Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
31.12.2011 - 12:14 Uhr
Berti, vielen Dank für die Zusammenfassung! Das Posting sollte im FCK Forum an jeden User per PN gesendet werden, damit jedem mal klar wird, in welcher aussichtslosen Situation wir uns befanden.
Vielleicht könntest Du in dem Zusammenhang noch etwas genauer auf Grünewalt eingehen. Das würde mich neben den Details zu Kuntz&Kurz noch brennender interessieren!
Vielleicht könntest Du in dem Zusammenhang noch etwas genauer auf Grünewalt eingehen. Das würde mich neben den Details zu Kuntz&Kurz noch brennender interessieren!
31.12.2011 - 13:29 Uhr
Ein Meisterstück.
Sicher, da gibt es noch einiges zu ergänzen und auszuführen, aber irgendwann sollte man "Couchingzone- Das Buch" realisieren.
Ich würde es kaufen.
Sicher, da gibt es noch einiges zu ergänzen und auszuführen, aber irgendwann sollte man "Couchingzone- Das Buch" realisieren.
Ich würde es kaufen.
31.12.2011 - 18:33 Uhr
Berti Vielen Dank fuer die Meisterliche Lehrstunde
Ich kenne die BULI aber so ausfuehrlich kannte Ich die neue FCK Geschicht nicht
Ich kenne die BULI aber so ausfuehrlich kannte Ich die neue FCK Geschicht nicht
01.01.2012 - 02:10 Uhr
Berti viele danke ich kenne jetzt auch die Buli. ;)
04.01.2012 - 16:45 Uhr
Ich schließe mich an und danke für die gelungene Darstellung.
Neben der Arbeit von Grünewalt sind weitere Kapitel die zu diesem unfassbaren WUNDER der Sanierung FCK gehören:
- Stadion: und wer hat eigentlich damals diesen (Miet-)Vertrag unterschrieben? :ugly
- Stadion: Danke für Stundungen (Stundung heißt nicht erlassen) :o
- Scoutingabteilung: Wiedereröffnet 2011
- Jugend: Leistungszentrum 0 Sterne
Neben der Arbeit von Grünewalt sind weitere Kapitel die zu diesem unfassbaren WUNDER der Sanierung FCK gehören:
- Stadion: und wer hat eigentlich damals diesen (Miet-)Vertrag unterschrieben? :ugly
- Stadion: Danke für Stundungen (Stundung heißt nicht erlassen) :o
- Scoutingabteilung: Wiedereröffnet 2011
- Jugend: Leistungszentrum 0 Sterne
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Hegermeister am 04.01.2012 um 17:14 Uhr bearbeitet
18.01.2012 - 06:08 Uhr
Berti, klasse - sehr lesenswert!
Dürfen wir uns noch auf einen zweiten Teil freuen?
Dürfen wir uns noch auf einen zweiten Teil freuen?
20.01.2012 - 09:34 Uhr
Die Winterpause ist vorbei und ich freu mich's aufs Couching.
Ist schon ein sehr entspannendes Ritual geworden. Kippsche anzünden, Kaffee aufm Tisch und lesen. Bin gespannt!
Ist schon ein sehr entspannendes Ritual geworden. Kippsche anzünden, Kaffee aufm Tisch und lesen. Bin gespannt!
20.01.2012 - 12:17 Uhr
Jahrgang 2 - Ausgabe 23
KOHLMEYER ERKLÄRT EINEM FISCH DEN FUSSBALL – EINE INSELBEGABUNG
2012 hat begonnen. Das Jahr, das nach dem Maya-Kalender das Ende der Welt bringt. Indem bereits der große kleine Mann Towje Kleiner gestorben ist und ein geiler Italiener ein Kreuzfahrtschiff auf einem Felsen aufgebockt hat, weil er einer geilen blonden Svetlana imponieren wollte.
Kohlmeyer startet auf La Palma in diese schicksalsschweren Monate. Und während sein Weib während der Rebajas Fummel kaufen ist, schließt er in den Hafenlokale von Santa Cruz neue, seinen Horizont erweiternde Bekanntschaften. Etwa mit einem großen fetten Fisch, der auf einem Eisbett in einer gläsernen Auslage seiner weiteren Verwendung harrt. Rot ist er und er hat einen riesigen breiten Schädel mit einem breiten, ausladenden Unterkiefer – als Kohlmeyer noch jung war, hat man solche Erscheinungen, denen nicht selten noch eine Zigarre aus dem Quadratschädel ragte, zu Präsidenten von Fußballklubs gewählt. Traurig hängen dem Fisch gewaltige Barteln vom Maul weg, so dass Kohlmeyer ihn für einen Wels halten würde, so es ein Süßwasserfisch wäre. Mit Meeresbewohnern kennt Kohlmeyer sich allerdings nicht aus. Er kann schließlich nicht jeden kennen.
