1. FC Kaiserslautern 1. FC Kaiserslautern
deadline-day banner

Die Couchingzone

13.08.2010 - 13:19 Uhr
Die Couchingzone |#711
04.05.2013 - 16:54 Uhr
Gutes Couching, auf den Punkt unsere aktuelle Lage analysiert.
Die Couchingzone |#712
06.05.2013 - 16:51 Uhr
Samstag hätte ich noch behauptet "Genau, Berti!". Gestern war ich mir schon nicht mehr so sicher, und heute bin ich unsicherer denn je.

Aber vielleicht müssen wir Kolumnisten einfach in diese Kerbe hauen, damit uns wenigstens wieder Zweifel kommen können ...

Von daher: Prima, Berti!

Cheers
Bahli

•     •     •

You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
Die Couchingzone |#713
06.05.2013 - 22:05 Uhr
Zitat von Bertikoks:
... Und auch der FC Bayern hat eine Entwicklung genommen. Einer der wichtigsten Bausteine auf diesem Weg war aus meiner Sicht die Verpflichtung von Matthias Sammer. Sicher ist Jupp Heynckes ein im Alter herausragender Trainer der bereits sehr viel erreicht hat. Und er hat dieses Team aufgestellt und eingestellt. Die gallige Siegermentalität eines Matthias Sammer, den sie als Spieler in Dortmund "Feuerkopf" nannten, schwebt jedoch über allem. Natürlich hat auch Christian Nerlinger keinen schlechten Job gemacht. Ihm fehlte vermutlich nur das Kompromisslose. Der Wille an Stellen zu beißen die andere nicht als Gefahr erkennen mögen. Der macht aber am Ende den Unterschied.


Ich hab das Couching gelesen und bin danach über diesen Artikel gestolpert:

http://www.zeit.de/sport/2013-05/matthias-sammer-bayern-hoeness/komplettansicht

Danach hat Sammer beim FCB wohl nicht viel zu melden und die Spieler sind anscheinend auch nicht gerade von ihm begeistert.

Falô
Mineiro

•     •     •

"Es geht nicht darum, um jeden Preis zu siegen. Nur wenige gewinnen. Du musst so spielen, dass dich das Publikum bewundert. Dann kannst du auch verlieren."

(Johan Cruyff)

"Gehirn: ein Organ, mit dem wir denken, dass wir denken."

(Ambrose Bierce)
Die Couchingzone |#714
07.05.2013 - 01:31 Uhr
Zitat von Bertikoks:

Und objektiv betrachtet hat Kuntz bisher recht wenig erreicht in seiner Amtszeit.


Subjektiv Berti, die eigene Sichtweise ist immer subjektiv.

Zitat von Bertikoks:

Wenn Mannschaft und Trainer den Aufstieg verpassen sollten, hat er für dann sechs Spielzeiten zwei Jahre Bundesliga, aber vier Jahre zweite Liga auf der Uhr. Wenn das in Kaiserslautern als ausreichend gilt, ist wenig übrig von dem Verein, dem sich der kleine Berti vor über dreißig Jahren anschloss.


Da stimme ich gerne zu, vor 30 Jahren hatte man sicher noch ganz andere Ansprüche in der Pfalz. Erst kamen die zwei Ausländer, dann drei und dann ... Selbst zu dieser Zeit konnte man mithalten, weil die Liga finanziell nicht so weit auseinander war. Dies hat sich jedoch gerade seit dem Jahrtausendwechsel dramatisch verschoben.
Heute entscheidet eine ungewisse Gemengenlage aus Standort, Großsponsoren und einigen anderen Faktoren ob man langfristig einen Klub in der Bundesliga etablieren kann.
Von dem Verein, dem sich der kleine Berti (und nicht nur der) vor 30 Jahren angeschlossen hat ist nicht mehr viel übrig ausser solchen schönen Floskeln wie Fritz Walter, Heimat, Kampf oder Tradition.
Den "alten Betze" gibt es nicht mehr, Regenstock schwingende Rentner hinter den Trainerbänken auch nicht, kein Pyro, kein dies und das ... sowas nennt man wohl den Wandel der Zeit. Altes geht, neues kommt. Das ist für viele (gerade die Alten) ein grosses Problem.
Grosse Europapokalzeiten, Siege gegen Real, DFB-Schlachten gegen Dortmund ... so gerne ich das alles auch wieder sehen würde, mache ich mir da aber keine Illusionen und vor allem überschätze ich nicht den Verein.

