern, gebremst durch Ausfälle und Aussetzer beim Personal, einfach nicht in Fahrt.
Die Anschlusszüge drohten schon verloren zu gehen, da überrollte man Dreden in einer glänzenden Halbzeit. In Heidenheim wurde der Triebwagen jedoch erneut lahmgelegt.
Es folgte die erste Betriebspause, in der Osawe - von einer Verletzung eingeschränkt - einen falschen Zug bestieg. Er erwischte nicht den Ersatzverkehr nach Großasbach in dem seine Mitspieler Dienst taten, sondern den TGV nach Gare de L'Est. Dies zog gegen Braunschweig eine Außerbetriebssetzung nach sich.
Ohne Spitzen und auf der Suche nach dem richtigen Verbundsystem, setzte Korkut dann in Braunschweig mit einer 5er-Kette trotz frühem Rückstand ein falsches Signal, der FCK und seine Anhänger litten unter Niederspannung.
Ein besseres Signal kam von Osawe. Scheinbar mit Sonderantrieb stzob er vom Abstellgleis und fertigte erst Bochum und dann Fürth im Alleingang ab. "Alle(z) nach Paris".
Nach erneuter länderspielbedingter Betriebspause konnte die Mannschaft auf dem Streckenabschnitt bis zur Winterpause keine Fahrt mehr aufnehmen, wieder einmal schlug der lauterer Winter-Hemmschuh zu. Besonders grausam das Spiel gegen Aue, in dem wirklich gar nichts ging, die Mannschaft kam nicht zum Zug und blockierte komplett. Trotzdem schien es beim dem letzten Halt vor Weihnachten in Nürnberg zumindest so, dass der ICE Kaisersalutern 8 mal ungeschlagen in die Winterpause zu gehen könne, auch weil Knipser Zoua endlich das erste Standardtor gelang. Doch dann schenkte Christkindl Burgstaller in der Extrazeit noch einen Absacker aus, bevor er in die erste Klasse abtanzte.
Platz 13, 19 Punkte, 11 geschossene Tore - so die Bilanz nach der Hinrunde. Die Geräuschentwicklung in der Richtungs- und Trainerdiskussion unter den Fans nahm entsprechend zu.
In der verschneiten Weihnachtspause roch es im Zug nach Komplott, bei dem selsbt Hercule Poirot auf eine harte Probe gestell worden wäre. Tayfun Korkut schied urplötzlich aus, soviel stand fest. Doch was geschehen war, blieb im Dunkeln. Verdächtig schien so gut wie jeder Beteiligte, denn an Motiven mangelte es nicht und niemandem. Nicht mal dem Opfer, weshalb im Gegensatz zum "Mord im Orientexpress" auch ein Exodus aus freien Stücken in Erwägung gezogen werden musste. Ganz wie im Roman allerdings wiederum wurde um den wahren Hergang des Geschehens der Mantel des Schweigens gehüllt.
Neuer Mann im Führerstand Kaiserlauterns wurde der alte Fahrensmann Norbert Meier, der mit seiner trockenen Art im Tender gut und schnell im Umfeld ankam.
Auch die Ergebnisse heizten die Hoffnungen auf Besserung an, beim 1:0 Sieg über Würzburg sprühten endlich wieder Funken ala Station Betzenberg - Fans und Mannschaft hatten sich als Stromab- und aufnehmer wieder gefunden.
Bei der Station Dresden war das 3:3 - bei dem ein 2:0 Vorsprung nicht nach Hause gebracht werden konnte - sowohl ein Reisegenuss wie auch im Rückspiegel ein erneuter Wendepunkt. Es folgten weitere Dämpfer gegen Bielefeld, Braunschweig, Bochum sowie durch die Ankündigung von Hoffnungsnetzer Glatzel, im Sommer auf zur schwäb'schen Eisenbahn zu trullern.
Im Verlauf dieser Wochen tat sich Zugführer Meier zusehens schwerer in der Zuteilung des Bordpersonals - seine Besetzungsvorstellungen wollten nicht recht zum vorhandenen Personal passen. Das Publikum am Streckenrand konnte nicht abgeholt werden. Man wollte vorwärtskommen per Express, doch davon konnte keine Rede sein. Bummelzug mit Schlafwagenfussball wäre noch eine nettere Formulierung gewesen.
Beim einzigen Ausreißer gegen Fürth gelang Moritz immerhin das FCK-Tor des Jahres, gegen 1860 und Karlsruhe wurden trotz dürftiger Leistung immerhin Siege eingefahren.
Unterdessen musste die Regio-Abteilung der Lautrer Verkehrsbetriebe die Abstufung hinnehmen und wird fürs Erste nur noch in der Oberliga verkehren, sofern sie nicht sogar ganz den Betrieb einstellt, wie es Gerüchte seit Monaten angesichts anhaltender roten Zahlen verlauten lassen.
Von diesem Schicksal hätte sich die erste Mannschaft auf der Zielgerade der Saison gegen St. Pauli sicher bewahren können, doch sie blieb erneut auf der Strecke und vieles Schuldig.
Der Belegschaft gelang darüber hinaus mit einem Totalausfall bei der Fahrt ins Erzgebierge, die Entfremdung und die Empörung im Anhang noch zu steigern. Nach dem Spiel kam es zu einem Zusammenstoss, ausgelöst durch zu Signalstörungen "Grinsen" einerseit und "fliegende Triebstangen" andererseits.
Absehbar ist bereits seit einigen Tagen, dass die erneute Verspätung beim Zieleinlauf für Folgeverzögerungen im Betriebsablauf und schwerwiegenenden Beeinträchtigungen für die Planung der neuen Belegschaft und Reiserouten für den neue Fahrplan führen.
Bleibt der FCK auf dem Verschiebebahnhof "Relegation" liegen, dauert die Planungsunsicherheit weiter an und natürlich droht einn totales Abfracken im Nirgendwo. Dann doch lieber bummeln nach Irgendwo, irgendwie.... Nur noch eine letzte Etappe muss sich der ICE Kaiserslautern noch bis zum Betriebshof schleppen.
------------------------------------------------------------------------------------
Die Kolumnisten der Bordzeitschrift "Couchingzone" - Bahli77, Butduma, Devil_till_Death, Hegermeister, Newtrial und Vic_Dorn - verabschieden sich hoffentlich ohne Sonderfahrt in die Sommerpause und kommen nächste Saison wieder. Immer pünktlich um 12 Uhr freitags und an zusätzlichen Reisetagen werden wir den ICE Kaiserlautern und seine Liebhaber auf den romantischsten Bahnstrecken Deutschlands mit abgefahrenen Geschichten begleiten.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Hegermeister am 19.05.2017 um 12:08 Uhr bearbeitet
27.07.2017 - 22:21 Uhr
------------------------------------------------------------------------
Jahrgang 8, jungfräuliche, leicht verfrühte Erstausgabe
AN TAGEN WIE DIESEM
von Newtrial
------------------------------------------------------------------------
Diese erhabene Morgendämmerung verleiht der Welt ein junges, strahlendes Gesicht. Da ist nur Gegenwart und das Versprechen einer offenen Zukunft. Der leichte Nieselregen hat sich gelegt und intensiver Sommerduft dringt noch durch die verstaubtesten Poren der dunkelsten Empfindungen und Wohnungsecken. Unmöglich, die übliche, notdürftig als Realismus getarnte Misanthropie an den Tag zu legen.
Yoga-gestählt und frisch geduscht begebe ich mich auf den Weg zur Arbeit. 15 Gehminuten auf der zu dieser frühen Stunde bereits belebten Großstadtstraße. Zeit genug um über den Arbeitstag, aber auch über das Leben an sich und die eigenen Prioritäten nachzudenken. Na ja, wohl eher ein freies Assoziieren und ein Springen von Hölzchen aufs Stöckchen: Da wäre z.B. die leicht faulige Banane, die mich zum Frühstück erwartet und die jeglichen Sommerduft locker überdecken wird. --- Die zu erfindenden Ausreden bei der Erledigung der überfälligen Korrespondenz. --- Das Meeting am Nachmittag. --- SIE! --- Das FCK-Auftaktspiel am Sonntag in Nürnberg. --- Schon wieder SIE! --- Und zu IHR spielt mein Gedächtnis jetzt auch noch den reichlich unangebrachten Kommentar von Sheldon Cooper aus Staffel 1, Episode 3 von Big Bang Theory ein, dort seinerzeit an Freund Lennard und dessen damalige Nicht-Beziehung zu Penny gerichtet:
„Wenigstens kommst du jetzt an die Daten der Black Box ran, die du aus den Trümmern deiner abgestürzten Träume von einem Date mit ihr bergen konntest und kannst sie analysieren, bevor du wieder am Mount Looser zerschellst.“
Völlig aus dem Kontext gerissen! Also Danke für nichts, Sheldon - und jetzt raus aus meinem Kopf! --- Die blöden Halsband-Papageien, die mit einem Affenzahn über mir kreisen und die es hier ohne Klimawandel wohl auch nicht über den Winter geschafft hätten. Die Stadt will sie jetzt durch das Aussetzen von Eulen bekämpfen. --- Und wieder das Auftaktspiel des FCK, dem ich mit sehr gemischten Gefühlen entgegensehe. --- Die Eingangspforte des Bürogebäudes, endlich die Eingangspforte! Kopf-Kino ENDE!
