Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
07.12.2014 - 15:41 Uhr
Naja,bei nem 12 Stunden Flug nach HongKong,ist es allemal interessanter als ein Trombosestrumpf.
12.12.2014 - 09:08 Uhr
Jahrgang 5 - Ausgabe 18
MASKOTTCHEN!
Hinweis - Die Kenntnis der Charaktere aus der letzten Folge um diese Protagonisten hilft beim Lesen:
http://www.transfermarkt.de/berti-bahli-amp-amp-friends-in-der-couchingzone/thread/forum/23/thread_id/312521/post_id/788985#788985
PROLOG
Der Teamführer der GSG-9 beugt sich aus dem Hubschrauber. Um ihn herum peitschen die Rotoren der gewaltigen Militärmaschine durch die Luft. Unter ihm das Fritz-Walter-Stadion. Suchscheinwerfer beleuchten die Szenerie in der Dämmerung und einen gewaltigen Krater.
Sind wir die Zeugen eines spektakulären Terroranschlages auf das Herz der Pfalz? Was ist passiert?
Glücklicherweise sind Autoren omnipotent (ehrlich!). Nutzen wir diese Macht und halten die Zeit an. In der plötzlichen Stille kann der überraschte GSG9 Mann jetzt hören, dass sogar das Werk seines Chronometers aufgehört hat seine ewige Fortbewegung fortzubewegen. Lassen wir ihn allein und drehen die Uhr zurück.
Drei Tage früher.
AKT I
"Es ist ein Elend." Fritz K. seufzte. Stefan G. konnte das nicht mehr mit ansehen. "Was ist denn los?" fragte der Vorstandsvorsitzende. "Wie ich es auch drehe und wende, es kommt immer ein Verlust heraus. Wenn nur diese Zahlung über 1,2 Millionen nicht wäre."
"Mach dir keine Sorgen. Mit Finanzen kenne ich mich aus - ich hab da mal 'nen Kurs gemacht." sagte der Vorsitzende, nahm ihm das Blatt aus der Hand und schob es vor den entsetzten Augen von Fritz K. in den Aktenvernichter. "Kein Papier, keine Verpflichtung. Und schon haben wir einen Gewinn von mehr als hunderttausend! Was machen wir damit?" Fritz K. versteht sofort und ergänzt: "Ein Versuch das Geld zu sparen wäre bei diesen niedrigen Zinsen praktisch schon Veruntreuung von Vereinsvermögen. Es muss also ausgegeben werden. Stellen wir einen zusätzlichen Jugendtrainer ein?" Stefan G. zögerte nicht lange. "Viel besser Fritz. Viel besser. Jeder Fußballverein der etwas auf sich hält hat heutzutage ein Riesenmaskottchen. Zufällig habe ich in meinem privaten Netzwerk den besten Ansprechpartner dafür. Der Schwippschwager der Freundin meines Halbbruders hat neuerdings eine Firma für so etwas. Der kann uns sicher helfen." Fritz G. stutzte: "Hat der uns nicht vor kurzem ein Zelt geliehen?" Der Vorsitzende nickte. "Das war vor ein paar Wochen. Man muss heute polyvalent sein Fritz."
AKT II
Der geschniegelte Mann mittleren Alters beherrschte den Raum mit einer butterweichen aber irgendwie auch autoritären Stimme (ja Freunde - auf dem Papier geht alles!), saß auf dem Schreibtisch von Fritz K. und reichte dem Finanzvorstand seine Visitenkarte:
I.D.i.O.T. Ltd. (in Gründung)
(=> Anmerkung der Redaktion: "International Dust in Operation Trust")
"Machen Sie sich keine Sorgen. Wir setzen auf ordentlichen Wasserstoff statt auf leichtsinniges Helium und ziehen bewährte Bahnen der einfachen Ballonseide der Konkurrenz vor." Fritz K. schaltete schneller als normal üblich: "Äh, sie verwenden explosiven Wasserstoff statt Helium und gebrauchtes Hüllenmaterial?" Sein Gegenüber zuckte nicht einmal. "Das hat Vorteile. Die alten Zeltbahnen sind stabil und den Wasserstoff konnten wir günstig beziehen. Sie haben die schwarze Null und ein Riesending zur Hand und das alles für lächerliche 160 K. Sie brauchen nur noch jemanden der damit auch umgehen kann."
