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Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#1561
27.10.2015 - 08:45 Uhr
Jahrgang 6 – Ausgabe 14: MÄRCHENHAFTE HERBST-DEPRESSIONEN

von Butduma

Eigentlich schreiben wir hier sehr oft über einen Verein hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen (Vorstand und Aufsichtsrat), doch will ich heute meine Ankündigung vom letzten Couching wahr machen und darauf verzichten. Sollen die sieben Zwerge doch unter sich bleiben und uns weiterhin weiß machen wollen, dass man Berge eben doch nicht mit Glauben versetzen kann. Die allgemeine Stimmung der grauen Herbsttage dürfte die Verkaufszahlen in der Seil- und Strickabteilung bei Hornbach und Co. sowieso angeheizt habe, da muss ich nicht auch noch meinen Beitrag zum Umsatz leisten.

Wo wir bereits in der Welt der Märchen sind, würde sich natürlich der Bogenschlag zum besten Plot seit den Gebrüdern Grimm, dem Sommermärchen 2006, bieten, doch ist auch diese Story dank schwarzer Kassen und ehrlichen Zwanzigern nicht so ohne weiteres ohne Stimmungsverlust zu goutieren. Immerhin einen schönen Einstieg könnte man verfassen, so in etwas dieser Art:

„Vor gar nicht allzu langer Zeit lebte unten am wilden Niersbach ein reicher Mann mit drei Füßen. Er war ein guter Freund des Königs, der unzählige goldene Blatter an seiner Krone trug, die ihm andere Könige aus fremden Ländern geschenkt hatten. Und auch der Kaiser Franz war ihm wohlgesonnen…“

Da ihr alle das böse Ende dieser Geschichte dank des Spiegleins im Zeitschriftenregal ohnehin mehr oder wenig kennt, werde ich jedoch auf weitere Ausschmückungen und erzählerische Schwerstarbeiten verzichten und das einfach mal so stehen lassen.

In der Tat ist der Fußball in den heutigen Tagen recht wenig märchenhaft. Die Eitlen und Bösen gewinnen und die Armen und Tugendhaften verlieren, zumindest meistens. Nix mit Aschenputtel, Schneewittchen oder Rotkäppchen, hier gehen der böse Wolfsburger und die reiche Schwiegermutter mit Minderwertigkeitskomplex als Sieger aus dem Ring. Nur manchmal blitzen ein paar unverdorbene Momente am dunklen Himmelszelt des modernen Fußball-Zirkus‘ auf, wobei die anstehenden Spiele im DFB-Pokal den optimalen Rahmen dafür bieten.

Natürlich freut man sich auch im Liga-Alltag, wenn die Kleinen die Großen, gar übermächtig Scheinenden besiegen und doch bringen diese Siege nur drei Punkte in der Tabelle und ein bisschen mehr Selbstvertrauen in den Köpfen. Im Pokal hingegen fliegt Goliath endgültig aus dem Wettbewerb, wenn ihm David eins mit der Schleuder verpasst und David sackt dafür auch noch schön Kohle ein. Hier stolpern die Stolzen noch über ihre eigene Überheblichkeit und elf Freunde rackern sich zum Sieg. Ein paar graue Wolken am idealistischen Nostalgie-Horizont gefällig? Selbst bei den elf Freunden stehen mittlerweile jede Menge eitle Selbstdarsteller auf dem satten Grün. Wenn sie nach 90 oder 120 Minuten jedoch dreckig und verschwitzt die Arme in den Himmel recken, dann macht man sich darüber und ihre Rolle im System keine Gedanken, sondern findet es einfach nur saugeil, dass der Pokal mal wieder seine eigenen Gesetze geschrieben hat.

