Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
02.12.2011 - 10:50 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 18
SCHIEDSRICHTER - DIE NEUEN SCHWULEN ?
Bei seinen zahlreichen Auftritten in Presse, Funk und Fernsehen trifft Kohlmeyer immer wieder auch auf Leute, die sich dem aussichtslosen Unterfangen widmen, ihn noch schöner zu machen. „Ich hann mich jo neilich so geschämt“, gestand ihm eine nette Maskenbildnerin unlängst, als sie versuchte, die Speckbacken des alternden Schwadroneurs weg zu retuschieren (die im Gesicht, wohlgemerkt). „Mojens habe ich noch uff de Babak Rafati geschennt wie e Rohrspatz, und nachmittags habb ich dann gehört, dass er sich umbringe wollt – des war mir ja sooo peinlich.“
„Junge Frau“, nickte Kohlmeyer väterlich, da er bei jungen Frauen stets gerne und vollkommen unentgeltlich in die Rolle des Beichtvaters schlüpft. „Seien Sie doch nicht so hart mit sich. Jeder Fußballfreund hat sich schon über Babak Rafati geärgert, und das zurecht. Die Wahrheit lässt sich nicht wegbluten.“
Tja, der Babak. Doch, doch – es soll und muss hier nochmal um ihn gehen, allerdings nicht um ihn persönlich, sondern um das mediale Echo, das er auslöste, und für dessen Betrachtung sind zwei Wochen Distanz absolut angebracht. Wer meint, dazu nichts mehr lesen zu können, kann´s gerne lassen.
UND SCHON DAMPFT DIE BETROFFENHEITSSUPPE
Wir erinnern uns: Der arme Babak war noch nicht wieder zu sich gekommen, da schwallte Theo schon was von dem unmenschlichen Druck, unter dem die Schiedsrichter stünden. Über einen Kölner Kripobeamten sickerte zwar am Montag drauf an die Öffentlichkeit, dass es hier um private Motive ginge und explizit nicht um Leistungsdruck. Eigentlich ein Grund, erstmal den Ball flachzuhalten, aber nichts da – die selbsternannten Gutmenschen hatten die mediale Betroffenheitsmischmaschine bereits angeschmissen.
Was durfte Kohlmeyer alles hören und lesen in den nächsten Tagen. Robert Enke, Ralf Rangnick, Martin Fenin, Babak und zuletzt Gary Speed kurzerhand in einen Topf geschmissen und die ganz große Betroffenheitssuppe angerührt. Nein, es sind nicht mehr die Revolutionen, die ihre Kinder fressen, jetzt tötet auch der Profifußball zunehmend seine Protagonisten. Schlimm, schlimm.
Wir blicken grade mal kurz in die Details: Bei Robert Enke, dessen Schicksal von Ronald Reng ja durchaus seriös und tiefgründig beleuchtet worden ist, war auch eine private Tragödie maßgeblich ausschlaggebend.
Ralf Rangnick fühlt sich nach Jahren in einem fraglos stressigen Job ausgebrannt und gönnt sich nun ein Jahr Auszeit. Dies sei ihm dicke gegönnt, auch, dass er genug Geld auf dem Konto hat, um sich ein Sabbatjahr leisten zu können, und auch, dass er dank seines guten Rufs nächsten Sommer bestimmt wieder schnell Arbeit findet – für diese Privilegien hat er schließlich hart gearbeitet. Andererseits: Solche Privilegien genießen in unserer Gesellschaft nur wenige 50-jährige, so ziemlich jeder wäre ein für allemal weg vom Fenster, wenn er ein Jahr Pause macht.
Da ist Ralf Rangnick doch wirklich in einer glücklichen Situation. Und sein Schicksal hat mit dem Robert Enkes rein gar nichts zu tun. Das Martin Fenins eigentlich ebenso wenig. Der hatte schon immer über die Stränge geschlagen und wenn er jetzt betrunken aus dem Fenster fällt, ist das zunächst mal als Unfall zu werten. Dass sein exzessiver Alkoholkonsum damit zu tun hatte, dass er mit den überzogenen Erwartungen nicht fertig wurde, die an ihn gestellt wurden, mag sein, wird aber für Kohlmeyer nicht dadurch zum Fakt, weil die BILD darüber spekuliert.
Über Gary Speeds Beweggründe war bislang noch gar nichts Konkretes zu lesen. Soweit Kohlmeyer es verfolgen konnte, stand er als walisischer Nationaltrainer allerdings nicht in der Kritik oder unter besonderem Druck, weil er die EM-Quali nicht schaffte.
Natürlich gibt es in unserer Gesellschaft Leistungsdruck, wahrscheinlich wird er auch zunehmend unmenschlicher, möglicherweise nimmt die Zahl an Depressionskrankheiten und Suizidgefährdungen auch tatsächlich rapide zu – aber um den gutmenschlichen Betroffenheitsnachweis zu führen, muss man keine Fußballerschicksale wild zusammenschmeißen, meint Kohlmeyer.
DIE MEDIENSCHELTE DARF AUCH NICHT AUSBLEIBEN
Als nächstes war die böseböse Presse dran: Muss man denn unbedingt den schlechtesten Bundesligaschiedsrichter wählen lassen, maulten Theo und seine Vasallen los – der Seriensieger dieser Wahl hatte sich zu dem Zeitpunkt immer noch nicht geäußert, ob dies tatsächlich einer seiner Beweggründe war. Der schlechteste BL-Stürmer werde ja schließlich auch nicht gewählt, hieß es weiter.