Stefan G. lächelte: "Wir sind im Geschäft!"
AKT III
Er parkte seinen Wagen und fuhr mit dem Aufzug aus der Tiefgarage in sein Büro. Er freute sich auf seinen bequemen Bürostuhl. Ein entspannter Tag würde das werden. Dann der Schock. Sie hatten es schon wieder getan. Ein neues Türschild. Nun stand da "Maskottchen- und Wasserstoff Management". Egal. Das kann ich auch. Ist ja nicht das erste Mal. Dachte Marco H.
Epilog
Fritz K. gibt eine improvisierte Pressekonferenz, und erklärt, dass die Stadt Kaiserslautern für den Schaden der ganz eindeutig durch Baumängel verursacht worden sei haften muss und lächelt die Journalisten sowie den Vertreter des Bundes der Steuerzahler an. Stefan G. steht dabei im Hintergrund und macht ein angemessenes Gesicht. Plötzlich gerät Fritz K. ins Stottern. Ein schwarzer VW Sahan gleitet fast geräuschlos auf den Parkplatz des Fritz-Walter-Stadions. Dann steigt ein großer Mann aus dem Wagen. Er nimmt die Sonnenbrille ab. Fritz K. verliert die Fassung und kreischt: "Mein Gott! Es ist Detektiv Abel!"
Fortsetzung folgt.
Gruß Berti
Auf der Couch sitzen Bahli, Kohlmeyer, Butduma, Laudere, der Running-Man und eben Berti. Sie leben ganz in ihrer eigenen Welt. Weil sie das tun ist das was sie schreiben manchmal nicht ernst zu nehmen und somit frei erfunden. Trotzdem liefern sie meist pünktlich ab. Die "Couchingzone" erscheint an allen Wochenendspieltagen am Freitag bis 12:00 Uhr und an allen anderen Pflichtspieltagen des FCK zur gleichen Zeit.
MASKOTTCHEN!
Hinweis - Die Kenntnis der Charaktere aus der letzten Folge um diese Protagonisten hilft beim Lesen:
http://www.transfermarkt.de/berti-bahli-amp-amp-friends-in-der-couchingzone/thread/forum/23/thread_id/312521/post_id/788985#788985
PROLOG
Der Teamführer der GSG-9 beugt sich aus dem Hubschrauber. Um ihn herum peitschen die Rotoren der gewaltigen Militärmaschine durch die Luft. Unter ihm das Fritz-Walter-Stadion. Suchscheinwerfer beleuchten die Szenerie in der Dämmerung und einen gewaltigen Krater.
Sind wir die Zeugen eines spektakulären Terroranschlages auf das Herz der Pfalz? Was ist passiert?
Glücklicherweise sind Autoren omnipotent (ehrlich!). Nutzen wir diese Macht und halten die Zeit an. In der plötzlichen Stille kann der überraschte GSG9 Mann jetzt hören, dass sogar das Werk seines Chronometers aufgehört hat seine ewige Fortbewegung fortzubewegen. Lassen wir ihn allein und drehen die Uhr zurück.
Drei Tage früher.
AKT I
"Es ist ein Elend." Fritz K. seufzte. Stefan G. konnte das nicht mehr mit ansehen. "Was ist denn los?" fragte der Vorstandsvorsitzende. "Wie ich es auch drehe und wende, es kommt immer ein Verlust heraus. Wenn nur diese Zahlung über 1,2 Millionen nicht wäre."