Das ist irrational, insbesondere, wenn man sich vor Augen führt, dass wir ebenfalls Teil des Systems sind, indem wir ihm unsere sauer verdienten Euros in den unersättlichen Rachen schmeißen und unseren makellosen Rachen dabei auch noch für lautstarke Fangesänge opfern. Aber halt! Ich wollte hier keine Herbstdepression ausrufen, sondern uns zu Glücksmomenten geleiten, die wir aus dem Pokal-Paradies ziehen können. Denn auch in der zweiten Runde um den güldenen Kral sind mit Aue, Haching, Viktoria Köln, Jena und Reutlingen noch genügend Außenseiter am Start, die in der ersten Runde zuweilen schöne Beine gestellt haben – nicht zu vergessen die krasse Außenseiter-Truppe von hinter den sieben Bergen, die wohl bei den Nachbarn von Starlight Express den Hintern versohlt bekommen wird. Hier ist der Klassenunterschied einfach zu extrem.

Dennoch will ich euch dazu ermuntern, an dem heutigen nebligen Herbsttag die Flimmerkiste anzuschalten und den tapferen Schneiderleins (nicht der französische Nationalspieler) beim Favoriten-Klatschen zuzusehen. Das werden zwar keine sieben auf einen Streich, aber immerhin. Doch wählt weise, denn die Riesen und anderweitigen Goliaths wurden in den letzten Jahren immer stärker und die Davids sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Mein Tipp: Haltet euch von jenen hinter den sieben Bergen fern oder öffnet für den Notfall zumindest eine gute Flasche Whisky. Das wärmt von Innen und vertreibt düstere Gedanken.

In diesem Sinne!

Ba beneen
Butduma

Auf der Couch sitzen zuweilen jede Menge Märchenonkel, die sich die Herbstdepression mit geklauten Bieren aus den Gliedern trinken. Zwischen Wahrheit und Funktion können sie selbst nicht immer unterscheiden, das überlassen sie lieber den Lesern und zwar immer pünktlich bis spätestens um zwölf Uhr mittags.

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SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#1562
27.10.2015 - 09:40 Uhr
Schön.

Ne wortgewandte Programmansage! "Sehen sie nun...."
Haben das früher nicht immer langbeinige Blondinen in Pastellkostümen gemacht? Ok, wir wissen wicht, was But beim Verfassen des Couchings anhatte - und das spielt ja auch keine Rolle.

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Nichts ersetzt die Romantik eines Flutlichtspiels im Regen... ...und siegen!!

Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!

Hate the Game, not the Player!
Die Couchingzone |#1563
27.10.2015 - 09:49 Uhr
Die Blondinen wussten wenigstens wie man *Gral schreibt... shame on me! sadugly

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SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#1564
27.10.2015 - 10:33 Uhr
Zitat von Butduma
Die Blondinen wussten wenigstens wie man *Gral schreibt... shame on me! sadugly

Mensch But, ich zermartere mir an besagter Stelle minutenlang das Hirn, um hinter den Sinn DIESES Krals zu kommen. Und du hast einfach nicht auf die dralle blonde Ansagerin gehört. Davon abgesehen ein prima Couching mit der Erkenntnis, dass der Niersbach wild fließt und nicht ahnungslos dümpelt.

Cheers
Bahli

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You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#1565
27.10.2015 - 10:56 Uhr
Pffft. Teutsch ist eine hachte Sprache. Da darf man auch Kral statt Gral sagen, vor allem, wenn man das R schön rollen lässt. Und wenn man es sagen darf, darf man es auch schreiben.

Beste Grüße
Lullaby
Die Couchingzone |#1566
27.10.2015 - 11:29 Uhr
"... Leider verlässt der Autor nach einem kurzen, wundervollen Einblick in die Märchenwelt diese wieder und lässt den Leser mit diesem angedeuteten Potential allein. Schade!"

Tolle Andeutungen - hat mir gut gefallen! Mein Plädoyer für baldige But-Drucke: Mehr Märchen!

