Die Couchingzone
13.08.2010 - 13:19 Uhr
02.03.2013 - 23:15 Uhr
Berti, eine hervorragende Kolumne, ein tolles Couching. Für mich Dein bestes Ding, aber das ist natürlich Geschmackssache.
Nur schade, dass Deine Kritikpunkte heute nochmals unterfüttert wurden und an Brisanz gewonnen haben - ich hätte es mir anders gewünscht.
Nur schade, dass Deine Kritikpunkte heute nochmals unterfüttert wurden und an Brisanz gewonnen haben - ich hätte es mir anders gewünscht.
08.03.2013 - 10:04 Uhr
Jahrgang 3 - Ausgabe 24:
SCHULD IST WOHL DER TRAINER - LANGWEILIG, ABER LEIDER WAHR
Es ist schon Jahre her, da weilte Kohlmeyer mit seinem Kumpan nach einem FCK-Heimspiel am „Wikinger-Grill“, der vor der Unterführung zum Elf-Freunde-Kreisel seine Bude zu öffnen pflegt, und warf das ein oder andere Bier in sich. Irgendwann kam er mit einigen illustren Gesellen ins Gespräch, die sich als Braunschweiger vorstellten. Braunschweiger. Die damals drittklassige Eintracht hatte doch gar nicht gespielt.
Es stellte sich heraus, dass es sich um die Lebenspartner diverser Braunschweiger Ballspielerinnen handelte, die das Vorspiel bestritten hatten. Kohlmeyer, der alte Klugscheizzer, verblüffte die Gäste sofort mit mehr oder weniger unnützem fußballhistorischen Fachwissen: „Franke – Grzyb, Zembski, Hollmann, Merkhoffer – Dremmler, Ristic, Handschuh, Erler – Popivoda, Frank“, zählte er aus dem Stegreif die Eintracht-Elf auf, die Anfang der 70er die Bundeliga rockte.
Mit einem 4-4-2-System, das ihr damaliger Trainer in einer sogenannten Raumdeckung spielen ließ, welche aus einer anderen Welt zu stammen schien. Deutsche Fußballsportler pflegten zu dieser Zeit noch stur hinter der Nummer herzurennen, die auf dem Rücken eines Gegenspielers prangte und ihnen von ihrem Trainer vor dem Anpfiff souffliert worden war. Doch Branko Z. war seiner Zeit um Lichtjahre voraus und sollte es bleiben, bis er endgültig dem Dämon Alkohol anheim fiel.
Den Braunschweigern blieb der Mund offen stehen. Hunderte von Kilometern waren sie gereist, vom Norden in den Südwesten Deutschlands, sie hatten Berge überwunden und finsterste Wälder durchquert – und nun stand da, in diesem fernen, fremden, dunklen Land ein übergewichtiger Hinterpfälzer und malte ihnen die Fußballkunst ihrer einstigen Heroen in glühenderen Farben, als sie es selbst jemals vermocht hätten.
Ehrfürchtig griff einer von ihnen in eine mitgeführte Edeka-Tüte, die wohl die eisernen Rationen bereithielt für den Fall, dass ihr Bus sich auf der Heimfahrt in der Unendlichkeit des Pfälzer Waldes verirrte. Und er zog ein Fläschchen braunen Saftes hervor, von dessen Etikett ein Hirschkopf grüßte ... nein, kein Klischee soll hier ausgelassen werden, gleichwohl ist diese Geschichte historisch verbürgt.
Man reichte Kohlmeyer ein solches Fläschchen, und dann auch seinem Kumpanen eines, denn die Braunschweiger waren gute Gastgeber, und dann bedienten sich selbst aus der Edeka-Tüte, so dass man anstoßen konnte, und es zeigte sich, dass die Tüte randvoll gefüllt war mit fuseligem Hörner-Likör, doch schnell, allzu schnell leerte sie sich, bis schließlich ein kühler Abendwind die leere Hülle ins pfälzische Firmament blies, Kohlmeyer ihr mit nun glasigen Augen hinterherschaute und zusah, wie der Edeka-Schriftzug kleiner und kleiner wurde ...
Kohlmeyer weiß nicht, was aus den Knaben geworden ist, aber er ist sicher: Heute würden sie sich nicht mehr wundern, wenn ein Pfälzer ihnen eine Braunschweiger Elf aus dem Stegreif benennen könnte: Schließlich spielen dort längst mehr Pfälzer als Niedersachsen.
