Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
24.02.2012 - 13:00 Uhr
Ein Doppeltreffer wäre mir zwar lieber, aber ein Doppelcouching ist auch nicht schlecht.
Grosses Lob an beide - wobei mir der Abschnitt "über das Leben" sattsam bekannt vorkommt.
Und bevor ich ähnliches berichte, schliesse ich mich doch einfach dem berühmten letzten Wort von Karl-Theodor zu Guttenberg an: "Meins".
Grosses Lob an beide - wobei mir der Abschnitt "über das Leben" sattsam bekannt vorkommt.
Und bevor ich ähnliches berichte, schliesse ich mich doch einfach dem berühmten letzten Wort von Karl-Theodor zu Guttenberg an: "Meins".
25.02.2012 - 11:39 Uhr
Wenn man krank im Bett liegt, wirkt ein Doppelcouching scheinbar Wunder. Nach dem Lesen steht mir der Sinn weder nach Nasentropfen, Taschentüchern noch Aspirin. Ich will den FCK sehen - und zwar gleich!
Jungs, danke!
Cheers aus dem Lazarett
Bahli
Jungs, danke!
Cheers aus dem Lazarett
Bahli
25.02.2012 - 12:37 Uhr
Chapeau, messieurs!
Berti, Deine Zeilen haben viele tief vergrabene Emotionen geweckt. Gefühle der Verbundenheit zu einem Verein und seinen Fans, die alle negativen Entwicklungen der letzten Zeit klein und nichtig erscheinen lassen.
Meinen herzlichen Dank für diese brillanten Ausführungen!
Berti, Deine Zeilen haben viele tief vergrabene Emotionen geweckt. Gefühle der Verbundenheit zu einem Verein und seinen Fans, die alle negativen Entwicklungen der letzten Zeit klein und nichtig erscheinen lassen.
Meinen herzlichen Dank für diese brillanten Ausführungen!
25.02.2012 - 21:43 Uhr
Im Sinne dieser Kolumne und in Anbetracht einerseits der Sportschau und der Übertragung der Pressekonferenz möchte ich hier nur mal klar stellen, dass ich den Trainer nach dem Spiel nicht persönlich beleidigt habe. Ich habe ihm gesagt, dass wir in Mainz schon mal 3:0 zur Halbzeit hinten lagen, aber am Ende der Saison erstklassig waren. Aber heute nicht, das war nichts! Er hat zugestimmt.
26.02.2012 - 17:54 Uhr
Jahrgang 2 - Sonderausgabe: Der Tag danach - Versuch einer persönlichen Bilanz
Brutale Realität
Irren sei menschlich, so wussten schon die alten Römer zu berichten. Das hilft mir aber herzlich wenig. Wer mein Verhältnis zum FCK kennt, wer meine Zeilen in der "Couchingzone" vor dem Spiel gelesen hat, der weiß, dass der Aufschlag auch für mich schmerzlich war. Denn die Mannschaft hat uns gestern vollständig im Stich gelassen. Ich war fassungslos, denn das war ein Schock. Nicht mehr und nicht weniger. Oft sind es eben die Situationen die einen besonders heftig treffen, die man nicht kommen sieht. Und das vor allem hat mich gestern so angefressen. Ich bin bis zum aktuellen Spieltag der Meinung gewesen, Marco Kurz, dessen ruhige und sachliche Art ich nach wie vor schätze, sei der richtige Trainer für den FCK und mit diesen Spielern könne es vermutlich ohnehin keiner besser machen. Zudem hat Kurz ja auch im letzten Jahr bewiesen, dass es mit Ruhe im Umfeld auch zur Wende kommen kann. Und, dass es dieses Jahr eng werden würde, wussten wir schließlich alle bereits zum Start der Saison. Was gestern zutage trat war jedoch der totale Bruch. Ein Bruch zwischen Trainer und Team. Ein Bruch zwischen Trainer und Kapitän. Ein Bruch zwischen Kapitän und Mannschaft. Die Leistung war ein Offenbarungseid. Und wie der Name schon sagt, so eine "Leistung" ist eben auch eine Offenbarung. Dieser offenkundige Bruch ist nach meiner Einschätzung nicht zu heilen. Deshalb bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass Marco Kurz nicht mehr Trainer des 1. FC Kaiserslautern sein sollte. Und deshalb sollte er so schnell wie möglich gehen. Ich schätze ihn menschlich so ein, dass er das Format hat, im Zweifel zurückzutreten. Aber sieht er die Situation so, wie sie sich von außen darstellt? Kaum. Druck von außen kann zusammenschweißen aber er heilt die Brüche nicht.
Vom Recht auf Veränderung
Wer nun zurecht anmerkt, dass der gute Berti immer Ruhe angemahnt hat und darauf verweist, dass er ebenfalls auch Marco Kurz das Wort geredet habe, dem sei zunächst einmal eingeräumt, dass er da richtig liegt. Bin ich deshalb ein Opportunist? Sind diejenigen, die ihren Standpunkt hier so plötzlich ändern Opportunisten die "ihr Fähnchen nach dem Wind hängen"? Nein. Ich kann da natürlich nur für mich sprechen, aber das glaube ich kaum. Ich würde vielmehr sagen, dass mir die allgemeine Stimmung bei meiner Meinungsbildung eher egal ist. Wenn ich der Meinung bin, dass etwas richtig ist, dann vertrete ich das gewöhnlich auch. So habe ich es seit den Tagen von Gerets in diesem Forum hier gehalten und so werde ich es auch weiter tun. Warum aber so plötzlich? Nun die Antwort ist einfach. Der Positionswechsel kommt genauso plötzlich und hart wie die Erkenntnis. Wer bisher geglaubt hat, dass im Grundsatz eigentlich alles in der Struktur in Ordnung ist, der muss seit gestern einen anderen Blick auf die Dinge haben. Denn da stimmt offensichtlich gar nichts. Vogelwild, ohne Konzept, ohne erkennbare Linie ist die Mannschaft gestern in Mainz untergegangen. Das war eines Erstligisten unwürdig. Und ließ alles vermissen, was die Fähigkeit belegen könnte, den drohenden Abstieg noch zu verhindern. Nebenbei legt es den schändlichen Verdacht nahe, das einige in der Truppe offen gegen den Trainer spielen. Unfassbar eigentlich. Das nutzt nun aber nichts. Denn ungeschehen machen kann man in dieser Welt gar nichts. Wenn man die Botschaft denn nun nicht rückgängig machen kann, was macht denn dann damit?
