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Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#521
24.08.2012 - 16:28 Uhr
"Nach so einem Bahli-Couching könnte ich mich jedes Mal wegschmeißen."

Tony Scott, Filmregisseur (+)



"Okay, die Hype-Maschine läuft auf Hochtouren und ich werde mich an Shapes of Grey dumm und dämlich verdienen, aber glauben Sie mir: Das sind 1200 Seiten nur Gefick.e, alles schon hundertmal dagewesen, einfach nur erbärmlich, und die nächsten beiden Bände werden auch nicht besser ... warum ich mit meinem eigenen Buch so hart ins Gericht gehe? Ich habe heute Morgen das Bahli-Couching gelesen, der schreibt über ECHTE Gefühle und im Gegensatz zu mir kann er das auch. ich schäme mich nur noch."

E.L. James, Bestseller-Autorin, in ihrem aktuellen Blog



"Es ist seitdem kein Tag vergangen, an dem ich nicht an diese Szene denke, und wenn ich am Tag nicht daran denke, träume ich nachts davon. Ich hätte den verdammten Ball halten können, halten müssen, oder wenigstens zur Seite wegfausten, aber nein ... Irgendwie war ich in dem Moment unaufmerksam, ich weiß nicht genau warum, es war, als würde irgendjemand, unter dessen strengen Blicken ich mich immer besonders angestrengt habe, plötzlich nicht mehr hinschauen ... ich fühlte mich, wie soll ich sagen, unbeobachtet, alleingelassen ... da ist es dann passiert ..."

Aus dem Tonbandprotokoll einer Therapiesitzung des ehemaligen FCK-Torhüters Andreas Reinke, anonym veröffentlicht auf KohliLeaks

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"Du kannst auf deinen Verein stolz sein, aber eigentlich nicht auf die Tatsache, ein Fan dieses Vereins zu sein. Denn die Fan-Werdung vollzieht sich bekanntlich ähnlich wie die sexuelle Orientierung: Da kommt etwas über dich, das du nicht beeinflussen kannst. (...) . Du kannst deinem Verein nicht einfach die Gefolgschaft kündigen. Du kannst deinem Verein nicht den Tritt versetzen. (...) Du kannst deinen Verein nicht einfach loslassen, denn er hält an dir fest."
Thomas Brussig
Die Couchingzone |#522
26.08.2012 - 01:48 Uhr
Fantastisch, Bahli! Nur eins, ich erinnere mich nicht an das Datum, an dem mich der Pfeil getroffen hat, ich war auch noch sehr jung. Ich war zu diesem Zeitpunkt auch noch nie in Kaiserslautern, geschweige denn am Betzenberg, gewesen. Mir hat man nur gesagt: "Glandaaler hons mim Betze!"...Das hat gereicht. ;)

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"Wenn man sich Kaiserslautern auf der Autobahn nähert, und es ist zufällig dunkel und der FCK spielt gerade und das Stadion, das natürlich nicht Irgendwiearena heißt, sondern Fritz-Walter-Stadion, wie auch sonst, und wenn das dann erleuchtet ist, dann kriecht die Erhabenheit unter die Haut, und man spürt, dass dieser FCK nicht einfach ein Fußballklub einer kleinen Stadt ist, er ist ihr Kurfürst, er ist ihre Identität." Marcel Reif

Dieser Beitrag wurde zuletzt von arango am 26.08.2012 um 01:50 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#523
31.08.2012 - 11:56 Uhr
Jahrgang 3 - Ausgabe 5 

NOMEN EST OMEN?

Von Bertikoks


Vorweg

Bisher hatte ich gedacht, das "Playmobil Stadion" sei der bescheuertste Auswuchs einer Vermarktungsmanie, die für zusätzliches Geld in der Vereinskasse sorgen soll. Die Heimstätte des heutigen Gegners aus Dresden übertrifft mit dem Titel "Glücksgas Stadion" allerdings so ziemlich alles, was ich mir jemals an Deformation von Sinn und Tradition eines Fußballvereins durch die Namensgebung seiner Heimstatt habe vorstellen können. Trotzdem könnte ich mir einen Verkauf des Stadionnamens auch bei uns unter bestimmten Umständen vorstellen. Dazu aber später mehr. Zunächst richten wir unseren Blick auf etwas anderes. 