„Und - was geht?“, fragt der Salzwasserwels.
„Ach“, sinniert Kohlmeyer und nippt an seinem „103“. Schon komisch: Der Spanier bedient sich einer wunderbar melodischen Sprache, die vom Suff eigentlich beflügelt werden müsste, doch neigt er dazu, seinen Suff selbst nur lieblos durchzunummerieren. Neben dem Cognac namens „103“ gibt es noch einen Likör namens „49“, doch von dem süßen Weiberkram lässt Kohlmeyer die Wurstfinger. „Unser Bundespräsident hat gerade erklärt, er möchte nicht Bundespräsident sein in einem Land, in dem Menschen, insbesondere Politiker, nicht mehr umsonst bei Freunden übernachten dürfen, ohne dass dies gleich zu einem Skandal aufgepeppt wird. Die ZDF-Schlampe, die ihn interviewte, erklärte daraufhin, als Spitzenpolitiker hätte er einem schwerreichen Unternehmer, der ihm freundschaftlich Kost und Logis biete, wenigstens einen symbolischen Betrag von 150 Euro zahlen müssen, um kein Geschmäckle entstehen zu lassen – sie mache das bei ihren Freunden immer so.“
„Hhm“, grübelt der Salzwasserwels. „Und wie denkst du darüber?“
„Kohlmeyer ist gerne Kohlmeyer in einem Land, in dem öffentlich-rechtlich zur besten Sendezeit ein solcher Scheizzdreck gebabbelt wird, ohne dass ein organisierter Frohsinnszombie dazu gleich ein Duffdää-Duffdää-Duffdää posaunen muss.“
„Guter Standpunkt“, nickt der Süßwasserwels. „Aber kannst du dein alkoholumwabertes Hirn nicht mal mit wichtigen Themen belasten?“
„Als da wären?“
WER KEINE TORE SCHIESST, BRAUCHT ABWEHRSPIELER
„Was beispielsweise hältst du von einem Tabellensechzehnten einer hohen europäischen Fußballspielklasse, der nur 13 Tore in 17 Spielen erzielt hat, der sich aber in der Winterpause erst mal um einen Innenverteidiger bemüht, der dann nicht einmal kommt? Findest du nicht, der Weltuntergang nach dem Maya-Kalender ist da ein vergleichbar geringes Problem?“
„Das sagst du nur, weil dir der Weltuntergang scheizzegal sein kann.“ Aus der Cucina ist deutlich zu hören, wie zwei Messer aneinander gewetzt werden. Der Salzwasserwels bleibt davon allerdings vollkommen ungerührt. „Tatsächlich brauchst du nur ein wenig Nachhilfe in positivem Denken.“
„Echt?“
„Klar. Sing´ mir nach: Jede Zelle in meinem Körper ist glücklich, jede Zelle an jeder Stelle ist voll gut drauf ...“ Einige Gäste des Lokals schauen betreten zu Kohlmeyer herüber.
„Leck mich am Ar.sch“, brummt der Wels.
„Du meinst: Solange du noch einen hast?“, grinst Kohlmeyer sardonisch. Das Messergewetze in der der Cucina wird lauter.
„In dieser Situation meines Daseins hätte ich es doch wohl verdient, dass mir die wirklich existenziellen Fragen des Lebens ein wenig ernsthafter beantwortet werden, findest du nicht?“
Kohlmeyer denkt nach. In der Tat, der Fisch hat recht. Seine Uhr läuft ab, da hat er Anspruch auf ein wenig Nektar vom Baum der Erkenntnis. Wir sind hier ja nicht im 05-Forum. Also tut Kohlmeyer ihm den Gefallen.
„Kannst du dich noch an den 4. April 2008 erinnern?“, fragt er den Fisch.