"Mach dir keine Sorgen. Mit Finanzen kenne ich mich aus - ich hab da mal 'nen Kurs gemacht." sagte der Vorsitzende, nahm ihm das Blatt aus der Hand und schob es vor den entsetzten Augen von Fritz K. in den Aktenvernichter. "Kein Papier, keine Verpflichtung. Und schon haben wir einen Gewinn von mehr als hunderttausend! Was machen wir damit?" Fritz K. versteht sofort und ergänzt: "Ein Versuch das Geld zu sparen wäre bei diesen niedrigen Zinsen praktisch schon Veruntreuung von Vereinsvermögen. Es muss also ausgegeben werden. Stellen wir einen zusätzlichen Jugendtrainer ein?" Stefan G. zögerte nicht lange. "Viel besser Fritz. Viel besser. Jeder Fußballverein der etwas auf sich hält hat heutzutage ein Riesenmaskottchen. Zufällig habe ich in meinem privaten Netzwerk den besten Ansprechpartner dafür. Der Schwippschwager der Freundin meines Halbbruders hat neuerdings eine Firma für so etwas. Der kann uns sicher helfen." Fritz G. stutzte: "Hat der uns nicht vor kurzem ein Zelt geliehen?" Der Vorsitzende nickte. "Das war vor ein paar Wochen. Man muss heute polyvalent sein Fritz."
AKT II
Der geschniegelte Mann mittleren Alters beherrschte den Raum mit einer butterweichen aber irgendwie auch autoritären Stimme (ja Freunde - auf dem Papier geht alles!), saß auf dem Schreibtisch von Fritz K. und reichte dem Finanzvorstand seine Visitenkarte:
I.D.i.O.T. Ltd. (in Gründung)
(=> Anmerkung der Redaktion: "International Dust in Operation Trust")
"Machen Sie sich keine Sorgen. Wir setzen auf ordentlichen Wasserstoff statt auf leichtsinniges Helium und ziehen bewährte Bahnen der einfachen Ballonseide der Konkurrenz vor." Fritz K. schaltete schneller als normal üblich: "Äh, sie verwenden explosiven Wasserstoff statt Helium und gebrauchtes Hüllenmaterial?" Sein Gegenüber zuckte nicht einmal. "Das hat Vorteile. Die alten Zeltbahnen sind stabil und den Wasserstoff konnten wir günstig beziehen. Sie haben die schwarze Null und ein Riesending zur Hand und das alles für lächerliche 160 K. Sie brauchen nur noch jemanden der damit auch umgehen kann."
Stefan G. lächelte: "Wir sind im Geschäft!"
AKT III
Er parkte seinen Wagen und fuhr mit dem Aufzug aus der Tiefgarage in sein Büro. Er freute sich auf seinen bequemen Bürostuhl. Ein entspannter Tag würde das werden. Dann der Schock. Sie hatten es schon wieder getan. Ein neues Türschild. Nun stand da "Maskottchen- und Wasserstoff Management". Egal. Das kann ich auch. Ist ja nicht das erste Mal. Dachte Marco H.
Epilog
Fritz K. gibt eine improvisierte Pressekonferenz, und erklärt, dass die Stadt Kaiserslautern für den Schaden der ganz eindeutig durch Baumängel verursacht worden sei haften muss und lächelt die Journalisten sowie den Vertreter des Bundes der Steuerzahler an. Stefan G. steht dabei im Hintergrund und macht ein angemessenes Gesicht. Plötzlich gerät Fritz K. ins Stottern. Ein schwarzer VW Sahan gleitet fast geräuschlos auf den Parkplatz des Fritz-Walter-Stadions. Dann steigt ein großer Mann aus dem Wagen. Er nimmt die Sonnenbrille ab. Fritz K. verliert die Fassung und kreischt: "Mein Gott! Es ist Detektiv Abel!"
Fortsetzung folgt.