Im Umbruch

Die Transferperiode neigt sich dem Ende und der angekündigte "große Schnitt" hat tatsächlich stattgefunden. Ob das gut oder schlecht ist vermag ich noch nicht abschließend zu beurteilen. Auch ist die Transferperiode ja heute Vormittag noch nicht endgültig beendet, aber ein vorläufiges Fazit lässt sich sicher ziehen. Die Mannschaft ist qualitativ besser besetzt als im Vorjahr. Der Umbruch war umfassend. Herausgekommen ist eine hoffentlich wieder stabile Abwehr, ein für die Liga herausragend besetztes  Mittelfeld und ein Sturm, der keinen Vergleich mit der Konkurrenz scheuen muss, wie ich finde. Trotz der großen Aktivitäten auf dem Transfermarkt, könnte die eine oder andere Verstärkung aus den eigenen Reihen in dieser Saison von sich Reden machen. Hendrick Zuck zum Beispiel ist ein Spieler der aktuell aus der Mannschaft nicht wirklich wegzudenken ist - wie man meiner Meinung nach letzten Sonntag schön beobachten konnte. Und Dominique Heintz ist für mich ein klarer Kandidat für die Startelf heute Abend. Aber es muss nicht immer Nachwuchs sein. Manchmal kann auch ein Experiment sinnvolle Ergebnisse bringen. De Wit zum Beispiel würde ich gern, ich weiß gar nicht wer das hier ursprünglich vorgeschlagen hat, mal auf der Position des Linksverteidigers sehen. Auch der Abschied von Rodnei ist aus meiner Sicht richtig. So sehr Rodnei als Typ an den Betzenberg gepasst hat, so wichtig ist es doch auch, dass er nach seinen furchtbaren Fehlern der letzten Saison wieder unvorbelastet seiner Arbeit nachgehen kann. Und das wäre beim FCK kaum möglich gewesen. Schade, dass es so zu Ende geht, aber nach der Katastrophensaison ist es anders wohl nicht möglich. Die Scherben wurden im letzten Jahr produziert, nicht jetzt. 

Trotzdem ist der Start nicht so verlaufen, wie er hätte verlaufen sollen. Fünf Punkte aus drei Spielen, davon zwei im eigenen Haus, sind zu wenig. Allerdings gibt die Qualität des Kaders guten Grund anzunehmen, dass die Mannschaft im Verlauf der Saison eher stärker wird, als abzubauen. Ein Sieg heute Abend in Dresden wäre auf diesem Weg hilfreich - wenn nicht beinahe schon Pflicht. Problem dabei ist nur, dass Dynamo Dresden mit Sicherheit keine "Laufkundschaft" ist sondern, im ehemaligen Rudolf-Harbig-Stadion ein gewaltiger Gegner sein kann. Womit wir dann wieder bei der Namensgebung wären. 