Im Büro angekommen stinkt die mittlerweile rabenschwarze Banane penetranter als erwartet und firmiert die Frische des Tages somit nur noch als verblassender Reflex längst vergangener Äonen. Und während die Arbeit erstaunlich locker von der Hand geht und SIE sich nebenan gerade gut gelaunt ihren Kaffee macht, mutieren die roten Teufel in meinem ersten tm-post des Tages zur am Wochenende in Nürnberg chancenlosen grauen Maus! Soll ich das jetzt echt abschicken? Man wird mich dafür garantiert wieder in die „Nörgler“- und „Meckerer“-Ecke stellen. Hach, na und?! Ich stehe zu meiner Meinung, ihr Traumtänzer! Die Banane fault schließlich von der Schale her und der FCK ist numal der sprichwörtliche s(t)inkende Fisch! Und das Orchester auf der Titanic spielt dazu unverdrossen Jahr für Jahr den Übergangssaison-Blues. ...Oder so...
…riiiing!!!
---- Ein Anruf, echt jetzt? Schon um diese Zeit? ---
„…Danke, das wünsche ich Ihnen auch! Dann sehen wir uns übermorgen! Auf Wiederhören!“
Wow, das war eine wirklich erfreuliche Nachricht! SIE hat nebenan durch die offene Tür vage mitgehört, kommt nun mit zwei gefüllten Kaffeetassen neugierig rüber in mein Büro und fragt:
„Lassen die sich da echt drauf ein? Wie geil ist das denn?“
„Ja, Klasse, was? Wir fahren übermorgen hin. Machst Du einen Aufschlag für die Präsentation?“
„Klar, kein Ding! Wir können es ja dann heute Abend beim Feierabendbierchen durchgehen. Was sagst Du?“
(‚Sie will tatsächlich ein Treffen?! Jetzt bloß nicht kollabieren, Newtrial! Cool bleiben! Ist schließlich nur ein Arbeitstreffen. Poker-Face, Du verdammter Hornochse!‘)
„Ja, das passt ganz gut. Können wir gerne machen!“
(‚War das neutral genug rübergebracht? Sonst bildet die sich noch sonstwas ein. Kann froh sein, dass ich heute Abend nix vorhabe. O.K., jaaa, ich verpasse diese wichtige und hochpreisige Schulung. Die werde ich dann ohne Kostenerstattung erneut buchen müssen. Wird ein teurer Spaß. Außerdem gibt's da eine lange Warteliste und ich brauche die dort vermittelten Kenntnisse JETZT. Egal.‘)
„Gut, dann mache ich mich gleich an die Arbeit! Gehen wir später essen?“
(‚Jetzt will sie auch noch ein gemeinsames Mittagessen?! Reiß Dich zusammen, Du Horst! Neutrale Mimik, Gestik und beiläufiger Tonfall sind gefordert!‘)
„Ja gerne! Aber unseren Kaffee können wir schon noch in Ruhe zusammen trinken, bevor Du startest!“
"O.K.!", flötet sie schmunzelnd und setzt sich mit einer ganz und gar nicht angebrachten Selbstverständlichkeit. Hab ich mich zu guter letzt also doch noch zum Affen gemacht.
__________
!!!!! HEJJJJJ, IHR LOOSER, WAS FÜR EIN GEILER TAG !!!!!
__________
Heute schon die Achtsamkeit auf den Sommerduft gelenkt, der sich ausbreitet, seit diese schmackhaft-aromatische Banane verspeist ist? Läuft bei mir, würde ich sagen! So, jetzt noch schnell den tm-post fertigstellen und dann aber mal Gas geben, die restliche Korrespondenz erledigen und auf zu neuen Ufern, ääh zum gemeinsamen Mittagessen!
Momentmal, was hab ich denn da vorhin fabriziert?
Du lieber Himmel, bei mir ist das Glas Dornfelder wohl immer halbleer, was?! Was zähle ich denn da langatmig Spieler auf, die noch nicht bei hundert Prozent sind? Die auf dem Platz stehen, müssen es schließlich richten! Für die ist genau das doch ‚die Chance ihres Lebens‘, um einen vielversprechenden Pfälzer Jungliteraten zu paraphrasieren! (Wieso kommt mir dabei gerade das Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“ in den Kopf? Und Derricks: „Harry, hol schon mal den Wagen!“?). Und na klar, die Jungs sind noch nicht eingespielt (sieht der mit sich selbst uneingespielte Christoph Moritz ja auch so) – aber wenn jeder für jeden rennt und mitdenkt, kann man das auch mal ein Spiel lang kompensieren! Alles kein Grund, so negativ daher zu schreiben! Wie soll denn so jemals eine Aufbruchsstimmung aufkommen?! Die Saison ist doch schließlich brandneu, jedes Spiel muss erst gespielt werden und fängt beim Stand von 0:0 an! Und Geld scheizzt ja zumindest nicht quasi-automatisch Tore! Also komm schon, Newtrial, die Welt ist in jedem Augenblick voller Horizonte und Potenziale und dieser mit einem angenehmen Hauch von Banane geschwängerte Sommerduft muss alle Poren Deines tm-posts durchdringen. Also kloppst Du Deinen langatmigen, pessimistischen Textentwurf getrost in die Tonne!
Ach ja, und bevor da jetzt wieder irgendwer mit halbgarer Küchenpsychologie um die Ecke kommt: SIE hat mit dieser 180-Grad-Wende ja schon mal überhaupt garnix zu tun! Alles rein sachlich begründet! Klar?!
Schließlich bin ich mein eigener Herr und entscheide selbst über meine Ansichten! Aber sowas von!
Oder aber: Könnte es vielleicht doch eine gute Idee sein - in der Liebe wie auch als Fan - Information und Bewertung stärker voneinander zu trennen, anstatt sich lediglich zur längst aufgesetzten Brille die passenden (alternativen) „Fakten“ zu besorgen? Könnte die Einschätzung unseres geliebten FCK auf solchermaßen differenzierte Weise vielleicht etwas weniger einer regelmäßig im sozialen Netzwerk-Shitstorm endenden, rein ergebnisabhängigen Achterbahnfahrt gleichen? Und würde sie vielleicht sogar unabhängiger davon werden, ob wir unser sonstiges Leben gerade hassen oder aber auf Wolke 7 schweben? Könnten wir uns dann am Ende – und jetzt gerate ich wirklich ins haltlose Phantasieren! – sogar auf die noch jungfräuliche, neue Saison FREUEN?
Gut, letzteres ist wirklich abwegig, das sehe ich natürlich ein.
Entsetzt blicke ich auf das mit dem letzten Absatz angerichtete Desaster: Habe ich da gerade tatsächlich ein halbwegs passables Couching mit dem moralischen Resümee-Zeigefinger tödlich perforiert? „Speichern“ wurde aber bereits gedrückt! Zu spät!
THE END
---------------------------------------------------------------
Während der fahnenflüchtige Bahli noch mühsam von der Couchgarnitur gekratzt werden muss – dort aber für alle Zeiten seine literarischen Bremsspuren hinterlässt – hat sich bereits ein Werschtche des solchermaßen lädierten Möbelstücks erbarmt! Butduma, Devil_till_death, Hegermeister, Newtrial, Vic Dorn und eben jenes Werschtche deklarieren die Couch daher hiermit offiziell als halbvoll, nicht halbleer! Der Bahli ist zwar weg! Der Winter ist gekommen! Und das mitten im Sommer! Doch werden wir dennoch nicht Hungers sterben. Denn wir haben ja ein Werschtche! Es sei uns auf der Couch willkommen!
Der Bahli aber ist von uns gegangen!
Über ihn kann ich nur Gutes berichten! Mag sein er war keiner der Besten, doch war er stets bemüht.
Stets war er mir ein enger Freund, fast schon ein Bruder. Ich kannte ihn kaum. Zuletzt gepeinigt von nachgerade bahlisk anmutenden FCK-nightmares, not dreams, war seine Nacht dunkel und voller Schrecken. Mögen sich die Sieben seiner gepeinigten Fan-Seele annehmen, denn auf der Couch sind wir leider gerade mit Seriengucken ausgelastet. Im Forum hat er künftig keine Gnade mehr zu erwarten, sondern stets den eisernen Preis zu entrichten! Denn das ist Lautrer Lebensart! Auf der Couch, schlussendlich, wird er ewig leben! Denn wer tot ist, kann niemals sterben!
ABER, werter Bahli, wem auch immer Du künftig Deine Feder zu Diensten zu machen gedenkst, vor wem Du das Knie beugen und den Treueschwur ablegen magst - und selbst wenn dies der mächtige Fürst Didi unter dem Banner des gehäuteten Bullen oder aber der Nachtkönig persönlich wäre: Sei gewarnt, die Couch vergisst nicht!
Jahrgang 8, jungfräuliche, leicht verfrühte Erstausgabe
AN TAGEN WIE DIESEM
von Newtrial
------------------------------------------------------------------------
Diese erhabene Morgendämmerung verleiht der Welt ein junges, strahlendes Gesicht. Da ist nur Gegenwart und das Versprechen einer offenen Zukunft. Der leichte Nieselregen hat sich gelegt und intensiver Sommerduft dringt noch durch die verstaubtesten Poren der dunkelsten Empfindungen und Wohnungsecken. Unmöglich, die übliche, notdürftig als Realismus getarnte Misanthropie an den Tag zu legen.
