Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
26.09.2013 - 21:52 Uhr
Jahrgang 4 - Ausgabe 10: Das Ende des Fußballlimbos.
Es waren am Anfang vier Worte, die meine geschundene Fußballseele den beginnenden Heilkräften übergaben. Einfache Worte. Aber es waren die richtigen. Indes, vielleicht sollte ich den Gedankengang von Anfang an darlegen. Das wird aber wieder etwas länger dauern als zuletzt. Da jeder hier offenbar die Zeichenbegrenzung in die virtuelle Tonne gekloppt hat, fällt sie heute auch bei mir. Das habt ihr nun davon. Zurück zum Thema. Ein Freund sagte gestern zu mir, dass es die kleinen Dinge im Fußball sind, die den Unterschied machen. Ein einziges Tor zur rechten Zeit und alles ist anders. Das habe auch schon Franco Foda immer gewusst. Und hätte Sami Allagui in der zweiten Runde des DFB Pokals den Ball zum sicheren zweiten Tor für die Berliner versenkt, so sei es doch heute völlig egal, ob das zwischendrin besser ausgesehen habe, als noch vor Runjaic Amtsantritt. Es hätte geheißen, der Mist gehe nahtlos weiter. Bestes Beispiel dafür, wie ein einziges Tor einen ganzen Saisonverlauf beeinflussen kann, sei Schjønbergs Treffer in München im Jahr 1997 gewesen. Der war bekanntlich der Auftakt zu einer Meisterschaft die einmalig in der Geschichte der Bundesliga geblieben ist, obwohl selbst Milliardäre versucht haben diesen Traum mit der brutalen Gewalt schier unbegrenzten Geldes zu wiederholen.
Stimmt das denn? Haben wir Franco Foda Unrecht getan und Kosta Runjaic einen Kredit eingeräumt, der Foda nie gewährt wurde? Ist es vielleicht allein das Glück das Foda fehlte? Mitnichten. Foda wäre es am Anfang seiner Zeit auch nicht zum Verhängnis geworden, wenn er Ring und Occean auf dem Feld belassen wollte, auch wenn der Kanadier nicht getroffen hätte. Erst am Ende, nach den ganzen Monaten der Quälerei, nach vielen sinnlosen Stellungnahmen, diversen Schönfärbereien und vor allem etlichen schmerzhaften und vermeidbaren Niederlagen, hat das zu Missfallen geführt. Ja, es ist richtig. Kleinigkeiten können ein Spiel verändern. Eine Phase. Und manchmal eine ganze Saison. Aber ein Trainer mit so schlechter Kommunikationsfähigkeit wie Foda es offenbar gewesen ist, hätte vermutlich mit dem legendären Sieg in München anno '97 bestenfalls drei Punkte im Abstiegskampf verbucht.
Es gibt einen Unterschied zwischen guten und schlechten Trainern und der liegt eben nicht nur im System begründet. Denn selbst das stärkste Momentum verhilft dir nicht zu Meisterschaften. Und es ersetzt schon gar nicht eine vernünftige Spielanalyse und die richtige Kommunikationsstrategie. Deshalb konnte "König Otto" mit antiquiertem Fußball und einer hoffnungslos unterlegenen Mannschaft Europameister werden. Foda hingegen scheint nicht fähig ein Spiel tatsächlich objektiv zu betrachten. Bei seinen Ansätzen ist immer eine Vorbedingung enthalten, die alles zunichte machen wird was ansonsten fachlich und sachlich richtig sein mag. Sie lautet: "Ich habe nichts falsch gemacht.". Schon mal drüber nachgedacht?