Mit Blick für die Zukunft
Vor allem sollten wir die Botschaft hören. Denn noch ist nichts zu spät. Ich bin nicht Fußballexperte genug, um wirklich sagen zu können, welcher Trainer uns jetzt da herausbringen kann, aber ich weiß genug über die Prozesse der Gruppendynamik um zu wissen, dass es mit diesem Trainer nicht mehr weitergehen kann. Das alles erinnert doch fatal an die Situation von Gladbach im letzten Jahr. Das beinahe unendliche Festhalten an Michael Frontzek hätte die Fohlen beinahe Kopf und Kragen gekostet. Erst der Wechsel zu Favre brachte die Wende. Wenn auch nicht sofort. Deshalb ist die Zeit jetzt ein kostbares Gut. Nun lassen sich solche Prozesse wie die in Gladbach nicht einfach kopieren. Aber ignorieren hilft da eben auch nicht. Der neue Mann sollte eine breite Brust mitbringen. Medial präsent sein und damit in der Lage, die Mannschaft aus der Schusslinie zu nehmen. Aber ein Favre ist nicht auf dem Markt fürchte ich. Ein Trainer wie Rangnick ist für den FCK nicht zu haben und ob es Stanislawski besser kann als Kurz vermag ich nicht zu sagen. Bleiben noch Foda, der aber schon einmal abgesagt hat und Sforza, der aber eigentlich erst zum Sommer frei wird. Der Mannschaft wird mit einem neuen Trainer aber nicht nur die Chance auf den vollständigen Neustart gegeben, sondern ihr werden auch alle Alibis genommen. Denn es ist die Mannschaft, die regelmäßig solche Leistungen abliefert wie wir sie seit Wochen beobachten dürfen. Und es ist eben nicht der Trainer der von ihnen verlangt, auf dem Platz die Tore zu verschenken oder Niederlagen zur Kunstform auszubauen. Es gibt übrigens einen weiteren Bruch, den ich bisher noch gar nicht erwähnt habe. Den zwischen Trainer und Fans. Es ist unübersehbar, dass der Rückhalt für Marco Kurz auch in unseren Reihen schwindet und das obwohl die Fans in den letzten Wochen sehr viel Geduld bewiesen haben, wie ich finde. Bringen wir es doch mal auf den Punkt: In welchem Umfeld welchen Vereins wäre es denn nach einer so langen Serie von Spielen ohne Sieg so verhältnismäßig ruhig geblieben wie bei uns? Und trotzdem ist es nicht so, dass ich Marco Kurz gern davonjagen würde. Dieser Mann hat einiges für den FCK geleistet. Und ich finde er passt zu uns. Trotzdem muss er gehen. Und das wird aller Voraussicht nach doch auch geschehen. Denn Stefan Kuntz hat jetzt schon mehrfach bewiesen, dass er für den FCK entscheidet. Und er ist im Gegensatz zu mir ein Fußballfachmann. Er wird also handeln. Egal was er jetzt öffentlich sagt. Darauf verlasse ich mich auch weiterhin, denn ich liebe diesen Verein, was bleibt mir da anderes übrig?
Bis dahin.
Gruß Berti
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Brutale Realität
Irren sei menschlich, so wussten schon die alten Römer zu berichten. Das hilft mir aber herzlich wenig. Wer mein Verhältnis zum FCK kennt, wer meine Zeilen in der "Couchingzone" vor dem Spiel gelesen hat, der weiß, dass der Aufschlag auch für mich schmerzlich war. Denn die Mannschaft hat uns gestern vollständig im Stich gelassen. Ich war fassungslos, denn das war ein Schock. Nicht mehr und nicht weniger. Oft sind es eben die Situationen die einen besonders heftig treffen, die man nicht kommen sieht. Und das vor allem hat mich gestern so angefressen. Ich bin bis zum aktuellen Spieltag der Meinung gewesen, Marco Kurz, dessen ruhige und sachliche Art ich nach wie vor schätze, sei der richtige Trainer für den FCK und mit diesen Spielern könne es vermutlich ohnehin keiner besser machen. Zudem hat Kurz ja auch im letzten Jahr bewiesen, dass es mit Ruhe im Umfeld auch zur Wende kommen kann. Und, dass es dieses Jahr eng werden würde, wussten wir schließlich alle bereits zum Start der Saison. Was gestern zutage trat war jedoch der totale Bruch. Ein Bruch zwischen Trainer und Team. Ein Bruch zwischen Trainer und Kapitän. Ein Bruch zwischen Kapitän und Mannschaft. Die Leistung war ein Offenbarungseid. Und wie der Name schon sagt, so eine "Leistung" ist eben auch eine Offenbarung. Dieser offenkundige Bruch ist nach meiner Einschätzung nicht zu heilen. Deshalb bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass Marco Kurz nicht mehr Trainer des 1. FC Kaiserslautern sein sollte. Und deshalb sollte er so schnell wie möglich gehen. Ich schätze ihn menschlich so ein, dass er das Format hat, im Zweifel zurückzutreten. Aber sieht er die Situation so, wie sie sich von außen darstellt? Kaum. Druck von außen kann zusammenschweißen aber er heilt die Brüche nicht.
