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Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#551
04.10.2012 - 17:25 Uhr
Schonwieder kein Couching? :(

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„Be curious, not judgemental.“ • Ted Lasso
Die Couchingzone |#552
04.10.2012 - 21:36 Uhr
Nun, es ist erst Donnerstagabend - viel zu früh für einen Kohlmeyer. Ich bin sicher, dass es morgen wieder einen richtigen Kracher zu lesen gibt.

Cheers
Bahli

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You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#553
05.10.2012 - 12:24 Uhr
Jahrgang 3 - Ausgabe 9

VON COOLEN MIENEN ZU BÖSEN SPIELEN UND ANDEREN AR.SCHGESICHTERN

In Kohlmeyers jungen Jahren begab es sich einst, dass er mit seiner Thekenmannschaft in einem kleinen Ort auf der „Sickinger Höhe“ antrat, einem Bergkamm seiner pfälzischen Heimat. So in der Mitte der zweiten Hälfte trug es sich zu, dass einer der Seinen in Gegners Strafraum derb gefoult wurde, der einheimische Schiedsrichter den Strafstoß gegen die ebenso einheimische Mannschaft aber verweigerte. Worauf sich der Referee zwei anstürmenden Naturgewalten gegenüber sah, die aus unterschiedlichen Richtungen quer über den Platz auf ihn zupreschten: Einmal Kohlmeyers Bruder und einmal Kohlmeyer selbst, beides pfälzische Naturburschen von enormer physischer Präsenz, beide vor Wut aus den Nüstern schnaubend, rot vor Zorn und ob ihrer emotionalen Erregung extrem gewaltbereit.

Kohlmeyers Bruder versuchte sich an einer differenzierten charakterlichen Analyse des Unparteiischen: „Du bleedes Ar.schloch.“ Kohlmeyer hingegen, schon immer der hinterfotzigere der Kohlmeyer-Brothers, richtete den Fokus schamlos auf ein körperliches Gebrechen des Mannes von der Sickinger Höhe: „Butz der mol die Brill!“

Und wer von beiden flog vom Platz? Richtig: Kohlmeyer.

Und wie seid Ihr darauf gekommen? Richtig: Weil Ihr Euch gedacht habt, wenn Kohlmeyer, der Meister des unvorhergesehenen Plot-Twists, sie erzählt, geht sie bestimmt anders aus, als man denkt. Fein mitgedacht.

Kohlmeyer vermutet, dass der Referee halt ungern auf seine Sehschwäche angesprochen werden wollte, dafür aber in Kreisen verkehrte, in denen „Ar.schloch“ eine normale Anrede ist, und das „bleed“ hat er vermutlich überhört, weil er es auch mit den Ohren hatte.

Aber warum erzählt Kohlmeyer diese belanglose Episode aus seinem noch belangloseren Leben überhaupt?

Richtig: Weil er damit wieder mal veranschaulichen will, weshalb ihm Schiedsrichterentscheidungen schon seit jungen Jahren ein Mysterium sind. Altersmilde geworden, hat er mittlerweile zwar für die unmittelbar am Live-Geschehen Beteiligten ein bisschen mehr Verständnis, weil es für die oft sehr schwer ist, ad hoc die richtige Entscheidung zu treffen, dafür schüttelt er aber nur allzu gerne über die DFB-Gerichtsbarkeit den Kopf.

GUGGE MOL, WIE DE KLOPPO GUCKT - DOCH DE IVAN GUCKT VIEL BEESER

Der notorische Jürgen Klopp ist jetzt wieder zur Kasse gebeten worden – okay, es trifft skeinen Armen -, weil er am Spielfeldrand wieder mal ausgerastet ist. Gegen den so genannten „vierten Offiziellen“. Ausgerastet? Nun ja, er hat ihn – und jetzt wird´s interessant – eben nicht beleidigt, sondern er hat sich halt... irgendwie aufgeführt. Wild. Rasend. Temperamentvoll. Und die Gesichtszüge sind ihm entgleist. Die Zähne hat er gefletscht, die Augen sind ihm vor den Kopf getreten, der Unterkiefer ist bedrohlich angeschwollen, dabei war gar kein Vollmond, und „Bad Moon Rising“ war im Hintergrund auch nicht zu hören.

Aber beleidigt hat er niemanden. Das ist auch von allen Seiten bestätigt worden.

