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Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#421
08.03.2012 - 12:27 Uhr
Danke Berti, der Diebstahl beim Funker hat sich gelohnt. ;)
Die Couchingzone |#422
08.03.2012 - 21:06 Uhr
Hey Berti, du hast meine Idee gehabt:

Zitat

#284 von 42Huc 06.03.2012 - 05:35

Gewisse Couchinqualitäten sind unverkennbar. Du solltest dich bei Berti & Bahli bewerben...


;-)

War aber wirklich fein gefunkt. Zugabe!
Die Couchingzone |#423
16.03.2012 - 10:57 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 31


KEINOHRHASEN - oder: WARUM DER ABSTIEG DIESMAL KEIN GAU WÄRE


Okay, es steht nicht gut um unseren FCK. Die Stimmung ist mies, und deswegen wird´s auch bei Kohlmeyer diesmal nicht so viel zu lachen geben wie sonst. Aber es muss auch mal gesagt werden dürfen: Anderen gehts auch dreckig - und Tragödie und Komödie liegen halt näher zusammen, als wir es bisweilen wahrhaben wollen.

Blicken wir beispielsweise mal nach Chemnitz. Konkret: In den hiesigen Zoo. Dort ward vor ein paar Tagen ein bedauernswertes Geschöpf geboren, das noch vor wenigen Jahren nach der Geburt wohl ohne viel Federlesens getötet und verbrannt worden wäre: Ein Hase ohne Ohren. Doch die Menschen sind bekanntlich gierig und vor nix fies, um auch aus Leid Kapital zu schlagen. Gibt es doch diesen Film "Keinohrhasen". Drum entschloss sich die Zooleitung, die Missgeburt medial auszuschlachten: Knutmäßig sollte dieser Keinohrhase zum Star aufgebaut werden, "Til" genannt werden und zu seiner Taufe gar der unfähige Mime gleichen Vornamens eingeflogen werden, der sich in dem bewusstem Film auch noch selbst inszenierte.


Also wurde ein großer Medienrummel veranstaltet. Kamerateams eilten herbei und begannen offenbar planlos zu filmen. Und was geschah? Ein trotteliger Kamermann trat im Rückwärtsgehen auf die Missgeburt - und schon war´s aus und vorbei. Exitus. Nix Keinohrhase, nix Til, denn der schweigt für immer, nix Medienrummel, nix neuer Knut.

Der Kameramann, denkt Kohlmeyer, wird Chemnitz künftig weiträumig umfahren müssen. Doch ist es gerecht, ihm die Schuld an seinem Missgeschick an der Missgeburt zu geben? Ist die bedauernswerte Kreatur nicht eher ein Opfer der Gewinnsucht und des Geltungsstrebens seiner Eigentümer geworden?

Und vor allen Dingen? Was will uns Kohlmeyer mit dieser eigenwilligen Exposition seines heurigen Couchings nu schon wieder sagen?

Ganz einfach: Dass unser FCK KEIN Keinohrhase ist und auch nicht so behandelt werden sollte.

Außerdem sind Tiervergleiche derzeit ja schwer in im Forum. Es ist viel von Lemmingen die Rede, aber auch von Ratten, die in diesen schweren Zeiten nun aus den Löchern kommen.

Der große Heinz Ehrhardt sagte einst aber auch: Nicht alles, was hinkt, muss ein Vergleich sein.

Als Lemminge bezeichnen die Kritikaster diejenigen, die Kuntz anscheinend kritiklos in den Untergang folgen wollen. Denen sei gesagt: Der kollektive Selbstmord, den Lemminge begehen, geschieht nicht deswegen, weil die Tierchen einem unfähigen Führer folgen. Sie tun es zur Arterhaltung. Im Ernst: Wenn sie feststellen, dass es zu viele von ihnen gibt, marschieren sie in einer großen Prozession zur nächsten Klippe und dann stürzen sich so viele von ihnen ins Meer, bis der verbleibende Rest mit dem Lebensraum, der ihm zur Verfügung steht, wieder gut klarkommt.