Von Kampfbahnen und Arenen

Der Stadionname war lange Zeit ein zusätzlicher Teil der Vereinsidentität. Schließlich dient das Stadion ja nicht als blanke Zweckimmobilie. Nein, es trägt wesentlich zur Selbstdefinition eines Vereins bei. So sind alte Bezeichnungen wie "Kampfstätte" oder "Kampfbahn" aussagekräftige Zeugen dieses Sachverhaltes. Wenn diese auch vom Wort "Wettkampf" hergeleitet werden und nicht von martialischeren Begriffen abgeleitet wurden, so haben sie doch in unserem Sport den Sinn neben dem Namen auch gleich eine Botschaft an mögliche Gegner zu senden. Wie sehr das Stadion zur Selbstdefinition beitragen kann, sieht man auch - und vielleicht gerade - in Kaiserslautern. Da es in der Pfalz nicht gar so viele Attraktionen gibt wie an den meisten anderen Spielorten mit Tradition in der Bundesliga, erwähnt doch jeder Neuzugang im ersten Interview das Stadion - um gleich mal ein paar Sympathiepunkte zu sammeln. Und wer einstmals, aus Richtung Kaiserslautern Ost kommend, an einem dunklen Abend auf den Betzenberg zurollte und die alten Flutlichtmasten leuchten sah, der wird dieses erhebende Gefühl von Ehrfurcht kennen, dass ein Mitglied der FCK Familie durchströmen kann, wenn es unser Stadion sieht. Ein Anblick der bei mir heute noch Assoziationen von gewaltigen Schlachten unter Lampenschein bei Bratwurst auf frisch gemähtem Gras auszulösen vermag. Sich unter diesen Umständen einen anderen Namen vorzustellen, ist eigentlich gar nicht möglich. Und doch kann es ein Ausweg sein. Allerdings nicht ohne Einschränkungen. Aber von vorn. 

Vor einigen Wochen ging eine Meldung durch die Presse, neben dem FC aus Köln erwäge auch der FCK die Ausgabe einer so genannten "Fan Anleihe". Und siehe, der Pressesprecher teilte mit, man prüfe dies derzeit tatsächlich und verkünde es öffentlich wenn man zu einem Ergebnis gekommen sei. Das gefällt mir nicht. Auch wenn man eilends nachschob, diese Anleihe sei, wenn überhaupt, einzig zum Aus- bzw. Neubau des Nachwuchsleistungszentrums gedacht, bin ich dagegen. Eine "Fan Anleihe" ist am Ende doch nichts anderes, als ein alternativer Weg, neue Schulden zu machen. Und die naive Idee, man könne einen Bundesligaverein ohne die Aufnahme von Schulden heutzutage nicht konkurrenzfähig halten, ist völliger Unfug. Ich muss nicht auf den Branchenprimus FC Bayern verweisen, oder die Borussia aus Dortmund anführen die seit Jahren konsequent konsolidiert, es reicht ein Blick in den Bundesligareport 2012 um dies zu widerlegen. Nur sechs der achtzehn Klubs wiesen in der Saison 2010/2011 einen Verlust aus. Warum also neue Schulden machen? Um etwas schickes zu bauen was wir uns aktuell nicht leisten können? Selbst wenn es gelingt, den Fröhnerhof wieder ins Vereinsvermögen zu holen, ist das kein Grund neue Schulden zu machen. Und wenn unser Finanzvorstand im Sommer stolz verkündet, der FCK habe keine Bankschulden, weil dort gut gewirtschaftet werde, dann sei darauf verwiesen, dass der FCK vor allem keine Bankschulden hat, weil er eigentlich gar nicht kreditwürdig ist. Der 1. FC Kaiserslautern weist immer noch ein "negatives Eigenkapital" aus, was an Beschönigung im Wortsinn kaum zu übertreffen ist. Aus dieser Perspektive neue, höhere Schulden ins Auge zu fassen, ist Irrsinn, selbst wenn die gute Absicht dahinter zu erkennen ist. Warum? 

Gute Absicht hin oder her, der Weg zur Hölle ist bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert. Wenn man, sagen wir zehn Millionen Euro zusätzliche Schulden machen würde, wie sollen die zurückgezahlt werden? Durch einen Wundertransfer den das NLZ produziert? Vielleicht. Aber ein planbarer Weg ist das leider nicht. Vielmehr muss man Zinsen bedienen und Rückstellungen bilden. Langweilig? Ja. Aber unumgänglich. Bei einer sechsprozentigen Verzinsung und der üblichen Struktur von Fan Anleihen bedeutet das eine Zusatzbelastung von fast sechs Millionen Euro in zehn Jahren Laufzeit, neben der Rückzahlung der eigentlichen Summe. Jedes Jahr müssen dann  etwa 1,5 Millionen Euro mehr aus dem laufenden Etat gezogen werden um am Ende bezahlen zu können was man sich jetzt leisten will. Wir kriegen aktuell nicht mal die Stadionmiete regelmäßig auf die Reihe. Und die Stadiongesellschaft schreibt ihrerseits Verluste. Wie soll das also gehen? 