Wenn Du 10 Jahre Schindluder mit Deinem Körper treibst - wie lange brauchst Du wohl um ihn wieder auf den Stand von vor 10 Jahren zu bringen?

Zitat von Bertikoks:
Selbstüberschätzung und überzogenes Anspruchsdenken waren Gift für unseren Verein.


Sprichst Du da von den Fans, oder von bestimmten Präsidenten?

•     •     •

Temporarily not available.
Die Couchingzone |#715
09.05.2013 - 12:56 Uhr
Zitat von Mineiro:

Ich hab das Couching gelesen und bin danach über diesen Artikel gestolpert:

http://www.zeit.de/sport/2013-05/matthias-sammer-bayern-hoeness/komplettansicht

Danach hat Sammer beim FCB wohl nicht viel zu melden und die Spieler sind anscheinend auch nicht gerade von ihm begeistert.

Falô
Mineiro


Sorry, da OT: Bin selbst kein Freund von Sammer, aber das hier ist absolut unseriöser Schmieren-Journalismus mit ungenannten Quellen und halbgaren Unterstellungen, wie ich es der ZEIT nicht zugetraut hätte. Die waren wohl nur sauer, dass Sammer ihnen keinen Interview-Termin gegeben hat. Der ganze Artikel enthält keinen einzigen belastbaren Fakt, der belegen würde, dass Sammer beim FCB nix zu sagen hätte. :/: --- Bin da in der Sache eher bei Berti!

Bertis gutes Couching ist für mich nach wie vor aktuell und prognostizierte ja sogar schon den Sieg gegen Frankfurt. Die Charakterprobe folgt jetzt erst gegen den Jahn! Sehen wir da wieder die übliche blutleere und taktisch verheerende Auswärtsleistung gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel? Oder hat sich nach dem "reinigenden Gewitter" nun wirklich was geändert?

Bei aller berechtigten Kritik: Der Umgang des Vereins mit der Situation nach der letzten Niederlage war schon sehr, sehr gut! Vielleicht hat man da in Sachen Einstellung auch was nachhaltig verändern können. Bin auf den Sonntag gespannt, da wird man das dann ggf. erkennen können - oder eben auch nicht.

•     •     •

502 Bad Gateway
nginx

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Newtrial am 09.05.2013 um 13:10 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#716
10.05.2013 - 13:34 Uhr
Jahrgang 3 - Ausgabe 32

ZWISCHEN KOTZEN UND GRINSEN


Der Mai ist gekommen. Ein Monat, in dem für den gemeinen Fußballfan schon nach den ersten Tagen eine zermürbend langweilige Zeit beginnt, nämlich die bis zum Anpfiff zur nächsten Saison. Dieser Mai aber hält auch spät noch für den Freund ledernen Ballsports im allgemeinen und den des 1. FC Kaiserslautern im besonderen gleich drei Ereignisse bereit, die seinen Adrenalin- und Alkoholpegel Pogo tanzen lässt: Die ersten Relegationsspiele in der Geschichte des Betzenbergs und das erste Champions League-Finale der Weltgeschichte, in dem sich zwei deutsche Mannschaften gegenüber stehen.

Der deutsche Vereinsfußball steht damit vor einem historischen Triumph. Umso mehr, als dass er sich diesen eben nicht mit den bis zum Brechreiz bemühten, so genannten deutschen Tugenden erarbeitet, nein, sondern erspielt hat: Mit technisch und taktischen großartigen Darbietungen gegen Mannschaften, die genau auf diesen Gebieten bislang als führend galten.