Will sagen: Ein solches Verhalten ziemt sich für KEINEN FCK-Fan, weder für Kuntzkurzkritiker noch für deren Getreue. Wir sollten so viele bleiben, wie wir sind: Junge und Alte, Dicke und Dünne, Kurzhasser und Langzeitgeliebte, Pferdewurstfresser und Vegetarier, Bierrtinker und - würg - Red Bull-Konsumenten.

Und was ist mit den Ratten, die aus den Löchern kommen? Nun, Ratten sind sehr soziale Wesen mit langen Schwänzen. Kohlmeyer findet: Keiner, der derzeit sein Gift in die Foren trägt, hat es nicht verdient, derart positiv gesehen zu werden.

Wenn schon Tiervergleiche: Wie wär´s mit Termiten? Die krabbeln in Hölzer, höhlen die von innen aus, bis alles zusammenkracht, haben irgendwann ihren eigenen Lebensraum komplett zerstört und ziehen dann wieder.

Aber wohin soll ein FCK-Fan weiterziehen, wenn sein Verein zerstört ist? Nach Mannheim? Nach Saarbrücken? Oder dahin, wo Kohlmeyer schon jetzt wohnt, von wo er aber alle zwei Wochen immer noch mit Vorfreude im Gesicht aufbricht, um gen Südwesten zu brausen? Dann lieber rauf auf die nächste Klippe ...


Damit wären wir nun eigentlich an dem Punkt, wo Kohlmeyer die üblichen Fanfaren schmettern sollte: Bleibt ein einig Volk von Brüdern, steht zusammen, in der West und wo auch immer. Die nächsten vier Partien sind drei Heimspiele, dazwischen steht ein sogenanntes Sechspunktespiel in Freiburg an. Wenn jetzt, heute und hier der gute alte Betzenberggeist erwacht, ist noch nichts verloren, noch gar nichts. Alles wird gut.

Ist ja auch alles schön und gut, aber Kohlmeyer will jetzt schon mal bewusst einen Schritt weitergehen, auch wenn manche jetzt sagen werden, dazu isses noch viel zu früh, das kannst du dir sparen, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Aber die Termiten haben ihre Arbeit ja schon aufgenommen, und Kohlmeyer möchte nicht, dass bei einem Abstieg das gesamte Holzgerüst, das in den vergangenen Jahren aufgebaut worden ist, komplett zusammenbricht. Deswegen erklärt er heute und hier:


Der Abstieg wäre NICHT der GAU.

Das muss, nachdem sogar schon die FAZ mit einem ersten Untergangsszenario aufgewartet hat, eben auch schon jetzt mal gesagt werden dürfen.


Volker Finke hat in seiner Amtszeit beim SC Freiburg mal gesagt: "Die Realität für diesen Verein liegt zwischen Platz 10 der Ersten Liga und Platz 4 der Zweiten Liga." Finke war 17 Jahre beim SC, er ist aufgestiegen und wieder abgestiegen, unter ihm hat der SC zeitweise einen äußerst faszinierenden, modernen Kurzpassfußball gespielt, zeitweise hat er genauso uninspiriert rumgekickt wie alle grauen Mäuse des deutschen Fußballs, aber nie wäre einer auf die Idee gekommen, Finke wegzujagen, beziehungsweise, alles, was er aufgebaut hat, zusammenkrachen zu lassen.

Damit will Kohlmeyer nicht sagen, wir sollten den Finke-SC 1:1 kopieren. Aber wir sollten uns klar sein: Unser Verein bewegt sich mittlerweile in einem Rahmen, in dem man eine Durststrecke, die in der Zweiten Liga endet, halt immer auch mal Realität werden kann.

