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Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#1721
15.04.2016 - 09:06 Uhr
Jahrgang 6 - Ausgabe 31


Sie sind dann mal weg

Von Bahli


Sugges lehnt cool an dieser verdammt alten Klinkermauer unweit des ALDI Süd, in dem er gerne mal ein Dosenbier ersteht. Das Wetter ist für den Frühling mies. Es ist regnerisch. Es ist neblig. Es ist kalt. Neben ihm pisst ein Rhodesian Ridgeback gegen ein Halteverbotsschild. Sugges fragt sich zum wiederholten Mal, warum DEvil gerade diese fiese Stelle als Treffpunkt vorgeschlagen hat. Aber egal, wenn der Chef ruft, ist er halt zur Stelle. Immerhin hegt er die Hoffnung, diese trostlose Gegend endlich vollends und für immer verlassen zu dürfen. Er holt eine letzte einsame Zigarre aus seinem Mantel und zündet sie sich an.

Seine Geduld stellt ihn auf eine harte Probe. Der Nebel schickt seine Schwaden die Straße entlang, Sugges Zigarre erscheint darin wie der glühende Ruhepol. Er nimmt einen Zug und lässt einen weiteren Kreativkreis aus seinem Mund. Irgendwo im Nebel hustet ein Mensch. Doch da, endlich wird der Nebel von zwei Scheinwerferlichtern durchschnitten. Neben ihm hält ein alter klappriger Lada, darin röhrt harter Southern Rock:

Back in the nineties when the dust bowl dried
And the woods in Palatina didn't see no light
My Daddy played poker by a hard wood fire
Squeezing all his luck from a hot copper wire


DEvil steigt aus, lässt einen kräftigen Furz in den Nebel und begrüßt den mittlerweile saumäßig frierenden Sugges. "Na Sugges, bei dir kocht der Erfolg ja mittlerweile auch nur noch auf Sparflamme", DEvil schickt dieser für seine Verhältnisse netten Begrüßung direkt einen knackigen Furz hinterher. Sugges ist nun nicht mehr nur wegen des Nebels und der Kälte irritiert, die ekelhaften Außengeräusche rauben ihm sprichwörtlich den Atem. "Ich mache meinem Namen im Moment keine große Ehre, ich weiß", seine Stimme ist dünn, fast blechern. "Aber wenn nichts da ist, macht alles irgendwie keinen Spaß", Tränen füllen seine Augenwinkel. "Tja, früher warst du es, der täglich sein Endgerät stimmungsvoll in pfälzer Frisösen, Politessen und Spargelstecherinnen reingesteckt hast. Damals war die West voll mit Weibern", DEvil fängt lustvoll an zu sabbern. "Selbst vor Marketingweibern und Versicherungskauffrauen bist du nicht zurückgeschreckt", man merkt den Neid in DEvils Stimme. Mit vor Speichel triefenden Mundwinkeln kann DEvil kaum noch an sich halten: "Du warst der König eines goldenen Zeitalters!"

DEvil öffnet die Tür seines Lada, damit sich musikalische Untermalung in den fiesen kalten Nebel mischt:

Son come running
You better come quick
This rotgut moonshine is making me sick
Your Mama called the law and they're gonna take me away
Down so far even the DEvil won't stay


Sugges wirkt in Gedanken versunken. Asche fällt von seinem nahezu aufgerauchten Zigarrenstummel. "DEvil, auch du hast nachgelassen, dein Lada stinkt geradezu verwegen nach ekligem Fusel und Teufelsfurz", er rümpft verbissen die Nase. "Früher haben wir bereits zum Frühstück Champagner gesoffen, den uns nackte Weiber quasi ins Maul reingegossen haben, heute wirken wir wie ein altes Ehepaar, das an Langeweile und Hämorrhoiden leidet." Sugges wirft den Zigarrenstummel auf den Boden und versucht, ihn mit der Fußspitze auszudrücken. "Komm, wir packen unseren Kram und verlagern uns gen Osten. Da gibt es noch Clubs, die auf so etwas wie uns setzen und die wir richtig motivieren können. Weiber gibt es auch dort wie Sand am Meer", Sugges sucht vergeblich nach einer weiteren letzten Zigarre in seinem Mantel. DEvil kommt ihm zuvor mit dem Satz: "Steig ein, genau deswegen wollte ich mich mit dir treffen. Wir suchen nach neuen Jagdgründen. Mir ist zu Ohren gekommen, dass sie drüben im Kraichgau genau solche Typen wie uns suchen", DEvil öffnet Sugges die Beifahrertür und wuchtet sich selbst mit einem weiteren erdbebenähnlichen Furz auf den Fahrersitz. Der Lada setzt sich in Bewegung.