Yoga-gestählt und frisch geduscht begebe ich mich auf den Weg zur Arbeit. 15 Gehminuten auf der zu dieser frühen Stunde bereits belebten Großstadtstraße. Zeit genug um über den Arbeitstag, aber auch über das Leben an sich und die eigenen Prioritäten nachzudenken. Na ja, wohl eher ein freies Assoziieren und ein Springen von Hölzchen aufs Stöckchen: Da wäre z.B. die leicht faulige Banane, die mich zum Frühstück erwartet und die jeglichen Sommerduft locker überdecken wird. --- Die zu erfindenden Ausreden bei der Erledigung der überfälligen Korrespondenz. --- Das Meeting am Nachmittag. --- SIE! --- Das FCK-Auftaktspiel am Sonntag in Nürnberg. --- Schon wieder SIE! --- Und zu IHR spielt mein Gedächtnis jetzt auch noch den reichlich unangebrachten Kommentar von Sheldon Cooper aus Staffel 1, Episode 3 von Big Bang Theory ein, dort seinerzeit an Freund Lennard und dessen damalige Nicht-Beziehung zu Penny gerichtet:
„Wenigstens kommst du jetzt an die Daten der Black Box ran, die du aus den Trümmern deiner abgestürzten Träume von einem Date mit ihr bergen konntest und kannst sie analysieren, bevor du wieder am Mount Looser zerschellst.“
Völlig aus dem Kontext gerissen! Also Danke für nichts, Sheldon - und jetzt raus aus meinem Kopf! --- Die blöden Halsband-Papageien, die mit einem Affenzahn über mir kreisen und die es hier ohne Klimawandel wohl auch nicht über den Winter geschafft hätten. Die Stadt will sie jetzt durch das Aussetzen von Eulen bekämpfen. --- Und wieder das Auftaktspiel des FCK, dem ich mit sehr gemischten Gefühlen entgegensehe. --- Die Eingangspforte des Bürogebäudes, endlich die Eingangspforte! Kopf-Kino ENDE!
Im Büro angekommen stinkt die mittlerweile rabenschwarze Banane penetranter als erwartet und firmiert die Frische des Tages somit nur noch als verblassender Reflex längst vergangener Äonen. Und während die Arbeit erstaunlich locker von der Hand geht und SIE sich nebenan gerade gut gelaunt ihren Kaffee macht, mutieren die roten Teufel in meinem ersten tm-post des Tages zur am Wochenende in Nürnberg chancenlosen grauen Maus! Soll ich das jetzt echt abschicken? Man wird mich dafür garantiert wieder in die „Nörgler“- und „Meckerer“-Ecke stellen. Hach, na und?! Ich stehe zu meiner Meinung, ihr Traumtänzer! Die Banane fault schließlich von der Schale her und der FCK ist numal der sprichwörtliche s(t)inkende Fisch! Und das Orchester auf der Titanic spielt dazu unverdrossen Jahr für Jahr den Übergangssaison-Blues. ...Oder so...
…riiiing!!!
---- Ein Anruf, echt jetzt? Schon um diese Zeit? ---
„…Danke, das wünsche ich Ihnen auch! Dann sehen wir uns übermorgen! Auf Wiederhören!“
Wow, das war eine wirklich erfreuliche Nachricht! SIE hat nebenan durch die offene Tür vage mitgehört, kommt nun mit zwei gefüllten Kaffeetassen neugierig rüber in mein Büro und fragt:
„Lassen die sich da echt drauf ein? Wie geil ist das denn?“
„Ja, Klasse, was? Wir fahren übermorgen hin. Machst Du einen Aufschlag für die Präsentation?“
„Klar, kein Ding! Wir können es ja dann heute Abend beim Feierabendbierchen durchgehen. Was sagst Du?“
(‚Sie will tatsächlich ein Treffen?! Jetzt bloß nicht kollabieren, Newtrial! Cool bleiben! Ist schließlich nur ein Arbeitstreffen. Poker-Face, Du verdammter Hornochse!‘)
„Ja, das passt ganz gut. Können wir gerne machen!“
(‚War das neutral genug rübergebracht? Sonst bildet die sich noch sonstwas ein. Kann froh sein, dass ich heute Abend nix vorhabe. O.K., jaaa, ich verpasse diese wichtige und hochpreisige Schulung. Die werde ich dann ohne Kostenerstattung erneut buchen müssen. Wird ein teurer Spaß. Außerdem gibt's da eine lange Warteliste und ich brauche die dort vermittelten Kenntnisse JETZT. Egal.‘)
„Gut, dann mache ich mich gleich an die Arbeit! Gehen wir später essen?“
(‚Jetzt will sie auch noch ein gemeinsames Mittagessen?! Reiß Dich zusammen, Du Horst! Neutrale Mimik, Gestik und beiläufiger Tonfall sind gefordert!‘)
„Ja gerne! Aber unseren Kaffee können wir schon noch in Ruhe zusammen trinken, bevor Du startest!“
"O.K.!", flötet sie schmunzelnd und setzt sich mit einer ganz und gar nicht angebrachten Selbstverständlichkeit. Hab ich mich zu guter letzt also doch noch zum Affen gemacht.
__________
!!!!! HEJJJJJ, IHR LOOSER, WAS FÜR EIN GEILER TAG !!!!!
__________
Heute schon die Achtsamkeit auf den Sommerduft gelenkt, der sich ausbreitet, seit diese schmackhaft-aromatische Banane verspeist ist? Läuft bei mir, würde ich sagen! So, jetzt noch schnell den tm-post fertigstellen und dann aber mal Gas geben, die restliche Korrespondenz erledigen und auf zu neuen Ufern, ääh zum gemeinsamen Mittagessen!
Momentmal, was hab ich denn da vorhin fabriziert?
Du lieber Himmel, bei mir ist das Glas Dornfelder wohl immer halbleer, was?! Was zähle ich denn da langatmig Spieler auf, die noch nicht bei hundert Prozent sind? Die auf dem Platz stehen, müssen es schließlich richten! Für die ist genau das doch ‚die Chance ihres Lebens‘, um einen vielversprechenden Pfälzer Jungliteraten zu paraphrasieren! (Wieso kommt mir dabei gerade das Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“ in den Kopf? Und Derricks: „Harry, hol schon mal den Wagen!“?). Und na klar, die Jungs sind noch nicht eingespielt (sieht der mit sich selbst uneingespielte Christoph Moritz ja auch so) – aber wenn jeder für jeden rennt und mitdenkt, kann man das auch mal ein Spiel lang kompensieren! Alles kein Grund, so negativ daher zu schreiben! Wie soll denn so jemals eine Aufbruchsstimmung aufkommen?! Die Saison ist doch schließlich brandneu, jedes Spiel muss erst gespielt werden und fängt beim Stand von 0:0 an! Und Geld scheizzt ja zumindest nicht quasi-automatisch Tore! Also komm schon, Newtrial, die Welt ist in jedem Augenblick voller Horizonte und Potenziale und dieser mit einem angenehmen Hauch von Banane geschwängerte Sommerduft muss alle Poren Deines tm-posts durchdringen. Also kloppst Du Deinen langatmigen, pessimistischen Textentwurf getrost in die Tonne! Ach ja, und bevor da jetzt wieder irgendwer mit halbgarer Küchenpsychologie um die Ecke kommt: SIE hat mit dieser 180-Grad-Wende ja schon mal überhaupt garnix zu tun! Alles rein sachlich begründet! Klar?!
Schließlich bin ich mein eigener Herr und entscheide selbst über meine Ansichten! Aber sowas von! Oder aber: Könnte es vielleicht doch eine gute Idee sein - in der Liebe wie auch als Fan - Information und Bewertung stärker voneinander zu trennen, anstatt sich lediglich zur längst aufgesetzten Brille die passenden (alternativen) „Fakten“ zu besorgen? Könnte die Einschätzung unseres geliebten FCK auf solchermaßen differenzierte Weise vielleicht etwas weniger einer regelmäßig im sozialen Netzwerk-Shitstorm endenden, rein ergebnisabhängigen Achterbahnfahrt gleichen? Und würde sie vielleicht sogar unabhängiger davon werden, ob wir unser sonstiges Leben gerade hassen oder aber auf Wolke 7 schweben? Könnten wir uns dann am Ende – und jetzt gerate ich wirklich ins haltlose Phantasieren! – sogar auf die noch jungfräuliche, neue Saison FREUEN?
Gut, letzteres ist wirklich abwegig, das sehe ich natürlich ein. Entsetzt blicke ich auf das mit dem letzten Absatz angerichtete Desaster: Habe ich da gerade tatsächlich ein halbwegs passables Couching mit dem moralischen Resümee-Zeigefinger tödlich perforiert? „Speichern“ wurde aber bereits gedrückt! Zu spät!
THE END
---------------------------------------------------------------
Während der fahnenflüchtige Bahli noch mühsam von der Couchgarnitur gekratzt werden muss – dort aber für alle Zeiten seine literarischen Bremsspuren hinterlässt – hat sich bereits ein Werschtche des solchermaßen lädierten Möbelstücks erbarmt! Butduma, Devil_till_death, Hegermeister, Newtrial, Vic Dorn und eben jenes Werschtche deklarieren die Couch daher hiermit offiziell als halbvoll, nicht halbleer! Der Bahli ist zwar weg! Der Winter ist gekommen! Und das mitten im Sommer! Doch werden wir dennoch nicht Hungers sterben. Denn wir haben ja ein Werschtche! Es sei uns auf der Couch willkommen!
Der Bahli aber ist von uns gegangen!
Über ihn kann ich nur Gutes berichten! Mag sein er war keiner der Besten, doch war er stets bemüht.
Stets war er mir ein enger Freund, fast schon ein Bruder. Ich kannte ihn kaum. Zuletzt gepeinigt von nachgerade bahlisk anmutenden FCK-nightmares, not dreams, war seine Nacht dunkel und voller Schrecken. Mögen sich die Sieben seiner gepeinigten Fan-Seele annehmen, denn auf der Couch sind wir leider gerade mit Seriengucken ausgelastet. Im Forum hat er künftig keine Gnade mehr zu erwarten, sondern stets den eisernen Preis zu entrichten! Denn das ist Lautrer Lebensart! Auf der Couch, schlussendlich, wird er ewig leben! Denn wer tot ist, kann niemals sterben! ABER, werter Bahli, wem auch immer Du künftig Deine Feder zu Diensten zu machen gedenkst, vor wem Du das Knie beugen und den Treueschwur ablegen magst - und selbst wenn dies der mächtige Fürst Didi unter dem Banner des gehäuteten Bullen oder aber der Nachtkönig persönlich wäre: Sei gewarnt, die Couch vergisst nicht!