DIE IDEEN DES MÄRZ: WO SCHICKSALE SICH ENTSCHEIDEN
Und sie sind längst nicht mehr drittklassig, o nein, sondern stehen uneinholbar vor uns in der Tabelle, sind fußballerisch vielleicht nicht Lichtjahre voraus, lösen entscheidende Spielsituation aber schlicht und ergreifend wirkungsvoller. Und unsereins sucht nüchtern oder auch trunken nach Erklärungen, wie das hat geschehen können.
Ist am Ende der Trainer schuld? Wieder einmal?
„Hüte Dich vor den Iden des März“, hat vor über 2000 Jahren ein Seher einer römischen Führungskraft geraten, aber sie hat die Weissagung in den Wind geschlagen. Ein Tag später wurde sie zunächst schwer gepiesackt und ohne Ehrensold in den Ruhestand verabschiedet.
Vergangenes Jahr erwischte es bereits unseren oberen Übungsleiter in der Monatsmitte des Lenzings, und im Lauterer Fanvolk mehren sich gegenwärtig dramatisch die Stimmen, dass auch dem Herrn mit dem anzüglichen portugiesischen Namen Selbiges widerfahren sollte.
Kohlmeyer, der große Abwiegler, neigt im Grunde dazu, Progromstimmungen erst einmal gegenzusteuern, doch je länger seine objektiven wie subjektiven Eindrücke Revue passieren lässt, desto weniger findet er Anhaltspunkte, die für den Mann aus Mainz-Weisenau sprechen.
„Immerhin sind wir noch Dritter, das muss man auch erst einmal sein und lässt uns noch alle Chancen, wir müssen nur die Nerven behalten“ – „Ist halt Pech, dass diese Saison gleich zwei Mannschaften Riesenläufe haben“ – „Wir können halt finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen.“ – „Das Umfeld ist zu ungeduldig, da fehlt jeglicher Realitätssinn“ – „Bedenkt, dass es sich um ein komplett neuformierten Kader handelt.“ So oder ähnlich argumentieren die Beschwichtiger doch, oder?
ACHTUNG, GEFAHR: KOHLMEYER SPIELT MIT ZAHLEN
Nu, schon allein beim Blick auf nackte Zahlen darf da zwingend widersprochen werden. Mit 40 Punkten nach 24 Spielen wäre der FCK in den vergangenen Zweitligajahren noch nicht einmal Dritter gewesen, sondern hätte zwischen den Rängen vier und sechs herumgehangen – und das obwohl wäre sicher noch nervöser. Der Abstand zum direkten Aufstiegsplatz hätte zu diesem Zeitpunkt zwischen drei und sieben Punkte betragen, es wäre immerhin immer noch mehr drin gewesen als heuer. Dass mit Braunschweig und Hertha gleich ein Duo derart vorweggaloppiert, hat es so in der Tat noch nicht gegeben.
Unter Trainer Wolfgang Wolf, den es zwar nicht in den Iden des März erwischte, der 2006 zu dieser Zeit aber bereits angezählt war, hatte nach 24 Spieltagen ebenfalls 40 Punkte, womit der FCK Rang vier bekleidete und sechs Punkte Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz aufwies.
Und Wolf arbeitete seinerzeit mit dem siebtgrößten Lizenzspieleretat der Liga – Obacht, Herr Rehberg, nur der GESAMTETAT war der vierthöchste, das ist ein Unterschied –, musste ebenfalls den Kader nach dem Aufstieg komplett neu aufstellen und war angewiesen, ausschließlich ablösefreie Spieler zu holen. Dennoch galt der Wiederaufstieg als erklärtes Saisonziel, und Wolf wurde davongejagt, als er es verfehlt hatte.
Dieser Kader nun ist der zweitteuerste der Liga, gespickt mit starken Talenten sowie erfahrenen Spielern und jeder Menge Erfahrung in Ober- und Unterhaus. Damit MUSS man aufsteigen wollen, und wer’s nicht tut, ist unter der Messlatte durchgesprungen. Und die ist mit der Forderung nach dem direkten Aufstieg keinesfalls zu hoch gelegt worden.
Auch wenn man’s niemals übertreiben sollte mit dem Anspruchsdenken – gar keine Ansprüche zu haben, führt auch nichts.
Übers aktuelle Auftreten der Mannschaft, insbesondere nach der gefühlten 0:3-Heimniederlage gegen Bochum, muss man hier nicht mehr groß reden. Festzuhalten bleibt, dass die Torausbeute, ja, auch die Anzahl der herausgespielten Torchancen pro Spiel, sich langsam aufs Niveau der peinlichsten Rückrunde einpendelt, die der FCK jemals spielte – der letzten nämlich. Und dass, obwohl da vorne nachweislich andere Kaliber herumstehen als eine Sandra Wagner oder ein VW Suparu.