Daddy tell me another story
Tell me about the lows and the highs
Tell me how to tell the difference between what they tell me is the truth or a lie
Tell me why the ones who have so much make the ones who don't go mad
With the same skin stretched over their white bones and the same jug in their hand


Sugges zieht seine Stirn in Falten. Dass der Anschnallgurt auf dem Beifahrersitz fehlt, wird durch das Fehlen des Gurtes auf der Fahrerseite kompensiert. Aber der Gestank im Inneren des Lada ist Gott erbärmlich - eine Mischung aus ... nein, Sugges will sich die Zusammensetzung nicht vorstellen. Er stellt mit Entsetzen fest, dass der Lada weder Fuß- noch Handbremse mehr besitzt: "DEvil, wie kriegst du diese Karre zum Stehen?" DEvil ist überrascht, er fährt sich durch die Haare, dass die herausfallenden Schuppen einem Schneegestöber gleichen: "Ich bremse schon seit Ewigkeiten ausschließlich mit meinem Willen." DEvil schaltet endlich bei Tempo 80 in den zweiten Gang. "Sugges, schau mal vor dir im Handschuhfach liegt eine Dose Bonbons. Hol mal zwei raus." Sugges öffnet wie befohlen das Handschuhfach, vorne liegt ein Pornoheftchen - "Pfälzer Fleischfachverkäuferinnen intim", das er sofort von Ekel befallen auf die Rückbank wirft. Eine undefinierbare Masse bleibt an den Fingern seiner rechten Hand zurück. Er will sie gerade am Sitzbezug des Lada abwischen, als er einen riesigen Oberschenkelknochen aus der Seitenablage der Beifahrertür ragen sieht. "DEvil, was ist das für ein Ding da?", Sugges ist kurz davor, sich zu übergeben. "Das ist der Oberschenkelknochen vom René, den hatte ich mir vor ein paar Jahren zum Frühstück vorgenommen", DEvil zeigt mit seinem Finger ins Handschuhfach und weist auf die verrostete Bonbondose. "Nimm dir eins, die sind richtig lecker. Und gib mir auch eins, verdammt." Sugges ist nicht nach Bonbons, er ist kurz vorm Kotzen - "du hast den Jäggi ...?!?!?" DEvil muss einer Bodenwelle ausweichen. "Ja Mann, entspann' dich. Hinten unterm Ersatzrad liegen auch noch Reste der Einzelteile von Jürgen F., Robert W. und Gerhard H., die vermisst doch heute auch keiner mehr", DEvil beschleunigt den Lada. Die Kofferraumklappe klappert, doch Sugges ist plötzlich in einer anderen Welt. Die Musik wiederholt sich:

Son come running
You better come quick
This rotgut moonshine is making me sick
Your Mama called the law and they're gonna take me away
Down so far even the DEvil won't stay


Sugges erwacht langsam aus seiner Lethargie. Der Lada rattert im Nebel im ersten Gang über einen Feldweg. Wohin sie fahren, ist nicht zu erkennen. Der Blick aus dem Lada ist kaum möglich. Der Nebel hängt wie Schmierseife über ihnen. Immer wieder streift ein Zweig DEvils Klapperkiste. "DEvil, wohin fährst du mit mir?", Sugges sieht wie DEvil einen kräftigen Schluck aus einer Pulle nimmt. "Das ist nicht der Weg auf die A6", Sugges fühlt Panik in sich aufsteigen. Der Schweiß läuft ihm mittlerweile trotz der Kälte in Bächen über sein Gesicht. DEvil setzt einen weiteren erbärmlichen Furz in seinen Fahrersitz und antwortet: "Sugges, bevor wir ins Kraichgau aufbrechen, hole ich noch jemanden ab, der uns begleiten wird." Sugges schluckt, sein trockener Mund lässt aber kaum noch ein Schlucken zu. Es fühlt sich an, als würde er Sand schlucken. "DEvil, du holst Stefan ab", Sugges erkennt seine Stimme kaum wieder. Er klingt wie ein Fingernagel, der über Glas kratzt. "Jo, wir holen Stefan ab. Hast du ein Problem damit?" Sugges ist kurz vor einer finalen Panikattacke, seine Nerven drohen auf der Überholspur an ihm vorbeizurasen. "DEvil, was kommt nach uns?", Sugges' Stimme wird durch das Motorengeräusch fast überdeckt. "Wo warst du die letzten Jahre überall im Einsatz?", DEvil hebt die Hand und zählt diverse Orte auf. "Jetzt lassen wir es halt mal ordentlich in der südwestdeutschen Popelprovinz krachen", DEvil schlürft den Rest Fusel aus seiner Pulle und rülpst herzhaft. "Los Sugges, komm von deiner verdammten Moralschiene runter. Damals auf dem Waldhof hast du hunderte Frisösen geschwängert und einfach sitzen gelassen. Du schwängerst und türmst, ich nehme hier in der Provinz gerne mal einen zum Frühstück. Wo ist der Unterschied? Dein und mein Job ist dreckig, das weißt du. Und wenn wir keine Motivation mehr haben, ziehen wir weiter. Es ist mir doch egal, was nach mir kommt", ein markerschütternder Furz erstickt die aufkommende Diskussion im Keim. Der Lada setzt seinen Weg klappernd und unbeeindruckt durch den Nebel fort ...

Nebelschwaden bleiben hinter der Klapperkiste zurück. An einer verdammt alten Klinkermauer unweit des ALDI Süd glimmt ein Zigarrenstummel und sendet kaum wahrnehmbare Rauchschwaden gen Himmel. Es sieht so aus, als lege der Frühling einen Fehlstart in der Pfalz hin ... irgendwo bellt ein Hund ...


Cheers
Bahli


Neben der Couch steht ein Kühlschrank im Nebel des Grauens. Die Couch ist verlassen. Nur Devil_till_Death headbangt zu den Flippers. Die restliche Couchingbesatzung ist auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Sofern einer fündig wird, entschlüsselt er diesen irgendwann an einem Freitag für seine Mitmenschen.