„Klar“, antwortet der Wels flink wie eine Bachforelle. „Da hat Lautern am Betze 0:2 gegen Hoppenheim verloren. Das war das Spiel, wo Milan Sasic die Jungs hinterher zur West schickte, damit sie sich minutenlang von aufgebrachten Fans beschimpfen lassen.“
„Richtig.“ Nickt Kohlmeyer. „Deprimierend an diesem Kick war aber nicht das Ergebnis, sondern die Art und Weise, wie der FCK niedergespielt wurde. Sasicsches Hochweit gegen Rangnicksche Kurzpässe.80er Jahre gegen 21. Jahrhundert. Lautern hatte nicht den Hauch einer Chance, die Hoppenheimer gewannen so locker, dass sie nach dem Spiel nicht mal duschen mussten. Nie war der FCK weiter von konkurrenzfähigem, zeitgemäßem Profifußball entfernt als in den 90 Minuten dieses Spiels.“
„Na, und?“
„Erinnerst du dich an den 5. November 2011?“
„Klar. Da spielte Lautern 1:1 in Hoppenheim ...“
„... und hätte eigentlich klar gewinnen müssen. Die Mannschaft war ihrem Gegner nicht nur mental, sondern vor allem spielerisch überlegen. Der Ball lief sicher und schnell durch die eigenen Reihen, Hoppenheim kam minutenlang gar nicht an den Ball, von Hochweit und Sasic-Hauruck nichts mehr zu sehen. Die spielerische Lücke zwischen den Teams, das im April 2008 noch weltraumtief geklafft hatte, ist innerhalb von dreieinhalb Jahren geschlossen worden.“
VON HALBEN HIRNEN UND DEM GROSSEN GANZEN
„Und was willst du mir damit sagen?“
„Seitdem weiß ich, dass bei meinem FCK zumindest die grobe Richtung stimmt. Da brauche ich nicht jedes Detail zu verstehen. Hauptsache ist, das große Ganze passt.“
„Und Sasic war ein Id.iot?“
„War er nicht. Er war der richtige Mann am richtigen Ort zur rechten Zeit und hat uns den Ar.sch gerettet. Fußballerisch weiterentwickeln hätte er uns aber nicht können. Typen wie er haben eine Halbwertzeit von maximal zwei Jahren, das hat man anschließend auch in Duisburg gesehen.“
„Und du meinst, ich kann mir jetzt beruhigt den Ar.sch in Olivenöl brutzeln lassen, weil Kuntz und Kurz, die Wundermänner, am Ende dafür sorgen werden, dass alles gutgeht?“
„Ich habe keine Ahnung, ob alles gutgeht. Ich bin nur sicher: Wenn nicht, hätten andere auch nichts besser machen können.“
„Aber muss man einen fünften Innenverteidiger verpflichten, wenn´s vorne im Sturm fehlt?“
„Guck mal, weshalb wir in Hoffenheim nur 1:1 gespielt haben: Weil uns Ibisevic einen blind in die Mitte gedroschenen Ball reinschieben durfte – eine Bankrotterklärung unserer Innenverteidiger. Und so haben wir etliche Punkte abgegeben – nach individuellen Fehlern mitten in eigentlich starken Spielphasen. Von daher leuchtet mir durchaus ein, dass K & K die Fehlerminimierung in der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld als dringlicher ansehen als die Verpflichtung eines weiteren Stürmers. Zumal wir mit Shechter und Kouemaha zwei individuell gar nicht so schlechte Stürmer haben – angesichts des Preissegments, in den wir einkaufen können. Nur müssen sie richtig angespielt werden. Nimm die Heimniederlage gegen Leverkusen. Da kamen die Jungs insgesamt 16-mal zum Flanken. Nicht eine davon kam so, dass man sagen könnte, den muss ein Stürmer, der was kann, reinmachen.“
Der Fisch zieht seine ohnehin schon grimmig justierten Mundwinkel noch weiter nach unten. „Aber musste es dann denn für vorne ausgerechnet Sandro Wagner sein – wo wir doch außer Kouemaha auch noch Nemec als Brecher haben?“