Großartig, nicht? Man mag den Klopp zwar nicht mögen müssen, aber rhetorisch hat er´s schon drauf. Seine Erklärung, so man sich nun auch schon für seine Gesichtszüge entschuldigen müsse, täte er es hiermit halt, ist irgendwie... sagen wir mal, angemessen.

Kohlmeyer wartet nun allerdings noch auf einige Entschuldigungen mehr. Von Andy Möller, Prinz Poldi und dem Gros des legendären „goldenen“ Waldhof-Jahrgangs, der uns einst am Betzenberg begreifen ließ, dass Hass ein unendlich intensiveres Gefühl ist als Liebe: vom Mannheimer Walter Fritz etwa und, natürlich, von Karlheinz Bührer-S.au – wenn man sich für diese Gesichtszüge nicht enschuldigen muss, für welche dann? Wenigstens weiß Mr. Bean jetzt, warum er lieber Komiker wurde statt Profi-Fußballer.

Die Frage aller Fragen ist aber: Was für eine Weichei-Fraktion sitzt da nun eigentlich beim DFB am Ruder? Wenn die sich schon vor den entgleisenden Gesichtszügen eines Jürgen Klopp einscheizzt, was hätte sie getan, hätte sie einst einmal ins Antlitz des ehemaligen HSV-Spielers Ivan Ivanauskas blicken müssen, denn selbst seine Freunde „Ivan, der Schrecklicher“ nannten, auch wenn er nicht gerade auf 180 war? Sie wären wahrscheinlich heim zur Mama gerannt, hätten sich im Kinderzimmer eingeschlossen, die Bettdecke über den Kopf gezogen, aber das Licht angelassen. Denn Ivan bot noch echtes expressives Mienenspiel – Er hätte einen Litauischen Werwolf ganz ohne Spezialeffekte geben können.

It´s a mad, mad, mad world.

OHNE EINEN HANS IM GLÜCK LÄUFT AUCH KEIN RISIKOSPIEL

Keine Miene verzieht Kohlmeyer gegenwärtig beim Betrachten von Liga eins. Weil´s da keinen Verein gibt, der ihn emotional berührt. Mit einem Rest fußballwissenschaftlichen Interesses verfolgt er allerdings den Weg von Borussia Mönchengladbach.

Nein, Kohlmeyer gehört nicht zu den Altlinken der 70er Jahre, die sich seinerzeit demonstrativ für Netzer & Co. begeisterten, weil sie sich in Opposition zu den offenbar durch und durch kapitalistisch strukturierten Münchner Bayern begeben wollten - zugegeben, Allan Simonsen allerdings fand er als Spieler immer endgeil.

Aktuell fand Kohlmeyer lediglich interessant, welchen Lauf der Abstiegskandidat von vor zwei Jahren vergangene Saison erlebte, und welche Konsequenzen man daraus entzog. Sie sind nämlich, um die ebenso populäre wie grammatikalisch unsinnige Floskel zu gebrauchen, „ins Risiko gegangen.“ Sie hatten nach der unerwartet starken Saison mit internationaler Wettbewerbsqualifikation nicht nur erhöhte Einnahmen, sie haben auch Reus und Dante verkauft, und zu diesen 22 Mios an Transfererlösen setzten sie noch runde zehn drauf, um neue Spieler zu holen.

Warum? Weil sie das tun wollten, wovon auch wir Lauterer träumen: Mal ausbrechen aus der Bundesliga-Grauzone, deren Realität sich in Anlehnung an ein altes Finke-Zitat zwischen Platz acht der Ersten und Rang vier der Zweiten Liga abspielt. Die am Ende jeder Saison stets ihre zwei, drei besten Spieler an geldschwerere Vereine verlieren und dann ums nackte Überleben spielen müssen, wenn sie diese nicht 1:1 ersetzen können. So wie der FCK vergangene Saison, und viele andere unzählige Male zuvor.

Der FCK hatte übrigens auch mal die Chance, aus dieser Grauzone auszuzubrechen. 1998, nach Deutscher Meisterschaft und Champions League-Qualifikation. Da aber ging die Troika, die uns nur wenige Jahre später fast in den Ruin hasardieren sollte, eben NICHT ins Risiko, transferierte lediglich Typen wie Komljenovic oder Pettersson auf den Betzenberg, so dass der Rücksturz in die Grauzone vorprogrammiert war.

