Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
23.09.2011 - 14:46 Uhr
Zitat von AS1010:
*** blätter ***
Wo issn dein Post hin Bahli, grad war er doch noch da?
Meine Frau hat ihn gelöscht ... ;)
Sie wollte mir ausschließlich intern die Hölle heiß machen. Und das war nicht für die Allegemeinheit bestimmt. Meinte sie.
Trotzdem würde ich mich gerne für die von ihr monierten orthografischen Ungenauigkeiten entschuldigen.
Cheers
Bahli
*** blätter ***
Wo issn dein Post hin Bahli, grad war er doch noch da?
Meine Frau hat ihn gelöscht ... ;)
Sie wollte mir ausschließlich intern die Hölle heiß machen. Und das war nicht für die Allegemeinheit bestimmt. Meinte sie.
Trotzdem würde ich mich gerne für die von ihr monierten orthografischen Ungenauigkeiten entschuldigen.
Cheers
Bahli
23.09.2011 - 14:49 Uhr
Zitat von bahli77:
Zitat von AS1010:
*** blätter ***
Wo issn dein Post hin Bahli, grad war er doch noch da?
Meine Frau hat ihn gelöscht ... ;)
Sie wollte mir ausschließlich intern die Hölle heiß machen. Und das war nicht für die Allegemeinheit bestimmt. Meinte sie.
Trotzdem würde ich mich gerne für die von ihr monierten orthografischen Ungenauigkeiten entschuldigen.
Cheers
Bahli
Ich hatte ihn aber noch nicht gelesen :(
Zitat von AS1010:
*** blätter ***
Wo issn dein Post hin Bahli, grad war er doch noch da?
Meine Frau hat ihn gelöscht ... ;)
Sie wollte mir ausschließlich intern die Hölle heiß machen. Und das war nicht für die Allegemeinheit bestimmt. Meinte sie.
Trotzdem würde ich mich gerne für die von ihr monierten orthografischen Ungenauigkeiten entschuldigen.
Cheers
Bahli
Ich hatte ihn aber noch nicht gelesen :(
23.09.2011 - 16:07 Uhr
Sehr toller Beitrag! Da würde ich mir am liebsten ne Scheibe abschneiden, von der Schreibqualität für meine Trainingsberichte.
30.09.2011 - 12:02 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 9: Fragen, Zeit und die Magie des Augenblicks
Offene Frage
Eigentlich ist viel passiert in letzter Zeit. Die Null muss endlich wieder stehen auf Schalke, der HSV träumt offenbar von großen Lösungen, und die Bayern zeigen was möglich sein kann in diesem Jahr. Aber wir sind nicht Schalke 05, nicht der HSV und schon gar nicht der FC Bayern. Das hat auch sein Gutes. Unsere Finanzen sehen besser aus als die der Knappen, das Träumen von großen Lösungen in miesen Lagen haben wir uns glücklicherweise bereits abgewöhnt und der FC Bayern bietet ein lohnenswertes Vorbild für all die, die wissen wollen was ein Verein mit jahrzehntelanger seriöser Arbeit alles erreichen kann. Nein, wir sind einfach nur der 1. FC Kaiserslautern und es gibt wenig Spektakuläres zu vermelden im Schatten des Berges. Keine Wundertransfers in dieser Woche, keine Trainergerüchte und zumindest am letzten Spieltag auch kein Erfolg. Werfen wir also einen unaufgeregten Blick auf den Verein, der zumindest für uns die Welt bedeutet und beginnen mit einer Frage: "Warum nur, haben die dann keine Tore geschossen?" Die stellte der VW Angestellte Ochs im "Kicker" sinngemäß quasi als Replik auf Christian Tifferts Statement, indem er Wolfsburg bescheinigte zumindest in der ersten Halbzeit so gut wie tot gewesen zu sein. Die Antwort liegt fast auf der Hand: Weil sie es nicht können. Aber ist es so einfach? Wenn wohlgesinnte Menschen diese Frage stellen, kennt man die Erwiderung in der Regel auch. Schließlich möchte niemand als undifferenziert gelten und verneint deshalb ab einem gewissen Bildungslevel mehr oder weniger automatisch – womit eigentlich recht wenig Differenzierungsvermögen bewiesen wird. Genau genommen gibt es immer auch eine dritte Antwort. Sie lautet schlicht: Ich weiß es nicht. Und ist mir unangenehm. Nichts finde ich entsetzlicher, als mir in einer streitbaren Frage keine Meinung bilden zu können, weil ich nicht in der Lage bin die Situation eindeutig auszuwerten.
Es ist ein quälendes Gefühl wenn ich darüber nachdenke und trotzdem nicht weiß, welche der beiden Positionen ich denn bevorzugen soll. Vielleicht hilft es ja wenn wir uns die Lager ein wenig näher anschauen. Die Mannschaft hat sich nur noch nicht gefunden, meint die eine Seite. Und eigentlich habe sie das Rüstzeug um sogar noch besser zu sein, als die Truppe des Vorjahres. Die Defensive ist gleich geblieben. Ein Teil des Mittelfeldes ebenfalls. Offensiv haben wir hochbegabte, neue, junge, entwicklungsfähige Talente und einige Jungs, die schon gezeigt haben, dass sie es können. Die Mannschaft braucht also nur etwas mehr Zeit um sich zu finden. Dann wird es laufen. Aber hat sie die? Natürlich hat jemand wie Vermouth schon mal Championsleague gespielt. Dumm nur, dass mir da auch der "wahre Borbely" in den Sinn kommt. Der hatte nämlich den gleichen Markstein in der Vita. Womit wir auf der anderen Seite angekommen wären. Die sagt einfach zusammengefasst folgendes: Die erfolgreiche Offensive abgeworben, einige Spieler ohne Not ziehen lassen und schließlich den einzig verbliebenen offensiven Klassekicker verscheuert. Und das alles ohne adäquaten Ersatz zu verpflichten. Was soll man da erwarten? Garniert mit einem Trainer der, völlig beratungsresistent, Woche für Woche seine taktische Überforderung zeigt, kann das nur da enden, wo es gerade endet. Aber halt. Wo endet es denn? Tatsächlich hätten wir, wenn die Saison jetzt vorbei wäre, das Ziel erreicht. Denn das lautet ja immer noch, mindestens zwei Mannschaften hinter uns zu lassen. Und im Moment, man wagt ja kaum es zu erwähnen, sind es sogar drei. Ob das so bleibt hängt nicht unwesentlich vom Ausgang des heutigen Spiels ab.