In den letzten Jahren hat sich diese Sicht der Dinge auch auf anderen Gebieten wie eine schlechte Angewohnheit am Betzenberg ausgebreitet. In einer Perfektion die einer Art praktiziertem Limbosport gleicht. Wann immer man ein Ziel verfehlt hat, wann immer etwas schief gegangen ist, versucht man es nicht anschließend besser zu machen, eine vernünftige Fehleranalyse vorausgesetzt und vor allem übernimmt man ungern Verantwortung. Stattdessen zieht man es vor den Versuch zu wagen, es am Ende doch als Erfolg zu verkaufen indem man simpel die Ziele und die Möglichkeiten verbal immer weiter reduziert. Diese Art mit Rückschlägen umzugehen habe ich von jeher ganz schlecht aushalten können. Der ehemalige Bundestrainer Hans-Hubert Vogts, dessen Spitzname "Berti" gepaart mit der Kokainaffäre von Christoph Daum bei meinem Pseudonym Pate stand, hat mich ständig zur Weißglut getrieben. Wenn er nach einem unterirdischen Auftritt sein ewiges Mantra vom Ende der "Kleinen" im Weltfußball in die Mikrofone näselte, bekam ich regelmäßig das Kotzen. Es ist überfällig, dass sich bei uns endlich etwas ändert. Und es wird sich etwas ändern. Möglicherweise sind wir erneut an einem echten Wendepunkt in unserer Vereinsgeschichte angekommen. Nicht die teilweise avisierte Revolution sondern die Evolution ist hier am Werk. Dafür werden auch die vier Worte sorgen, die meiner Seele so gut getan haben.
Damit wir uns nicht missverstehen: Ich halte Kosta Runjaic nicht für einen Wunderheiler. Er braucht Zeit. Das wissen wir und drauf hat er selbst verwiesen. Ein Grund mehr, warum ich mich so sehr über das Timing bei seiner Einstellung geärgert habe, wie ich mich jetzt freue, dass er da ist. Ich glaube wir sind mit Runjaic, seinem Co-Trainer Gruev, Gerald Ehrmann und nicht zu vergessen Konrad Fünfstück, deutlich besser aufgestellt als wir es seit vielen Jahren waren. Die Sache wird langsam aber sicher rund und geht wieder in die richtige Richtung. Und vor dem Hintergrund sportlichen Erfolges, einer Perspektive die nach oben zeigt, ist auch über die Finanzen ein entspannteres Gespräch möglich. Denn jeder Zuschauer der wieder zusätzlich ins Stadion kommt, jede Runde im DFB Pokal die nicht geplant wurde, bringt auch wieder Geld in die leeren Kassen. Wenn der Vorstand endlich auf die übliche Einkaufstour im Winter verzichtet und stattdessen den Kader verkleinert, dann sind wir fraglos wieder auf dem richtigen Weg. Nach langer Zeit. Dass der aufgrund so mancher falscher Richtung die unterwegs eingeschlagen wurde, dann doch ein wenig länger ausgefallen ist, als unbedingt nötig, können wir früher oder später vernachlässigen.
Und mit jedem Schritt in die richtige Richtung wird auch der Stuhl von Stefan Kuntz weniger wackeln, bis er wieder ganz fest steht. Kuntz hat einmal gesagt, es sei egal ob die Leute die er einstellt mit ihm verwandt oder befreundet seien, Hauptsache Sie erledigten ihren Job besser als ihre Vorgänger. Vollkommen richtig Chef, jedoch gilt das zwischenzeitlich auch für die Gegenrichtung. Mit Fünfstück und Runjaic ist ein Anfang gemacht. Bevor ich es vergesse, will ich noch die Worte nennen, die ich zu Beginn erwähnte, denn ihre Wirkung ist so allumfassend positiv, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte. Sie lauten: "Wir müssen höher stehen." In diesem Sinne. Haut sie weg!
Olè Rot Weiß.
Gruß Berti
In der Couchingzone ist es eng geworden, befinden sich dort doch neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer, Butduma, der Herr Sprinter, ein Duellant sowie seit vorgestern auch Laudere - den ich nach wie vor lateinisch aufzufassen pflege. Die Couchingzone erscheint zu jedem Spieltag im virtuellen Kiosk unseres Forums im Regal "Berti, Bahli & Friends".