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Bellinghausen trieb den Ball auf der linken Seite nach vorne und flankte. McKenna missglückte der Abwehrschlag, der Ball prallte Simpson vor die Füße, der aus elf Metern ins linke untere Eck einschoss (70.).
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"Die Security filzt jedesmal meinen Jutebeutel, aber sie finden nur feinste Demeter-Qualität." __Verkehrtfunk
Die Couchingzone |#1567
27.10.2015 - 13:19 Uhr
Brutal, wie man aus diesem sich herzallerliebst andeutenden Herbstmärchen in die schnöde FCK-Versager-Realität zurückgestoßen wird. Echt brutal sowas! Wäre doch so erholsam gewesen, auch weiterhin am wilden, rauschenden Niersbach dem Märchenonkel zuzuhören. sad

Aber nix! Kein Sommer- oder Herbstmärchen! Und bestimmt auch kein Pokalmärchen! Setze jetzt alle Hoffnungen auf den Märchenonkel Kuntz bei der nächsten JHV. Das wenigstens geht immer.

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502 Bad Gateway
nginx
Die Couchingzone |#1568
27.10.2015 - 14:04 Uhr
Was meinst du, wie mir die heut aus dem Stadion prügeln? Die wissen nicht mehr, wo hinten und wo vorne ist, wenn wir mit denen fertig sind. Ligaalltag is dann wieder am WE.

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$ echo "Bonsoir, Elliot"
Die Couchingzone |#1569
30.10.2015 - 11:00 Uhr
Jahrgang 6 – Ausgabe 15

DESPERADO

von Devil_till_Death


Ich war schon ein paar Jahre unterwegs gewesen, als ich in diese Situation gekommen bin. Nicht, dass es seitdem ich in die Wüste geflohen bin in irgendeiner Weise anders, dass es besser oder schlechter wäre als jetzt im Moment. Aber dieses mal sieht es wirklich so aus, als könne mir keiner mehr helfen.

Aber lasst mich meine Geschichte von vorne erzählen.

Ich war mal ein ziemlich toller Typ. Naja, zumindest ich hab mich immer so gesehen. Ich und diejenigen, die mich und meine Taten bewunderten. Groß, breitschultrig, wettergegerbt. Nicht der Schönste und Hellste zwar, aber von gerechter Gesinnung und immer auf der Seite der Unterdrückten und Geknechteten.

Irgendwann war es mir zwar bewusst geworden, dass ich mit kleineren Waffen kämpfte als das Gros meiner Gegner, aber diese Waffen wusste ich gut einzusetzen. Was zum Beginn meiner Karriere hauptsächlich an der Munition lag. Silberkugeln begründeten meinen Mythos unter den zerlumpten Desperados. Ich fand sie zusammen mit einer Winchester an einer Gabelung des Wegs, lud sie und gewann zwei große Duelle. Wer hätte mich auch stoppen wollen? Ich hatte Silberkugeln.

Ja, okay, ihr werdet jetzt sagen, ich hätte sie nicht sofort verballern sollen, aber ich war kaum erwachsen; wer will mir heute also verdenken, dass ich sie im erstbesten Moment auch ausprobierte? Und sie hatten ihre Wirkung ja nicht verfehlt: Mein Mythos war geboren und noch heute sprechen viele meiner wenigen verbliebenen Getreuen von meinen ersten beiden Heldentaten.

Fluch oder Segen? Leute, ich stecke hier fest, die Sonne brennt mir seit gottweißwielange auf die hohe Stirn und ich bin am verhungern und verdursten. Denkt ihr, jetzt wäre die Zeit, großartig zu reflektieren?

