Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
17.09.2016 - 11:53 Uhr
@FCK_Horst_3te: Merci für die Blumen und für die Vorlage: Das nächste Couching geht dann um die "ursprünglichen Dinge"!
@Lullaby: Wurde hier neulich nicht festgehalten, dass jeder, der Moritz für den stärksten Mann auf dem Platz hält, auf ewig das Recht verliert, Couchings zu rezensieren? Vielleicht bringe ich da aber auch was durcheinander. Jedenfalls: "Leichte Kost" gibt's beim transhumanistischen Veganer, hier gibt's literarischen Idar-Obersteiner Spießbraten!
@Hegermeister: Danke für das Gutachten, das ich meinen Bewerbungsunterlagen hinzufüge. Die "+1"-Bewertung erinnert mich an irgendwas, aber ich komm einfach nicht drauf...
@Lullaby: Wurde hier neulich nicht festgehalten, dass jeder, der Moritz für den stärksten Mann auf dem Platz hält, auf ewig das Recht verliert, Couchings zu rezensieren? Vielleicht bringe ich da aber auch was durcheinander. Jedenfalls: "Leichte Kost" gibt's beim transhumanistischen Veganer, hier gibt's literarischen Idar-Obersteiner Spießbraten!
@Hegermeister: Danke für das Gutachten, das ich meinen Bewerbungsunterlagen hinzufüge. Die "+1"-Bewertung erinnert mich an irgendwas, aber ich komm einfach nicht drauf...
20.09.2016 - 11:26 Uhr
Jahrgang 7 – Ausgabe 7: MÜLL, MIST UND ALTE ZÖPFE – IST ALLES FÜR DIE TONNE?
Eine graue Papiermüll-Tonne. Ihr Atem riecht wie ein Alt-Herren-After-Shave, eine Mischung aus Mottenkugeln und der Gewissheit, bald dem stofflichen Kreislauf irdischer Dinge (Neudeutsch: Recycling) zugeführt zu werden. Auch die weisen Worte, die zwischen unzähligen Schichten Papier in diesem Behältnis mit Rollen schlummern, erinnern mich unweigerlich an den netten Opa von nebenan. Sicherlich war es die richtige Entscheidung, den Großteil meines FCK-Archivs nach dem Ausmisten meines Kellers einer neuen Aufgabe als Pizzakarton oder Klopapier zuzuführen, wenn erst einmal das magische Portal des Müllwagens durchschritten ist. Auf der Stadionzeitschrift „play“ der Saison 1997/1998 grinst mir Otto Rehhagel entgegen, eine Locke von Harry Koch blitzt auf der Titelseite der Zeitschrift dahinter hervor… und bei den Nachbarn gab es die Tage anscheinend Spaghetti – sagt zumindest die blaue Schachtel. Klapp zu, Affe tot. Recht emotionslos schließe ich den Deckel und begebe mich wieder hinauf in die Wohnung. Noch einmal schlafen, dann kommt der Papiermüll-Mann. Ich fühle mich befreit… irgendwie.
Der Prozess des Entsorgens als Ausdruck der persönlichen Befreiung: Dieses Gefühl suchen nicht nur Entrümpler, Mafiosi oder gelangweilte Ehemänner, sondern ab und an auch Verantwortliche eines Fußball-Vereins. Meistens endet das Ausmisten in diesem Bereich jedoch beim durchgefurzten Sitzkissen des Trainerstuhls. Kein Großreinemachen, sondern weiterhin dicke Luft in der Führungsetage, verschmierte Fenster beim Blick in die Bilanzen sowie ein Haufen Mist auf dem Platz. Beim 1.FC Kaiserslautern wollte man nach dem Gewitter bei der JHV dessen reinigende Kraft vollends durch die Weiten des Betzenbergs rauschen lassen. Also erst mal alles Alte raus.
Aufsichtsratsvorsitzender? Raus!
Vorstandsvorsitzender? Raus!
Finanzjongleur? Raus! Trainer? Raus!
Halbe Mannschaft? Raus!
Hätten die alle keine Füße zum Selberlaufen, der Sperrmüll -Laster hätte sicherlich Achsbruch erlitten. Nur ganz hinten in der Ecke hat der Reinigungstrupp einen fahlen Pressesprecher übersehen, der steht da immer noch rum und blickt aus tiefen Augenhöhlen. Wahrscheinlich glich sein gesunder Teint einfach zu sehr der betzenbergischen Wandfarbe Marke „Polarweiß“, so dass er meisterhaft getarnt war.
Bei der hier angesprochenen Entrümpelungsorgie entpuppte sich insbesondere der Vorstandsvorsitzende als wahrhaftige Katze. Flog gefühlt aus dem vierten Stockwerk der Geschäftsstelle aus dem Fenster, landete allerdings unbeschadet auf allen Vieren und mit weiterhin sieben Leben auf einer geldgepolsterten DFB-Matratze. So einen U21-Trainer kann man halt immer gebrauchen… Das Finanz-Fritzl schlürft derweil in der Südpfalzmetropole Landau seelenruhig seinen Grauburgunder. Wahrscheinlich sinniert er bei den guten Tropfen über die PowerPoint-Funktionen, die er noch nicht entdeckt hat. Jedenfalls sah man sich beim FCK mit einem Verein konfrontiert, der wieder aufgemöbelt werden wollte. Die Krux an der Sache: Das Aufmöbeln musste zunächst mit einem schmalen Geldbeutel in Angriff genommen werden. Nächste Ausfahrt Roller, Poco oder vielleicht doch ein wenig schwedischer Multi-Kulti-Lifestyle mit Sechskant-Schlüssel?
Nach Monaten des Preisvergleichs und gescheiterter Lieferungen wurden es statt BILLY, LACK und Co. immerhin Thomas, Michael, Uwe und schlussendlich Tayfun, welche die Grundausstattung der neuen Einrichtungslinie „Maison Betzenberg“ bildeten. Diesen oblag es nun, sowohl potente Sponsoren als auch potentielle Leistungsträger nach Kaiserslautern zu lotsen und die Sache ließ sich zunächst recht gut an… mittlerweile wissen wir, dass gerade im spielerischen Bereich der Holzwurm drin ist. Während es in Sachen Vereinsführung durchaus das ein oder andere Designerteil zu bestaunen gibt, wird auf dem Platz weiterhin richtig viel Mist produziert. Bezüglich der Abwehr geht sogar das Gerücht um, dass man aus den Bauteilen für eine Bank aus Versehen einen Klappstuhl gezimmert hat.