Gruß Berti
Auf der Couch sitzen Bahli, Kohlmeyer, Butduma, Laudere, der Running-Man und eben Berti. Sie leben ganz in ihrer eigenen Welt. Weil sie das tun ist das was sie schreiben manchmal nicht ernst zu nehmen und somit frei erfunden. Trotzdem liefern sie meist pünktlich ab. Die "Couchingzone" erscheint an allen Wochenendspieltagen am Freitag bis 12:00 Uhr und an allen anderen Pflichtspieltagen des FCK zur gleichen Zeit.
12.12.2014 - 09:30 Uhr
Wenn ich jetzt schreibe" wie immer "klingt es nicht nach einem Kompliment,was es aber bedeuten sollte.
Unsere Couchingzone ist die Champions League!!!
Unsere Couchingzone ist die Champions League!!!
12.12.2014 - 16:37 Uhr
Wie? Was? "Fortsetzung folgt" ... erst ein spannendes Szenario mit GSG9 aufbauen, dann die Zeit anhalten, um dann drei Tage zurückzublenden. Damit findest du dich irgendwo zwischen Alfred Hitchcock, den Wachowski-Brüdern (die ihre Ideen allerdings alle bei Philip K. Dick geklaut haben) und Peter Jackson wieder. Ich hoffe aber, dass du deine Teile im Stile eines Klassregisseurs runterspulst. Und nicht mit Episode 4 gestartet bist, um danach 5 und 6 folgen zu lassen, um in zwanzig Jahren die ersten drei Teile zu bringen. Und als Rentner dann noch einen siebten Teil hinterherschiebst wie die alte Fastnacht ...
Nein, Spaß beiseite. Ich mag diese theatral aufgebauten Couchings.
Cheers
Bahli
Nein, Spaß beiseite. Ich mag diese theatral aufgebauten Couchings.
Cheers
Bahli
13.12.2014 - 10:56 Uhr
Hitchcock? Wachowski? Jackson?
Ich sehe hier sehr vielversprechende Ansätze, dassdie viel geforderte erste deutsche Serienproduktion, die mit den amerikanische High-Quality-TV-Shows mithalten kann, nun halt doch aus dem Kreativzentrum der Couchingzone kommt - woher auch sonst, wird der ein oder andere jetzt vielleicht sagen.
Die Zutaten sind deutlich auszumachen. Ein "Cold Opener", der auf ein anderen Zeitebene spielt (à la "Breaking Bad"), ein wenig High-Tech-Terror-Action ("24"), komplexe Charaktere ("Six Feet Under") um eine sich familiär gebende Organisation, die im Grunde aber mafiös strukturiert ist ("The Sopranos"), eine Variation der "Fixer"-Figur, die immer die Drecksarbeit erledigen muss ("Ray Donovan") und natürlich am Ende ein Cliffhanger, wie er sich in jeder Top-Serie findet.
Man darf gespannt sein, wie es weitergeht: Werden Fritz K. und Stefan G. ein "Boardwalk Empire" errichten oder wird sich der Clan gegenseitig zerfleischen ("Sons of Anarchy")? Oder werden gar ein paar untote Waldhöfer auftauchen, die noch nicht kapiert haben, dass sie längst Geschichte sind ("The Walking Dead")?
In fiebriger Erwartung
Kohlmeyer
Ich sehe hier sehr vielversprechende Ansätze, dassdie viel geforderte erste deutsche Serienproduktion, die mit den amerikanische High-Quality-TV-Shows mithalten kann, nun halt doch aus dem Kreativzentrum der Couchingzone kommt - woher auch sonst, wird der ein oder andere jetzt vielleicht sagen.