Der FCK muss deshalb zwingend andere Wege beschreiten, wenn es um den Wiederaufbau des NLZ geht. Und einer davon wäre der Stadionname. Der Vorstand müsste sich von der Mitgliederversammlung ermächtigen lassen, den Stadionnamen einmalig und für begrenzte Zeit, sagen wir fünf Jahre - allein zu diesem Zweck - zu vermarkten. Und wenn dass nicht die gewünschten zehn, sondern "nur" fünf Millionen bringt, dann fällt der Neuaufbau des NLZ im ersten Schritt eben etwas geringer aus. Wo ist das Problem? Schließlich laufen wir doch alle weiter auf den Betzenberg. Oder nicht? Wenn es einer klar definierten besseren Zukunft dient, dann kann der FCK Anhang das durchaus für eine begrenzte Zeit ertragen. Ein wenig Fingerspitzengefühl ist allerdings angezeigt. Wer möchte schon in der "Gummibärchen Arena" kicken?


Auf dem Wachposten

Am Ende sind und bleiben es aber unsere Ikonen, die uns bewegen. Und wir sind es, die sie in unseren Herzen am Leben erhalten. Die Tradition zeichnet also weniger auf dem Papier, als in und durch uns selbst ihre Spuren in die Vereinschronik. Wir sind es die ihr Raum geben. Wir sind es die ihr Sinn verleihen. Und wir sind es die sie mit Stolz bewahren. Während so also jenseits aller Vermarktung nach wie vor Fritz Walter über uns wacht, dient Rudolf Harbig als herausragender Sportler in Dresden diesem Zweck. Dieser hatte, anders als Walter, nicht das Glück den Krieg zu überleben. Er wurde nur dreißig Jahre alt. Harbig übrigens war gar kein Fußballer sondern Leichtathlet. Das, wenn wir uns schon auf die Ebene des mystischen begeben, könnte uns durchaus helfen. Denn mit Laufen allein gewinnt man schließlich kein Fußballspiel. Und außerdem soll es Regen geben. Da kann ja eigentlich gar nichts mehr schiefgehen, oder?

In diesem Sinne.



Gruß Berti






In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.

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Bertikoks - Transfermarkt since 2003. Originalmitgliedsnummer 1686. Keine anonyme Kritik: FCK MGLD 2151
Die Couchingzone |#524
31.08.2012 - 12:43 Uhr
Bald kommt ja IKEA nach Lautern - die könnten ein Selbstbaustadion anbieten und um es zu promoten gleich den Namen des altehrwürdigen Betze verschönern.

Fest steht nur eins, im NLZ muss sich etwas bewegen. Und wenn es einen neuen Fritz Walter hervorbringt, oder eben einen Mario Balo.. Basler, würde mir das auch schon reichen.

Lasset uns beten. Vielleicht auch schon am besten für einen Pokalsieg bei den Bayern. Dann hätte man noch eine Runde um Geld zu verdienen.

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Temporarily not available.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Meininger am 31.08.2012 um 12:45 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#525
31.08.2012 - 12:57 Uhr
11:56 uhr, das war wieder knapp ;)

Mit dem Gedanken, den Stadionnamen abzugeben, der natürlich nicht verboten ist, wirst du ganz schön polarisieren...

Mir persönlich schmeckt das nicht.
Überleg mal, wir hätten das 2008er Endspiel in der "Pfalzwerke-Arena oder im "PayPal-Stadion" austragen müssen. Der Gedanke an Fritz Walter, der über uns wacht, und der unbändige Wille, der die Mannschaft tragen konnte, wären um einges schwerer herzustellen gewesen.
Gerade in besonderen Spielen ist die Ansage "Hier ist Kaiserslautern! Hier ist das Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg" unbezahlbar, um die Gänshaut heraufzubeschwören!
Und "unbezahlbar" heißt eben "mit Geld nicht aufzuwiegen", egal für was man es ausgibt...