In der Tat hat man nach der historischen JHV derart viele alte Zöpfe abgeschnitten, dass selbst Rapunzel ein wenig neidisch werden konnte. Vielleicht zu viele Zöpfe. Denn wer ständig seine Haare schneidet, steht am Ende mit einer Glatze da. Alte Frisör-Weisheit. Tabellarisch sowie von der Torausbeute her ist dieser Vergleich sicherlich nicht an den Haaren herbeigezogen. Addiert man die Tore und die Punkte, die bereits eingefahren wurden, landet man genau bei der Anzahl der Haare, die Homer Simpson auf seinem gelben Kopf herumträgt. Eine eher triste Rechnung bzw. Zustandsbeschreibung. Diese Situation ruft naturgemäß eine andere Branche des Entsorgungsgewerbes auf den Plan: Die Totengräber. In Sack und Asche geben sie die depressive Stimmungskanone und werden dabei jeden Tag ein wenig lauter. Berechtigterweise, wenn man ehrlich zu sich selbst ist.
Solch niedergeschlagene Gestalten sind mir allerdings immer noch lieber als jene Zeitgenossen, die aus der Trainerdiskussion eine egozentrische Farce des Rechthabens und des „Auf-der-richtigen-Seite-stehens“ machen. Dieses unreflektierte Gezicke ist wirklich für die Tonne, steht hierbei doch in der Regel das „Ich“ im Vordergrund und nicht das Wohl des Vereins. Felsenfest zu seiner Meinung stehen mag auf den ersten Blick ehrenhaft und willensstark wirken, in vielen Fällen ist die Meinungsbildung im Diskurs jedoch gewinnbringender für die Beteiligten. Wer es schon immer wusste, hatte anfangs nicht immer Recht und wer seine Meinung ändert, ist nicht zwingendermaßen ein Fähnchen im Wind. #nurzusammen mag zwar ein eher kurzes Haltbarkeitsdatum aufweisen oder bereits ausgelutscht in der Spüle liegen, aber es wäre tatsächlich am schönsten, wenn wir in dieser englischen Woche erst mal alle gemeinsam die Dynamo aus Dresden in die Tonne kloppen. Das gibt drei Punkte für die Umfeld-Bilanz und vertreibt üble Gerüche. Ganz nebenbei würde es die attraktive Option eröffnen, endlich wieder einen kleinen Schritt aus dem muffigen Tabellen-Keller der zweiten Liga zu tun.
In meinem muffigen Keller schlummert derweil weiterhin die „play“-Ausgabe zum Champions League Viertelfinale gegen den FC Schmieren und Hinterziehen aus München. Sie liegt neben dem roten Ordner mit den Zeitungsausschnitten aus dem Meisterschaftsjahr 1997/1998. Denn auch beim Entrümpeln sollte man sich ein paar schöne Erinnerungen bewahren, die eben nicht für den Hintern bestimmt sind.
In diesem Sinne!
Ba beneen
Butduma
Unser Sitzmöbel heißt Couch und ist so durchgesessen, biergetränkt und verfurzt, dass es eigentlich ebenfalls längst auf den Sperrmüll gehörte. Zudem ist die Sitzkuhle, die Kohlmeyer hinterlassen hat, dermaßen tief, dass wir seit drei Tagen versuchen, den Bahli daraus zu bergen. Bei dieser Aktion ziehen Devil, Newtrial, Vic und ich an einem Rettungsstrang… dies zwar in verschiedene Richtungen, aber immerhin ziehen wir. Falls die Aktion bis Freitag pünktlich beendet ist, dürft ihr mit einem neuem Couching rechnen.
Eine graue Papiermüll-Tonne. Ihr Atem riecht wie ein Alt-Herren-After-Shave, eine Mischung aus Mottenkugeln und der Gewissheit, bald dem stofflichen Kreislauf irdischer Dinge (Neudeutsch: Recycling) zugeführt zu werden. Auch die weisen Worte, die zwischen unzähligen Schichten Papier in diesem Behältnis mit Rollen schlummern, erinnern mich unweigerlich an den netten Opa von nebenan. Sicherlich war es die richtige Entscheidung, den Großteil meines FCK-Archivs nach dem Ausmisten meines Kellers einer neuen Aufgabe als Pizzakarton oder Klopapier zuzuführen, wenn erst einmal das magische Portal des Müllwagens durchschritten ist. Auf der Stadionzeitschrift „play“ der Saison 1997/1998 grinst mir Otto Rehhagel entgegen, eine Locke von Harry Koch blitzt auf der Titelseite der Zeitschrift dahinter hervor… und bei den Nachbarn gab es die Tage anscheinend Spaghetti – sagt zumindest die blaue Schachtel. Klapp zu, Affe tot. Recht emotionslos schließe ich den Deckel und begebe mich wieder hinauf in die Wohnung. Noch einmal schlafen, dann kommt der Papiermüll-Mann. Ich fühle mich befreit… irgendwie.
Der Prozess des Entsorgens als Ausdruck der persönlichen Befreiung: Dieses Gefühl suchen nicht nur Entrümpler, Mafiosi oder gelangweilte Ehemänner, sondern ab und an auch Verantwortliche eines Fußball-Vereins. Meistens endet das Ausmisten in diesem Bereich jedoch beim durchgefurzten Sitzkissen des Trainerstuhls. Kein Großreinemachen, sondern weiterhin dicke Luft in der Führungsetage, verschmierte Fenster beim Blick in die Bilanzen sowie ein Haufen Mist auf dem Platz. Beim 1.FC Kaiserslautern wollte man nach dem Gewitter bei der JHV dessen reinigende Kraft vollends durch die Weiten des Betzenbergs rauschen lassen. Also erst mal alles Alte raus.
Aufsichtsratsvorsitzender? Raus!
Vorstandsvorsitzender? Raus!
Finanzjongleur? Raus! Trainer? Raus!
Halbe Mannschaft? Raus!