04.08.2017 - 12:00 Uhr
Jahrgang 8, Ausgabe 2:
FRÜHER WAR ALLES BESSER!
von werschtche
Früher, als man Fett noch mit „u“ geschrieben hat und die Gummistiefel noch aus Holz waren, ja früher, bist du in den Supermarkt gegangen und hast für zehn Mark eingekauft. Dann hattest du zu Hause ausgepackt: ein Laib Brot, ein halbes Pfund Butter, 200 Gramm Schnittkäse, zwei Packungen Milch, ein Pfund Kaffee, ein Glas Marmelade, ein paar Scheiben Aufschnitt, ein Kopfsalat und ein Bund Radieschen, eine Tüte Chips sowie zwei Päckchen Zigaretten.
Und heute? Überall Kameraüberwachung!
Heute kommst du aus der Kneipe und deine Freundin fragt dich (noch freundlich): „Wo warst Du?“
„In der Kneipe.“
„Hauch mich an!“, der Ton ist schon nicht mehr ganz so freundlich.
Du tust, was von dir verlangt wird und erhältst als Antwort: „Du riechst nach Kaffee!“ Ihre Mimik der Gesichtszüge verrät dir, dass die Aussage mit dem Kaffee mit Skepsis aufgenommen wird.
„Ich war in der Kneipe! Ich habe halt zuletzt einen Kaffee getrunken!“
„Du warst bei einer anderen Frau! Wie heißt Sie?“, zischt sie.
„Was? Wer?“ Was geht hier gerade ab? Bin ich im falschen Film?
„Wie heißt Sie?“, wiederholt sie ihre Frage, inzwischen mit zusammengepressten Zähnen.
„Christine“.
„Ah ja, du gibst es also auch noch zu?“ Ihre Stimme vibriert leicht hysterisch.
„Ich war im >Christine<, mit Nils, wir hatten Fußball geguckt und vorm abfahren hab' ich noch 'nen Kaffee getrunken!“ Jedoch wird deine Beteuerung völlig ignoriert, du hörst hinter dir nur noch ein lautes Türknallen und stehst allein im Raum.
Früher kamst Du aus der Kneipe, deine Freundin kam dir entgegen, schenkte dir ein warmes Willkommenslächeln zur Begrüßung, gab dir einen Kuss, rümpfte ihre süße, kleine Stupsnase, gab dir einen weiteren Kuss und sagte: „Zieh andere Klamotten an, du stinkst nach Zigarettenqualm! Und vielleicht, aber nur vielleicht, hat sie noch nach dem Endergebnis gefragt.
Früher haben wir uns einfach auf einen freien Parkplatz gestellt, egal wann, egal wo. Natürlich so nah wie möglich am Eingang zum Einkaufszentrum, so nah wie möglich an den Geschäften in der Innenstadt - und, ganz wichtig, Hauptsache kostenfrei!
Heute müssen wir für Parkplätze viel Geld bezahlen und freilassen für Eltern mit Kind, Frauen mit Kind, Frauen ohne Kind, Motorradfahrer und was weiß ich. Wo soll ich denn parken? Am Ar*sch der Welt? Ich stelle mich jetzt immer auf einen Parkplatz für Laktose-Intolerante, da ist immer was frei!
Heute liest man in der Zeitung, dass sich ein LKW-Fahrer auf einem Feldweg festgefahren hat, weil er seinem Navi gefolgt ist.
Früher sind wir mit dem Auto an den Plattensee gefahren, ohne Navi und sind auch angekommen. Da gibt es nämlich, schon ziemlich lange sogar, solche blauen Schilder auf den Autobahnen, wo drauf steht, wo man hinfahren kann. Wir wussten in etwa die grobe Richtung. Von Kaiserslautern aus, Richtung Frankentaler Kreuz, dann Richtung Speyer, dann die A6 bis hinter Nürnberg, dann auf die A3 bis Deutschlandende bei Passau und immer weiter bis nach Wien. Komischerweise waren in Österreich auch blaue Schilder, die uns den Weg wiesen Richtung Budapest und weiter an den Balaton. Dort mussten wir uns nach anderen Schildern richten und Mutti hatte den großen Atlas auf dem Schoß. Ohne Navi, dauerte die Fahrt 11 Stunden, heute, mit Navi ebenso und den Kindern auf dem Rücksitz war genauso langweilig und sie fragten: „Wann sind wir denn daha?“!
Übrigens, meine Stimme im Navi ist Christian! Nicht Angela oder Stefanie oder Renate. Nein, denn ich lasse mir von einer Frau nicht sagen, wo ich hin zu fahren habe!
Früher haben wir das vor uns stehende Essen gegessen.
Heute fotografieren wir es und als krönender Abschluss wird es geteilt. Aber nicht mit irgendwelchen anwesenden Personen, sondern auf Facebook, Twitter und Konsorten - mit dem Mobiltelefon. Alles Mögliche wird „geteilt“, sogar beim Unfall an der Ecke sind Bilder von Verletzten schneller online auf den sozialen Netzwerken, als ein Notruf bei der Polizei - erschreckend!
Heute reden wir denglisch. Grausam! In den Zeitungen bei den Arbeitsgesuchen findet man Stellenanzeigen für „Facility manager“ oder „CMS Key User“ oder Inhouse consult - Point of Sale
Früher redete man deutsch. Wer Arbeit suchte, musste nicht erst einen Englischkurs belegen um zu wissen, ob er für diese Stelle qualifiziert ist, oder nicht. Für mich ein absolutes no go - so etwas und da ist es mir auch egal, ob ich in oder out bin. Sorry, vielleicht bin ich da nicht up to date, aber es gibt andere must-have. Früher stand in Stellenanzeigen: Hausmeister gesucht, für jeden klar erkenntlich und gut war‘s!
Egal - ich fahr nachher in’s Drive in und hol mir Fastfood, aus Frust, check!
Früher haben wir jede freie Minute genutzt, um draußen unsere Freizeit zu gestalten, egal ob kicken auf dem Bolzplatz, joggen oder Fahrrad fahren. Hauptsache raus, Hauptsache Bewegung!
Heute besteht bei den meisten Frauen die sportliche Betätigung meist nur noch beim Eisprung und bei den Herrn der Schöpfung ist die einzige Bewegung auch nur noch der Gang zum Kühlschrank.
Apropos Kühlschrank: Mittlreweile geht es leider auch auf der Couch nicht mehr ohne Werbung, denn der Inhalt des Kühlschranks bezahlt sich nicht von selbst. Außerdem ist durch undichte Kanäle durchgedrungen, dass einer oder mehrere das Couchingschreiben nicht unentgeltlich macht, wasGauner! Also, sorry für diese kleine Unterbrechung! Trotzdem, spart‘ euch dazu eure Kommentare, denn wir müssen jeden Penny drei Mal umdrehen, und dennoch kommt, real gesehen, netto immer noch das Selbe raus! Ohne Augenlidlähmung ist eine baldige Änderung eh nicht absehbar. (Na? Wie viel habt ihr in diesem Abschnitt entdeckt? 7, 8, 9?) Früher war alles besser - und werbefreier!
Heute fallen Fußballspieler bei dem kleinsten Windhauch und wälzen sich auf dem grünen Rasen, als ob jemand mit der Kettensäge versucht hat, irgendwelche wichtige Körperteile abzutrennen.
Früher stellten sich Schiedsrichter wie Ahlenfelder neben so einem Spieler und sagte: „Junge, steh' auf, die Rasenheizung ist nicht an!“ Oder es gab solche Spieler, wie der Dieter Hoeneß, der blutete aus einer Platzwunde am Kopf, wie die Sau. Er hat sich jedoch nicht auswechseln lassen. Nein, so was kam früher nicht in Frage. Der Mannschaftsarzt legte ihm einen Turban an und Hoeneß spielte weiter und als krönenden Abschluss erzielte er noch ein Tor, natürlich mit dem Kopf!
Früher als ich auch noch auf den Betze ging (früher war ich noch jung und hatte das Geld), da haben wir alle lauthals unseren Verein unterstützt. Es wurde gesungen, geklatscht und angefeuert, was das Zeug hielt. Selbst bei einem Rückstand ging die Post ab, denn wir wussten, jetzt - gerade jetzt, benötigt die Mannschaft die volle Unterstützung. Wir wussten, da unten auf dem Rasen fängt es jetzt an, der Kampfmotor FCK ist angesprungen und beginnt zu laufen, deshalb dauerte ein Spiel manchmal so lange, bis der FCK die Führung erzielte.
Wirklich, liebe PC-Generation, Videotext! Kein Live-Ticker auf Kicker oder t-online, kein TM oder Sky!
Es gab damals noch eine andere Welt, eine Welt da draußen, mit Singvögel und Spaziergängen. Wüsstet ihr, was für ein Baum da steht, solltet ihr euch doch mal in den Wald verirren? Wisst ihr auch, dass Rasierklingen keine Entfernungsmesser sind?
Könnt ihr euch eigentlich vorstellen, was das ein Graus war, wenn man am Samstagmittag zu Tante Hilde's Geburtstag eingeladen war und gleichzeitig der FCK spielte. Keine Chance auf Informationen über den Spielstand. Da hast du alle 30 Sekunden auf die Uhr geguckt, und je näher der Zeiger auf Viertel vor fünf stand, umso nervöser wurdest du. Wie lange muss ich eigentlich noch warten, wann kann ich endlich heim fahren, schaffen wir es noch rechtzeitig zur Sportschau? Früher hatten wir noch E-lan und kein W-Lan.