Untrügliches Indiz dafür, dass im Training offenbar falsche Schwerpunkte gesetzt werden, ist die Qualität der Standards. Haben wir diese Saison überhaupt schon mal nach einem ruhenden Ball getroffen? Topteams leiten dadurch über 50 Prozent ihrer Treffer ein.
Unterm Strich ist es also gerade die NÜCHTERNE Betrachtung der Situation, die Kohlmeyer überzeugt: Die große Trainerlösung für die nächsten Jahre ist immer noch nicht gefunden. Foda schien eine wirklich gute Idee, ist im Praxistest aber durchgefallen. So gut wie.
So gut wie? Na ja - Kohlmeyer ist natürlich immer noch naiver Fan genug, um in irgendeinem Winkel seiner im Grunde kindlich gebliebenen Seele zu hoffen, dass noch ein Urknall erfolgt. Die Abwehr steht ja, und wenn sich vorne Mo, Jimmy und der liebe Gott vielleicht doch noch zusammentun, vielleicht reichts dann, den dritten Platz und die Relegationsspiele sind dann keine Frage fußballerischer Fertigkeit, sondern reine Nervensache ...
ALKOHOL IST KEINE LÖSUNG – EIN TRAINERWECHSEL AUCH NICHT
Andererseits: Von einer Ablösung Fodas im März hält Kohlmeyer trotz allem NICHTS. Nicht nur, weil sich das Prinzip des Feuerwehrmanns zuletzt bei uns nicht bewährt hat, es greift auch generell nicht mehr, wie die Rettungsmissionen Rehhagel (Hertha), Daum (Frankfurt) und einige andere zeigen. Der Fußball heute ist zu sehr von Abläufen abhängig, die akribisch einstudiert werden müssen, um erfolgreich zu sein. Mit ein paar flammenden Kabinenpredigten kurzfristig verpflichteter Dampfplauderer, die lieber Motivationskünstler genannt werden wollen, der Beschwörung irgendwelcher Siegermentalitäten und sonstwelchen Psychomätzchen allein ist es nicht mehr getan, und, ehrlich gesagt, hielt Kohlmeyer die angeblichen Qualitäten der Neururers dieser Welt auch früher schon für mehr Schein als Sein.
Unser letzter erfolgreicher Retter durfte schon im Februar anfangen, aber auch er brauchte vier bis fünf Wochen, um dem Team eine im Grunde extrem simple Handschrift zu verpassen, die aber auch nur in unterklassigen Abstiegskämpfen erfolgreich sein konnte: Die Bälle hoch hinten raus hauen - und hinterher mit Gebrüll.
Tatsächlich kann im Märzen kann kein Bauer der Welt mehr Rösslein anspannen, die Anfang Mai erfolgreich durchs Ziel gehen sollen.
Foda soll also bleiben bis zum Sommer.
An der Personalie Kuntz hingegen gibt’s nichts zu rütteln: Seine wirtschaftliche Arbeit ist erfolgreich, und an der Zusammenstellung des Kaders gibt’s auch nicht zu rütteln: Das Aufstiegspotenzial ist ohne Frage vorhanden auch die Mischung zwischen alt und jung ist so geglückt wie nie. Es hapert im Tagesgeschäft und für das ist nun mal der Trainer verantwortlich. Erst recht, wenn keiner anderer da ist, der auch mal strategisch eingreift – und da ist in der Tat ein Punkt, wo Kuntz mal nachdenken muss. Aber eben nur einer.
MERKE: WER ERSTKLASSIG SEIN WILL, MUSS ERSTKLASSIG ARGUMENTIEREN
Aber ach, was wollen wir eigentlich in Liga eins? Ist die heuer nicht noch langweiliger als ihr Unterhaus?
Und mutiert sie nicht immer mehr zum Kindergarten?
Hat irgendeiner eigentlich begriffen, was Deutschlands blondester Autoverkäufer meinte, als er sagte, die Bayern würden vom BVB abkupfern? Was denn? Das Erfolgsrezept, Meister zu werden, in dem man mehr Spiele als die anderen gewinnt? In der Tat: Warum hat Herr Klopp darauf kein Patent angemeldet?
Nicht minder eloquent meldete sich gmim Clemens Tönnies zu Wort: Nee, nee, umgekehrt isses, der BVB hat doch von Bayern abkupfert, ätsch, weil wir können doch den BVB nicht leiden, ist doch unser Lokalrivale.