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You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)

Dieser Beitrag wurde zuletzt von bahli77 am 15.04.2016 um 09:06 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1722
15.04.2016 - 12:17 Uhr
Die Geschichte jagt mir zwar etwas Angst und Ekel ein und ich habe keinen blassen Schimmer wer zum Devil Sugges ist, aber dennoch möchte ich mein Lob für diese Lyrik loswerden - selbst der FCK-Bezug ist vorhanden. Der Rest ist dann irgendwie auch Sugges(-tion) oder auch nicht.

Ich werde nun versuchen, die furchteinflößenden Bilder und Gerüche mit frühlingshaftem Sonnenschein, Spiele mit Schmetterlingen, Schwalbenadmiration und notfalls einer Flasche Wein zu vertreiben.

Weitermachen!

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SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#1723
15.04.2016 - 12:41 Uhr
Zitat von Butduma
Die Geschichte jagt mir zwar etwas Angst und Ekel ein und ich habe keinen blassen Schimmer wer zum Devil Sugges ist, ...

Oha, wenn selbst du es nicht erkennst, muss ich intervenieren. "Sugges" ist ein pfälzischer Name, der eigentlich englisch ist und dadurch wohl nix anderes bedeutet als Success. "Success" war mir aber zu clean ... zwinker

Den Sinn des Namens sollte man eigentlich nach dem ersten musikalischen Intermezzo im darauffolgenden Abschnitt entschlüsseln.

Cheers
Bahli

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You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#1724
15.04.2016 - 15:42 Uhr
Zitat von bahli77


Den Sinn des Namens sollte man eigentlich nach dem ersten musikalischen Intermezzo im darauffolgenden Abschnitt entschlüsseln.

Wer kann denn hier schon Englisch? Wir sind Fußballfans, keine Einsteins!

Sexistisch-kannibalische Mistkagge! angry Was soll denn der arme Thomas Gries daraus lernen? Wer bei uns scheitert, wird vom Teufel gefressen? Und scheitern muss man, weil der Sugges genauso ein abgewrackter Scheizzkerl ist wie der Fußballgott? Und dass wir den Hunger nach Erfolg im Zweifelsfall mit einem Fleischkäs-Weck, anstatt mit Punkten stillen?

Das macht so doch keinen sense! Hol euch doch all der DEvil mit seiner Sense! Macht er eh. Wie schon John Maynard Keynes sagte: "In the long run we are all dead"

Ein Couching so düster und grauenvoll wie sonst nur das Leben selbst. Weiter so!

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502 Bad Gateway
nginx

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Newtrial am 15.04.2016 um 16:06 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1725
16.04.2016 - 10:32 Uhr
"Tschick" für Erwachsene? grins

Freunde, ich bin zu sensibel für solche Couchings!
Düsterste Schwermut umflort mein tristes Herz nach der Lektüre.
Bitte als nächstes endlich mal wieder ein Couching voller Liebe, Pastellfarben, Vogelzwitschern, Harfenklänge, Anschmiegsamkeiten, Zukunftsverheißungen und wild pulsierender Endorphine.

Ich warne euch: Wenn ihr das nicht macht, dann mache ich das! Und dann wird es RICHTIG kitschig! uglygrins

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"And what can I tell you, my brother, my killer?
What can I possibly say?
I guess that I'll miss you. I guess, I'll forgive you.
I'm glad you stood in my way.
If you ever come by here for Jane or for me -
Well, your enemy's sleeping. And his woman is free.
Yes, and thanks for the trouble you took from her eyes.
I thought it was there for good - so I never tried."
(Leonard Cohen)

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Vic Dorn am 16.04.2016 um 10:34 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1726
16.04.2016 - 19:48 Uhr
Wenn man mittels den Textzeilen das hier findet, hat man ein 2 Sinne Couching daumen-hochdaumen-hoch-

Allerdings dachte ich, dass der DEvil schon längst in Leipzig die Fäden zieht...

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Nichts ersetzt die Romantik eines Flutlichtspiels im Regen... ...und siegen!!

Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!

Hate the Game, not the Player!
Die Couchingzone |#1727
22.04.2016 - 09:42 Uhr
Jahrgang 6 – Ausgabe 32


INSIDE THE HERETIC CIRCUS
von Devil_till_Death


Aufregung in der Zentrale der Karlsberg-Brauerei: „Wie sollen wir das nur erklären?“ – „Keine Ahnung, das ist der Super-Gau!“ – „Hoffentlich kommt das nicht ans Licht!“ – „Wir müssen rausfinden, wer das war!“ – „Und vor allem: Wo ist es geblieben?“ – „Hoffentlich kommt das nicht ans Licht!“ – „Wir brauchen Hilfe – schnell!“


Marlowe lag noch im Halbschlaf, als der Fernsprecher auf dem schlichten Nachttisch neben seinem Bett klingelte. Sein Kopf brummte noch vom letzten Abend, als er mit Myra ihren Geburtstag in Rick‘s Café gefeiert hatte. Champagner bekam ihm einfach nicht. Er wälzte sich hin und her, entschloss sich dann aber doch, den Hörer abzunehmen. Myra, die neben ihm lag, hatte daran entscheidenden Anteil. Energisch hatte sie ihm in die Rippen geboxt.

