Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
17.08.2012 - 10:54 Uhr
"Ich kann mich bei Robert Pattinson und seinen Fans nur entschuldigen: Ich bereue und bedauere es zutiefst, mit diesem Rupert Sanders fremdgegangen zu sein. Andererseits: Butduma war und ist für mich halt unerreichbar."
Kristen Stewart, fremdgehende Hollywood-Schauspielerin
"Also, diese couchinglose Zeit war für mich dermaßen unerträglich, dass ich mir tatsächlich was Neues zum Knattern gesucht habe - aus lauter Langeweile, irgendwas muss ja auf der Couch abgehen. Aber jetzt, wo die Butduma-Couchings wieder erscheinen, frage ich mich: Was mache ich jetzt mit der Alten? Darauf muss ich erstmal eine rauchen ..."
Helmut Schmidt, 93 und Kettenraucher
"Sehr geehrter Herr Butduma,
gestatten Sie mir, Ihnen im Namen unserer Angestellten und Mitarbeiter unseren Dank zu übermitteln. Sie stellen unseren Arbeitgeber stets so dar, wie wir uns das wünschen: Analytisch, profund, sprachlich dennoch witzig, und vor allem, ohne sich mit behaupteten Insider-Infos wichtig machen zu wollen. Gerade für den letzten Punkt können wir Ihnen gar nicht genug danken."
BlueAngel1975, Betriebsratsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern e.V.
Kohlmeyer enthüllt: Der wahre Waterloo-Dialog - erstmals in voller Länge
"Tapfere Soldaten Frankreichs! Ihr habt Eure soldatische Pflicht mehr als erfüllt! Nun aber ist Euer Kampf verloren! Doch der Herzog von Wellington ist bereit, Euer Leben zu verschonen - wenn Ihr die Waffen niederlegt und Euch ergebt!" - "Bekommen wir bei Euch im Lager das neue Butduma-Couching zu lesen?" - "Nö." - "Merde. Wenn das so ist: Die Garde fällt, aber sie ergibt nicht!" - "Allah gut. FEUER !"
Kristen Stewart, fremdgehende Hollywood-Schauspielerin
"Also, diese couchinglose Zeit war für mich dermaßen unerträglich, dass ich mir tatsächlich was Neues zum Knattern gesucht habe - aus lauter Langeweile, irgendwas muss ja auf der Couch abgehen. Aber jetzt, wo die Butduma-Couchings wieder erscheinen, frage ich mich: Was mache ich jetzt mit der Alten? Darauf muss ich erstmal eine rauchen ..."
Helmut Schmidt, 93 und Kettenraucher
"Sehr geehrter Herr Butduma,
gestatten Sie mir, Ihnen im Namen unserer Angestellten und Mitarbeiter unseren Dank zu übermitteln. Sie stellen unseren Arbeitgeber stets so dar, wie wir uns das wünschen: Analytisch, profund, sprachlich dennoch witzig, und vor allem, ohne sich mit behaupteten Insider-Infos wichtig machen zu wollen. Gerade für den letzten Punkt können wir Ihnen gar nicht genug danken."
BlueAngel1975, Betriebsratsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern e.V.
Kohlmeyer enthüllt: Der wahre Waterloo-Dialog - erstmals in voller Länge
"Tapfere Soldaten Frankreichs! Ihr habt Eure soldatische Pflicht mehr als erfüllt! Nun aber ist Euer Kampf verloren! Doch der Herzog von Wellington ist bereit, Euer Leben zu verschonen - wenn Ihr die Waffen niederlegt und Euch ergebt!" - "Bekommen wir bei Euch im Lager das neue Butduma-Couching zu lesen?" - "Nö." - "Merde. Wenn das so ist: Die Garde fällt, aber sie ergibt nicht!" - "Allah gut. FEUER !"
20.08.2012 - 11:58 Uhr
Ich bin, wie immer, sprachlos.
Chapeu und Danke dafür!
Chapeu und Danke dafür!
