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Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#1371
22.04.2015 - 17:03 Uhr
Jahrgang 5 – Ausgabe 32

NÄHKÄSTCHEN-PLAUDEREIEN VON DER PSYCHO-COUCH

Gestatten, meine Damen und Herren? Mein Name ist Hans F. Magenreuther. Ich bin praktizierender Psychiater und habe meine Praxis direkt am Fuß des heiligen Berges. Und ich liebe den FCK.

Wissen Sie, warum ich den 1. FC Kaiserslautern liebe?

Weil ich Fußball-Fan bin? - Na ja, das auch. Ein bisschen zumindest. Ja, wirklich, so ein kleines bisschen affektiver Bezug zu diesem runden Kunstlederball ist auch mit im Spiel. Aber wirklich nur ein kleines bisschen. Vor allem liebe ich den FCK, weil er mir mein Sprechzimmer mit Kundschaft füllt.

Oder anders ausgedrückt: Vom Fußball und den krankhaft-morbiden Begleiterscheinungen, mit denen er sich umgibt, lässt sich’s als Psychiater sehr gut leben. Letztes Jahr war ich zum Beispiel im Wanderurlaub auf Madeira, auf Gletschertour in Island, auf Tempelbesichtigung in Nepal, zum Surfen auf den Philippinen und zehn Mal zum Abendessen in Paris. Und Sie?

Natürlich sollte ich im Gegenzug auch fairerweise einräumen, dass mein Job ein hartes Brot ist. Sie haben wahrscheinlich nicht einmal den Hauch einer Vorstellung, was für Heerscharen von geballten Neurosen und Psychosen das sind, die sich tagtäglich ein Stelldichein in meiner Praxis geben.

Zum Beispiel der Patient, der gerade eben erst von meiner Couch aufgestanden ist. Ein FCK-Fan. Er nennt sich Vic Dorn und sieht eigentlich wie ein netter und freundlicher Durchschnittsbürger aus, eigentlich eine recht sympathische Erscheinung. Aber das täuscht! Dieser Vic ist derart ferngesteuert von all den Feindbildern, die ihm durch den Kopf schwirren, dass er eigentlich immer nur auf der Reise vom einen innerlichen Feldzug zum nächsten ist. Erwähnen Sie ihm gegenüber mal Schlagworte wie Sepp Blatter, Katar 2022, Sandro Wagner, Christian Heidel oder natürlich RB Leipzig, und Sie werden sofort verstehen, was ich meine.

Heute Nachmittag kam er mit leuchtenden Augen zu mir in meine Praxis – und diese leuchtenden Augen sind immer ein alarmierendes Anzeichen, dass Offizier Dorn wieder auf Feldzug gehen will. Und tatsächlich: Er hat sich etwas Neues ausgedacht. Er will von mir wissen, was ich von seiner neu gegründeten Initiative TEGRADA halte.
„TEGRADA? Was ist das?“ frage ich, mehr besorgt als neugierig.
„Das steht für: Traditionsbewusste Europäer Gegen eine RAsenballisierung Des Abendlandes“, erklärt er und lächelt dabei so selig wie ein Buddha im Nirvana.
Ich reagiere sofort und verschreibe ihm ein Sedativum in mittelhoher Dosis, um den kriegerischen Antrieb in ihm auf ein unbedenkliches Maß herunterzuschrauben.

Vic ist etwas enttäuscht, dass mein Applaus für seine Idee ausgeblieben ist. Aber nach einer halben Stunde Gesprächstherapie sieht er seinen Irrpfad ein. Er verspricht mir, sein Sedativum zu nehmen und künftig zu versuchen, das Phänomen RB Leipzig komplett zu ignorieren. Na ja, wer’s glaubt… - Aber guter Wille ist immerhin ein guter Anfang…

Dieser Vic Dorn ist übrigens einer der wenigen, die unter ihrem echten Namen zu mir kommen – wenn man mal davon absieht, dass er mich manchmal etwas infantil angrinst, und dann behauptet, sein Name sei ja gar nicht Vic Dorn, das sei nur Tarnung. In Wirklichkeit heiße er Dic(k) Vorn. Aber was will man von jemandem erwarten, der von der menschlichen Reife her noch im Stadium eines Postpubertierenden verhaftet ist?