Hätten die alle keine Füße zum Selberlaufen, der Sperrmüll -Laster hätte sicherlich Achsbruch erlitten. Nur ganz hinten in der Ecke hat der Reinigungstrupp einen fahlen Pressesprecher übersehen, der steht da immer noch rum und blickt aus tiefen Augenhöhlen. Wahrscheinlich glich sein gesunder Teint einfach zu sehr der betzenbergischen Wandfarbe Marke „Polarweiß“, so dass er meisterhaft getarnt war.
Bei der hier angesprochenen Entrümpelungsorgie entpuppte sich insbesondere der Vorstandsvorsitzende als wahrhaftige Katze. Flog gefühlt aus dem vierten Stockwerk der Geschäftsstelle aus dem Fenster, landete allerdings unbeschadet auf allen Vieren und mit weiterhin sieben Leben auf einer geldgepolsterten DFB-Matratze. So einen U21-Trainer kann man halt immer gebrauchen… Das Finanz-Fritzl schlürft derweil in der Südpfalzmetropole Landau seelenruhig seinen Grauburgunder. Wahrscheinlich sinniert er bei den guten Tropfen über die PowerPoint-Funktionen, die er noch nicht entdeckt hat. Jedenfalls sah man sich beim FCK mit einem Verein konfrontiert, der wieder aufgemöbelt werden wollte. Die Krux an der Sache: Das Aufmöbeln musste zunächst mit einem schmalen Geldbeutel in Angriff genommen werden. Nächste Ausfahrt Roller, Poco oder vielleicht doch ein wenig schwedischer Multi-Kulti-Lifestyle mit Sechskant-Schlüssel?
Nach Monaten des Preisvergleichs und gescheiterter Lieferungen wurden es statt BILLY, LACK und Co. immerhin Thomas, Michael, Uwe und schlussendlich Tayfun, welche die Grundausstattung der neuen Einrichtungslinie „Maison Betzenberg“ bildeten. Diesen oblag es nun, sowohl potente Sponsoren als auch potentielle Leistungsträger nach Kaiserslautern zu lotsen und die Sache ließ sich zunächst recht gut an… mittlerweile wissen wir, dass gerade im spielerischen Bereich der Holzwurm drin ist. Während es in Sachen Vereinsführung durchaus das ein oder andere Designerteil zu bestaunen gibt, wird auf dem Platz weiterhin richtig viel Mist produziert. Bezüglich der Abwehr geht sogar das Gerücht um, dass man aus den Bauteilen für eine Bank aus Versehen einen Klappstuhl gezimmert hat.
In der Tat hat man nach der historischen JHV derart viele alte Zöpfe abgeschnitten, dass selbst Rapunzel ein wenig neidisch werden konnte. Vielleicht zu viele Zöpfe. Denn wer ständig seine Haare schneidet, steht am Ende mit einer Glatze da. Alte Frisör-Weisheit. Tabellarisch sowie von der Torausbeute her ist dieser Vergleich sicherlich nicht an den Haaren herbeigezogen. Addiert man die Tore und die Punkte, die bereits eingefahren wurden, landet man genau bei der Anzahl der Haare, die Homer Simpson auf seinem gelben Kopf herumträgt. Eine eher triste Rechnung bzw. Zustandsbeschreibung. Diese Situation ruft naturgemäß eine andere Branche des Entsorgungsgewerbes auf den Plan: Die Totengräber. In Sack und Asche geben sie die depressive Stimmungskanone und werden dabei jeden Tag ein wenig lauter. Berechtigterweise, wenn man ehrlich zu sich selbst ist.
Solch niedergeschlagene Gestalten sind mir allerdings immer noch lieber als jene Zeitgenossen, die aus der Trainerdiskussion eine egozentrische Farce des Rechthabens und des „Auf-der-richtigen-Seite-stehens“ machen. Dieses unreflektierte Gezicke ist wirklich für die Tonne, steht hierbei doch in der Regel das „Ich“ im Vordergrund und nicht das Wohl des Vereins. Felsenfest zu seiner Meinung stehen mag auf den ersten Blick ehrenhaft und willensstark wirken, in vielen Fällen ist die Meinungsbildung im Diskurs jedoch gewinnbringender für die Beteiligten. Wer es schon immer wusste, hatte anfangs nicht immer Recht und wer seine Meinung ändert, ist nicht zwingendermaßen ein Fähnchen im Wind. #nurzusammen mag zwar ein eher kurzes Haltbarkeitsdatum aufweisen oder bereits ausgelutscht in der Spüle liegen, aber es wäre tatsächlich am schönsten, wenn wir in dieser englischen Woche erst mal alle gemeinsam die Dynamo aus Dresden in die Tonne kloppen. Das gibt drei Punkte für die Umfeld-Bilanz und vertreibt üble Gerüche. Ganz nebenbei würde es die attraktive Option eröffnen, endlich wieder einen kleinen Schritt aus dem muffigen Tabellen-Keller der zweiten Liga zu tun.
In meinem muffigen Keller schlummert derweil weiterhin die „play“-Ausgabe zum Champions League Viertelfinale gegen den FC Schmieren und Hinterziehen aus München. Sie liegt neben dem roten Ordner mit den Zeitungsausschnitten aus dem Meisterschaftsjahr 1997/1998. Denn auch beim Entrümpeln sollte man sich ein paar schöne Erinnerungen bewahren, die eben nicht für den Hintern bestimmt sind.
In diesem Sinne!
Ba beneen
Butduma
Unser Sitzmöbel heißt Couch und ist so durchgesessen, biergetränkt und verfurzt, dass es eigentlich ebenfalls längst auf den Sperrmüll gehörte. Zudem ist die Sitzkuhle, die Kohlmeyer hinterlassen hat, dermaßen tief, dass wir seit drei Tagen versuchen, den Bahli daraus zu bergen. Bei dieser Aktion ziehen Devil, Newtrial, Vic und ich an einem Rettungsstrang… dies zwar in verschiedene Richtungen, aber immerhin ziehen wir. Falls die Aktion bis Freitag pünktlich beendet ist, dürft ihr mit einem neuem Couching rechnen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Butduma am 20.09.2016 um 11:55 Uhr bearbeitet
20.09.2016 - 11:37 Uhr
Zitat von Butduma
die Dynamo aus Dresden in die Tonne kloppen. Das gibt drei Punkte für die Umfeld-Bilanz und vertreibt üble Gerüche.
die Dynamo aus Dresden in die Tonne kloppen. Das gibt drei Punkte für die Umfeld-Bilanz und vertreibt üble Gerüche.