22.08.2012 - 20:40 Uhr
Ihr seid der Grund, der dieses Forum voller "Korrekturleser" und "Kindergarten" nach Jahren immernoch lesenswert macht! Hierfür ein herzliches dankeschön...
Das was Ihr hier veranstaltet, gehört in eine professionelle Printmedie! "Grosses Kino" sagte damals Blumentopf.
Das was Ihr hier veranstaltet, gehört in eine professionelle Printmedie! "Grosses Kino" sagte damals Blumentopf.
24.08.2012 - 09:28 Uhr
Jahrgang 3 - Ausgabe 4
LIEBE IN DEN GRENZEN VON DAMALS
Von Bahli
Es ist Sommer. Und er/sie/es rockt mal wieder das Grün - das Leder, die Kugel, die Pille, die Murmel oder einfach nur der Ball. Zu Beginn jeder Saison, wenn das Ding in besagter Manier über den Rasen flitzt, fragt sich der Bahli, warum er sich das eigentlich immer und immer wieder antut. Viel stärker fragt sich das allerdings mittlerweile Bahlis Gattin. Gerade in den medizinischen Dienst gewechselt, machte sie sich unlängst einen Spaß daraus, dem Bahli bei einen Spiel seines FCK den Blutdruck zu messen. Ergebnis: schredder ... pffffft. Ähnlich besorgte Freundinnen oder Ehefrauen sollten sich von aufkeimender Neugier sofort befreien. Einigen wir uns darauf, dass der Bahli bei besagtem Test ziemlich aufgeregt war. Aber sind wir doch einmal ehrlich. Selbst wenn wir wüssten, dass das Herz beim nächsten Tor unwiderbringlich seinen letzten Schlag tut, die Liebe zu seinem Verein bliebe alternativlos. Ein Virus, den man einfach nicht mehr los wird - nicht mehr los werden möchte. Trotz aller rationalen Argumente dagegen. Nick Hornby beschrieb dies 1992 in seinem autobiografischen Roman "Fever Pitch" so treffend: "Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden." - oft zitiert, aber immer wieder schön zu lesen. Die Liebe und der Fußball - eine der tollsten Erfindungen seit es Emotionen gibt. Aber gemach, gemach. Mit dem Bahli geht mal wieder die Fußball-Romantik durch ...
Episode 1: Die Liebe zum Fahrrad
Wie drückte sich eine neue Kollegin (eigentlich Fan von 1899 Hoffenheim, jaja eigentlich) von Bahli am vergangenen Montag in der Mittagspause aus? "Die Hoffenheimer sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Wenn Sandhausen heute Abend gewinnt, bin ich für die. Zum Hardtwaldstadion kann ich nämlich locker mit dem Fahrrad fahren", so oder so ähnlich kam es ihr von den Lippen. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen - Hoffenheim ist out, Sandhausen ist in. Wie sich die Zeiten ändern. Den in ihren Sätzen mitflatternden Opportunismus will ich gar nicht kommentieren. Den haben ihr meine Kollegen in besagter Mittagspause bereits um die Ohren gehauen. Aber die Sache mit dem Fahrrad ist meines Erachtens eine Sensation. Und das führt mir wieder einmal vor Augen, wie man früher und heute Fußballfan wird bzw. geworden ist. Wir - und damit meine ich uns sackalten Fußball-Romantiker - wurden früher in den meisten Fällen nicht Fan eines Vereins, weil wir die Trikots, das Stadion oder die Prominenz auf der Haupttribüne so toll fanden. Wir wurden Fan, weil uns Fußball-Amor während eines Fußballspiels einen Pfeil mitten in unser Herz geschossen hat. Und jeder richtige Fan kann sich noch genau an das Datum des Pfeils erinnern. Den Bahli hat Amor beispielsweise am 18. April 1979 aus vollem Lauf erwischt. Damals egalisierte ein gewisser Klaus Toppmöller auf dem altehrwürdigen Betzenberg die Führung der Schalker durch Rüdiger Abramczik und Klaus Fischer mit einem Doppelpack in der 83. und 85. Minute. Am Ende hieß es 2:2 und der sich damals am Maximum der Heiserkeit befindliche Bahli hat sich ohne Sinn und Verstand in den FCK verknallt. Aber kommen wir zurück zu diesem