Die meisten anderen Patienten wählen einen Tarnnamen, wenn sie sich bei meiner Sprechstundenhilfe Herakline Mühlbauer melden. Sie fürchten sich davor, vor den Augen der Öffentlichkeit aus ihrer Anonymität herausgerissen zu werden und dann das Stigma, ein Fall für die Couch zu sein, öffentlich auf ihrer Stirn zu tragen. Aber einige von ihnen sind ja auch ganz schön prominent.

**SuPa PHILLY**

Zum Beispiel ein langer blonder Kranich mit Namen SuPa Philly. Der junge Mann ist Fußballprofi, aber Fußballprofi wider Willen, könnte man sagen. Er beklagt sich darüber, dass jeder Experte und Möchtegern-Experte fußballerisches Talent in ihm sieht. Sein Trainer Kastor Rouladic, sein Vorstandsvorsitzender Stefan Grunz und auch sein Ex-Verein Falke 04, der sich sogar eine Rückkaufoption auf den jungen Mann gesichert hat: Sie alle sind der festen Überzeugung, er hätte als Kicker irgendwas. Nur was? Das wissen wohl nur die Götter. Denn SuPa Philly selber ist der Meinung, dass er als Fußballer überhaupt nichts hat. Und er sollte es ja eigentlich wissen.

„Eigentlich wollte ich viel lieber Straßenbahnfahrer werden“, bekennt Philly und ein Hauch von bodenständiger Ehrlichkeit weht ihm dabei übers Gesicht. „Straßenbahnfahrer, das ist ein Leben, das in festen und geordneten Bahnen verläuft. Bei mir daheim im Sturgebiet gibt es nur 12 Linien und 217 Haltestellen, und wenn du die alle beherrschst, dann hast du als Fahrer dein Leben im Griff. Im Fußball hingegen musst du wild auf dem Feld rumrennen wie eine angestochene Sau und den Gegner mit deinen Laufwegen verwirren. Das ist überhaupt nicht mein Ding. Für mich als ordnungsliebenden Menschen, der gerne Ordnung schafft, muss alles für jeden überschaubar sein.“

„Warum übst du dann also einen Beruf aus, der deine Persönlichkeit verletzt?“ frage ich, während sich seine Vibrationen des Schmerzes so stark im pastellfarbenen Praxis-Raum verdichten, dass sie fast körperlich zu spüren sind.
Nun fängt Philly bitterlich an zu weinen, und schluchzend ringt er seiner Kehle das Geständnis ab: „Weil mein Papa mich jedes Mal mit seinem Gürtel verdroschen hat, wenn ich lieber kreuz und quer mit der Straßenbahn durch die Stadt fahren wollte, statt mich von ihm zum Fußballtraining fahren zu lassen. Und noch immer wache ich regelmäßig nachts schweißgebadet auf und sehe meinen Papa mit finsterem Gesicht und mit dem Gürtel in der Hand… Dann weiß ich, dass es für mich kein Entrinnen aus dem Beruf des Fußballprofis gibt…“
Ich spreche ihm Mut zu, so gut ich kann. „In zehn bis zwölf Jahren kannst du deine Karriere ja schon beenden und endlich Straßenbahnfahrer werden – und zwar ohne dass dein Papa dir einen Strick daraus drehen kann. Ein Ausstieg mit 33 bis 35 Jahren ist normal und völlig unverdächtig.“
SuPa Philly schaut mich mit großen ungläubigen Augen an und dann schießen erneut die Fontänen von seiner Netzhaut durch den Raum. „Das ist doch nur ‘ne Illusion“, heult er. „Mein Papa will nämlich, dass ich nach meiner aktiven Laufbahn Trainer werde! Und den Gürtel von früher hat er immer noch im Schrank.“
Tragischer Fall, das mit dem jungen Philly, wirklich.