Och jo. Okay, der „kicker“ mag nicht explizit zur Wahl des größten Rumpelfüßlers aufrufen, aber es gibt jede Menge schwachsinnige Notenrankings, allerorten Top- und Floplisten und schäbige Fangesänge und tonnenweise Schmäh in den Internetforen. Glaubt die sich gerade selbst ernennende Zunft der Schiri-Schützer tatsächlich, über ihre Zunft werde mehr Müll ausgekübelt als über andere Mitwirkende im großen Fußballzirkus?
Müssen die Schiris jetzt zur schützenswerten Minderheit ausgerufen werden? Soll sich künftig nur noch der Gutmensch nennen dürfen, der seine Toleranz den Pfeifenmännern gegenüber wie eine Fahne vor sich herträgt? Sollen die Fans künftig nach einem Elfmeterpfiff singen: „Zwayer, wir danken dir!“ – und dergleichen?
TV-Ekel Stromberg würde wahrscheinlich sinnieren: „Die Schiedsrichter, das sind jetzt die neuen Schwulen“. Och, Leute, kommt – da applaudiert doch nicht mal Manni Kaltmamsell.
Über neue technische Hilfsmittel, die den Schiris das Leben leichter machen sollen, wird jetzt auch wieder diskutiert. Das ist ja im Prinzip in Ordnung, aber muss man dafür den Selbstmordversuch eines Schiedsrichters als Aufhänger bemühen? Soweit Kohlmeyer weiß, geht´s da in erster Linie um sicherere Torentscheidungen. Die ein-, zweimal in der Saison, in der derlei zum Tragen kommen könnte, nehmen doch keinen Druck von den Schiris.
IMMER WIEDER GERNE: DER RUF NACH DEM PROFI-SCHIRI
Besonders lustig: Die ebenfalls verschiedentlich wieder aufgekochte Diskussion um den Profi-Schiedsrichter. Da hört´s ja wohl endgültig auf.
Die aktuellen BL-Pfeifen kassieren pro Einsatz in der Ersten Liga 4000 Euro. Für Liga 2 gibt´s ein bisschen weniger, ebenso für Liga drei. Wer´s auf die FIFA-Liste schafft, kassiert noch mehr. Wer gut im Geschäft ist, macht pro Saison locker ein Hunderttausender nebenher.
Damit ihn keiner missversteht: Kohlmeyer gönnt den Pfeifen das Geld, schließlich ist der ganze Profifußball eine riesige Geldmelkmaschine, da ist es nur gerecht, wenn auch die Schiris kassieren, denn leicht haben sie´s ja wirklich nicht. Auch müssen sie, bis sie an den Trog kommen, an dem das Manna fließt, sonntags über viele Kartoffeläcker gerannt sein und eine Unzahl Fort- und Weiterbildungen besucht haben und bestimmt mausen viele ihrer Frauen fremd, weil ihre Pfeifen an Wochenenden nie zuhause sind – da sei ihnen der Schotter wahrlich gegönnt.
Aber: Nennt diese Leute doch bitte nicht Amateure.
Gerade, weil sie nebenher noch einen Hauptberuf haben, in dem fast alle ordentlich verdienen: als Banker, Rechtsanwälte, Hoteliers, Steuerberater und, und, und. Wenn ich jetzt einen zum Profi machen, der eben nichts als den Pfeifenjob hat, setze ich doch den erst recht unter Druck. Denn der muss doch Angst haben, dass er zum Hartzer wird, wenn er entlassen wird, weil er permanent schlecht pfeift und entlassen wird.
WE DON´T NEED ANOTHER MÄRTYRER
Und dann war eine Woche vorbei – und Babak ließ über seinen Anwalt verlauten: Nee, nee, private Gründe hatte er keine, es sei schon der Druck gewesen, der ihn depressiv machte, die Angst vor dem falschen Pfiff, vor Kritik, vor dem Zorn der Meute. Das alles wolle er nun mit Theo und seinen geschätzten Freunden, die sich alle so rührend um ihn kümmern, aufarbeiten.
Kohlmeyer fragt sich nur: Wenn er solche Angst davor hatte, hätte bei ihm da nicht ein Hang zum Heimschiedsrichter zu beobachten sein müssen? Statt dessen galt er überall als der Anti-Heimschiedsrichter schlechthin. Merkwürdig.
Und demnach hätte auch der Kripo-Beamte, der den Nachrichtenagenturen zufolge eine Woche was von persönlichen Gründen faselte, einfach nur zuvor dummgebabbelt.
Das lässt sich natürlich ausschließen. Aber irgendwie hat das alles für Kohlmeyer ein Geschmäckle. Er will hier natürlich nicht wild spekulieren, aber irgendwie sieht´s ein bisschen so aus, als ob der DFB Babak nun zum neuen Märtyrer aufbauen will. Und vielleicht ein bisschen ablenken von den gegenwärtigen Peinlichkeiten, die die Schiri-Zunft schwer diskreditieren, um Manni Kaltmamsell und die von ihm hingehängten Steuerhinterzieher.
Hatte Babak nicht früher schon immer herhalten müssen als Musterknabe für erfolgreiche Ausländerintegration beim DFB? Hatte man nicht vielleicht deswegen seine permanente Wiederwahl zum schlechtesten Schiedsrichter permanent ignoriert? Dass man ihn im September von der FIFA-Liste strich, wurde offiziell ja mit Umstrukturierungen begründet.
Immerhin: Der „kicker“ befragt bei seiner Schiri-Wahl ja keine delirierenden Ultras, sondern die deutschen Fußballprofis, also die Klientel, die sich darüber eigentlich eine gewisses Urteil erlauben sollen dürfte, eine gewisse Aussagekraft kann man der Wahl also nicht absprechen.
Wär´s nicht intelligenter gewesen, sich damit mal auseinandersetzen anstatt jetzt die ruchlosen Medien zu schelten? Haben Theo und seine sich jetzt rührend kümmernden Freunde Babak seinerzeit eigentlich mal gefragt, wie er sich fühlte, nachdem er drei Mal hintereinander zum schlechtesten Schiedsrichter gekürt wurde?