Erinnert an Debatten, wie sie tagtäglich in bundesdeutschen Sandkasten ablaufen: „Du hast gepupst“ – „Nee, Du“ – „Stinker, Stinker“ - „Was man sagt, das ist man selber.“
Problemlos das Niveau haltend, hat Tönnies dann noch was hinterhergeschoben, auf was Kohlmeyer noch gewartet hatte: „Den Größten hab ja doch immer noch ich.“
Okay, beim genaueren Lesen stellte Kohlmeyer dann fest: Er hat seinen Verein gemeint.
Doch wenn’s in dem Stil weitergeht, darf man hoffen, dass sich bald auch Experten wie Loddar Matthäus und Ailton in diesen wirklich fruchtbaren und wichtigen Dialog einklinken – und dann packt vielleicht wirklich mal einer sein Ding aus.
Gruß,
Kohlmeyer
In der Couchingzone befinden sich im März die gleichen wie im Februar.
SCHULD IST WOHL DER TRAINER - LANGWEILIG, ABER LEIDER WAHR
Es ist schon Jahre her, da weilte Kohlmeyer mit seinem Kumpan nach einem FCK-Heimspiel am „Wikinger-Grill“, der vor der Unterführung zum Elf-Freunde-Kreisel seine Bude zu öffnen pflegt, und warf das ein oder andere Bier in sich. Irgendwann kam er mit einigen illustren Gesellen ins Gespräch, die sich als Braunschweiger vorstellten. Braunschweiger. Die damals drittklassige Eintracht hatte doch gar nicht gespielt.
Es stellte sich heraus, dass es sich um die Lebenspartner diverser Braunschweiger Ballspielerinnen handelte, die das Vorspiel bestritten hatten. Kohlmeyer, der alte Klugscheizzer, verblüffte die Gäste sofort mit mehr oder weniger unnützem fußballhistorischen Fachwissen: „Franke – Grzyb, Zembski, Hollmann, Merkhoffer – Dremmler, Ristic, Handschuh, Erler – Popivoda, Frank“, zählte er aus dem Stegreif die Eintracht-Elf auf, die Anfang der 70er die Bundeliga rockte.
Mit einem 4-4-2-System, das ihr damaliger Trainer in einer sogenannten Raumdeckung spielen ließ, welche aus einer anderen Welt zu stammen schien. Deutsche Fußballsportler pflegten zu dieser Zeit noch stur hinter der Nummer herzurennen, die auf dem Rücken eines Gegenspielers prangte und ihnen von ihrem Trainer vor dem Anpfiff souffliert worden war. Doch Branko Z. war seiner Zeit um Lichtjahre voraus und sollte es bleiben, bis er endgültig dem Dämon Alkohol anheim fiel.
Den Braunschweigern blieb der Mund offen stehen. Hunderte von Kilometern waren sie gereist, vom Norden in den Südwesten Deutschlands, sie hatten Berge überwunden und finsterste Wälder durchquert – und nun stand da, in diesem fernen, fremden, dunklen Land ein übergewichtiger Hinterpfälzer und malte ihnen die Fußballkunst ihrer einstigen Heroen in glühenderen Farben, als sie es selbst jemals vermocht hätten.
Ehrfürchtig griff einer von ihnen in eine mitgeführte Edeka-Tüte, die wohl die eisernen Rationen bereithielt für den Fall, dass ihr Bus sich auf der Heimfahrt in der Unendlichkeit des Pfälzer Waldes verirrte. Und er zog ein Fläschchen braunen Saftes hervor, von dessen Etikett ein Hirschkopf grüßte ... nein, kein Klischee soll hier ausgelassen werden, gleichwohl ist diese Geschichte historisch verbürgt.
Man reichte Kohlmeyer ein solches Fläschchen, und dann auch seinem Kumpanen eines, denn die Braunschweiger waren gute Gastgeber, und dann bedienten sich selbst aus der Edeka-Tüte, so dass man anstoßen konnte, und es zeigte sich, dass die Tüte randvoll gefüllt war mit fuseligem Hörner-Likör, doch schnell, allzu schnell leerte sie sich, bis schließlich ein kühler Abendwind die leere Hülle ins pfälzische Firmament blies, Kohlmeyer ihr mit nun glasigen Augen hinterherschaute und zusah, wie der Edeka-Schriftzug kleiner und kleiner wurde ...
Kohlmeyer weiß nicht, was aus den Knaben geworden ist, aber er ist sicher: Heute würden sie sich nicht mehr wundern, wenn ein Pfälzer ihnen eine Braunschweiger Elf aus dem Stegreif benennen könnte: Schließlich spielen dort längst mehr Pfälzer als Niedersachsen.