Wobei mich nur ein Argument zum überlegen brächte: 10 Jahre Name weg, dafür nach 10 Jahren das Stadion wieder in Vereinsbesitz. Was mich trotzdem abschrecken lässt? Um es mit Kettcar zu sagen: Deiche brechen richtig, oder eben nicht!

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Nichts ersetzt die Romantik eines Flutlichtspiels im Regen... ...und siegen!!

Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!

Hate the Game, not the Player!

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Hegermeister am 31.08.2012 um 13:12 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#526
31.08.2012 - 14:32 Uhr
Zitat von Bertikoks:
Manchmal kann auch ein Experiment sinnvolle Ergebnisse bringen. De Wit zum Beispiel würde ich gern, ich weiß gar nicht wer das hier ursprünglich vorgeschlagen hat, mal auf der Position des Linksverteidigers sehen.

Mann, Berti, von wem kam wohl dieser Vorschlag? Genau, von deinem alten Kolumnenkollegen. Ich halte das übrigens immer noch für eine sinnvolle Option ...

Ansonsten eine prima Kolumne. Und da sind natürlich ein paar Dinge drin, die polarisieren. Aber das ist ja auch eine Aufgabe der Kolumne - unterhalten, einstimmen aber auch polarisieren. Mit diesem Weg sind wir immer gut gefahren.

Daumen hoch ...

Cheers
Bahli

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You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#527
31.08.2012 - 20:39 Uhr
De Witt als LV ?.
Wau ihr überfordert mich. Kopfkino extrem.

Und ein: " Willkommen in der Stadtsparkassenarenakaiserslautern", als Ansprache,
uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu nein, ich hab Kopfweh, das geht gar nicht.

Trotzdem Berti, Danke für ein Couching der etwas neuen Art, quasi als Satus Quo.
Wie immer toll zu lesen und unterhaltsam, ich will mehr davon.

Gruß Koto

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Der Südpfälzer hat zu diesem physikalischen Phänomen ein ganz lapidares Sprichwort auf Lager: „Alles was de nuff schmeise duh‘sch, des kummd irschendwann ach widder runner.“ Alla hopp, so werd’s wohl sei.
Butduma im April 2012



Durlacher achso !!!
Durli Mai 2013
Die Couchingzone |#528
12.09.2012 - 08:38 Uhr
Nur noch zwei Tage und maximal 3 Stunden.

Auf geht´s Jungs, ich bin auf Entzug! ;)

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"Wenn man sich Kaiserslautern auf der Autobahn nähert, und es ist zufällig dunkel und der FCK spielt gerade und das Stadion, das natürlich nicht Irgendwiearena heißt, sondern Fritz-Walter-Stadion, wie auch sonst, und wenn das dann erleuchtet ist,dann kriecht die Erhabenheit unter die Haut, und man spürt,dass dieser FCK nicht einfach ein Fußballklub einer Stadt ist, er ist ihr Kurfürst, er ist ihre Identität."
Marcel Reif
Die Couchingzone |#529
14.09.2012 - 12:35 Uhr
Jahrgang 3 - Ausgabe 6

VON DEN MENSCHLICHEN, DEN PROFESSIONELLEN UND DEN GANZ UND GAR UNMÖGLICHEN

Am Sonntag also soll es sein, da wollen wir über Zebrastreifen hinwegfegen. Es wäre der erste Heimsieg 2012. Unfassbar, was die Statistik einem so um die Ohren haut. Es ist September, und der FCK hat in diesem Jahr zuhause noch nicht gefunden. Andererseits findet´s Kohlmeyer ja auch immer wieder gut, wenn er mit seinen immerhin schon 50 Lenzen noch Dinge erleben darf, die er so noch nie erlebt hat...