„Zumindest perspektivisch leuchtet mir auch das ein. Kouemaha ist nur geliehen und müsste im Sommer abgelöst werden, vermutlich für einen etwa siebenstelligen Betrag. Wenn Wagner seine Chance nutzt, können wir uns das Geld schon mal sparen. Und Nemecs Vertrag läuft aus. Spielt er tatsächlich eine starke Rückrunde, wird er woanders einen besser dotierten Vertrag unterschreiben, will alle FCK-Stürmer der letzten Jahre, die im letzten Vertragsjahr eine Leistungsexplosion hatten. Und wenn Nemec keine starke Rückrunde spielt, ist es ohnehin Zeit, sich von ihm zu trennen. Mit Wagner haben wir dann bereits einen gleichen Stürmertyp unter Vertrag, der vielleicht sogar noch ein wenig mehr Entwicklungspotenzial aufweist als Nemec.“
„Du sagst: perspektivisch. Perspektiven sind mir, ehrlich gesagt, im Moment egal.“ Aus der Cucina ist zu hören, wie heißes Öl vor sich hin bruzzelt. „Wir brauchen Tore. Jetzt.“
„Schon klar – aber wenn Kuntz sagt, dass für Gekas, Helmes oder Lakic das Geld nicht reicht, muss man es wohl glauben. Guck die mal Mainz oder Freiburg an: Die haben aus den Verkäufen von Schürrle und Cissé noch jede Menge Kohle in der Hinterhand, schlagen da aber auch nicht zu. Freiburg hat grade mal Freis geholt. Mal im Ernst: Wenn der zum Betze gekommen wär, hättest du da lauter gejubelt als bei Wagner?“
TIFFI, SEI KEIN ZEHNER MEHR
„Findest du eigentlich alles gut, was Kuntz und Kurz so machen?“
„Nö, das jetzt auch nicht. Tiffert zum Beispiel will ich auf der Zehn nicht mehr sehen. Der ist Gold wert, wenn er unser Spiel von hinten raus ordnen kann, aber für einen Zehner, der auch noch die einzige Spitze unterstützen soll, fehlt ihm jegliche Explosivität. Zur Ehrenrettung von Kurz muss ich allerdings sagen, dass ich glaube, Tiffert hatte sich die Rolle beim Coach eingefordert und der wollte seinem Kapitän mal seinen Willen lassen. Nun ist das Thema hoffentlich durch.“
„Ich kann mich als drauf verlassen, dass am Ende alles gut wird?“
„Wie schon gesagt: Ich weiß es nicht. Auch wenn ich überzeugt bin, dass die grobe Richtung. Sportliche Entwicklungen verlaufen niemals über Jahre linear nach oben. Wir haben unter Kuntz drei Jahre kontinuierlichen Aufschwung erlebt, nun ist mal ein Jahr des Rückschritts dran. Ich glaube aber nicht, dass der in der Zweiten Liga endet. Augsburg und Freiburg müssten wir hinter uns lassen können. Vielleicht geht´s in die Relegationsspiele, aber die versprechen am Betzenberg wenigstens ein Riesenspektakel. Und Zusatzeinnahmen.“
„Na, dann“, seufzt der Fisch, anscheinend nicht hundertprozentig überzeugt.
„Para Comer?“, fragt ein Kellner.
„Si“, antwortet Kohlmeyer und zeigt breit grinsend auf den fetten Salzwasserwels.
„Ar.schloch“; sagt der Wels, „ich hoffe, der Maya-Kalender geht richtig.“
„Weißt du“; kontert Kohlmeyer, „unlängst haben sie beim Morgenmagazin Kinder gefragt, wie sie sich den Maya-Kalender erklären. Ein dicker kleiner Bub sagte: Ich glaube, dass die Maya lediglich zu faul waren, ihren Kalender weiterzuschreiben. Du weißt doch: Betrunkene und kleine Kinder sagen immer die Wahrheit.“
„Wenn das so ist, muss Kohlmeyer wohl ein Weiser sein“; näselt der Wels noch, kurz bevor er aus seinem Eisbett gezogen wird.
Das will Kohlmeyer jetzt einfach mal so stehen lassen.
KOHLMEYER ERKLÄRT EINEM FISCH DEN FUSSBALL – EINE INSELBEGABUNG
2012 hat begonnen. Das Jahr, das nach dem Maya-Kalender das Ende der Welt bringt. Indem bereits der große kleine Mann Towje Kleiner gestorben ist und ein geiler Italiener ein Kreuzfahrtschiff auf einem Felsen aufgebockt hat, weil er einer geilen blonden Svetlana imponieren wollte.