„Marlowe …“ – „Mister Marlowe, hier spricht Johann Schmidt, Generaldirektor der Karlsberg-Brauerei in Homburg an der Saar. Wir brauchen Ihre Hilfe.“ Marlowe setzte sich auf und versuchte mühsam zuzuhören. „Ich kann am Telefon nicht mehr sagen, als dass es um die Existenz und den guten Ruf unserer Firma geht. Ich bitte Sie, so schnell wie möglich zu uns zu kommen und uns in unserem Dilemma zu helfen.“ Man vereinbarte einen Termin und Marlowe kroch aus dem Bett. Eine heiße Dusche und ein starker Java sollten ihm wieder auf die Beine helfen.

Das Wetter war unwirtlich, als er in seinen Plymouth stieg und sich auf den Weg machte. Der Frühling stand zwar im Kalender, hatte dies bis jetzt aber geflissentlich ignoriert. Nass und grau lag die Welt vor der langen Haube seines Wagens. Wenigstens konnte er sich mit seinem Auftraggeber in spe identifizieren – eine Brauerei war doch was Anderes als die Knallchargen der Fußballbranche, mit denen er es zuvor einmal zu tun hatte. Auch wenn ihm eine Bourbon-Distille noch lieber gewesen wäre. Naja, wenigstens keine Sektkellerei. Marlowe schaltete in der Hoffnung auf ein bisschen Duke Ellington den Empfänger ein. Ein leichter Swing hatte noch immer schlechte Gedanken vertrieben. Und auch diesmal hatte er Glück.

„Mister Marlowe, schön, dass es so schnell geklappt hat“, wurde er freundlich im großzügigen Foyer des Unternehmens begrüßt. Der grauhaarige, etwas untersetzte Mann im beigen Nadelstreifenanzug gab sich Marlowe als Generaldirektor Schmidt zu erkennen. Man ging in das ebenso großzügige Büro des Herrn Direktor, wo Marlowe auf einem dick gepolsterten Ledersessel Platz nahm. Entgegen seiner Annahme bot man ihm kein Bier an, statt dessen wurde ihm ein Glas Wasser gereicht. Worüber Marlowe auch recht glücklich war.

„Mister Marlowe“, setzte Schmidt an, „wir haben ein Problem. Man hat uns heute Nacht bestohlen. Zur Polizei können wir nicht gehen, weil der Vorfall keinesfalls an die Öffentlichkeit dringen darf. Unser Renommee steht auf dem Spiel.“ – „Um welche Art von Diebstahl handelt es sich? Hat man Ihre Gehaltslisten gemopst?“ – „Schlimmer, weit schlimmer! Ich kann nicht allzu sehr ins Detail gehen, es ist auch für Sie besser, wenn Sie nicht genau wissen, um welch brisantes Artefakt es sich handelt. Nur so viel: Es ist ein Papier. Ein Papier, von dem in nicht unerheblichem Maße das Wohl und Wehe unseres Unternehmens abhängt.“ – „Und wie stellen Sie sich vor, dass ich mit so vagen Andeutungen meinen Job erfüllen kann?“ – „Glauben Sie mir, sie müssen nicht mehr wissen, als dass es sich um ein Papier handelt.“ – Marlowe schüttelte den Kopf. „Tut mir Leid, Herr Direktor, so kann ich Ihnen nicht helfen. Ich brauche schon ein paar Anhaltspunkte mehr. Wo soll ich damit anfangen zu suchen? Wie soll ich damit eine Spur aufnehmen? Ich weiß ja nicht mal in welche Richtung ich ermitteln könnte. Geschweige denn, wonach ich überhaupt suche.“ – „Hier habe ich etwas, das Ihnen auf die Sprünge helfen wird“, sagte Schmidt und hielt Marlowe ein Tütchen mit einem Büschel Haare hin. „Wir haben den Rest schon ins Labor zur Analyse geschickt, vielleicht hilft Ihnen dies weiter.“ Marlowe nahm das Tütchen an sich. Sein Interesse war geweckt, was er sich aber nicht anmerken ließ. „Herr Direktor, mein Honorar …“ – „… spielt für uns keine Rolle. Wenn der Inhalt des Papiers an die Öffentlichkeit gelangt, dann ist der Schaden nicht mit ein paar lumpigen tausend Dollar behoben. Dann geht es uns an den Kragen!“

Auf dem Weg zu seinem Wagen betrachtete Marlowe das Indiz genauer: Dunkelblonde Haare, die im Tageslicht leicht rötlich schimmerten, dick gewachsen, beinahe borstig und relativ kurz. Marlowe war sicher, den ersten Schritt in eine Sackgasse unternommen zu haben. Auf den Bilder der Überwachungskameras, die er zuvor noch in Augenschein genommen hatte, war leider auch nicht mehr zu erkennen gewesen als eine gebückt schleichende Gestalt, die sich Zugang zum Tresorraum verschaffte. Ihr Gesicht war nicht zu erkennen und außer dem Haarbüschel hatte sie keine verwertbaren Hinweise hinterlassen. Nicht mal Fingerabdrücke. Und die Fußspuren, die ein Muster aus neun kleinen Punkten beschrieben, sahen aus, als seien sie mit einem Pinsel aufgemalt worden.