Vom Recht auf Veränderung
Wer nun zurecht anmerkt, dass der gute Berti immer Ruhe angemahnt hat und darauf verweist, dass er ebenfalls auch Marco Kurz das Wort geredet habe, dem sei zunächst einmal eingeräumt, dass er da richtig liegt. Bin ich deshalb ein Opportunist? Sind diejenigen, die ihren Standpunkt hier so plötzlich ändern Opportunisten die "ihr Fähnchen nach dem Wind hängen"? Nein. Ich kann da natürlich nur für mich sprechen, aber das glaube ich kaum. Ich würde vielmehr sagen, dass mir die allgemeine Stimmung bei meiner Meinungsbildung eher egal ist. Wenn ich der Meinung bin, dass etwas richtig ist, dann vertrete ich das gewöhnlich auch. So habe ich es seit den Tagen von Gerets in diesem Forum hier gehalten und so werde ich es auch weiter tun. Warum aber so plötzlich? Nun die Antwort ist einfach. Der Positionswechsel kommt genauso plötzlich und hart wie die Erkenntnis. Wer bisher geglaubt hat, dass im Grundsatz eigentlich alles in der Struktur in Ordnung ist, der muss seit gestern einen anderen Blick auf die Dinge haben. Denn da stimmt offensichtlich gar nichts. Vogelwild, ohne Konzept, ohne erkennbare Linie ist die Mannschaft gestern in Mainz untergegangen. Das war eines Erstligisten unwürdig. Und ließ alles vermissen, was die Fähigkeit belegen könnte, den drohenden Abstieg noch zu verhindern. Nebenbei legt es den schändlichen Verdacht nahe, das einige in der Truppe offen gegen den Trainer spielen. Unfassbar eigentlich. Das nutzt nun aber nichts. Denn ungeschehen machen kann man in dieser Welt gar nichts. Wenn man die Botschaft denn nun nicht rückgängig machen kann, was macht denn dann damit?
Mit Blick für die Zukunft
Vor allem sollten wir die Botschaft hören. Denn noch ist nichts zu spät. Ich bin nicht Fußballexperte genug, um wirklich sagen zu können, welcher Trainer uns jetzt da herausbringen kann, aber ich weiß genug über die Prozesse der Gruppendynamik um zu wissen, dass es mit diesem Trainer nicht mehr weitergehen kann. Das alles erinnert doch fatal an die Situation von Gladbach im letzten Jahr. Das beinahe unendliche Festhalten an Michael Frontzek hätte die Fohlen beinahe Kopf und Kragen gekostet. Erst der Wechsel zu Favre brachte die Wende. Wenn auch nicht sofort. Deshalb ist die Zeit jetzt ein kostbares Gut. Nun lassen sich solche Prozesse wie die in Gladbach nicht einfach kopieren. Aber ignorieren hilft da eben auch nicht. Der neue Mann sollte eine breite Brust mitbringen. Medial präsent sein und damit in der Lage, die Mannschaft aus der Schusslinie zu nehmen. Aber ein Favre ist nicht auf dem Markt fürchte ich. Ein Trainer wie Rangnick ist für den FCK nicht zu haben und ob es Stanislawski besser kann als Kurz vermag ich nicht zu sagen. Bleiben noch Foda, der aber schon einmal abgesagt hat und Sforza, der aber eigentlich erst zum Sommer frei wird. Der Mannschaft wird mit einem neuen Trainer aber nicht nur die Chance auf den vollständigen Neustart gegeben, sondern ihr werden auch alle Alibis genommen. Denn es ist die Mannschaft, die regelmäßig solche Leistungen abliefert wie wir sie seit Wochen beobachten dürfen. Und es ist eben nicht der Trainer der von ihnen verlangt, auf dem Platz die Tore zu verschenken oder Niederlagen zur Kunstform auszubauen. Es gibt übrigens einen weiteren Bruch, den ich bisher noch gar nicht erwähnt habe. Den zwischen Trainer und Fans. Es ist unübersehbar, dass der Rückhalt für Marco Kurz auch in unseren Reihen schwindet und das obwohl die Fans in den letzten Wochen sehr viel Geduld bewiesen haben, wie ich finde. Bringen wir es doch mal auf den Punkt: In welchem Umfeld welchen Vereins wäre es denn nach einer so langen Serie von Spielen ohne Sieg so verhältnismäßig ruhig geblieben wie bei uns? Und trotzdem ist es nicht so, dass ich Marco Kurz gern davonjagen würde. Dieser Mann hat einiges für den FCK geleistet. Und ich finde er passt zu uns. Trotzdem muss er gehen. Und das wird aller Voraussicht nach doch auch geschehen. Denn Stefan Kuntz hat jetzt schon mehrfach bewiesen, dass er für den FCK entscheidet. Und er ist im Gegensatz zu mir ein Fußballfachmann. Er wird also handeln. Egal was er jetzt öffentlich sagt. Darauf verlasse ich mich auch weiterhin, denn ich liebe diesen Verein, was bleibt mir da anderes übrig?
Bis dahin.
Gruß Berti
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
27.02.2012 - 15:00 Uhr
Zitat
Was gestern zutage trat war jedoch der totale Bruch. Ein Bruch zwischen Trainer und Team. Ein Bruch zwischen Trainer und Kapitän. Ein Bruch zwischen Kapitän und Mannschaft.
Woran machst du diesen Bruch denn fest? Weil der Trainer den Kapitän in der Halbzeit auswechselt? Tiffert war einfach schlecht (bis auf den Lattenschuß).
Naja, wie auch immer: ich denke, sollten sie am Samstag nicht gewinnen, wird er zurück treten.
Was gestern zutage trat war jedoch der totale Bruch. Ein Bruch zwischen Trainer und Team. Ein Bruch zwischen Trainer und Kapitän. Ein Bruch zwischen Kapitän und Mannschaft.
Woran machst du diesen Bruch denn fest? Weil der Trainer den Kapitän in der Halbzeit auswechselt? Tiffert war einfach schlecht (bis auf den Lattenschuß).
Naja, wie auch immer: ich denke, sollten sie am Samstag nicht gewinnen, wird er zurück treten.
27.02.2012 - 23:03 Uhr
Zitat von Hegermeister:
Naja, wie auch immer: ich denke, sollten sie am Samstag nicht gewinnen, wird er zurück treten.
Ich sehe es recht ähnlich und denke auch, dass Kurz selber erkennt wenn er der Mannschaft keine Impulse mehr liefern kann.
Kuntz ist ja bereits abgerückt von seiner Meinung auch bei Abstieg mit Kurz weitermachen zu wollen (siehe heutige kicker-Ausgabe).
Es hängt wirklich viel am Ergebnis vom Samstag, aber noch mehr am "Auftritt" der Mannschaft.
Der "Bruch" den Berti gesehen hat ... das war wohl die lustlose Vorstellung des gesamten Teams. Nicht einer (!) der richtig gekämpft hat, der die anderen mitgerissen hat, die Auswechslung des Kapitäns und am Ende ein lethargischer Kurz, der fast die gesamte Spielzeit keine Reaktion gezeigt hat ... das war schon hart an der Grenze.