verdammten Fahrrad. Heute wird man also Fußballfan, weil das Stadion mit dem Fahrrad zu erreichen ist - grandios. Logistische Gründe laufen der reinen Emotion den Rang ab. Da fragt sich wohl nicht nur der Bahli, ob der Fußballgott noch alle an der Waffel hat. Entweder gehen er und seine emotionale Fachkraft Amor mittlerweile getrennte Wege oder er bewilligt keine Pfeile mehr. Immerhin hege ich große Hoffnung, dass nur wenige Fans von 1899 Hoffenheim jemals einen Pfeil Amors spüren durften. Was unter Umständen bedeutet, dass sich viele der 1899-Fans bei weiteren debakulösen Leistungen wie jüngst im DFB-Pokal schlicht und ergreifend auf die logistischen Vorteile zurückbesinnen und in Zukunft wieder mit dem Fahrrad nach Sandhausen, Walldorf, Hockenheim oder Ketsch fahren. Das hätte für Fußball-Romantiker wie den Bahli den netten Nebeneffekt, dass die Seifenblase in diesem Stadtteil von Sinsheim deutlich an Luft verliert.
Episode 2: Liebe in den Zeiten des Solarradios
In der Gegenwart und der Zeit des medialen Fußball-Overkills werden Hochzeiten, Konfirmationen und sogar Geburten an die Termine der Fußball-Bundesliga angepasst. "Schatz, nicht dass du auf die Idee kommst, am Samstagnachmittag deine Wehen zu bekommen", der Fan wird schon alleine beim Gedanken daran, dass der an Land drängende Nachwuchs das Fußball-Wochenende verstrampeln könnte, leicht nervös. Sky hat uns zu Sklaven des Flachbildschirms gemacht. Früher waren wir da wesentlich flexibler. Premiere war in den Neunzigern noch zu teuer - zumindest dem Bahli. Man war damals medial aber auch noch nicht so schrecklich überverwöhnt. "Schatz, am Samstagnachmittag grillen wir bei meinen Eltern" konterte Bahli überlegen mit seinem Solarradio. Stöpsel ins Ohr und man nahm unmittelbar teil am Wahnsinn Bundesliga. Die Jungen unter euch werden lachen - Smartphones oder iPads lassen das Solarradion wie eine Kutsche anmuten. Aber früher musste der Bahli noch richtig "kreativ" werden, wenn es um die wahre Liebe am Wochenende ging. Sätze wie "Schatz, kann das eine Reizblase sein?" oder "Toll, wieder eine Dranginkontinenz am Samstagnachmittag" machten den Weg frei für das Solarradio auf dem Klo. Und wenn wir gerade beim Thema "FCK und Reizblase" sind, können wir auch gleich mit diesem Märchen von Pavel Kuka und dem ersten Abstieg des 1. FC Kaiserslautern 1996 aufräumen. Nicht der Pavel war schuld, der Bahli wars. Obwohl sein Kopf vehement flüsterte, dass Bayer den Ausgleich schießt, wenn er jetzt aufs Klo geht, setzte sich der Bahli über dergleichen Warnungen selbstherrlich hinweg. Und in dem Moment, in dem sein Strahl das Ziel traf, traf Markus Münchs Strahl den Winkel - wumm, aus und Abstieg. Die Liebe zum Solarradio endete übrigens abrupt mit der Meisterschaft 1998 - genauer gesagt in den Abendstunden des 24. April 1998. Als der Bahli nach Olaf Marschalls 3:2 in der 90. Minute im Heimspiel gegen die Borussia aus Mönchengladbach kurz vor der Einweisung ins Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim stand, war das Maß voll. Einige seiner Freunde - und vor allem seine damalige Freundin -, mit denen er gerade unterwegs war, stellten den Bahli vor die Wahl - Solarradio oder wir. Was in Anbetracht der Tatsache, dass der Bahli vor lauter Begeisterung laut schreiend eine Straßenlaterne erklimmen wollte, völlig nachvollziehbar war. Aber auch der Bahli hatte erkannt, dass sich sein Leben ändern musste. Also bestellte er am Tag darauf Premiere und mottete sein geliebtes Solarradio in die Schachtel für ausrangierte Technologien. Seltsamerweise lösten sich damit auch alle inkontinentösen Probleme in Luft aus ...