**TOM STROHFLUSS**

Nicht minder tragisch ist die Geschichte eines anderen aktuellen FCK-Profis mit dem Decknamen Tom Strohfluss. Der Blondschopf mit der überlangen Pottfrisur konsultiert mich erstmals vor knapp sechs Monaten, weil er Angst hat, seine Identität zu verlieren.
„Seine Identität kann man nicht verlieren“, versuche ich ihm anfangs auf einer sehr pragmatischen Ebene zu erklären. „Wir sind hier im Profifußball und nicht in einem trashigen Science-Fiction-Schinken.“

Aber da habe ich die Rechnung ohne die FCK-Fans gemacht. Denn Tom Strohfluss hat recht; er hat tatsächlich seine Identität verloren, seit er zum FCK gewechselt ist.
Ursache hierfür ist, dass unsere Fans ihm einfach keine eigene individuelle Existenz zugestehen, sondern ihn immer nur als Reinkarnation eines gewissen Artin Mamedick betrachten. Und nicht nur die Fans. O-Ton Herr Strohfluss: „Sogar meine eigene Freundin fängt jetzt schon an mit diesem Scheizz. Neulich, zum Beispiel, nach einem super-romantischen Candlelight-Dinner daheim mit lecker Pizza von Joey’s und mit Viennetta-Eistorte aus der Tiefkühltruhe. Da zieht sie mich nach dem Essen mit einem hypergierigen Blick in den Augen auf die Couch und haucht mir mit einer Stimme wie Xenia Onatopp ins Ohr: ‚So mein kleiner Lümmel, und jetzt machst du mir den Mamedick, aber dalli dalli! Zack, zack, zack!‘“

Das Trauma geht bei Herrn Strohfluss so weit, dass er auf dem besten Wege ist, eine multiple Persönlichkeit zu entwickeln. „Es gibt Tage, da schau ich in den Spiegel und sage zu mir selbst: ‚Mensch, Martin, siehst du gut aus.‘ Und dann antworte ich mir: ‚Danke, Tim, ich weiß.‘“ Das Timbre seiner Stimme ist beim Sprechen von einem hysterischen Zittern unterlegt. Ich schreibe ihm besonders harte Antidepressiva auf; mit einer beginnenden multiplen Persönlichkeitsstörung ist bekanntermaßen nicht zu spaßen.

**KATZE DIETRICH**

Dann gibt es noch den tragischen Fall eines deutlich in die Jahre gekommenen leicht schieläugigen Mannes mit Fünftagebart, der unter dem Decknamen Katze Dietrich zu mir kommt. Der Mann kommt zweimal monatlich weinend zu mir auf die Couch. Er fühlt sich von den FCK-Fans ausgegrenzt, missverstanden und zu Unrecht kriminalisiert. Meistens sagt er nicht viel mehr als nur: „Ich wollte ihnen doch nur die WM schenken – nur die WM! Die Weh Eheeem! Und das ist der Dank!“

Ich frage dann meistens: „Hast du denn damals bei der Verfolgung des Ziels, Kaiserslautern die WM zu schenken, alles richtig gemacht?“
Dann guckt er mich mit großen Augen an, das eine etwas größer als das andere, und sagt: „Nein, nicht alles. Ich habe beileibe nicht alles richtig gemacht. Wenn ich ALLES richtig gemacht hätte, dann hätte das WM-Finale nicht in Berlin, sondern in Kaiserslautern stattgefunden.“
„Und Deutschland wäre Weltmeister geworden“, ergänze ich.
„Das auch“, bestätigt Katze Dietrich.
Immerhin, dies ist endlich mal ein Patient, der keine Antidepressiva braucht. Ein, zwei Gläschen Rotwein pro Tag gegen das Selbstmitleid tun’s auch.

**PAPPEL 4711**

Natürlich suchen nicht nur Fußballprofis und Funktionäre Rat auf meiner Couch, sondern selbstverständlich auch eine ganze Reihe Fans. Einer kommt unter dem Decknamen pappel4711 zu mir und behauptet, er sei Pate in einem Fußballforum namens Trance-Fair-Markt. Kennt ihr diese Internet-Seite? Ich habe von einem solchen Forum noch nie etwas gehört.