Es waren am Anfang vier Worte, die meine geschundene Fußballseele den beginnenden Heilkräften übergaben. Einfache Worte. Aber es waren die richtigen. Indes, vielleicht sollte ich den Gedankengang von Anfang an darlegen. Das wird aber wieder etwas länger dauern als zuletzt. Da jeder hier offenbar die Zeichenbegrenzung in die virtuelle Tonne gekloppt hat, fällt sie heute auch bei mir. Das habt ihr nun davon. Zurück zum Thema. Ein Freund sagte gestern zu mir, dass es die kleinen Dinge im Fußball sind, die den Unterschied machen. Ein einziges Tor zur rechten Zeit und alles ist anders. Das habe auch schon Franco Foda immer gewusst. Und hätte Sami Allagui in der zweiten Runde des DFB Pokals den Ball zum sicheren zweiten Tor für die Berliner versenkt, so sei es doch heute völlig egal, ob das zwischendrin besser ausgesehen habe, als noch vor Runjaic Amtsantritt. Es hätte geheißen, der Mist gehe nahtlos weiter. Bestes Beispiel dafür, wie ein einziges Tor einen ganzen Saisonverlauf beeinflussen kann, sei Schjønbergs Treffer in München im Jahr 1997 gewesen. Der war bekanntlich der Auftakt zu einer Meisterschaft die einmalig in der Geschichte der Bundesliga geblieben ist, obwohl selbst Milliardäre versucht haben diesen Traum mit der brutalen Gewalt schier unbegrenzten Geldes zu wiederholen.
Stimmt das denn? Haben wir Franco Foda Unrecht getan und Kosta Runjaic einen Kredit eingeräumt, der Foda nie gewährt wurde? Ist es vielleicht allein das Glück das Foda fehlte? Mitnichten. Foda wäre es am Anfang seiner Zeit auch nicht zum Verhängnis geworden, wenn er Ring und Occean auf dem Feld belassen wollte, auch wenn der Kanadier nicht getroffen hätte. Erst am Ende, nach den ganzen Monaten der Quälerei, nach vielen sinnlosen Stellungnahmen, diversen Schönfärbereien und vor allem etlichen schmerzhaften und vermeidbaren Niederlagen, hat das zu Missfallen geführt. Ja, es ist richtig. Kleinigkeiten können ein Spiel verändern. Eine Phase. Und manchmal eine ganze Saison. Aber ein Trainer mit so schlechter Kommunikationsfähigkeit wie Foda es offenbar gewesen ist, hätte vermutlich mit dem legendären Sieg in München anno '97 bestenfalls drei Punkte im Abstiegskampf verbucht.
Es gibt einen Unterschied zwischen guten und schlechten Trainern und der liegt eben nicht nur im System begründet. Denn selbst das stärkste Momentum verhilft dir nicht zu Meisterschaften. Und es ersetzt schon gar nicht eine vernünftige Spielanalyse und die richtige Kommunikationsstrategie. Deshalb konnte "König Otto" mit antiquiertem Fußball und einer hoffnungslos unterlegenen Mannschaft Europameister werden. Foda hingegen scheint nicht fähig ein Spiel tatsächlich objektiv zu betrachten. Bei seinen Ansätzen ist immer eine Vorbedingung enthalten, die alles zunichte machen wird was ansonsten fachlich und sachlich richtig sein mag. Sie lautet: "Ich habe nichts falsch gemacht.". Schon mal drüber nachgedacht?
In den letzten Jahren hat sich diese Sicht der Dinge auch auf anderen Gebieten wie eine schlechte Angewohnheit am Betzenberg ausgebreitet. In einer Perfektion die einer Art praktiziertem Limbosport gleicht. Wann immer man ein Ziel verfehlt hat, wann immer etwas schief gegangen ist, versucht man es nicht anschließend besser zu machen, eine vernünftige Fehleranalyse vorausgesetzt und vor allem übernimmt man ungern Verantwortung. Stattdessen zieht man es vor den Versuch zu wagen, es am Ende doch als Erfolg zu verkaufen indem man simpel die Ziele und die Möglichkeiten verbal immer weiter reduziert. Diese Art mit Rückschlägen umzugehen habe ich von jeher ganz schlecht aushalten können. Der ehemalige Bundestrainer Hans-Hubert Vogts, dessen Spitzname "Berti" gepaart mit der Kokainaffäre von Christoph Daum bei meinem Pseudonym Pate stand, hat mich ständig zur Weißglut getrieben. Wenn er nach einem unterirdischen Auftritt sein ewiges Mantra vom Ende der "Kleinen" im Weltfußball in die Mikrofone näselte, bekam ich regelmäßig das Kotzen. Es ist überfällig, dass sich bei uns endlich etwas ändert. Und es wird sich etwas ändern. Möglicherweise sind wir erneut an einem echten Wendepunkt in unserer Vereinsgeschichte angekommen. Nicht die teilweise avisierte Revolution sondern die Evolution ist hier am Werk. Dafür werden auch die vier Worte sorgen, die meiner Seele so gut getan haben.