Dennoch wundert sich Kohlmeyer ein wenig über sich selbst, dass er in diesen Tagen, die eigentlich von nichts als purer Vorfreude geprägt sein sollten, zunehmend melancholisch wird. Weshalb? Weil die Begleitmusik, die um diese Spiele herum gefidelt wird, langsam so lauf und kakophonisch wird, dass man sich immer öfter fragt, was an diesem Sport eigentlich noch so ehrlich und authentisch sein könnte, dass es sich vorbehaltlos lieben lässt.

FUSSBALL ALS SELBSTBEFRIEDIGUNG

Natürlich kann man viele Aspekten auch ironisch betrachten. Dass diese Triumphorgie zweier teutonischer Teams ausgerechnet im Herzen des sogannten Mutterlands stattfindet, welches wie kein anderes von deutschem Fußball traumatisiert wurde, ist ja schon einen Schmunzler wert. Eigentlich, liebe Engländer, kann es in einem eventuellen Elfmeterschießen diesmal eigentlich nur Gewinner geben, denn Ihr seid ja nicht dabei, hähä.

Dass jedoch zwei zentrale Spieler der einen Mannschaft unter ihrem Trikot bereits das des Gegners tragen, ist dagegen schon eher bitter ironisch. Na und - dass Fußball nur noch Geschäft ist, ist ja wohl nichts Neues mehr, werden einige jetzt sagen. Doch mit diesen diesen Transfers hat der Bussinesspragmatismus im Profifußball eine neue Dimension erreicht. Wie sagte Gernot Hassknecht vor Wochenfrist in der „heute show“: „Das ist kein Fußball mehr, das ist Selbstbefriedigung.“

Die bajuwarischen Konzerneinkaufer reden nun nicht einmal mehr mit den abgebenden Vereinen, sondern lassen lediglich über den Agenten ihres neuen Angestellten ausrichten, dass sie bereit, sind die vertraglich vereinbarten Ausstiegsklauseln zu erfüllen, daher könne der Spind des Spielers zum 1.7. mit einem neuen Namensschild versehen werden. Nun gut, werden auch da einige sagen, mehr als ein Höflichkeitsbesuch wär‘s ja unter den Umständen auch nicht mehr gewesen, und auf den ist unter echten Männern doch letztlich geschissen, oder?

Mag sein, aber es ist schon brechreizerregend, dass die Gallionsfigur der millionenschweren bayrischen Designertrachtenseligkeit ein paar Tage zuvor noch erklärte, er wolle sich mit dem Dortmunder Präsidenten zum Ende der Saison mal zusammensetzen, um mit ihm zu besprechen, wie diese Liga künftig wenigstens noch seinen Schäferhund für zwei Minuten vom Fressnapf weglocken könnte, wenn die Bayern in Kürze auch jeden einigermaßen talentierten Mannschaftsbusfahrer mit Geldscheinen an die Isar winken. Dass eben dieser Ar(s)chetyp des „Unternehmers mit Herz“ ein paar Tage später auch noch als größter Doppelmoralist der jüngeren deutschen Geschichte - also ungefähr seit der Goldenen Bulle - geoutet wird, ist unter fußballgeschäftlichen Gesichtspunkten schon wieder eine ironische Fußnote.

DAS IST LOGIK: WER NIX HAT, SOLL'S MAUL HALTEN

Zwischen Kotzen und Grinsen verfolgte Kohlmeyer auch die Kommentare eines gewissen Matthias S. in diesem Zusammenhang. Die Kritik des Managers Heidel am neuen Geschäftsgebaren des FCB konterte er damit, dass Heidel gar nicht beurteilen könne, wie ein Weltverein wie der FCB arbeiten müsse, schließlich sei er selbst nicht Manager eines solchen galaktischen Großvereins und werde auch nie einer.