Der Plymouth schaufelte sich seinen Weg durch den prasselnden Regen, der Marlowes Stimmung exakt beschrieb. Normalerweise konnte er sich auf sein Gespür verlassen, doch hier versagten seine jahrelang geschulten Instinkte. Handelte es sich Wirtschaftsspionage? Um Erpressung? Marlowe verfluchte es, den Fall angenommen zu haben, ohne irgendwelche Hinweise in der Hand zu halten. Verdammt, er wusste ja nicht mal, was auf diesem ominösen Papier zu lesen sein sollte. Er stieg vor dem Labor aus, in dem die Haare untersucht worden waren. Schnell floh er in die Eingangshalle und erkundigte sich nach dem Weg zu einem gewissen Doktor Mabuse, der die Haaranalyse übernommen hatte. Durch die kahlen Gänge hatte das medizinische Instituts den Charme einer Erziehungsanstalt.

Mabuse saß hinter einem akkurat aufgeräumten Schreibtisch und schlug gerade Heftklammern in einige Dokumente ein, als Marlowe die offene Bürotür durchschritt. „Guten Tag, Herr Doktor, ich bin Philip Marlowe. Ich komme wegen des Ergebnisses der Haaranalyse, die sie für die Karlsberg-Brauerei durchgeführt haben.“ – „Ach ja, guten Tag, Mister …“ – „Marlowe.“ – „Mister Marlowe, ja. Nehmen Sie doch Platz, ich bin gleich so weit.“ Marlowe setzte sich auf einen der schlichten Stühle vor dem Schreibtisch. Mabuse jagte mit großer Sorgfalt noch eine Heftklammer in einen Stapel Papiere, stand auf und ging zu einem Aktenschrank, dem er eine Kladde entnahm. „Nun, Mister Marlowe, da haben wir ja das Ergebnis.“ Er blätterte zwischen den Papieren hin und her und runzelte die Stirn. „So etwas habe ich in meiner Laufbahn noch nicht gesehen – ich hielt es zunächst für einen Scherz. Aber die Analyse ist eindeutig“, erklärte Mabuse achselzuckend. „Was ist denn nun, Herr Doktor? Spannen sie mich nicht auf die Folter.“ – „Nun, zunächst ist es uns gelungen, die Art der Haare zu bestimmen. Und was wir gefunden haben, wird Ihnen nicht gefallen. Außerdem haben wir Spuren einer verdächtigen Substanz gefunden, die wir eindeutig zuordnen konnten. Welchen Reim Sie sich darauf aber machen sollen, das weiß ich nicht. Wie auch immer – es sprechen zwar alle wissenschaftlichen Erkenntnisse dagegen, doch haben wir es hier laut der Auswertung eindeutig mit einem Hybriden zu tun.“ – „Einem was?“ – „Einem Hybriden. Einem Mischwesen. Sehen Sie selbst!“ Mabuse reichte Marlowe die Kladde. Langsam las er sich die Seiten durch, blätterte vor und zurück, während sein Erstaunen Fassungslosigkeit wich. „Und daran gibt es keinen Zweifel?“ – „Nein, Mister Marlowe, die Analyse ist eindeutig. Wir haben alles doppelt und dreifach getestet. Mit immer gleichem Ergebnis. Fehler sind völlig ausgeschlossen.“

Mit trockenem Mund nahm Marlowe hinter dem Lenkrad platz. Seine Camel mit Filter, auf die er aus Gesundheitsgründen gewechselt war, schmeckte nach Eisen. Er öffnete das Fenster, warf den Zigarettenstummel hinaus und lehnte sich mit dem Kopf ans Steuer. Die Gedanken rasten durch seinen Kopf. Ziellos. Ungeordnet. Kurz nach sechs, Zeit für einen Drink.

Marlowe saß an der Bar des kleinen Hotels, in dem er sich ein Zimmer genommen hatte. Seinen dritten Bourbon frisch eingeschenkt, nahm er das Ergebnis der Haaranalyse zur Hand. Langsam, Schritt für Schritt ging er den Text noch einmal durch. Wort für Wort. Da durchzuckte es ihn wie von einem Blitz getroffen. Aber ja, da war doch der Hinweis, nach dem er suchte. Das musste es sein! Doch wo und in welchem Zusammenhang hatte er den Begriff gehört oder gelesen? Marlowe vergrub das Gesicht in seinen Händen und durchforstete die Ecken seines Gehirns. Es dauerte eine Weile, doch plötzlich, mit einem breiten Grinsen, blickte er langsam auf. Er schluckte seinen Bourbon in einem Zug hinunter, erhob sich, ging zum Fernsprecher und kramte eine Telefonnummer aus seinem Gedächtnis. Es klingelte.

„1. FC Kaiserslautern, Nicolai Riesenkampff.“ – „Hallo Nicolai, gut, dass ich Sie noch antreffe. Ich bin es, Marlowe.“ – „Marlowe?! Was verschafft mir die Ehre?“ – „Es geht um einen Fall. Können wir einen Termin vereinbaren? Ich müsste Ihnen etwas zeigen und brauche Ihren Rat.“ Man verabredete sich für den nächsten Morgen.