Faktor Zeit
Wenn wir schon bei Einblicken in meine verwirrte Fußballseele sind, muss ich gleich noch ein Geständnis folgen lassen. Ich habe beim Spiel in Wolfsburg zum ersten Mal verstanden, was unsere Vereinsoberen in Richard Sukuta-Pasu gesehen haben mögen, als sie entschieden, ihn zu verpflichten. Wenn dieser junge Mann mir bisher dadurch auffiel, dass er den Ball bei der Annahme weiter prallen ließ als ich ihn schießen kann, sah ich im letzten Spiel einen anderen Spieler. Einen der den Ball schön mitnahm. Der ihn abschirmte. Der mit ihm umgehen konnte. Ein wenig erinnerte mich dieser verblüffende Auftritt an die unheimliche Mutation eines gewissen Stefan Lexa. Der berühmt berüchtigte Reporterausspruch von Lexa und seinem Feind – gemeint war der Ball - hatte sich bereits in die kollektive Erinnerung eingebrannt, als sich plötzlich ein guter bis herausragender Außenbahnspieler ins Team mogelte, der Stefan Lexa die Identität gestohlen haben musste. Er hieß wie Lexa, sah aus wie Lexa, aber er spielte irgendwie anders. Wie Sukuta-Pasu jetzt. Vielleicht ist das ja einer von den viel geforderten Schritten. Einer von denen nach vorn. Und auch Vermouth konnte man ansehen, dass er das hat, was wir im Fußballjargon gern als einen "feinen Fuß" bezeichnen. Technisch begabt ist er ja fraglos. Ich musste spontan ein klein wenig an Dirk Lottner denken. Der war ebenfalls begabt und hatte einiges zu bieten. Nur leider machte er alles, wie es Ewald Lienen mal im Interview ausdrückte, in "Lottner-Geschwindigkeit", womit der bekannte Übungsleiter meinte, er mache es zu langsam. Gil kann was, aber er muss fraglos schneller werden. Das wäre dann sein Schritt nach vorn. Kuntz und Kurz trauen ihm den offenbar zu. Vielleicht sollten wir es auch tun. Und so lässt sich bei vielen unserer neuen Spieler ein Punkt ausmachen, der sie entscheidend voran bringt in ihrer Entwicklung. Die Frage lautet nur, ob die Zeit reicht. Wenn wir heute gegen den VfB Stuttgart gewinnen sollten, ist also nicht nur ein Spiel, sondern vor allem auch Zeit gewonnen.
Fraglos zusammen
Die Schwaben also wieder. Besser in die Saison gestartet, besser besetzt, aber letzte Woche am HSV gescheitert. Die unglaubliche Aufholjagd gegen den VfB hat unser Team im letzten Jahr als einen der Wendepunkte empfunden, der am Ende Erfolg brachte. Und wer weiß, wie unsere Mannschaft heute stünde, wenn diese Elf hätte zusammenbleiben dürfen. Wer kann das schon sagen? Wir haben jetzt eine andere Mannschaft. Aber auch sie trägt das Trikot der Roten Teufel. Und auch sie kann eiserne Markierungen als Wendepunkte des selbstbestimmten Schicksals setzen. So wie gegen Mainz, als sie mit purem Willen gewann. Wir sind eben nicht Schalke 05, der HSV oder der FC Bayern. Aber wir haben gelernt immer dann einen Gegner niederzuringen, wenn niemand mehr so recht an uns glauben will. Außer uns selbst versteht sich. Und deshalb stimmen die Rahmenbedingungen auch heute Abend wieder. Mehr als fünfundvierzigtausend Zuschauer werden dort sein und alles dafür tun wie ich hoffe, den Betzenberg, der auch in Zukunft den Namen Fritz Walters tragen wird, in eine Festung zu verwandeln. Und unter Flutlicht ist schon manche Schlacht am „Betze“ erfolgreich geschlagen worden, denn irgendwie scheint im Schein der künstlichen Beleuchtung der Zusammenhalt zwischen denen auf den Rängen und denen auf dem Rasen noch etwas enger zu sein, als bei Tageslicht. Stuttgart geht als Favorit ins Spiel. Trotzdem können wir gewinnen. Denn nur dann ist der Abend wirklich perfekt. Ich habe heute mit einer Frage begonnen und ich will auch mit einer enden. Denn im Fußball zählt bekanntlich nicht nur das Geld, der Ruhm oder die Favoritenrolle, sondern eben auch immer wieder die magische Kraft des Augenblicks. Wenn es also darum geht ob wir trotz der miesen Ausgangslage heute Abend einen Sieg einfahren können, bleibt mir nur zu fragen: Warum eigentlich nicht?
Bis dahin.
Gruß Berti
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Offene Frage
Eigentlich ist viel passiert in letzter Zeit. Die Null muss endlich wieder stehen auf Schalke, der HSV träumt offenbar von großen Lösungen, und die Bayern zeigen was möglich sein kann in diesem Jahr. Aber wir sind nicht Schalke 05, nicht der HSV und schon gar nicht der FC Bayern. Das hat auch sein Gutes. Unsere Finanzen sehen besser aus als die der Knappen, das Träumen von großen Lösungen in miesen Lagen haben wir uns glücklicherweise bereits abgewöhnt und der FC Bayern bietet ein lohnenswertes Vorbild für all die, die wissen wollen was ein Verein mit jahrzehntelanger seriöser Arbeit alles erreichen kann. Nein, wir sind einfach nur der 1. FC Kaiserslautern und es gibt wenig Spektakuläres zu vermelden im Schatten des Berges. Keine Wundertransfers in dieser Woche, keine Trainergerüchte und zumindest am letzten Spieltag auch kein Erfolg. Werfen wir also einen unaufgeregten Blick auf den Verein, der zumindest für uns die Welt bedeutet und beginnen mit einer Frage: "Warum nur, haben die dann keine Tore geschossen?" Die stellte der VW Angestellte Ochs im "Kicker" sinngemäß quasi als Replik auf Christian Tifferts Statement, indem er Wolfsburg bescheinigte zumindest in der ersten Halbzeit so gut wie tot gewesen zu sein. Die Antwort liegt fast auf der Hand: Weil sie es nicht können. Aber ist es so einfach? Wenn wohlgesinnte Menschen diese Frage stellen, kennt man die Erwiderung in der Regel auch. Schließlich möchte niemand als undifferenziert gelten und verneint deshalb ab einem gewissen Bildungslevel mehr oder weniger automatisch – womit eigentlich recht wenig Differenzierungsvermögen bewiesen wird. Genau genommen gibt es immer auch eine dritte Antwort. Sie lautet schlicht: Ich weiß es nicht. Und ist mir unangenehm. Nichts finde ich entsetzlicher, als mir in einer streitbaren Frage keine Meinung bilden zu können, weil ich nicht in der Lage bin die Situation eindeutig auszuwerten.
Es ist ein quälendes Gefühl wenn ich darüber nachdenke und trotzdem nicht weiß, welche der beiden Positionen ich denn bevorzugen soll. Vielleicht hilft es ja wenn wir uns die Lager ein wenig näher anschauen. Die Mannschaft hat sich nur noch nicht gefunden, meint die eine Seite. Und eigentlich habe sie das Rüstzeug um sogar noch besser zu sein, als die Truppe des Vorjahres. Die Defensive ist gleich geblieben. Ein Teil des Mittelfeldes ebenfalls. Offensiv haben wir hochbegabte, neue, junge, entwicklungsfähige Talente und einige Jungs, die schon gezeigt haben, dass sie es können. Die Mannschaft braucht also nur etwas mehr Zeit um sich zu finden. Dann wird es laufen. Aber hat sie die? Natürlich hat jemand wie Vermouth schon mal Championsleague gespielt. Dumm nur, dass mir da auch der "wahre Borbely" in den Sinn kommt. Der hatte nämlich den gleichen Markstein in der Vita. Womit wir auf der anderen Seite angekommen wären. Die sagt einfach zusammengefasst folgendes: Die erfolgreiche Offensive abgeworben, einige Spieler ohne Not ziehen lassen und schließlich den einzig verbliebenen offensiven Klassekicker verscheuert. Und das alles ohne adäquaten Ersatz zu verpflichten. Was soll man da erwarten? Garniert mit einem Trainer der, völlig beratungsresistent, Woche für Woche seine taktische Überforderung zeigt, kann das nur da enden, wo es gerade endet. Aber halt. Wo endet es denn? Tatsächlich hätten wir, wenn die Saison jetzt vorbei wäre, das Ziel erreicht. Denn das lautet ja immer noch, mindestens zwei Mannschaften hinter uns zu lassen. Und im Moment, man wagt ja kaum es zu erwähnen, sind es sogar drei. Ob das so bleibt hängt nicht unwesentlich vom Ausgang des heutigen Spiels ab.