MARKUS, SAG´S IHNEN
Einer der wenigen, die was Vernünftiges zu dem Fall sagten – und da ist Kohlmeyer direkt wieder stolz, dass er FCK´ler ist – war Markus Merk. Der hat darauf hingewiesen, dass die Schiedsrichter nach einem Spiel im Grunde allein gelassen werden. Es gibt zwar noch eine Besprechung mit vierten Offiziellen, in dem es um die ein oder andere Entscheidung geht, aber danach schwärmen alle auseinander, jeder in sein Nest, und wie er seine Fehler, die gerechtfertigte und auch die ungerechtfertigte Kritik verarbeitet, die über ihm ausgekübelt wurde, bleibt jedem selbst überlassen.
Vielleicht sollte man sich beim DFB darüber mal Gedanken zu machen, statt immer nur mit dem Finger auf andere zu zeigen. Und Babak kann Kohlmeyer nur raten: Junge, lass dich von denen NICHT vor den Märtyrer-Karren spannen, damit sie von sich ablenken können.
Ansonsten gute Besserung und persönlich alles Gute für dich und deine Familie. Aber ein guter Schiedsrichter bis du trotzdem nicht gewesen. Sorry.
Gruß,
Kohlmeyer
SCHIEDSRICHTER - DIE NEUEN SCHWULEN ?
Bei seinen zahlreichen Auftritten in Presse, Funk und Fernsehen trifft Kohlmeyer immer wieder auch auf Leute, die sich dem aussichtslosen Unterfangen widmen, ihn noch schöner zu machen. „Ich hann mich jo neilich so geschämt“, gestand ihm eine nette Maskenbildnerin unlängst, als sie versuchte, die Speckbacken des alternden Schwadroneurs weg zu retuschieren (die im Gesicht, wohlgemerkt). „Mojens habe ich noch uff de Babak Rafati geschennt wie e Rohrspatz, und nachmittags habb ich dann gehört, dass er sich umbringe wollt – des war mir ja sooo peinlich.“
„Junge Frau“, nickte Kohlmeyer väterlich, da er bei jungen Frauen stets gerne und vollkommen unentgeltlich in die Rolle des Beichtvaters schlüpft. „Seien Sie doch nicht so hart mit sich. Jeder Fußballfreund hat sich schon über Babak Rafati geärgert, und das zurecht. Die Wahrheit lässt sich nicht wegbluten.“
Tja, der Babak. Doch, doch – es soll und muss hier nochmal um ihn gehen, allerdings nicht um ihn persönlich, sondern um das mediale Echo, das er auslöste, und für dessen Betrachtung sind zwei Wochen Distanz absolut angebracht. Wer meint, dazu nichts mehr lesen zu können, kann´s gerne lassen.
UND SCHON DAMPFT DIE BETROFFENHEITSSUPPE
Wir erinnern uns: Der arme Babak war noch nicht wieder zu sich gekommen, da schwallte Theo schon was von dem unmenschlichen Druck, unter dem die Schiedsrichter stünden. Über einen Kölner Kripobeamten sickerte zwar am Montag drauf an die Öffentlichkeit, dass es hier um private Motive ginge und explizit nicht um Leistungsdruck. Eigentlich ein Grund, erstmal den Ball flachzuhalten, aber nichts da – die selbsternannten Gutmenschen hatten die mediale Betroffenheitsmischmaschine bereits angeschmissen.
Was durfte Kohlmeyer alles hören und lesen in den nächsten Tagen. Robert Enke, Ralf Rangnick, Martin Fenin, Babak und zuletzt Gary Speed kurzerhand in einen Topf geschmissen und die ganz große Betroffenheitssuppe angerührt. Nein, es sind nicht mehr die Revolutionen, die ihre Kinder fressen, jetzt tötet auch der Profifußball zunehmend seine Protagonisten. Schlimm, schlimm.
Wir blicken grade mal kurz in die Details: Bei Robert Enke, dessen Schicksal von Ronald Reng ja durchaus seriös und tiefgründig beleuchtet worden ist, war auch eine private Tragödie maßgeblich ausschlaggebend.
Ralf Rangnick fühlt sich nach Jahren in einem fraglos stressigen Job ausgebrannt und gönnt sich nun ein Jahr Auszeit. Dies sei ihm dicke gegönnt, auch, dass er genug Geld auf dem Konto hat, um sich ein Sabbatjahr leisten zu können, und auch, dass er dank seines guten Rufs nächsten Sommer bestimmt wieder schnell Arbeit findet – für diese Privilegien hat er schließlich hart gearbeitet. Andererseits: Solche Privilegien genießen in unserer Gesellschaft nur wenige 50-jährige, so ziemlich jeder wäre ein für allemal weg vom Fenster, wenn er ein Jahr Pause macht.
Da ist Ralf Rangnick doch wirklich in einer glücklichen Situation. Und sein Schicksal hat mit dem Robert Enkes rein gar nichts zu tun. Das Martin Fenins eigentlich ebenso wenig. Der hatte schon immer über die Stränge geschlagen und wenn er jetzt betrunken aus dem Fenster fällt, ist das zunächst mal als Unfall zu werten. Dass sein exzessiver Alkoholkonsum damit zu tun hatte, dass er mit den überzogenen Erwartungen nicht fertig wurde, die an ihn gestellt wurden, mag sein, wird aber für Kohlmeyer nicht dadurch zum Fakt, weil die BILD darüber spekuliert.