Naja, wie auch immer: ich denke, sollten sie am Samstag nicht gewinnen, wird er zurück treten.
Ich sehe es recht ähnlich und denke auch, dass Kurz selber erkennt wenn er der Mannschaft keine Impulse mehr liefern kann.
Kuntz ist ja bereits abgerückt von seiner Meinung auch bei Abstieg mit Kurz weitermachen zu wollen (siehe heutige kicker-Ausgabe).
Es hängt wirklich viel am Ergebnis vom Samstag, aber noch mehr am "Auftritt" der Mannschaft.
Der "Bruch" den Berti gesehen hat ... das war wohl die lustlose Vorstellung des gesamten Teams. Nicht einer (!) der richtig gekämpft hat, der die anderen mitgerissen hat, die Auswechslung des Kapitäns und am Ende ein lethargischer Kurz, der fast die gesamte Spielzeit keine Reaktion gezeigt hat ... das war schon hart an der Grenze.
01.03.2012 - 22:05 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 29
DAS GLOBALE FUSSBALLDORF ODER MORGENS UM SECHS IST DIE WELT NOCH IN ORDNUNG
Von Bahli
In den vergangenen Wochen und Monaten hat Bahli gemerkt, dass er ein richtig alter Sack geworden ist. Nicht, dass er nicht ganz genau wüsste, dass er der Kategorie "Alte Säcke" schon seit ein paar Jahren angehört. Das weiß er, keine Angst. Da muss er nur an seinen letzten Geburtstag denken, um zu wissen, dass dem so ist. "Alles Gute zum 45.!" - toll. Aber urplötzlich fühlt er sich nicht nur von der Papierform her alt, er fühlt sich erschreckenderweise auch körperlich alt. Und müde. Einen Großteil Schuld daran trägt sicherlich sein Verein, mit dem er seit 35 Jahren so eng verbunden ist. Der FCK steckt in einer schweren Krise. Aber das ganze Drumherum ist für solch einen alten Sack wie den Bahli kaum noch begreifbar. Bahlis Großvater hat ihm vor ein paar Jahren gestanden, dass er Fußball nicht mehr versteht und deshalb auch so langsam das Interesse verliere. Bahli konnte das nicht verstehen. Man kann sich doch überall über seinen Lieblingsverein informieren. Man kann aber auch ganz schnell die Übersicht verlieren. Das hat der Bahli in der letzten Zeit vehement gemerkt. Und plötzlich fühlt er sich alt ...
McLuhan und das globale Fußballdorf
Als sich Bahli Ende der achtziger Jahre intensiv mit Marshall McLuhan und seiner These des globalen Dorfes beschäftigte, dachte er noch, ja klar, Fernsehen, Radio und Zeitungen lassen kaum eine Informationslücke offen. Hätte er damals bereits gewusst, dass uns mit dem Internet ein so unglaublicher Informationsoverflow bevorstehen wird, hätte er McLuhan sicherlich nicht so überheblich belächelt. Allein die Vorstellung, dass jeden Tag mehrere Säue durchs globale Fußballdorf getrieben werden, nötigt ihm mittlerweile schweren Respekt für McLuhans Weitsicht ab. Man atmet Informationen wie Luft - als Fußballfan weiß man mittlerweile alles. Selbst Dinge, die man besser nicht wüsste. Man hat die Auswahl zwischen vielen offiziellen Informationsquellen - seriösen und weniger seriösen. In den Foren der entsprechenden Community findet man zusätzlich alles, was irgendjemand, irgendwo gehört hat. Das ist einerseits absolut interessant und charmant. Und gerade zur Recherche von Antworten auf Fragen, die irgendwo im Kopf hämmern, ist das Internet ein unglaublich hilfreiches Instrument. Beim Thema "Fußball" war Bahli persönlich noch nie so nah dran am Geschehen auf und neben dem Platz, wie in den vergangenen zehn Jahren. Er wird auch das Gefühl nicht los, dass er Woche für Woche sogar noch näher ranrückt. Nur beschleicht ihn so langsam eine Art Frustration, nicht jedes wichtige Detail und jede wichtige Diskussion verfolgen zu können, ja bei der Masse an Informationen überhaupt das Wichtige und Richtungsweisende lokalisieren zu können. Manchmal fragt er sich in der letzten Zeit schon, ob es früher nicht einfach besser - weil informationsloser - war.