Damit wir uns nicht missverstehen: Ich halte Kosta Runjaic nicht für einen Wunderheiler. Er braucht Zeit. Das wissen wir und drauf hat er selbst verwiesen. Ein Grund mehr, warum ich mich so sehr über das Timing bei seiner Einstellung geärgert habe, wie ich mich jetzt freue, dass er da ist. Ich glaube wir sind mit Runjaic, seinem Co-Trainer Gruev, Gerald Ehrmann und nicht zu vergessen Konrad Fünfstück, deutlich besser aufgestellt als wir es seit vielen Jahren waren. Die Sache wird langsam aber sicher rund und geht wieder in die richtige Richtung. Und vor dem Hintergrund sportlichen Erfolges, einer Perspektive die nach oben zeigt, ist auch über die Finanzen ein entspannteres Gespräch möglich. Denn jeder Zuschauer der wieder zusätzlich ins Stadion kommt, jede Runde im DFB Pokal die nicht geplant wurde, bringt auch wieder Geld in die leeren Kassen. Wenn der Vorstand endlich auf die übliche Einkaufstour im Winter verzichtet und stattdessen den Kader verkleinert, dann sind wir fraglos wieder auf dem richtigen Weg. Nach langer Zeit. Dass der aufgrund so mancher falscher Richtung die unterwegs eingeschlagen wurde, dann doch ein wenig länger ausgefallen ist, als unbedingt nötig, können wir früher oder später vernachlässigen.
Und mit jedem Schritt in die richtige Richtung wird auch der Stuhl von Stefan Kuntz weniger wackeln, bis er wieder ganz fest steht. Kuntz hat einmal gesagt, es sei egal ob die Leute die er einstellt mit ihm verwandt oder befreundet seien, Hauptsache Sie erledigten ihren Job besser als ihre Vorgänger. Vollkommen richtig Chef, jedoch gilt das zwischenzeitlich auch für die Gegenrichtung. Mit Fünfstück und Runjaic ist ein Anfang gemacht. Bevor ich es vergesse, will ich noch die Worte nennen, die ich zu Beginn erwähnte, denn ihre Wirkung ist so allumfassend positiv, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte. Sie lauten: "Wir müssen höher stehen." In diesem Sinne. Haut sie weg!
Olè Rot Weiß.
Gruß Berti
In der Couchingzone ist es eng geworden, befinden sich dort doch neben Berti und Bahli auch noch Kohlmeyer, Butduma, der Herr Sprinter, ein Duellant sowie seit vorgestern auch Laudere - den ich nach wie vor lateinisch aufzufassen pflege. Die Couchingzone erscheint zu jedem Spieltag im virtuellen Kiosk unseres Forums im Regal "Berti, Bahli & Friends".
27.09.2013 - 11:28 Uhr
Ist aber zu einhundert Prozent wahr. Mein Pseudonym bildet sich aus diesen beiden Vorfällen.
Gruß Berti
Gruß Berti
27.09.2013 - 14:25 Uhr
Sehr schönes Statement, Berti!
Tiefsinnige Analyse, folgerichtige Schlüsse und das Ganze (wie immer :-)) sprachlich sehr ansprechend.
Gruß aus der Pfalz
Tiefsinnige Analyse, folgerichtige Schlüsse und das Ganze (wie immer :-)) sprachlich sehr ansprechend.
Gruß aus der Pfalz
27.09.2013 - 15:31 Uhr
Prima, Berti! Und lobende Wort von deiner Seite sind in der Vergangenheit zwar selten geworden, dafür treffen sie jetzt ins Mark der Fans. Sehr gelungene Aufarbeitung der aktuellen Entwicklungen.
"Wir müssen höher stehen" - das gilt auch für uns alle ...
Cheers
Bahli
"Wir müssen höher stehen" - das gilt auch für uns alle ...