Sehr, sehr schön!
20.09.2016 - 11:52 Uhr
TOP-COUCHING, mein lieber But!
Trotz Trübsalsthema witzig und spritzig, dazu inhaltlich auf den Punkt.
Großes Kompliment!
Gruß aus der Pfalz
Trotz Trübsalsthema witzig und spritzig, dazu inhaltlich auf den Punkt.
Großes Kompliment!
Gruß aus der Pfalz
20.09.2016 - 15:12 Uhr
Zitat von Butduma
Falls die Aktion bis Freitag pünktlich beendet ist, dürft ihr mit einem neuem Couching rechnen.
Falls die Aktion bis Freitag pünktlich beendet ist, dürft ihr mit einem neuem Couching rechnen.
Hahaha ... aber nur dann ...
Prima Couching, ich will ein Wortspiel von dir!
Cheers
Bahli
20.09.2016 - 15:21 Uhr
Ein Couching so zeitlos wie ein Eames Sessel und doch ungemütlich wie ein Arne Jacobsen-Stuhl auf dem man es sich partout nicht längere Zeit bequem machen kann (von dem unsäglich hässlichen Mainzer Rathaus mal ganz abgesehen). Ich such dann mal die wie selbstverständlich fehlenden Schrauben für unser Billy-Punkteregal, kein Wunder, dass wir bisher nicht so fleißig gesammelt haben.
23.09.2016 - 10:03 Uhr
Jahrgang 7 - Ausgabe 8
Zur kantigen Einsicht in die reine Vernunft
Von Bahli
Unlängst führte ich eine aufschlussreiche Unterhaltung im Biergarten an meinem Heimatsee. Und wie das so häufig geschieht, war die Begegnung mit den Gesprächsteilnehmern eine rein zufällige. Hätte nicht eine mir unbekannte Dame ihren Gatten - nennen wir ihn aus Datenschutzgründen Horst - in zehn Minuten mehrmals dermaßen angeblasen, dass mir der Geschmack meiner sauren Weißherbstschorle seltsam verlottert vorkam, wäre ich nicht in den Genuss von einem dieser wichtigen Spiegel gekommen, der mir mal wieder die Augen in Sachen meines Lieblingsvereins öffnete und mich in meinem Schöndenken abrupt stoppte. Wie auch immer, als Horst seinen zwanzigsten Einlauf mit der Kreissäge erhielt, weil er doch tatsächlich vergessen hatte, die Kletterrose auf der Terrasse zu gießen, schnappte ich mir meine Schorle und wanderte ein paar Tische weiter. Ich bereute meine Entscheidung nicht als hinter mir ein "Horst, hast du eigentlich die Katzen gefüttert?" ertönte. Ich hatte Mitleid mit Horst. Mit den Katzen eher nicht.
Damit mir der halbe Liter Schorle nicht gleich die Lichter ausblies, holte ich mir in der Wirtschaft eine Brezel. Ich kehrte an meinen Tisch zurück und fand mich in Gesellschaft eines sympathisch wirkenden älteren Ehepaars irgendwo zwischen 70 und 80. "Wir nehmen Ihnen doch hoffentlich nicht Ihren Platz weg?", wurde ich freundlich gefragt. Bei drei Metern Tischlänge wohl eher eine rhetorische Frage. Aber der perfekte Aufhänger sich selbst - inklusive Pfälzer Genitiv - vorzustellen: "Isch bin Erika, demm sei Fraa, also vum Kalleinz, mähn isch." Eigentlich suchte ich ja so etwas wie Ruhe, um einen schorligen Blick auf den Handball-Ticker zu werfen, aber gut, Schorle in Gesellschaft hat ja auch etwas. Erika und Karl-Heinz waren Biertrinker und ein überzeugter Biertrinker schreckt sogar vor Eichbaum nicht zurück. Ich frage mich ja immer, wie man dieses Bier, dessen Brauerei inklusive Abfüllbetrieb direkt neben dem Mannheimer Hauptfriedhof steht, überhaupt trinken kann. Egal. Als ich gedankenversunken an meiner Schorle nippte, kam mein Sohn vorbei - gekleidet in sein neues Manuel-Neuer-Trikot, Marke Geburtstagsgeschenk. "Pappn, darf ich ein Eis?", die Wochenendredundanz dieser Frage leerte so langsam meinen Geldbeutel. Sohnemann zog mit meinem letzten 10-Euro-Schein von dannen, "äh Restgeld bitte bei mir ..." - Worte sind mitunter so etwas von überflüssig an einem Badesee an einem heißen Sonntagnachmittag im wunderschönen Ludwigshafen. Erika - aufgeschreckt durch diese kurze Episode einer vorbildlichen Vater-Sohn-Kommunikation - hatte sofort ihren persönlichen Gesprächsdurchbruch: "Fritz Walter kennder nimmi, dä Klää?" Ob das jetzt Frage oder Feststellung war, konnte ich nicht auf Anhieb erkennen. Aber es war der Auftakt zu einem netten Gedankenaustausch mit gefühlten vier Weißherbstschorlen.
Die folgende Unterhaltung übersetze ich zum besseren Verständnis vom Pfälzischen, Version derb, ins Hochdeutsche. "Der Karl-Heinz und ich sind ja seit über 60 Jahren FCK-Fans. Da kann der liebe Manuel noch so süß sein. Ich bleibe bei meinem FCK", woraufhin Erika wohl eine fußballideologische Festlegung meinerseits erwartete. Und da aus meiner Erfahrung interessante Unterhaltungen entstehen, wenn man selbst einen wie auch immer gearteten Gegenpol einnimmt, gestand ich Erika: "Ich bin seit dem FCK-Abstieg 2012 Nullfünfer." Stille am Tisch, Karl-Heinz nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Weizenbierglas. "Ein Wechsler, ein Umfaller, ein Erfolgsfan", Erika war bemüht, ihre Fassung nicht zu verlieren. "Karl-Heinz, sag doch auch mal was!" Karl-Heinz schielte gerade jungen Mädels in knappen Bikinis hinterher. Er war der Wortgewalt seiner Gattin sowieso hoffnungslos unterlegen. Immerhin gab er ein "Aha" zum Besten. "Auf dich ist wie immer kein Verlass, wenn es darum geht, abtrünnige FCK-Fans zurückzuholen", Erika setzte gerade zu einem missionarischen Sturmlauf an, als Karl-Heinz sie mit einem "Trinksch noch äähns?" unsanft bremste. Den konsternierten Blick seiner Gattin nahm Karl-Heinz zum Anlass, in die Wirtschaft zu schlurfen, um zwei weitere Weizen aus dem Kühlschrank zu holen. Ich spürte Erikas Blicke wie Brennnesseln auf meiner Haut.