Pappel schaut stets mit gehetztem Blick zur Tür, dann zum Fenster, dann hinter den Schrank und unter die Couch. Dann ist er einigermaßen beruhigt, tüpfelt sich den Schweiß ab und sinkt mit einem schweren Seufzer auf das schwarze Kunstleder nieder.
„Ich werde anonym bedroht“, sagt er immer wieder, und seine Zähne klappern dabei im Neun-Achtel-Takt. „Ich werde anonym bedroht.“
„Von wem?“ frage ich natürlich. Ziemlich mechanisch, so wie es die Berufsroutine halt mit sich bringt.
„Von DBF!“
„Was? Vom DFB?“
„Nein! Von DBF! ‚Der Betze flennt‘!“
„Bedroht? Von ‚Der Betze flennt‘? Mit Tränengas, oder womit?“ Ich verstehe überhaupt nichts mehr.
„Nein. Das ist ein verfeindetes Fußballforum. Wir haben mittlerweile viel mehr Mitglieder als die – und vor allem mehr Diskussionskultur in unseren Posts. Und weil den Bossen von ‚Der Betze flennt‘ so etwas natürlich ein Dorn im Auge ist, bedrohen sie mich anonym. Und ihr erpresserischer Befehl lautet: Ich muss ab sofort mindestens 20 aktiven TM-Mitgliedern pro Monat ein Gürtelchen verpassen.“
„Ein Gürtelchen verpassen?“ Ich raufe mir die spärlichen Haare und habe mittlerweile das Gefühl, ich gehöre eher selber auf die Couch.
„Das ist Paten-Jargon für ‚sperren‘. Sie verlangen von mir, dass ich die besten Köpfe unseres Forums sperre, damit wir langweiliger und niveaubefreiter werden. Dadurch erhoffen sie sich, dass DBF dann wieder mitgliederstärker wird als wir und das Betze-Forum Nummer eins wird.“

Ach, du lieber Himmel! Krieg der Foren! Krieg der Sterne war anscheinend ein Dreck dagegen. Ich hatte ja schon immer eine gewisse Ahnung, dass der Untergang des Abendlandes eines Tag nicht etwa durch atomare, biologische oder chemische Waffen eingeläutet wird – sondern in Form einer vollkommenen Realitätsentfremdung der Menschen durch überlange Streifzüge in der virtuellen Welt des Humbugs. Ich erteile pappel4711 ein vierwöchiges Internet-Verbot und bin mir sicher, dass er wieder voll und ganz genesen wird – wenn er sich eisern daran hält. Meine geschätzten Leserinnen und Leser, wenn Ihnen jemals im Internet ein Forum namens „Der Betze flennt“ oder „Trance-Fair-Markt“ begegnen sollte – dann machen Sie bitte in Ihrem eigenen Interesse einen großen Bogen drum. Gehen Sie lieber joggen oder lesen Sie ein gutes Comic von dem Herrn, der Kalif sein will anstelle des Kalifen.

Herzlichst, Ihr Hans F. Magenreuther

Auf der Couch sitzen außer meinem Sorgenkind Vic Dorn auch die Pflegefälle Berti, Bahli, Kohlmeyer, Butduma und running-man. Ihnen allen habe ich empfohlen, regelmäßig Couchings zu schreiben, da Schreiben ja bekanntlich therapiert. Deshalb, und nur deshalb gibt es während des Saisonbetriebs spätestens jeden Freitag um 13 Uhr an dieser Stelle einen neuen Text zu lesen.

•     •     •

"And what can I tell you, my brother, my killer?
What can I possibly say?
I guess that I'll miss you. I guess, I'll forgive you.
I'm glad you stood in my way.
If you ever come by here for Jane or for me -
Well, your enemy's sleeping. And his woman is free.
Yes, and thanks for the trouble you took from her eyes.
I thought it was there for good - so I never tried."
(Leonard Cohen)
Die Couchingzone |#1372
23.04.2015 - 16:39 Uhr
Mir ist noch nie aufgefallen, dass die Couch ja auch ein "Arbeitsumfeld" der Psyche ist. Am vergangenen Montag verbrachte ich 90 unruhige Minuten auf selbiger und wurde von meiner Gattin ärztlich versorgt, psychologisch gelockert und auch oberlehrerhaft ermahnt, als ich einen dänischen und einen schwedischen Mitspieler des gegnerischen Vereins grundlos "Drecksdäne" bzw. "Foggschwede" genannt habe. Die Endsilbe -ian meines Vornamens wurde mit zunehmernder Spieldauer immer länger.