Cheers
Bahli
27.09.2013 - 16:09 Uhr
Du bist übrigens nicht der einzige Anhänger des "Höherstehens", Berti...
http://www.bundesliga.de/de/liga/news/2012/0000271249.php
Gruß aus der Pfalz
http://www.bundesliga.de/de/liga/news/2012/0000271249.php
Gruß aus der Pfalz
04.10.2013 - 12:27 Uhr
Damit wären meine persönlichen Unthemen der Woche, die ich hier lesen durfte, abgehandelt: "CK" (!), CK's PK (!!) und die Dreistigkeit, Trainigszeiten selbst anzupassen und das nicht ordnungsgemäß absegnen zu lassen.
Vielen Dank - hatte im Gebabb'l schon FCKFAN zitiert und ebendies angemerkt.
Wem diese Dinge wichtig erscheinen, dem lasse ich aber seine Probleme damit und sein Recht, das anzusprechen. Mir isch's aber Wurschd.
Danke für die Kolumne!
Vielen Dank - hatte im Gebabb'l schon FCKFAN zitiert und ebendies angemerkt.
Wem diese Dinge wichtig erscheinen, dem lasse ich aber seine Probleme damit und sein Recht, das anzusprechen. Mir isch's aber Wurschd.
Danke für die Kolumne!
04.10.2013 - 12:48 Uhr
irgendwas wollte ich schreiben von nem Löwen.... und brüllen...
ach egal. Gut gecoucht, Monster!
ach egal. Gut gecoucht, Monster!
19.10.2013 - 10:20 Uhr
Liebe Leserinnen und Leser,
mir ist diese Woche leider eine wichtige Geschäftsreise dazwischengekommen, unerwartet und ziemlich beanspruchend. Mein Couching liefere ich aber noch vor dem Spiel bzw. heute nach. Ich bitte um Nachsicht!
Euer Butduma
mir ist diese Woche leider eine wichtige Geschäftsreise dazwischengekommen, unerwartet und ziemlich beanspruchend. Mein Couching liefere ich aber noch vor dem Spiel bzw. heute nach. Ich bitte um Nachsicht!
Euer Butduma
19.10.2013 - 11:54 Uhr
Jahrgang 4 - Ausgabe 12: Balkon mit Blick aufs Derby
von Butduma
Wenn ich auf meinem bescheidenen Balkon stehe, die Arme auf das Geländer gelehnt, und meinen Adlerblick gen Süden schweifen lassen, dann sehe ich schmal aufragende Zeigefinger aus Beton, die sich vor den dunklen Umrissen des Schwarzwalds in den Himmel bohren. Sie scheinen nah und doch muss ich eine halbe Stunde im Auto oder im Zug verbringen sowie einen breiten Strom namens Rhein überqueren, bevor ich dort angelange, wo diese Betonröhren ihren dampfenden Atem hinauspusten. Man könnte aber auch einfach sagen: „Uff’m Balgon kann isch bis noch Karlsruh niwwer gugge.“
Am Wochenende wird sich von Karls letzter Ruhestätte aus, ein blau-weißer Bus den Weg über des Pendlers Alptraum A65 und die Hügel des Pfälzerwaldes bahnen, um mit seinen Insassen die Festung Betzenberg zu erobern. Dort werden seit der Verpflichtung des Feldherrns Runjaic emsig Schlachten gewonnen und Punkte eingefahren und doch werden die Mannen aus dem Wildpark sicherlich nicht kampflos die Zähler hergeben. Nun, eigentlich will ich auf was anderes hinaus, sonst hätte ich euch nicht die bildhafte Balkonpoesie aufgetischt. Die gab’s nämlich, um zu verdeutlichen, was eigentlich ein Derby ist. Es geht gegen eine Mannschaft, deren Heimat eine große Anzahl der gegnerischen Anhänger tagtäglich vom Garten, Balkon oder Dachfenster aus sehen können. Eine Mannschaft, die dort spielt wo viele FCK-Fans ihr tägliches Brot (sowie Dauerkarten und diverse Fanutensilien) verdienen. Eine Mannschaft, die unser Nachbar ist – so einer, dem man seit Ewigkeiten in inniger Hassliebe verbunden ist und mit dem man schon unzählige Streitgespräche übern Gartenzaun hinweg geführt hat.