Der kritische Leser wird jetzt natürlich fragen, wie ich so doof sein kann und mich nicht als jahrzehntelanger FCK-Fan geoutet habe. Ein wildes Trinkgelage mit Schwelgen in alten Zeiten wäre die unausweichliche Folge gewesen. "Damals als der Marschall gegen Gladbach - 3:2", "einmal Hotic, einmal Kuntz - 2:1", "der Funkel gegen Real - 5:0", "Bakero, ich kenne keinen Bakero" usw. usf. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der betagte FCK-Fan am ehrlichsten zu sich selbst ist, wenn er gereizt wird. Wobei Erika zu meiner großen Überraschung überhaupt nicht aufbrausend reagierte, eher Verständnis äußerte. "Ich kann es ja verstehen, dass man heutzutage nicht mehr gern auf den Berg geht - grad, wenn man Kinder hat", Erikas darauffolgendes gutmütiges Lächeln beruhigte mich und Karl-Heinz brachte mir eine neue Schorle. Scheinbar hatte er Mitleid mit mir, seiner Frau wie einer hungrigen Löwin ausgesetzt zu sein. Immerhin wurde er sogar für seine Verhältnisse richtig gesprächig: "Der FCK ist etwas für uns Alte, die Jungen haben einfach Glück, dass sie nicht so geerdet wurden wie unsereins. Die wünschen sich Trikots von Fußballvereinen, weil ihnen die Jungs darin oder zumindest die Farben darauf gefallen" - so langsam gefällt mir die Einstellung vom Kalleinz. Ein Fußball-Realo wie er im Buche steht. Im scheinbaren Gegensatz zu Erika, die anfangs mehr einer Fußball-Fundamentalistin glich.
Aber dann sagt sie den Satz, mit dem mir schlagartig klar wird, dass wirklich alles anders ist und ich gerne die wichtigen Details ausblende. Ausgangspunkt waren mein Sohn und seine Kumpels, die vom Fußballplatz nach vorne an den See rasten. Alle tragen Trikots, aber keiner trägt ein FCK-Trikot. Ich zähle fünf Bayern- und zwei BvB-Trikots sowie ein Trikot des FC Barcelona und das Nationaltrikot von Manuel Neuer. Erika schaut der lärmenden Meute hinterher und sinniert: "Tja, als die Fleischtöpfe mit den fetten Brocken hingestellt wurden, saßen wir mit Durchfall auf dem Klo" - Volltreffer, volley in den Winkel. Zu dem Zeitpunkt als sich Trikots wie Eis verkauften und die TV-Gelder wie Smarties an die oberen Zehntausend verteilt wurden, stand ein Verein wie der 1. FC Kaiserslautern in der Gegend rum und haderte mit dem Schicksal. "Wenn du dich in Fußballvereinen, in den Schulen oder auf Bolzplätzen bei uns in Ludwigshafen umschaust, weißt du, was Sache ist. Mit einem FCK-Trikot bist du als Kind der geborene Außenseiter. Eltern sollten schon aus erziehungstaktischen Gründen sehen, dass sie ihr Kind in die richtige Richtung lotsen - sprich den richtigen Verein aussuchen. Ungefähr so wie eine Zahnspangenversicherung oder den ersten Bausparvertrag. Bei uns Rentnern ist das etwas anderes, wir sind alt und haben alles erlebt. Wir können uns ein Abenteuer wie den FCK leisten. Wir haben Wunder erlebt, Meisterschaften und Pokalsiege gefeiert und nach Niederlagen geheult als gäbe es kein Morgen. Punkt!" Erikas Wandlung überraschte mich. Sie war nicht weniger ein Fußball-Realo als ihr Gatte. Und sie brachte es auf den Punkt.
Ich trank meine Schorle aus, bedankte mich für die nette Unterhaltung und ging mit einem flauen Gefühl im Magen zurück an den Strand. Irgendwie erinnerte mich Erikas schlüssige Analyse an Immanuel Kants "Kritik der reinen Vernunft". Kant verstand die Kritik nicht als Beanstandung, Tadel oder Herabwürdigung, sondern als Analyse und Überprüfung im weitesten Sinne. Und im Grunde machte Erika nichts anderes. Sicherlich kann man mit zwei bis drei Eichbaum-Weizen wunderbar im weitesten Sinne analysieren und überprüfen, aber alles, was die ältere Frau in der letzten halben Stunde gesagt hat, empfand ich nicht nur als völlig zutreffend, sondern erdete mich wieder. Natürlich kenne ich Erikas Erfahrungsschatz nicht, der für Kant in seiner "Kritik der reinen Vernunft" von Bedeutung ist, aber das ist ja im Endeffekt auch völlig wurscht. Wichtig ist alleine die Erkenntnis, die ich aus diesem Gespräch gewonnen habe. Mein Sohn ist fußball- bzw. vereinstechnisch auf dem richtigen Weg. Sein Vater hingegen kann sich mit fast fünfzig Jahren das Abenteuer FCK erlauben, sollte sich aber durchaus darauf einstellen, das Brot ohne die Wurst zu kauen ...