Morgens um Sechs am Briefkasten
Bahli weiß, "Früher war alles besser" ist das Totschlagargument der Alt- und Bequemgewordenen. Aber man musste sich früher eben gerade beim Thema "Fußball" einfach weniger Gedanken machen. Man las die Vorberichterstattung in der RHEINPFALZ und unterhielt sich mit seinen Kumpels, ob Kalli Feldkamp wieder Roger Lutz und Oliver Schäfer von der Leine lässt, um die Stars des Gegners im taktischen Korsett zu eliminieren. Die meisten Fans hätten damals lieber spielstärkere Akteure gesehen. Aber Kalli scherte sich einen Teufel um die Meinung der "Bessertrainer". Er zog seine Linie durch - mit Erfolg. Früher hat Bahli auch nur aus der RHEINPFALZ erfahren, dass ein neuer Spieler verpflichtet wurde. Er erinnert sich noch gut daran, wie ihm die kleine Meldung in der linken Spalte des Sportteils auffiel, dass ein gewisser Maroslav Kadlec auf den Betzeberg wechselt. "Kadlec? Naja, der ist immerhin tschechoslowakischer Nationalspieler", zu mehr ließ sich Bahli nicht hinreißen. Dass er da die Meldung von der Verpflichtung einer späteren FCK-Legende las, war ihm damals noch nicht klar. Bahli erinnert sich auch noch bestens an die Zeiten, als der 1. FC Kaiserslautern Freitagabends um 20:30 Uhr spielte - aus seiner Sicht spielen musste. Als Bub, der noch in den Genuss kam, samstags in die Schule zu "dürfen", musste Bahli um 21:00 Uhr ins Bett. Da blieb ihm häufig nur, morgens um Sechs mit pochendem Herzen an den Briefkasten zu rennen und die RHEINPFALZ rauszuholen. Bis er vom Briefkasten durch den Vorgarten zurück im Haus war, wusste er bereits, ob dies ein guter oder ein schlechter Morgen war, ob du dich gut oder mies gelaunt auf den Weg in die Schule machst. Damals reichte auch ein einfaches Radio, um am Samstag das Blut in Wallung zu bringen. Aus besagtem Radio wurden in unglaublichster Fingerfertigkeit auch unglaublich coole Mixtapes gezogen. Aber noch einmal zurück zum Briefkasten. Die Vorstellung, auf diese Art ein FCK-Ergebnis zu erfahren, wird dem einen oder anderen ein Lächeln abringen, aber auch die Gewissheit, heute in den Zeiten von Sky und Internet diesbezüglich natürlich viel besser dran zu sein. Aber für den jungen Bahli war damals der Sprint von seinem Zimmer runter zum Briefkasten die einzige Möglichkeit, seinen Wissensdurst zu befriedigen. Bahli will auch nicht sagen, dass er damals froh war, dass er sprinten musste. Er ist sogar ehrlich, er hat richtiggehend gekotzt, wenn er um Neun ins Bett musste und nicht wusste, wie sein FCK gespielt hat. Gleichermaßen hat er gekotzt, wenn er morgens aufwachte und nicht mehr einschlafen konnte, weil er unbedingt wissen musste, ob der Morgen gut oder beschissen wird. Aber eines findet Bahli in der Rückschau bemerkenswert. Er hatte eigentlich ansonsten seine Ruhe, er musste nicht täglich Informationen zu diesem Thema sammeln. Wenn in der RHEINPFALZ nichts weiter stand, war das Thema erst einmal erledigt. So weit, so gut.
Der Jäger und Sammler in dir erwacht in der Früh'
In der heutigen Zeit wacht Bahli morgens auf und denkt oft daran, ob es Neuigkeiten von seinem Lieblingsverein geben wird. Ein Blick ins Forum und er weiß sofort, ob es irgendwo raucht. Beim Kouemaha-Thread hatte er Anfang der Woche schon ein übles Gefühl. Volltreffer. Leider. Bei Dorge ist die Achillessehne gerissen. Aber andere Themen beschäftigen ihn mehr. Vor allem diese vage Unzufriedenheit mit Marco Kurz. Bahli mag diesen Typ. Kurz ist ein akribischer Arbeiter, er ist kein König, dem die Sonne aus dem Hintern scheinen muss. Er macht einen ehrlichen und dadurch sympathischen Eindruck. Aber irgendetwas klemmt. Irgendwo spürt selbst Bahli den Sand im Getriebe. Nur wo genau knirscht es? Liegt es am Trainer - fehlt ihm in der gegenwärtigen Situation einfach die Kompetenz? Sind seine Trainingsmethoden antiquiert? Oder will gar die Mannschaft nicht mehr mit ihm? Oder ist das momentan einfach nur die berühmte Kopfsache, fehlt eben hinten und vorne das Selbstvertrauen? Das Forum ist bei der Beantwortung dieser zentralen Fragen auch keine richtige Hilfe. Bahli sucht in den einschlägigen Threads nach Antworten. Aber schnell wird ihm klar, dass er dort keine objektiven Aussagen finden wird, die seinen Horizont entscheidend erweitern können. Hinter jeder Botschaft lauert eine subjektive Einstellung. Was eben auch völlig natürlich ist. Das ist Bahli klar. Natürlich wollen die einen den Trainer zum Teufel jagen und die anderen ihn behalten. Nur bringt dies Bahli nicht weiter, das Problem in seiner Gesamtheit zu verstehen. Auch die Interviews von Marco Kurz, Stefan Kuntz oder dem Kapitän Christian Tiffert, die er aus den Tiefen des Netzes fischt, helfen ihm nicht auf die Sprünge. Natürlich findet er da vernünftige Aussagen. Aber auch hier merkt er schnell, dass das, was der 1. FC Kaiserslautern nach außen dringen lässt, nichts sein kann, was auf interne Probleme hindeutet. Bleibt Bahli also doch nur seine Intuition. Er hat in den 35 Jahren, in denen er FCK-Fan ist, unglaublich viel erlebt, unglaublich viel Schönes, aber auch viel Dramatisches. Daraus entwickelt man ein feines Gespür für die Lösung von Problemen. Und dieses Gespür suggeriert Bahli, dass Marco Kurz immer noch der bodenständige und ehrliche Arbeiter ist, der er immer war. Nur verliert er langsam den Glauben, dass mit ihm der Klassenerhalt zu schaffen ist.
Guter Rat ist teuer und selten
Was tun? Das fragt sich Bahli mittlerweile täglich. Marco Kurz hat im Grunde alle Möglichkeiten ausgeschöpft - viele Systeme durchprobiert, personelle Alternativen durchrotiert. Immer mit dem gleichen Ergebnis. Die besten Spieler sind seit Monaten die Spieler, die überhaupt nicht spielten, in der taktischen Umsetzung des Trainers überhaupt nicht zum Zug kommen. Da gibt es zum Beispiel das Phänomen Ilijan Micanski. Immer wieder gefordert, nie gebracht, blüht er nun in der 2. Liga beim Abstiegskandidaten FSV Frankfurt auf. Vier Spiele mit vier Toren und durchweg guten Leistungen lassen den Bahli aufhorchen. Gut, er ist ihm beim FCK eigentlich nur zwei Mal aufgefallen. Bei seinem "Tor des Monats" damals gegen den FC Liverpool und bei seinem Anschlusstreffer zum 1:3 beim fulminaten 3:3 zu Hause gegen den VfB Stuttgart in der vergangenen Saison. Was fehlt ihm, damit er unter einem Trainer Marco Kurz zur festen Größe im Team werden kann? Vergleicht man ihn mit den neu geholten Stürmern, dann fragt sich Bahli schon, wo ein Sandro Wagner oder ein Nicolai Jörgensen stärker als er sein sollen. Jakub Swierzok gefällt dem Bahli dagegen richtig gut. Aber auch der reiht sich in der Stürmerschlange momentan eher hinten ein. Dass der 1. FC Kaiserslautern keine Tore schießt, ist ein Problem. Ein anderes ist dieses immer gleiche ideenlose Anrennen. Attraktives Spiel gehört in dieser Saison zu den absoluten Ausnahmen. Wenn ich ehrlich bin, dann gab es dies in dieser Saison nur auf Schalke und in Hoffenheim. In allen Heimspielen wurde gefightet, aber Fußball wurde nur selten gespielt. Auch das lässt den Bahli aufhorchen. Liegt das wirklich daran, dass dem Trainer nur das momentane Spielermaterial zur Verfügung gestellt werden konnte, wie Stefan Kuntz unlängst unglücklich ins Mikrophon diktierte. Oder schafft es der Trainer nicht, das Optimale aus den Spielern herauszukitzeln? Bahli dreht sich im Kreis. Bahli ist ratlos ...