Und Kohlmeyer ist überzeugt, dass sich auch Kuntz dessen bewusst ist. Natürlich darf man nach außen nie den Eindruck erwecken, dass man einem Abstieg gelassen entgegensieht, drum muss man bis zuletzt betonen, dass der Abstieg eine Katastrophe wäre et cetera. Den Fans zuliebe, aber auch, um beim kickenden Personal bedingungslose Konzentration und Hingabe einfordern zu können.

Aber den Plan B für den Abstieg muss ein Verantwortlicher eines Vereins in dieser Größenordung eigentlich immer in der Schublade haben. 2006 hatte man den nicht, das war ja die Krux. Außer einer Handvoll Jugendspieler besaß kein Profi ein Vertrag für Liga zwei, das zur Verfügung stehende Budget war nur das siebthöchste der Liga, davon mussten 15 neue Profis angeheuert werden, und dennoch forderte das Umfeld den direkten Wiederaufstieg. Den hätte eigentlich nur ein absoluter Trainergott schaffen können, aber den hatten wir nicht.

Natürlich ist es ein harter Schlag, wenn im Moment des Abstiegs auch zwei potente Sponsoren dem Verein den Rücken kehren, aber Sponsoren kommen und gehen nun mal, und wieso die FAZ schon jetzt wissen will, dass für die, die gehen, keine neuen, wenn auch wahrscheinlich weniger potente, an Land gezogen werden können, ist mir schleierhaft. Es ist auch klar, dass wirTransferüberschüsse erzielen müssen, um finanziell abzufedern, aber auch in der Beziehung sieht es nicht so übel aus, weil eben die vergangenen Jahren keine so schlechte Arbeit geleistet wurde, wie es die Untergangspropheten jetzt ausmalen.

Wenn man mit Trapp, Rodnei, Vermouth, Shechter und Micanski am Markt fünf Millionen Euro Transfererlös umsetzt, wäre beispielsweise schon ein ordentlicher Schritt gemacht. Wie Kohlmeyer auf diese fünf kommt, wird er jetzt hier nicht im einzelnen darlegen, da sein Couching dann einfach zu lang wird - aufmerksame FCK-Beobachter werden sich´s sicher denken können.

Sippel, Dick, Simunek, Abel, Jessen, Bugera, Borysiuk, Tiffert, de Wit, Fortounis, Sahan, Swierczok - das wäre eine Grundgerüst, mit dem es sich guten Mutes in Liga zwei starten ließe. Und, ja, Kohlmeyer würde auch einen Wagner und einen Sukuta-Pasu mitantreten lassen und ihre weitere Entwicklung entspannt verfolgen. Dazu Derstroff, Wooten und Linsmayer, Kirch und Petsos verabschieden, sowie drei, vier Spieler, die Kuntz ablösefrei in Europa zusammensucht und es kann losgehen.

Was haben die Termiten dem eigentlich entgegenzusetzen? Kohlmeyer ließe sich gerne überzeugen, er hat ja auch gar nicht dagegen, wenn kritisiert wird, das wär ja noch schöner, wenn man bei einem Tabellen-18. alles heile Welt wäre. Doch wo ist diese Opposition, die was besser machen will und könnte? Wo kann man sich ein Bild machen von ihrer sportlichen und wirtschaftlichen Kompetenz, welchen Trainer haben sie an der Hand, der besser ist als Kurz?

Das ist eben das Problem, wenn man sich sein Stimmvieh anonym in Internetforen heranzieht: Keiner hat mehr ein Gesicht.

Das ist jetzt nicht unbedingt auf Dr. Sester gemünzt. Ich nehme ihm ab, dass er ein kluger Kerl ist, ich nehme ihm ab, dass er mit dem Herzen FCK-Fan ist, ich nehme ihm auch nicht übel, dass er nach dem Mainz-Debakel den Kopf des Trainers gefordert hat - hätte man Kohlmeyer an diesem Abend um 18 Uhr auf Kurz losgelassen, hätte er ihn eigenhändig erwürgt. Nur: Mit impulsiven Gräueltaten bringt man einen Verein nicht weiter, auch nicht mit Stimmungsmache im Internet.