Cheers
Bahli
Auf der Couch sitzen sechs Philosophien in brandneuer Bekleidung. Die französische Aufklärung in der Ex-Badehose von Mark Spitz, der Glantaler Dadaismus im zerrissenen Dress von Muhammad Ali, der mittelpfälzische Buddhismus im original verschwitzten Fila-Hemd von Björn Borg, die Düsseldorfer Neo-Scholastik im magischen Trikot von Andreas Thiel, die Weinstraßen-Radikalhermeneutik im immer noch hautengen Sprintanzug von Carl Lewis und der Vorderpfälzer Rationalidealismus mit dem Originalkniestrumpf von Kareem Abdul-Jabbar über dem ... (k-n-i-r-s-c-h)
Zur kantigen Einsicht in die reine Vernunft
Von Bahli
Unlängst führte ich eine aufschlussreiche Unterhaltung im Biergarten an meinem Heimatsee. Und wie das so häufig geschieht, war die Begegnung mit den Gesprächsteilnehmern eine rein zufällige. Hätte nicht eine mir unbekannte Dame ihren Gatten - nennen wir ihn aus Datenschutzgründen Horst - in zehn Minuten mehrmals dermaßen angeblasen, dass mir der Geschmack meiner sauren Weißherbstschorle seltsam verlottert vorkam, wäre ich nicht in den Genuss von einem dieser wichtigen Spiegel gekommen, der mir mal wieder die Augen in Sachen meines Lieblingsvereins öffnete und mich in meinem Schöndenken abrupt stoppte. Wie auch immer, als Horst seinen zwanzigsten Einlauf mit der Kreissäge erhielt, weil er doch tatsächlich vergessen hatte, die Kletterrose auf der Terrasse zu gießen, schnappte ich mir meine Schorle und wanderte ein paar Tische weiter. Ich bereute meine Entscheidung nicht als hinter mir ein "Horst, hast du eigentlich die Katzen gefüttert?" ertönte. Ich hatte Mitleid mit Horst. Mit den Katzen eher nicht.
Damit mir der halbe Liter Schorle nicht gleich die Lichter ausblies, holte ich mir in der Wirtschaft eine Brezel. Ich kehrte an meinen Tisch zurück und fand mich in Gesellschaft eines sympathisch wirkenden älteren Ehepaars irgendwo zwischen 70 und 80. "Wir nehmen Ihnen doch hoffentlich nicht Ihren Platz weg?", wurde ich freundlich gefragt. Bei drei Metern Tischlänge wohl eher eine rhetorische Frage. Aber der perfekte Aufhänger sich selbst - inklusive Pfälzer Genitiv - vorzustellen: "Isch bin Erika, demm sei Fraa, also vum Kalleinz, mähn isch." Eigentlich suchte ich ja so etwas wie Ruhe, um einen schorligen Blick auf den Handball-Ticker zu werfen, aber gut, Schorle in Gesellschaft hat ja auch etwas. Erika und Karl-Heinz waren Biertrinker und ein überzeugter Biertrinker schreckt sogar vor Eichbaum nicht zurück. Ich frage mich ja immer, wie man dieses Bier, dessen Brauerei inklusive Abfüllbetrieb direkt neben dem Mannheimer Hauptfriedhof steht, überhaupt trinken kann. Egal. Als ich gedankenversunken an meiner Schorle nippte, kam mein Sohn vorbei - gekleidet in sein neues Manuel-Neuer-Trikot, Marke Geburtstagsgeschenk. "Pappn, darf ich ein Eis?", die Wochenendredundanz dieser Frage leerte so langsam meinen Geldbeutel. Sohnemann zog mit meinem letzten 10-Euro-Schein von dannen, "äh Restgeld bitte bei mir ..." - Worte sind mitunter so etwas von überflüssig an einem Badesee an einem heißen Sonntagnachmittag im wunderschönen Ludwigshafen. Erika - aufgeschreckt durch diese kurze Episode einer vorbildlichen Vater-Sohn-Kommunikation - hatte sofort ihren persönlichen Gesprächsdurchbruch: "Fritz Walter kennder nimmi, dä Klää?" Ob das jetzt Frage oder Feststellung war, konnte ich nicht auf Anhieb erkennen. Aber es war der Auftakt zu einem netten Gedankenaustausch mit gefühlten vier Weißherbstschorlen.
Die folgende Unterhaltung übersetze ich zum besseren Verständnis vom Pfälzischen, Version derb, ins Hochdeutsche. "Der Karl-Heinz und ich sind ja seit über 60 Jahren FCK-Fans. Da kann der liebe Manuel noch so süß sein. Ich bleibe bei meinem FCK", woraufhin Erika wohl eine fußballideologische Festlegung meinerseits erwartete. Und da aus meiner Erfahrung interessante Unterhaltungen entstehen, wenn man selbst einen wie auch immer gearteten Gegenpol einnimmt, gestand ich Erika: "Ich bin seit dem FCK-Abstieg 2012 Nullfünfer." Stille am Tisch, Karl-Heinz nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Weizenbierglas. "Ein Wechsler, ein Umfaller, ein Erfolgsfan", Erika war bemüht, ihre Fassung nicht zu verlieren. "Karl-Heinz, sag doch auch mal was!" Karl-Heinz schielte gerade jungen Mädels in knappen Bikinis hinterher. Er war der Wortgewalt seiner Gattin sowieso hoffnungslos unterlegen. Immerhin gab er ein "Aha" zum Besten. "Auf dich ist wie immer kein Verlass, wenn es darum geht, abtrünnige FCK-Fans zurückzuholen", Erika setzte gerade zu einem missionarischen Sturmlauf an, als Karl-Heinz sie mit einem "Trinksch noch äähns?" unsanft bremste. Den konsternierten Blick seiner Gattin nahm Karl-Heinz zum Anlass, in die Wirtschaft zu schlurfen, um zwei weitere Weizen aus dem Kühlschrank zu holen. Ich spürte Erikas Blicke wie Brennnesseln auf meiner Haut.