Kohlmeyer startet auf La Palma in diese schicksalsschweren Monate. Und während sein Weib während der Rebajas Fummel kaufen ist, schließt er in den Hafenlokale von Santa Cruz neue, seinen Horizont erweiternde Bekanntschaften. Etwa mit einem großen fetten Fisch, der auf einem Eisbett in einer gläsernen Auslage seiner weiteren Verwendung harrt. Rot ist er und er hat einen riesigen breiten Schädel mit einem breiten, ausladenden Unterkiefer – als Kohlmeyer noch jung war, hat man solche Erscheinungen, denen nicht selten noch eine Zigarre aus dem Quadratschädel ragte, zu Präsidenten von Fußballklubs gewählt. Traurig hängen dem Fisch gewaltige Barteln vom Maul weg, so dass Kohlmeyer ihn für einen Wels halten würde, so es ein Süßwasserfisch wäre. Mit Meeresbewohnern kennt Kohlmeyer sich allerdings nicht aus. Er kann schließlich nicht jeden kennen.
„Und - was geht?“, fragt der Salzwasserwels.
„Ach“, sinniert Kohlmeyer und nippt an seinem „103“. Schon komisch: Der Spanier bedient sich einer wunderbar melodischen Sprache, die vom Suff eigentlich beflügelt werden müsste, doch neigt er dazu, seinen Suff selbst nur lieblos durchzunummerieren. Neben dem Cognac namens „103“ gibt es noch einen Likör namens „49“, doch von dem süßen Weiberkram lässt Kohlmeyer die Wurstfinger. „Unser Bundespräsident hat gerade erklärt, er möchte nicht Bundespräsident sein in einem Land, in dem Menschen, insbesondere Politiker, nicht mehr umsonst bei Freunden übernachten dürfen, ohne dass dies gleich zu einem Skandal aufgepeppt wird. Die ZDF-Schlampe, die ihn interviewte, erklärte daraufhin, als Spitzenpolitiker hätte er einem schwerreichen Unternehmer, der ihm freundschaftlich Kost und Logis biete, wenigstens einen symbolischen Betrag von 150 Euro zahlen müssen, um kein Geschmäckle entstehen zu lassen – sie mache das bei ihren Freunden immer so.“
„Hhm“, grübelt der Salzwasserwels. „Und wie denkst du darüber?“
„Kohlmeyer ist gerne Kohlmeyer in einem Land, in dem öffentlich-rechtlich zur besten Sendezeit ein solcher Scheizzdreck gebabbelt wird, ohne dass ein organisierter Frohsinnszombie dazu gleich ein Duffdää-Duffdää-Duffdää posaunen muss.“
„Guter Standpunkt“, nickt der Süßwasserwels. „Aber kannst du dein alkoholumwabertes Hirn nicht mal mit wichtigen Themen belasten?“
„Als da wären?“
WER KEINE TORE SCHIESST, BRAUCHT ABWEHRSPIELER
„Was beispielsweise hältst du von einem Tabellensechzehnten einer hohen europäischen Fußballspielklasse, der nur 13 Tore in 17 Spielen erzielt hat, der sich aber in der Winterpause erst mal um einen Innenverteidiger bemüht, der dann nicht einmal kommt? Findest du nicht, der Weltuntergang nach dem Maya-Kalender ist da ein vergleichbar geringes Problem?“
„Das sagst du nur, weil dir der Weltuntergang scheizzegal sein kann.“ Aus der Cucina ist deutlich zu hören, wie zwei Messer aneinander gewetzt werden. Der Salzwasserwels bleibt davon allerdings vollkommen ungerührt. „Tatsächlich brauchst du nur ein wenig Nachhilfe in positivem Denken.“
„Echt?“
„Klar. Sing´ mir nach: Jede Zelle in meinem Körper ist glücklich, jede Zelle an jeder Stelle ist voll gut drauf ...“ Einige Gäste des Lokals schauen betreten zu Kohlmeyer herüber.
„Leck mich am Ar.sch“, brummt der Wels.
„Du meinst: Solange du noch einen hast?“, grinst Kohlmeyer sardonisch. Das Messergewetze in der der Cucina wird lauter.
„In dieser Situation meines Daseins hätte ich es doch wohl verdient, dass mir die wirklich existenziellen Fragen des Lebens ein wenig ernsthafter beantwortet werden, findest du nicht?“
Kohlmeyer denkt nach. In der Tat, der Fisch hat recht. Seine Uhr läuft ab, da hat er Anspruch auf ein wenig Nektar vom Baum der Erkenntnis. Wir sind hier ja nicht im 05-Forum. Also tut Kohlmeyer ihm den Gefallen.
„Kannst du dich noch an den 4. April 2008 erinnern?“, fragt er den Fisch.