Nun - angesichts dieser inhaltlichen wie rhetorischen Meisterleistung sollte Uli H. sich ernsthaft überlegen, ob er Matthias S. nicht stante pede zum Mediendirektor erheben sollte, statt ihn wie bislang nur fürs Unsympathischsein zu entlohnen. Und er sollte ihn nicht nur zur Stimme des Bayernkonzerns machen, sondern auch gleich zu seinem eigenen, persönlichen Referenten, der auch vor Gericht das Wort für ihn ergreifen darf.


Denn gedanklich lässt sich mit Sammersche Argumentationskunst auch trefflich gegen den Vorwurf der Steuerhinterziehung in Phantastilliardenhöhe verteidigen. Herr Vorsitzender, ein armer Schlucker wie Sie kann das doch gar nicht beurteilen. Sie müssten erst einmal selbst 150 Phantastilliarden auf dem Konto haben, um nachfühlen zu können, wie das quält, wenn Sie im Whirlpool sitzen, Champagner schlürfen und eine südosteuropäische Fachkraft an Ihrem Uli nuckelt, Sie sich aber dennoch nicht entspannen können, weil die diese trüben Gedanken nicht aus Ihrem Hirn kommen: Wieso in aller Welt soll der Fiskus mir von meinem sauer verdienten Geld die Hälfte abschröpfen? Damit er davon Landtagsabgeordnete bezahlt, die wiederum für 3000 Euro im Monat ihre eigenen Säuglinge beschäftigen, damit diese ihre Computer warten, auf denen sie wiederum eh nur den lieben langen Tag Pornoseiten studieren?

Tja, das sind halt Aspekte, die Kohlmeyer sich fragen lassen, warum er dem Fußballsport überhaupt noch frönt, statt sich ganzjährig in sein palmeirisches Exil zurückziehen, um dort sinnvolle Dinge zu tun wie etwa Gras anzubauen, dass er dann über all das wachsen lassen kann.

Und warum in Gottes Namen soll Kohlmeyer eigentlich noch mit seinem eigenen Verein fiebern, damit dieser wieder in die zunehmend geschäftsmäßiger und reizloser werdende Erste Liga der SAP´s, AWD‘s und Gazproms aufsteigt?

DER EINZIG WAHRE MESSIAS WIRKT IN LIGA ZWEI

In Liga zwei ist die Welt schließlich noch ansatzweise in Ordnung. Dort gibt es sie noch, die modernen Messiasgestalten, die bei einem bestimmten Verein ans Kreuz genagelt werden und dann sterben - nicht nur metaphorisch, nein, richtig physisch an einem Herzkasper, der sie auf dem (hehe) Golfplatz erteilt, und dann gucken sie auch noch in dieses berühmte Licht, was sie auch noch oft und gerne gefragt und ungefragt in Talkshows erzählen, da Dummschwätzen neben dem Fußball ihre ganz große Leidenschaft ist. Aber wie durch ein Wunder stehen sie wieder auf, kehren zu dem Verein, der sie ans Kreuz genagelt hat, zurück und führen ihn zu neuem Glanz. Und sie gewinnen fortan Spiel auf Spiel, unter anderem gegen Köln, was einem großen pfälzischen Traditionsverein den Relegationsrang festklopft. Soll man/Kann man/ Darf man einem solchen Trainergott wirklich noch wünschen, noch einmal eine Erste Liga aufzusteigen, die von Wirtschaftsverbrechern regiert wird? Kohlmeyer sagt: Er möge nach dem 34. Spieltag in den Mittelkreis des Rewirpowerstadions treten und direkt in den Himmel auffahren. Und fortan soll der Tag seiner Himmelfahrt als Feiertag begangen werden, in dem wir alle uns Pornobalken unter die Nase kleben, den ganzen Tag Scheizze babbeln und vor Fankurven tanzen.

Was aber immer noch nicht erklärt, warum Kohlmeyer immer noch um den Aufstieg seines FCK bibbert.