DIE IDEEN DES MÄRZ: WO SCHICKSALE SICH ENTSCHEIDEN
Und sie sind längst nicht mehr drittklassig, o nein, sondern stehen uneinholbar vor uns in der Tabelle, sind fußballerisch vielleicht nicht Lichtjahre voraus, lösen entscheidende Spielsituation aber schlicht und ergreifend wirkungsvoller. Und unsereins sucht nüchtern oder auch trunken nach Erklärungen, wie das hat geschehen können.
Ist am Ende der Trainer schuld? Wieder einmal?
„Hüte Dich vor den Iden des März“, hat vor über 2000 Jahren ein Seher einer römischen Führungskraft geraten, aber sie hat die Weissagung in den Wind geschlagen. Ein Tag später wurde sie zunächst schwer gepiesackt und ohne Ehrensold in den Ruhestand verabschiedet.
Vergangenes Jahr erwischte es bereits unseren oberen Übungsleiter in der Monatsmitte des Lenzings, und im Lauterer Fanvolk mehren sich gegenwärtig dramatisch die Stimmen, dass auch dem Herrn mit dem anzüglichen portugiesischen Namen Selbiges widerfahren sollte.
Kohlmeyer, der große Abwiegler, neigt im Grunde dazu, Progromstimmungen erst einmal gegenzusteuern, doch je länger seine objektiven wie subjektiven Eindrücke Revue passieren lässt, desto weniger findet er Anhaltspunkte, die für den Mann aus Mainz-Weisenau sprechen.
„Immerhin sind wir noch Dritter, das muss man auch erst einmal sein und lässt uns noch alle Chancen, wir müssen nur die Nerven behalten“ – „Ist halt Pech, dass diese Saison gleich zwei Mannschaften Riesenläufe haben“ – „Wir können halt finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen.“ – „Das Umfeld ist zu ungeduldig, da fehlt jeglicher Realitätssinn“ – „Bedenkt, dass es sich um ein komplett neuformierten Kader handelt.“ So oder ähnlich argumentieren die Beschwichtiger doch, oder?
ACHTUNG, GEFAHR: KOHLMEYER SPIELT MIT ZAHLEN
Nu, schon allein beim Blick auf nackte Zahlen darf da zwingend widersprochen werden. Mit 40 Punkten nach 24 Spielen wäre der FCK in den vergangenen Zweitligajahren noch nicht einmal Dritter gewesen, sondern hätte zwischen den Rängen vier und sechs herumgehangen – und das obwohl wäre sicher noch nervöser. Der Abstand zum direkten Aufstiegsplatz hätte zu diesem Zeitpunkt zwischen drei und sieben Punkte betragen, es wäre immerhin immer noch mehr drin gewesen als heuer. Dass mit Braunschweig und Hertha gleich ein Duo derart vorweggaloppiert, hat es so in der Tat noch nicht gegeben.
Unter Trainer Wolfgang Wolf, den es zwar nicht in den Iden des März erwischte, der 2006 zu dieser Zeit aber bereits angezählt war, hatte nach 24 Spieltagen ebenfalls 40 Punkte, womit der FCK Rang vier bekleidete und sechs Punkte Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz aufwies.
Und Wolf arbeitete seinerzeit mit dem siebtgrößten Lizenzspieleretat der Liga – Obacht, Herr Rehberg, nur der GESAMTETAT war der vierthöchste, das ist ein Unterschied –, musste ebenfalls den Kader nach dem Aufstieg komplett neu aufstellen und war angewiesen, ausschließlich ablösefreie Spieler zu holen. Dennoch galt der Wiederaufstieg als erklärtes Saisonziel, und Wolf wurde davongejagt, als er es verfehlt hatte.
Dieser Kader nun ist der zweitteuerste der Liga, gespickt mit starken Talenten sowie erfahrenen Spielern und jeder Menge Erfahrung in Ober- und Unterhaus. Damit MUSS man aufsteigen wollen, und wer’s nicht tut, ist unter der Messlatte durchgesprungen. Und die ist mit der Forderung nach dem direkten Aufstieg keinesfalls zu hoch gelegt worden.
Auch wenn man’s niemals übertreiben sollte mit dem Anspruchsdenken – gar keine Ansprüche zu haben, führt auch nichts.
Übers aktuelle Auftreten der Mannschaft, insbesondere nach der gefühlten 0:3-Heimniederlage gegen Bochum, muss man hier nicht mehr groß reden. Festzuhalten bleibt, dass die Torausbeute, ja, auch die Anzahl der herausgespielten Torchancen pro Spiel, sich langsam aufs Niveau der peinlichsten Rückrunde einpendelt, die der FCK jemals spielte – der letzten nämlich. Und dass, obwohl da vorne nachweislich andere Kaliber herumstehen als eine Sandra Wagner oder ein VW Suparu.