Der Silberstreif am Horizont verblasst
Die Klatsche in Mainz hat wohl den letzten Optimisten unter den FCK-Fans auf den Boden der Tatsachen geholt. Bahli will jetzt nicht wie einst Gerhard Delling und Günter Netzer nach einem 0:0 in Island vom tiefsten Tiefpunkt sprechen, der damals Bundestrainer Rudi Völler mit seiner legendären Aussage "Waldi, du hast doch schon zwei Weizen intus" auf dem Spracholymp einmarschieren ließ. Aber dieses 0:4 hat auch den allzeit optimistischen Bahli in seiner Grundfeste getroffen. Da präsentierte sich eine Mannschaft, die in geradezu erschreckender Weise zeigte, dass sie nicht weiß, um was es seit Wochen eigentlich geht. Gab der Auftakt mit den beiden Unentschieden gegen Werder und in Augsburg noch Hoffnung auf Besserung, zeigten die darauffolgenden Spiele zu Hause gegen Köln, in München, gegen Gladbach und jetzt in Mainz mit aller Brutalität die Unfähigkeit dieser Mannschaft, sich mit Händen und Füßen gegen den Abstieg zu wehren. Was bleibt ist wieder diese vage Hoffnung, dass mit einem Sieg gegen die auswärtsschwächste Mannschaft der Bundesliag die Wende eingeleitet werden kann. Mit einem Sieg und einem Unentschieden in elf Spielen auf des Gegners Platz lässt der VfL Wolfsburg selbst den Bahli nicht in Ehrfurcht erstarren. Doch gleich beschleicht den Bahli wieder das Gefühl, dass selbst die auswärtsschwächste Mannschaft der Liga eine Nummer zu groß sein könnte für den aktuellen Trümmerhaufen FCK. Und wenn er ganz ehrlich ist, dann wünscht sich der Bahli nichts sehnlicher, als endlich mal wieder mit einem Torschrei auf den Lippen durchs Wohnzimmer zu diven. Leute, bei aller Frustration, dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht kommt ja doch alles anders, als wir im Moment befürchten ...
Cheers
Bahli
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
DAS GLOBALE FUSSBALLDORF ODER MORGENS UM SECHS IST DIE WELT NOCH IN ORDNUNG
Von Bahli
In den vergangenen Wochen und Monaten hat Bahli gemerkt, dass er ein richtig alter Sack geworden ist. Nicht, dass er nicht ganz genau wüsste, dass er der Kategorie "Alte Säcke" schon seit ein paar Jahren angehört. Das weiß er, keine Angst. Da muss er nur an seinen letzten Geburtstag denken, um zu wissen, dass dem so ist. "Alles Gute zum 45.!" - toll. Aber urplötzlich fühlt er sich nicht nur von der Papierform her alt, er fühlt sich erschreckenderweise auch körperlich alt. Und müde. Einen Großteil Schuld daran trägt sicherlich sein Verein, mit dem er seit 35 Jahren so eng verbunden ist. Der FCK steckt in einer schweren Krise. Aber das ganze Drumherum ist für solch einen alten Sack wie den Bahli kaum noch begreifbar. Bahlis Großvater hat ihm vor ein paar Jahren gestanden, dass er Fußball nicht mehr versteht und deshalb auch so langsam das Interesse verliere. Bahli konnte das nicht verstehen. Man kann sich doch überall über seinen Lieblingsverein informieren. Man kann aber auch ganz schnell die Übersicht verlieren. Das hat der Bahli in der letzten Zeit vehement gemerkt. Und plötzlich fühlt er sich alt ...
McLuhan und das globale Fußballdorf
Als sich Bahli Ende der achtziger Jahre intensiv mit Marshall McLuhan und seiner These des globalen Dorfes beschäftigte, dachte er noch, ja klar, Fernsehen, Radio und Zeitungen lassen kaum eine Informationslücke offen. Hätte er damals bereits gewusst, dass uns mit dem Internet ein so unglaublicher Informationsoverflow bevorstehen wird, hätte er McLuhan sicherlich nicht so überheblich belächelt. Allein die Vorstellung, dass jeden Tag mehrere Säue durchs globale Fußballdorf getrieben werden, nötigt ihm mittlerweile schweren Respekt für McLuhans Weitsicht ab. Man atmet Informationen wie Luft - als Fußballfan weiß man mittlerweile alles. Selbst Dinge, die man besser nicht wüsste. Man hat die Auswahl zwischen vielen offiziellen Informationsquellen - seriösen und weniger seriösen. In den Foren der entsprechenden Community findet man zusätzlich alles, was irgendjemand, irgendwo gehört hat. Das ist einerseits absolut interessant und charmant. Und gerade zur Recherche von Antworten auf Fragen, die irgendwo im Kopf hämmern, ist das Internet ein unglaublich hilfreiches Instrument. Beim Thema "Fußball" war Bahli persönlich noch nie so nah dran am Geschehen auf und neben dem Platz, wie in den vergangenen zehn Jahren. Er wird auch das Gefühl nicht los, dass er Woche für Woche sogar noch näher ranrückt. Nur beschleicht ihn so langsam eine Art Frustration, nicht jedes wichtige Detail und jede wichtige Diskussion verfolgen zu können, ja bei der Masse an Informationen überhaupt das Wichtige und Richtungsweisende lokalisieren zu können. Manchmal fragt er sich in der letzten Zeit schon, ob es früher nicht einfach besser - weil informationsloser - war.