Kohlmeyer ist weiterhin dafür, dass sich Menschen, die in diesem Verein Verantwortung übernehmen wollen, leibhaftig auf Jahreshauptversammlungen präsentieren und ihr Konzept vorstellen, und dass auch die Leute, die über sie abstimmen, ein Gesicht haben. Inwieweit er diesen frommen Anspruch im Internetzeitalter noch stellen darf, weiß er nicht. Immerhin: Dieser Verein leistet sich ja auch immer noch den charmanten Anachronismus, sein Stadion tatsächlich Fritz-Walter-Stadion und nicht etwa McDonald´s Arena. Vielleicht schaffen wir es ja auch in anderen Bereichen, den Dämonen des 21. Jahrhunderts zu trotzen.

Für heute wollen wir uns jedoch lediglich merken: Unser FCK ist kein Keinohrhase.

Und damit hat fertig
Kohlmeyer


In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. In begründeten Ausnahmefällen schubsen wir auch andere in diesen Bereich. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.

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"Du kannst auf deinen Verein stolz sein, aber eigentlich nicht auf die Tatsache, ein Fan dieses Vereins zu sein. Denn die Fan-Werdung vollzieht sich bekanntlich ähnlich wie die sexuelle Orientierung: Da kommt etwas über dich, das du nicht beeinflussen kannst. (...) . Du kannst deinem Verein nicht einfach die Gefolgschaft kündigen. Du kannst deinem Verein nicht den Tritt versetzen. (...) Du kannst deinen Verein nicht einfach loslassen, denn er hält an dir fest."
Thomas Brussig
Die Couchingzone |#424
16.03.2012 - 16:23 Uhr
Gelungen, wie immer bei Dir und das nicht nur wegen dem Satz "Unser Verein bewegt sich mittlerweile in einem Rahmen, in dem man eine Durststrecke, die in der Zweiten Liga endet, halt immer auch mal Realität werden kann.", auch wenn bei einigen diese Realität noch nicht angekommen ist.

Lama, Hase ohne Ohren, Lemminge und Ratten, Pferd und Termiten - bin auf die nächste Expedition ins Reich der Fauna gespannt.

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"Betzi braucht bei seinem Besuch eine Möglichkeit sich umzuziehen und Kaltgetränke" (Anmeldeformular Betzi Buchen)
"You want it darker, Hineni, Hineni, I'm ready, my lord (Leonard Cohen).
"Well, what did you expect in an opera? A happy ending?" (Bugs Bunny)
Die Couchingzone |#425
16.03.2012 - 18:56 Uhr
Ein bedrückend reale Sichtweise der Dinge, die jedoch ohne Defätismus und Feindbilder auskommt. Kühl und zugleich feurige, analytisch und emotional. Ein echter Kohlmeyer.

Schöne Kolumne!

Wenn mir der FCK nicht so langsam sämtliche Kreativität aus den Adern saugen würde, dann hätte ich hier eine etwas längere Rezension geschrieben. Aber so ist das halt, die Kolumne bleibt trotzdem gut.

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SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#426
16.03.2012 - 20:39 Uhr
Immer wieder Analyse und Unterhaltung auf höchstem Niveau. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es etwas Vergleichbares auf Tm gibt. In dieser Hinsicht sind und bleiben wir erstklassig!

Falô
Mineiro

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"Es geht nicht darum, um jeden Preis zu siegen. Nur wenige gewinnen. Du musst so spielen, dass dich das Publikum bewundert. Dann kannst du auch verlieren."

(Johan Cruyff)

"Gehirn: ein Organ, mit dem wir denken, dass wir denken."

(Ambrose Bierce)
Die Couchingzone |#427
17.03.2012 - 13:37 Uhr
Kohlmeyer, ich danke dir für diese sachliche Analyse und die daraus resultierende Schlussfolgerung. Der Abstieg ist eben nicht der Super-GAU, wie ihn viele im FCK-Umfeld einordnen.