Faktor Zeit
Wenn wir schon bei Einblicken in meine verwirrte Fußballseele sind, muss ich gleich noch ein Geständnis folgen lassen. Ich habe beim Spiel in Wolfsburg zum ersten Mal verstanden, was unsere Vereinsoberen in Richard Sukuta-Pasu gesehen haben mögen, als sie entschieden, ihn zu verpflichten. Wenn dieser junge Mann mir bisher dadurch auffiel, dass er den Ball bei der Annahme weiter prallen ließ als ich ihn schießen kann, sah ich im letzten Spiel einen anderen Spieler. Einen der den Ball schön mitnahm. Der ihn abschirmte. Der mit ihm umgehen konnte. Ein wenig erinnerte mich dieser verblüffende Auftritt an die unheimliche Mutation eines gewissen Stefan Lexa. Der berühmt berüchtigte Reporterausspruch von Lexa und seinem Feind – gemeint war der Ball - hatte sich bereits in die kollektive Erinnerung eingebrannt, als sich plötzlich ein guter bis herausragender Außenbahnspieler ins Team mogelte, der Stefan Lexa die Identität gestohlen haben musste. Er hieß wie Lexa, sah aus wie Lexa, aber er spielte irgendwie anders. Wie Sukuta-Pasu jetzt. Vielleicht ist das ja einer von den viel geforderten Schritten. Einer von denen nach vorn. Und auch Vermouth konnte man ansehen, dass er das hat, was wir im Fußballjargon gern als einen "feinen Fuß" bezeichnen. Technisch begabt ist er ja fraglos. Ich musste spontan ein klein wenig an Dirk Lottner denken. Der war ebenfalls begabt und hatte einiges zu bieten. Nur leider machte er alles, wie es Ewald Lienen mal im Interview ausdrückte, in "Lottner-Geschwindigkeit", womit der bekannte Übungsleiter meinte, er mache es zu langsam. Gil kann was, aber er muss fraglos schneller werden. Das wäre dann sein Schritt nach vorn. Kuntz und Kurz trauen ihm den offenbar zu. Vielleicht sollten wir es auch tun. Und so lässt sich bei vielen unserer neuen Spieler ein Punkt ausmachen, der sie entscheidend voran bringt in ihrer Entwicklung. Die Frage lautet nur, ob die Zeit reicht. Wenn wir heute gegen den VfB Stuttgart gewinnen sollten, ist also nicht nur ein Spiel, sondern vor allem auch Zeit gewonnen.
Fraglos zusammen
Die Schwaben also wieder. Besser in die Saison gestartet, besser besetzt, aber letzte Woche am HSV gescheitert. Die unglaubliche Aufholjagd gegen den VfB hat unser Team im letzten Jahr als einen der Wendepunkte empfunden, der am Ende Erfolg brachte. Und wer weiß, wie unsere Mannschaft heute stünde, wenn diese Elf hätte zusammenbleiben dürfen. Wer kann das schon sagen? Wir haben jetzt eine andere Mannschaft. Aber auch sie trägt das Trikot der Roten Teufel. Und auch sie kann eiserne Markierungen als Wendepunkte des selbstbestimmten Schicksals setzen. So wie gegen Mainz, als sie mit purem Willen gewann. Wir sind eben nicht Schalke 05, der HSV oder der FC Bayern. Aber wir haben gelernt immer dann einen Gegner niederzuringen, wenn niemand mehr so recht an uns glauben will. Außer uns selbst versteht sich. Und deshalb stimmen die Rahmenbedingungen auch heute Abend wieder. Mehr als fünfundvierzigtausend Zuschauer werden dort sein und alles dafür tun wie ich hoffe, den Betzenberg, der auch in Zukunft den Namen Fritz Walters tragen wird, in eine Festung zu verwandeln. Und unter Flutlicht ist schon manche Schlacht am „Betze“ erfolgreich geschlagen worden, denn irgendwie scheint im Schein der künstlichen Beleuchtung der Zusammenhalt zwischen denen auf den Rängen und denen auf dem Rasen noch etwas enger zu sein, als bei Tageslicht. Stuttgart geht als Favorit ins Spiel. Trotzdem können wir gewinnen. Denn nur dann ist der Abend wirklich perfekt. Ich habe heute mit einer Frage begonnen und ich will auch mit einer enden. Denn im Fußball zählt bekanntlich nicht nur das Geld, der Ruhm oder die Favoritenrolle, sondern eben auch immer wieder die magische Kraft des Augenblicks. Wenn es also darum geht ob wir trotz der miesen Ausgangslage heute Abend einen Sieg einfahren können, bleibt mir nur zu fragen: Warum eigentlich nicht?
Bis dahin.
Gruß Berti
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
30.09.2011 - 17:51 Uhr
Sehr schön geschrieben, Berti!
Nach dem Lesen deiner Kolumne kann ich einen Anstieg meiner Nervosität vor dem Spiel heute Abend feststellen. Deine Gedanken machen mir aber Mut, dass heute Abend wirklich etwas drin ist.
Cheers
Bahli
Nach dem Lesen deiner Kolumne kann ich einen Anstieg meiner Nervosität vor dem Spiel heute Abend feststellen. Deine Gedanken machen mir aber Mut, dass heute Abend wirklich etwas drin ist.
Cheers
Bahli
07.10.2011 - 09:28 Uhr
JAHRGANG 2 - AUSGABE 10: VON FURZENDEN STEPTÄNZERN UND SCHLECHTGEREDETEN KELLERK(R)ÄMPFEN
Kohlmeyer weiß schon, morgen ist KEIN Spieltag. Aber da uns unsere Mannschaft sich wieder mal mit einer Niederlage in eine Länderspielpause verabschiedet hat, nutzt Kohlmeyer bereits die Halbzeit der zweiwöchigen Bundesligaabstinenz, um mit ein paar Worten der Besinnung der grassierenden Krisenstimmung zu trotzen. Also aufgemerkt.
In Kurt Vonneguts „Breakfast for Champions“ kommt eine Figur namens Kilgore Trout vor, ein nicht sehr erfolgreicher, aber äußerst produktiver Schriftsteller. Hin und wieder umreißt Vonnegut den Inhalt eines der zahlreichen Romane, die Kilgore Trout geschrieben haben soll. Einer handelt von einem Außerirdischen, der von einem Planeten stammt, auf dem sich die Bewohner durch Steptanzen und Furzen verständigen. Dieser Außerirdische landet eines Tages auf der Erde, irgendwo in den Südstaaten der USA. Als er nach ersten Kontakten in der neuen Welt sucht, entdeckt er eine brennende Scheune. Er läuft los, um die Einheimischen zu alarmieren, und trifft schließlich auf ein paar Hillbillies, die auf einer Veranda herumgammeln. Er baut sich vor ihnen auf und beginnt zu steppen und zu furzen, um ihnen von der brennenden Scheune zu künden. Die Hillbillies schauen sich das eine Weile kommentarlos an. Dann holt einer eine Knarre und schießt das Alien über den Haufen.
Was will uns diese Geschichte sagen?