Heute sind wir sowas von online, jeder daddelt auf seinem i-Phone rum. Jeder, der dir in der Stadt entgegenkommt, hat ein Handy in der Hand und die, die vor dir laufen schauen alle 5 Sekunden auf das Teil. Entweder haben sie ein Kurzzeitgedächtnis und die soeben angezeigte Zeit schon wieder vergessen oder sie schauen, ob sie noch Empfang haben. Es gibt sogar, habe ich mir sagen lassen, eine App, die dich warnt, dass du nicht gegen einen vor dir stehenden Laternenmast prallst. Bitte was? Genau das wäre es doch! ZONK, aufgeprallt, angeeckt und das Ding würde in der Tasche verschwinden. Oder es wird quatscht, egal wo, selbst im Bus oder in der Bahn. Früher hatte man den Anstand mit seinem Sitznachbarn etwas Konversation zu betreiben oder ein Buch gelesen oder einfach geschwiegen. Heute weiß irgendwie jeder wo dein letzter Pickel war, wann du ihn aufgedrückt hast, wer live dabei sein konnte und was für Kommentare deine Zuschauer abgelassen haben. Grauslich!
Heute diskutiert man über einen Videobeweis, Torlinientechnik, Chip im Ball.
Früher gab es einen Schiedsrichter und zwei Linienrichter und fertig. Da brauchte es keinen vierten Offiziellen oder, wie bei CL- oder EL-Spielen, noch zwei Torrichter. Wir wussten, wann der Ball im Tor war. Nämlich dann, wenn der Schiri mit ausgestrecktem Arm zur Mittellinie zeigte. Sollte er das nicht gemacht haben und der Ball war trotzdem im Tor, dann kam es zur heute sogenannten Rudelbildung und alle zweiundzwanzig Spieler und vielleicht auch noch Trainer und andere Funktionäre standen auf dem Platz und belagerten vehement den Mann in schwarz. In schwarz! Nicht in kanariengelb oder in babyar‘schblau. Von den Zuschauerrängen wurde gepfiffen und gebuht, mal ging der ein oder andere Regenschirm kaputt, jedoch ging es meistens fair zu. Auch schon vor dem Spiel war es fair, ohne verhöhnende Plakate und Beleidigungen.
Früher, was waren das für tolle Spiele des 1. FCK in der Bundesliga, im Europapokal, in der Champions League. Manche erinnern sich sicherlich an diese Zeit. An Spiele, wie das legendäre 5:0 gegen Real Madrid oder das 3:1 gegen Barcelona, auch wenn letzteres leider nicht positiv für unseren Club geendet hatte. Das Bild der „brennenden Westtribüne“ hat sich in die Gedächtnisse vieler Fußballfans eingebrannt, nicht nur in Kaiserslautern oder Deutschland, nein, im gesamten europäischen Raum!
Mann, Mann, Mann, das waren Zeiten, Emotionen! Das waren Gefühle, als ob du auf dem Kettenkarussell deinen Vordermann überholst.
Die Europakarte des FCK hat Einstecknadeln in den bekannten Orten Göteborg, Amsterdam, Reykjavik, Lüttich, Sevilla, Prag, Belgrad, Lissabon. Dazu gab es Orte, die musst du aber erst auf einer Landkarte suchen und finden, das sind so unbekannte Namen wie Paralimni, Akranes, Diósgyör.
Und heute? Hören wir damit auf, von regenbogenfarbenfurzenden Einhörnern zu träumen und stellen uns der Realität, im hier und jetzt. Wir spielen nur noch biederen Zweitligafußball in Orten, die man zum Teil auch erst einmal auf einer Deutschlandkarte finden muss. Die Reisen gehen oder gingen in grauer Zweitligazeit nach Würzburg, Aue, Kiel, Regensburg, Gütersloh, Meppen. Das ist so und nicht zu ändern! Vielleicht irgendwann? Für manche hänge ich in der Vergangenheit, das mag sein. Aber sind es nicht gerade die schönen Momente, an die wir uns alle gerne erinnern? Streben, Hoffen, Bangen wir deshalb nicht jedes Jahr, dass dieses Jahr alles besser wird?
Während einige noch verzweifelt alle Werbefirmen suchen, wundere ich mich über die Tatsache: Wenn doch in 1999 die Umstellung auf Euro erfolgte, warum gibt es dann immer noch Tomatenmark?
Die Kollegen der Couch beschäftigen sich mit anderen Themen und teilen diese, wie früher, immer pünktlich, an Freitagen um 12.00 Uhr, in diesem Forum. Kostenlos, aber nicht umsonst!
FRÜHER WAR ALLES BESSER!
von werschtche
Früher, als man Fett noch mit „u“ geschrieben hat und die Gummistiefel noch aus Holz waren, ja früher, bist du in den Supermarkt gegangen und hast für zehn Mark eingekauft. Dann hattest du zu Hause ausgepackt: ein Laib Brot, ein halbes Pfund Butter, 200 Gramm Schnittkäse, zwei Packungen Milch, ein Pfund Kaffee, ein Glas Marmelade, ein paar Scheiben Aufschnitt, ein Kopfsalat und ein Bund Radieschen, eine Tüte Chips sowie zwei Päckchen Zigaretten.
Und heute? Überall Kameraüberwachung!
Heute kommst du aus der Kneipe und deine Freundin fragt dich (noch freundlich): „Wo warst Du?“
„In der Kneipe.“
„Hauch mich an!“, der Ton ist schon nicht mehr ganz so freundlich.
Du tust, was von dir verlangt wird und erhältst als Antwort: „Du riechst nach Kaffee!“ Ihre Mimik der Gesichtszüge verrät dir, dass die Aussage mit dem Kaffee mit Skepsis aufgenommen wird.
„Ich war in der Kneipe! Ich habe halt zuletzt einen Kaffee getrunken!“
„Du warst bei einer anderen Frau! Wie heißt Sie?“, zischt sie.
„Was? Wer?“ Was geht hier gerade ab? Bin ich im falschen Film?
„Wie heißt Sie?“, wiederholt sie ihre Frage, inzwischen mit zusammengepressten Zähnen.
„Christine“.
„Ah ja, du gibst es also auch noch zu?“ Ihre Stimme vibriert leicht hysterisch.
„Ich war im >Christine<, mit Nils, wir hatten Fußball geguckt und vorm abfahren hab' ich noch 'nen Kaffee getrunken!“ Jedoch wird deine Beteuerung völlig ignoriert, du hörst hinter dir nur noch ein lautes Türknallen und stehst allein im Raum.
Früher kamst Du aus der Kneipe, deine Freundin kam dir entgegen, schenkte dir ein warmes Willkommenslächeln zur Begrüßung, gab dir einen Kuss, rümpfte ihre süße, kleine Stupsnase, gab dir einen weiteren Kuss und sagte: „Zieh andere Klamotten an, du stinkst nach Zigarettenqualm! Und vielleicht, aber nur vielleicht, hat sie noch nach dem Endergebnis gefragt.
Früher haben wir uns einfach auf einen freien Parkplatz gestellt, egal wann, egal wo. Natürlich so nah wie möglich am Eingang zum Einkaufszentrum, so nah wie möglich an den Geschäften in der Innenstadt - und, ganz wichtig, Hauptsache kostenfrei!
Heute müssen wir für Parkplätze viel Geld bezahlen und freilassen für Eltern mit Kind, Frauen mit Kind, Frauen ohne Kind, Motorradfahrer und was weiß ich. Wo soll ich denn parken? Am Ar*sch der Welt? Ich stelle mich jetzt immer auf einen Parkplatz für Laktose-Intolerante, da ist immer was frei!
Heute liest man in der Zeitung, dass sich ein LKW-Fahrer auf einem Feldweg festgefahren hat, weil er seinem Navi gefolgt ist.
Früher sind wir mit dem Auto an den Plattensee gefahren, ohne Navi und sind auch angekommen. Da gibt es nämlich, schon ziemlich lange sogar, solche blauen Schilder auf den Autobahnen, wo drauf steht, wo man hinfahren kann. Wir wussten in etwa die grobe Richtung. Von Kaiserslautern aus, Richtung Frankentaler Kreuz, dann Richtung Speyer, dann die A6 bis hinter Nürnberg, dann auf die A3 bis Deutschlandende bei Passau und immer weiter bis nach Wien. Komischerweise waren in Österreich auch blaue Schilder, die uns den Weg wiesen Richtung Budapest und weiter an den Balaton. Dort mussten wir uns nach anderen Schildern richten und Mutti hatte den großen Atlas auf dem Schoß. Ohne Navi, dauerte die Fahrt 11 Stunden, heute, mit Navi ebenso und den Kindern auf dem Rücksitz war genauso langweilig und sie fragten: „Wann sind wir denn daha?“!
Übrigens, meine Stimme im Navi ist Christian! Nicht Angela oder Stefanie oder Renate. Nein, denn ich lasse mir von einer Frau nicht sagen, wo ich hin zu fahren habe!
Früher haben wir das vor uns stehende Essen gegessen.
Heute fotografieren wir es und als krönender Abschluss wird es geteilt. Aber nicht mit irgendwelchen anwesenden Personen, sondern auf Facebook, Twitter und Konsorten - mit dem Mobiltelefon. Alles Mögliche wird „geteilt“, sogar beim Unfall an der Ecke sind Bilder von Verletzten schneller online auf den sozialen Netzwerken, als ein Notruf bei der Polizei - erschreckend!
Heute reden wir denglisch. Grausam! In den Zeitungen bei den Arbeitsgesuchen findet man Stellenanzeigen für „Facility manager“ oder „CMS Key User“ oder Inhouse consult - Point of Sale
Früher redete man deutsch. Wer Arbeit suchte, musste nicht erst einen Englischkurs belegen um zu wissen, ob er für diese Stelle qualifiziert ist, oder nicht. Für mich ein absolutes no go - so etwas und da ist es mir auch egal, ob ich in oder out bin. Sorry, vielleicht bin ich da nicht up to date, aber es gibt andere must-have. Früher stand in Stellenanzeigen: Hausmeister gesucht, für jeden klar erkenntlich und gut war‘s!