Episode 3: Alte Liebe rostet nicht
Am kommenden Sonntag überbrückt übrigens wieder einmal der TSV 1860 München das Wochenende mit einer Stippvisite auf dem Betzenberg. Betrachtet man sich die Namen der konkurrierenden Vereine in der 2. Liga, dann wird dem Bahli beim Gedanken an die Löwen sofort warm ums Herz. Da kommt ein echter Traditionsverein nach Kaiserslautern. Darüber hinaus verbindet die Fans beider Lager seit den 1970er-Jahren eine echte Fanfreundschaft. Freundschaften dieser Art gerieten leider in den letzten Jahren mehr und mehr aufs Abstellgleis. Ein Phänomen, das nicht nur zwischen den Roten Teufeln und den Löwen existiert. Die Generationen in den Kurven haben sich verändert - zu Ungunsten der Tradition. Die Freundschaft zwischen Sechzgern und Lauterern ist zwar in den vergangenen Jahren deutlich abgeflaut, aber Sprüche wie "Sechzig und der FCK" oder Choreografien mit den Logos beider Vereine unter dem Motto "Tradition verbindet" sind dem Bahli in bester Erinnerung. Den deutschen Meister aus Bahlis Geburtsjahr (1966) plagen aber ganz andere Probleme. Bei 1860 München beendete der Einstieg eines Investors im vergangenen Jahr die wohl größte Krise der Vereinsgeschichte. Ohne die Finanzspritze des jordanischen Unternehmers Hasan Ismaik wäre der Verein aus Giesing wohl endgültig von der Fußball-Landkarte verschwunden. Obwohl formal alles korrekt abgelaufen ist - Ismaik hält 49 Prozent der Stimmrechte, wodurch die 50+1-Regel eingehalten wird -, bleibt ein fader Beigeschmack. Kaum einer weiß, wie der Geschäftsmann aus dem nahen Osten sein Geld verdient. Und die, die es wissen, behalten ihr Wissen für sich. Das mutet wenig transparent an und lässt Spielraum für Spekulationen. Aber ein Scheich, ein Roman Abramowitsch oder gar ein Bulat Tschagajew ist er bei weitem nicht. Sein Schatten ist deutlich kleiner. Mit dem Jordanier und den urigen Blau-Weißen aus Giesing prallen im Übrigen zwei Welten aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Auf der einen Seite der millionenschwere arabische Geschäftsmann, der wohl ein Mineralwasser einem Maßkrug jederzeit vorziehen würde. Auf der anderen Seite die lebenslustigen Sechzger in Lederhosen, für die ein Maß Bier zu den Grundnahrungsmitteln zählt. Der Bahli ist gespannt, wie sich diese neue Beziehung im Süden Münchens entwickeln wird.
Je länger sich der Bahli mit den Löwen beschäftigt, desto stärker kommt ihm diese Parallele zwischen beiden Traditionsvereinen in den Sinn. Beide Clubs kamen durch die WM 2006 in finanzielle Schieflage. In Rheinland-Pfalz wollte man WM-Spiele - der FCK kaut noch heute an den Hinterlassenschaften. In München wollte man das WM-Eröffnungsspiel - die Löwen sind durch die daraus resultierende Last fast abgesoffen. Führt sich der Bahli alleine einmal die Talente vor Augen, die in den vergangenen Jahren abgegeben werden mussten, macht sich Mitleid mit den Sechzgern breit - Lars und Sven Bender, Moritz Leitner, Peniel Mlapa, Stefan Aigner, Kevin Volland, Marcel Schäfer, Timo Gebhart, Fabian Johnson. Giesings Nachwuchs wurde regelmäßig an die Konkurrenz verkauft, um zu überleben. Der Satz "Alle hams a Geld, nur die Sechzger, die hams net" offenbart erst in diesem Kontext seine ganze Tragik. Dieses Schicksal hat sich in Kaiserslautern zum Glück in Grenzen gehalten, obwohl auch da die Leistungsträger nicht zu halten waren, woraus auch der Abstieg in der vergangenen Saison resultierte. Aber das ist wieder ein anderes Thema.