Über Gary Speeds Beweggründe war bislang noch gar nichts Konkretes zu lesen. Soweit Kohlmeyer es verfolgen konnte, stand er als walisischer Nationaltrainer allerdings nicht in der Kritik oder unter besonderem Druck, weil er die EM-Quali nicht schaffte.
Natürlich gibt es in unserer Gesellschaft Leistungsdruck, wahrscheinlich wird er auch zunehmend unmenschlicher, möglicherweise nimmt die Zahl an Depressionskrankheiten und Suizidgefährdungen auch tatsächlich rapide zu – aber um den gutmenschlichen Betroffenheitsnachweis zu führen, muss man keine Fußballerschicksale wild zusammenschmeißen, meint Kohlmeyer.
DIE MEDIENSCHELTE DARF AUCH NICHT AUSBLEIBEN
Als nächstes war die böseböse Presse dran: Muss man denn unbedingt den schlechtesten Bundesligaschiedsrichter wählen lassen, maulten Theo und seine Vasallen los – der Seriensieger dieser Wahl hatte sich zu dem Zeitpunkt immer noch nicht geäußert, ob dies tatsächlich einer seiner Beweggründe war. Der schlechteste BL-Stürmer werde ja schließlich auch nicht gewählt, hieß es weiter.
Och jo. Okay, der „kicker“ mag nicht explizit zur Wahl des größten Rumpelfüßlers aufrufen, aber es gibt jede Menge schwachsinnige Notenrankings, allerorten Top- und Floplisten und schäbige Fangesänge und tonnenweise Schmäh in den Internetforen. Glaubt die sich gerade selbst ernennende Zunft der Schiri-Schützer tatsächlich, über ihre Zunft werde mehr Müll ausgekübelt als über andere Mitwirkende im großen Fußballzirkus?
Müssen die Schiris jetzt zur schützenswerten Minderheit ausgerufen werden? Soll sich künftig nur noch der Gutmensch nennen dürfen, der seine Toleranz den Pfeifenmännern gegenüber wie eine Fahne vor sich herträgt? Sollen die Fans künftig nach einem Elfmeterpfiff singen: „Zwayer, wir danken dir!“ – und dergleichen?
TV-Ekel Stromberg würde wahrscheinlich sinnieren: „Die Schiedsrichter, das sind jetzt die neuen Schwulen“. Och, Leute, kommt – da applaudiert doch nicht mal Manni Kaltmamsell.
Über neue technische Hilfsmittel, die den Schiris das Leben leichter machen sollen, wird jetzt auch wieder diskutiert. Das ist ja im Prinzip in Ordnung, aber muss man dafür den Selbstmordversuch eines Schiedsrichters als Aufhänger bemühen? Soweit Kohlmeyer weiß, geht´s da in erster Linie um sicherere Torentscheidungen. Die ein-, zweimal in der Saison, in der derlei zum Tragen kommen könnte, nehmen doch keinen Druck von den Schiris.
IMMER WIEDER GERNE: DER RUF NACH DEM PROFI-SCHIRI
Besonders lustig: Die ebenfalls verschiedentlich wieder aufgekochte Diskussion um den Profi-Schiedsrichter. Da hört´s ja wohl endgültig auf.
Die aktuellen BL-Pfeifen kassieren pro Einsatz in der Ersten Liga 4000 Euro. Für Liga 2 gibt´s ein bisschen weniger, ebenso für Liga drei. Wer´s auf die FIFA-Liste schafft, kassiert noch mehr. Wer gut im Geschäft ist, macht pro Saison locker ein Hunderttausender nebenher.
Damit ihn keiner missversteht: Kohlmeyer gönnt den Pfeifen das Geld, schließlich ist der ganze Profifußball eine riesige Geldmelkmaschine, da ist es nur gerecht, wenn auch die Schiris kassieren, denn leicht haben sie´s ja wirklich nicht. Auch müssen sie, bis sie an den Trog kommen, an dem das Manna fließt, sonntags über viele Kartoffeläcker gerannt sein und eine Unzahl Fort- und Weiterbildungen besucht haben und bestimmt mausen viele ihrer Frauen fremd, weil ihre Pfeifen an Wochenenden nie zuhause sind – da sei ihnen der Schotter wahrlich gegönnt.
Aber: Nennt diese Leute doch bitte nicht Amateure.
Gerade, weil sie nebenher noch einen Hauptberuf haben, in dem fast alle ordentlich verdienen: als Banker, Rechtsanwälte, Hoteliers, Steuerberater und, und, und. Wenn ich jetzt einen zum Profi machen, der eben nichts als den Pfeifenjob hat, setze ich doch den erst recht unter Druck. Denn der muss doch Angst haben, dass er zum Hartzer wird, wenn er entlassen wird, weil er permanent schlecht pfeift und entlassen wird.
WE DON´T NEED ANOTHER MÄRTYRER
Und dann war eine Woche vorbei – und Babak ließ über seinen Anwalt verlauten: Nee, nee, private Gründe hatte er keine, es sei schon der Druck gewesen, der ihn depressiv machte, die Angst vor dem falschen Pfiff, vor Kritik, vor dem Zorn der Meute. Das alles wolle er nun mit Theo und seinen geschätzten Freunden, die sich alle so rührend um ihn kümmern, aufarbeiten.
Kohlmeyer fragt sich nur: Wenn er solche Angst davor hatte, hätte bei ihm da nicht ein Hang zum Heimschiedsrichter zu beobachten sein müssen? Statt dessen galt er überall als der Anti-Heimschiedsrichter schlechthin. Merkwürdig.
Und demnach hätte auch der Kripo-Beamte, der den Nachrichtenagenturen zufolge eine Woche was von persönlichen Gründen faselte, einfach nur zuvor dummgebabbelt.