Okay, ihr habt ja recht. Silberkugeln fallen einem halt nicht wie selbstverständlich in die Hände. Das hab ich dann ja selbst schnell gemerkt. Und meine Winchester hatte ich auch irgendwann beim Pokern versetzt. Ein Desperado ohne Flinte … Es hätte eigentlich mein Todesurteil sein müssen. Aber ich stamme ja aus einer kargen Gegend, tief in den Wäldern, wo wir als Kids schon früh gelernt haben, wie man mit der Keule umgeht. Und ich hatte ja überlebt. Hatte sogar irgendwann mit meinem Knüppel Eli Highness und seine Spießgesellen erledigt. In einem geradezu epischen Duell: Ich war bereits mehrfach angeschossen, ich wankte, ich taumelte. Aber ich fiel nicht. Ich nahm meine Keule und prügelte wie besinnungslos auf meine Kontrahenten ein. Ich schlug ihre hässlichen Fratzen zu Brei. Siegreich verließ ich den staubigen Duellplatz und wurde gefeiert. Nach Jahren in der Bedeutungslosigkeit begann mein Mythos langsam wieder aufs Neue zu strahlen.

Und ich wurde belohnt. Der Sheriff händigte mir eine neue Winchester aus und auch die passende Munition. Keine Silberkugeln zwar, aber ich hatte wieder genug Zunder, um für ein paar Jahre meinen Mythos aufrecht zu erhalten. Ich war für ein paar Jahre wieder ein gefürchteter Desperado. Selbst die Abgesandten des hochnäsigen Großadels aus dem Land tief im Süden waren nicht davor gefeit, sich eine ordentliche Abrechnung einzuhandeln. Doch wie das so ist, irgendwann hatte ich mein Pulver verschossen und der neue Sheriff war nicht so großmütig wie der Alte, mich mit neuer Munition auszustatten.

Ja, ich weiß, was ihr sagen wollt. Warum hatte ich wieder alles verballert? Ob ich keine Demut gelernt hatte? Ihr Penner! Seid ihr schon mal mit dem Knüppel gegen Kanonen angetreten? Nein? Ich schon. Und wenn dir dann einer ‘ne Knarre in die Hand drückt, dann wirst du sie benutzen! Denn du hast genug davon, dich hinter deiner Keule zu verstecken, trotzdem angeschossen zu werden, während du auf den richtigen Moment wartest, hinter deiner Deckung hervor zu treten und den Gegnern, während sie nachladen, den Schädel einzuschlagen. Du hast genug von deinem Knüppel. Du wirst die Knarre benutzen. Sofort. So lange es geht. Glaubt es mir.

Tja, und dann stand ich wieder da. Ohne Winchester. Mit dem Knüppel. Und dieses mal sah es wirklich bitter aus. Man kannte zwar noch meinen Namen, aber mein Mythos wurde blasser. Ich versuchte mich an neuen Methoden. Dem, was die Schlitzaugen aus ihrer Heimat mitgebracht hatten: Jiu Jitsu, Karate, Kendō. Aber meine gelbhäutigen, spindeldürren Lehrer waren nicht die besten. Und ich war weder sonderlich talentiert, noch sonderlich beweglich, noch war ich der beste und gelehrigste Schüler. Leute, ich musste nach der zweiten Klasse Volksschule raus aufs Feld, Vater und Mutter bei der Kartoffel- und Rübenernte helfen. Da war nix mit Bildung. Da wurden bloß die Blasen an den Händen ausgebildet.

Scheiß Geier! Haut ab! Verpisst euch! Drecksvieh!

Sorry, musste meine geflügelten Begleiter davon überzeugen, dass ich noch nicht ganz am Ende bin. Wo war ich? Ah ja, ich und die Moderne. Hat nicht so ganz geklappt mit uns. Naja, bin halt Traditionalist irgendwie. Das ganze Gehopse und Geschleiche, das is‘ nix für mich. ,Taktik‘ und ,Stlategie‘ nannten das meine nicht ganz so guten Lehrer. Ich brülle mir halt lieber die Seele aus dem Leib, stürme ohne groß zu überlegen auf meine Gegner zu und spalte mit meinem kruden Werkzeug Schädel. Oder feure eben die Winchester ab. Der ganze moderne Scheiß kann mich mal.