Die Zutaten sind deutlich auszumachen. Ein "Cold Opener", der auf ein anderen Zeitebene spielt (à la "Breaking Bad"), ein wenig High-Tech-Terror-Action ("24"), komplexe Charaktere ("Six Feet Under") um eine sich familiär gebende Organisation, die im Grunde aber mafiös strukturiert ist ("The Sopranos"), eine Variation der "Fixer"-Figur, die immer die Drecksarbeit erledigen muss ("Ray Donovan") und natürlich am Ende ein Cliffhanger, wie er sich in jeder Top-Serie findet.
Man darf gespannt sein, wie es weitergeht: Werden Fritz K. und Stefan G. ein "Boardwalk Empire" errichten oder wird sich der Clan gegenseitig zerfleischen ("Sons of Anarchy")? Oder werden gar ein paar untote Waldhöfer auftauchen, die noch nicht kapiert haben, dass sie längst Geschichte sind ("The Walking Dead")?
In fiebriger Erwartung
Kohlmeyer
13.12.2014 - 15:24 Uhr
Sehr treffend analysiert geschätzter Kollege Kohlmeyer! Die entscheidende Inspiration lieferten jedoch "Die Simpsons" mit der Eröffnungsszene der "Monorail" Folge.
Wobei ich einräumen muss, dass es schwer ist bei solchen Texten unsere 3.500 Zeichen Marke einzuhalten, was mir aber in etwa gelungen ist (ohne "Hinweis" & "Abspann"). Das ging allerdings arg zu Lasten von AKT III - der nativ wesentlich länger ausgefallen wäre. Es macht aber auch irgendwie Spaß so ein Ding mit harten Vorgaben selbst zu redigieren.
Gruß Berti
Wobei ich einräumen muss, dass es schwer ist bei solchen Texten unsere 3.500 Zeichen Marke einzuhalten, was mir aber in etwa gelungen ist (ohne "Hinweis" & "Abspann"). Das ging allerdings arg zu Lasten von AKT III - der nativ wesentlich länger ausgefallen wäre. Es macht aber auch irgendwie Spaß so ein Ding mit harten Vorgaben selbst zu redigieren.
Gruß Berti
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Bertikoks am 13.12.2014 um 15:32 Uhr bearbeitet
16.12.2014 - 22:35 Uhr
Jahrgang 5 - Ausgabe 19: Wilde Weihnachtssau
Lautlos und mit nahezu anmaßender Anmut senken sich die grazilen Gebilde aus Eiskristallen auf den Ästen nieder – Schnee fällt auf den Pfälzerwald. Ich ziehe den FCK-Schal etwas fester um meinen Hals und die Marseille-Handschuhe bis knapp unter die Ellenbogen. Es ist kalt… saukalt. Wahrscheinlich sind schon alle Vögel gen Süden geflogen oder erfroren, jedenfalls zwitschern und pfeifen sie nicht, nur das romantische Knirschen des Schnees unter meinen Schraubstollen ist zu vernehmen. Ab und an trägt der Wind ein paar Takte des Leides (sic!) „Last Christmas“ von Wham! aus den umliegenden Dörfern herüber, deren Einwohner die alljährliche ohrale Pein klaglos über sich ergehen lassen. Mit einem Lächeln auf den zitternden Lippen und der Zweitliga-Tabelle im Hinterkopf setze ich meinen winterlichen Spaziergang fort. Komplett angstfrei und sportlich beschwingt.
Erst kürzlich hatten die Pfälzer Jäger hier die letzten Löwen erlegt, Gefahr drohte folglich keine. „Nun gut, das Fell des Bären sollte man trotzdem nicht vor dem Abend loben“, sage ich ehrfürchtig zu mir selbst und schaue mich sicherheitshalber nochmal um.
Hinter einer engen Windung des Weges dimmt jemand das Licht, es wird zunehmend dunkel, die Tannen bilden ein Zäpfle. Da dringt urplötzlich und zunächst ganz leise ein Kratzen an mein Ohr. Mit jedem weiteren Schritt wird es lauter und wächst zu einem markerschütternden Schaben heran. Was ist das? Ist es ein flüchtender Uli H. mit einer dicken Eisenkugel am geschwollenen Fußgelenk? Schleifen dubiose Mäzene korrupte Geldsäcke nach Luxemburg? Oder hat gar der Weihnachtsmann hier ein frivoles Stelldichein?