Ein solches Erlebnis hatte unlängst auch der Geschäftsführer unseres sonntäglichen Gegners. Bei dem rappelte vor ein paar Tagen das Telefon, und dran war ein 85-jähriger, der sich um den freiwerdenden Trainerposten beim MSV bewerben wollte. Nur als Trainer? Gar nicht mal unbedingt, eigentlich sei der Verein ja dermaßen auf dem Hund, dass es am besten wäre, er besetze den Managerposten gleich mit, doch, doch, er mache dem MSV den Magath, nähme aber längst nicht so viel Geld, und sein Alter spiele doch keine Rolle, er fühle sich jünger als er aussähe.

Kohlmeyer wüsste nur zu gerne, wie lange der Herr Geschäftsführer brauchte, bis ihm dämmerte, dass er hier KEINEM Telefonscherz aufsaß. Möglicherweise erkannte er ja die Stimme am anderen Ende der Leitung: Sie gehörte tatsächlich Rudi Gutendorf.

Die jüngeren Couchingbesuchern wird der Name vielleicht gar nichts mehr sagen, daher ein kurzer Exkurs: Rudi – übrigens ein rheinland-pfälzischer Landsmann aus Kowwelenz – war tatsächlich mal Trainer, aber nicht unbedingt das, was ein bundesdeutscher Feld-, Wald-, Wiesenfan als Erfolgstrainer bezeichnet, denn für den zählen ja nur Titel wenn schon nicht in Deutschland, dann bestenfalls nur noch in Italien, Spanien oder England. Solche hat Rudi nicht vorzuweisen. Sein größter Erfolg ist eine Vizemeisterschaft mit besagtem Meidericher SV, die aber so alt ist wie die gesamte Bundesliga, der nämlich 50 Jahre zurückliegt. Jahrzehnte später veranstaltete Rudi mal kurzzeitig Bohai bei Tennis Borussia Berlin, ohne aber dessen Abstieg zu verhindern, anschließend holte ihn der bescheuerte Show-Manager Peter Krohn zum HSV, wo Rudi gar nichts riss.

Ansonsten nutzte der Gute aus dem Dorf seine Trainerprofession, um einfach nur ein grandioses Globetrotterleben zu führen. Er betrachte sich die Hämorrhoiden an allen Är.schen dieser Welt, trainierte im Busch und im Outback, heiratete anscheinend wahllos, manche Frauen auch zweimal, vögelte wohl noch um Vielfaches mehr nebenraus und brachte es ins Guiness-Buch der Rekorde, als der Trainer mit den meisten Stationen auf den meisten Kontinenten.

Mit 85 hätte es doch mit allem mal gut sein können, sollte man meinen. Aber nein, Rudi muss sich nochmal beim MSV bewerben.

Hat was von einem alten Elefanten, den es zum Sterben an die Stätte seiner Geburt zurückzieht. Oder von Methusalix aus den Asterix-Heften, der mit 93 für sich das Recht proklamiert, sein Dorf bei den Olympischen Spielen zu vertreten.

Oder von einem ebenfalls greise gewordenen Literaturnobelpreisträger, der „mit letzter Tinte“ nochmal Gedichte schreibt, die sich nicht reimen, über Dinge, die er nicht versteht. Was dahinter steckt? Eigentlich nur etwas zutiefst Menschliches, Anrührendes. Denn Rudi wie auch der grasse Günni wollen mit der Aktion doch eigentlich nur eines sagen:

„Vergesst uns nicht! Verliert uns nicht aus den Augen, auch wenn wir alt, hässlich und offenbar gaga geworden sind und schlecht riechen. Wir reden und schreiben auch freiwillig Scheizze, nur damit Ihr weiter uns berichtet!“

Von daher tat der Rudi dem Kohlmeyer zunächst einmal nur leid. Er sah schon die Schlagzeilen, Glossen, Titanic-Verarschungen vor sich, hörte schon die Standup-Comedians, wie sie sich über den, wie die Bayern sagen, „oidn Deppen“ lustig machten.