Es könnte eine Parabel auf die Schwierigkeiten, um nicht zu sagen Unmöglichkeit einer echten Völkerverständigung sein, vielleicht auch auf fehlende menschliche Toleranz. Kohlmeyer sagt, es ist eine Parabel auf Kommunikationsschwierigkeiten, beziehungsweise, die Schwierigkeiten, Kommunikationsversuche richtig zu interpretieren. Was dem einen gehaltvolle Informationen, sind dem anderen nur Blähungen.
Wie viele Fußballtrainer diese Geschichte wohl kennen? So mancher, der seine Mannschaft vom Spielfeldrand aus verlieren sieht, wird sich dann bestimmt schon gefragt haben: Warum eigentlich habe ich vor dem Spiel so lange Vorträge gehalten, wie ich mir den Auftritt hier vorstelle? Warum habe ich mich nicht einfach vor die Mannschaft gestellt, ein wenig gesteppt und dabei gefurzt? Meine bevorstehende Entlassung hätte das auch nicht beschleunigt.
DIE STATISTIK: KUNST- ODER FURZFORM?
Ähnlich zwiegespalten ist Kohlmeyer, wenn er die Einschätzungen zur sportlichen Situation liest, die zurzeit so über unseren FCK abgegeben werden, speziell in der Nachberichterstattung zum Stuttgart. Welchen Wert haben Statistiken? Unsere zum Stuttgart sind fast durchweg glänzend. Mehr Zweikämpfe gewonnen als der Gegner, mehr Torschüsse abgegeben, so viele Chancen herausgespielt wie noch nie in der Saison – nur in der Statistik der erfolgreich abgegebenen Torschüsse liegen wir hinten, und das ist nunmal die, fürs Tabellenbild entscheidend ist.
Und all die anderen schönen statistischen Werte – bedeuten die irgendwas oder sind das nur Blähungen?
„Harmlos, punktlos, torlos“ sei der FCK gewesen, war überall zu lesen. Okay, über punkt- und torlos brauchen wir nicht zu diskutieren, aber harmlos? Haben es die Stuttgarter als harmlos empfunden, dass sie gegen uns ein Dutzend Torchancen zugelassen haben, oder hatte nicht vielleicht der ein oder andere hinterher doch den Eindruck, dass das Spiel auch gut hätte anders ausgehen können? Unser Vorsitzender Stefan Kuntz jedenfalls sprach davon, dass es das bislang beste Heimspiel in dieser Saison war. Weswegen er verschiedentlich als Schönredner bezichtigt wurde. Kohlmeyer fragt sich, wessen Absonderungen hier übel riechen: Die von Kuntz oder die derer, die ihn Schönredner nennen?
Ist es nicht vielleicht doch so: Hätten wir vor dem Spiel drei Punkte mehr auf dem Konto gehabt, hätten zumindest die, die den Bundesligazirkus schon so lange verfolgen wie Kohlmeyer, hinterher gesagt: Okay, eigentlich waren wir besser, aber ein, zwei Spiele pro Saison gibt es halt, da verliert man auch, obwohl man die bessere Mannschaft ist. Ist halt so. Punkt, aus, neues Spiel, neues Glück.
Dumm nur, dass wir schon vor dem Spiel in der Grütze standen. Prompt sah man hinterher wieder nur die Null stehen, die schon so oft gestanden hat in der Saison. Und alles wurde ins insgesamt deprimierende Gesamtbild gefügt. Dass diese Niederlage so unglücklich wie noch keine in dieser Saison zustande gekommen war, mochten nur die wenigsten sehen.
Ja, wie? – werden einige jetzt wohl denken. Will der Kohlmeyer uns jetzt erzählen, dass wir uns keine Sorgen zu machen brauchen? Wenn die Jungs weiter munter drauf los spielen wie gegen Stuttgart, fallen auch irgendwann Tore?
Ganz so ist es leider nicht. Obwohl: Kohlmeyer durchaus überzeugt ist, dass irgendwann Tore fielen, wenn die Mannschaft weiter auf dem Level spielte wie gegen Stuttgart. Weil er Itay Shechter keineswegs für einen Chancentod hält, und auch Kouemaha scheint ihm in der Lage, hin und wieder das Tor zu treffen. Auch Fortounis, denn den hält Kohlmeyer für ein Riesentalent, und, ja, auch Sukuta-Pasu hält er im Gegensatz zu vielen für durchaus entwicklungsfähig.
WER MIT DEN WÖLFEN BLÄHT ...
Das Problem ist nur: Man kann nicht ewig auf diesem Level weiterspielen und nicht gewinnen, ohne dass die Psyche leidet. Und erst wenn die gelitten hat, dann spielen potenzielle Abstiegskandidaten tatsächlich auch wie potenzielle Abstiegskandidaten.
Im ersten Saisondrittel dagegen kicken fast alle Mannschaften auf dem gleichen Level – okay, die Bayern darf man dieses Jahr mal ausnehmen, aber auch die haben ihre Saisonpremiere erst einmal vergeigt. Die Teams allerdings, bei denen in dieser Phase das Butterbrot öfter auf die geschmierte Seite fällt und die sich daher erstmal hinten einreihen müssen, verunsichern dann und führen entsprechende Kellerk(r)ämpfe auf. Um guten Fußball zu spielen, braucht es eben auch einen Schuss Lockerheit im Kopf.
In Bremen war der FCK 60 Minuten lang keinen Deut schlechter als der Gegner, ebenso wenig in Gladbach oder in Wolfsburg. Okay, gut war er auch nicht, aber solange der Gegner nicht besser ist, kann man zumindest nicht behaupten, der Rückstand sei abzusehen gewesen. Dann aber macht der Gegner das erste Tor und gewinnt, zumal im eigenen Stadion, entsprechend an mentaler Stärke. Und kriegt das Spiel natürlich nach Hause gegen einem Gegner, der immer schneller zusammenklappen wird, desto öfter sich dieses Szenario wiederholt. In Bremen und Gladbach dagegen befindet man sich dagegen nunmehr auf Höhenflügen und redet von irgendwelchen „Läufen“, weil´s Gewinnen gegenwärtig so leicht fällt.
STEPFURZEN ALS FRUSTTHERAPIE
So leicht ließ sich unsere Mannschaft bislang doch gar nicht entmutigen. In Stuttgart hatte sie nicht nur beim Stande von 0:0 gute Chancen, sie hatte auch nach dem 0:1 noch Gelegenheiten, das Spiel zu drehen. Sogar nach dem 0:2 hätte noch was gehen können – bis zur 74. Minute. Nach der Doppelpassdaddelei von Shechter und Fortounis aber fanden sich die Spieler mit der Niederlage abgefunden, aber auch – und das ist eigentlich schlimmer – die West. Bezeichnend die Szene in der 92. Minute: Shechter vergibt noch einmal eine Großchance – bei der er sich übrigens geschmeidig freigewuselt hatte – aber weder Spieler noch Publikum schien das noch zu jucken.
Und eben das darf sich nicht wiederholen, wenn der FCK nochmal die Kurve kriegen will. Schönrederei mag nerven, aber alles schlecht babbeln ist noch verheerender. Deswegen sollte die Fans nicht einfach nachfurzen, was einem die Medien so vorblähen. Ob unter Zuhilfenahme von irgendwelchen Statistiken oder aufgrund abstruser Wahrnehmungen á la „harmlos“.