Mit dieser Kolumne und dem Kommentar zum selben Thema von Oliver Sperk heute in der RHEINPFALZ steigt bei mir die Hoffnung, dass es noch genügend intelligente FCK-Beobachter rund um den Betzenberg gibt, die das ganze Dilemma so einordnen können, wie es wohl eingeordnet werden sollte. Der FCK ist zusammen mit einigen anderen Bundes- und aktuellen Zweitliga-Clubs in der "Grauzone" zwischen erster und zweiter Liga anzusiedeln. Das Recht auf einen Erstliga-Freifahrtsschein gibt es nicht. Und das scheint nach vielen Jahres des Chaos' auf dem Berg noch nicht jedem klar geworden zu sein.

Cheers
Bahli

•     •     •

You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#428
18.03.2012 - 08:29 Uhr
Sehr gute Analyse der Gesamtsitualion. Sehe ich absolut genauso. Macht man ein paar kleine Fehler oder läuft es eben nicht optimal, dann steigt man ab. Aber eben minichten planlos. Das Gerüst, was wir diesmal haben, könnte einen direkten Wiederaufstieg definitiv ermöglichen. Bin ich auch fest von überzeugt. Und ich bin auch fest davon überzeugt, dass man genau so plant.

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Krahl - Rasmussen, Frees, Gyamfi - Haas, Kunze, Ritter, Sahin, Joly - Yardimci, Berisha

"Wenn wir schon nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt" (R.Rüssmann)
Die Couchingzone |#429
22.03.2012 - 22:23 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 31: Kurz & Krass – Die Woche beim FCK

von Butduma

Die letzten Wochen waren recht einfach für uns Kolumnenschreiber. Aufgrund der relativen Stagnation beim 1.FC Kaiserslautern konnten wir uns als Historiker betätigen und Vergangenes aufarbeiten sowie Glanz und Gloria der FCK-Geschichte in die triste Gegenwart tradieren. Selbst der Blick auf die aktuelle Situation konnte im Voraus verfasst werden, da sich außer der Mannschaftsaufstellung ohnehin nicht viel änderte. Nein, man kann in der Tat nicht behaupten, dass wir dazu gezwungen waren mit heraushängender Zunge den aktuellen Geschehnissen hinterher zu hecheln. Natürlich sahen wir uns mit einer greifbaren Themenarmut konfrontiert, die wir mit den abstrusesten Geschichten übertünchen mussten, aber so was meistert ein Meister. Berti, bahli, Kohli und ich sogen uns die unglaublichsten Geschichten aus sämtlichen Gliedmaßen und keiner von euch hat es bemerkt. Es war eine nahezu surreale Situation. Die Kolumne wurden zu einem runden Dreieck, einer zerfließenden Uhr von Dahlí, einem konkaven Fussball im WM-Finale. Im Kontext dieser lähmenden Stagnation hatte ich bereits die Hälfte meiner Kolumne verfasst, bevor vom Berg die Nachricht kam, dass man nun doch den Trainer entlassen hätte. Der Text war für die Tonne. Das kleine Historikerhütchen musste in den Schrank, ich habe wieder den Kittel des Evolutionsbiologen angelegt. Ein Abschied wird zur Keimzelle von etwas Neuem oder handelt es sich nur um eine Mutation, deren Rolle zum Evolutionssprung noch nicht geklärt werden kann? Ich würde mit „Ja“ antworten.