Egal - ich fahr nachher in’s Drive in und hol mir Fastfood, aus Frust, check!
Früher haben wir jede freie Minute genutzt, um draußen unsere Freizeit zu gestalten, egal ob kicken auf dem Bolzplatz, joggen oder Fahrrad fahren. Hauptsache raus, Hauptsache Bewegung!
Heute besteht bei den meisten Frauen die sportliche Betätigung meist nur noch beim Eisprung und bei den Herrn der Schöpfung ist die einzige Bewegung auch nur noch der Gang zum Kühlschrank.
Apropos Kühlschrank: Mittlreweile geht es leider auch auf der Couch nicht mehr ohne Werbung, denn der Inhalt des Kühlschranks bezahlt sich nicht von selbst. Außerdem ist durch undichte Kanäle durchgedrungen, dass einer oder mehrere das Couchingschreiben nicht unentgeltlich macht, wasGauner! Also, sorry für diese kleine Unterbrechung! Trotzdem, spart‘ euch dazu eure Kommentare, denn wir müssen jeden Penny drei Mal umdrehen, und dennoch kommt, real gesehen, netto immer noch das Selbe raus! Ohne Augenlidlähmung ist eine baldige Änderung eh nicht absehbar. (Na? Wie viel habt ihr in diesem Abschnitt entdeckt? 7, 8, 9?) Früher war alles besser - und werbefreier!
Heute fallen Fußballspieler bei dem kleinsten Windhauch und wälzen sich auf dem grünen Rasen, als ob jemand mit der Kettensäge versucht hat, irgendwelche wichtige Körperteile abzutrennen.
Früher stellten sich Schiedsrichter wie Ahlenfelder neben so einem Spieler und sagte: „Junge, steh' auf, die Rasenheizung ist nicht an!“ Oder es gab solche Spieler, wie der Dieter Hoeneß, der blutete aus einer Platzwunde am Kopf, wie die Sau. Er hat sich jedoch nicht auswechseln lassen. Nein, so was kam früher nicht in Frage. Der Mannschaftsarzt legte ihm einen Turban an und Hoeneß spielte weiter und als krönenden Abschluss erzielte er noch ein Tor, natürlich mit dem Kopf!
Früher als ich auch noch auf den Betze ging (früher war ich noch jung und hatte das Geld), da haben wir alle lauthals unseren Verein unterstützt. Es wurde gesungen, geklatscht und angefeuert, was das Zeug hielt. Selbst bei einem Rückstand ging die Post ab, denn wir wussten, jetzt - gerade jetzt, benötigt die Mannschaft die volle Unterstützung. Wir wussten, da unten auf dem Rasen fängt es jetzt an, der Kampfmotor FCK ist angesprungen und beginnt zu laufen, deshalb dauerte ein Spiel manchmal so lange, bis der FCK die Führung erzielte.
Zitat von M4rc1n
Früher haben wir nicht auf Wunder gehofft, wir haben sie erzwungen.
Es gab auch damals schon Durststrecken, wo es nicht immer optimal lief und trotzdem strömten die Massen beim nächsten Heimspiel wieder ins Stadion. Und wenn wir mal nicht live im Stadion sein konnten, lief entweder das Radio oder man schaute gespannt auf den Fernseher, ob sich bei den magentafarbenen Zahlen etwas änderte. Ja, da konnte in einem der drei (in Zahlen - 3!) Programmen laufen, was da wollte, es war pupsegal, der Videotext war an und wir waren trotzdem zufrieden. Früher haben wir nicht auf Wunder gehofft, wir haben sie erzwungen.
Wirklich, liebe PC-Generation, Videotext! Kein Live-Ticker auf Kicker oder t-online, kein TM oder Sky!
Es gab damals noch eine andere Welt, eine Welt da draußen, mit Singvögel und Spaziergängen. Wüsstet ihr, was für ein Baum da steht, solltet ihr euch doch mal in den Wald verirren? Wisst ihr auch, dass Rasierklingen keine Entfernungsmesser sind?
Könnt ihr euch eigentlich vorstellen, was das ein Graus war, wenn man am Samstagmittag zu Tante Hilde's Geburtstag eingeladen war und gleichzeitig der FCK spielte. Keine Chance auf Informationen über den Spielstand. Da hast du alle 30 Sekunden auf die Uhr geguckt, und je näher der Zeiger auf Viertel vor fünf stand, umso nervöser wurdest du. Wie lange muss ich eigentlich noch warten, wann kann ich endlich heim fahren, schaffen wir es noch rechtzeitig zur Sportschau? Früher hatten wir noch E-lan und kein W-Lan.
Heute sind wir sowas von online, jeder daddelt auf seinem i-Phone rum. Jeder, der dir in der Stadt entgegenkommt, hat ein Handy in der Hand und die, die vor dir laufen schauen alle 5 Sekunden auf das Teil. Entweder haben sie ein Kurzzeitgedächtnis und die soeben angezeigte Zeit schon wieder vergessen oder sie schauen, ob sie noch Empfang haben. Es gibt sogar, habe ich mir sagen lassen, eine App, die dich warnt, dass du nicht gegen einen vor dir stehenden Laternenmast prallst. Bitte was? Genau das wäre es doch! ZONK, aufgeprallt, angeeckt und das Ding würde in der Tasche verschwinden. Oder es wird quatscht, egal wo, selbst im Bus oder in der Bahn. Früher hatte man den Anstand mit seinem Sitznachbarn etwas Konversation zu betreiben oder ein Buch gelesen oder einfach geschwiegen. Heute weiß irgendwie jeder wo dein letzter Pickel war, wann du ihn aufgedrückt hast, wer live dabei sein konnte und was für Kommentare deine Zuschauer abgelassen haben. Grauslich!
Heute diskutiert man über einen Videobeweis, Torlinientechnik, Chip im Ball.
Früher gab es einen Schiedsrichter und zwei Linienrichter und fertig. Da brauchte es keinen vierten Offiziellen oder, wie bei CL- oder EL-Spielen, noch zwei Torrichter. Wir wussten, wann der Ball im Tor war. Nämlich dann, wenn der Schiri mit ausgestrecktem Arm zur Mittellinie zeigte. Sollte er das nicht gemacht haben und der Ball war trotzdem im Tor, dann kam es zur heute sogenannten Rudelbildung und alle zweiundzwanzig Spieler und vielleicht auch noch Trainer und andere Funktionäre standen auf dem Platz und belagerten vehement den Mann in schwarz. In schwarz! Nicht in kanariengelb oder in babyar‘schblau. Von den Zuschauerrängen wurde gepfiffen und gebuht, mal ging der ein oder andere Regenschirm kaputt, jedoch ging es meistens fair zu. Auch schon vor dem Spiel war es fair, ohne verhöhnende Plakate und Beleidigungen.
Früher, was waren das für tolle Spiele des 1. FCK in der Bundesliga, im Europapokal, in der Champions League. Manche erinnern sich sicherlich an diese Zeit. An Spiele, wie das legendäre 5:0 gegen Real Madrid oder das 3:1 gegen Barcelona, auch wenn letzteres leider nicht positiv für unseren Club geendet hatte. Das Bild der „brennenden Westtribüne“ hat sich in die Gedächtnisse vieler Fußballfans eingebrannt, nicht nur in Kaiserslautern oder Deutschland, nein, im gesamten europäischen Raum!
Mann, Mann, Mann, das waren Zeiten, Emotionen! Das waren Gefühle, als ob du auf dem Kettenkarussell deinen Vordermann überholst.
Die Europakarte des FCK hat Einstecknadeln in den bekannten Orten Göteborg, Amsterdam, Reykjavik, Lüttich, Sevilla, Prag, Belgrad, Lissabon. Dazu gab es Orte, die musst du aber erst auf einer Landkarte suchen und finden, das sind so unbekannte Namen wie Paralimni, Akranes, Diósgyör.
Und heute? Hören wir damit auf, von regenbogenfarbenfurzenden Einhörnern zu träumen und stellen uns der Realität, im hier und jetzt. Wir spielen nur noch biederen Zweitligafußball in Orten, die man zum Teil auch erst einmal auf einer Deutschlandkarte finden muss. Die Reisen gehen oder gingen in grauer Zweitligazeit nach Würzburg, Aue, Kiel, Regensburg, Gütersloh, Meppen. Das ist so und nicht zu ändern! Vielleicht irgendwann? Für manche hänge ich in der Vergangenheit, das mag sein. Aber sind es nicht gerade die schönen Momente, an die wir uns alle gerne erinnern? Streben, Hoffen, Bangen wir deshalb nicht jedes Jahr, dass dieses Jahr alles besser wird?
Während einige noch verzweifelt alle Werbefirmen suchen, wundere ich mich über die Tatsache: Wenn doch in 1999 die Umstellung auf Euro erfolgte, warum gibt es dann immer noch Tomatenmark?
Die Kollegen der Couch beschäftigen sich mit anderen Themen und teilen diese, wie früher, immer pünktlich, an Freitagen um 12.00 Uhr, in diesem Forum. Kostenlos, aber nicht umsonst!
11.08.2017 - 10:41 Uhr
Jahrgang 8, Ausgabe 3: Eintritt ins monetäre Perversum
Aktuell gibt es in der Tat viele Dinge, über die man in Deutschland und der Welt diskutieren kann. Weil unsere Couch jedoch bis auf die unangenehm riechenden Fürze der Couchisten keine Abgase ausstößt und einem der nukleare Pavianhügel von Donald und Kim mächtig Angst einjagen kann, entführe ich euch lieber in die uns bestens bekannte Parallelwelt des Fußballs. In dieser leuchtet seit letzter Woche in fetten Neonziffern die Zahl 800.000.000 an der Fassade des Transfer-Puffs. So viel soll der Neymar-Deal im Gesamtpaket kosten - Euro nicht Rupien wohlgemerkt. Das sind mehr Nullen im Betrag als bei so manchem Kreisliga-Absteiger in der Mannschaft. 800.000.000 € sind umgerechnet ca. 228.571.429 Pferdefrikadellen beim Härting. Eine Unsumme, auch ohne Brötchen.