Nein! Mein feines Gehör und meine noch feinere Nase lassen nur einen Schluss zu: Es ist eine wilde Sau, die sich da an einer Eiche reibt. Und in der Tat, ein paar Meter weiter offenbart sich das erdachte Bild. Regungslos steht da eine dicke Eiche, während sich ein bepelztes Schwein an ihr verausgabt. Ein wildes Gerubbel und Geschrabbel ist das, ich kann’s euch sagen. Dem Tier spritzt der schäumende Sabber nur so von den Lefzen.
In die Rinde des Baumes hat ein treuer Wandersmann und Lauternfan ein FCK-Logo geritzt. Das Wildschwein trägt einen Strickpulli, das entfernt an ein Mainz-Trikot erinnert und in dessen Geweb die Buchstaben B,D und S eingelassen sind. Im Schnee liegt eine aktuelle Ausgabe der FAZ. Überrascht, dass die Sau lesen kann, setze ich mich auf einen Baumstumpf und beobachte weiter. Erst jetzt sehe ich, dass dieser Wüstling des Waldes einen kleinen Glas-Helm mit den Initialen einer politischen Partei trägt. Surreale Sache, das. Angesichts des verrückten Szenarios, das sich mir hier offenbart, genehmige ich mir erst mal einen kräftigen Schluck „Latschen-Kiefer“ aus der Thermoskanne.
Nach einer Weile beginnt die Rinde der noblen Eiche zu splittern. Ganz spurlos geht diese unsägliche Reiberei auch nicht an ihr vorüber. Der einst prächtige Baum, der in den letzten Jahren ohnehin schon Wind und Wetter Tribut zollern musste, nimmt gefährlichen Schaden - nisten sich in den offen Stellen doch gerne Pilze, Buchholzböcke, Ratten und andere Schädlinge ein. So wird aus dem einst Grünewald ganz schnell Holzwurm-Hollywood oder gar ein Ruheforst. Für derart ramponiertes Gehölz finden sich dann nur noch schwerlich Paten, höchstens ein paar mit einem Herz für alte Bäume – den Traditionalisten des Waldes – und auch scheue Rehe knöddeln lieber woanders.
Warum sich die Sau dermaßen an dieser Eiche abarbeitet ist mir schleiereulenhaft. Es gibt so viele andere Bäume mit fraglichem Zahlenwurzelwerk, doch diese bleiben saumäßig unberührt. Selbst das Schild mit dem EU-Baumschutzsiegel hält das Schwein nicht von den wilden Attacken ab und dies obwohl es erwiesenermaßen lesen kann. Vielleicht ist es eine neue Form von fokussierter Tollwut oder ein interessengesteuerter Trieb zur Setzung von Duftmarken… ich weiß es nicht. Trotzdem ist es äußerst inspirierend mit welch stoischer Ruhe der Baum das Treiben über sich ergehen lässt, weder zittern die Äste noch schlagen sie aus. Getreu dem Motto: „Was juckt’s die Pälzer Eech, wenn sich die Wildsau dra riwwelt?“
Eichige Kontenanse… buddhistische Ruhe… jetzt zur Weihnachtszeit vielleicht auch ein guter Ratgeber für das eigene Leben… die Dinge einfach einmal etwas gelassener nehmen… ganz so wie der Jäger, dessen Zielfernrohr gerade eben zwischen den Kastanienbäumen aufblitzt.
Als der Schuss durch den Wald hallt, bin ich bereits auf der Steuerflucht. Den Ort des Geschehens weit hinter mir lassend und das Schicksal der Sau ignorierend. Aber wenn sie nicht gestorben ist, dann reibt sie sich noch heute. Da bin ich mir ganz sicher.