Aber ich schweife ab. Als ich fast nix mehr zu fressen hatte und mit einem Bein schon im Grab stand, da erschien mir eine gute grauhaarige Fee zusammen mit ihrer guten, grauhaarigen Assistenzfee. Und reichte mir eine neue Winchester. Und einen großen Vorrat an Silberkugeln. Und rettete mich vor dem kalten Loch.

Und ihr könnt euch denken, was passierte: Ich legte mich wieder einmal mit den größten Schurken im Revier an, den weiterhin aktiven Nachfolgern von Eli Highness. Viele hatten es mit ihnen aufnehmen wollen, viele hatten ihr Leben gelassen. Und als niemand damit rechnete, dass sie überhaupt irgendjemand würde besiegen können, da nahm ich meine Waffe und schlich ich mich von hinten an. Langsam. Abwartend.

Und schlug ihnen mit dem Knüppel die Schädel ein.

Seht ihr, ich hatte doch etwas gelernt. Ich hatte mir die Winchester und die Silberkugeln aufgespart. Und ich hatte das Wenige, was ich an ,Taktik‘ und ,Stlategie‘ gelernt hatte, mit meiner gewohnt archaischen Vorgehensweise kombiniert. Und das war der Schlüssel zum Erfolg. Und in dem Maße, wie meine Hose schwoll, schwoll auch mein Mythos wieder an. Ich war wieder an der Spitze, jeder kannte meinen Namen. Kinder verehrten mich, Männer fürchteten mich, Frauen begehrten mich.

Und für ein paar sonnige Jahre war ich wieder einer der größten Desperados. Meine Reisen führten mich sogar ins Ausland, wo ich Recht und Gesetz vertrat, für Gerechtigkeit und im Namen der Schwachen und Unterdrückten kämpfte. Aber ihr könnt es euch ja denken, wenn ihr mir bis jetzt aufmerksam zugehört habt – auch diese Jahre des Ruhms und des Glanzes kamen zu einem jähen Ende.

Diesmal schien es, als sei meine Zeit wirklich abgelaufen: Das letzte, entscheidende Duell gegen den unbeliebten Apothekersohn hatte ich durch eine List verloren. Eine unfaire List zwar, aber eine für ihn erfolgreiche List. Ich war am Boden. Und noch tiefer.

Doch dann griff ich in meiner Verzweiflung endlich zu meiner Winchester. Zuerst lud ich meine Standardmunition. Und ich erschoss alle Wegelagerer, die mir auf meinem Pfad zurück ans Licht begegneten. Und als ich wieder an der Oberfläche auftauchte, da griff ich zu meinen Silberkugeln und mähte alle nieder, die mir zu Gesicht kamen. Jeder Schuss ein Treffer. Ich war zurück an der Spitze. Der größte aller Desperados. Ein Held für alle Zeiten.

Jetzt wollte ich alles: Nie mehr zurück ins Mittelmaß, nie mehr zurück in die Bedeutungslosigkeit. Ich baute meine kleine Hütte zu einer beeindruckenden Ranch aus und fing an, mit Rassepferden und stattlichen Rindern zu handeln. Mein Ehrgeiz wurde zum Wahnsinn, die Grenze meiner Ambitionen war der Himmel. Ich wurde bestaunt, verehrt, geachtet. Und als ich endlich meine dreckigen Klamotten abgelegt hatte, mich in feine Gewänder kleidete und dachte, ich sei im Club der Großgrundbesitzer und Viehbarone angekommen, da versetzte mir das Schicksal den Schlag, von dem ich mich bis heute nicht erholt habe.

Ein Sandsturm zog auf, machte meine Ranch dem Erdboden gleich, tötete mein Vieh und nahm mir alles, was ich aufgebaut hatte. Und als die Bankiers kamen und ihre Dollars zurück wollten, was blieb mir da übrig als mein Land, das wenige Vieh, das mir geblieben war, die Winchester und den Rest meiner Silberkugeln zu versetzen? Aber es reichte nicht, um meine Schulden zu begleichen.