Nun: Kohlmeyer ist halt bescheuert. Das ist, zugegeben, keine besonders originelle Erklärung, aber die einzig denkbare.

Obwohl er - und weiß Gott, er schämt sich, es zuzugeben - sich über seine eigenen Gefühlen zu seinem Verein längst nicht mehr so mit sich im Reinen ist, wie er es vor wenigen Jahren noch war.

Das mag eine Alterserscheinung sein. Denn als er noch so jung war, wie es viele TM-Kolumnenmitleser heute sind, haben seine Synapsen auch noch zu brutzeln begonnen, wenn Geye, Bongartz und Funkel den Ball mal unfallfrei über drei Stationen direkt ins Tor befördert hatten. Da glaubte er auch sofort, nun werde alles gut, und diese gelungene Kombination bilde den Auftakt einer neuen Ära, in der sich sein FCK von nun an kontinuierlich und pfeilgrad an die Spitze des Weltfußballs zaubert.

FODA UND KEIN ENDE

Heuer aber wäre Kohlmeyer nicht einmal mehr bereit, einen Franco F. aufs Schild zu heben, wenn es diesem gelänge, den FCK über 180 Minuten Relegation vielleicht ohne Fortounis, aber mit Fortuna irgendwie in die Erste Liga zu knoddeln. Ist das denn gerecht?

Nun, angesichts der 75 Seiten, die der „Ist Foda noch der Richtige?“-Thread mittlerweile aufweist, und auch angesichts der ausdifferenzierten Couchings der vergangenen Wochen ist es müßig, noch einmal im Einzelnen aufzuzeigen, was in dieser Saison alles nicht rund läuft, obwohl das Happy End immer noch im Bereich des Machbaren ist.

Auf jeden Fall zeigt die Kontroverse in dieser Breite, dass Kohlmeyer nicht allein ist mit seinem unguten Ungefühl, was die dauerhafte Zusammenarbeit mit Foda angeht. Dass die Mannschaft außer im Köln-Spiel nie über 90 Minuten konzentriert zu Werke ging, dass Foda offensichtlich nie was Überraschendes einfällt, was Taktik und/oder System angeht, dass nicht nur die jüngsten, wenn auch relativierten Äußerungen Idrissous darauf hindeuten, dass die Mannschaft insgesamt nicht richtig spurt - das ist Kohlmeyers Meinung eben nicht damit wegewischt, wenn das klar definierte Saisonziel am Ende doch noch und grad so geschafft wird.

Auch mit der Transferpolitik kann Kohlmeyer sich immer weniger identifizieren. Neben einer gewissen Ösi-Fixierung beim Spähen - was zum Teufel wollen wir mit Leitgeb? - ist es für ihn beispielsweise auch nicht erkennbar, was an Marcel Geis förderungswürdiger sein soll als an den Talenten, die bereits unter Vertrag sind und die natürlich außer aufs Geld auch sehr darauf achten, wo und welche Türchen für sie sich im Profikader öffnen könnten - Stichwort: Hajtic und Rodriquez, von Derstroff und Drazan möchte Kohlmeyer gar nicht mehr anfangen. Durch Geis hat sich jetzt wieder ein Türchen geschlossen.

SCHEIZZ EGAL: LASST UNS DOMSPATZEN RUPFEN

Klar kann man das auch anders sehen: Jetzt erstmal alle gemeinsam die Mannschaft erfolgreich durch die Relegation brüllen - und ob nächste Saison tatsächlich nichts besser wird, sehen wir dann nächste Saison.

Möglicherweise sind die, die so denken, ja auch gar nicht die Naivlinge.

Sondern die Naivlinge sind die Grantler und Grübler, die immer verträumt und ein wenig neidisch auf Freiburg oder nach Swansea schauen, und partout herbeireden wollen, dass auch ihr FCK endlich mal in dieser Art anders werden müsse, wenn er sich dauerhaft in der Welt dervWelt der Ulis der Oligarchis behaupten will.