Gladbachs Risikospiel dagegen sah für Kohlmeyer auf dem Papier richtig gut aus und war immerhin auch von Fachleuten wie einem Hans Meyer im Aufsichtsrat mitgetragen worden, und allein schon diesem strohtrockenen Humorwunder zuliebe hätte Kohlmeyer den Fohlen Erfolg gegönnt.

Doch, hol´s der Teufel, wenn dann doch der Erfolg ausbleibt, ist schnell wieder Feuer unterm Dach. Nach ein paar schlechten Ergebnissen rumorts im Fohlenstall gewaltig, und schon kommen die, die´s hinterher schon vorher gewusst haben wollen, wieder vorgekrochen und lamentieren: Ach, wär die Borussia ihrem sparsamen Stil doch treu geblieben.

Schade eigentlich. Vor allem um den möglichen Modellversuch, der uns hätte zeigen können, wie man aus der verdammten Liga-Grauzone ausbrechen kann.

Aber vielleicht wartet Fußballdeutschland ja auf einen anderen Verein, der zeigt, wie´s geht. Auf einen, der sich gerade neu formiert, im Herzen eines großen Waldes, hinter den sieben Bergen, zwischen den sieben Zwergen – Mannheim, Saarbrücken, Pirmasens, Karlsruhe und, äh ... nun ja.
Lassen wir es besser für heute. Sonst kommt am Ende Jürgen Klopp angeprescht und guckt Kohlmeyer bös an, weil er wieder einmal eine alte Liebe beleidigt hat.

Das wollen wir uns besser nicht ausmalen. Vor allem nicht, dass Kohlmeyer dann zurückgucken könnte. Dann nämlich wäre interessant zu sehen, wer sich hier einscheizzt.


Gruß,
Kohlmeyer

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"Du kannst auf deinen Verein stolz sein, aber eigentlich nicht auf die Tatsache, ein Fan dieses Vereins zu sein. Denn die Fan-Werdung vollzieht sich bekanntlich ähnlich wie die sexuelle Orientierung: Da kommt etwas über dich, das du nicht beeinflussen kannst. (...) . Du kannst deinem Verein nicht einfach die Gefolgschaft kündigen. Du kannst deinem Verein nicht den Tritt versetzen. (...) Du kannst deinen Verein nicht einfach loslassen, denn er hält an dir fest."
Thomas Brussig
Die Couchingzone |#554
05.10.2012 - 12:53 Uhr
Wahnsinnig geiles Couching lieber Kohlmeyer. Sehr gerne pflichte ich dir vor allem in Sachen Klopp und Gesichtszüge bei.
Der Typ lebt Fußball wie die anderen Größen die du angesprochen hast. Für mich gehört auch ergänzend ein Effenberg dazu.
Emotion und gleichzeitige Zurückhaltung wie im aktuellen Fall Klopp zu verurteilen ist einfach schäbig. Der hätte dem 4. Offiziellen in diesem Moment am liebsten in Tyson Manier das Ohr abgekaut. Er hat sich zurückgehalten und damit zwar vor Wut und Emotion gekocht, aber er ist eben nicht explodiert!
Super beschrieben diesen Wandel in der Warnehmung.

Ich verspreche dir, dass du nicht als Wiederholungstäter bestraft wirst, wenn du wieder einmal so ein entgleistes Couching ablieferst!

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SPORT1: Die besten Torhüter verlassen immer wieder den FCK. Gab es eigentlich auch mal eine Anfrage an Sie?

Ehrmann: Die gab es, aber ich bin 58 und schon so lange beim FCK, da müsste viel passieren, … Ich bin immerhin schon 34 Jahre dabei und ich identifiziere mich absolut mit der Region und dem Klub. Das gebe ich auch meinen Torhütern als Grundeinstellung mit. Herz und Leidenschaft zählen und der Wunsch, dem Verein etwas zurückzugeben anhand von Einstellung und Identifikation.
Die Couchingzone |#555
05.10.2012 - 13:02 Uhr
Nette Kolumne, nicht deine beste - muß ja auch nicht jedes mal sein... -, aber sie leitet das WE genüsslich ein. Danke!

Ach ja, ich kenne noch drei Zwerge namens Trier, Elversberg und Homburg...