Es ist doch jetzt erlaubt, sich im Ausland Pay-TV-Decoder zu besorgen und sich auf diesen Fußballspiel zu günstigeren Preisen reinzupfeifen. Das wäre doch eine Idee. Nicht nur, um Geld zu sparen: Vielleicht lässt sich Reporterdummgebabbel in griechisch oder türkisch leichter ertragen, erst recht, wenn man es nicht versteht.
Ob es auf dem Planeten vom Kurt Vonneguts Außerirdischem auch Fußballübertragungen gibt? Die Kommentare hätten bestimmt was für sich, wie Kohlmeyer bereits herausgefunden hat.
Im Stuttgart-Forum wurde in diesen Tagen bereits über die Möglichkeit spekuliert, Tiffert zum VfB zurück zu holen, „falls Lautern absteigt“. Da fiel Kohlmeyer spontan die Parabel vom Fell des Bären ein. Er hat allerdings darauf verzichtet, darauf irgendwas zu posten. Stattdessen ist er von seinem Schreibtisch aufgestanden und hat eine Runde gesteppt. Und dabei ab und zu gefurzt. Hat wirklich gutgetan. Probiert´s doch auch mal.
In diesem Sinne
Kohlmeyer
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Kohlmeyer weiß schon, morgen ist KEIN Spieltag. Aber da uns unsere Mannschaft sich wieder mal mit einer Niederlage in eine Länderspielpause verabschiedet hat, nutzt Kohlmeyer bereits die Halbzeit der zweiwöchigen Bundesligaabstinenz, um mit ein paar Worten der Besinnung der grassierenden Krisenstimmung zu trotzen. Also aufgemerkt.
In Kurt Vonneguts „Breakfast for Champions“ kommt eine Figur namens Kilgore Trout vor, ein nicht sehr erfolgreicher, aber äußerst produktiver Schriftsteller. Hin und wieder umreißt Vonnegut den Inhalt eines der zahlreichen Romane, die Kilgore Trout geschrieben haben soll. Einer handelt von einem Außerirdischen, der von einem Planeten stammt, auf dem sich die Bewohner durch Steptanzen und Furzen verständigen. Dieser Außerirdische landet eines Tages auf der Erde, irgendwo in den Südstaaten der USA. Als er nach ersten Kontakten in der neuen Welt sucht, entdeckt er eine brennende Scheune. Er läuft los, um die Einheimischen zu alarmieren, und trifft schließlich auf ein paar Hillbillies, die auf einer Veranda herumgammeln. Er baut sich vor ihnen auf und beginnt zu steppen und zu furzen, um ihnen von der brennenden Scheune zu künden. Die Hillbillies schauen sich das eine Weile kommentarlos an. Dann holt einer eine Knarre und schießt das Alien über den Haufen.
Was will uns diese Geschichte sagen?
Es könnte eine Parabel auf die Schwierigkeiten, um nicht zu sagen Unmöglichkeit einer echten Völkerverständigung sein, vielleicht auch auf fehlende menschliche Toleranz. Kohlmeyer sagt, es ist eine Parabel auf Kommunikationsschwierigkeiten, beziehungsweise, die Schwierigkeiten, Kommunikationsversuche richtig zu interpretieren. Was dem einen gehaltvolle Informationen, sind dem anderen nur Blähungen.
Wie viele Fußballtrainer diese Geschichte wohl kennen? So mancher, der seine Mannschaft vom Spielfeldrand aus verlieren sieht, wird sich dann bestimmt schon gefragt haben: Warum eigentlich habe ich vor dem Spiel so lange Vorträge gehalten, wie ich mir den Auftritt hier vorstelle? Warum habe ich mich nicht einfach vor die Mannschaft gestellt, ein wenig gesteppt und dabei gefurzt? Meine bevorstehende Entlassung hätte das auch nicht beschleunigt.
DIE STATISTIK: KUNST- ODER FURZFORM?
Ähnlich zwiegespalten ist Kohlmeyer, wenn er die Einschätzungen zur sportlichen Situation liest, die zurzeit so über unseren FCK abgegeben werden, speziell in der Nachberichterstattung zum Stuttgart. Welchen Wert haben Statistiken? Unsere zum Stuttgart sind fast durchweg glänzend. Mehr Zweikämpfe gewonnen als der Gegner, mehr Torschüsse abgegeben, so viele Chancen herausgespielt wie noch nie in der Saison – nur in der Statistik der erfolgreich abgegebenen Torschüsse liegen wir hinten, und das ist nunmal die, fürs Tabellenbild entscheidend ist.
Und all die anderen schönen statistischen Werte – bedeuten die irgendwas oder sind das nur Blähungen?
„Harmlos, punktlos, torlos“ sei der FCK gewesen, war überall zu lesen. Okay, über punkt- und torlos brauchen wir nicht zu diskutieren, aber harmlos? Haben es die Stuttgarter als harmlos empfunden, dass sie gegen uns ein Dutzend Torchancen zugelassen haben, oder hatte nicht vielleicht der ein oder andere hinterher doch den Eindruck, dass das Spiel auch gut hätte anders ausgehen können? Unser Vorsitzender Stefan Kuntz jedenfalls sprach davon, dass es das bislang beste Heimspiel in dieser Saison war. Weswegen er verschiedentlich als Schönredner bezichtigt wurde. Kohlmeyer fragt sich, wessen Absonderungen hier übel riechen: Die von Kuntz oder die derer, die ihn Schönredner nennen?
Ist es nicht vielleicht doch so: Hätten wir vor dem Spiel drei Punkte mehr auf dem Konto gehabt, hätten zumindest die, die den Bundesligazirkus schon so lange verfolgen wie Kohlmeyer, hinterher gesagt: Okay, eigentlich waren wir besser, aber ein, zwei Spiele pro Saison gibt es halt, da verliert man auch, obwohl man die bessere Mannschaft ist. Ist halt so. Punkt, aus, neues Spiel, neues Glück.
Dumm nur, dass wir schon vor dem Spiel in der Grütze standen. Prompt sah man hinterher wieder nur die Null stehen, die schon so oft gestanden hat in der Saison. Und alles wurde ins insgesamt deprimierende Gesamtbild gefügt. Dass diese Niederlage so unglücklich wie noch keine in dieser Saison zustande gekommen war, mochten nur die wenigsten sehen.
Ja, wie? – werden einige jetzt wohl denken. Will der Kohlmeyer uns jetzt erzählen, dass wir uns keine Sorgen zu machen brauchen? Wenn die Jungs weiter munter drauf los spielen wie gegen Stuttgart, fallen auch irgendwann Tore?
Ganz so ist es leider nicht. Obwohl: Kohlmeyer durchaus überzeugt ist, dass irgendwann Tore fielen, wenn die Mannschaft weiter auf dem Level spielte wie gegen Stuttgart. Weil er Itay Shechter keineswegs für einen Chancentod hält, und auch Kouemaha scheint ihm in der Lage, hin und wieder das Tor zu treffen. Auch Fortounis, denn den hält Kohlmeyer für ein Riesentalent, und, ja, auch Sukuta-Pasu hält er im Gegensatz zu vielen für durchaus entwicklungsfähig.
WER MIT DEN WÖLFEN BLÄHT ...
Das Problem ist nur: Man kann nicht ewig auf diesem Level weiterspielen und nicht gewinnen, ohne dass die Psyche leidet. Und erst wenn die gelitten hat, dann spielen potenzielle Abstiegskandidaten tatsächlich auch wie potenzielle Abstiegskandidaten.