Da wir in der heutigen Zeit von Sky, Sport1 und den Öffentlich-Rechtlichen jedes Wochenende aufs Neue mit „Derbys“ überschüttet werden, können diese besonderen Attribute nicht oft genug erwähnt werden. Jeder Kick gegen persönlichkeitslose Plastikclubs oder gegen Gegner, die man erst seit wenigen Jahren im Profifußball findet, wird zum Derby hochsterilisiert. Zum Glück hat dieser schamlose Umgang mit der Bezeichnung noch nicht dazu geführt, dass den wahren Derbys die Passion und das Feuer abhanden gekommen sind. Am Sonntag werden wieder über 40 000 Lauterer im Fritz-Walter-Stadion sein und sich die Seele aus dem Leib brüllen. Sie werden wieder dieses ganz besondere Kribbeln spüren, das einen durchströmt, wenn die Badener den Platz betreten und das KSC-Logo auf der Anzeigentafel leuchtet. Manch einer dürfte dabei doppelt und dreifach motiviert sein, muss er am Montag doch wieder zu seiner rechtsrheinischen Arbeitsstätte, wo er mit überaus verständnisvollen Kollegen zusammenarbeiten darf.
Für Derbys sollte eine Schutzmarke hinterlegt werden, denn was für Nürnberger Rostbratwürste, Champagner und Pfälzer Leberwurst möglich ist, das sollte für schützenswerte Fußballpartien umso mehr gelten. Jeder Fernsehhansel, der uns dann ein gefälschtes Derby serviert, wandert umgehend ins Gefängnis oder muss eine derart teure Strafe berappen, dass ihm die Krawatte vom gestärkten Hemdkragen fliegt. Wir erfreuen uns derweilen an echten Nachbarschaftsduellen mit Kultcharakter, auch wenn einige davon nur noch in der Erinnerung existieren. Das ist immer noch besser als die Geschichten, Emotionen und Anekdoten von den Duellen gegen Saarbrücken oder den Waldhof durch heiße Luft aus Sinsheim zu ersetzen. Weder Geld noch gebetsmühlenartiges Wiederholen des Wortes machen aus einem normalen Fußballspiel ein Derby. Da gehört mehr dazu… Dinge ganz tief in uns drin, genetisch vordefinierte Faninstinkte, die sich ab und an den Weg nach Außen bahnen.
So wie am Sonntag gegen unsere Freunde from the other side off the river.
In diesem Sinne!
Ba beneen,
Butduma
In der Couchingzone werden regelmäßig und zuweilen mit Verspätung Derbys ausgetragen. Bertis Balkon hängt über Bahlis Terrasse, der von dort in Kohlmeyers Garten mit Pool blickt, wenn der Running-Man hinter den Büschen eine Pause macht und mit Fernglas durch Lauderes Dachfenster guckt, wo das Monster in einer Hängematte döst. Butduma sitzt derweilen auf seinem Schornstein und isst Käsebrot. Die Couchingzone erscheint! So viel ist sicher.
von Butduma
Wenn ich auf meinem bescheidenen Balkon stehe, die Arme auf das Geländer gelehnt, und meinen Adlerblick gen Süden schweifen lassen, dann sehe ich schmal aufragende Zeigefinger aus Beton, die sich vor den dunklen Umrissen des Schwarzwalds in den Himmel bohren. Sie scheinen nah und doch muss ich eine halbe Stunde im Auto oder im Zug verbringen sowie einen breiten Strom namens Rhein überqueren, bevor ich dort angelange, wo diese Betonröhren ihren dampfenden Atem hinauspusten. Man könnte aber auch einfach sagen: „Uff’m Balgon kann isch bis noch Karlsruh niwwer gugge.“
Am Wochenende wird sich von Karls letzter Ruhestätte aus, ein blau-weißer Bus den Weg über des Pendlers Alptraum A65 und die Hügel des Pfälzerwaldes bahnen, um mit seinen Insassen die Festung Betzenberg zu erobern. Dort werden seit der Verpflichtung des Feldherrns Runjaic emsig Schlachten gewonnen und Punkte eingefahren und doch werden die Mannen aus dem Wildpark sicherlich nicht kampflos die Zähler hergeben. Nun, eigentlich will ich auf was anderes hinaus, sonst hätte ich euch nicht die bildhafte Balkonpoesie aufgetischt. Die gab’s nämlich, um zu verdeutlichen, was eigentlich ein Derby ist. Es geht gegen eine Mannschaft, deren Heimat eine große Anzahl der gegnerischen Anhänger tagtäglich vom Garten, Balkon oder Dachfenster aus sehen können. Eine Mannschaft, die dort spielt wo viele FCK-Fans ihr tägliches Brot (sowie Dauerkarten und diverse Fanutensilien) verdienen. Eine Mannschaft, die unser Nachbar ist – so einer, dem man seit Ewigkeiten in inniger Hassliebe verbunden ist und mit dem man schon unzählige Streitgespräche übern Gartenzaun hinweg geführt hat.