Vielleicht geht‘s wirklich nur darum, sich einfach wieder nur aufs nächste Spiel zu freuen - egal, wie bescheiden das letzte war und was im übernächsten und überübernächsten drohen könnte.

Also, auf dann. Vor die Relegation haben die Götter Regensburg gesetzt. Lasst uns Domspatzen rupfen gehen.

Gruß,
Kohlmeyer

In der Couchingzone wird vielleicht manchmal zu viel gegrübelt.

•     •     •

"Du kannst auf deinen Verein stolz sein, aber eigentlich nicht auf die Tatsache, ein Fan dieses Vereins zu sein. Denn die Fan-Werdung vollzieht sich bekanntlich ähnlich wie die sexuelle Orientierung: Da kommt etwas über dich, das du nicht beeinflussen kannst. (...) . Du kannst deinem Verein nicht einfach die Gefolgschaft kündigen. Du kannst deinem Verein nicht den Tritt versetzen. (...) Du kannst deinen Verein nicht einfach loslassen, denn er hält an dir fest."
Thomas Brussig
Die Couchingzone |#717
10.05.2013 - 14:14 Uhr
Zitat von Kohlmeyer:
statt sich ganzjährig in sein palmeirisches Exil zurückziehen, um dort sinnvolle Dinge zu tun wie etwa Gras anzubauen....


:cool

Egalkraut à la Roger Willemsen

=> In der Couchingzone sitzt "Snoop Dog Kohlmeyer", ist vernebelt und grübelt nicht mehr

•     •     •

Nichts ersetzt die Romantik eines Flutlichtspiels im Regen... ...und siegen!!

Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!

Hate the Game, not the Player!

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Hegermeister am 10.05.2013 um 14:25 Uhr bearbeitet
Die Couchingzone |#718
16.05.2013 - 22:16 Uhr
Jahrgang 3 - Ausgabe 32: ZUHAUSE BEI FRANCO F.

von Butduma

Franco F. klöppelte Socken. Breitbeinige saß er in seinem Ohrensessel und ließ die Klöppelstöcke flink durch die rot-weiße Wolle gleiten. Er hatte den Video-Rekorder angeschmissen, um sich alte Aufnahmen von Prunksitzungen aus seiner Heimat anzuschauen. Auf dem Bildschirm flackerten Bilder von Männern mit seltsamen Hüten und alten Frauen mit dicker Schminke, das Rattern der VHS-Kassette wurde regelmäßig vom Gelächter aus den Fernsehlautsprechern übertönt. Franco F. grinste und schenkte sich noch einen Kaffee aus der stählernen Thermoskanne ein. Die braune Brühe dampfte aufgeregt in der Tasse. Plötzlich erfüllte ein elektronisches Bimmeln der Raum…

Das Display des Telefons auf dem Wohnzimmertisch aus österreichischen Edelhölzern, die einem Sturm bei Graz zu Opfer gefallen waren, leuchtete aggressiv auf. Franco F.‘s Blick glitt nervös zu dem schnurlosen Gerät. Er wusste bereits, was die Person am anderen Ende zu sagen hatte, bevor er die ersten Ziffern der Vorwahl erblickte. Es war wieder die Frankfurter Nummer, es war wieder der Moment, um der Wahrheit ins Auge zu blicken. Franco F. wartete. Das Bimmeln verstummte. Die Fernsehlautsprecher lachten. 23 Anrufe in Abwesenheit.

Franco F. stand auf und ging zum Fenster. Sein Herz donnerte in seiner Brust. „Wieder nicht die Eier gehabt, Franco“, brummelte er kaum hörbar in sich hinein. „Wieder mal nen MOnumentalen MOment verpasst, um Mann zu sein“, schoss es ihm durch den Kopf. Er ärgerte sich über sich selbst und riss die Gardine mit den Sturmspitzen von der Stange. Dabei wollte er heute entspannen und sich eine Taktik für das Kartenspiel seiner Mannschaft aus der Verwaltungsabteilung gegen die Jungs von der Glückspielgesellschaft am Millerntor überlegen. Er wollte den Platz an der Sonne und ungebetene Störungen oder Aufregung waren Gift für seine Überlegungen.