Pünktlich um neun erschien Marlowe im Büro des Aufsichtsratsvorsitzenden, erklärte die Situation und legte die Kladde auf den Tisch: „Sehen Sie hier, Nicolai. Das ist es, was ich meine.“ – „Hmm … Wow! Ja, das könnte sein. Das könnte sogar sehr gut sein. Wenn man die Wissenschaft völlig ignoriert. Ja, dann ergibt es Sinn. Aber wie sind Sie darauf gekommen?“ – „Ich sehe vielleicht nicht aus wie ein Gentleman oder wie ein gebildeter Universitätsabsolvent, mein lieber Nicolai. Aber auch ich hatte Altgriechisch als Grundfach auf der High School. War zwar ein bisschen verschüttet, aber es ist wieder aufgetaucht.“ – „Sie sind ein Fuchs, Marlowe, ein ganz gerissener Fuchs. Warten Sie.“ Riesenkampff öffnete seinen Aktenschrank, nahm einen der Ordner heraus und blätterte darin. „Hier Marlowe, das müsste es sein. Hier ist die Information, die sie brauchen. Sie wissen ja, was am Montag hier los sein wird. Gut möglich, dass sie Glück haben.“

Während Marlowe in seinem Plymouth sitzend eine seiner Camels entflammte und genüsslich den Rauch in die Lungen zog, plante er vor seinem inneren Auge seine weiteren Schritte. Klar war es ein Risiko, natürlich war die Indizienlage so dünn wie eine Reisoblate. Aber er musste alles auf diese eine Karte setzen und hoch pokern. Er hatte keine andere Wahl.

Marlowe stoppte seinen Wagen in einer seriösen Reihenhausgegend. Er stieg aus und schlenderte unauffällig auf dem Bürgersteig entlang bis er vor dem gesuchten Haus angekommen war. Er drehte sich zum Gartentor, blauer Schleiflack, dahinter ein akkurat gemähter Rasen mit einzelnen Blumeninseln. Ein paar Krokusse reckten ihre Blüten dem grauen Himmel entgegen. Entschlossen durchschritt Marlowe die Gartentür, ging den kurzen Kiesweg hin zur Eingangstür und klingelte. Es dauerte kaum zehn Sekunden und ein junger Mann öffnete. Schmales Gesicht, etwa einsfünfundachtzig, ein unscheinbarer Kerl von etwa Mitte zwanzig. Wenn da nicht dieser elend lange Zinken gewesen wäre, von dem Marlowe kaum den Blick abwenden konnte.

„Ja, was wollen Sie?“ – „Guten Tag, Herr Orban, mein Name ist Marlowe. Ich bin Privatdetektiv und komme im Auftrag der Karlsberg…“ – Blitzartig machte der junge Mann einen Satz nach hinten und wollte die Tür zuschlagen, doch Marlowe hatte mit so etwas gerechnet und seinen Körper schon über die Schwelle gewuchtet, so dass die Tür an seiner Schulter abprallte und Marlowe ihm ins Innere des Hauses folgte. Willi Orban, so hieß der junge Mann, bahnte sich einen Weg durch das Haus, das seinen Eltern gehörte. „Willi, Willi, was ist denn los“, hörte Marlowe eine Frauenstimme rufen. Orban erreichte die Terrassentür, die hinaus in den kleinen, aber schmuckvollen Garten führte. Als er sie halb aufgerissen hatte und gerade dabei war hinaus zu flüchten, hatte ihn Marlowe eingeholt. Wuchtig krachte seine Handkante auf der Halsschlagader des Mannes nieder. Orban sackte zu Boden.

„Aufwachen, Jüngelchen!“ Marlowe verpasste dem Bewusstlosen ein paar Ohrfeigen, während die Frau, scheinbar Orbans Mutter, unablässig keifte und Marlowe auf den Rücken schlug. „Sie beruhigen sich jetzt!“, herrschte er sie an. „Ich will ja nur mit ihm reden – der Mann ist eines Verbrechens verdächtigt.“ – „Mein Willi …?, wimmerte die Frau und verstummte. Marlowe nahm eine Vase vom Tisch, warf die Blumen zu Boden und entleerte den Inhalt über Orbans Kopf. Er kam wieder zu sich.

„Wer sind Sie und was wollen Sie“ stammelte der noch sichtlich angeschlagene. „Hör zu, Jüngelchen, ich habe hier Bilder einer Überwachungskamera, auf denen du eindeutig zu erkennen bist. Ich habe die Ergebnisse einer Haaranalyse, ich habe meinen Spürsinn und du hast etwas, das dir nicht gehört.“ – „W-Was meinen Sie?“ – „Stell dich nicht dümmer als du bist. Jüngelchen, ich will das Papier, das du gestohlen hast und ich will wissen warum. Und komm mir nicht dumm, Freundchen, ich kann auch andere Saiten aufziehen. Und das wirst du sicherlich vermeiden wollen. Glaub es mir!“

Marlowe hatte ein bisschen geflunkert, was die Überwachungsbilder betraf, aber er fand, dass diese Behauptung seine dürre Beweiskette ein bisschen stabiler machte. Und tatsächlich, der junge Kerl taute auf. „Gut, es hat ja eh keinen Zweck. Mama, bring doch bitte mal meine Tasche und gib sie dem Herrn.“ Marlowe nahm den kleinen Lederbeutel an sich. „Vorne, erster Reißverschluss, dort ist, was Sie suchen.“ Marlowe öffnete die Tasche und zog das Papier hervor. Er überflog es kurz. Karlsberg-Signet oben links, darunter in fettem Druck die Worte „Streng geheim“ – Marlowe stockte der Atem.