Das lässt sich natürlich ausschließen. Aber irgendwie hat das alles für Kohlmeyer ein Geschmäckle. Er will hier natürlich nicht wild spekulieren, aber irgendwie sieht´s ein bisschen so aus, als ob der DFB Babak nun zum neuen Märtyrer aufbauen will. Und vielleicht ein bisschen ablenken von den gegenwärtigen Peinlichkeiten, die die Schiri-Zunft schwer diskreditieren, um Manni Kaltmamsell und die von ihm hingehängten Steuerhinterzieher.
Hatte Babak nicht früher schon immer herhalten müssen als Musterknabe für erfolgreiche Ausländerintegration beim DFB? Hatte man nicht vielleicht deswegen seine permanente Wiederwahl zum schlechtesten Schiedsrichter permanent ignoriert? Dass man ihn im September von der FIFA-Liste strich, wurde offiziell ja mit Umstrukturierungen begründet.
Immerhin: Der „kicker“ befragt bei seiner Schiri-Wahl ja keine delirierenden Ultras, sondern die deutschen Fußballprofis, also die Klientel, die sich darüber eigentlich eine gewisses Urteil erlauben sollen dürfte, eine gewisse Aussagekraft kann man der Wahl also nicht absprechen.
Wär´s nicht intelligenter gewesen, sich damit mal auseinandersetzen anstatt jetzt die ruchlosen Medien zu schelten? Haben Theo und seine sich jetzt rührend kümmernden Freunde Babak seinerzeit eigentlich mal gefragt, wie er sich fühlte, nachdem er drei Mal hintereinander zum schlechtesten Schiedsrichter gekürt wurde?
MARKUS, SAG´S IHNEN
Einer der wenigen, die was Vernünftiges zu dem Fall sagten – und da ist Kohlmeyer direkt wieder stolz, dass er FCK´ler ist – war Markus Merk. Der hat darauf hingewiesen, dass die Schiedsrichter nach einem Spiel im Grunde allein gelassen werden. Es gibt zwar noch eine Besprechung mit vierten Offiziellen, in dem es um die ein oder andere Entscheidung geht, aber danach schwärmen alle auseinander, jeder in sein Nest, und wie er seine Fehler, die gerechtfertigte und auch die ungerechtfertigte Kritik verarbeitet, die über ihm ausgekübelt wurde, bleibt jedem selbst überlassen.
Vielleicht sollte man sich beim DFB darüber mal Gedanken zu machen, statt immer nur mit dem Finger auf andere zu zeigen. Und Babak kann Kohlmeyer nur raten: Junge, lass dich von denen NICHT vor den Märtyrer-Karren spannen, damit sie von sich ablenken können.
Ansonsten gute Besserung und persönlich alles Gute für dich und deine Familie. Aber ein guter Schiedsrichter bis du trotzdem nicht gewesen. Sorry.
Gruß,
Kohlmeyer
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Kohlmeyer am 02.12.2011 um 10:57 Uhr bearbeitet
02.12.2011 - 11:45 Uhr
Einfach nur wie fast immer "lesenswerter Beitrag" klicken, war mir diesmal deutlich zu wenig. Deswegen gibt es jetzt in Textform noch ein "besonders lesenswert" hinterher.
02.12.2011 - 12:04 Uhr
Ein typischer Kohlmeyer. Vielen Dank für diese interessanten Gedanken.
Auch schön, dass die Kolumne FCK-übergreifend gelesen wird. Das spricht für das Niveau von Euren Werken.
Auch schön, dass die Kolumne FCK-übergreifend gelesen wird. Das spricht für das Niveau von Euren Werken.
02.12.2011 - 12:50 Uhr
Schon wieder Rafati? Leider dieses Mal nix für mich...
03.12.2011 - 20:00 Uhr
Danke Kohlmeyer für die Kolumne. Ich finde auch das das Thema noch nicht komplett abgehandelt ist und Danke Dir dass Du es auch nochmals aufnimmst.
Wie immer Lob und Dank dafür.
Gruß Koto
Wie immer Lob und Dank dafür.
Gruß Koto
08.12.2011 - 21:12 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 19:
Im Western nichts Neues
von Butduma
Neulich sah ich in einer tiefdunklen Nacht mal wieder einer dieser alten Westernfilme. Es war sehr spät und ich konnte nicht schlafen. In besagtem Film stolzierten etliche Cowboys durch verstaubte Wildweststraßen oder sie ritten aufgeregt auf ihren Gäulen durch die Prärie. Dazu diese herrliche Patina, die solche alten Schinken ansetzen – bei richtigem Schinken auch Schimmel genannt. Die Jungs liefen und ritten also so auf dem Bildschirm umher, irgendwann kamen Räuber, Banditen und Indianer dazu. Und dann begann die wohlbekannte Szenerie: Qualmende Colts, surrende Revolvertrommeln, Löcher in Hüten und reihenweise umfallende Bösewichte. Am Ende gewannen die Guten, so wie immer im Film. Hoch beeindruckt war ich von den Schießkünsten der Protagonisten. Da wird zielsicher aus der Hüfte geballert, wenn der Bandit die Dirne aus dem Bordell entführen will und locker-flockig werden die Äpfel im Nachbardorf vom Baum geschossen. Jeder Schuss ein Treffer… zumindest fast. Als ich in dieser Nacht den Fernseher ausgeschaltet hatte und mit der Fernbedienung in der Hand im dunklen Wohnzimmer auf der Couch saß, musste ich an unseren FCK denken und schluchzen. Da rennen auch ständig elf Cowboys über den Platz und schießen dabei wild umher; nur ist die Trefferquote um einiges schlechter als bei den filmischen Artverwandten. So wie letztens gegen die Kavallerie aus Berlin. Da wurde innerhalb kürzester Zeit über 20 Mal auf die Kavalleristen geschossen, wobei lediglich 4 Kugeln im Gebälk der Forts einschlugen, allerdings darin hängen blieben. Was ein Glück, dass sich ein Berliner quasi selbst erschoss, ansonsten wäre auch diese Schlacht wieder einmal verloren gegangen – ganz ohne Patina und Sepiatöne. Man stelle sich vor, die Cowboys hätten sich damals genauso dämlich angestellt: Der Westen wäre weiterhin unbesiedelt und die Indianer würden immer noch freudig Bisons jagen und ihre Pow Wows veranstalten. Ganz zu schweigen von den wunden Fingern der unentwegt nachladenden Cowboys. Große Filmtitel wie „Spiel mir das Lied vom Tor“ oder „Sie schossen, aber trafen nicht“ wären uns vergönnt gewesen. So ist es aber nicht, zumindest nicht im wilden Westen. Beim 1.FC Kaiserslautern aus der Bundesliga-Hinrunde 2011 treffen diese Umschreibungen hingegen vollends zu. Das nahm am letzten Spieltag auch der Trainer mit sichtlich angesäuerter Miene zur Kenntnis. Kenner der Szene behaupten, dies sei vorher nicht der Fall gewesen. Lassen wir dies mal dahingestellt...