Freuen wir uns also gemeinsam auf ein richtiges Highlight der diesjährigen Zweitligasaison. Sowohl 1860 als auch der 1. FC Kaiserslautern sind gut in die Runde gestartet. Und das verdient in Anbetracht der oben geschilderten Umstände großen Respekt vor beiden Vereinen.
Cheers
Bahli
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
LIEBE IN DEN GRENZEN VON DAMALS
Von Bahli
Es ist Sommer. Und er/sie/es rockt mal wieder das Grün - das Leder, die Kugel, die Pille, die Murmel oder einfach nur der Ball. Zu Beginn jeder Saison, wenn das Ding in besagter Manier über den Rasen flitzt, fragt sich der Bahli, warum er sich das eigentlich immer und immer wieder antut. Viel stärker fragt sich das allerdings mittlerweile Bahlis Gattin. Gerade in den medizinischen Dienst gewechselt, machte sie sich unlängst einen Spaß daraus, dem Bahli bei einen Spiel seines FCK den Blutdruck zu messen. Ergebnis: schredder ... pffffft. Ähnlich besorgte Freundinnen oder Ehefrauen sollten sich von aufkeimender Neugier sofort befreien. Einigen wir uns darauf, dass der Bahli bei besagtem Test ziemlich aufgeregt war. Aber sind wir doch einmal ehrlich. Selbst wenn wir wüssten, dass das Herz beim nächsten Tor unwiderbringlich seinen letzten Schlag tut, die Liebe zu seinem Verein bliebe alternativlos. Ein Virus, den man einfach nicht mehr los wird - nicht mehr los werden möchte. Trotz aller rationalen Argumente dagegen. Nick Hornby beschrieb dies 1992 in seinem autobiografischen Roman "Fever Pitch" so treffend: "Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden." - oft zitiert, aber immer wieder schön zu lesen. Die Liebe und der Fußball - eine der tollsten Erfindungen seit es Emotionen gibt. Aber gemach, gemach. Mit dem Bahli geht mal wieder die Fußball-Romantik durch ...
Episode 1: Die Liebe zum Fahrrad
Wie drückte sich eine neue Kollegin (eigentlich Fan von 1899 Hoffenheim, jaja eigentlich) von Bahli am vergangenen Montag in der Mittagspause aus? "Die Hoffenheimer sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Wenn Sandhausen heute Abend gewinnt, bin ich für die. Zum Hardtwaldstadion kann ich nämlich locker mit dem Fahrrad fahren", so oder so ähnlich kam es ihr von den Lippen. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen - Hoffenheim ist out, Sandhausen ist in. Wie sich die Zeiten ändern. Den in ihren Sätzen mitflatternden Opportunismus will ich gar nicht kommentieren. Den haben ihr meine Kollegen in besagter Mittagspause bereits um die Ohren gehauen. Aber die Sache mit dem Fahrrad ist meines Erachtens eine Sensation. Und das führt mir wieder einmal vor Augen, wie man früher und heute Fußballfan wird bzw. geworden ist. Wir - und damit meine ich uns sackalten Fußball-Romantiker - wurden früher in den meisten Fällen nicht Fan eines Vereins, weil wir die Trikots, das Stadion oder die Prominenz auf der Haupttribüne so toll fanden. Wir wurden Fan, weil uns Fußball-Amor während eines Fußballspiels einen Pfeil mitten in unser Herz geschossen hat. Und jeder richtige Fan kann sich noch genau an das Datum des Pfeils erinnern. Den Bahli hat Amor beispielsweise am 18. April 1979 aus vollem Lauf erwischt. Damals egalisierte ein gewisser Klaus Toppmöller auf dem altehrwürdigen Betzenberg die Führung der Schalker durch Rüdiger Abramczik und Klaus Fischer mit einem Doppelpack in der 83. und 85. Minute. Am Ende hieß es 2:2 und der sich damals am Maximum der Heiserkeit befindliche Bahli hat sich ohne Sinn und Verstand in den FCK verknallt. Aber kommen wir zurück zu diesem verdammten Fahrrad. Heute wird man also Fußballfan, weil