Aber, o Wunder: Das große Rudi-Bashing blieb aus. Vom MSV-Geschäftsführer war lediglich zu lesen, er habe auf die Bewerbung „sehr zurückhaltend“ reagiert, und die Medien berichteten erstaunlich nüchtern, so dass Rudi nach ein paar Tagen den Rückzieher machen konnte, ohne sein Gesicht zu verlieren: Er habe ja schon gewusst, dass seine Bewerbung keine Aussicht auf Erfolg hatte, aber vielleicht habe er ja im MSV-Umfeld dadurch einige aufrütteln können.

Will sagen: Die Branche hat sich mal menschlicher verhalten, als sie es gemeinhin tut.

Eine Ausnahme?

Möglich, wenn man sich parallel den Fall Kevin Pezzoni anschaut. Kohlmeyer wird sich hier nicht die Mühe machen, auf das Id.iotenpack einzugehen, für das es durch das Internet so leicht geworden ist, seinen konzertierten Schwachsinn zu planen – mit denen werden wir lernen müssen zu leben oder auch nicht. Interessanter ist die Frage, wie menschlich sich die Vereinsführung des 1.FC Köln in diesem Fall verhalten hat.

Nein, sie hätten nicht nichts getan, um den Spieler vor Morddrohungen et cetera zu schützen, sie hätten doch Internetseiten löschen lassen und Stadionverbote ausgesprochen, ließ man verlauten. Partauz, partauz. Aber in die Knie gegangen sind sie letztendlich doch vor dem Mob, als sie dem Spieler die Vertragsauflösung anboten. Verraten haben sie sich allerdings, als sie auf die Kritik des Spielers mit der Erklärung reagierten, er und sein managender Vater seien ja nur sauer, weil es beim FC nicht so für sie lief.

In der Tat: Betrachtet man sich Pezzonis Werdegang beim FC, stellt man fest, dass er in vier Jahren nie richtig den Durchbruch geschafft hatte. Man kann also davon ausgehen, dass der Verein früher oder später aus sportlichen Gründen eine Trennung angestrebt hätte. Und um diese zügig und offenbar zu wirtschaftlich günstigen Konditionen über die Bühne zu bringen, hat man sich von primitiven Ar.schlöchern, die sich Fans nennen, gewissermaßen auch noch helfen lassen.
Oder will jemand allen Ernstes behaupten, der FC hätte ebenfalls so halbherzig klein bei gegeben, wenn Prinz Poldi, Prince of Dumpness, mit Mord gedroht worden wäre?

Kohlmeyer kann dazu nur sagen: Pfui.

Und auch wenn er sich in einem Forum, in dem man den Bayern nicht gerade wohlgesonnen ist, keine Freunde damit macht: Pezzoni hat völlig Recht, wenn er sagt, unter einem Uli Hoeneß würde es so etwas nie geben. Denn davon ist auch Kohlmeyer überzeugt: Weißwurst-Uli würde sich IMMER vor einen seiner Spieler stellen, wenn er von einem derart widerwärtigen Lynchmob angefeindet wird, ungeachtet dessen, was der Spieler noch für einen sportlichen Wert hat.

Was Kohlmeyer zu der Frage führt: Wie bescheuert sind wir normalen Fans eigentlich, wenn wir uns wünschen, nicht nur Fans erfolgreicher Klubs sein zu wollen, sondern auch solcher, die menschlich immer integer handeln? Geht beides überhaupt? Und wie verhält sich unsere Vereinsführung im Zweifelsfall: Eher eiskalt erfolgsorientiert oder menschlich?