Quo vadis, Prinz aus Zamunda?
11 Tore aus 15 Spielen sind verdammt wenig, so viel ist sicher. Insbesondere, wenn man bedankt, dass darunter zwei Eigentore sowie etliche Minuten in Überzahl und ein Elfmeter zu verbuchen sind. Ein schauriges Gemälde der teuflischen Ineffizienz. Verdientermaßen steht man mit einer derart harmlosen Leistung auf einem unteren Tabellenplatz, erstaunlicherweise jedoch nicht auf dem letzten. Dies haben wir wiederum der zweitbesten Abwehr der unteren Tabellenhälfte zu verdanken, nur Hoffenheim ist in diesen Gefilden besser unterwegs. Von den haarsträubenden individuellen Fehlern mal abgesehen, kann sich das also sehen lassen. Um bei den Cowboys zu bleiben: Es sieht ganz nach einem heißen Ritt auf Messers Mustang aus. Die Fehlerquellen wurden von diversen Experten natürlich bereits ermittelt: Eine nichtexistente Spieleröffnung aus der Abwehr, ein defensives Mittelfeld, dass sich allzu häufig auf Geleitschutz und Sicherheitspässe mit großem Unsicherheitsfaktor zu den eigenen Abwehrspielern beschränkt, ein Kapitän, der vom ganzen Bäumlein-wechsel-dich-Spielchen nicht mehr weiß, ob er Männlein oder Weiblein ist, Flügelspieler, die aufgrund voller Pampers weder zur Grundlinie noch um den Gegenspieler herum kommen und ein Sturm, der trotz Königstransfer wenig königlich daher kommt, lediglich der Prinz aus Zamunda versucht sich Bälle aus der Abwehr und dem Mittelfeld selbst im Sechzehner aufzulegen, was verständlicherweise nur sehr selten gelingt – sollte er sich weiterhin so aufreiben, wird er ohnehin bald durchsichtig sein. Und als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, ist auch noch der magische Vertragsverlängerungseffekt von Marco Kurz verpufft. Quo vadis Marcus oder ist der Trainer mittlerweile am Ende seines Lateins? Rollt bei seinen taktischen Überlegungen vielleicht nur noch ausgedörrtes Purzelgesträuch (für die Engländer „Tumbleweed“) durchs staubige Gehirn? Eine Antwort auf diese Fragen kann ich nicht liefern, nur Mutmaßungen.
In der Luft hängt der letzte Mohikaner
Ich tendiere zur These, dass der Trainer die Mängel und Fehler durchaus erkannt und analysiert hat, nur scheinen mir sowohl die spielerischen als auch die finanziellen Mittel zu begrenzt, um irgendwo mit durchbrechendem Erfolg den Hebel anzusetzen. Während die Geier das leere Punktekonto also bereits hungrig umkreisen, hängt unsere Offensive immer noch am Galgen, d.h. in der Luft. Chancen werden in der Regel zwar in ausreichender Quantität generiert, allerdings lässt deren Qualität sehr zu wünschen übrig. Zwingend sind nur wenige. Neben den schmerzhaften Abgängen in der Offensive, liegt da auch irgendwo der Hund begraben. Dazu kommt der Leistungsabfall von ehemaligen Leistungsträgern sowie fehlendes Glück und fertig ist das perfekte Grusel-Dinner. Irgendwo zwischen Hauptgang und Nachspeise beginnt nämlich der Teufelskreis mit dem mangelnden Selbstvertrauen. Und dieser Kreis hat nichts mit dem kollektiven Gruppenplausch zu tun, den die roten Teufelchen regelmäßig auf den Fussballplätzen der Republik vollführen. Es wird hart. Ja, verdammt hart! Daran gibt es wohl keine Zweifel. Da werden auch ein paar letzte Patronen im Lauf, d.h. zwei drei günstige Winterzugänge, nicht viel ändern können. Vielleicht sind unsere Spieler aber auch gar keine Cowboys mit rauchenden Colts, sondern eher so was wie die letzten Mohikaner mit einem altmodischen Tomahawk. Wir schlagen uns irgendwie mit einer knappen Lederschürze und ein paar Federn auf dem Kopf durch, manchmal mit mehr Willen als Finesse, aber irgendwie kommt Hinten was raus… was auch immer das sein mag. Und schon die nächste Aufgabe ist keine einfache. Es geht zum aktuellen deutschen Meister aus Dortmund. Dieser dürfte wohl mit sehr viel Wut im Bauch antreten, nachdem Marseille diese Woche in der Championsleague einen weiteren Erfolg gegen die Borussen davon getragen hat. Man ist quasi im eigenen Tipi des millionenschweren Schatzes aus dem UEFA-See beraubt worden. Die letzten Mohikaner aus dem Pfälzer Wald sollten folglich den Tomahawk nochmals schön schärfen, um mit glänzender Klinge und dem Herzen eines Kriegers gen Dortmund zu reiten… ansonsten geht das auch wieder in die Hose oder besser gesagt in die Lederschürze.