das Stadion mit dem Fahrrad zu erreichen ist - grandios. Logistische Gründe laufen der reinen Emotion den Rang ab. Da fragt sich wohl nicht nur der Bahli, ob der Fußballgott noch alle an der Waffel hat. Entweder gehen er und seine emotionale Fachkraft Amor mittlerweile getrennte Wege oder er bewilligt keine Pfeile mehr. Immerhin hege ich große Hoffnung, dass nur wenige Fans von 1899 Hoffenheim jemals einen Pfeil Amors spüren durften. Was unter Umständen bedeutet, dass sich viele der 1899-Fans bei weiteren debakulösen Leistungen wie jüngst im DFB-Pokal schlicht und ergreifend auf die logistischen Vorteile zurückbesinnen und in Zukunft wieder mit dem Fahrrad nach Sandhausen, Walldorf, Hockenheim oder Ketsch fahren. Das hätte für Fußball-Romantiker wie den Bahli den netten Nebeneffekt, dass die Seifenblase in diesem Stadtteil von Sinsheim deutlich an Luft verliert.
Episode 2: Liebe in den Zeiten des Solarradios
In der Gegenwart und der Zeit des medialen Fußball-Overkills werden Hochzeiten, Konfirmationen und sogar Geburten an die Termine der Fußball-Bundesliga angepasst. "Schatz, nicht dass du auf die Idee kommst, am Samstagnachmittag deine Wehen zu bekommen", der Fan wird schon alleine beim Gedanken daran, dass der an Land drängende Nachwuchs das Fußball-Wochenende verstrampeln könnte, leicht nervös. Sky hat uns zu Sklaven des Flachbildschirms gemacht. Früher waren wir da wesentlich flexibler. Premiere war in den Neunzigern noch zu teuer - zumindest dem Bahli. Man war damals medial aber auch noch nicht so schrecklich überverwöhnt. "Schatz, am Samstagnachmittag grillen wir bei meinen Eltern" konterte Bahli überlegen mit seinem Solarradio. Stöpsel ins Ohr und man nahm unmittelbar teil am Wahnsinn Bundesliga. Die Jungen unter euch werden lachen - Smartphones oder iPads lassen das Solarradion wie eine Kutsche anmuten. Aber früher musste der Bahli noch richtig "kreativ" werden, wenn es um die wahre Liebe am Wochenende ging. Sätze wie "Schatz, kann das eine Reizblase sein?" oder "Toll, wieder eine Dranginkontinenz am Samstagnachmittag" machten den Weg frei für das Solarradio auf dem Klo. Und wenn wir gerade beim Thema "FCK und Reizblase" sind, können wir auch gleich mit diesem Märchen von Pavel Kuka und dem ersten Abstieg des 1. FC Kaiserslautern 1996 aufräumen. Nicht der Pavel war schuld, der Bahli wars. Obwohl sein Kopf vehement flüsterte, dass Bayer den Ausgleich schießt, wenn er jetzt aufs Klo geht, setzte sich der Bahli über dergleichen Warnungen selbstherrlich hinweg. Und in dem Moment, in dem sein Strahl das Ziel traf, traf Markus Münchs Strahl den Winkel - wumm, aus und Abstieg. Die Liebe zum Solarradio endete übrigens abrupt mit der Meisterschaft 1998 - genauer gesagt in den Abendstunden des 24. April 1998. Als der Bahli nach Olaf Marschalls 3:2 in der 90. Minute im Heimspiel gegen die Borussia aus Mönchengladbach kurz vor der Einweisung ins Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim stand, war das Maß voll. Einige seiner Freunde - und vor allem seine damalige Freundin -, mit denen er gerade unterwegs war, stellten den Bahli vor die Wahl - Solarradio oder wir. Was in Anbetracht der Tatsache, dass der Bahli vor lauter Begeisterung laut schreiend eine Straßenlaterne erklimmen wollte, völlig nachvollziehbar war. Aber auch der Bahli hatte erkannt, dass sich sein Leben ändern musste. Also bestellte er am Tag darauf Premiere und mottete sein geliebtes Solarradio in die Schachtel für ausrangierte Technologien. Seltsamerweise lösten sich damit auch alle inkontinentösen Probleme in Luft aus ...