Der kritische Leser wird jetzt natürlich fragen, wie ich so doof sein kann und mich nicht als jahrzehntelanger FCK-Fan geoutet habe. Ein wildes Trinkgelage mit Schwelgen in alten Zeiten wäre die unausweichliche Folge gewesen. "Damals als der Marschall gegen Gladbach - 3:2", "einmal Hotic, einmal Kuntz - 2:1", "der Funkel gegen Real - 5:0", "Bakero, ich kenne keinen Bakero" usw. usf. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der betagte FCK-Fan am ehrlichsten zu sich selbst ist, wenn er gereizt wird. Wobei Erika zu meiner großen Überraschung überhaupt nicht aufbrausend reagierte, eher Verständnis äußerte. "Ich kann es ja verstehen, dass man heutzutage nicht mehr gern auf den Berg geht - grad, wenn man Kinder hat", Erikas darauffolgendes gutmütiges Lächeln beruhigte mich und Karl-Heinz brachte mir eine neue Schorle. Scheinbar hatte er Mitleid mit mir, seiner Frau wie einer hungrigen Löwin ausgesetzt zu sein. Immerhin wurde er sogar für seine Verhältnisse richtig gesprächig: "Der FCK ist etwas für uns Alte, die Jungen haben einfach Glück, dass sie nicht so geerdet wurden wie unsereins. Die wünschen sich Trikots von Fußballvereinen, weil ihnen die Jungs darin oder zumindest die Farben darauf gefallen" - so langsam gefällt mir die Einstellung vom Kalleinz. Ein Fußball-Realo wie er im Buche steht. Im scheinbaren Gegensatz zu Erika, die anfangs mehr einer Fußball-Fundamentalistin glich.
Aber dann sagt sie den Satz, mit dem mir schlagartig klar wird, dass wirklich alles anders ist und ich gerne die wichtigen Details ausblende. Ausgangspunkt waren mein Sohn und seine Kumpels, die vom Fußballplatz nach vorne an den See rasten. Alle tragen Trikots, aber keiner trägt ein FCK-Trikot. Ich zähle fünf Bayern- und zwei BvB-Trikots sowie ein Trikot des FC Barcelona und das Nationaltrikot von Manuel Neuer. Erika schaut der lärmenden Meute hinterher und sinniert: "Tja, als die Fleischtöpfe mit den fetten Brocken hingestellt wurden, saßen wir mit Durchfall auf dem Klo" - Volltreffer, volley in den Winkel. Zu dem Zeitpunkt als sich Trikots wie Eis verkauften und die TV-Gelder wie Smarties an die oberen Zehntausend verteilt wurden, stand ein Verein wie der 1. FC Kaiserslautern in der Gegend rum und haderte mit dem Schicksal. "Wenn du dich in Fußballvereinen, in den Schulen oder auf Bolzplätzen bei uns in Ludwigshafen umschaust, weißt du, was Sache ist. Mit einem FCK-Trikot bist du als Kind der geborene Außenseiter. Eltern sollten schon aus erziehungstaktischen Gründen sehen, dass sie ihr Kind in die richtige Richtung lotsen - sprich den richtigen Verein aussuchen. Ungefähr so wie eine Zahnspangenversicherung oder den ersten Bausparvertrag. Bei uns Rentnern ist das etwas anderes, wir sind alt und haben alles erlebt. Wir können uns ein Abenteuer wie den FCK leisten. Wir haben Wunder erlebt, Meisterschaften und Pokalsiege gefeiert und nach Niederlagen geheult als gäbe es kein Morgen. Punkt!" Erikas Wandlung überraschte mich. Sie war nicht weniger ein Fußball-Realo als ihr Gatte. Und sie brachte es auf den Punkt.
Ich trank meine Schorle aus, bedankte mich für die nette Unterhaltung und ging mit einem flauen Gefühl im Magen zurück an den Strand. Irgendwie erinnerte mich Erikas schlüssige Analyse an Immanuel Kants "Kritik der reinen Vernunft". Kant verstand die Kritik nicht als Beanstandung, Tadel oder Herabwürdigung, sondern als Analyse und Überprüfung im weitesten Sinne. Und im Grunde machte Erika nichts anderes. Sicherlich kann man mit zwei bis drei Eichbaum-Weizen wunderbar im weitesten Sinne analysieren und überprüfen, aber alles, was die ältere Frau in der letzten halben Stunde gesagt hat, empfand ich nicht nur als völlig zutreffend, sondern erdete mich wieder. Natürlich kenne ich Erikas Erfahrungsschatz nicht, der für Kant in seiner "Kritik der reinen Vernunft" von Bedeutung ist, aber das ist ja im Endeffekt auch völlig wurscht. Wichtig ist alleine die Erkenntnis, die ich aus diesem Gespräch gewonnen habe. Mein Sohn ist fußball- bzw. vereinstechnisch auf dem richtigen Weg. Sein Vater hingegen kann sich mit fast fünfzig Jahren das Abenteuer FCK erlauben, sollte sich aber durchaus darauf einstellen, das Brot ohne die Wurst zu kauen ...
Cheers
Bahli
Auf der Couch sitzen sechs Philosophien in brandneuer Bekleidung. Die französische Aufklärung in der Ex-Badehose von Mark Spitz, der Glantaler Dadaismus im zerrissenen Dress von Muhammad Ali, der mittelpfälzische Buddhismus im original verschwitzten Fila-Hemd von Björn Borg, die Düsseldorfer Neo-Scholastik im magischen Trikot von Andreas Thiel, die Weinstraßen-Radikalhermeneutik im immer noch hautengen Sprintanzug von Carl Lewis und der Vorderpfälzer Rationalidealismus mit dem Originalkniestrumpf von Kareem Abdul-Jabbar über dem ... (k-n-i-r-s-c-h)
23.09.2016 - 10:47 Uhr
Traurig eigentlich, aber treffend.... und traurig
23.09.2016 - 11:41 Uhr
Ach Bahli, für Leute, die kein Mitleid mit Katzen haben, dem edelsten aller Geschöpfe, kann ich auch keins empfinden. Und für Väter, die ihr Kind mit Neuer-Trikots statt mit FCK-Jersey ausstatten, dem edelsten aller Tücher, hält sich mein Verständnis ebenfalls in engen Grenzen.
Gäbe es da nicht unseren FCK als verbindendes Element. Unser gemeinsames Leid. Unsere gemeinsame Hoffung. Unser gemeinsames Schicksal. Und unsere Couch.
Klar ist es für die Nachwachsenden einfacher, sich den Geld- und Erfolgsvereinen an den Hals zu werfen; aber als ich FCK-Fan wurde, da sah es bei uns auch nicht viel anders aus als heute: Die Europapokal-Zeiten waren vorbei, wir dümpelten im unteren Mittelfeld, Briegel war grad nach Italien gewechselt und Bongartz zelebrierte die Viererkette. Einziger Unterschied: Das Ganze fand in der ersten Liga statt. Und damals gab es ein Gesetz: Du bist Pfälzer, du bist FCK-Fan. Andere Mannschaften kannte man schlichtweg nicht.