Mir ist klar, was ihr fragen werdet. Warum bin ich mit meinem Ruf als Gelegenheitsdjango nicht zufrieden gewesen? Warum wollte ich unter allen Umständen zu den Reichen und Schönen gehören? Warum habe ich es nicht mit kleineren Schritten versucht, statt auf der Treppe drei Stufen auf ein mal zu nehmen? Ihr Penner! Kommt ihr aus der Gosse? Habt ihr je ums Überleben bangen müssen? Wusstet ihr am einen Tag schon mal nicht, von was ihr anderen Tags eure karge Mahlzeit bestreiten sollt? Nein? Ich schon. Und wenn eine solch geschundene Seele die Chance zum schnellen gesellschaftlichen Aufstiegs sieht, sie wird danach greifen. Koste es, was es wolle. Glaubt es mir.

Also floh ich in die Wüste. Ich war zwischendurch schon mal knapp vorm verdursten, aber ich fand noch einmal eine Wasserstelle. Und eine Karte, auf der der Weg zurück in die Zivilisation eingezeichnet war. Ich sah Licht am Ende des Tunnels. Hoffnung keimte in mir auf. Ich füllte meine Wasserschläuche und marschierte los. Und als ich diese eine Düne überquerte, da sah ich am Horizont endlich Land. Und ich lief drauf zu. Warf meinen Wasservorrat und meinen Proviant weg, damit ich schneller vorwärts kam. Schnell, immer schneller. Bis zur völligen Verausgabung. Doch das Land, das ich glaubte zu sehen, war nur ein Trugbild, geboren aus meiner Erschöpfung und dem flirren der unbamherzigen Sonne. Statt zurück in die Zivilisation lief ich nur tiefer in die Wüste. Immer tiefer in die Wüste.

Heute glaube ich, dass ich die Karte falsch rum gehalten habe. Aber ich kann sie nicht mehr einfach umdrehen. Ich hab mir daraus zuerst einen Sonnenhut gefaltet und sie dann irgendwann vor lauter Hunger aufgegessen. Oder war es der Sonnenstich, der mich dazu trieb? Ich weiß es nicht. Is‘ ja auch egal, nur ein Wunder kann mich noch retten.

Oder wenn ich vielleicht die Geier, die über mir kreisen mit meinem Knüppel erschlage und mir daraus ein Fluggerät bastle? Ja, so müsste es gehen! Ich muss sie nur noch anlocken. Oder ich warte einfach, bis sie neben mir landen. Lange kann es nicht mehr dauern. Nicht mehr lange, dann …

Ich war mal ein gefürchteter Desperado und sie nannten mich ,Der Rote Teufel‘.



Auf der Couch s(chw)itzen staubige und dreckige Revolverhelden, deren Kehlen sich auch durch geklaute Biere kaum noch erquicken lassen. Aber ob mit Silber- oder Bleikugeln, ob mit sanftem Druck oder roher Gewalt, bis High Noon treten sie jeden Freitag aus dem Schatten der Bedeutungslosigkeit und verbreiten das Wort des Wahnsinns unter ihrer fanatischen Anhängerschaft.

•     •     •

Autoritäre Herrschaft braucht keine Superschurken, die sie von langer Hand planen. Sie ist schlichtweg die bequemste Art, Komplexität zu reduzieren.
•••
Das Leben ist die Schule, der Schmerz ist der Lehrer.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Devil_till_Death am 30.10.2015 um 11:18 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1570
30.10.2015 - 11:27 Uhr
Serh schön! Auch wenn das Spalten von Schädeln mit einer Keule sich als mühevolle Angelegenheit erweisen dürfte. Ich empfehle zu diesem Zweck eine solide Axt. Meine Erfahrungen in diesem Metier sind allerdings zugegebenermaßen eher theoretischer Natur. Und ob sich die Technik beim Spalten von Brennholz 1:1 auf Schädel übertragen lässt, weiß ich auch nicht.

Beste Grüße
Lullaby
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