In diesem (besinnlichen) Sinne!
Ba beneen
Butduma
Falls ihr in der winterlichen Pfalz eine wilde Sau mit rot-weißer Mütze im Walde erspäht, so kann es sich auch um Kurt Beck im Pelzmantel handeln, der Steuergeschenke zum Betzenberg bringt. Also lasst das Tier in Ruhe. Auf keinen Fall ist es einer der Couchisten, denn diese tragen aufgrund ihrer Liaisons mit PETA-Models keinen Pelz. Außerdem treiben sie sich eher vor Tastaturen als im Walde herum, müssen sie doch pünktlich und ohne Hilfe von fleißigen Elfen ihre Texte liefern.
Lautlos und mit nahezu anmaßender Anmut senken sich die grazilen Gebilde aus Eiskristallen auf den Ästen nieder – Schnee fällt auf den Pfälzerwald. Ich ziehe den FCK-Schal etwas fester um meinen Hals und die Marseille-Handschuhe bis knapp unter die Ellenbogen. Es ist kalt… saukalt. Wahrscheinlich sind schon alle Vögel gen Süden geflogen oder erfroren, jedenfalls zwitschern und pfeifen sie nicht, nur das romantische Knirschen des Schnees unter meinen Schraubstollen ist zu vernehmen. Ab und an trägt der Wind ein paar Takte des Leides (sic!) „Last Christmas“ von Wham! aus den umliegenden Dörfern herüber, deren Einwohner die alljährliche ohrale Pein klaglos über sich ergehen lassen. Mit einem Lächeln auf den zitternden Lippen und der Zweitliga-Tabelle im Hinterkopf setze ich meinen winterlichen Spaziergang fort. Komplett angstfrei und sportlich beschwingt.
Erst kürzlich hatten die Pfälzer Jäger hier die letzten Löwen erlegt, Gefahr drohte folglich keine. „Nun gut, das Fell des Bären sollte man trotzdem nicht vor dem Abend loben“, sage ich ehrfürchtig zu mir selbst und schaue mich sicherheitshalber nochmal um.
Hinter einer engen Windung des Weges dimmt jemand das Licht, es wird zunehmend dunkel, die Tannen bilden ein Zäpfle. Da dringt urplötzlich und zunächst ganz leise ein Kratzen an mein Ohr. Mit jedem weiteren Schritt wird es lauter und wächst zu einem markerschütternden Schaben heran. Was ist das? Ist es ein flüchtender Uli H. mit einer dicken Eisenkugel am geschwollenen Fußgelenk? Schleifen dubiose Mäzene korrupte Geldsäcke nach Luxemburg? Oder hat gar der Weihnachtsmann hier ein frivoles Stelldichein?
Nein! Mein feines Gehör und meine noch feinere Nase lassen nur einen Schluss zu: Es ist eine wilde Sau, die sich da an einer Eiche reibt. Und in der Tat, ein paar Meter weiter offenbart sich das erdachte Bild. Regungslos steht da eine dicke Eiche, während sich ein bepelztes Schwein an ihr verausgabt. Ein wildes Gerubbel und Geschrabbel ist das, ich kann’s euch sagen. Dem Tier spritzt der schäumende Sabber nur so von den Lefzen.
In die Rinde des Baumes hat ein treuer Wandersmann und Lauternfan ein FCK-Logo geritzt. Das Wildschwein trägt einen Strickpulli, das entfernt an ein Mainz-Trikot erinnert und in dessen Geweb die Buchstaben B,D und S eingelassen sind. Im Schnee liegt eine aktuelle Ausgabe der FAZ. Überrascht, dass die Sau lesen kann, setze ich mich auf einen Baumstumpf und beobachte weiter. Erst jetzt sehe ich, dass dieser Wüstling des Waldes einen kleinen Glas-Helm mit den Initialen einer politischen Partei trägt. Surreale Sache, das. Angesichts des verrückten Szenarios, das sich mir hier offenbart, genehmige ich mir erst mal einen kräftigen Schluck „Latschen-Kiefer“ aus der Thermoskanne.