Episode 3: Alte Liebe rostet nicht
Am kommenden Sonntag überbrückt übrigens wieder einmal der TSV 1860 München das Wochenende mit einer Stippvisite auf dem Betzenberg. Betrachtet man sich die Namen der konkurrierenden Vereine in der 2. Liga, dann wird dem Bahli beim Gedanken an die Löwen sofort warm ums Herz. Da kommt ein echter Traditionsverein nach Kaiserslautern. Darüber hinaus verbindet die Fans beider Lager seit den 1970er-Jahren eine echte Fanfreundschaft. Freundschaften dieser Art gerieten leider in den letzten Jahren mehr und mehr aufs Abstellgleis. Ein Phänomen, das nicht nur zwischen den Roten Teufeln und den Löwen existiert. Die Generationen in den Kurven haben sich verändert - zu Ungunsten der Tradition. Die Freundschaft zwischen Sechzgern und Lauterern ist zwar in den vergangenen Jahren deutlich abgeflaut, aber Sprüche wie "Sechzig und der FCK" oder Choreografien mit den Logos beider Vereine unter dem Motto "Tradition verbindet" sind dem Bahli in bester Erinnerung. Den deutschen Meister aus Bahlis Geburtsjahr (1966) plagen aber ganz andere Probleme. Bei 1860 München beendete der Einstieg eines Investors im vergangenen Jahr die wohl größte Krise der Vereinsgeschichte. Ohne die Finanzspritze des jordanischen Unternehmers Hasan Ismaik wäre der Verein aus Giesing wohl endgültig von der Fußball-Landkarte verschwunden. Obwohl formal alles korrekt abgelaufen ist - Ismaik hält 49 Prozent der Stimmrechte, wodurch die 50+1-Regel eingehalten wird -, bleibt ein fader Beigeschmack. Kaum einer weiß, wie der Geschäftsmann aus dem nahen Osten sein Geld verdient. Und die, die es wissen, behalten ihr Wissen für sich. Das mutet wenig transparent an und lässt Spielraum für Spekulationen. Aber ein Scheich, ein Roman Abramowitsch oder gar ein Bulat Tschagajew ist er bei weitem nicht. Sein Schatten ist deutlich kleiner. Mit dem Jordanier und den urigen Blau-Weißen aus Giesing prallen im Übrigen zwei Welten aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Auf der einen Seite der millionenschwere arabische Geschäftsmann, der wohl ein Mineralwasser einem Maßkrug jederzeit vorziehen würde. Auf der anderen Seite die lebenslustigen Sechzger in Lederhosen, für die ein Maß Bier zu den Grundnahrungsmitteln zählt. Der Bahli ist gespannt, wie sich diese neue Beziehung im Süden Münchens entwickeln wird.