Im ersten Saisondrittel dagegen kicken fast alle Mannschaften auf dem gleichen Level – okay, die Bayern darf man dieses Jahr mal ausnehmen, aber auch die haben ihre Saisonpremiere erst einmal vergeigt. Die Teams allerdings, bei denen in dieser Phase das Butterbrot öfter auf die geschmierte Seite fällt und die sich daher erstmal hinten einreihen müssen, verunsichern dann und führen entsprechende Kellerk(r)ämpfe auf. Um guten Fußball zu spielen, braucht es eben auch einen Schuss Lockerheit im Kopf.
In Bremen war der FCK 60 Minuten lang keinen Deut schlechter als der Gegner, ebenso wenig in Gladbach oder in Wolfsburg. Okay, gut war er auch nicht, aber solange der Gegner nicht besser ist, kann man zumindest nicht behaupten, der Rückstand sei abzusehen gewesen. Dann aber macht der Gegner das erste Tor und gewinnt, zumal im eigenen Stadion, entsprechend an mentaler Stärke. Und kriegt das Spiel natürlich nach Hause gegen einem Gegner, der immer schneller zusammenklappen wird, desto öfter sich dieses Szenario wiederholt. In Bremen und Gladbach dagegen befindet man sich dagegen nunmehr auf Höhenflügen und redet von irgendwelchen „Läufen“, weil´s Gewinnen gegenwärtig so leicht fällt.
STEPFURZEN ALS FRUSTTHERAPIE
So leicht ließ sich unsere Mannschaft bislang doch gar nicht entmutigen. In Stuttgart hatte sie nicht nur beim Stande von 0:0 gute Chancen, sie hatte auch nach dem 0:1 noch Gelegenheiten, das Spiel zu drehen. Sogar nach dem 0:2 hätte noch was gehen können – bis zur 74. Minute. Nach der Doppelpassdaddelei von Shechter und Fortounis aber fanden sich die Spieler mit der Niederlage abgefunden, aber auch – und das ist eigentlich schlimmer – die West. Bezeichnend die Szene in der 92. Minute: Shechter vergibt noch einmal eine Großchance – bei der er sich übrigens geschmeidig freigewuselt hatte – aber weder Spieler noch Publikum schien das noch zu jucken.
Und eben das darf sich nicht wiederholen, wenn der FCK nochmal die Kurve kriegen will. Schönrederei mag nerven, aber alles schlecht babbeln ist noch verheerender. Deswegen sollte die Fans nicht einfach nachfurzen, was einem die Medien so vorblähen. Ob unter Zuhilfenahme von irgendwelchen Statistiken oder aufgrund abstruser Wahrnehmungen á la „harmlos“.
Es ist doch jetzt erlaubt, sich im Ausland Pay-TV-Decoder zu besorgen und sich auf diesen Fußballspiel zu günstigeren Preisen reinzupfeifen. Das wäre doch eine Idee. Nicht nur, um Geld zu sparen: Vielleicht lässt sich Reporterdummgebabbel in griechisch oder türkisch leichter ertragen, erst recht, wenn man es nicht versteht.
Ob es auf dem Planeten vom Kurt Vonneguts Außerirdischem auch Fußballübertragungen gibt? Die Kommentare hätten bestimmt was für sich, wie Kohlmeyer bereits herausgefunden hat.
Im Stuttgart-Forum wurde in diesen Tagen bereits über die Möglichkeit spekuliert, Tiffert zum VfB zurück zu holen, „falls Lautern absteigt“. Da fiel Kohlmeyer spontan die Parabel vom Fell des Bären ein. Er hat allerdings darauf verzichtet, darauf irgendwas zu posten. Stattdessen ist er von seinem Schreibtisch aufgestanden und hat eine Runde gesteppt. Und dabei ab und zu gefurzt. Hat wirklich gutgetan. Probiert´s doch auch mal.
In diesem Sinne
Kohlmeyer
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Kohlmeyer am 07.10.2011 um 09:48 Uhr bearbeitet
07.10.2011 - 09:41 Uhr
Zitat von Kohlmeyer :
Schönrederei mag nerven, aber alles schlecht babbeln ist noch verheerender. Deswegen sollte die Fans nicht einfach nachfurzen, was einem die Medien so vorblähen.
Ein hochphilosophischer Satz, Kollege Kohlmeyer! Und ein durchaus treffender. Ich hatte nach dem Stuttgart-Spiel sowieso das Gefühl, dass sich kaum ein FCK-Fan traute, seine eigenen Wahrnehmung nach außen zu kehren. Da verließ man sich lieber darauf, wie andere urteilten ...
Sehr schöne Kolumne.
Cheers
Bahli
Schönrederei mag nerven, aber alles schlecht babbeln ist noch verheerender. Deswegen sollte die Fans nicht einfach nachfurzen, was einem die Medien so vorblähen.
Ein hochphilosophischer Satz, Kollege Kohlmeyer! Und ein durchaus treffender. Ich hatte nach dem Stuttgart-Spiel sowieso das Gefühl, dass sich kaum ein FCK-Fan traute, seine eigenen Wahrnehmung nach außen zu kehren. Da verließ man sich lieber darauf, wie andere urteilten ...
Sehr schöne Kolumne.
Cheers
Bahli
07.10.2011 - 10:20 Uhr
Zitat von bahli77:
Zitat von Kohlmeyer :
Schönrederei mag nerven, aber alles schlecht babbeln ist noch verheerender. Deswegen sollte die Fans nicht einfach nachfurzen, was einem die Medien so vorblähen.
Ein hochphilosophischer Satz, Kollege Kohlmeyer! Und ein durchaus treffender. Ich hatte nach dem Stuttgart-Spiel sowieso das Gefühl, dass sich kaum ein FCK-Fan traute, seine eigenen Wahrnehmung nach außen zu kehren. Da verließ man sich lieber darauf, wie andere urteilten ...
Sehr schöne Kolumne.
Cheers
Bahli
Ob man von hoher Philosophie sprechen kann, sei einmal dahingestellt.
Dennoch gefällt mir Kohlmeyers Beitrag und seine Art zu schreiben ganz gut.
Danke an alle Schreiberlinge. :)
Zitat von Kohlmeyer :
Schönrederei mag nerven, aber alles schlecht babbeln ist noch verheerender. Deswegen sollte die Fans nicht einfach nachfurzen, was einem die Medien so vorblähen.
Ein hochphilosophischer Satz, Kollege Kohlmeyer! Und ein durchaus treffender. Ich hatte nach dem Stuttgart-Spiel sowieso das Gefühl, dass sich kaum ein FCK-Fan traute, seine eigenen Wahrnehmung nach außen zu kehren. Da verließ man sich lieber darauf, wie andere urteilten ...
Sehr schöne Kolumne.
Cheers
Bahli
Ob man von hoher Philosophie sprechen kann, sei einmal dahingestellt.
Dennoch gefällt mir Kohlmeyers Beitrag und seine Art zu schreiben ganz gut.