Keine Kurz-Schluss-Reaktion

Doch nehmen wir uns nochmals Marco Kurz vor, zu dem wurde die Tage bereits viel geschrieben und gesagt, einiges will ich allerdings aus meiner Sicht festhalten. Die Trennung war nahezu unausweichlich, da nicht zu erkennen war, dass der Trainer auf der sportlichen Talfahrt seiner Mannschaft irgendwo die Notbremse finden und betätigen könnte. Die Ratlosigkeit nahm von Spieltag zu Spieltag zu und übertrug sich auf alle beteiligten Gruppierungen, inklusive der Fans. Die Mannschaft wirkte in den letzten Wochen wie ein Opfer von modernem Pfälzischem Vampirismus, blutleer und ausgelutscht. Die leblosen Hüllen wurden zwar jeden Spieltag mit heißer Luft aufgeblasen („Heute rocken wir die Bude!“), allerdings war nicht mehr absehbar, dass ihnen der Trainer in naher Zukunft wieder Leben einhauchen würde. Ein Abstieg hätte Kurz in Verbindung mit der historisch-einmaligen Sieglosserie mit Sicherheit so viel Kredit gekostet, dass es beim kleinsten Fehltritt in Liga 2 zum Eklat gekommen wäre. Ich wage zu behaupten, dass es richtig unschön geworden wäre. So war es vernünftiger, einen Schlussstrich zu ziehen und einem neuen Trainer die Chance zu geben, den Abstieg abzuwenden oder zumindest eine Aufstiegstruppe nach seinen Vorstellungen aufbauen zu können. Das ist allen Beteiligten gegenüber die fairste, wenn auch nicht wünschenswerteste Lösung. Es hat einfach nicht mehr gepasst. Marco Kurz hat alles für den FCK gegeben. Er hat die vielbeschworene Herzblut-Attitüde Tag für Tag vorgelebt. Er wird im Herzen der Fans immer einer von uns bleiben, ein wahrer Roter Teufel eben. Über den Zeitpunkt der Beurlaubung lässt sich natürlich trefflich streiten, allerdings kommt hier wieder die menschliche Komponente ins Spiel. Einen Freund und ehrlichen Weggefährten setzt man nicht einfach so vor die Tür. Ich betrachte diesen zwischenmenschlichen Umgang, der beim FCK Einzug gehalten hat, als großen Fortschritt. Damit heben wir uns von vielen Bundesligisten ab. Die Reaktion unseres Kapitäns Tiffert geht in die gleiche Richtung. Er fühle sich mitverantwortlich und habe ein schlechtes Gewissen, so Tiffy. Man kehrt also auch kräftig vor der eigenen Haustür. Gut so…

Psychologische Rohrkrepierer und pilziges Expertentum

Einem scheint allerdings der Besen abgebrochen zu sein. Während der Mannschaft im Abstiegssumpf der stinkige Morast schon bis zur Nasenspitze reicht, hat er nichts Besseres zu tun, als sich im umliegenden Gebüsch herumzutreiben und dem Ertrinkenden zuzurufen, dass er eh nicht schwimmen könne. Gemeint ist Prof. Rombach, der Aufsichtsratsvorsitzende, der seinem spielenden Personal die Qualität abspricht. Frei nach dem Motto: „Ich kann euch ein Seil zuwerfen, aber nur, wenn ich euch damit selbst erhängt. Es hat eh keinen Sinn mehr.“ Ich warte immer noch auf den Psychologen, der auf seinem Damenrad mit Einkaufskörbchen vorbeikommt und mir den motivierenden Faktor dahinter erläutert. Ganz zu schweigen davon, dass sich die Mannschaft nicht selbst zusammengestellt und eingekauft hat. So, Herr Rombach, sichert man sich keine Wählerstimmen. Von mir gibt es dafür die goldene Stinkmorchel in Platin – ein Preis, der keine Auszeichnung ist. Putzig sind auch jene Gesellen, die jetzt wie krumpelige Champignons aus den Lokalgazetten, Sportzeitschriften und Fernseheinspielern sprießen und an keiner Entscheidung ein gutes Haar lassen. Nur ganz wenige schaffen es, die Situation differenziert zu beleuchten. Die meisten Ex-FCKler, Lokaltrainer und selbsternannte Fussballexperten outen sich einfach nur als großartige Dampfplauderer. In maßloser Selbstüberschätzung wird der Verein schon mal rein prophylaktisch beerdigt, unter der Erde verscharrt und mit Expertenwissen begraben. Selbstprofilierung kann so abstoßend sein.