Je länger sich der Bahli mit den Löwen beschäftigt, desto stärker kommt ihm diese Parallele zwischen beiden Traditionsvereinen in den Sinn. Beide Clubs kamen durch die WM 2006 in finanzielle Schieflage. In Rheinland-Pfalz wollte man WM-Spiele - der FCK kaut noch heute an den Hinterlassenschaften. In München wollte man das WM-Eröffnungsspiel - die Löwen sind durch die daraus resultierende Last fast abgesoffen. Führt sich der Bahli alleine einmal die Talente vor Augen, die in den vergangenen Jahren abgegeben werden mussten, macht sich Mitleid mit den Sechzgern breit - Lars und Sven Bender, Moritz Leitner, Peniel Mlapa, Stefan Aigner, Kevin Volland, Marcel Schäfer, Timo Gebhart, Fabian Johnson. Giesings Nachwuchs wurde regelmäßig an die Konkurrenz verkauft, um zu überleben. Der Satz "Alle hams a Geld, nur die Sechzger, die hams net" offenbart erst in diesem Kontext seine ganze Tragik. Dieses Schicksal hat sich in Kaiserslautern zum Glück in Grenzen gehalten, obwohl auch da die Leistungsträger nicht zu halten waren, woraus auch der Abstieg in der vergangenen Saison resultierte. Aber das ist wieder ein anderes Thema.
Freuen wir uns also gemeinsam auf ein richtiges Highlight der diesjährigen Zweitligasaison. Sowohl 1860 als auch der 1. FC Kaiserslautern sind gut in die Runde gestartet. Und das verdient in Anbetracht der oben geschilderten Umstände großen Respekt vor beiden Vereinen.
Cheers
Bahli
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
24.08.2012 - 10:00 Uhr
Bahli ist schuld am Abstieg 96 - köstlich! Spitze und danke dafür!
24.08.2012 - 10:02 Uhr
Sachlich und doch blitzt immer wieder der Pathos durch! *gefällt mir*
24.08.2012 - 10:20 Uhr
bahli, das ist eines der besten Deiner Couchings - zum Reinlegen das Ganze.
Und wenn einem die Sonne aus dem Allerwertesten scheint, dann funktioniert das Solarradio eben auch auf dem Klo.
Und wenn einem die Sonne aus dem Allerwertesten scheint, dann funktioniert das Solarradio eben auch auf dem Klo.
24.08.2012 - 10:41 Uhr
bahli liebt Fußball in seiner irrationalen Gesamtheit und zwar bedingungslos unabhängig von Liga, familiärem Umfeld oder Tabellenstand. Wunderschönes Oldschool-Plädoyer für eine der schönsten Lieben des Lebens, wobei das "sackalt" auch mir weh tut.
Hättest Du Nick Hornby in der Kolumne nicht schon erwähnt, ....
Thumbs up.
Hättest Du Nick Hornby in der Kolumne nicht schon erwähnt, ....
Thumbs up.
24.08.2012 - 10:50 Uhr
Sehr schön zu lesen Bahli. Ein Lob an die Kolumnisten-Schar. Es macht einfach immer wieder Spaß. Da werden Erinnerungen wach, auch wenn mich Amors Pfeil das erste mal so richtig am 14.04.1994 beim 4:0 gegen Bayern traf. :)
24.08.2012 - 11:15 Uhr
Bahlis Beiträge zur Fussballromantik sind für mich das Analogon zum "röhrenden Hirsch vor Bergkulisse" - schaurig schön.
Wenn's irgendwo ganz arg juckt, und man endlich die richtige Stelle zum kratzen findet - so wohlig schön fühlt es sich an wenn ich Bahlis Erinnerungen mit meinen eigenen vergleiche :p
Ganz großer Schreibsport, Bahli!
P.S.
Hat sie das wirklich so gesagt? Ich meine *wirklich*? :o
"Die Hoffenheimer sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Wenn Sandhausen heute Abend gewinnt, bin ich für die"
Wenn's irgendwo ganz arg juckt, und man endlich die richtige Stelle zum kratzen findet - so wohlig schön fühlt es sich an wenn ich Bahlis Erinnerungen mit meinen eigenen vergleiche :p
Ganz großer Schreibsport, Bahli!
P.S.
Hat sie das wirklich so gesagt? Ich meine *wirklich*? :o
"Die Hoffenheimer sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Wenn Sandhausen heute Abend gewinnt, bin ich für die"
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