Und ich muß gestehen, dass ich bei der Einleitung des zweiten Teils dem Drang nachgegeben habe bei youtube den entsprechenden Song grad rauszusuchen und davon begleitet die Kolumne zu Ende zu lesen! :D
Die Couchingzone |#556
05.10.2012 - 13:47 Uhr
Heute mal ein in paar Stimmen aus der Politik (zum aktuellen Couching/Coucher):

Kurt Beck zu einem investigativen Zwischenrufer:
"Können Sie mal das Maul halten, während ich ein Kohlmeyer –Couching lese? Einfach das Maul halten?"


Angela Merkel auf die Frage, warum sie seinerzeit das Angebot nicht wahrgenommen hat, statt Kohlmeyer die Couchings bei TM zu schreiben:
"Weil ich damals nicht so perfekt war wie heute."


Peer Steinbrück über seine Kandidatur:
„Kohlmeyer war nicht zu haben. Und einer musste es ja machen.“


Philip Rösler positioniert sich im Wahlkampf:
„Kohlmeyer ist eine respektable Person. Natürlich würde ich (auch) mit ihm koalieren!“


Theodor zu Guttenberg gibt endlich zu:
Jaaaaa! Jaaa! Es war Kohlmeyer, der das alles geschrieben hat. Und jetzt lassen sie mich endlich in Ruhe!

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Nicht wir tragen euer Trikot - ihr tragt unseres!
Die Couchingzone |#557
05.10.2012 - 15:39 Uhr
Zitat von CoPrins:

Kurt Beck zu einem investigativen Zwischenrufer:
"Können Sie mal das Maul halten, während ich ein Kohlmeyer –Couching lese? Einfach das Maul halten?"


Womit der "Problembär" auch 100% Recht hatte :p ...gutes Couching, noch bessere "Pressestimmen" :D

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Krahl - Rasmussen, Frees, Gyamfi - Haas, Kunze, Ritter, Sahin, Joly - Yardimci, Berisha

"Wenn wir schon nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt" (R.Rüssmann)
Die Couchingzone |#558
05.10.2012 - 17:24 Uhr
Witziges Aufarbeiten der Mimikäffäre, kluger Blick auf Gladbach und versteckte Touristikwerbung für die Sickinger Höhe (Das Land ist dünn besiedelt ... und wegen ihrer Abgeschiedenheit eignet sich die Gegend gut zum Wandern - Zitat aus Wikipedia).

Co
Der Urlaub hat Dir anscheinend gut getan.

But
Soll ich Dir einen Quadratmeter Ex-Rasen zum Fahnenmast aufstellen verpachten - mit Live Cam?

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"Betzi braucht bei seinem Besuch eine Möglichkeit sich umzuziehen und Kaltgetränke" (Anmeldeformular Betzi Buchen)
"You want it darker, Hineni, Hineni, I'm ready, my lord (Leonard Cohen).
"Well, what did you expect in an opera? A happy ending?" (Bugs Bunny)
Die Couchingzone |#559
05.10.2012 - 17:55 Uhr
So, jetzt ist es passiert. Der Co hat mir den Beck geklaut, anstatt einfach mal das Maul zu halten. Den wollte ich doch ganz exklusiv dem Kohli widmen, der hat es doch verdient, der alte Schreiberling mit Aggressionspotential.

Ich habe mich also auf den müßigen Weg nach London begeben, um die Queen und Prince Charles zu befragen. Beide saßen in EINEM goldenen Stuhl mit purpurnen Samtbezügen und meinten recht royal folgendes:

"I am very amused about this Couching. Okay, Kohlmeyer has allready a very great season gespielt last time, but now he is eindeutig topping it. When I am reading his hilarious words, I can a little bit vergess about the offslidings of my Enkel Harry. Maybe Kohlmeyer is sometimes using zu viel words like shit or ass, but never butt. That's not really royal, but makes me fluffy and glücklich."

Und Charles, fröhlich auf dem Schoß seiner Mutter wippend:

"Yes, ik spräke heutie Deutsch mit Ihnen. Ik habe das von Camilla gelörnt, sie ist eine richtik gute Lehrerin. Gerne wurde ik ein Horspiel von Kohlmeyer haben, weil ik rein anatomisch besser horen kann als lesen. Aber auch so habe ik immer ein großes Gutgefuhl in meinem Härtz. Was were die Royal Family ohne Kohlmeyer? Ein Fisch ohne Chips, sage ik ihnen."

Sagte er, flatterte mit den Ohren, und flog davon.