Totgesagte leben länger

Frei nach Kill Bill glaube ich allerdings daran, dass wir uns mit einem Handkantenschlag aus dem Sarg befreien können. Wenn die suchende Hand dann durch die noch lockere Graberde schießt, steht dort ein Krassimir Balakov und zieht uns an die frische Pfälzerwaldluft. Ja Krassimir Balakov, die kreative Ecke vom magischen Dreieck, der Zidane vom Schwarzen Meer, der Mann, der den Ball im Namen trägt. Ihn hat Stefan Kuntz aus seinem Zylinder gezaubert. Balakov habe ihn durch fundierte Kenntnisse der Bundesliga und des FCK überzeugt, meinte unser Vorstandsvorsitzender. Dass er aufgrund von gehalttechnischen Irregularitäten bei seinem alten Arbeitgeber Hajduk Split zum Nulltarif zu haben war, dürfte die Entscheidung dabei erleichtert haben. Wir können gespannt sein, ob Krassimir den Vertrauensvorschuss zurückzahlt. Bei der obligatorischen Pressekonferenz hat er hinterm Mikro mit seiner gewinnenden Art ein paar Steine in meinem Sympathie-Brett platziert. Er vermittelte trotz Müdigkeit und Reisestrapazen jene positive Grund- und Aufbruchsstimmung, die wir im Moment so dringend benötigen. Und hört hört, er bescheinigt der Mannschaft sogar die Stärke, um die Liga zu halten. Einer der Experten muss sich also irren. Hoffen wir, dass es Prof. Dr. med. Rombach ist. Sein erstes Training hat Balakov gleich nach der Pressekonferenz geleitet. Leger, ganz ohne Krawatte, aber mit feschem rotem Trainingsanzug, ließ er unsere Jungs Fussball spielen. Es wurde auf engem Raum gepasst bis die Füße qualmten. Zwischendurch immer wieder intensive Gespräche mit den Spielern. Eine gute Vorgehensweise, um sich einen Überblick zu verschaffen und das kickende Personal fussballerisch auf Herz und Nieren zu prüfen. Wer vom neuen Trainer das Prüfsiegel erhalten hat, wissen wir nicht. Wir können allerdings davon ausgehen, dass elf davon am Samstag ins Spiel gegen Freiburg gehen werden. Die größte Aufgabe von Krassimir Balakov wird es sein, den Spielern zu vermitteln, dass sie viel bessere Fussballer sind als dies die Tabelle glauben lässt. Die Roten Teufel müssen wieder Vertrauen in sich selbst schöpfen und über sich hinaus wachsen. Sie müssen im Kopf besser sein als die Füße es jemals sein werden. Sie müssen zu mentalen Messis werden.

Denn eines wissen wir beim 1.FC Kaiserslautern ganz genau: Glaube versetzt Betzenberge.

In diesem Sinne!

Ba beneen,
Butduma

In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. In begründeten Ausnahmefällen schubsen wir auch andere in diesen Bereich. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.

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SAPERE AUDE
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oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#430
22.03.2012 - 22:44 Uhr
But, du hast diese Woche wunderbar aufbereitet. Und das war bei dem ganzen Trubel wirklich nicht ganz einfach. Dafür noch ein Sonderlob.

Und schön zu lesen, dass bei dir der in letzter Zeit herauszulesende frustrierte Unterton einer leisen Hoffnung gewichen ist. Und auch der Humor kommt wieder ein wenig zum Vorschein. Und was wären unsere Kolumnen ohne die Portion gesunden pfälzischen Humors. Genau, so furztrocken wie die letzten Auftritte unserer Mannschaft ...

Cheers
Bahli

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