Was natürlich auch damit zusammen hängt, dass es keine Europapokal-Übertragungen ohne deutsche Beteiligung gab. Und selbst die nur in homöopathischen Dosen. Bundesliga live? Klar, in der Nachmittagskonferenz auf SWF3. Zusammenfassungen der Spiele? Sicher, drei Stück in der Sportschau. Oder ab 22.15 Uhr im Sportstudio. Aber da war der kleine Teufel schon lange im Bett. Statt dessen erzählte man sich auf dem Schulhof Legenden vom besten Mittelfeldspieler Deutschlands, einem kleinen Giftzahn Namens Wuttke, und vom gewaltigsten Torwart seit Menschengedenken, einer Schrankwand Namens Ehrmann. Ob da die Bayern begannen, Meisterschaft um Meisterschaft einzufahren interessierte nicht. Man war Pfälzer, man war FCK. Das eherne Gesetz einer vergangenen Zeit.
Schade drum. Aber nichts, was für immer verloren sein muss.
Und mal ehrlich: bist doch selbst dran Schuld, dass dein Balg verzogen ist …!
Gäbe es da nicht unseren FCK als verbindendes Element. Unser gemeinsames Leid. Unsere gemeinsame Hoffung. Unser gemeinsames Schicksal. Und unsere Couch.
Klar ist es für die Nachwachsenden einfacher, sich den Geld- und Erfolgsvereinen an den Hals zu werfen; aber als ich FCK-Fan wurde, da sah es bei uns auch nicht viel anders aus als heute: Die Europapokal-Zeiten waren vorbei, wir dümpelten im unteren Mittelfeld, Briegel war grad nach Italien gewechselt und Bongartz zelebrierte die Viererkette. Einziger Unterschied: Das Ganze fand in der ersten Liga statt. Und damals gab es ein Gesetz: Du bist Pfälzer, du bist FCK-Fan. Andere Mannschaften kannte man schlichtweg nicht.
Was natürlich auch damit zusammen hängt, dass es keine Europapokal-Übertragungen ohne deutsche Beteiligung gab. Und selbst die nur in homöopathischen Dosen. Bundesliga live? Klar, in der Nachmittagskonferenz auf SWF3. Zusammenfassungen der Spiele? Sicher, drei Stück in der Sportschau. Oder ab 22.15 Uhr im Sportstudio. Aber da war der kleine Teufel schon lange im Bett. Statt dessen erzählte man sich auf dem Schulhof Legenden vom besten Mittelfeldspieler Deutschlands, einem kleinen Giftzahn Namens Wuttke, und vom gewaltigsten Torwart seit Menschengedenken, einer Schrankwand Namens Ehrmann. Ob da die Bayern begannen, Meisterschaft um Meisterschaft einzufahren interessierte nicht. Man war Pfälzer, man war FCK. Das eherne Gesetz einer vergangenen Zeit.
Schade drum. Aber nichts, was für immer verloren sein muss.
Und mal ehrlich: bist doch selbst dran Schuld, dass dein Balg verzogen ist …!
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Devil_till_Death am 23.09.2016 um 13:58 Uhr bearbeitet
23.09.2016 - 13:47 Uhr
Schöne Geschichte @bahli77 ,
aber am Ende waren die gefühlten vier Weißherbstschorlen dann eben doch nur die äne vum Kalleinz.
Daher nimm's Dir nicht so zu Herzen mit deinem Sohnemann.
Mir wird voraussichtlich ein ähnliches Schicksal blühen, auch wenn ich zumindest in meinen Träumen noch eine etwas andere Realität prognostiziere und der Kleine dann immer mit auf den Berg fährt, wenn er erst mal Laufen kann.
Die Tatsache mit dem Außenseiter im FCK-Trikot hingegen war bei mir als Hesse auch schon damals so, jedoch konnte ich in den 90ern, meiner Teenager-Zeit dann eben doch mit dem ein oder anderen Erfolg aufwarten, was für meinen Kleinen, dann jetzt mal ohne Träumereien prognostiziert, vermutlich etwas schwieriger werden dürfte, wenn er dieses Alter erreicht hat.
Aber sei es drum. Hoffnung, die haben wir doch alle, jeder auf seine Weise, aber wir haben sie.
Und wenn meine Hoffnung stirbt und der Kleine aufgrund ausbleibenden Erfolgs dann eben doch zu den Bayern ins Stadion fährt, dann trinkt er wenigstens dort nicht so viel, wie ich beim FCK, damit ich die ein oder andere Leistung unseres Teams im Nebel meiner Sinne nicht mehr als ganz so niederschmetternd empfinden muss, wenn ich mal wieder die weite Reise angetreten bin und ohne die erwünschte Portion Frohsinn zurückkehre.
aber am Ende waren die gefühlten vier Weißherbstschorlen dann eben doch nur die äne vum Kalleinz.
Daher nimm's Dir nicht so zu Herzen mit deinem Sohnemann.
Mir wird voraussichtlich ein ähnliches Schicksal blühen, auch wenn ich zumindest in meinen Träumen noch eine etwas andere Realität prognostiziere und der Kleine dann immer mit auf den Berg fährt, wenn er erst mal Laufen kann.
Die Tatsache mit dem Außenseiter im FCK-Trikot hingegen war bei mir als Hesse auch schon damals so, jedoch konnte ich in den 90ern, meiner Teenager-Zeit dann eben doch mit dem ein oder anderen Erfolg aufwarten, was für meinen Kleinen, dann jetzt mal ohne Träumereien prognostiziert, vermutlich etwas schwieriger werden dürfte, wenn er dieses Alter erreicht hat.
Aber sei es drum. Hoffnung, die haben wir doch alle, jeder auf seine Weise, aber wir haben sie.
Und wenn meine Hoffnung stirbt und der Kleine aufgrund ausbleibenden Erfolgs dann eben doch zu den Bayern ins Stadion fährt, dann trinkt er wenigstens dort nicht so viel, wie ich beim FCK, damit ich die ein oder andere Leistung unseres Teams im Nebel meiner Sinne nicht mehr als ganz so niederschmetternd empfinden muss, wenn ich mal wieder die weite Reise angetreten bin und ohne die erwünschte Portion Frohsinn zurückkehre.
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