Er griff zum Telefon und begann die Nummer der schönen Esther einzugeben. Sie war ihm eine gute Freundin geworden, seit er sie fast jeden Montagabend zum Stammtisch traf. Bei ihr konnte er klar Schiff machen, sich den Frust von der Seele reden. Sein Chef hatte ihm von dem befreienden Gefühl berichtet, das nach solch einem Gespräch wie eine sanfte Seebrise durch den Kopf weht. Franco F. gab die letzte Ziffer der Nummer ein, sein Daumen glitt zur Wähltaste… er zögerte. Schon bimmelte das Telefon erneut und die Nummer der schönen Esther wurde durch hässliche Zahlenboten aus Frankfurt ersetzt.

Franco F. legte das Telefon zur Seite und stampfte über den Flokati-Teppich zu einem großen hölzernen Globus in der Ecke des Zimmers. Er klappte die obere Hälfte zur Seite und holte eine große Packung Salzstangerl heraus. Mit gekonntem Blick wählte er eine Flasche aus seiner Sammlung an Baldrian-Trünken aus und kippte den Inhalt in ein großes Kristallglas mit üppigen Gravuren. Der erdige Geschmack des Baldrians versetzte seine Nerven wieder in ruhige Schwingungen und ließ den Puls auf Beamtenniveau sinken. Ein herrlicher Tropfen. Beruhigt und beseelt zog Franco F. den grazilen Schaukelstuhl, den er von seiner portugiesischen Oma geerbt hatte, zum Fenster und ließ sich mit Blick nach Draußen darin nieder.

Vor dem Fenster beobachtete er ein naturnahes Schauspiel, welches ihn in seinen Bann zog und vollends von den schlechten Gedanken um das Telefon ablenkte. An einem kleinen Baumjohann, den Franco F. bereits im Vorjahr ins Mittelfeld gepflanzt hatte war der Löwe angeleint, der ihm erst im Januar bei Dortmund zugelaufen war. Es junges, aber kräftiges Tier, das den ganzen lieben Tag lang auf und ab lief. Er spielte mit einer Zwiebel, die es mit seinen Pranken festzuhalten versuchte, welche aber immer wieder aus diesen herausplöppte. Löwe trieb es Tränen in die Augen. Ein Zwiebelring tanzte unverschämt auf seiner Nase.

Franco F. grübelte über seine Kampfmannschaft nach, die er für das Kartenspiel ins Rennen schicken sollte. Alle in der Verwaltung waren dufte, auch wenn manche nicht so gut Deutsch sprachen oder unter anderen Problemen wie Schlaflosigkeit in der Nähe von Pflaumenbäumen litten. Er dachte, dass es angesichts des beschissenen Anrufes wahrscheinlich Weiser war nicht so Dick aufzutragen und eher auf riedlische Arbeiter und Hoffer auf den Erfolg zu setzen – das war ohne wenn und abel alternativlos. Franco F. hatte einen Plan, der sich nahtlos in seine grandiose Arbeit als Oberhaupt der Kartentruppe einreihen würde – die Verzückung des Abteilungsleiters war garantiert. Zufrieden biss er auf ein steinhartes Saltzstangerl, sein Drahtzahn schmerzte. Maschendrahtzaun aus dem Baumarkt war nicht die Toplösung für die Probleme in der linken Kauleiste.

Löwe hatte die Zwiebel aufgegessen und stand mit tränenden Augen unter dem Fenster. Er gierte nach einem Menthol-Kaugummi. Franco F. schaukelte… vor und zurück… vor und zurück. Ein zufriedenes Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit und verband beide Ohren in einer sanft geschwungenen Linie. Sollten sie nur alle rätselraten und mutmaßen, nur er hatte den Schlüssel zum Erfolg und das würde er sie spüren lassen. „Sie werden mir huldigen. Sie werden mir huldigen und lautstark meinen Namen rufen“, dachte er sich. Er fühlte das Selbstvertrauen zurück kommen und wie eine Rakete von Kim Jong-un in ihm aufsteigen.