Untrügliches Indiz dafür, dass im Training offenbar falsche Schwerpunkte gesetzt werden, ist die Qualität der Standards. Haben wir diese Saison überhaupt schon mal nach einem ruhenden Ball getroffen? Topteams leiten dadurch über 50 Prozent ihrer Treffer ein.
Unterm Strich ist es also gerade die NÜCHTERNE Betrachtung der Situation, die Kohlmeyer überzeugt: Die große Trainerlösung für die nächsten Jahre ist immer noch nicht gefunden. Foda schien eine wirklich gute Idee, ist im Praxistest aber durchgefallen. So gut wie.
So gut wie? Na ja - Kohlmeyer ist natürlich immer noch naiver Fan genug, um in irgendeinem Winkel seiner im Grunde kindlich gebliebenen Seele zu hoffen, dass noch ein Urknall erfolgt. Die Abwehr steht ja, und wenn sich vorne Mo, Jimmy und der liebe Gott vielleicht doch noch zusammentun, vielleicht reichts dann, den dritten Platz und die Relegationsspiele sind dann keine Frage fußballerischer Fertigkeit, sondern reine Nervensache ...
ALKOHOL IST KEINE LÖSUNG – EIN TRAINERWECHSEL AUCH NICHT
Andererseits: Von einer Ablösung Fodas im März hält Kohlmeyer trotz allem NICHTS. Nicht nur, weil sich das Prinzip des Feuerwehrmanns zuletzt bei uns nicht bewährt hat, es greift auch generell nicht mehr, wie die Rettungsmissionen Rehhagel (Hertha), Daum (Frankfurt) und einige andere zeigen. Der Fußball heute ist zu sehr von Abläufen abhängig, die akribisch einstudiert werden müssen, um erfolgreich zu sein. Mit ein paar flammenden Kabinenpredigten kurzfristig verpflichteter Dampfplauderer, die lieber Motivationskünstler genannt werden wollen, der Beschwörung irgendwelcher Siegermentalitäten und sonstwelchen Psychomätzchen allein ist es nicht mehr getan, und, ehrlich gesagt, hielt Kohlmeyer die angeblichen Qualitäten der Neururers dieser Welt auch früher schon für mehr Schein als Sein.
Unser letzter erfolgreicher Retter durfte schon im Februar anfangen, aber auch er brauchte vier bis fünf Wochen, um dem Team eine im Grunde extrem simple Handschrift zu verpassen, die aber auch nur in unterklassigen Abstiegskämpfen erfolgreich sein konnte: Die Bälle hoch hinten raus hauen - und hinterher mit Gebrüll.
Tatsächlich kann im Märzen kann kein Bauer der Welt mehr Rösslein anspannen, die Anfang Mai erfolgreich durchs Ziel gehen sollen.
Foda soll also bleiben bis zum Sommer.
An der Personalie Kuntz hingegen gibt’s nichts zu rütteln: Seine wirtschaftliche Arbeit ist erfolgreich, und an der Zusammenstellung des Kaders gibt’s auch nicht zu rütteln: Das Aufstiegspotenzial ist ohne Frage vorhanden auch die Mischung zwischen alt und jung ist so geglückt wie nie. Es hapert im Tagesgeschäft und für das ist nun mal der Trainer verantwortlich. Erst recht, wenn keiner anderer da ist, der auch mal strategisch eingreift – und da ist in der Tat ein Punkt, wo Kuntz mal nachdenken muss. Aber eben nur einer.
MERKE: WER ERSTKLASSIG SEIN WILL, MUSS ERSTKLASSIG ARGUMENTIEREN
Aber ach, was wollen wir eigentlich in Liga eins? Ist die heuer nicht noch langweiliger als ihr Unterhaus?
Und mutiert sie nicht immer mehr zum Kindergarten?
Hat irgendeiner eigentlich begriffen, was Deutschlands blondester Autoverkäufer meinte, als er sagte, die Bayern würden vom BVB abkupfern? Was denn? Das Erfolgsrezept, Meister zu werden, in dem man mehr Spiele als die anderen gewinnt? In der Tat: Warum hat Herr Klopp darauf kein Patent angemeldet?
Nicht minder eloquent meldete sich gmim Clemens Tönnies zu Wort: Nee, nee, umgekehrt isses, der BVB hat doch von Bayern abkupfert, ätsch, weil wir können doch den BVB nicht leiden, ist doch unser Lokalrivale.