Lange Rede, kurzer Sinn, vic, ganz großes Couching und ein gaaaanz tiefer Blick auf die Staubschicht unterhalb der West. Wenn ganz normale nette und umgängliche Menschen durch einen rollenden Ball zu Psycho-Monstern mutieren, läuft etwas ganz schief in diesem Universum. Horcht mal tief in euch rein, da schlummern mehr oder weniger offen gefährliche -osen ...

Darauf einen Magenreuther ...

Cheers
Bahli

•     •     •

You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#1373
23.04.2015 - 22:05 Uhr
Schreit nach Fortsetzung Überrascht

•     •     •

Nichts ersetzt die Romantik eines Flutlichtspiels im Regen... ...und siegen!!

Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!

Hate the Game, not the Player!
Die Couchingzone |#1374
23.04.2015 - 22:39 Uhr
Zitat von Vic Dorn
...Nicht minder tragisch ist die Geschichte eines anderen aktuellen FCK-Profis mit dem Decknamen Tom Strohfluss...
„Es gibt Tage, da schau ich in den Spiegel und sage zu mir selbst: ‚Mensch, Martin, siehst du gut aus.‘ Und dann antworte ich mir: ‚Danke, Tim...


Tom? Tim? Schizophren? Ein Fall für Hans F. Magenreuther. zwinker

•     •     •

„Das Größte, was man erreichen kann, ist nicht, nie zu straucheln, sondern jedes Mal wieder aufzustehen.“ (Nelson Mandela)
„Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“ (Oscar Wilde)
„Ein Spiel zu gewinnen ist leichter, wenn man gut spielt, als wenn man schlecht spielt.“ (Johan Cruyff)
„Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen, mit Geld, das wir nicht haben.“ (Richard David Precht)
Die Couchingzone |#1375
24.04.2015 - 11:02 Uhr
Zitat von Vic Dorn
Ein FCK-Fan. Er nennt sich Vic Dorn und sieht eigentlich wie ein netter und freundlicher Durchschnittsbürger aus, eigentlich eine recht sympathische Erscheinung.
Also trägt er doch eine Maske, der Victor Dornberger!

•     •     •

Autoritäre Herrschaft braucht keine Superschurken, die sie von langer Hand planen. Sie ist schlichtweg die bequemste Art, Komplexität zu reduzieren.
•••
Das Leben ist die Schule, der Schmerz ist der Lehrer.
Die Couchingzone |#1376
24.04.2015 - 11:19 Uhr
Wenn wir beim Thema "Psyche" sind, vielleicht können die Soziologen unter uns mal ein nettes Couching zum Thema "Warum werden Menschen in Hamburg, Köln, Kaiserslautern oder anderen Großstädten außerhalb Münchens, überhaupt Bayern Fan?"

Das wohlige Gefühl der jährlichen Titel? sie schwimmen gerne mit dem Strom? Rudeltiere? Angst vor der Konfrontation mit den eigenen Dämonen (Münch..schieß doch drüber grrr)? Wegeläufer des geringsten Widerstandes? Wieso verraten diese Menschen die eigene Herkunftsregion?

Ich werde Bayernfans nie verstehen.

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Ich habe so viele Beiträge bei tm.de, ich könnte dein Leben kaufen.
Die Couchingzone |#1377
24.04.2015 - 13:29 Uhr
Zitat von Mittelschichtler
Wenn wir beim Thema "Psyche" sind, vielleicht können die Soziologen unter uns mal ein nettes Couching zum Thema "Warum werden Menschen in Hamburg, Köln, Kaiserslautern oder anderen Großstädten außerhalb Münchens, überhaupt Bayern Fan?"
Das wohlige Gefühl der jährlichen Titel? sie schwimmen gerne mit dem Strom? Rudeltiere? Angst vor der Konfrontation mit den eigenen Dämonen (Münch..schieß doch drüber grrr)? Wegeläufer des geringsten Widerstandes? Wieso verraten diese Menschen die eigene Herkunftsregion?
Ich werde Bayernfans nie verstehen.