Da wir in der heutigen Zeit von Sky, Sport1 und den Öffentlich-Rechtlichen jedes Wochenende aufs Neue mit „Derbys“ überschüttet werden, können diese besonderen Attribute nicht oft genug erwähnt werden. Jeder Kick gegen persönlichkeitslose Plastikclubs oder gegen Gegner, die man erst seit wenigen Jahren im Profifußball findet, wird zum Derby hochsterilisiert. Zum Glück hat dieser schamlose Umgang mit der Bezeichnung noch nicht dazu geführt, dass den wahren Derbys die Passion und das Feuer abhanden gekommen sind. Am Sonntag werden wieder über 40 000 Lauterer im Fritz-Walter-Stadion sein und sich die Seele aus dem Leib brüllen. Sie werden wieder dieses ganz besondere Kribbeln spüren, das einen durchströmt, wenn die Badener den Platz betreten und das KSC-Logo auf der Anzeigentafel leuchtet. Manch einer dürfte dabei doppelt und dreifach motiviert sein, muss er am Montag doch wieder zu seiner rechtsrheinischen Arbeitsstätte, wo er mit überaus verständnisvollen Kollegen zusammenarbeiten darf.
Für Derbys sollte eine Schutzmarke hinterlegt werden, denn was für Nürnberger Rostbratwürste, Champagner und Pfälzer Leberwurst möglich ist, das sollte für schützenswerte Fußballpartien umso mehr gelten. Jeder Fernsehhansel, der uns dann ein gefälschtes Derby serviert, wandert umgehend ins Gefängnis oder muss eine derart teure Strafe berappen, dass ihm die Krawatte vom gestärkten Hemdkragen fliegt. Wir erfreuen uns derweilen an echten Nachbarschaftsduellen mit Kultcharakter, auch wenn einige davon nur noch in der Erinnerung existieren. Das ist immer noch besser als die Geschichten, Emotionen und Anekdoten von den Duellen gegen Saarbrücken oder den Waldhof durch heiße Luft aus Sinsheim zu ersetzen. Weder Geld noch gebetsmühlenartiges Wiederholen des Wortes machen aus einem normalen Fußballspiel ein Derby. Da gehört mehr dazu… Dinge ganz tief in uns drin, genetisch vordefinierte Faninstinkte, die sich ab und an den Weg nach Außen bahnen.
So wie am Sonntag gegen unsere Freunde from the other side off the river.
In diesem Sinne!
Ba beneen,
Butduma
In der Couchingzone werden regelmäßig und zuweilen mit Verspätung Derbys ausgetragen. Bertis Balkon hängt über Bahlis Terrasse, der von dort in Kohlmeyers Garten mit Pool blickt, wenn der Running-Man hinter den Büschen eine Pause macht und mit Fernglas durch Lauderes Dachfenster guckt, wo das Monster in einer Hängematte döst. Butduma sitzt derweilen auf seinem Schornstein und isst Käsebrot. Die Couchingzone erscheint! So viel ist sicher.
19.10.2013 - 12:14 Uhr
Sehr schönes Plädoyer für die echten Derbys. Ich kann Dir nur voll und ganz zustimmen, da auch ich meine Jugend als echter Frontkämpfer am richtigen Rheinufer verbracht habe. FCK gegen KSC ist ein Derby wie es Hoffenheim im Zweifel nie spielen wird.
Nur eines: Running-man macht zwar durchaus Pausen...aber höchstens beim Arbeiten, niemals beim Laufen!
Nur eines: Running-man macht zwar durchaus Pausen...aber höchstens beim Arbeiten, niemals beim Laufen!
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