Einen „Fall Pezzoni“ zum Vergleich gibt´s beim FCK erfreulicherweise nicht, aber immerhin: Nach den Nazi-Anfeindungen gegen Shechter hat Kuntz ganz gut reagiert, findet Kohlmeyer.
Nicht ganz so dramatisch, aber ganz interessant ist der Blick auf zwei aktuelle Personalien:
Da ist ein Gil Vermouth, der zu denen gehört, die nach einer Saison, in der der gesamte Kader mitsamt Führungscrew bitterlich versagt hat, „ins Schaufenster gestellt“ wird. Er findet aber zunächst keinen Abnehmer, worauf er sich nicht etwa anschickt, seinen Vertrag auszusitzen, sondern in der Vorbereitung die Ärmel hochkrempelt und um seine Chance kämpft. Die bekommt er auch, er schafft den Sprung in die Stammelf, doch als der Trainer zehn Tage vor Transferschluss die Gelegenheit bekommt, einen Wunschspieler an Land zu ziehen, wird Vermouth doch in die Wüste geschickt.

Das ist menschlich nicht unbedingt korrekt, findet Kohlmeyer. Aber irgendwo professionell. Foda hat konsequent die beste Elf aufgestellt, die ihm vorm jeweiligen Spiel zur Verfügung stand, und solange Vermouth Fodas Ansicht nach dazugehörte, gehörte er eben dazu. Dass er ihn am Ende doch für einen Wunschspieler geopfert wurde, ist nicht unbedingt unprofessionell, nicht solange Erfolg da ist: Auch Meistertrainer wie Otto R. und Kalli F. hatten ihre Lieblinge und haben für diese andere gute Spieler vernachlässigt.

Zweites Beispiel: Enis Hajri. Im Mai verpflichtet, im September quasi chancenlos. Wieso hat man den überhaupt geholt, fragen jetzt viele. Wie unprofessionell!

Nun ja: Als er geholt wurde, war ein Torrejon noch nicht in Sicht, dass ein Heintz sich so prächtig entwickeln würde, war auch nicht abzusehen. Was man im Mai wusste, was, dass ein professioneller Umbruch anstand und wahrscheinlich wusste man auch schon, dass man sich von Rodnei trennen wollte. Dieser Hajri hatte mit Balakov immerhin einen sachverständigen Fürsprecher, er verlangte nicht viel und: Er kommt aus der Region, hockte in China und wollte wieder nach Hause...

Die Entscheidung, einen günstigen Kicker zu holen, um dessen Identifikation mit dem Verein man sich nicht sorgen brauchte, war unter diesen Gesichtspunkten zumindest menschlich nachvollziehbar. Auch wenn sie jetzt nicht mehr professionell aussieht.

Was sagt uns das! Es ist unser Klub nun eher ein menschlich geführter oder ein professioneller?
Kohlmeyer sagt: Es ist Ansichtssache. Man kann sich´s drehen und wenden, wie man will. Hauptsache, er verhält sich nicht so armselig wie der 1.FC Köln, sollte es mal in Lautern zu einem Fall Pezzoni kommen.

Gruß,
Kohlmeyer

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"Du kannst auf deinen Verein stolz sein, aber eigentlich nicht auf die Tatsache, ein Fan dieses Vereins zu sein. Denn die Fan-Werdung vollzieht sich bekanntlich ähnlich wie die sexuelle Orientierung: Da kommt etwas über dich, das du nicht beeinflussen kannst. (...) . Du kannst deinem Verein nicht einfach die Gefolgschaft kündigen. Du kannst deinem Verein nicht den Tritt versetzen. (...) Du kannst deinen Verein nicht einfach loslassen, denn er hält an dir fest."
Thomas Brussig
Die Couchingzone |#530
14.09.2012 - 12:54 Uhr
Schönes Ding! Lese eigentlich meistens hier nur mit und schreibe nicht, aber bei Hajri finde ich das du nicht ganz recht hast.

Gerade jetzt im September scheint er mir alles andere als Chancenlos zu sein. Was ja generell nicht gegen deine Grundsätzliche Aussage spricht das der Transfer jetzt nicht der schlimmste war und unter bestimmten Gesichtspunkten nachvollziehbar ist.
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