@ Corto: Das klingt nach einem guten Deal!

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SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Butduma am 05.10.2012 um 17:57 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#560
12.10.2012 - 12:53 Uhr
Jahrgang 3 - Sonderausgabe

IN EIGENER SACHE

Kohlmeyer hat die Tage gelesen, dass Peter Maffay sich Gedanken über den Tod macht. Nunmehr 63, meinte er, käme ihm Gevatter Hein öfter in den Sinn, und das schrecke ihn schon etwas. Andererseits beruhige ihn der Gedanke, dass sein Plattenvertrag noch 22 Jahre laufe.

Merkwürdig, dachte Kohlmeyer: Ihn schreckt eher der Gedanke, dass die alte Warze noch 22 Jahre Töne produzieren will, dagegen beruhigt ihn, dass dieser Siebenbürger eben nicht Graf Dracula ist, sondern vielleicht vorher...

Nun gut. Lassen wir das. Das war jetzt geschmacklos. Dieser Einstieg soll nur vermitteln: Auch wir Kolumnisten werden gelegentlich von trüben Gedanken heimgesucht. Unlängst ist uns so einer abhanden gekommen. Nein, kein Gedanke, sondern ein Kolumnist. Drum soll diese Kolumne zur Länderspielpause eine in eigener Sache sein, keine zur wichtigsten Hauptsache der Welt. Unserem FCK.

Zunächst mal zu Kohlmeyer selbst. Wie wirst Du enden, hat auch er sich schon öfter mal gefragt. Als ewig geiler alter Mann, natürlich, aber irgendwann wird er allen nur noch auf den Sack gehen und keiner mehr wird seine Kolumnen lesen wollen – und dann? Dann wird er verbittern, zu seiner Geilheit auch noch bösartig werden, dadurch allen anderen noch mehr auf den Sack gehen, bis sie in schließlich ein Heim stecken.

Dort wird er dann geiler und bösartiger denn je, sich ständig mit den Mitinsassen zoffen und gegen die Heimleitung rebellieren. Sie werden erst versuchen, ihn mit Pillen ruhig zu stellen und dann mit Elektroschocks.

Irgendwann wird er auf einem Sünderbänkchen sitzen. Neben ihm Stumpen-Rudi, der dann ungefähr hundert sein wird und offiziell schon 30 Jahre geistig umnachtet. Zusammen werden sie eine Weile schweigend dasitzen, denn Stumpen-Rudi hat schon Jahre nichts mehr geredet.

Plötzlich vernimmt Kohlmeyer folgende Worte: „Lehmann, Eigenrauch , de Kock , Thon, Linke, Büskens (67. Max), Nemec, Müller, Anderbrügge, Wilmots.“

Kohlmeyer ist erst erschrocken, dann entzückt: „Rudi“, sagt er, „das ist die komplette Besetzung der Eurofighter. Du kannst nicht nur noch reden, Du bist auch noch absolut hell in der Rübe!“
„Klar, Kohli“, kichert Rudi. „Ich ver.arsch die doch hier nur. Die sind doch alle dermaßen was von bescheuert.“

Der weitere Verlauf der Handlung geht dann ungefähr so: Kohli wird, weil er einfach keine Ruhe geben will, irgendwann das Hirn frittiert. Er vegetiert dann nur noch als Gemüse dahin. Rudi kann seinen einst so quirligen Kumpel in diesem Zustand nicht ertragen und erstickt ihn mit einem Kopfkissen. Dann geht er in den Waschraum, reißt ein Becken aus der Verankerung, wirft es durchs Fenster und flüchtet. Unterwegs trifft er Simone Thomalla, die seit der Trennung von Rudi keinen richtigen Kerl mehr hatte. Aus alter Verbundenheit bumst Rudi sie bewusstlos, ohne den Stumpen aus dem Mund zu nehmen. Dann geht er seiner Wege...

Okay, Kohlmeyer hat einfach zu viele Filme gesehen und nur die Bumsszene dazu erfunden. Doch auch plagiierte Endzeitvision ist eine Endzeitvision. Und das ist nun mal Kohlmeyers Endzeitvision.

Ein anderer von uns hat unlängst dieses Forum zu seinem persönlichen Kuckucksnest erklärt und ist einfach davon geflogen. Er war nicht so geil wie Kohlmeyer, aber so verbittert, wie Kohlmeyer es erst in 30 Jahren zu sein gedenkt.