Es war wie beim Gewitter, der Blitz kommt immer vor dem Donner. Erst das Licht und dann das krachende Grollen der Götter. Das Display blinkte bevor das elektronische Bimmeln einsetzte. Franco F. sah es aus dem Augenwinkel und schnellte sprungfederngleich aus seinem Schaukelstuhl hoch. Beim ersten Bimmeln stand er bereits vor dem Telefon und betrachtete es mit einer Mischung aus Wut und süffisanter Überlegenheit. „Nimm ab, Franco und schau der Wahrheit ins faltige Angesicht“. Seine Hand griff nach dem Gerät aus schwarzem, poliertem Plastik. Mit geübtem Daumen drückte er auf die grüne Taste zum Abnehmen und hielt sich das Telefon ans Ohr. Am anderen Ende hörte Franco F. eine etwas klapprige, alte Männerstimme, die dennoch bestimmt klang. Ganz ohne Umschweife sagte sie folgende Worte:

„Es ist Zeit für die Rehabilitation, Herr Foda!“

In diesem Sinne!

Ba beneen,
Butduma

In der Couchingzone werden zuweilen Geschichten erzählt, vom Bahli, vom Berti, vom Kohlmeyer und manchmal auch vom Butduma. Ansonsten bemüht man sich um Seriosität.

•     •     •

SAPERE AUDE
- Wage es, weise zu sein -

oder nach Immanuel Kant
"Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Die Couchingzone |#719
17.05.2013 - 12:28 Uhr
Ein absoluter Augenschmaus.

Bin immer wieder angetan von den wundervollen Metaphern und bildlichen Verdeutlichungen. Ein Löwe, der am jungen, frisch ins Mittelfeld gepflanzten Baumjohann angeleint ist - schon Heute legendär!
Ich lese den monatlichen Butduma sehr, sehr gerne - vorallem in Geschichtsform.

Vielen Dank und weiter so.

•     •     •

Bellinghausen trieb den Ball auf der linken Seite nach vorne und flankte. McKenna missglückte der Abwehrschlag, der Ball prallte Simpson vor die Füße, der aus elf Metern ins linke untere Eck einschoss (70.).
--------------
"Die Security filzt jedesmal meinen Jutebeutel, aber sie finden nur feinste Demeter-Qualität." __Verkehrtfunk
Die Couchingzone |#720
17.05.2013 - 14:27 Uhr
Zitat von Butduma:
Ein herrlicher Tropfen.

... ist die heutige Kolumne. Den Tropfen will man auch gar nicht runterschlucken, weil man als Leser dann Angst hätte, ihn für immer zu verlieren ...

Diese Kolumne ist ein würdiger Saisonabschluss - und sie bietet alles, was die naturnahen Schauspiele in dieser Spielzeit vermissen ließen - Humor, gute Laune, glasklare Spitzen und das gewisse Etwas.

SAUGUT! DANKE!

Cheers
Bahli

•     •     •

You want it darker
We kill the flame

Leonard Cohen (1934-2016)
  Post-Optionen
Den kompletten Thread wirklich löschen?

  Paten-Optionen
Möchtest Du den Beitrag wirklich löschen?
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Lesezeichen
  Abonnierte Threads
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Post-Optionen
Nutze die Thread-Suche, wenn Du diesen Post in einen anderen Thread verschieben möchtest. Drücke Thread erstellen, wenn aus diesem Post ein eigenständiger Thread werden soll.
Widerruf Tracking & Cookies

Du hast erfolgreich deine Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die du zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt hast. Du kannst dich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden. Bitte beachte, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wende dich diesbezüglich an datenschutz@transfermarkt.de.