Danke an alle Schreiberlinge. :)
13.10.2011 - 22:33 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 11: Beten für den Teufel
Es war wieder Mal ein beschissener Tag! Der Nieselregen auf dem Weg zum matschigen Parkplatz hinter der riesigen Betonfassade machte es nicht angenehmer. Marco K. hatte den Kragen seines weinroten Trenchcoats nach oben geklappt, lustlos hing ihm der Griff eines Dauerlutschers aus dem Mundwinkel, seinen Schal hatte er schlaff um die Hüfte gewickelt. Es war Herbst im Pfälzer Wald und Marco K. sah aus wie eine Haselmaus auf dem Weg in ihr Winterquartier. Seit Wochen schon machte ihm die Arbeit zu schaffen. Obwohl er jeden Tag Vollgas gab, stellte sich kein Erfolg ein. Mittlerweile waren nicht nur seine Mitarbeiter und Kollegen unzufrieden, auch Herr Kuntz, der Chef, machte seinem Ärger Luft. Neulich hatte er ihn gleich Montagmorgens in sein prächtiges Büro aus Latschenkiefer bestellt und ihm wortlos eine Tasse heißen Kaffee über den Schritt gekippt. Anschließend gab er ihm einen roten Umschlag, auf dem in dicken Lettern VV aufgedruckt war und deutete ihm mit einem Fingerzeig, den Raum wieder zu verlassen... kein weiteres Wort, nur diese brühend-heiße Demütigung und das rote Couvert. Der miese Stoff aus dem Bergland Äthiopiens hatte noch tagelang auf der Haut gebrannt. Doch was sollte er machen, er wusste selbst, dass in der Firma nur Ergebnisse zählen. Die Aktionäre saßen dem Unternehmen mit gewetzten Messern im Rücken und bald stand die jährliche Hauptversammlung an – da war kein Platz für Fehler. Den Umschlag trug er seit diesem Montag in der Innentasche seiner Bockleder-Weste mit sich herum. Ihn zu öffnen, hatte er sich noch nicht getraut. Vielleicht schaute ihn der Chef deshalb ständig so fragend an.
Marco K. zog das letzte Mal an seinem Dauerlutscher, bevor er ihn im Matsch austrat und in hohem Bogen in einen der zahlreichen Büsche beförderte. Seine Frau hatte ihm verboten, im Auto zu lutschen. Der Zucker könne die feine Sitzpolsterung verkleben, meinte sie. Marco K. tat wie man ihm befahl. Als er den Schlüssel in das verrostete Schloss schob, schaute er mit Tränen in den Augen zum anderen Ende des Parkplatzes. Dort stand mit platten Reifen der schnittige VW Sahan, den er sich im Sommer als Geschäftswagen gewünscht hatte. Der Chef hatte ihm damals noch den Wunsch erfüllt, doch den Rädern gingen nach ein paar Fahrten die Lüfte aus. Die Führungsetage der Firma war ziemlich erbost und verdonnerte Marco K. zur Benutzung des neuen, allerdings sehr klapprigen Suparu. Anfangs lächelten die Leute nur, wenn er damit durch die Pfalz fuhr, mittlerweile standen sie großkotzig am Straßenrand und verhöhnten ihn. Manche warfen sogar mit faulen Eiern und Bowlingkugeln aus dem örtlichen Kegelverleih. Dementsprechend sah die Kiste mittlerweile auch aus, vollgeschmiert und verbeult. Marco K. war allerdings ein integrer Mitarbeiter, regelmäßig brachte er den Wagen wieder auf Vordermann. Mit der Waschlanze war er eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Wie immer dauerte es einige Zeit bis der Wagen ansprang, Marco K. leierte den Motor so lange aus, bis eine große Rußwolke aus dem Auspuff schoss. Im Radio sang Howard Carpendale sein Lied vom Wiedersehn, „Hello again“, Marco K. musste weinen. Das Gaspedal bis zum Anschlag gegen den Unterboden gedrückt, fuhr er hinab in die Stadt. Statt dem Lenkrad umschloss seine rechte Hand den Umschlag, den ihm der Chef gegeben hatte. Es schien als würden von ihm tausende kleine elektrische Blitze ausgehen. Marco K. war wieder mal schweinemüde, die Arbeit machte ihn zum Frack, seine Augenringe lagen schwer auf seinen Knien. Zuhause duschen und dann gleich ins Bett, Alltagsroutine für Marco K. – auch ohne Butterbrot. Morgen früh erwartete ihn Tifferty zum Frühstück, er hatte ihm neulich lecker Friede, Freude, Eierkuchen versprochen – sein Leibgericht, lediglich einmal musste er davon kotzen. Er mochte das Frühstück bei Tifferty, obwohl es früher besser gewesen war. Tifferty bereitete damals sogar jede Menge Vorlagen für die Mitarbeiter von Marco K. zu. Dies war allerdings vorbei seit er ihm das Boot von Playmobil geschenkt und ihn zugleich zu dessen Kapitän ernannt hatte. Marco K. hatte diesen Umstand bemerkt, wollte allerdings nicht sagen, um nicht noch weiter nach Öl in der Wunde zu bohren. Er vermutete, dass Tifferty enttäuscht war, als er feststellen musste, dass er nur mit der linken ***** backe auf’s Boot passte. Männerschicksale.
Plötzlich tat der Suparu einen Satz, Marco K. knallte mit seinem Kopf gegen das Dach des Wagens, sogleich erwuchs ihm eine imposante Beule. Er hatte ein Hutzelmännchen überfahren. Diese kleinen Gesellen waren zu der Jahreszeit ständig auf den Straßen unterwegs. Herbstzeit, Hutzeltime. Die Männchen wurden in den umliegenden Wäldern von Gaststudenten aus Kamerun gezüchtet, ab und an entfloh eines davon. Marco K. fuhr weiter. „War ja nur ein Hutzelmännchen.“, dachte er sich. Trotzdem musste er ein wenig weinen. Aus dem Radio erklang „The last unicorn“. Ein schönes Lied, fand Marco K. und schnäuzte in sein Taschentuchel. Er trat erneut auf’s Gaspedal, ein schwarzer Damön aus Ruß und Rauch türmte sich hinter dem Auto auf und verschmolz mit der Dunkelheit der Nacht. Die Nacht war sein Freund, auch wenn die Müdigkeit schwer auf ihm lastete. Seine Augen wurden nur noch von zwei abgebrochenen Streichhölzern offen gehalten. Als Marco K. in seine Heimatstraße einbog, erblickte er den Turm der Simultankirche, der sich wie in gigantischer, steinerner Pfahl in den Nachthimmel bohrte. Der Mond tauchte ihn in ein bläulich fahles Licht und es schien als ginge eine unfassliche Magie von ihm aus. Marco K. sprang aus dem Wagen und ließ diesen am nächstbesten Baum zerschellen. Nachher konnte er ihn ja wieder zusammensetzen… Mit dem Umschlag in der Hand betrat Marco K. die Kirche, die mächtigen Holzpforten quietschten furchteinflößend, die letzte Ölung lag wohl schon lange zurück. Er nahm unter dem großen FCK-Emblem auf einer einfachen Holzbank aus ungehobelten Balken Platz und starrte auf den Briefumschlag. Bald musste das schier aussichtslose Projekt in Gelsenkirchen erfolgreich beendet werden, was nicht nur angesichts des personellen Kapazitäten ungemein schwierig war, auch der Schalk saß ihm dabei im Nacken. Marco K. hatte Angst, dennoch war sein Glaube ungebrochen. Er wusste, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war, um für den Teufel zu beten.