Er hat sich einfach zu viel aufgeregt über einige User, die sich nicht gerade qualifiziert äußerten über ihn und sein ohne Frage ansehnliches Fach- und Hintergrundwissen. Und im Abgang hat er sich dann sogar noch über die „alten Recken“ mokiert, die ihn im Stich gelassen hätten.
Ob er zurückkehrt, hat er offen gelassen. Jetzt stehen wir erst mal ohne ihn da. Und wissen nicht, was wir tun sollen.

Denn diese Kolumne ist halt im Wesentlichen sein Kind. Von daher möchten wir nicht einfach so einen Nachrücker nominieren, der seinen Kolumnistenplatz einnimmt. Obwohl es Interessenten genug gäbe.

Erst vorgestern hat sich ein Chinese beworben, indem er erst einmal den Literaturnobelpreis einsackte, um sich für unseren Kolumnistenkreis interessant zu machen. Vor allem die Liste seiner bisher veröffentlichten Bücher klingt vielversprechend: „Die Schnapsstadt“, „Die Knoblauchrevolte“, „Der Klan der Grasverzehrer“ und vor allem Kohlmeyers Lieblingstitel: „Große Brüste und breite Hüften“. Zuletzt hat Mo Yan mit dem Roman „Frosch“ sogar einer FCK-Legende ein Denkmal gesetzt. In der Tat: Da scheint gutes Kolumnistenpotenzial heranzureifen.

Andererseits: Wir finden, Berti sollte da ein Wörtchen mitreden. Oder am besten gleich ganz wiederkommen.

Indes: In den Allerwertesten krabbeln wollen wir ihm auch nicht. Denn so ein bisschen – so viel Kritik von den „alten Recken“ muss sein – hat er sich auch selbst in seine Schmollecke manövriert. Seine Bemühungen, dem Forum ein gewisses Niveau zu erhalten, was Form und Inhalt der Posts angeht, in allen Ehren, aber erträglich war das nur bis zu einer gewissen Grenze. Internet ist nun mal Internet, und dass in dessen Anonymität auch und gerne viel Müll verbreitet wird, liegt in der Natur der Sache. Dagegen immerfort aufzubegehren, gleicht irgendwann einem Kampf gegen Windmühlen.

Sicher, die alten Recken – und da nennt sich Kohlmeyer bewusst an erster Stelle – waren früher mit mehr Eifer bei der Sache, wenn es darum ging, Unsinnsschreiber in die Schranken zu verweisen. Aber irgendwann ist auch mal gut, da stellt sich das Gefühl ein, jede Diskussion schon mal geführt zu haben, da fängt man an, Schwachsinn einfach zu überlesen und nur noch dann zu posten, wenn man´s für richtig hält.

An Berti allerdings scheint dieser altersbedingte Abrieb vorüber gegangen zu sein, er hat sich solange echauffiert, bis ihn sein immerwährender Kampf gegen die Windmühlen ins Exil getrieben hat.

Wie auch immer: Diese Kolumne ist sein Kind, und deswegen soll sie nicht weitergeführt werden, ohne dass wir ihm zumindest Gelegenheit gegeben, sich zu äußern, wie er sich ihre Fortsetzung vorstellt.

Statt ihm irgendwelche schleimigen PN´s zu schreiben, möchten wir ihn daher hiermit bitten, sich öffentlich zu äußern.

Ein „Leckt mich doch alle am Ar.sch“ würde bereits Aufschluss geben, eine Rückkehr Bertis in alter Form wäre uns allen natürlich lieber.

Nur gar nix zu sagen, das wäre unwürdig für den Vater dieses Kindes.

Es grüßt
Kohlmeyer
- offiziell autorisiert von Bahli und Butduma und hoffentlich auch in ihrem Sinne -

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"Du kannst auf deinen Verein stolz sein, aber eigentlich nicht auf die Tatsache, ein Fan dieses Vereins zu sein. Denn die Fan-Werdung vollzieht sich bekanntlich ähnlich wie die sexuelle Orientierung: Da kommt etwas über dich, das du nicht beeinflussen kannst. (...) . Du kannst deinem Verein nicht einfach die Gefolgschaft kündigen. Du kannst deinem Verein nicht den Tritt versetzen. (...) Du kannst deinen Verein nicht einfach loslassen, denn er hält an dir fest."
Thomas Brussig
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