Nach einer Weile beginnt die Rinde der noblen Eiche zu splittern. Ganz spurlos geht diese unsägliche Reiberei auch nicht an ihr vorüber. Der einst prächtige Baum, der in den letzten Jahren ohnehin schon Wind und Wetter Tribut zollern musste, nimmt gefährlichen Schaden - nisten sich in den offen Stellen doch gerne Pilze, Buchholzböcke, Ratten und andere Schädlinge ein. So wird aus dem einst Grünewald ganz schnell Holzwurm-Hollywood oder gar ein Ruheforst. Für derart ramponiertes Gehölz finden sich dann nur noch schwerlich Paten, höchstens ein paar mit einem Herz für alte Bäume – den Traditionalisten des Waldes – und auch scheue Rehe knöddeln lieber woanders.
Warum sich die Sau dermaßen an dieser Eiche abarbeitet ist mir schleiereulenhaft. Es gibt so viele andere Bäume mit fraglichem Zahlenwurzelwerk, doch diese bleiben saumäßig unberührt. Selbst das Schild mit dem EU-Baumschutzsiegel hält das Schwein nicht von den wilden Attacken ab und dies obwohl es erwiesenermaßen lesen kann. Vielleicht ist es eine neue Form von fokussierter Tollwut oder ein interessengesteuerter Trieb zur Setzung von Duftmarken… ich weiß es nicht. Trotzdem ist es äußerst inspirierend mit welch stoischer Ruhe der Baum das Treiben über sich ergehen lässt, weder zittern die Äste noch schlagen sie aus. Getreu dem Motto: „Was juckt’s die Pälzer Eech, wenn sich die Wildsau dra riwwelt?“
Eichige Kontenanse… buddhistische Ruhe… jetzt zur Weihnachtszeit vielleicht auch ein guter Ratgeber für das eigene Leben… die Dinge einfach einmal etwas gelassener nehmen… ganz so wie der Jäger, dessen Zielfernrohr gerade eben zwischen den Kastanienbäumen aufblitzt.
Als der Schuss durch den Wald hallt, bin ich bereits auf der Steuerflucht. Den Ort des Geschehens weit hinter mir lassend und das Schicksal der Sau ignorierend. Aber wenn sie nicht gestorben ist, dann reibt sie sich noch heute. Da bin ich mir ganz sicher.
In diesem (besinnlichen) Sinne!
Ba beneen
Butduma
Falls ihr in der winterlichen Pfalz eine wilde Sau mit rot-weißer Mütze im Walde erspäht, so kann es sich auch um Kurt Beck im Pelzmantel handeln, der Steuergeschenke zum Betzenberg bringt. Also lasst das Tier in Ruhe. Auf keinen Fall ist es einer der Couchisten, denn diese tragen aufgrund ihrer Liaisons mit PETA-Models keinen Pelz. Außerdem treiben sie sich eher vor Tastaturen als im Walde herum, müssen sie doch pünktlich und ohne Hilfe von fleißigen Elfen ihre Texte liefern.
16.12.2014 - 23:04 Uhr
Ein angenehmer Spaziergang werter Kollege. Zu Weihnachten gibt es bei dir Wildschwein mein (nahezu) gallischer Freund?
Gruß Berti
Gruß Berti
17.12.2014 - 07:47 Uhr
Zitat von usernick
...die Tannen bilden ein Zäpfle.
...die Tannen bilden ein Zäpfle.
Wie immer mit Liebe zum Detail.
Sehr schön gemacht lieber But, und es steckt soviel Wahrheit drin.
Falô
Mineiro
17.12.2014 - 08:18 Uhr
Wie immer But, einfach wie immer. Ganz großes Kino!
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