Mit zittrigen Fingern öffnete er den Umschlag und konnte seinen müden Augen kaum glauben…
Butduma
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Es war wieder Mal ein beschissener Tag! Der Nieselregen auf dem Weg zum matschigen Parkplatz hinter der riesigen Betonfassade machte es nicht angenehmer. Marco K. hatte den Kragen seines weinroten Trenchcoats nach oben geklappt, lustlos hing ihm der Griff eines Dauerlutschers aus dem Mundwinkel, seinen Schal hatte er schlaff um die Hüfte gewickelt. Es war Herbst im Pfälzer Wald und Marco K. sah aus wie eine Haselmaus auf dem Weg in ihr Winterquartier. Seit Wochen schon machte ihm die Arbeit zu schaffen. Obwohl er jeden Tag Vollgas gab, stellte sich kein Erfolg ein. Mittlerweile waren nicht nur seine Mitarbeiter und Kollegen unzufrieden, auch Herr Kuntz, der Chef, machte seinem Ärger Luft. Neulich hatte er ihn gleich Montagmorgens in sein prächtiges Büro aus Latschenkiefer bestellt und ihm wortlos eine Tasse heißen Kaffee über den Schritt gekippt. Anschließend gab er ihm einen roten Umschlag, auf dem in dicken Lettern VV aufgedruckt war und deutete ihm mit einem Fingerzeig, den Raum wieder zu verlassen... kein weiteres Wort, nur diese brühend-heiße Demütigung und das rote Couvert. Der miese Stoff aus dem Bergland Äthiopiens hatte noch tagelang auf der Haut gebrannt. Doch was sollte er machen, er wusste selbst, dass in der Firma nur Ergebnisse zählen. Die Aktionäre saßen dem Unternehmen mit gewetzten Messern im Rücken und bald stand die jährliche Hauptversammlung an – da war kein Platz für Fehler. Den Umschlag trug er seit diesem Montag in der Innentasche seiner Bockleder-Weste mit sich herum. Ihn zu öffnen, hatte er sich noch nicht getraut. Vielleicht schaute ihn der Chef deshalb ständig so fragend an.
Marco K. zog das letzte Mal an seinem Dauerlutscher, bevor er ihn im Matsch austrat und in hohem Bogen in einen der zahlreichen Büsche beförderte. Seine Frau hatte ihm verboten, im Auto zu lutschen. Der Zucker könne die feine Sitzpolsterung verkleben, meinte sie. Marco K. tat wie man ihm befahl. Als er den Schlüssel in das verrostete Schloss schob, schaute er mit Tränen in den Augen zum anderen Ende des Parkplatzes. Dort stand mit platten Reifen der schnittige VW Sahan, den er sich im Sommer als Geschäftswagen gewünscht hatte. Der Chef hatte ihm damals noch den Wunsch erfüllt, doch den Rädern gingen nach ein paar Fahrten die Lüfte aus. Die Führungsetage der Firma war ziemlich erbost und verdonnerte Marco K. zur Benutzung des neuen, allerdings sehr klapprigen Suparu. Anfangs lächelten die Leute nur, wenn er damit durch die Pfalz fuhr, mittlerweile standen sie großkotzig am Straßenrand und verhöhnten ihn. Manche warfen sogar mit faulen Eiern und Bowlingkugeln aus dem örtlichen Kegelverleih. Dementsprechend sah die Kiste mittlerweile auch aus, vollgeschmiert und verbeult. Marco K. war allerdings ein integrer Mitarbeiter, regelmäßig brachte er den Wagen wieder auf Vordermann. Mit der Waschlanze war er eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Wie immer dauerte es einige Zeit bis der Wagen ansprang, Marco K. leierte den Motor so lange aus, bis eine große Rußwolke aus dem Auspuff schoss. Im Radio sang Howard Carpendale sein Lied vom Wiedersehn, „Hello again“, Marco K. musste weinen. Das Gaspedal bis zum Anschlag gegen den Unterboden gedrückt, fuhr er hinab in die Stadt. Statt dem Lenkrad umschloss seine rechte Hand den Umschlag, den ihm der Chef gegeben hatte. Es schien als würden von ihm tausende kleine elektrische Blitze ausgehen. Marco K. war wieder mal schweinemüde, die Arbeit machte ihn zum Frack, seine Augenringe lagen schwer auf seinen Knien. Zuhause duschen und dann gleich ins Bett, Alltagsroutine für Marco K. – auch ohne Butterbrot. Morgen früh erwartete ihn Tifferty zum Frühstück, er hatte ihm neulich lecker Friede, Freude, Eierkuchen versprochen – sein Leibgericht, lediglich einmal musste er davon kotzen. Er mochte das Frühstück bei Tifferty, obwohl es früher besser gewesen war. Tifferty bereitete damals sogar jede Menge Vorlagen für die Mitarbeiter von Marco K. zu. Dies war allerdings vorbei seit er ihm das Boot von Playmobil geschenkt und ihn zugleich zu dessen Kapitän ernannt hatte. Marco K. hatte diesen Umstand bemerkt, wollte allerdings nicht sagen, um nicht noch weiter nach Öl in der Wunde zu bohren. Er vermutete, dass Tifferty enttäuscht war, als er feststellen musste, dass er nur mit der linken ***** backe auf’s Boot passte. Männerschicksale.
Plötzlich tat der Suparu einen Satz, Marco K. knallte mit seinem Kopf gegen das Dach des Wagens, sogleich erwuchs ihm eine imposante Beule. Er hatte ein Hutzelmännchen überfahren. Diese kleinen Gesellen waren zu der Jahreszeit ständig auf den Straßen unterwegs. Herbstzeit, Hutzeltime. Die Männchen wurden in den umliegenden Wäldern von Gaststudenten aus Kamerun gezüchtet, ab und an entfloh eines davon. Marco K. fuhr weiter. „War ja nur ein Hutzelmännchen.“, dachte er sich. Trotzdem musste er ein wenig weinen. Aus dem Radio erklang „The last unicorn“. Ein schönes Lied, fand Marco K. und schnäuzte in sein Taschentuchel. Er trat erneut auf’s Gaspedal, ein schwarzer Damön aus Ruß und Rauch türmte sich hinter dem Auto auf und verschmolz mit der Dunkelheit der Nacht. Die Nacht war sein Freund, auch wenn die Müdigkeit schwer auf ihm lastete. Seine Augen wurden nur noch von zwei abgebrochenen Streichhölzern offen gehalten. Als Marco K. in seine Heimatstraße einbog, erblickte er den Turm der Simultankirche, der sich wie in gigantischer, steinerner Pfahl in den Nachthimmel bohrte. Der Mond tauchte ihn in ein bläulich fahles Licht und es schien als ginge eine unfassliche Magie von ihm aus. Marco K. sprang aus dem Wagen und ließ diesen am nächstbesten Baum zerschellen. Nachher konnte er ihn ja wieder zusammensetzen… Mit dem Umschlag in der Hand betrat Marco K. die Kirche, die mächtigen Holzpforten quietschten furchteinflößend, die letzte Ölung lag wohl schon lange zurück. Er nahm unter dem großen FCK-Emblem auf einer einfachen Holzbank aus ungehobelten Balken Platz und starrte auf den Briefumschlag. Bald musste das schier aussichtslose Projekt in Gelsenkirchen erfolgreich beendet werden, was nicht nur angesichts des personellen Kapazitäten ungemein schwierig war, auch der Schalk saß ihm dabei im Nacken. Marco K. hatte Angst, dennoch war sein Glaube ungebrochen. Er wusste, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war, um für den Teufel zu beten.
Mit zittrigen Fingern öffnete er den Umschlag und konnte seinen müden Augen kaum glauben…
Butduma
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
14.10.2011 - 00:50 Uhr
But, dass ist großes Kino. Danke dafür!
Gruß Berti
Gruß Berti
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