Erinnert an Debatten, wie sie tagtäglich in bundesdeutschen Sandkasten ablaufen: „Du hast gepupst“ – „Nee, Du“ – „Stinker, Stinker“ - „Was man sagt, das ist man selber.“
Problemlos das Niveau haltend, hat Tönnies dann noch was hinterhergeschoben, auf was Kohlmeyer noch gewartet hatte: „Den Größten hab ja doch immer noch ich.“
Okay, beim genaueren Lesen stellte Kohlmeyer dann fest: Er hat seinen Verein gemeint.
Doch wenn’s in dem Stil weitergeht, darf man hoffen, dass sich bald auch Experten wie Loddar Matthäus und Ailton in diesen wirklich fruchtbaren und wichtigen Dialog einklinken – und dann packt vielleicht wirklich mal einer sein Ding aus.
Gruß,
Kohlmeyer
In der Couchingzone befinden sich im März die gleichen wie im Februar.
08.03.2013 - 10:36 Uhr
Great Couching including big chocks...äh..sorry...jokes! :cool
08.03.2013 - 10:37 Uhr
Mal wieder wunderbar geschrieben, Kohlmeyer.
Muss mich hier ja auch mal melden, nicht das es heißt, der Typ liest die Couchingzone nicht. :rolleyes
Lediglich bei Stefan Kuntz würde ich mir ein noch kritischeres Auge wünschen. Ob seine wirtschaftliche Arbeit erfolgreich ist, wird man langfristig noch sehen. Derzeit sprechen eher mehrere Aspekte dagegen. Warten wir's ab.
Aber bei solchen Formulierungen...
"Es stellte sich heraus, dass es sich um die Lebenspartner diverser Braunschweiger Ballspielerinnen handelte, die das Vorspiel bestritten hatten."
...sehe ich dann auch da gerne drüber weg. ;)
Muss mich hier ja auch mal melden, nicht das es heißt, der Typ liest die Couchingzone nicht. :rolleyes
Lediglich bei Stefan Kuntz würde ich mir ein noch kritischeres Auge wünschen. Ob seine wirtschaftliche Arbeit erfolgreich ist, wird man langfristig noch sehen. Derzeit sprechen eher mehrere Aspekte dagegen. Warten wir's ab.
Aber bei solchen Formulierungen...
"Es stellte sich heraus, dass es sich um die Lebenspartner diverser Braunschweiger Ballspielerinnen handelte, die das Vorspiel bestritten hatten."
...sehe ich dann auch da gerne drüber weg. ;)
08.03.2013 - 10:38 Uhr
sehr gut Kohlmeyer wie immer genial, geistreich und witzig.
Und wie immer sehr sehr ehrlich.
Vielen Dank
Und wie immer sehr sehr ehrlich.
Vielen Dank
08.03.2013 - 11:02 Uhr
Zitat von Kohlmeyer:
Man reichte Kohlmeyer ein solches Fläschchen, und dann auch seinem Kumpanen eines, denn die Braunschweiger waren gute Gastgeber, und dann bedienten sich selbst aus der Edeka-Tüte, so dass man anstoßen konnte, und es zeigte sich, dass die Tüte randvoll gefüllt war mit fuseligem Hörner-Likör, doch schnell, allzu schnell leerte sie sich, bis schließlich ein kühler Abendwind die leere Hülle ins pfälzische Firmament blies, Kohlmeyer ihr mit nun glasigen Augen hinterherschaute und zusah, wie der Edeka-Schriftzug kleiner und kleiner wurde ...
Das hast Du doch aus einem Film!
Man reichte Kohlmeyer ein solches Fläschchen, und dann auch seinem Kumpanen eines, denn die Braunschweiger waren gute Gastgeber, und dann bedienten sich selbst aus der Edeka-Tüte, so dass man anstoßen konnte, und es zeigte sich, dass die Tüte randvoll gefüllt war mit fuseligem Hörner-Likör, doch schnell, allzu schnell leerte sie sich, bis schließlich ein kühler Abendwind die leere Hülle ins pfälzische Firmament blies, Kohlmeyer ihr mit nun glasigen Augen hinterherschaute und zusah, wie der Edeka-Schriftzug kleiner und kleiner wurde ...
Das hast Du doch aus einem Film!