Morgens um Sechs am Briefkasten
Bahli weiß, "Früher war alles besser" ist das Totschlagargument der Alt- und Bequemgewordenen. Aber man musste sich früher eben gerade beim Thema "Fußball" einfach weniger Gedanken machen. Man las die Vorberichterstattung in der RHEINPFALZ und unterhielt sich mit seinen Kumpels, ob Kalli Feldkamp wieder Roger Lutz und Oliver Schäfer von der Leine lässt, um die Stars des Gegners im taktischen Korsett zu eliminieren. Die meisten Fans hätten damals lieber spielstärkere Akteure gesehen. Aber Kalli scherte sich einen Teufel um die Meinung der "Bessertrainer". Er zog seine Linie durch - mit Erfolg. Früher hat Bahli auch nur aus der RHEINPFALZ erfahren, dass ein neuer Spieler verpflichtet wurde. Er erinnert sich noch gut daran, wie ihm die kleine Meldung in der linken Spalte des Sportteils auffiel, dass ein gewisser Maroslav Kadlec auf den Betzeberg wechselt. "Kadlec? Naja, der ist immerhin tschechoslowakischer Nationalspieler", zu mehr ließ sich Bahli nicht hinreißen. Dass er da die Meldung von der Verpflichtung einer späteren FCK-Legende las, war ihm damals noch nicht klar. Bahli erinnert sich auch noch bestens an die Zeiten, als der 1. FC Kaiserslautern Freitagabends um 20:30 Uhr spielte - aus seiner Sicht spielen musste. Als Bub, der noch in den Genuss kam, samstags in die Schule zu "dürfen", musste Bahli um 21:00 Uhr ins Bett. Da blieb ihm häufig nur, morgens um Sechs mit pochendem Herzen an den Briefkasten zu rennen und die RHEINPFALZ rauszuholen. Bis er vom Briefkasten durch den Vorgarten zurück im Haus war, wusste er bereits, ob dies ein guter oder ein schlechter Morgen war, ob du dich gut oder mies gelaunt auf den Weg in die Schule machst. Damals reichte auch ein einfaches Radio, um am Samstag das Blut in Wallung zu bringen. Aus besagtem Radio wurden in unglaublichster Fingerfertigkeit auch unglaublich coole Mixtapes gezogen. Aber noch einmal zurück zum Briefkasten. Die Vorstellung, auf diese Art ein FCK-Ergebnis zu erfahren, wird dem einen oder anderen ein Lächeln abringen, aber auch die Gewissheit, heute in den Zeiten von Sky und Internet diesbezüglich natürlich viel besser dran zu sein. Aber für den jungen Bahli war damals der Sprint von seinem Zimmer runter zum Briefkasten die einzige Möglichkeit, seinen Wissensdurst zu befriedigen. Bahli will auch nicht sagen, dass er damals froh war, dass er sprinten musste. Er ist sogar ehrlich, er hat richtiggehend gekotzt, wenn er um Neun ins Bett musste und nicht wusste, wie sein FCK gespielt hat. Gleichermaßen hat er gekotzt, wenn er morgens aufwachte und nicht mehr einschlafen konnte, weil er unbedingt wissen musste, ob der Morgen gut oder beschissen wird. Aber eines findet Bahli in der Rückschau bemerkenswert. Er hatte eigentlich ansonsten seine Ruhe, er musste nicht täglich Informationen zu diesem Thema sammeln. Wenn in der RHEINPFALZ nichts weiter stand, war das Thema erst einmal erledigt. So weit, so gut.
Der Jäger und Sammler in dir erwacht in der Früh'
In der heutigen Zeit wacht Bahli morgens auf und denkt oft daran, ob es Neuigkeiten von seinem Lieblingsverein geben wird. Ein Blick ins Forum und er weiß sofort, ob es irgendwo raucht. Beim Kouemaha-Thread hatte er Anfang der Woche schon ein übles Gefühl. Volltreffer. Leider. Bei Dorge ist die Achillessehne gerissen. Aber andere Themen beschäftigen ihn mehr. Vor allem diese vage Unzufriedenheit mit Marco Kurz. Bahli mag diesen Typ. Kurz ist ein akribischer Arbeiter, er ist kein König, dem die Sonne aus dem Hintern scheinen muss. Er macht einen ehrlichen und dadurch sympathischen Eindruck. Aber irgendetwas klemmt. Irgendwo spürt selbst Bahli den Sand im Getriebe. Nur wo genau knirscht es? Liegt es am Trainer - fehlt ihm in der gegenwärtigen Situation einfach die Kompetenz? Sind seine Trainingsmethoden antiquiert? Oder will gar die Mannschaft nicht mehr mit ihm? Oder ist das momentan einfach nur die berühmte Kopfsache, fehlt eben hinten und vorne das Selbstvertrauen? Das Forum ist bei der Beantwortung dieser zentralen Fragen auch keine richtige Hilfe. Bahli sucht in den einschlägigen Threads nach Antworten. Aber schnell wird ihm klar, dass er dort keine objektiven Aussagen finden wird, die seinen Horizont entscheidend erweitern können. Hinter jeder Botschaft lauert eine subjektive Einstellung. Was eben auch völlig natürlich ist. Das ist Bahli klar. Natürlich wollen die einen den Trainer zum Teufel jagen und die anderen ihn behalten. Nur bringt dies Bahli nicht weiter, das Problem in seiner Gesamtheit zu verstehen. Auch die Interviews von Marco Kurz, Stefan Kuntz oder dem Kapitän Christian Tiffert, die er aus den Tiefen des Netzes fischt, helfen ihm nicht auf die Sprünge. Natürlich findet er da vernünftige Aussagen. Aber auch hier merkt er schnell, dass das, was der 1. FC Kaiserslautern nach außen dringen lässt, nichts sein kann, was auf interne Probleme hindeutet. Bleibt Bahli also doch nur seine Intuition. Er hat in den 35 Jahren, in denen er FCK-Fan ist, unglaublich viel erlebt, unglaublich viel Schönes, aber auch viel Dramatisches. Daraus entwickelt man ein feines Gespür für die Lösung von Problemen. Und dieses Gespür suggeriert Bahli, dass Marco Kurz immer noch der bodenständige und ehrliche Arbeiter ist, der er immer war. Nur verliert er langsam den Glauben, dass mit ihm der Klassenerhalt zu schaffen ist.