„Und weshalb hast du das Ding geklaut“, nahm Marlowe den jungen mann ins Verhör. Orban sah in mit traurigen Augen an: „Was glauben Sie, was hier am Montag los ist, wenn ich da oben ins Stadion einlaufe? Glauben Sie, mir macht das Spaß? Glauben Sie, es sei toll, den Verein zu wechseln und eine Klausel zu unterschreiben, dass man über die Umstände der Trennung nix sagen darf? Dass die mich verscherbeln mussten, um die Kasse in Ordnung zu halten? Und dass der ganze Hass auf mich gefallen ist und ich trotzdem das Maul halten musste, nix zu dem ganzen Scheiß sagen durfte? Glauben Sie, mir hätte das Spaß gemacht? Mensch, ich bin hier groß geworden, zum Profi geworden, erwachsen geworden – zum Roten Teufel geworden. Und ein Teil von mir wird immer ein Roter Teufel sein. Auch wenn es mir keiner mehr glauben will. Also hab ich mir bei meinem neuen Arbeitgeber unter einem Vorwand Heimaturlaub erbeten, bin dort eingebrochen und habe das Papier geklaut, um es an die Medien zu lancieren. Wenn die das am Montag veröffentlicht hätten, vielleicht hätte man dann auf dem Betze die Karlsberg ausgepfiffen und mich in Ruhe gelassen.“

Der junge Mann blickte resigniert zu Boden. „Und was jetzt?“ – „Jetzt unterschreibst du dieses Papier“, entgegnete Marlowe während er ein Dokument aus der Innentasche seines Sakkos zog. „Was ist das?“ – „Das ist die Verschwiegenheitserklärung, die dich verpflichtet, die Klappe zu halten. Sowohl was deine Aktion von gestern Nacht betrifft als auch den Inhalt des Papiers. Aber das kennst du ja offensichtlich schon. Dann ist man bereit, das Ganze zu vergessen. Soll ja niemand Schaden an dem Ganzen nehmen“, erklärte Marlowe, den linken Mundwinkel kaum sichtbar nach oben ziehend. Orban seufzte und unterschrieb. „Woher wusstest du eigentlich von dem Papier?“ – „Als wir letztes Jahr nicht aufgestiegen sind, hatten wir ein ordentliches Frustsaufen. Verein und Großsponsoren. Und da hat mir Direktor Schmidt im Suff davon erzählt. Und Sie? Wie sind Sie mir eigentlich auf die Schliche gekommen?“ – „Die Haaranalyse hat ergeben, dass der Täter aus der Gattung Diabotaurus Rubra stammt und sich in seinem Körper große Mengen Schwefel und Taurin abgelagert haben. Und als sich mein Verstand mit dem Umstand arrangiert hatte, dass es so etwas wie Hybridwesen gibt, da war es eigentlich recht einfach, die Verbindung zwischen Karlsberg, dem Roten Teufel und Roten Kühen zu finden. Nämlich dich, Jüngelchen.“

Marlowe hatte seinen Plymouth gerade vor dem Eingang zum Karlsberg-Hauptgebäude geparkt, als Generaldirektor Schmidt schon auf ihn zu lief. „Mister Marlowe, ich bin ja so froh, dass Sie es geschafft haben. Kommen Sie herein, schnell.“ Schmidt hielt die gläserne Eingangstür auf und konnte seine Aufregung nicht verbergen. „Gleich nach Ihrem Anruf habe ich alles stehen und liegen lassen. Kommen Sie in mein Büro und berichten Sie.“ Marlowe folgte Schmidt in sein Büro und berichtete.

„Das ist ja ein Glück, Mister Marlowe, was für eine erlösende Nachricht. Und das Papier haben sie?“ Marlowe händigte das Papier aus. „Und Sie haben meinen Scheck?“ Schmidt händigte den Scheck aus. „Dann sind wir ja quitt." – „Noch nicht ganz, Marlowe. Eines muss ich noch wissen.“ Schmidt stützte sich auf seinem Schreibtisch ab und sah Marlowe fest in die Augen. „Haben Sie den Inhalt des Papiers gelesen?“ – „Nur flüchtig. Und auch schon wieder vergessen.“ – „Sie sind ein Mann nach meinem Geschmack, Mister Marlowe! Ganz nach meinem Geschmack!“ – „Danke. Wir wollen ja nicht, dass die Leute erfahren, dass das „X“ in Mixery in Wahrheit Red Bull ist.“

Aus dem Augenwinkel sah Marlowe noch, wie Schmidt in seinen Sessel sackte. Aber da war er schon fast gegangen.

_____________________________

Auf der Couch hat man murrend für den Paten Platz gemacht. Die Servierschürze hat er mit dem roten Mantel getauscht und Kohlmeyer hat ihm eine Kopie vom Kühlschrankschlüssel angefertigt. Bahli sucht immer noch verzweifelt nach einem Passus im Couchgesetzbuch, der das Mitwirken eines Paten verhindern könnte. Newtrial hält ihm die Lampe und But hält sich krampfhaft an seiner OM-Tasse fest. Der Rest hat den Schock noch nicht überwunden und starrt mit glasigen Augen die Wand an. Ich hingegen habe die Couch auf die Terrasse gezerrt, trinke ein (richtiges) Bier und lasse mir die Sonne auf den roten Mantel scheinen. Und falls sich die anderen beruhigt haben, gibt es auch nächste Woche wieder frischen Stoff. Aber kein Red Bull!