„Klar“, antwortet der Wels flink wie eine Bachforelle. „Da hat Lautern am Betze 0:2 gegen Hoppenheim verloren. Das war das Spiel, wo Milan Sasic die Jungs hinterher zur West schickte, damit sie sich minutenlang von aufgebrachten Fans beschimpfen lassen.“
„Richtig.“ Nickt Kohlmeyer. „Deprimierend an diesem Kick war aber nicht das Ergebnis, sondern die Art und Weise, wie der FCK niedergespielt wurde. Sasicsches Hochweit gegen Rangnicksche Kurzpässe.80er Jahre gegen 21. Jahrhundert. Lautern hatte nicht den Hauch einer Chance, die Hoppenheimer gewannen so locker, dass sie nach dem Spiel nicht mal duschen mussten. Nie war der FCK weiter von konkurrenzfähigem, zeitgemäßem Profifußball entfernt als in den 90 Minuten dieses Spiels.“
„Na, und?“
„Erinnerst du dich an den 5. November 2011?“
„Klar. Da spielte Lautern 1:1 in Hoppenheim ...“
„... und hätte eigentlich klar gewinnen müssen. Die Mannschaft war ihrem Gegner nicht nur mental, sondern vor allem spielerisch überlegen. Der Ball lief sicher und schnell durch die eigenen Reihen, Hoppenheim kam minutenlang gar nicht an den Ball, von Hochweit und Sasic-Hauruck nichts mehr zu sehen. Die spielerische Lücke zwischen den Teams, das im April 2008 noch weltraumtief geklafft hatte, ist innerhalb von dreieinhalb Jahren geschlossen worden.“
VON HALBEN HIRNEN UND DEM GROSSEN GANZEN
„Und was willst du mir damit sagen?“
„Seitdem weiß ich, dass bei meinem FCK zumindest die grobe Richtung stimmt. Da brauche ich nicht jedes Detail zu verstehen. Hauptsache ist, das große Ganze passt.“
„Und Sasic war ein Id.iot?“
„War er nicht. Er war der richtige Mann am richtigen Ort zur rechten Zeit und hat uns den Ar.sch gerettet. Fußballerisch weiterentwickeln hätte er uns aber nicht können. Typen wie er haben eine Halbwertzeit von maximal zwei Jahren, das hat man anschließend auch in Duisburg gesehen.“
„Und du meinst, ich kann mir jetzt beruhigt den Ar.sch in Olivenöl brutzeln lassen, weil Kuntz und Kurz, die Wundermänner, am Ende dafür sorgen werden, dass alles gutgeht?“
„Ich habe keine Ahnung, ob alles gutgeht. Ich bin nur sicher: Wenn nicht, hätten andere auch nichts besser machen können.“
„Aber muss man einen fünften Innenverteidiger verpflichten, wenn´s vorne im Sturm fehlt?“
„Guck mal, weshalb wir in Hoffenheim nur 1:1 gespielt haben: Weil uns Ibisevic einen blind in die Mitte gedroschenen Ball reinschieben durfte – eine Bankrotterklärung unserer Innenverteidiger. Und so haben wir etliche Punkte abgegeben – nach individuellen Fehlern mitten in eigentlich starken Spielphasen. Von daher leuchtet mir durchaus ein, dass K & K die Fehlerminimierung in der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld als dringlicher ansehen als die Verpflichtung eines weiteren Stürmers. Zumal wir mit Shechter und Kouemaha zwei individuell gar nicht so schlechte Stürmer haben – angesichts des Preissegments, in den wir einkaufen können. Nur müssen sie richtig angespielt werden. Nimm die Heimniederlage gegen Leverkusen. Da kamen die Jungs insgesamt 16-mal zum Flanken. Nicht eine davon kam so, dass man sagen könnte, den muss ein Stürmer, der was kann, reinmachen.“
Der Fisch zieht seine ohnehin schon grimmig justierten Mundwinkel noch weiter nach unten. „Aber musste es dann denn für vorne ausgerechnet Sandro Wagner sein – wo wir doch außer Kouemaha auch noch Nemec als Brecher haben?“