Es ist klar, dass angesichts dieser Zahl ziemlich schnell recht heftige Debatten vor dem nunmehr hell illuminierten Bordell de Foot entbrannten. Jeder wollte und konnte irgendwie seinen Senf dazu geben, egal ob Fußballkenner, Wirtschaftswissenschaftler, Menschenrechtler, Politiker oder Philosophen – kaum eine Expertengattung hatte keine Meinung zu dem, was hier im finanziellen Bermuda-Dreieck zwischen Barcelona, Paris und Abu Dhabi passierte. Währenddessen standen in der Ankunftshalle des kleinen Pariser „Aéroport Le Bourget“ freudenstrahlende „Flughafen-Klatscher“, die sich noch schnell mit einem feschen Neymar-Trikot eingedeckt hatten. Reißt zwar ein Loch ins monatliche Sozialhilfebudget, aber für so einen geilen Typen kann man auch mal drei Wochen lang Nudeln mit Butter essen. Und wehe man kritisiert diesen Deal und die damit einhergehende nahezu messianische Inszenierung. In diesem Fall bekommt man ganz schnell eins mit der Neidkeule auf die Birne gehauen.
Der Neid ist übrigens ein ganz tolles Totschlagargument: Erst prügelt es jenem, der es benutzt, die letzten Intelligenz-Überbleibsel aus dem Schädel, bevor es dem Beschuldigten mit fiesem Grinsen die Diskussionsgrundlage zuschleimt. Angriff auf die moralische Integrität des Kritikers, damit man sein eigenes unmoralisches Gedankengut nicht mehr mit Ausdauer und Gehirnschmalz rechtfertigen und vielleicht sogar überdenken muss. Das ist die Taktik der kommerzhörigen Heroen, die in den Kommentarspalten der Nation ihren Kampf für den Kapital-Darwinismus führen. Wenn man richtiges Pech hat, kann man unter den Verfechtern des Transfers allerdings auch an Fanboys mit exotischen Vornamen geraten, die erst gar keine Argumente bemühen. Sie gleichen ihre mangelnden Kenntnisse in der Rechtschreibung in der Regel mit einem reichen Fundus an persönlichen Beleidigungen aus und nehmen das mit der Keule und dem Schlagen eher wörtlich als symbolisch.
Vielen Persönlichkeiten, die u.a. auch direkt dem Fußballgeschäft entstammen, sehen den Neymar-Deal mit Sorge. Es scheint fast so, als ob man den Ballschrank der Pandora nach jahrelangem Rütteln und Ziehen letztendlich aufgekriegt hat und keiner weiß so genau, was einem aus dem dunklen Inneren entgegenstürzen wird. Einen Vorgeschmack bekommen wir in Form der Ablösesummen, die seit dem Transfer gehandelt werden. Jeder halbwegs vernünftige Kicker scheint mindestens 50 Millionen kosten zu müssen und so manch ein Spieler-Berater-Duo gebiert sich vor lauter Wechselgeilheit wie die Axt im Walde. Dass PSG die „Financial Fair Play“-Regelung offensichtlich umgangen hat, rückt dabei schon wieder in den Hintergrund, aber es zeigt welch zahnloser Tiger die UEFA im Angesicht von Scheichs und Oligarchen ist. Merke: Nur ein Dummkopf pinkelt in seinen eigenen Sponsoren-Pool.
Abseits der unanständigen Transfersumme muss man sich auch ein paar grundsätzliche Fragen bezüglich des unanständigen Soldes stellen: Warum muss ein Mensch mehr verdienen als er und seine Angehörigen in einem entspannten Leben ausgeben und gesellschaftlich sinnvoll investieren können? Darf so etwas sein, wenn es auf dem Globus gleichzeitig so viel Not und Elend gibt? Sollten wir vielleicht nicht doch ein wenig den moralischen Zeigefinger heben, auch wenn wir als Fußball-Fans selbst Teil dieses Schmierentheaters sind? Haben wir vielleicht sogar die Pflicht dazu, damit unser geliebter Sport nicht vollends vor die Hunde geht? Wir befinden uns mittlerweile weit außerhalb der Sphären, wo es um Existenz- oder Wohlstandssicherung für Fußballer in Rente geht. Nein, mit reichlich Kohle in der Rakete, sind wir mittlerweile tief ins Perversum vorgedrungen. Ein Volkssport, ein Massenphänomen wie Fußball, ist zwingerdermaßen auch ein Abbild der Gesellschaft, das sollte uns zu denken geben.
Einer freut sich allerdings und hat dies auch schon öffentlich Kund getan: Der Hüter der französischen Staatschulden in Person des Finanzministers. Dieser rieb sich nach Verkündung des Transfers gleich hoffnungsvoll die Hände, sah er doch jede Menge Steuer-Euros in seine Schatulle rieseln. Anscheinend kennt er sein eigenes Steuerrecht nur unzureichend. Die ansonsten recht sozialistisch geprägte Republik sichert zugezogenen Personen nämlich zunächst ein paar steuerliche Erleichterungen zu, auf die Neymar und seine Anwälte aus moralischen Gründen bestimmt vollumfänglich verzichten werden.
Empören, ärgern, aufregen… das wäre ein schlechtes Ende für ein Couching, weshalb es jetzt noch etwas zur Besänftigung braucht. Hier empfiehlt sich ein Blick auf das nächste Paarung unseres Herzensvereins. Der 1. FC Kaiserslautern, Traum unserer schlaflosen Nächte, spielt im hohen Norden gegen die Kicker vom SV Eichede. Das ist ganz weit weg von PSG und vergoldeten Supersportwagen. Das ist erste Runde DFB-Pokal in Reinform. Wenn man ganz intensiv am Spielplan schnuppert, kann man sogar ein wenig umgewühlten Rasen und Vereinsheim riechen. Hier trifft ein Lizensspielerkader-Budget in Höhe von drei neymarschen Monatsgehältern auf eine Mannschaft, deren Marktwert mit 0 € angegeben ist. Die Kräfteverhältnisse sind hier zwar ebenfalls eindeutig gelagert, aber so manch ein vermeintlicher Underdog hat im Pokal den Großen schon ein schmerzhaftes Bein stellen können. In unserem Fall hoffen wir natürlich nicht darauf, die paar zusätzlichen Euros fürs Weiterkommen kann der FCK nämlich gut gebrauchen. Stolpern dürfen an diesem Wochenende deshalb gerne die anderen.
Wem das Pokalspiel zur Erdung noch nicht reicht, der kann am Sonntag auch zum Sportplatz um die Ecke gehen und seinen Dorfverein unterstützen. Wer sich dabei außerdem ein kühles Bierchen und eine saftige Bratwurst oder Kaffee und Kuchen genehmigt, tut in den meisten Fällen auch noch der Jugendarbeit vor Ort etwas Gutes. Darüber, dass selbst hier schon Ablösen und Gehälter gezahlt werden, hüllen wir an dieser Stelle des Trikot des Schweigens.
In diesem Sinne!
Ba beneen
Butduma
Auf der Couch werden keine Ablösesummen bezahlt und die ethisch-moralischen Grundwerte sind komplett intakt. Aus diesem Grund wird auch meistens pünktlich das neuste Couching geliefert.
Aktuell gibt es in der Tat viele Dinge, über die man in Deutschland und der Welt diskutieren kann. Weil unsere Couch jedoch bis auf die unangenehm riechenden Fürze der Couchisten keine Abgase ausstößt und einem der nukleare Pavianhügel von Donald und Kim mächtig Angst einjagen kann, entführe ich euch lieber in die uns bestens bekannte Parallelwelt des Fußballs. In dieser leuchtet seit letzter Woche in fetten Neonziffern die Zahl 800.000.000 an der Fassade des Transfer-Puffs. So viel soll der Neymar-Deal im Gesamtpaket kosten - Euro nicht Rupien wohlgemerkt. Das sind mehr Nullen im Betrag als bei so manchem Kreisliga-Absteiger in der Mannschaft. 800.000.000 € sind umgerechnet ca. 228.571.429 Pferdefrikadellen beim Härting. Eine Unsumme, auch ohne Brötchen.
Es ist klar, dass angesichts dieser Zahl ziemlich schnell recht heftige Debatten vor dem nunmehr hell illuminierten Bordell de Foot entbrannten. Jeder wollte und konnte irgendwie seinen Senf dazu geben, egal ob Fußballkenner, Wirtschaftswissenschaftler, Menschenrechtler, Politiker oder Philosophen – kaum eine Expertengattung hatte keine Meinung zu dem, was hier im finanziellen Bermuda-Dreieck zwischen Barcelona, Paris und Abu Dhabi passierte. Währenddessen standen in der Ankunftshalle des kleinen Pariser „Aéroport Le Bourget“ freudenstrahlende „Flughafen-Klatscher“, die sich noch schnell mit einem feschen Neymar-Trikot eingedeckt hatten. Reißt zwar ein Loch ins monatliche Sozialhilfebudget, aber für so einen geilen Typen kann man auch mal drei Wochen lang Nudeln mit Butter essen. Und wehe man kritisiert diesen Deal und die damit einhergehende nahezu messianische Inszenierung. In diesem Fall bekommt man ganz schnell eins mit der Neidkeule auf die Birne gehauen.