Der Bayernfan außerhalb des Großraums München hat diese typisch deutsche Bausparer-Mentalität - kein Risiko, Ertrag nach Plan, übersichtliche Erfolgsaufstellung zum Jahresanfang/Ende der Saison. Der Bayernfan außerhalb des Großraums München geht auch bereits am Samstag vor acht zum Bäcker, weil er dann nicht Gefahr läuft, dass die guten Brötchen ausverkauft sind.

Noch Fragen?

Cheers
Bahli (Soziologe a.D.)

•     •     •

You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#1378
24.04.2015 - 22:21 Uhr
Ich finde es absolut unter aller Sau, dass mein Therapeut aus purer Geltungssucht aus dem Nähkästchen plaudert. Dabei lebt der doch nicht schlecht von meinem Geld. Schreiben kann er allerdings. Aber was soll man machen? Gute Therapeuten sind rar und haben lange Wartelisten. Also, Zeit für unsere nächste Sitzung Herr Doktor. Können Sie mich vielleicht vorziehen? Bitte. Ich habe Visionen. Vom Aufstieg. Ist das normal?

Gruß Berti

•     •     •

Bertikoks - Transfermarkt since 2003. Originalmitgliedsnummer 1686. Keine anonyme Kritik: FCK MGLD 2151
Die Couchingzone |#1379
26.04.2015 - 18:26 Uhr
Das hohe Gut der ärztlichen Schweigepflicht wurde hier einfach mal unter Nutzung nur all zu offensichtlicher Decknamen eiskalt ausgehebelt. Jeder noch so kleinen Leuchte am Firnament ist doch klar, dass es sich beim Herrn Strohfluss nur um Topstürmer Runström (schwedisch für "Strohfluss") handeln kann. Dazu noch diese überhebliche Schreibe... anscheinend reicht das medizinische Diplom an der Wand nicht aus, nein, der werte Herr Magenreuther muss auch noch schreiben wie eine Mischung aus Sartre, Freud und Grass. Hochmut... Hochmut kommt immer vor dem Aufprall, Herr Doktor.

Zum Glück ist bei solch grandiosen Couchings Schweigen Pflicht, ansonsten würde ich bei der AOK petzen!

•     •     •

SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#1380
01.05.2015 - 02:19 Uhr
Jahrgang 5 – Ausgabe 33

Von running-man

Was wäre, wenn…?

Die Saison neigt sich dem Ende zu. Der Endspurt ist eingeläutet. Mehr und mehr drängt sich ein unscheinbares Wort in den Vordergrund des Geschehens, das kurze, schlichte, dennoch so bedeutungsvolle Wörtchen „wenn“, gerne auch in Begleitung seiner konjunktivischen Kumpels „wäre“ und „hätte“, dem sprachlichen Trio infernale des wunschträumenden Fußballfans.

Jeder nimmt die Tabelle zur Hand. Jeder studiert die Punkteausbeute der eigenen Mannschaft und die der Tabellennachbarn. Der Punktevorsprung gegenüber den Verfolgern, der Rückstand auf die Führenden und die Tordifferenzen werden in Relation gesetzt zur Anzahl der verbliebenen Spieltage. Das Restprogramm wird überprüft, das eigene und natürlich dass der Tabellennachbarn. Der Tabellenrechner wird angeworfen. Jede einzelne Betrachtung mündet zwangsläufig in der einen, alles entscheidenden Fragen, „was wäre, wenn…?“

Was wäre,
…wenn der FCK am Samstag am Böllenfalltor gewänne?
…wenn gleichzeitig auch noch Ingolstadt gegen Nürnberg Punkte ließe?
…wenn Karlsruhe…die müssen in Aue ran. Die wiederum stehen mit dem Rücken zur Wand. Im Erzgebirgsstadion kann jeder mal verlieren, wie zumindest jeder FCK-Fan aufgrund schmerzhafter Erinnerung weiß.
Dann wären wir bis auf zwei oder drei Punkte an Ingolstadt dran, hätten vier oder gar fünf Punkte Vorsprung auf den KSC und sogar sieben Punkte auf Darmstadt. Bei dann noch verbleibenden drei Spielen mit max. 9 Punkten wären wir so gut wie aufgestiegen.