Guter Rat ist teuer und selten
Was tun? Das fragt sich Bahli mittlerweile täglich. Marco Kurz hat im Grunde alle Möglichkeiten ausgeschöpft - viele Systeme durchprobiert, personelle Alternativen durchrotiert. Immer mit dem gleichen Ergebnis. Die besten Spieler sind seit Monaten die Spieler, die überhaupt nicht spielten, in der taktischen Umsetzung des Trainers überhaupt nicht zum Zug kommen. Da gibt es zum Beispiel das Phänomen Ilijan Micanski. Immer wieder gefordert, nie gebracht, blüht er nun in der 2. Liga beim Abstiegskandidaten FSV Frankfurt auf. Vier Spiele mit vier Toren und durchweg guten Leistungen lassen den Bahli aufhorchen. Gut, er ist ihm beim FCK eigentlich nur zwei Mal aufgefallen. Bei seinem "Tor des Monats" damals gegen den FC Liverpool und bei seinem Anschlusstreffer zum 1:3 beim fulminaten 3:3 zu Hause gegen den VfB Stuttgart in der vergangenen Saison. Was fehlt ihm, damit er unter einem Trainer Marco Kurz zur festen Größe im Team werden kann? Vergleicht man ihn mit den neu geholten Stürmern, dann fragt sich Bahli schon, wo ein Sandro Wagner oder ein Nicolai Jörgensen stärker als er sein sollen. Jakub Swierzok gefällt dem Bahli dagegen richtig gut. Aber auch der reiht sich in der Stürmerschlange momentan eher hinten ein. Dass der 1. FC Kaiserslautern keine Tore schießt, ist ein Problem. Ein anderes ist dieses immer gleiche ideenlose Anrennen. Attraktives Spiel gehört in dieser Saison zu den absoluten Ausnahmen. Wenn ich ehrlich bin, dann gab es dies in dieser Saison nur auf Schalke und in Hoffenheim. In allen Heimspielen wurde gefightet, aber Fußball wurde nur selten gespielt. Auch das lässt den Bahli aufhorchen. Liegt das wirklich daran, dass dem Trainer nur das momentane Spielermaterial zur Verfügung gestellt werden konnte, wie Stefan Kuntz unlängst unglücklich ins Mikrophon diktierte. Oder schafft es der Trainer nicht, das Optimale aus den Spielern herauszukitzeln? Bahli dreht sich im Kreis. Bahli ist ratlos ...
Der Silberstreif am Horizont verblasst
Die Klatsche in Mainz hat wohl den letzten Optimisten unter den FCK-Fans auf den Boden der Tatsachen geholt. Bahli will jetzt nicht wie einst Gerhard Delling und Günter Netzer nach einem 0:0 in Island vom tiefsten Tiefpunkt sprechen, der damals Bundestrainer Rudi Völler mit seiner legendären Aussage "Waldi, du hast doch schon zwei Weizen intus" auf dem Spracholymp einmarschieren ließ. Aber dieses 0:4 hat auch den allzeit optimistischen Bahli in seiner Grundfeste getroffen. Da präsentierte sich eine Mannschaft, die in geradezu erschreckender Weise zeigte, dass sie nicht weiß, um was es seit Wochen eigentlich geht. Gab der Auftakt mit den beiden Unentschieden gegen Werder und in Augsburg noch Hoffnung auf Besserung, zeigten die darauffolgenden Spiele zu Hause gegen Köln, in München, gegen Gladbach und jetzt in Mainz mit aller Brutalität die Unfähigkeit dieser Mannschaft, sich mit Händen und Füßen gegen den Abstieg zu wehren. Was bleibt ist wieder diese vage Hoffnung, dass mit einem Sieg gegen die auswärtsschwächste Mannschaft der Bundesliag die Wende eingeleitet werden kann. Mit einem Sieg und einem Unentschieden in elf Spielen auf des Gegners Platz lässt der VfL Wolfsburg selbst den Bahli nicht in Ehrfurcht erstarren. Doch gleich beschleicht den Bahli wieder das Gefühl, dass selbst die auswärtsschwächste Mannschaft der Liga eine Nummer zu groß sein könnte für den aktuellen Trümmerhaufen FCK. Und wenn er ganz ehrlich ist, dann wünscht sich der Bahli nichts sehnlicher, als endlich mal wieder mit einem Torschrei auf den Lippen durchs Wohnzimmer zu diven. Leute, bei aller Frustration, dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht kommt ja doch alles anders, als wir im Moment befürchten ...
Cheers
Bahli
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
01.03.2012 - 22:19 Uhr
Ich entdecke eine gewisse Seelenverwandtschaft... Der Freudenschrei nach Tor für FCK wäre ein Traum - aber lieber auf der Süd als im Wohnzimmer...
Danke für's Couching, das hatte ich mir heute Abend noch gewünscht. Alles andere ist so trist.
Danke für's Couching, das hatte ich mir heute Abend noch gewünscht. Alles andere ist so trist.
01.03.2012 - 23:26 Uhr
Diese Couchingzone ist einfach großartig und mit ein Grund, weshalb ich mich nach jahrelangem stillen Mitlesen jetzt bei TM angemeldet habe: Jetzt kann ich mit meinem ersten Beitrag unseren Kolumnisten endlich ein dickes Dankeschön senden!
Bahli, Dein wunderbarer Ausflug in die informationsärmere Vergangenheit, insbesondere die samstägliche Vorfreude auf die RHEINPFALZ, haben bei mir schöne Erinnerungen hervorgerufen.
Beste Grüße und, anders als unsere Jungs auf dem Platz, macht bloß weiter so!
WalterElf
Bahli, Dein wunderbarer Ausflug in die informationsärmere Vergangenheit, insbesondere die samstägliche Vorfreude auf die RHEINPFALZ, haben bei mir schöne Erinnerungen hervorgerufen.
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WalterElf
Dieser Beitrag wurde zuletzt von WalterElf am 01.03.2012 um 23:37 Uhr bearbeitet
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