08.03.2013 - 11:06 Uhr
Zitat von Meininger:
Zitat von Kohlmeyer:
Man reichte Kohlmeyer ein solches Fläschchen, und dann auch seinem Kumpanen eines, denn die Braunschweiger waren gute Gastgeber, und dann bedienten sich selbst aus der Edeka-Tüte, so dass man anstoßen konnte, und es zeigte sich, dass die Tüte randvoll gefüllt war mit fuseligem Hörner-Likör, doch schnell, allzu schnell leerte sie sich, bis schließlich ein kühler Abendwind die leere Hülle ins pfälzische Firmament blies, Kohlmeyer ihr mit nun glasigen Augen hinterherschaute und zusah, wie der Edeka-Schriftzug kleiner und kleiner wurde ...
Das hast Du doch aus einem Film!
Stammt die beschriebene Szene nicht aus dem Filmklassiker "Citizen Kohlmeyer" ? :D
Zitat von Kohlmeyer:
Man reichte Kohlmeyer ein solches Fläschchen, und dann auch seinem Kumpanen eines, denn die Braunschweiger waren gute Gastgeber, und dann bedienten sich selbst aus der Edeka-Tüte, so dass man anstoßen konnte, und es zeigte sich, dass die Tüte randvoll gefüllt war mit fuseligem Hörner-Likör, doch schnell, allzu schnell leerte sie sich, bis schließlich ein kühler Abendwind die leere Hülle ins pfälzische Firmament blies, Kohlmeyer ihr mit nun glasigen Augen hinterherschaute und zusah, wie der Edeka-Schriftzug kleiner und kleiner wurde ...
Das hast Du doch aus einem Film!
Stammt die beschriebene Szene nicht aus dem Filmklassiker "Citizen Kohlmeyer" ? :D
Dieser Beitrag wurde zuletzt von subsistence am 08.03.2013 um 11:10 Uhr bearbeitet
08.03.2013 - 11:12 Uhr
Zitat von subsistence:
Stammt beschrieben Szene nicht aus dem Filmklassiker "Citizen Kohlmeyer" ? :D
Das ist zusammenplagiiert. Die fliegende Tüte ist jedenfalls aus American Beauty.
Wenn er jetzt Dr. Kohlmeyer wäre, könnte man ihm wenigstens den Dr. wegnehmen, aber so?
Stammt beschrieben Szene nicht aus dem Filmklassiker "Citizen Kohlmeyer" ? :D
Das ist zusammenplagiiert. Die fliegende Tüte ist jedenfalls aus American Beauty.
Wenn er jetzt Dr. Kohlmeyer wäre, könnte man ihm wenigstens den Dr. wegnehmen, aber so?
08.03.2013 - 11:15 Uhr
Zitat von Meininger:
Zitat von subsistence:
Stammt beschrieben Szene nicht aus dem Filmklassiker "Citizen Kohlmeyer" ? :D
Das ist zusammenplagiiert. Die fliegende Tüte ist jedenfalls aus American Beauty.
Wenn er jetzt Dr. Kohlmeyer wäre, könnte man ihm wenigstens den Dr. wegnehmen, aber so?
Für dieses Couching möchte ich ihm ungern was wegnehmen.. weder den Kohl, noch den Meyer. Stattdessen möchte ich ihm zurufen: gut gemacht
Zitat von subsistence:
Stammt beschrieben Szene nicht aus dem Filmklassiker "Citizen Kohlmeyer" ? :D
Das ist zusammenplagiiert. Die fliegende Tüte ist jedenfalls aus American Beauty.
Wenn er jetzt Dr. Kohlmeyer wäre, könnte man ihm wenigstens den Dr. wegnehmen, aber so?
Für dieses Couching möchte ich ihm ungern was wegnehmen.. weder den Kohl, noch den Meyer. Stattdessen möchte ich ihm zurufen: gut gemacht
08.03.2013 - 13:55 Uhr
Ist es denn wichtig, ob eine Sequenz einer Geschichte plagiiert, echt erlebt, halbecht erlebt oder komplett erfunden ist? Ist es nicht!
Und glaubt mir, Männer, für den Kollegen Kohlmeyer ist dies auch völlig unerheblich. Er schöpft aus einem Selbsterfahrungsfundus, für den für die Guttenbergs und Schavans dieser Welt erst ein Spaten erfunden werden müsste, um sich dorthin durchzubuddeln ...
Klasse Lektüre, Kohlmeyer! Das macht einfach Spaß ...
Cheers
Bahli
Und glaubt mir, Männer, für den Kollegen Kohlmeyer ist dies auch völlig unerheblich. Er schöpft aus einem Selbsterfahrungsfundus, für den für die Guttenbergs und Schavans dieser Welt erst ein Spaten erfunden werden müsste, um sich dorthin durchzubuddeln ...
Klasse Lektüre, Kohlmeyer! Das macht einfach Spaß ...
Cheers
Bahli
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