Wenn wir aber verlören, zudem Ingolstadt und auch Karlsruhe ihre Spiele gewännen, wäre Ingolstadt endgültig enteilt, Karlsruhe hätte uns vom direkten Aufstiegsplatz verdrängt und Darmstadt wäre wieder auf einen Punkt herangerückt. Der Aufstieg läge in weiter Ferne.
Außer… außer man betrachtet sich die restlichen drei Spieltage genauer:

Schon am 32. Spieltag werden sich Darmstadt und Karlsruhe gegenseitig die Punkte rauben, während wir gegen die desolaten Paulianer zu Hause definitiv drei Punkte holen werden. Seit über einem Jahr gelang es keiner Auswärtsmannschaft mehr, am Betzenberg zu gewinnen. Wenn da alles normal läuft…
Auch in Aue werden es endlich drei Punkte werden. Unsere junge Truppe hat sich gefestigt, auch auswärts treten wir mittlerweile konzentriert und stabil auf und ziehen unser Spiel durch. Wenn wir das endlich konsequent durchziehen… Aue ist genau der richtige Ort, unsere neue Auswärtsstärke zu demonstrieren.

Ach, wenn doch nur der Aytekin in Düsseldorf nicht… und wenn der Brand in Aalen nicht…dann wären wir jetzt schon auf einen Punkt an Ingolstadt dran und hätten sechse Vorsprung…


So kurz vor dem Saisonende wendet sich der Blick jedoch nicht nur auf die restlichen Spiele, sondern verstärkt auch auf die nächste Runde. Und was wie sollte man eine vernünftige Kaderplanung vornehmen können ohne dieses unscheinbar Wörtchen „wenn“?

Unsere Leihspieler werden zu ihren Stammvereinen zurückkehren, Stöger nach Stuttgart, Demirbay nach Hamburg, Younes nach Mönchengladbach und Zoller nach Köln. Die Leihverträge laufen aus, die Vereine wollen ihre Spieler wieder, die Spieler wollen erste Liga spielen.
Wenn wir aber aufsteigen, dann wäre vielleicht doch was möglich…
Und wenn Stuttgart und Hamburg absteigen, und wenn Stöger und Demirbay dann wirklich erste Liga spielen wollen…
Wenn wir aufsteigen, gibt es Fernsehgelder aus dem Erstliga-Topf. Wenn Stuttgart und Hamburg absteigen, wenn Paderborn dagegen drin bleibt und wenn dann wir mit Ingolstadt aufsteigen, dann lägen wir sogar auf Platz 16 des Fersehgeld-Rankings der 1. Liga. Wenn wir aber nicht aufsteigen und wenn Stuttgart und Hamburg absteigen, dann liegen wir nur auf Platz 4 der Fernsehgeld-Tabelle der 2. Liga. Das macht locker 10 – 12 Mio. aus. Wenn wir aufsteigen können wir sie alle halten…außer wenn sie nicht bleiben wollen… oder wenn ihre Vereine sie behalten wollen… oder wenn ihre Vereine sie woanders hin verkaufen wollen…
Wenn wir aufsteigen, können wir auch Orban halten und Ring und Heintz. Wir können allen saubere Erstliga-Verträge geben... außer wenn sie woanders bessere Perspektiven sehen…oder wenn sie woanders mehr verdienen können…

Wenn Träume fliegen lernen…muss irgendwann die Landung kommen. Alles „wenn“ wird irgendwann von der Realität eingeholt. Denn schon morgen wird heute gestern sein, schließlich war gestern das heute noch morgen. In diesem Sinne hilft nur eins: Vier Spiele mit voller Konzentration und voller Power auf dem Rasen und auf den Rängen. Wenn das klappt…

Gruß aus der Pfalz

Auf der Couch sitzen sechs kleine, aber sprachlich unverzichtbare Individuen: neben „wenn“ und „aber“ hocken „hätte“ und „wäre“, eingerahmt von „würde“ und „könnte“
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