•     •     •

Autoritäre Herrschaft braucht keine Superschurken, die sie von langer Hand planen. Sie ist schlichtweg die bequemste Art, Komplexität zu reduzieren.
•••
Das Leben ist die Schule, der Schmerz ist der Lehrer.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Devil_till_Death am 23.04.2016 um 01:42 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1728
22.04.2016 - 10:48 Uhr
Welch wagemutige Unterstellung... ugly

Trotzdem toller Text mit gutem Spannungsbogen. Klasse!
Und ich habe ihn sogar mal wieder verstanden Zunge raus

•     •     •

"Das Gras wird gebeten über die Sache zu wachsen. ... Das Gras bitte!!!" [Stefan Kuntz]

NEIN zu RB!

Dieser Beitrag wurde zuletzt von B3Nj0 am 22.04.2016 um 10:49 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1729
22.04.2016 - 11:17 Uhr
Da hat sich Marlowe ja mal schön verladen lassen! Scheinbar! Der arme, gebrochene Notverkauf Willi Voldemort will den Unmut der Fans im Stadion auf Karlsberg lenken. Und im Herzen ist er ja doch noch ein Roter Teufel, zu dem er im Zuge seiner Verbrechen auch gerne mal morpht. So rührend und doch so verlogen.

Die wahre Geschichte: Dr. Mabuse hatte Marlowe auf diese falsche Spur gesetzt, fuhr nach dem Gespräch mit ihm sofort zu Willis Elternhaus und wartete dort als Willi verkleidet auf den Detektiv. Von dem Papier mit der Geheimformel für Mixery hatte er längst eine beglaubigte Kopie anfertigen und nach Fuschl am See verbringen lassen.

Das den Einbruch verübende Hybridwesen war Dr. Mabuse, fusioniert mit einer roten Kuh. Das präparierte Haarbüschel hatte er absichtlich am Tatort hinterlassen - wohlwissend, dass er selbst mit dessen Analyse beauftragt würde.

Kurz nachdem Marlowe die Brauerei mit seinem Scheck verlassen hatte, erhielt Direktor Schmidt den anonymen Erpresseranruf. Danach rief Schmidt sofort Dr. Riesenkampff an und setzte diesen unter Druck. Nicht wissend, dass Fuschl am See das Gespräch mithörte und mitschnitt. Auszug: "Nick, wenn wir unsere Geschäftsbeziehungen fortsetzen wollen, müssen Sie Konny anweisen, die Mannschaft so vorzubereiten wie sonst auch. Damit ist dann gewährleistet, dass ihr das Spiel am Montag verliert. Wenn rauskommt, welche Plörre wir da in Mixery verarbeitet haben, sind wir als Brauerei am Ende! Ihr braucht die Punkte nicht mehr zwingend, aber wenn wir Pleite gehen, können wir euch auch nicht mehr unterstützen." --- "Geht klar, Herr Direktor Schmidt! Selbstverständlich, Herr Direktor Schmidt! Ich werde meinen Noch-Angestellten sofort anweisen, sein Bestes zu geben! Wenn er das umsetzt, können wir nicht gewinnen."

In Fuschl am See hatte man alles mitgehört. "Didi, wir haben sie im Sack!" --- "Supi, Ralle! Und laß diesen Dr. Mabuse beseitigen, wir brauchen keinen Mitwisser. Er ist doch Extremsportler. Lade ihn einfach zu unserem nächsten Event ein und laß es wie ein Unfall aussehen." --- "Geht klar, Boss. Ich setze den Willi darauf an."

Doch da hatte Didi die Rechnung ohne Marlowe gemacht. "Nick, hier Marlowe! Die Falle ist zugeschnappt, ich konnte Fuschl am See erfolgreich abhören. Wir haben sie im Sack! Sie können jetzt Ralle anrufen und ihm den Mitschnitt vorspielen. Er wird kooperieren und Gulacsi anweisen, fünf Stück durch die Hosenträger rutschen zu lassen." --- "Danke Philip! Dieser Erfolg verleiht Flügel, da bin ich mir sicher. Einen schönen Tag noch."

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Kompliziert, ich weiß! Aber die Wahrheit ist halt nicht immer einfach. Und ich verstehe natürlich, dass ein Pate da auch immer ein Stück weit Geheimnisträger ist und nicht alles schreiben kann, was er möchte. Von daher hab ich mich mit dieser Aufklärung des wahren Sachverhalts in den Wind gestellt, damit das keine rührselige Klamotte mit Willi Voldemort als dem eigentlichen Opfer wird.

Das Couching selbst? Für einen Paten nicht schlecht! Von daher erstmal weitermachen! Jedenfalls so lange, bis Bahli die Unvereinbarkeitsklausel in der Couching-Geschäftsordnung findet.

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Dieser Beitrag wurde zuletzt von Newtrial am 22.04.2016 um 11:20 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#1730
22.04.2016 - 11:29 Uhr
Was auch immer letztlich die volle Wahrheit hinter der Geschichte ist, eines ist sicher: wer Philip Marlowe engagiert ist auf der sicheren Seite. Gibt nur zwei, denen ich als Auftraggeber ähnliches Vertrauen entgegen bringen würde: Sam Spade und Remington Steele.

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Autoritäre Herrschaft braucht keine Superschurken, die sie von langer Hand planen. Sie ist schlichtweg die bequemste Art, Komplexität zu reduzieren.
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Das Leben ist die Schule, der Schmerz ist der Lehrer.
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