In diesem Sinne,
Euer Butduma
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
Im Western nichts Neues
von Butduma
Neulich sah ich in einer tiefdunklen Nacht mal wieder einer dieser alten Westernfilme. Es war sehr spät und ich konnte nicht schlafen. In besagtem Film stolzierten etliche Cowboys durch verstaubte Wildweststraßen oder sie ritten aufgeregt auf ihren Gäulen durch die Prärie. Dazu diese herrliche Patina, die solche alten Schinken ansetzen – bei richtigem Schinken auch Schimmel genannt. Die Jungs liefen und ritten also so auf dem Bildschirm umher, irgendwann kamen Räuber, Banditen und Indianer dazu. Und dann begann die wohlbekannte Szenerie: Qualmende Colts, surrende Revolvertrommeln, Löcher in Hüten und reihenweise umfallende Bösewichte. Am Ende gewannen die Guten, so wie immer im Film. Hoch beeindruckt war ich von den Schießkünsten der Protagonisten. Da wird zielsicher aus der Hüfte geballert, wenn der Bandit die Dirne aus dem Bordell entführen will und locker-flockig werden die Äpfel im Nachbardorf vom Baum geschossen. Jeder Schuss ein Treffer… zumindest fast. Als ich in dieser Nacht den Fernseher ausgeschaltet hatte und mit der Fernbedienung in der Hand im dunklen Wohnzimmer auf der Couch saß, musste ich an unseren FCK denken und schluchzen. Da rennen auch ständig elf Cowboys über den Platz und schießen dabei wild umher; nur ist die Trefferquote um einiges schlechter als bei den filmischen Artverwandten. So wie letztens gegen die Kavallerie aus Berlin. Da wurde innerhalb kürzester Zeit über 20 Mal auf die Kavalleristen geschossen, wobei lediglich 4 Kugeln im Gebälk der Forts einschlugen, allerdings darin hängen blieben. Was ein Glück, dass sich ein Berliner quasi selbst erschoss, ansonsten wäre auch diese Schlacht wieder einmal verloren gegangen – ganz ohne Patina und Sepiatöne. Man stelle sich vor, die Cowboys hätten sich damals genauso dämlich angestellt: Der Westen wäre weiterhin unbesiedelt und die Indianer würden immer noch freudig Bisons jagen und ihre Pow Wows veranstalten. Ganz zu schweigen von den wunden Fingern der unentwegt nachladenden Cowboys. Große Filmtitel wie „Spiel mir das Lied vom Tor“ oder „Sie schossen, aber trafen nicht“ wären uns vergönnt gewesen. So ist es aber nicht, zumindest nicht im wilden Westen. Beim 1.FC Kaiserslautern aus der Bundesliga-Hinrunde 2011 treffen diese Umschreibungen hingegen vollends zu. Das nahm am letzten Spieltag auch der Trainer mit sichtlich angesäuerter Miene zur Kenntnis. Kenner der Szene behaupten, dies sei vorher nicht der Fall gewesen. Lassen wir dies mal dahingestellt...
Quo vadis, Prinz aus Zamunda?
11 Tore aus 15 Spielen sind verdammt wenig, so viel ist sicher. Insbesondere, wenn man bedankt, dass darunter zwei Eigentore sowie etliche Minuten in Überzahl und ein Elfmeter zu verbuchen sind. Ein schauriges Gemälde der teuflischen Ineffizienz. Verdientermaßen steht man mit einer derart harmlosen Leistung auf einem unteren Tabellenplatz, erstaunlicherweise jedoch nicht auf dem letzten. Dies haben wir wiederum der zweitbesten Abwehr der unteren Tabellenhälfte zu verdanken, nur Hoffenheim ist in diesen Gefilden besser unterwegs. Von den haarsträubenden individuellen Fehlern mal abgesehen, kann sich das also sehen lassen. Um bei den Cowboys zu bleiben: Es sieht ganz nach einem heißen Ritt auf Messers Mustang aus. Die Fehlerquellen wurden von diversen Experten natürlich bereits ermittelt: Eine nichtexistente Spieleröffnung aus der Abwehr, ein defensives Mittelfeld, dass sich allzu häufig auf Geleitschutz und Sicherheitspässe mit großem Unsicherheitsfaktor zu den eigenen Abwehrspielern beschränkt, ein Kapitän, der vom ganzen Bäumlein-wechsel-dich-Spielchen nicht mehr weiß, ob er Männlein oder Weiblein ist, Flügelspieler, die aufgrund voller Pampers weder zur Grundlinie noch um den Gegenspieler herum kommen und ein Sturm, der trotz Königstransfer wenig königlich daher kommt, lediglich der Prinz aus Zamunda versucht sich Bälle aus der Abwehr und dem Mittelfeld selbst im Sechzehner aufzulegen, was verständlicherweise nur sehr selten gelingt – sollte er sich weiterhin so aufreiben, wird er ohnehin bald durchsichtig sein. Und als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, ist auch noch der magische Vertragsverlängerungseffekt von Marco Kurz verpufft. Quo vadis Marcus oder ist der Trainer mittlerweile am Ende seines Lateins? Rollt bei seinen taktischen Überlegungen vielleicht nur noch ausgedörrtes Purzelgesträuch (für die Engländer „Tumbleweed“) durchs staubige Gehirn? Eine Antwort auf diese Fragen kann ich nicht liefern, nur Mutmaßungen.