„Zumindest perspektivisch leuchtet mir auch das ein. Kouemaha ist nur geliehen und müsste im Sommer abgelöst werden, vermutlich für einen etwa siebenstelligen Betrag. Wenn Wagner seine Chance nutzt, können wir uns das Geld schon mal sparen. Und Nemecs Vertrag läuft aus. Spielt er tatsächlich eine starke Rückrunde, wird er woanders einen besser dotierten Vertrag unterschreiben, will alle FCK-Stürmer der letzten Jahre, die im letzten Vertragsjahr eine Leistungsexplosion hatten. Und wenn Nemec keine starke Rückrunde spielt, ist es ohnehin Zeit, sich von ihm zu trennen. Mit Wagner haben wir dann bereits einen gleichen Stürmertyp unter Vertrag, der vielleicht sogar noch ein wenig mehr Entwicklungspotenzial aufweist als Nemec.“
„Du sagst: perspektivisch. Perspektiven sind mir, ehrlich gesagt, im Moment egal.“ Aus der Cucina ist zu hören, wie heißes Öl vor sich hin bruzzelt. „Wir brauchen Tore. Jetzt.“
„Schon klar – aber wenn Kuntz sagt, dass für Gekas, Helmes oder Lakic das Geld nicht reicht, muss man es wohl glauben. Guck die mal Mainz oder Freiburg an: Die haben aus den Verkäufen von Schürrle und Cissé noch jede Menge Kohle in der Hinterhand, schlagen da aber auch nicht zu. Freiburg hat grade mal Freis geholt. Mal im Ernst: Wenn der zum Betze gekommen wär, hättest du da lauter gejubelt als bei Wagner?“
TIFFI, SEI KEIN ZEHNER MEHR
„Findest du eigentlich alles gut, was Kuntz und Kurz so machen?“
„Nö, das jetzt auch nicht. Tiffert zum Beispiel will ich auf der Zehn nicht mehr sehen. Der ist Gold wert, wenn er unser Spiel von hinten raus ordnen kann, aber für einen Zehner, der auch noch die einzige Spitze unterstützen soll, fehlt ihm jegliche Explosivität. Zur Ehrenrettung von Kurz muss ich allerdings sagen, dass ich glaube, Tiffert hatte sich die Rolle beim Coach eingefordert und der wollte seinem Kapitän mal seinen Willen lassen. Nun ist das Thema hoffentlich durch.“
„Ich kann mich als drauf verlassen, dass am Ende alles gut wird?“
„Wie schon gesagt: Ich weiß es nicht. Auch wenn ich überzeugt bin, dass die grobe Richtung. Sportliche Entwicklungen verlaufen niemals über Jahre linear nach oben. Wir haben unter Kuntz drei Jahre kontinuierlichen Aufschwung erlebt, nun ist mal ein Jahr des Rückschritts dran. Ich glaube aber nicht, dass der in der Zweiten Liga endet. Augsburg und Freiburg müssten wir hinter uns lassen können. Vielleicht geht´s in die Relegationsspiele, aber die versprechen am Betzenberg wenigstens ein Riesenspektakel. Und Zusatzeinnahmen.“
„Na, dann“, seufzt der Fisch, anscheinend nicht hundertprozentig überzeugt.
„Para Comer?“, fragt ein Kellner.
„Si“, antwortet Kohlmeyer und zeigt breit grinsend auf den fetten Salzwasserwels.
„Ar.schloch“; sagt der Wels, „ich hoffe, der Maya-Kalender geht richtig.“
„Weißt du“; kontert Kohlmeyer, „unlängst haben sie beim Morgenmagazin Kinder gefragt, wie sie sich den Maya-Kalender erklären. Ein dicker kleiner Bub sagte: Ich glaube, dass die Maya lediglich zu faul waren, ihren Kalender weiterzuschreiben. Du weißt doch: Betrunkene und kleine Kinder sagen immer die Wahrheit.“
„Wenn das so ist, muss Kohlmeyer wohl ein Weiser sein“; näselt der Wels noch, kurz bevor er aus seinem Eisbett gezogen wird.
Das will Kohlmeyer jetzt einfach mal so stehen lassen.
20.01.2012 - 12:31 Uhr
Der süße Weiberkrams heißt im übrigen cuarenta y tres... Ansonsten aber sehr schöne Lektüre! Ich kann vor euch immer nur wieder den virtuellen Hut ziehen!
20.01.2012 - 13:10 Uhr
Großartig, absolut gelungene Status Quo Beschreibung und hast Du das Reden mit den Fischen von den Sopranos? Und Danke :angry für die charmante Textzeile mit den Zellen - das geht mir wieder nicht aus dem Kopf.
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