Der Neid ist übrigens ein ganz tolles Totschlagargument: Erst prügelt es jenem, der es benutzt, die letzten Intelligenz-Überbleibsel aus dem Schädel, bevor es dem Beschuldigten mit fiesem Grinsen die Diskussionsgrundlage zuschleimt. Angriff auf die moralische Integrität des Kritikers, damit man sein eigenes unmoralisches Gedankengut nicht mehr mit Ausdauer und Gehirnschmalz rechtfertigen und vielleicht sogar überdenken muss. Das ist die Taktik der kommerzhörigen Heroen, die in den Kommentarspalten der Nation ihren Kampf für den Kapital-Darwinismus führen. Wenn man richtiges Pech hat, kann man unter den Verfechtern des Transfers allerdings auch an Fanboys mit exotischen Vornamen geraten, die erst gar keine Argumente bemühen. Sie gleichen ihre mangelnden Kenntnisse in der Rechtschreibung in der Regel mit einem reichen Fundus an persönlichen Beleidigungen aus und nehmen das mit der Keule und dem Schlagen eher wörtlich als symbolisch.
Vielen Persönlichkeiten, die u.a. auch direkt dem Fußballgeschäft entstammen, sehen den Neymar-Deal mit Sorge. Es scheint fast so, als ob man den Ballschrank der Pandora nach jahrelangem Rütteln und Ziehen letztendlich aufgekriegt hat und keiner weiß so genau, was einem aus dem dunklen Inneren entgegenstürzen wird. Einen Vorgeschmack bekommen wir in Form der Ablösesummen, die seit dem Transfer gehandelt werden. Jeder halbwegs vernünftige Kicker scheint mindestens 50 Millionen kosten zu müssen und so manch ein Spieler-Berater-Duo gebiert sich vor lauter Wechselgeilheit wie die Axt im Walde. Dass PSG die „Financial Fair Play“-Regelung offensichtlich umgangen hat, rückt dabei schon wieder in den Hintergrund, aber es zeigt welch zahnloser Tiger die UEFA im Angesicht von Scheichs und Oligarchen ist. Merke: Nur ein Dummkopf pinkelt in seinen eigenen Sponsoren-Pool.
Abseits der unanständigen Transfersumme muss man sich auch ein paar grundsätzliche Fragen bezüglich des unanständigen Soldes stellen: Warum muss ein Mensch mehr verdienen als er und seine Angehörigen in einem entspannten Leben ausgeben und gesellschaftlich sinnvoll investieren können? Darf so etwas sein, wenn es auf dem Globus gleichzeitig so viel Not und Elend gibt? Sollten wir vielleicht nicht doch ein wenig den moralischen Zeigefinger heben, auch wenn wir als Fußball-Fans selbst Teil dieses Schmierentheaters sind? Haben wir vielleicht sogar die Pflicht dazu, damit unser geliebter Sport nicht vollends vor die Hunde geht? Wir befinden uns mittlerweile weit außerhalb der Sphären, wo es um Existenz- oder Wohlstandssicherung für Fußballer in Rente geht. Nein, mit reichlich Kohle in der Rakete, sind wir mittlerweile tief ins Perversum vorgedrungen. Ein Volkssport, ein Massenphänomen wie Fußball, ist zwingerdermaßen auch ein Abbild der Gesellschaft, das sollte uns zu denken geben.
Einer freut sich allerdings und hat dies auch schon öffentlich Kund getan: Der Hüter der französischen Staatschulden in Person des Finanzministers. Dieser rieb sich nach Verkündung des Transfers gleich hoffnungsvoll die Hände, sah er doch jede Menge Steuer-Euros in seine Schatulle rieseln. Anscheinend kennt er sein eigenes Steuerrecht nur unzureichend. Die ansonsten recht sozialistisch geprägte Republik sichert zugezogenen Personen nämlich zunächst ein paar steuerliche Erleichterungen zu, auf die Neymar und seine Anwälte aus moralischen Gründen bestimmt vollumfänglich verzichten werden.
Empören, ärgern, aufregen… das wäre ein schlechtes Ende für ein Couching, weshalb es jetzt noch etwas zur Besänftigung braucht. Hier empfiehlt sich ein Blick auf das nächste Paarung unseres Herzensvereins. Der 1. FC Kaiserslautern, Traum unserer schlaflosen Nächte, spielt im hohen Norden gegen die Kicker vom SV Eichede. Das ist ganz weit weg von PSG und vergoldeten Supersportwagen. Das ist erste Runde DFB-Pokal in Reinform. Wenn man ganz intensiv am Spielplan schnuppert, kann man sogar ein wenig umgewühlten Rasen und Vereinsheim riechen. Hier trifft ein Lizensspielerkader-Budget in Höhe von drei neymarschen Monatsgehältern auf eine Mannschaft, deren Marktwert mit 0 € angegeben ist. Die Kräfteverhältnisse sind hier zwar ebenfalls eindeutig gelagert, aber so manch ein vermeintlicher Underdog hat im Pokal den Großen schon ein schmerzhaftes Bein stellen können. In unserem Fall hoffen wir natürlich nicht darauf, die paar zusätzlichen Euros fürs Weiterkommen kann der FCK nämlich gut gebrauchen. Stolpern dürfen an diesem Wochenende deshalb gerne die anderen.
Wem das Pokalspiel zur Erdung noch nicht reicht, der kann am Sonntag auch zum Sportplatz um die Ecke gehen und seinen Dorfverein unterstützen. Wer sich dabei außerdem ein kühles Bierchen und eine saftige Bratwurst oder Kaffee und Kuchen genehmigt, tut in den meisten Fällen auch noch der Jugendarbeit vor Ort etwas Gutes. Darüber, dass selbst hier schon Ablösen und Gehälter gezahlt werden, hüllen wir an dieser Stelle des Trikot des Schweigens.
In diesem Sinne!
Ba beneen
Butduma
Auf der Couch werden keine Ablösesummen bezahlt und die ethisch-moralischen Grundwerte sind komplett intakt. Aus diesem Grund wird auch meistens pünktlich das neuste Couching geliefert.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Butduma am 11.08.2017 um 10:44 Uhr bearbeitet
15.08.2017 - 08:21 Uhr
Zitat von Butduma
Bahli hat ja schon ausführlich und durchaus richtig geantwortet: Ich wollte mit der bewusst überspitzten Darstellung die Diskrepanz aufzeigen, die mittlerweile zwischen Fans und Stars herrscht. Dabei wirft der nicht immer finanziell gesegnete Fan, dem total überhöhten Superstar bzw. dieser perversen Machinerie auch noch seine Euros in den Rachen.
Zitat von nordishLautrer
Da standen also nur Sozialhilfe-Empfänger? Und die hatten dann auch alle ein 150 Euro Neymar-Trikot an?
Nun denn ... ich lese hier gerne mit, aber diese Passage wollte ich dann doch mal leicht kritisieren.
Zitat von Butduma
Währenddessen standen in der Ankunftshalle des kleinen Pariser „Aéroport Le Bourget“ freudenstrahlende „Flughafen-Klatscher“, die sich noch schnell mit einem feschen Neymar-Trikot eingedeckt hatten. Reißt zwar ein Loch ins monatliche Sozialhilfebudget, aber für so einen geilen Typen kann man auch mal drei Wochen lang Nudeln mit Butter essen.
Währenddessen standen in der Ankunftshalle des kleinen Pariser „Aéroport Le Bourget“ freudenstrahlende „Flughafen-Klatscher“, die sich noch schnell mit einem feschen Neymar-Trikot eingedeckt hatten. Reißt zwar ein Loch ins monatliche Sozialhilfebudget, aber für so einen geilen Typen kann man auch mal drei Wochen lang Nudeln mit Butter essen.
Da standen also nur Sozialhilfe-Empfänger? Und die hatten dann auch alle ein 150 Euro Neymar-Trikot an?
Nun denn ... ich lese hier gerne mit, aber diese Passage wollte ich dann doch mal leicht kritisieren.
Bahli hat ja schon ausführlich und durchaus richtig geantwortet: Ich wollte mit der bewusst überspitzten Darstellung die Diskrepanz aufzeigen, die mittlerweile zwischen Fans und Stars herrscht. Dabei wirft der nicht immer finanziell gesegnete Fan, dem total überhöhten Superstar bzw. dieser perversen Machinerie auch noch seine Euros in den Rachen.
Schon verstanden. Und es ist mir auch klar, dass wir bezüglich Einkommen im Vergleich zu Neymar alle "Sozialhilfeempfänger" sind. Dennoch finde ich, dass dein Bild unpassend ist. Denn es stellt Sozialhilfeempfänger als Deppen dar, die ihren letzten Groschen für ein Neymar-Leibchen geben. Das stimmt zum Teil sicher. Aber es übersieht, dass es auch zahlreiche Mittelklassehaushalte gibt, die das mitmachen und das kranke System unterstützen.
Will sagen: Das "Sozialhilfeempfänger" unterteilt die Klatschpappen in "schlechte" (die 3 Wochen Nudeln mit Butter essen) und normale Deppen. Dabei sind doch alle "Flughafen-Klatscher" hirnlose Jünger des Gottes Mammon - hier in Person seines Sohnes, des heiligen Geldemirs von Katar.
Aber ich möchte darüber auch kein Fass aufmachen. Wollts nur kurz anmerken.
Post-Optionen
Den kompletten Thread wirklich löschen?
Paten-Optionen
Möchtest Du den Beitrag wirklich löschen?
Diesen Beitrag alarmieren
Diesen Beitrag alarmieren
Diesen Beitrag alarmieren
Lesezeichen
Abonnierte Threads
Guter Beitrag
Guter Beitrag
Guter Beitrag
Post-Optionen
Nutze die Thread-Suche, wenn Du diesen Post in einen anderen Thread verschieben möchtest. Drücke Thread erstellen, wenn aus diesem Post ein eigenständiger Thread werden soll.