In der Luft hängt der letzte Mohikaner
Ich tendiere zur These, dass der Trainer die Mängel und Fehler durchaus erkannt und analysiert hat, nur scheinen mir sowohl die spielerischen als auch die finanziellen Mittel zu begrenzt, um irgendwo mit durchbrechendem Erfolg den Hebel anzusetzen. Während die Geier das leere Punktekonto also bereits hungrig umkreisen, hängt unsere Offensive immer noch am Galgen, d.h. in der Luft. Chancen werden in der Regel zwar in ausreichender Quantität generiert, allerdings lässt deren Qualität sehr zu wünschen übrig. Zwingend sind nur wenige. Neben den schmerzhaften Abgängen in der Offensive, liegt da auch irgendwo der Hund begraben. Dazu kommt der Leistungsabfall von ehemaligen Leistungsträgern sowie fehlendes Glück und fertig ist das perfekte Grusel-Dinner. Irgendwo zwischen Hauptgang und Nachspeise beginnt nämlich der Teufelskreis mit dem mangelnden Selbstvertrauen. Und dieser Kreis hat nichts mit dem kollektiven Gruppenplausch zu tun, den die roten Teufelchen regelmäßig auf den Fussballplätzen der Republik vollführen. Es wird hart. Ja, verdammt hart! Daran gibt es wohl keine Zweifel. Da werden auch ein paar letzte Patronen im Lauf, d.h. zwei drei günstige Winterzugänge, nicht viel ändern können. Vielleicht sind unsere Spieler aber auch gar keine Cowboys mit rauchenden Colts, sondern eher so was wie die letzten Mohikaner mit einem altmodischen Tomahawk. Wir schlagen uns irgendwie mit einer knappen Lederschürze und ein paar Federn auf dem Kopf durch, manchmal mit mehr Willen als Finesse, aber irgendwie kommt Hinten was raus… was auch immer das sein mag. Und schon die nächste Aufgabe ist keine einfache. Es geht zum aktuellen deutschen Meister aus Dortmund. Dieser dürfte wohl mit sehr viel Wut im Bauch antreten, nachdem Marseille diese Woche in der Championsleague einen weiteren Erfolg gegen die Borussen davon getragen hat. Man ist quasi im eigenen Tipi des millionenschweren Schatzes aus dem UEFA-See beraubt worden. Die letzten Mohikaner aus dem Pfälzer Wald sollten folglich den Tomahawk nochmals schön schärfen, um mit glänzender Klinge und dem Herzen eines Kriegers gen Dortmund zu reiten… ansonsten geht das auch wieder in die Hose oder besser gesagt in die Lederschürze.
In diesem Sinne,
Euer Butduma
In der Couchingzone befinden sich neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer und Butduma. Die Kolumne erscheint spätestens jeweils Freitag um 12:00 Uhr oder an Spieltagen zur gleichen Zeit bei allen Pflichtspielen.
09.12.2011 - 09:48 Uhr
"So eine Butduma-Kolumne ist genau das Richtige, wenn man sich leer und ausgebrannt fühlt."
Ralf Rangnick
"Dieser Butduma hat echtes schriftstellerisches Talent. Erstaunlich für jemanden, der nicht einmal in der Waffen-SS war."
Günther Grass
"The columnistic work from this man Butduma ist similar high levelled like the outstanding commentatory work from Loddar Matthäus for Al Jazeera is. Both is fine formulated, well through thinked and witnesses from great analytic competence. And, and this important, the humour never comes too short. Don´t threat me like a child, you know, if a Loddar Matthäus says this, it means something."
Loddar Matthäus
Ralf Rangnick
"Dieser Butduma hat echtes schriftstellerisches Talent. Erstaunlich für jemanden, der nicht einmal in der Waffen-SS war."
Günther Grass
"The columnistic work from this man Butduma ist similar high levelled like the outstanding commentatory work from Loddar Matthäus for Al Jazeera is. Both is fine formulated, well through thinked and witnesses from great analytic competence. And, and this important, the humour never comes too short. Don´t threat me like a child, you know, if a Loddar Matthäus says this, it means something."
Loddar Matthäus
09.12.2011 - 10:01 Uhr
Verstehe nicht, warum wir in dieser schweren Situation jetzt keine Fortsetzung von Marco K. erleben dürfen. Hatte mich so darauf gefreut. :(
Trotzdem gutes Ding.
Trotzdem gutes Ding.
09.12.2011 - 10:10 Uhr
@ Kohli: Also Deine Kommentare verdeutlichen wie hoch das Niveau hier ist, die sind besser und kreativer als so manche Kolumne in den großen Tageszeitungen. Mich freut's, dass dies auch der Loddar erkannt hat. ;)
@ Fox: Junge, ich muss irgendwie die Spannung hochhalten, sonst verkommt mein Marco K. zur Daily Soap. Aber der Mann ist stark, der kommt zurück!
@ Fox: Junge, ich muss irgendwie die Spannung hochhalten, sonst verkommt mein Marco K. zur Daily Soap. Aber der Mann ist stark, der kommt zurück!
09.12.2011 - 10:13 Uhr
Klatschklatschklatsch.
Plädiere dafür, dass Taktikbesprechungen zukünftig nur noch 3dimensional stattfinden. Stelle dafür gerne meine Timpo Cowboy und Indianer und meinen Winnetou Soundtrack zu Verfügung.
Remember the Alamo.
Plädiere dafür, dass Taktikbesprechungen zukünftig nur noch 3dimensional stattfinden. Stelle dafür gerne meine Timpo Cowboy und Indianer und meinen Winnetou Soundtrack zu Verfügung.
Remember the Alamo.
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